Dann singt man ein Lied und Michael sagt zum Schluß:
Und wünsche, daß mögt erleben ihr
In Fried und guter Gesundheit
Das künftig Jahr und allezeit.
Darzu auch denn der Engel Schar
Wünscht ein glückselig neues Jahr.
Ihr Kindlein habt ein gute Nacht,
Was ihr gehört, fleißig betracht.
Der Segen Gottes sei mit euch,
Zu teil werd euch das Himmelreich.
Guter Fried sei stets in dem Haus
Allen, die gehen ein und aus!
Nach den Kirchl. Mitteilungen aus Zwickau und Umgegend.
20. Erzgebirgische Weihnachtslieder.
a. Dr Weihnachts-Heiligohmd.
Kommt rei! mr gießn Blei!
Rick', laaf geschwind zor Hanne-Christ:
Se soll bei Zeitn rei!
Satt nauf, ihr Maad! die Pracht!
Do drihm bei eich is a racht fei:
Ihr hatt ä Sau geschlacht!
Fer zwee-ä-zwanzig Pfeng.
Gih, Hanne, hul' ä Tippl rei:
Mei Lächter is ze eng!
Doß 's nooch Weihnachten riecht!
Und stell's neer off dos Scherbel hie,
Dos unnern Uf'n liegt!
Do liegt menn Lob sei Blei:
Na, rafl neer net su dort rim,
Sist werd dr Krienerts schei!
Sei's ah an wos neer will:
Mei Voter hot's an Vuglstelln,
Dr Kaar, dar hot's an Spiel.
Satt har! … enn Zwacknschmied! …
De Kaarlin' lacht: – die denkt gewieß,
Iech meen ihrn Richter-Fried!
Su lank wie de Ufnbank:
Ihr Maad, do werd gefrassn warn!
Mr warn noch alle krank!
Ah Worscht mit Sauerkraut!
Mei Mutter hot sich o'geplogt,
Die ale gute Haut!
Nasch ober net drvu!
Ihr Gunge, werft känn Respl ro'
In's Heilig-Ohm'nd-Struh!
Nu Henner! ruhst de net?
Nu wart neer: wenn dr Voter kimmt,
Mußt warlich glei ze Bett!
Dos Rumpln und dos Geing!
Na, weil es neer net winsln thut!
– Denn sist bedätt's noch Leing.
Do läfft statt Wasser Wei.
Wenn iech mich neer net färchtn thät,
Iech hult' enn Topp voll rei.
Do stiht ä grußer Ma',
Und war net rachte Tatzn hot,
Dann läßt er gar net na'!
Ne Votr ä Kannl Bier!
Und wenn de kimmst, do singe mr:
»Ich freue mich in dir –«.
Dr Seeger zeigt schu Ees.
Epp mir Weihnachtn widr erlaam? …
– wie Gott will, su gescheh's!
b. Ä annersch Weihnachtslied.
('n Hannerl sei Liedl.)
's wor mr lange Zeit net su!
Will heit Teewes machn!
Kinner, iech ho Gald wie Hei,
's känne lächt zwee Tholer sei:
Ja, drim ka' iech lachn!
's sei fei ruthe Bliemle dra'
Und ä klaans Gesprichl!
Ho zwee Grosch drfür bezohlt,
Salwer 's su schie a'gemolt
Wie ä Taffet-Tichl!
Dann iech zammgebitzlt ho
Und vergoldt su machtig!
Satt die golding Engele!
Zwischen Sträuchle wackeln se!
A! dos sieht su prachtig! –
Ei wie schie dr Lächter brinnt!
's kloppt mrsch Harz vor Fraadn!
Ach, die Schwarzbeer-Sträuchle sei,
A'gesah bei Licht, su fei!
Thunne racht schie klaadn!
Müssmr ah ä Pfeifl raang:
Drim will iech aans stoppn!
Do – dr Kopp von Porzelie:
Is dar epper net racht schie?
Muß ne erscht auskloppn.
Heit beschert ne Kinnern schie!
's is ju heit Bornkinnl!
Komme ah de Maadle nooch!
Bie dann Grethn gut mei Tog:
's is ä lus's Gesinnl!
Nooch enn Schatz ball dort, ball do
Schu gestrabt von Harzn: –
Ober dos is wunnerlich!
Kaane thut, als will se mich!
– na, iech ka's vrschmarzn! –
Weckt miech morng ze rachter Zeit!
Morng giht's in de Mettn!
Wemmer su de halbe Nacht
Hot fei lustig zugebracht,
Kreicht mr in de Bettn.
21. Michel's Erzählung vom Annaberger Vogelschießen.
(Gevatter, losst Eich grißn!)
Do ho iech's Maul weit aufgesperrt:
Do war ä Vuglschießn!
Wos mr fer Zeich in Stedn macht! …
Ze Schanden ho iech miech gelacht.
Do fieng ah a' dr Rummel:
Zwee Grenadierer ranntn rim
Off'n Gassn mit dr Trummel;
Die schlu'ng ganz drbarmlich drauf
Und wecktn do de Herr'n auf.
Die's gar verschlofn hattn:
Drim pumpertn se nochmol nei,
Und dos off all'n Gassn.
Nooch liefn d'Herrn in's Rothaus nei;
Kä Fraa war oder net drbei.
(Dacht', 's wär ä armer Sinder –),
Dann hattn se schie ausgeziert,
Glaabt mir'sch, ihr Harznskinder!
Ne ganzn Rock mit Blach behängt! …
Möcht wissn, war setts Zeich drdenkt! –
Und freetn sich net wenig.
Dar Ma' sooch schwarz und gar net fruh:
Se sahtn, 's wär dr »König«!
Iech wollt eich schwörn bei meiner Seel:
Dar Kienig hält sist Knöppln feel.
Mit Pfeifn und mit Trummeln
Un alt und gung lief ah vurauf …
Dos war ä Lärm un Tummeln!
Ä Ma' ä Stangl hot imwundn
Und ene Schärz schie na'gebundn.
Dar trug enn hölzern Vugl;
Off'n Schießhaus trof mr noch enn a':
Dar sooch eich erscht racht nubel!
Dar war, su wahr dr Himmel labt,
Mit Gold un Silber ganz beklabt!
Dann gnading Kienig schenken;
Da wür ne noochert in de Kerch
Neihänge zon A'denkn …
Do oder wur eich gar nischt draus:
Se spießt'ne off ne Stang uhm naus.
Neer deshalb wär'sch geschah,
Doß alle Leit racht u'schennirt
Dann Vugl könntn sah.
Denn weil dos Dink viel Arwett kust,
Sääch jeder dodra seine Lust.
Se hattn gruße Bügel!
Do schnelltn se gar grasslich viel
Nauf kläne, gruße Prügel!
Korzrim: es wurn Kopp, Flügel, Schwanz
In ener Stund gottgar zmoranzt!
Ä setts Dink ze zerschmeißn! …
– Ä Voter, dar off Ordning hält,
Läßt Kinnern nischt zerreißn:
De Altn wolln gescheidter sei?! …
Und schmeißn gar mit Prügeln drei?! …
Viel gruße Weibsn kumme.
Iech dacht: »Wenn die dann Vugl sah …
Do warn se tichtig brumme!«
Zerbricht mol Unner-eens enn Topp,
Do zankt de Fraa: »Du Duselkopp!«
Se hattn neer Vergnieng! …
War eich ä Stick von Vugl hatt,
Dar gieng und ließ sich's wieng.
De Weibsn schossn mit enn Ding
Von Eisn, dos an Schnür'l hing.
Ä dutznd Mussegantn;
Grod-rüber stahnd ä Leimet-Haus
Fer Kienigs A'verwandtn.
Do gienge gar viel Weiber nei: –
Sölln Die dä alle seine sei? …
Doch net es Maul, dr Moong;
Denn alles, wos mr ooß und trunk,
Hatt' schrackich aufgeschloong!
Von Frassn gob's de schwere Meng,
… Neer fahlet'n mr aam de Pfeng!
Wess net! – mir wursch ze lang!
Miech that dr Dorscht und Hunger ploong,
Drim bie iech ball gegang.
Dos wußt iech nu: – Trotz teiern Brud
Hot's doch in Annebarg kä Nut!
J. G. Grund.
22. Dos arzgebergische Mädl.
Bi frumm un bi ah gut
Und dreh zun Klippeln mei Fädl,
:/: So arm iech bi, ho iech doch Muth. :/:
Ka Schminkel Buttr drbei
Un bi gesund wie a Fischl
:/: Un trog ah kän Dokt'r wos ei. :/:
Su wie's in Kerngbuch stieht,
Su ka ich doch singe un batn
:/: Un ah monch gebergsch Lied. :/:
Is olles neiwaschn un schie',
De schwäbischn Aermln an Leiwl,
:/: Die ho iech gemanglt heit frieh. :/:
No her iech de Predig mit oh,
Nooch gieh iech zun Schwasterle hutzn,
:/: Do sanne mer enannr när ah. :/:
Sieht Schatzl mich sehnetlich oh,
Un frogt mich: he host ke Verlange,
:/: He, Schatzel, he brauchste kän Mo? :/:
Mach mir ner kän Meerettig noh,
De brauchst mich doch net erst ze froong,
De sist marsch an Aange schieh oh.
23. Erzgebirger beim ersten sächsischen Volkstrachtenfest.
An dem Festzuge des ersten sächsischen Volkstrachtenfestes am 5. Juli 1896 in Dresden haben auch die Erzgebirger sich beteiligt und manche ihnen noch eigentümliche Tracht aufgewiesen. Die erste Abteilung des erzgebirgischen Zuges bildeten die Bergleute, und zwar zunächst die Farbenwerk- und Hüttenleute mit Zimmerlingen und Maurern mit Musikkorps, sodann die Gruppe aus den Blaufarbwerken in Oberschlema und Pfannenstiel. Der Gruppe aus dem Kupferhammer »Grünthal« folgte die Gruppe der Kohlenbergleute. Dem Bergmannszug schlossen sich noch Bauern und Hausierer aus dem Erzgebirge an. Hierzu gehörten Löffelhändler aus Beyerfeld, Spielwarenhändler aus Grünhainichen und Kastenleute aus Jöhstadt. Den Schluß des Zuges bildete ein vollständig ausgerüsteter erzgebirgischer Lastwagen, der vom Fuhrwerksbesitzer Israel in Löbtau gestellt wurde.
24. Der Streittag.
Streiten ist an sich keine löbliche Eigenschaft, und am allerwenigsten scheint ein sittlicher Grund vorzuliegen, die Erinnerung an einen Streit in einem alljährlich wiederkehrenden, festlich begangenen Tage festzuhalten und auf die kommenden Geschlechter zu vererben. Und doch haben unsere biederen sächsischen Bergleute dies Ungeheuerliche fertig gebracht und sie feiern alljährlich ihren »Streittag« als einziges und höchstes Bergfest, im Schneeberger Bergrevier und auch wohl in anderen am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli. Die Grundlage dieses Festes bildet das gewiß begreifliche Verlangen der geplagten Bergleute, wenigstens an einem Tage im Jahre von ihrer saueren Arbeit »tief unter der Erd'« ausruhen zu dürfen. Denn im Dienste der Sicherheit und Regelmäßigkeit des Betriebes giebt es bekanntlich im Bergbau keine eigentliche »Sonntagsruhe«, sondern unablässig arbeitet im Schachte das sogenannte »Kunstgezeug« weiter, wie das von dem auf der Halde stehenden Zechenhäuschen erklingende Bergglöckchen mit seinem regelmäßigen »Kling« anzeigt. Zur Bedienung des »Kunstgezeugs« aber, das den gesamten für den Grubenbau unentbehrlichen Maschinenbetrieb zur Entfernung bez. Nutzbarmachung der Grubengewässer, der Förderung des Gesteins, Beförderung der Belegschaft, d. h. der Mannschaften, u. s. w. zu ordnen hat, sind Menschenkräfte unentbehrlich, und würde einmal plötzlich das Bergglöckchen sein eintöniges »Kling« nicht vernehmen lassen, so wäre die bange Furcht, daß die finsteren Mächte des Abgrundes wieder einmal ihr unheimliches Zerstörungswerk begonnen haben, leider nur allzusehr begründet. Da haben nun vor Zeiten – urkundlich läßt sich das Datum nicht genau feststellen – die Bergleute sich jenen Tag »erstritten«, um frei von den Sorgen ihres schweren Berufs einmal sich und ihren Familien ganz angehören zu können. Damit soll nicht gesagt sein, daß an diesem Tage der Bergwerksbetrieb gänzlich eingestellt sei, das ist eben nach unseren obigen Darlegungen undenkbar. Aber die nur irgendwie abkömmlichen Mannschaften feiern an diesem Tage, und wer sonst, um seinen Verdienst zu erhöhen, neben der Nacht- noch eine Tagschicht verfuhr – jede annähernd 10 Stunden umfassend – der verzichtet heute gewiß auf letztere und jede anderweite Nebenbeschäftigung (Holzschnitzerei, Musikmachen, Garten- und Feldbau u. a.). Daß man aber den Tag als höchstes Fest begeht, zeigt auch die Paradeuniform, die heute selbst den einfachsten Ganghäuer schmückt. Die schönste Zierde des Festes aber, will uns bedünken, und zugleich ein rührendes Ueberbleibsel aus der oft zu Unrecht verspotteten »guten, alten Zeit« bildet die feierliche Kirchenparade der Belegschaft des Reviers mit nachfolgendem Festgottesdienst in der Hauptkirche. Die Bergleute waren es bekanntlich, deren unverfälschter frommer Sinn frühzeitig die Irrlehren der römischen Kirche erkannte und sich dem evangelischen Glauben zuwandte. Noch heute erinnert ein mit einem Bibelbuch und einem Kelche (aus Eisen) geschmückter gewaltiger Granitwürfel inmitten des Schneeberger Grubenreviers auf dem »hohen Gebirge« an die Knappschaftskapelle zu »St. Anna«, in der schon im Jahre der Uebergabe der Augsburger Konfession (1530) evangelisch gepredigt wurde.
Die Kirchenparade der Bergleute am 22. Juli gestaltet sich besonders in der ehrwürdigen Bergstadt Schneeberg zu einem hervorragend merkwürdigen und glänzenden Schauspiele. Nicht nur, daß sich die Bergleute in ihrer altertümlichen Tracht hier auch in größerer Anzahl beteiligen – jetzt etwa 500 Mann, vor 20 Jahren mochten es über 800 gewesen sein –, sondern auch des gewaltigen Gotteshauses wegen, wohin sich der Zug zur Festfeier bewegt. Die Schneeberger Hauptkirche, auf dem höchsten Gipfel des Berges gelegen, welcher der Stadt ihren Namen gab, ist, aus dem Ertrage der Gruben erbaut, schon in ihrem gewaltigen Umfange ein Zeugnis frommen Bergmannssinnes und dem Bergheiligen St. Wolfgang geweiht. Weit und licht, ohne beengende Emporen, an deren Stelle ein in drittel Höhe um das ganze Gotteshaus herumlaufender Prozessionsgang tritt – der Bau wurde im Jahre 1516 katholisch begonnen, im Jahre 1540 aber vollendet und die Kirche evangelisch eingeweiht –, gehört das Gotteshaus, das entsprechend seiner spätgotischen Bauart vor nicht zu langer Zeit innerlich prächtig erneuert ward, zu Sachsens größten Kirchen, dem nicht einmal die St. Annakirche in Annaberg trotz ihrer gewaltigen Größe gleichkommt. Die ehernen Zungen des harmonischen Geläutes (G-dur), darunter Sachsens größte Glocke, die weit über 100 Zentner schwere »Donnerglocke«, begrüßen die in festlichem Zuge Nahenden. Eine besondere Gruppe, die wegen ihrer kleidsamen und eigenartigen Tracht stets ungeteilteste Aufmerksamkeit erregt, sind die Blaufarbenarbeiter. Ihre blinkend weißen, faltigen Blusenhemden, geschmückt mit den nötigen Rang- und Arbeitsabzeichen, stehen seltsam mit den schwarzen, grün gesäumten Paradeuniformen der übrigen Bergleute, deren Lederzeug (Berg- und Knieleder) heute blankgeputzt ist. Altertümlich nimmt sich bei allen auch der federgeschmückte Tschacko aus, während die bergmännischen Werkzeuge – Hammer, Schlägel, Fäustel, Spitzhacke etc. – dem Ganzen ein etwas militärisches Gepräge verleihen. Weniger soldatisch mutet uns die eigenartige Gangart der Bergleute an, die ihnen offenbar infolge ihrer Berufsarbeit zur andern Natur geworden ist: wir meinen das Vorbeugen der Knie bei jedem Schritt. Der Volkswitz nennt daher den uralten Marsch, nach dessen getragenen Klängen der Einzug erfolgt, nicht übel den »Kniebiegel«. Im Gotteshause gebührt der Berggemeinde an diesem Tage der unbedingte Vorrang, ja, in früheren Jahren mußten ihr sogar die sogenannten »gelösten« Kirchenstühle aufgeschlossen und freigegeben werden. Als Zeugnis für die festliche Bedeutung des Tages mag endlich noch der Hinweis dienen, daß, wie an hohen Festen, auch der jeweilige Oberpfarrer und Superintendent die »Bergpredigt« zu halten hat. Nach beendetem Festgottesdienst zerstreut sich die Berggemeinde, die sich übrigens nur aus den männlichen Familiengliedern zusammensetzt, soweit diese beim Bergbau beschäftigt sind, in alle vier Winde.
Leider hat selbst unter den einst ihrer Frömmigkeit wegen bekannten Bergleuten die Vergnügungssucht weit mehr Platz gegriffen, als bei der einfachen Lebensführung, zu der die meisten dieser Familien genötigt sind, erwartet werden dürfte und ihnen gut ist. Das junge Volk begiebt sich zu Spiel und Tanz bei Bier und Branntwein und nur wenige der Bergleute von altem Schrot und Korn ziehen es vor, daheim bei Weib und Kind zu feiern und beim Klange der immer mehr in Vergessenheit geratenden, teilweise recht anmutigen Bergmannslieder, die höchstens noch um Weihnachten allgemeiner gehört werden, oder im harmlosen Gespräch über des liebgewonnenen Standes Würde und Bürde die schönere Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken. Einige suchen wohl auch die benachbarten schattigen Wälder auf, um die gerade ihnen so überaus nötige ozonreiche, würzige Luft zu genießen. Denn im allgemeinen ist der Bergmann wie der Erzgebirger ein Stubenhocker, der beim geringsten Luftzug zu erkranken fürchtet und daher äußerst selten, und auch dann nur mit wohlverwahrtem Hals und Kopf, das Freie aufsucht, wobei ihn manchmal selbst im Hochsommer ein Bedauern überkommen mag, daß nicht auch hier, wie daheim, ein lustiges Feuer im Ofen prasselt. Gleichwohl bildet der »Streittag« als einziges wirkliches Bergfest einen der seltenen Lichtblicke im Leben des anspruchslosen schwarzen Völkchens droben, und wenn es an demselben mit sprichwörtlicher Zähigkeit festhält, so begreifen und billigen wir das nicht bloß vom materiellen, sondern weit mehr vom idealen Standpunkte aus. Denn gerade in dieser Zeit der Ernüchterung und des platten Materialismus ist es mehr denn je geboten, die spärlichen Reste von Poesie und idealem Sinn, die unser Volks- und Berufsleben noch aufweist, sorgsam zu hüten und zu bewahren. Ein solcher Hauch von Poesie verklärte auch dereinst das harte Bergmannsleben, und wer nur ein einziges Mal Anackers leider jetzt so selten gewordenen »Bergmannsgruß«, der, wie Verfasser sich wohl entsinnt, früher selbst in den Schulbüchern zu finden war, mit seiner mächtig ergreifenden »Steiger-Arie«, seinen zarten Familienszenen u. s. w. gehört hat, der wird auch verstehen, warum der echte und rechte Bergmann selbst heute noch mit Begeisterung an seinem schweren Berufe hängt; es ist etwas von dem Himmelssegen, den auch dieser Beruf in sich trägt, wenn anders nur die, welche ihm angehören, sich aus der Tiefe nach oben zu erheben wissen. Und das bedeutet auch der alte sinnige Bergmannsgruß: »Glück auf!«
Nach dem Wochenblatte.