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Handbuch der Aquarellmalerei / Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei cover

Handbuch der Aquarellmalerei / Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei

Chapter 66: 4. Der Farbenkasten.
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About This Book

A practical handbook for watercolor practice aimed at advanced amateurs, concentrating on landscape and architectural subjects. It explains materials and step-by-step techniques, treats individual pigments and their properties, advises on mixing, combination, and avoiding harmful uses, and outlines methods to achieve atmospheric effects, perspective, and lighting. The text advocates learning from nature rather than copying prints, recommends exercises for sketches, interiors, and studies of light, and draws on contemporary English and Belgian methods that bring watercolor closer to oil effects. An appendix offers guidance on wood painting and ornamental applications.

4. Der Farbenkasten.

Selbstverständlich hat der Anfänger nicht nöthig alle hier aufgeführten Farben anzuschaffen, indem sogar anzurathen ist, sich wenigstens für die erste Zeit auf die Anwendung der wichtigeren zu beschränken. Bei ausgedehnteren Arbeiten und zur Erreichung gewisser Effekte wird aber bald sich manche seltener gebrauchte Farbe wünschenswerth machen, zumal auch hierbei Manches von individueller Liebhaberei abhängt. Ich mache hier auch nochmals darauf aufmerksam, daß sich Mischfarben, was Glanz der Farbe, sowie Frische und Energie des Tones betrifft, den fertigen Farben, d. h. chemischen Produkten gegenüber meist im Nachtheil befinden, weßhalb bei ornamentalen Malereien und Stillleben, wo es in den meisten Fällen auf glanzvolle Darstellung ankommt, der Farbenkasten mit zahlreicheren Farbennüancen versehen sein muß. Außerdem lernt man bei weiteren Fortschritten immer mehr die Feinheit der Töne, selbst einander sehr naheliegender Farben, nach ihren Eigenthümlichkeiten empfinden, die besondere Art derselben spezieller würdigen und in gegebenen Fällen wird nicht selten eine sonst vielleicht recht entbehrliche Farbe, gerade ihres eigenartigen Tons wegen, der Stimmung sich vorzugsweise anschließen.

Was nun den Farbenkasten betrifft, so möchte ich denjenigen, welche viel zu malen beabsichtigen, und die Ausgabe nicht zu scheuen in der Lage sind, anrathen, sich deren zwei, einen in Täfelchen zum Malen im Zimmer und einen in ganzen und halben Näpfchen zum Malen im Freien anzuschaffen. Wer nur einen anzuschaffen Lust hat, dem rathe ich unter der Voraussetzung, daß er viel nach der Natur zu malen beabsichtigt, einen Farbenkasten letzterer Art zu beschaffen und zwar wähle er sich einen der eigens hierzu construirten Blechkästen für ganze Näpfchen (da in den Raum für ein ganzes auch zwei halbe einrangirt werden können), welche von sechs bis zu dreißig Farben durch alle geraden Zahlen zu haben sind. Für das Malen im Zimmer würde ich die Anschaffung eines geräumigen Blechkastens, nach Art der Oelfarbenkasten empfehlen, dessen unterer Raum Palette und Porzellanschälchen, und dessen Einsatz verschiedene Fächer für die Farben, eine Längsabtheilung für Pinsel etc. und einige weitere Abtheilungen für sonstige Utensilien wie Gummi, Schwämmchen, Kohle etc. enthalten könnte. Das Löschpapier kann dann obenauf liegen und man hat alles beisammen, während in den für das Malen im Freien vorzugsweise bestimmten kleinen Kästen kaum genügender Raum für einige Pinsel ist. Man schaffe sich also zunächst die leeren Farbenkasten an und wähle dann seine Farben selbst aus, da in den käuflichen, gefüllten Farbenkasten manche unentbehrliche Farbe fehlt und umgekehrt manche nicht taugliche vertreten ist. Welche Farben man nun wähle, hängt einestheils vom wirklichen Bedürfniß, andererseits von individuellen Ansichten ab. Ich gebe daher nunmehr eine Aufzählung derjenigen Farben, welche für alle Zwecke der Landschaftsmalerei genügen, wobei diejenigen Farben, welche dem Anfänger unbedingt mehr oder weniger nothwendig d. h. unentbehrlich sind, mit gesperrter Schrift gedruckt sind. Die mit 1 bezeichneten würden in ganzen Stücken (oder Näpfchen), die mit 2 in halben, die mit T in „tubes“ und Gamboge im Naturzustand anzuschaffen sein.

  • Gamboge
  • Indien Yellow 1
  • Yellow Ochre 1
  • Naples Yellow 2
  • Raw Sienna 2
  • Chrimson Lake 1
  • Light Red 1
  • Rose Madder T
  • Brown Madder T
  • Purple Madder 2
  • Indian Red 2
  • Vermilion 2
  • Cobalt 1
  • French Blue 1
  • Indigo 1
  • Prussian Blue 2
  • Brown Pink T
  • Emerald Green 1
  • Oxyde of Chromium 2
  • Neutral Orange 2
  • Mars Orange 2
  • Burnt Sienna 1
  • Sepia 2
  • Vandyke Brown T
  • Burnt Umber 2
  • Raw Umber 2
  • Lemon Yellow 2
  • Aureolin 2
  • Cadmium 2
  • Lamp Black 2
  • Blue Black 1
  • Payne’s Grey 2
  • Neutral Tint 2
  • Chinese White T
  • Bistre 2
  • Olive Green 2.

Um noch einen weiteren Anhaltspunkt zu bieten, will ich nachstehend den Gehalt der 20 Fächer eines für das Malen im Freien eingerichteten Blechkastens angeben, mit welchem ich noch nie in Verlegenheit gerathen bin. Wo eine Nummer zwei Farben enthält, sind in der betreffenden Abtheilung zwei halbe Näpfchen enthalten: 1) Cobalt, 2) French Blue, 3) Indigo, 4) Payne’s GreyNeutral Tint, 5) Lamp BlackBlue Black, 6) Chrimson Lake, 7) Brown Madder, 8) Rose Madder, 9) Indian RedVermilion, 10) Light Red, 11) Gamboge, 12) Indian Yellow, 13) Yellow Ochre, 14) Raw SiennaRaw Umber, 15) Naples YellowChinese White, 16) Burnt Sienna, 17) Vandyke Brown, 18) SepiaBurnt Umber, 19) Brown Pink, 20) Oxyde of Chromium Emerald Green. Zu diesem Kasten schafft man sich noch das Wassergefäß an, welches in einem köcherartigen Behälter steckt, dessen beide Theile an den geöffneten Kasten gehängt und dann mit Wasser gefüllt werden.

Eine auf langjährige Erfahrung basirte, vorzugsweise für Personen, welche viel und dabei oft im Freien malen, geeignete und zugleich möglichste Vollständigkeit anstrebende Zusammensetzung ist folgende, welche ich kürzlich den Herren Dr. F. Schönfeld & Co. angegeben habe.

  1. in Tuben: 1) Chrimson Lake, 2) Brown Madder, 3) Rose Madder, 4) Indian Yellow, 5) Gamboge, 6) Yellow Ochre, 7) Burnt Sienna, 8) Vandyke Brown, 9) Brown Pink, 10) French Blue, 11) Cobalt, 12) Chinese White.
  2. in ganzen Näpfchen: 1) Indigo, 2) Light Red.
  3. in halben Näpfchen: 1) Neutral Tint, 2) Payne’s Grey, 3) Lamp Black, 4) Blue Black, 5) Indian Red, 6) Vermilion, 7) Raw Sienna, 8) Raw Umber, 9) Naples Yellow, 10) Lemon Yellow, 11) Sepia, 12) Burnt Umber, 13) Oxyde of Chromium, 14) Emerald Green, 15) Purple Madder, 16) Prussian Blue, 17) Mars Orange, 18) Aureolin, 19) Grünblau Oxyd, 20) Red Lead.

Diese Zusammenstellung, welcher Kenner Beifall zollen werden, wenn auch der eine diese, der andere jene Farbe als überflüssig oder fehlend bezeichnen dürfte, läßt sich selbstverständlich auch auf Farben in Tafelform etc. anwenden und je nach besonderen Bedürfnissen ergänzen. Dieselbe enthält aber alles was man selbst bei ausgedehnterer Praxis wünschenswerth finden wird.

Schließlich möchte ich ganz besonders das Reinhalten der Farben und Pinsel, wie der Palette empfehlen, obgleich die Meinung, eine recht schmierige Palette und gründliche Unordnung in den Utensilien begründe ein gewisses künstlerisches oder geniales Ansehen, ziemlich verbreitet ist. Reine Waschungen von Tönen lassen sich überhaupt nur mit frisch aufgeriebenen Farben herstellen, nicht aber mit alten, bereits mehrfach naß gewesenen Resten, welche sich bei Zusatz von Wasser in der Regel zersetzen. Es fällt mir hierbei ein, daß Künstler auf Anfragen nach einem gewissen Farbenton eines Bildes nicht selten mit der Angabe antworten, daß sie das Bild mit dem „Schmutz“ oder den Resten auf der Palette gemalt hätten. Beruhen derartige Angaben auf Wahrheit, so sind eben gerade die für die betreffende Stimmung passenden Farben auf der Palette gewesen; allein mit beliebigen Farbenresten kann man deßwegen noch kein Bild von bestimmtem Colorit zu Wege bringen, wenigstens in weitaus den meisten Fällen nicht.