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Handbuch der Aquarellmalerei / Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei cover

Handbuch der Aquarellmalerei / Nach dem heutigen Standpunkte und mit vorzüglicher Anwendung auf Landschaft und Architektur nebst einem Anhange über Holzmalerei

Chapter 91: 2. Material und Hilfsmittel.
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About This Book

A practical handbook for watercolor practice aimed at advanced amateurs, concentrating on landscape and architectural subjects. It explains materials and step-by-step techniques, treats individual pigments and their properties, advises on mixing, combination, and avoiding harmful uses, and outlines methods to achieve atmospheric effects, perspective, and lighting. The text advocates learning from nature rather than copying prints, recommends exercises for sketches, interiors, and studies of light, and draws on contemporary English and Belgian methods that bring watercolor closer to oil effects. An appendix offers guidance on wood painting and ornamental applications.

Nachtrag.
Die Holzmalerei.

1. Allgemeines.

In neuerer Zeit ist, hauptsächlich veranlaßt durch Zahn’s Musterbuch für häusliche Kunstarbeiten (Leipzig bei Georg Wigand), eine decorative Malerei auf helles Holz mittelst Aquarellfarben in Aufnahme gekommen, welche zwar mit der Aquarellmalerei, wie ich solche dargelegt, nur in sehr lockerem Zusammenhange steht, indessen aber ermöglicht, mit verhältnißmäßig geringer technischer Fertigkeit — soweit wenigstens die Malerei in Betracht kommt — auch in künstlerischer Hinsicht befriedigende und dabei nicht selten äußerst prachtvolle und imponirende Arbeiten zu liefern, da in den weitaus meisten Fällen hier weniger gemalt als vielmehr colorirt wird. Die Malerei auf Holz gehört der decorativen Kunst an, deren Ziele von jenen der eigentlichen Malerei sehr verschieden sind, indem letztere die Bildfläche des Flächencharakters zu entkleiden sucht, während erstere die Fläche vorzugsweise zur Geltung zu bringen bestrebt ist und selbst den Schein des Plastischen meidet. Malereien dieser Art repräsentiren in der Regel Nachahmungen von Intarsien, Arbeiten in eingelegtem Holz, welchen sie nach der Fertigstellung durch das Poliren mehr oder weniger täuschend ähnlich sehen und bei exacter Zeichnung und geschmackvoller Wahl der Farben Anspruch auf gewissen künstlerischen Werth haben, dabei als sehr nachahmungswerthe Werke häuslicher Kunst bezeichnet werden dürfen. Ich habe diese Malerei umsomehr hier anhangsweise berühren wollen, als sie von Dilettanten, welche für das Schaffen selbstständiger Kunstwerke nicht die genügende Befähigung besitzen, besonders aber auch von jungen Damen, welchen ich sie für ihre Mußestunden auch ganz vorzugsweise empfehlen möchte, nebenbei, gelegentlich passender Anlässe zur Selbstverfertigung von Geschenken oder auch behufs Ausschmückung der eigenen Wohnräume, betrieben wird. Ich habe in letzterer Zeit mehrfach Gelegenheit gehabt, größere Partien solcher Arbeiten nach dem Poliren durchzumustern und hat die Quantität dieser Leistungen meine Erwartung sehr übertroffen. Leider muß ich aber zufügen, daß abgesehen von einzelnen Prachtstücken, worunter Originalentwürfe, das meiste unter und zum Theil sehr weit unter dem Niveau der Mittelmäßigkeit stand, und sichtlich ohne genügende Sachkenntniß ausgeführt worden war. Ich dachte dabei lebhaft an Zahn, welcher sich in der Vorrede zu seinem dritten Heft gegen den Verdacht der Begünstigung verschiedener ihm zu Gesicht gekommener „Holzfrevel“ nachdrücklichst verwahrt.

2. Material und Hilfsmittel.

Was in erster Linie die Gegenstände betrifft, welche sich vorzugsweise für diese Malerei eignen, so sind es im Allgemeinen ganz besonders solche, welche Flächen bieten, und, abgesehen von allerlei Kleinigkeiten, namentlich Kasten und Kästchen aller Arten für Handschuhe, Cigarren, Thee, Zucker, Spielmarken, Schmuck etc. etc., dann Deckel zu Visitenkartentäschchen, Notiz-, Stamm-, Poesie-, Zeichnen- etc. etc. Bücher, zu Schreib-, Brief-, Zeitungs- etc. Mappen, Albums, etc. etc., Lampenteller, in höheren Graden Tischplatten, (besonders kleine runde Tischchen für feine Zimmer und Salons), Füllungen in Schlüsselschränkchen, Arbeitstischchen u. a. m., und wer über genügende Geduld und Zeit verfügt, kann schließlich die Täfelung eines ganzen Zimmers in Angriff nehmen, oder sich einen eingelegten Renaissanceschrank malen. Alle genannten Gegenstände sind fertig zu haben, oder können, wie besonders größere Platten zu Mappen, Büchern etc., von jedem geschickten Tischler schnell angefertigt werden, was sich namentlich dann empfiehlt, wenn man eine Zeichnung in gegebener Größe zu übertragen wünscht. Was das Holz betrifft, so wird hierzu meist Ahornholz und Tannenholz verwendet, in neuerer Zeit trifft man jedoch auch häufig Linden-, Erlen- und anderes helles Holz. Sehr geeignet ist auch Kastanien- und helles Birnbaumholz. Zu Gegenständen von grau gebeiztem Holz, welche man häufig sieht, rathe ich jedoch nicht, da man dann der hellen Töne entbehrt und sich so eines wichtigen Hilfsmittels zu contrastirenden Tönen begibt. Ich habe auch nur selten schön wirkende Arbeiten auf solch grauem Holze gesehen, auf welchem, nachträglich zu erwähnen, auch die Bleistiftstriche nur sehr schwer, oder gar nicht zu sehen sind. Auch hüte man sich vor stark gekrümmten Flächen, auf welche schwierig zu zeichnen ist. Da nun diese verschiedenen Holzmaterialien nur in großen Städten zu haben sind, so will ich Interessenten darauf aufmerksam machen, daß sie derartige Sachen auch direkt aus einer der zahlreichen Fabriken, welche die Anfertigung derselben als Specialität cultiviren, beziehen können, z. B. von G. Weber & Co. in Eßlingen a. N. (Württemberg), welche Firma auf Verlangen ihre sehr reichhaltige mit den Maaßen versehene Preisliste gerne mittheilt. Schöne Arbeiten habe ich auch vom Hoftischler Scheidemantel in Weimar gesehen. Interessenten, welche vorzugsweise viel auf Platten malen, kann ich noch einen andern guten Rath geben, wie sie sich solche Platten viel billiger beschaffen können, sofern an ihrem Wohnorte keine Fournirhandlung besteht. Dieselben mögen sich an Mey & Widmayer in München wenden, welche Holzplatten verschiedener Größe in reiner, schöner Qualität und fein bearbeitet, zu folgenden Preisen per 10 □ Decim. (etwas mehr wie 1 □′) liefern:

1. Dicke 2–3½ Millm. a. Ahorn, Birnbaum, Grau, Weißbuchen M. 0,60. — b. Linden, Kastanien, Lärchen 0,50. — c. Erlen, Fichten 0,35. — 2. Dicke 4–5 Millm. a. 0,90 b. 0,60 c. 0,60.

Aus größeren Platten dieser Art kann man sich dann je nach Bedarf kleinere heraussägen und solche zu Buchdeckeln etc. von einem Schreiner mit einer Hohlkehle versehen und herrichten, resp. glatt hobeln und mit Schachtelhalm schleifen und abreiben lassen. Da nun gewöhnliches d. h. nicht präparirtes Holz die Farbe fließen lassen würde, so müssen alle Gegenständen, welche bemalt werden sollen, vorher präparirt werden, d. h. die Poren und Capillargefäße, welche die Farbe aufsaugen, müssen verstopft werden, wozu sich Klebstoffe vorzugsweise eignen. Als sehr probat kann ich empfehlen die Gegenstände gelind zu erwärmen, und solche dann mit einem wollenen Lappen und wenigen Tropfen nicht zu kalter weißer Politur einige Male rasch zu überreiben. Die weiße Politur besteht aus einer Lösung von 1 Gewichtstheil weißem Schellack, in 4 Gewichtstheilen starkem Weingeist und kann für vorliegenden Zweck noch etwas mit der Hälfte Weingeist verdünnt werden. Auch Gummiwasser d. h. eine schwache Lösung von gummi arabicum, oder auch eine schwache Gelatinelösung thun dieselben Dienste und werden mit wollenen Lappen auf die etwas erwärmte Platte tüchtig eingerieben. Die käuflich erhaltenen Objecte sind angeblich schon präparirt, aber schlimme Erfahrungen in dieser Beziehung veranlassen mich, alles derartige schon Präparirte nochmals zu übergehen, um mich vor unreinlich aussehenden Arbeiten sicher zu stellen. Sodann rathe ich nur solche Sachen in Arbeit zu nehmen, welche eine absolute Fläche bilden, also ganz glatt sind, da wellige Oberflächen viel Mühe und Aergerniß beim Poliren bereiten. Hat man einen Gegenstand acquirirt, welcher nicht tadellos eben und glatt ist, so lasse man ihn ehe man daran zu arbeiten beginnt, nochmals vom Schreiner abziehen. Gerundete Gegenstände taugen nichts zu Arbeiten dieser Art, ebensowenig wie gekehlte.

Was die Utensilien betrifft, so sehe man auf untadelhaften Zustand derselben, da die exacte Herstellung von Holzmalereien, wenn anders die Wirkung eine imponirende sein soll, Bedingniß ist. Unumgänglich nothwendig sind mehrere Lineale, darunter ein recht kleines, eine Reißschiene, ein Winkel, ein größerer Meßzirkel, sowie ein kleiner mit einzusetzender Stahlspitze, Blei- und Reißfeder, eine Reißfeder und für manche Arbeiten, wo, wie bei Mäandern, viele parallele Linien in sehr geringen Abständen zu ziehen sind, ein flaches Maaßlineal mit Millimetertheilung auf der einen und wo möglich einem andern Maaßsystem auf der andern Seite. — Zirkel ohne Stahlspitze vermeide man thunlichst, da deren dreikantige Spitzen sich tief in das weiche Holz bohren und unschöne Löcher verursachen.

Zum Ziehen großer Kreise, wie auf Tischplatten, bedient man sich zur Verlängerung des Zirkels eines Streifens aus Pappdeckel oder dickem Carton, welchen man mit einer Nadel im Mittelpunkt so befestigt, daß er sich nicht zu schwer um dieselbe drehen läßt und mißt dann genau die Stellen ab, an welchen man bei bestimmter Oeffnung des Zirkels solchen mit der Spitze einzusetzen hat.

Was die anzuwendenden Farben betrifft, so kann zwar der Farbenkasten, wie ich ihn früher für das Aquarell empfohlen habe, auch hier Anwendung finden, allein es macht sich wünschenswerth, noch einige weitere Farben zuzufügen, welche zwar auch durch Mischung erhalten werden können, aber da die Farben gewöhnlich — wenigstens bei größeren Arbeiten — in größerer Menge erfordert werden, so sind solche in fertigen Farben vorzuziehen.

Für alle Stoffe welche mit Farben geschmückt werden sollen, finden sich gewisse Farben, welche sich, abgesehen von den Zwecken, für das betreffende Material vorzugsweise eignen und so stehen uns für Holzmalerei vorzugsweise die zahlreichen und besonders die ruhigeren Nüancen von Gelb, Orange, Roth, Braun, Grau, bis zum tiefen, ernst wirkenden Schwarz, mit andern Worten jene Farbengruppen zu Gebot, welche mehr oder weniger nach Roth neigen können und auch in den Reihen der natürlichen Holzarten vorkommen. Die der Gegenseite angehörenden Töne, Grün, Blau, grelles Roth liegen dieser Verwendung viel ferner, obgleich sie nicht ausgeschlossen sind und an Figürlichem, Naturalistischem und z. B. in Wappen oft pompöse Wirkung zu entfalten im Stande sind. Im Allgemeinen verlangen solche jedoch vorsichtige und sparsame Verwendung — mehr als Aufputz — da sie sonst sehr leicht den Totaleindruck einer Arbeit in hohem Grade beeinträchtigen können.

Arbeiten, welche den Eindruck von Pracht machen sollen, müssen hier mit leuchtenden, hellen mit tieftönigen Farben wechselnden Tönen gemalt werden und muß außerdem stets tiefstes Schwarz zur Geltung kommen. Man verwendet hierzu von der billigsten Tusche, welche man in kleine Stücke zerstößt und in einem Fläschchen mit ganz wenig Wasser zu einem dickflüssigen Brei auflöst. Selbst diese dickflüssige Lösung deckt aber gewöhnlich nicht mit einem Auftrag und muß derselbe wiederholt werden.

Für einen Normalfarbenkasten für Holzmalerei dürfte sich etwa folgende Zusammensetzung empfehlen und zwar dürften Farben in Tuben zu wählen sein, da solche gewöhnlich in größeren Quantitäten angerieben zur Hand sein müssen.

  • French Blue.
  • Cobalt.
  • Payne’s Grey.
  • Neutral Tint.
  • Madder Brown.
  • Pink Madder.
  • Dunkler Krapp.
  • Marsroth.
  • Rothbrauner Krapp.
  • Light Red.
  • Indian Red.
  • Van Dyk Roth.
  • Indian Yellow.
  • Yellow Ochre.
  • Cadmium Orange.
  • Goldocker.
  • Mars Yellow.
  • Raw Sienna.
  • Florentiner Braun.
  • Laque Robert Nr. 7.
  • Marsbraun.
  • Asphalt.
  • Van Dyk Brown.
  • Raw Umber.
  • Burnt Sienna.
  • Burnt Umber.
  • Emerald Green.
  • Olive Green.
  • Brown Pink.
  • Lampenschwarz.
  • Chinese White.
  • Goldbronze 1.
  •  2.
  • Silberbronze.

Außerdem würde ich auch noch zu Nußbeize und Ebenholzbeize rathen, mit welch ersterer, je nach dem Grade der Verdünnung mit Wasser, sich zahlreiche Abänderungen von schönen braunen Tönen herstellen lassen und die letztere ein tiefes Schwarz gibt. Beide sind in den Materialhandlungen zu äußerst billigen Preisen zu beschaffen.

Außerdem sind noch beizufügen Muschelgold in 3 Nüancen und Silber, Tusche für die Contouren, statt welcher man auch unter Umständen Indelible Brown Ink, eine unauslöschliche braune, jedoch leider etwas allzudünne flüssige Tinte, verwenden kann. Sehr angenehm verarbeitet sich die jetzt von Schönfeld & Co. bereiteten Gold- und Silberbronze in Tuben. Nr. 1 ist rothes, Nr. 2 gelbes Gold. Gold und Silber finden häufige Anwendung in Wappen, dann für Schriften und Monogramme, Linien, kleine Ornamente und Detail, wie Köpfe von Schrauben. Man nehme immer beste Qualität und trage es nicht zu sparsam auf. Es empfiehlt sich auch die betreffenden Stellen zu untermalen und zwar bei Gold mit Indian Yellow, bei Silber mit Chinese White. Man kann auch, was sich besonders für große Flächen empfiehlt statt des Muschelmetalls trockene Gold- und Silberbronze auftragen, zu welchem Zwecke man bei der wie vorher auszuführenden Untermalung etwas wenig Zuckerlösung zusetzt, so daß die Farbe nach dem Trocknen glänzend wird, ohne aber zu kleben. Das Bronzepulver wird alsdann mit einem Baumwollbäuschchen auf die vorher angehauchte Stelle aufgetragen und der überflüssige Staub mit einer Federfahne abgekehrt. Wählt man diese Art der Vergoldung, so dürfen jedoch keine „Moist Colours“ in Tuben oder Näpfchen angewendet werden, indem diese mit Glycerin versetzt sind und die Bronze auch hier und da annehmen. Auch beim Fixiren muß diese Art Vergoldung sehr vorsichtig behandelt werden. Weiß als Farbe wird bei Holzmalerei sehr selten in Anwendung kommen, außer da, wo man eingelegte Elfenbeinlinien imitiren will, in welchem Falle ein klein wenig Indian Yellow oder Raw Sienna zuzusetzen ist, um das Kreidige zu heben.

Schließlich ist noch der literarischen Hilfsmittel zu erwähnen, d. h. der Sammlungen von Mustern und Motiven, welche sich für Holzmalerei vorzugsweise eignen, und welche in der letzten Zeit immermehr zunehmen. Die am meisten Empfehlung verdienenden Publikationen dieser Art sind folgende:

1. Benz: Das geradlinige Ornament, welches sich für Anfänger empfiehlt, da es nur Motive bietet, welche in Netze gezeichnet werden können.

2. Dieffenbach: Geometrische Ornamentik. Enthält eine reichhaltige Auswahl von Netzornamenten, sowie mittelst des Zirkels herzustellender Verzierungen, darunter sehr viel Geschmackvolles und ist dabei verhältnißmäßig sehr billig.

3. Zahn: Musterbuch für häusliche Kunstarbeiten. Heft 1, 2 und 3. Für Geübtere. Bemerkenswerth für geschmack- und stilvolle Muster, sowie schöne Gliederung der Flächen; enthält aber wenig für kleinere Gegenstände passende Muster, so daß das nachstehende Werk eine willkommene Ergänzung hierzu bildet.

4. Schreiber: Die Flachmalerei. Empfehlenswerthe, geschmackvolle Auswahl kleinerer Muster der verschiedensten Stile in farbiger Ausführung, welche sich sowohl für Anfänger wie für Geübtere eignen.

5. Fink: Geometrische Construktion der Flachmalerei. Für Holzmalerei wenig geeignet, aber wegen des construktiven Werthes anzuführen.

6. Zschimmer: Vorlagen für Holzmalerei. 6 Hefte. Eigenartige, zum Theil geniale, Compositionen für Geübte. Wegen des stark angewendeten Goldes und so mancher für Holz wenig passender Farbentöne, (Smaragdgrün u. a. m.) müßten meist andere Farben gewählt werden. Durch unnöthige reiche Ausführung zu theuer.

7. Schrödter, Malvina: Holzmosaik. Geschmackvolle meist romanische und maurische Ornamente für Geübtere. In Bezug auf Farben siehe Nr. 6.

8. Racinet: Das polychrome Ornament. Reiche geschmackvolle Auswahl von Ornamenten aller Stile. Für Geübtere.

9. Owen Jones: Grammatik des Ornaments. Ebenfalls sehr reiche Sammlung, aber mit vorzugsweiser Betonung der orientalischen Kunst. Wie vorhergehende Nummer in Farben den Holzintarsien anzupassen.

10. L’Art pour tous. Verständnißvoll illustrirte französische Zeitschrift für Kunstgewerbe. Reich an brauchbaren Details und Motiven aller Art, ohne als Musterbuch im Sinne der übrigen hier aufgezählten Werke dienen zu können. Bis jetzt 26 Jahrgänge à 25 Francs.

11. Teyrich: Die Intarsien der italienischen Renaissance. Prachtvolle große Vorlagen für Getäfelornamente.

12. Gruner: Lo scaffale di Luini. Desgleichen.

13. Hildebrand: Heraldisches Musterbuch. Wegen stilvoller Behandlung der Wappen hier anzuführen.

14. Müller: Sammlung von Monogrammen. Elegante Monogramme in den verschiedensten Schriften.

Als Zugabe zum Studium des constructiven Elements ist noch Schreiber: das geometrische Zeichnen anzuführen.

Für den nicht ganz unerfahrenen Zeichner dürften Nr. 3 und 4 zunächst zu empfehlen sein, später je nach der individuellen Geschmacksrichtung 8, 9 und 11.

3. Plan und Anlage der Zeichnung.

Da es bei der eigenthümlichen Textur des Holzes wünschenswerth erscheint, gleich möglichst correct zu zeichnen, indem öfteres Verbessern und Wischen der Reinheit später anzuwendender heller Farbentöne leicht Eintrag thut, oder da, wo die Naturfarbe des Holzes beibehalten werden soll, ebenfalls besser vermieden wird, so überlege man, ehe man mit Uebertragung der Zeichnung beginnt, erst reiflich den ganzen Plan, überzeuge sich auch, ob die Kanten der Holzplatten rechtwinklig sind, da wo dies, wie es nicht selten vorkommt, nicht der Fall ist, bei dem Messen das Mißverhältniß auf die bestmöglichste Weise, gewöhnlich bei den äußersten Einfassungslinien, ausgeglichen werden muß. Von besonderer Wichtigkeit ist da, wo es sich, wie bei Mappen, Albumdecken etc., um größere Dimensionen handelt, die Beachtung der Größenverhältnisse. Ist man an die Größe der Holzfläche nicht gebunden, so thut man am besten, wenn man sich zu einer für den Gegenstand passenden, bereits vorliegenden, ornamentalen Darstellung entschließt und nach deren Größenverhältnissen die benöthigten Platten anfertigen läßt. Im gegentheiligen Falle aber und wenn man keine für die genaue Größe absolut passende Zeichnung zur Verwendung hat, ist man genöthigt, auf einem Blatt Papier, welches genau von der Größe der Holzplatte ist, eine Skizze zu entwerfen, um darnach arbeiten zu können. Wünscht man in solchem Falle Motive zu verwenden, welche in der Zeichnung vorliegen, aber nicht die nöthige Größe besitzen, so kann man sich in den meisten Fällen damit helfen, daß man die betreffende Fläche, z. B. wenn es sich um die Umrahmung handelt, durch besondere Eckverzierungen oder sonstige symmetrische Motive verkleinert, in welchen Fällen das obenerwähnte flache Maaßlineal gute Dienste leisten kann. Bei symmetrischen Motiven ist es selbstverständlich genügend, nur so viel zu zeichnen als man braucht, was häufig sich auf ein Viertel beschränken wird.

Wer kein sehr geübter Zeichner ist, dem rathe ich für die ersten derartigen Arbeiten vorzugsweise lineare Ornamente zu benützen, oder überhaupt solche, welche sich lediglich mittelst Lineal, Reißfeder und Zirkel herstellen lassen. Es ist dies keine so arge Beschränkung, als es auf den ersten Blick erscheinen mag, indem sich durch geschmackvolle Anordnung einiger wenigen linearen Motive und unter etwaiger Beihülfe einiger Ueberschneidungen schon recht wirksame Muster bilden lassen und sich außerdem für viele kleinere Gegenstände überhaupt nur derartige Motive eignen, welche dann bei entsprechender Farbengebung eingelegte Arbeiten täuschend nachahmen. Die geschmackvolle Wahl der Farben kommt hierbei nicht weniger in Betracht und mit wenigen contrastirenden Tönen, die Holzfarbe inbegriffen, welche sich jedoch nur in schmalen Linien etc. oder vielmehr nicht in größerer räumlicher Ausbreitung zeigen darf, erreicht man in der Regel größere Wirkung als mit Ueberladung. Motive dieser Art finden sich in allen genannten Musterbüchern, und können solche mit Geschick und Geschmack leicht vielfältig variirt werden so in Racinet, Taf. 1. 5. 10. 29. 36. 37. 45. 46 etc. und Owen Jones, Taf. 7 bis 11, 13. 15. 25. 35. 39. 43. 45. 59. 64, 65, wobei wie bereits bemerkt, die Töne mehr den Holzfarben anzupassen sind.

Abgesehen von den anzuwendenden Motiven ist bei Anlage derartiger Arbeiten besonderes Augenmerk auf die Gliederung der Fläche und die geschmackvolle Ausfüllung des Raumes zu richten. Im Allgemeinen dürfte es sich empfehlen, eine rahmenartige mehr oder weniger reich gegliederte Einfassung anzubringen, welche einen größeren Raum umschließt, der in seiner Mitte ein Wappen, eine Cartouche, ein Monogramm etc. etc., oder kleinere figürliche symbolische Darstellungen enthält. Der Grund dieses inneren Raumes wirkt nicht selten als tiefschwarze Fläche äußerst günstig. Anderweitige Theilungen der Fläche, Zwei-, Drei-, Vier-Theilung etc. etc. sind selbstverständlich nicht ausgeschlossen. Geschmackvolle Muster derartiger Gliederungen findet man in Zahn’s Musterbuch.

Außer diesen kleineren figürlichen Darstellungen, wie symbolische Zeichen aller Art, Wappen, Monogramme etc. etc. etc., welche Beziehungen auf Empfänger oder Geber vermitteln, lassen sich auch kleine Photographien von antiken Büsten und Statuen (z. B. in Medaillons), welche man unaufgezogen bestellt, sorgfältig ausschneidet und mit weißem Leim auf die betreffende, noch rohe Stelle klebt, vortheilhaft anbringen. Auf schwarzem Grunde nehmen sich solche ganz besonders gut aus.

Für geübte Zeichner läßt sich selbstverständlich keine Grenze ziehen und werden solche deßwegen die linearen Ornamente doch nicht verschmähen, wenn sie vielleicht auch häufiger die reichen Renaissance- und andere vielgestaltige Ornamente, wie sie obengenannte Werke bieten, benutzen werden. Da nun Ornamente, welche sich in derselben Größe verwenden lassen, einfach durchgepaust werden, so könnte es wohl einem wenig geübten Zeichner beikommen, auch einmal eine reiche Renaissance- oder eine maurische Decoration auf Holz zu übertragen, allein ich bemerke, daß hier der besondere Umstand zu berücksichtigen ist, daß das Holz nicht selten — aus welchem Grunde weiß ich nicht — die Pause überhaupt ungern und stellenweise sogar nur sehr schwer und höchst undeutlich und lückenhaft annimmt, so daß mitunter nur die Hauptanhaltspunkte haften und man dann gezwungen ist, fast ohne Pause zu zeichnen, wenigstens stellenweise. Nun erfordern aber alle ornamentalen Malereien eine äußerst sorgfältige Zeichnung und schwierige Motive in mangelhafter Zeichnung würden unter dem Pinsel jedenfalls nicht eben schöner werden, und die vielleicht sehr mühevolle Arbeit würde schließlich eine unansehnliche und vollständig werthlose sein. Der Anfänger wird übrigens schon nach seinen ersten Arbeiten den hohen Werth selbst ganz einfacher Motive vollständig erkennen.

Zum Pausen bedient man sich am besten des pulverisirten Graphits, mit welchem man das Pauspapier auf der untern Seite bestreicht. Bei großen Motiven, welche auf schwarzen oder sehr dunklen Grund kommen, kann man sich auch des Blaupapiers bedienen.

Welche Decorationsmotive man nun auch verwende, so ist selbstverständlich darauf zu halten, daß man nicht Ornamente verschiedener Stile zusammenbringe. Besonders sei man bei Anbringung von Wappen in dieser Beziehung vorsichtig (auch bei Zahlen und Monogrammen), da es sich äußerst ungünstig macht, wenn man, wie es leider nicht selten vorkommt, Wappen im Stile des zwölften Jahrhunderts in Renaissance-Decorationen oder umgekehrt Wappen im Barockstil in Gesellschaft gothischer Ornamente gewahr wird. Was speziell noch die Renaissance-Decoration betrifft, so empfiehlt es sich bei Einfassungen in diesem Stile für jede der vier Seiten ein anderes Motiv zu wählen, so wie überhaupt nie dasselbe Motiv mehrfach bei einer Arbeit zu verwenden, da steter Wechsel des Ornaments für diesen heiteren Stil charakteristisch ist.

Was die oben erwähnte Verwendung von Photographien betrifft, so eignen sich hiezu besonders antike Büsten und Statuen, auch kleine Landschaften, welche Erinnerungen an einen Aufenthalt oder eine Reise vermitteln sollen und zwar im Visitenkartenformat und machen solche, wenn wie oben behandelt, einen reizenden Effekt. Bei der Anlage des schwarzen Grundes ist aber besonders darauf zu achten, daß man das Schwarz bis dicht an die Grenze des Papieres, — aber ja nichts darüber hinaus — bringt, da Lücken wie Flecken an diesen Stellen höchst unerfreulich wirken. Um die Anwendung von Photographien für diesen Zweck, über welche mir noch nichts Gedrucktes vor die Augen gekommen ist, zu illustriren, will ich bemerken, daß ich vor einiger Zeit eine Zeitungsmappe, welche ich für einen Arzt malte, in folgender Weise ausführte. Nach einigen die ganze Holzplatte umfassenden linearen schmalen, aber in Breite etwas wechselnden Einfassungen von abwechselnd hellgelben und tiefschwarzen Tönen wurde die Platte durch zwei Mäanderrahmen in Naturfarbe des Holzes mit tiefrothbrauner Farbe in zwei Theile gespalten. Der innere naturfarbige Grund jeder Seite enthielt ein Oval in pompejanischem Roth mit schmalen naturfarbigen Rändern, deren eines auf schwarzem Grunde die Statue des Aesculap, das andere die der Hygea umschloß. In den Ecken des naturfarbigen Mittelgrundes waren bräunlichgelbe Palmetten, mit tieferen Tönen schattirt, angebracht und außerdem links und rechts ein kleines Medaillon eingesetzt, welches auf schwarzem Grunde einen bräunlichen, von bläulicher Schlange umwundenen Stab zeigte. Das Motiv hatte ich dem Revers einer alten griechischen Münze entnommen. Im Mittelpunkt der Platte waren die Mäander durch eine rothe rautenförmige Umrahmung unterbrochen, innerhalb welcher auf schwarzem Grund eine ebenfalls dem Revers einer griechischen Münze entnommenes Motiv, eine antike Vase in rothgelber Farbe zwischen zwei windenden blaugrauen Schlangen, Verwendung gefunden hatte. — Antike Münzen liefern sehr brauchbare figürliche Motive. Derselbe Gegenstand in ähnlicher Behandlung, aber für einen Offizier bestimmt, könnte statt der Statuen der Heilgötter die Büsten des Ajax und der Pallas zeigen und statt der auf die ärztliche Kunst Bezug habenden Attribute, würde man antike Waffenstücke, Eule und Scorpion als Beiwerk anzubringen haben. Die Farbenwirkung war in obiger Arbeit beiläufig bemerkt, eine sehr gelungene. Dabei brauche ich wohl nicht zu bemerken, daß für Fälle, wo ein colorirtes Vorbild nicht vorliegt, man sich vorher eine Farbenskizze macht, was namentlich bei reicheren Motiven und größeren Arbeiten unerläßlich ist.

Indessen sei man vorsichtig mit Photographien, und verwende sie nur hier und da einmal, da ihre Anwendung doch eigentlich hier nicht ganz gerechtfertigt ist.

Ist man nun über Wahl der Ornamente und Gliederung mit sich einig, so beginnt man die gefertigte Skizze oder Vorlage auf die Holzplatte zu übertragen. Kommen nur lineare Ornamente ohne Verschlingung zur Verwendung, so zeichnet man besser nichts durch, sondern man arbeitet aus freier Hand, mißt Alles genau ab, bedient sich bei allen geraden Linien des Lineals und bei allen Kreislinien oder Theilen derselben des Zirkels, so daß die Grundlagen der Arbeit sicher stehen. In vielen Fällen ist es sehr wichtig, genau die Mitte der Tafel oder von Theilen derselben festzustellen, was am einfachsten durch Ziehen zweier Diagonalen geschieht. Alle Linien gebe man bestimmt, achte aber darauf, weder ein zu hartes, kratzendes, noch ein zu weiches, schmierendes Bleistift zu benutzen. Leichter, aber sicherer Auftrag mit Stiften mittlerer Härtegrade ist am dienlichsten, besonders wenn man nicht viel zu wischen braucht. Reiche geschwungene Gliederungen und Ornamente, welche nicht mit Lineal und Zirkel behandelt werden können, zeichnet man natürlich mittelst Pauspapier durch.

Mit der sorgfältigen Fertigstellung des Ornamentalen in Bleistift auf dem Holze ist der erste Theil der Arbeit und in vielen Fällen der weitaus schwierigste beendet, indem das Colorit, abgesehen von sehr complicirten Motiven eigentlich mehr eine angenehme Unterhaltung als eine Arbeit zu nennen ist. Bevor man jedoch zum Colorit übergeht, ist alles Gezeichnete mit Contouren zu versehen, eine sehr wichtige Prozedur.

Wie in der ornamentalen Malerei überhaupt durch die Trennung der Farben mittelst Schwarz, Gold etc. eine weit bessere Wirkung erzielt wird, als wenn sich die Farben berühren, so werden in der Holzmalerei die Contouren zur unerläßlichen Erforderniß, selbst bei den schmalsten Einfassungen, da sie es sind, welche vorzugsweise den Charakter der eingelegten Arbeit bedingen, welcher hier in den meisten Fällen angestrebt wird. Es empfiehlt sich dieselben stets schwarz zu halten und empfehle ich zu deren Herstellung chinesische Tusche zu verwenden, weil dieselbe bei späterem Uebergehen mit hellfarbigen Tönen weniger schmutzt als andere schwarze Farben.

Die Anwendung von Contouren rechtfertigt sich aber auch aus anderen Gründen. Die unmittelbare Berührung zweier Farben mittlerer Helligkeit macht sich im Allgemeinen nicht sehr günstig. Sind beide wenig verschieden, so heben sie sich nur sehr wenig von einander ab; besteht aber ein größerer Unterschied, so erzeugen sie, aus einiger Entfernung gesehen, auf ihrer Grenze eine störend und schwächend einwirkende Mischfarbe. — Sollen die Contouren auch auf größere Entfernung gesehen werden, was manchmal in der Absicht liegen kann, so müssen solche in entsprechender Stärke ausgeführt werden. Solche starke Contouren erlauben auch Farben neben einander anzubringen, deren unmittelbare Berührung Anlaß zu Bedenken geben würde, indem sie in solchen Fällen den Grenzcontrast aufheben und dessen etwaige Nachtheile beseitigen. Sehr schätzbar wirken in der Holzmalerei die Contouren ferner an Figürlichem aller Art, wo sie nie wegzulassen sind, indem sie hier das subjektive Element heben und die dargestellten Gegenstände entnaturalisiren.

Um den Leser zu einer bewußten Beurtheilung dekorativer Ornamentmotive überhaupt zu leiten, glaube ich das Wesen der Contouren, welches sich theilweise auf schon früher Besprochenes stützt, etwas eingehender erörtern zu sollen.

Als Umrahmungen verschiedenfarbiger Flächen bilden die Contouren ein wesentliches Moment in der decorativen Malerei, da sie hier als selbstständiges Element auftreten, obwohl sie ursprünglich wohl nur technischen Rücksichten entsprungen sind. Sie zeigten sehr bald so mannigfache Vortheile, daß man sie auch nach dem Hinfälligwerden vorerwähnter Rücksichten beizubehalten für gut fand.

In erster Linie haben die Contouren stets den Zweck das Flächenornament schärfer vom Grunde abzuheben, besonders wenn das farbige Ornament auf neutralem oder in der Farbe ähnlichem Grunde steht. Sie trennen hier die einzelnen Flächen sehr scharf und verhindern das Entstehen der Mischfarben an den Berührungsstellen. Man wählt für dieselben in diesem Falle entweder eine hellere Farbe als die helle oder eine dunklere als die dunkle Farbe.

Besonders erwünscht sind Contouren da, wo feine Ornamente in dunkler Farbe auf hellem Grunde stehen, weil abgesehen vom Entstehen von Trugbildern und dem Verschwinden der Ränder die schmalen Theile weniger dünn oder gar aufgelöst erscheinen.

Sind Grund oder Ornamente farbig, so können die Contouren, so lange ihnen keine andere als die oben erwähnte Aufgabe zufällt, in einer Schattirung einer der beiden Farben gehalten werden, oder auch in Weiß oder Schwarz als den Endpunkten der Nüancen.

Sind aber Grund oder Ornamente schwarz, oder stehen die Ornamente hell auf sehr dunklem Grund, in welchem Falle letzterer jedoch nicht allzugeringe Dimensionen zeigen darf, so können die Contouren (wenn auch nicht bei Holzmalerei) wegbleiben, wie es in den Wandmalereien von Pompeji der Fall ist.

Wesentlich nothwendig sind Contouren da, wo zwei gesättigte Farben von verschiedenem Ton sich berühren, z. B. zwischen Roth und Blau, da hier abgesehen von den Grenzcontrasten, die Grenzlinien verwaschen erscheinen würden. In diesen Farben gehaltene Ornamente machen ohne Contouren einen unruhigen Eindruck, welcher durch eingesetzte dunkle Ränder sofort verschwindet. Hierbei tritt stets die Erscheinung auf, daß dunkle Contouren die dunkle Farbe dunkler, helle aber die hellere Farbe heller machen, so daß sie hier die Unterschiede der Farben entschieden vergrößern. Diese Wirkung läßt sich sowohl durch entsprechendes Colorit ausgleichen, oder aber auch dadurch vermeiden, daß man die Contouren mehrfach umrändert und wählt man hierzu am besten Gold oder Silber mit Schwarz oder Weiß.

Eine derartige Behandlung des Ornaments versteht sich vorzugsweise auf die ältere, geometrisch angelegte Ornamentik, während seit der Renaissance die geometrischen Muster mit satten Farben und leuchtenden Contouren durch Laubgewinde mit Blumen und Früchten, Rankenwerk, Vasen, Masken, phantastische Thiere untermischt mit Kindergestalten, Büsten, mythologischen Wesen etc. etc. ersetzt worden sind, deren Farbengebung sich mehr an die heutige Malerei anschließt.

Im Allgemeinen ist in der dekorativen Kunst bezüglich der Contouren festzuhalten, daß Ornamente auf Goldgrund oder goldene Ornamente auf farbigem Grund schwarze Contouren beanspruchen, daß dunkle Ornamente auf hellem Grunde ebenfalls von schwarzen oder wenigstens dunkeln Contouren umgeben sein müssen, daß endlich farbige Ornamente oft vortheilhaft mittelst weißer, schwarzer oder goldner Umränderungen vom Grunde abgehoben werden. Weiße, hellfarbige und goldene Contouren beabsichtigen indessen nicht selten als selbstständige Elemente aufzutreten, was bei schwarzen nur äußerst selten vorkommen dürfte.

Man präparirt also einen ziemlich dickflüssigen tiefschwarzen Ton aus Tusche und zieht mit einer guten, nicht zu scharfen, mit dieser Farbe gefüllten Ziehfeder erst alle geraden Linien sehr sorgfältig und mit nicht zu schweren Strichen gleichmäßig nach, worauf die Kreise oder deren Theile etc. etc. folgen. Hierbei ist jedoch insofern große Vorsicht nöthig, als besonders auf größeren Platten die Textur des Holzes in Bezug auf die Härte an manchen Stellen starkem Wechsel unterworfen ist und man von einer harten Fläche plötzlich auf eine verhältnißmäßig weiche geräth, weßhalb die Ziehfeder immer nur leicht zu führen ist, besonders auch auf dem weicheren Lindenholz. Stellenweise kommt es auch vor, besonders bei schlecht präparirtem Holze, daß das Holz die Farbe ungern annimmt, und um diesen Mißstand zu beseitigen, empfiehlt es sich, allen aufzutragenden Farbentönen ein wenig Ochsengalle, welche im Handel in kleinen Fläschchen zu 1. vorkommt, beizumischen, worauf das Holz in der Regel angenehm zu bearbeiten ist. Bei größeren Quantitäten von Farbe sind wenige Tropfen genügend. Bei dieser Arbeit vermeide man Flecken und Spritzer. Erstere kann man, wo es thunlich ist, sofort mittelst Schwamm und reinem Wasser wegwischen, während man letztere besser trocken werden läßt und dann ausradirt, was auch für etwaige zu lang gerathene Linien gilt. Wo überhaupt etwas Farbe wegzunehmen ist, wendet man am besten das Radirmesser an und zwar am zweckmäßigsten in der Längsrichtung der Holzfasern, da das Radiren in der Richtung der Quere sich weniger gut und sauber ausführen läßt. Besser ist es aber, sich überhaupt nicht hierauf zu verlassen, sondern reinlich zu arbeiten. Die Längslinien etc. etc. werden aber auch an schwarzen oder sonstigen sehr tieffarbigen Einfassungen und zwar deßhalb mit Schwarz ausgezogen, weil das Coloriren der von ihnen umschlossenen Räume weit leichter und sicherer von Statten geht, die Kanten viel schärfer absetzen und weil hierdurch der Charakter eingelegter Arbeit ganz wesentlich bedingt wird. Ganz abgesehen von letzterem Umstand wird man einen nach diesem Verfahren behandelten Mäanderfries, von einem, wenn auch auf das sorgfältigste, aber aus freier Hand behandelten dennoch sofort und zwar weitaus zum Vortheil des ersteren unterscheiden können. Ist alles was mittelst der Ziehfeder zu contouriren war, gearbeitet, so folgt dieselbe Behandlung des Figürlichen, der Arabesken etc. etc., wozu man sich einer Zeichenfeder von Stahl bedient, deren man jetzt die verschiedensten Sorten, weiche und harte besitzt, und deren man sich einige von verschiedenen Härtegraden vorräthig hält. Man arbeite vorsichtig, mit nicht zu viel und nicht zu wenig Tusche.

4. Colorit.

Bei der ornamentalen Malerei kommen ganz vorzugsweise Lokalfarben in Anwendung und zwar sucht man eine glänzende Wirkung entweder durch die Farbe an sich oder durch Contraste zu erstreben, weßhalb in dieser Beziehung hier alles maßgebend ist, was ich früher bei Erörterung der Farben angeführt habe. Im Allgemeinen wird man daher am besten thun, kalte Töne neben feurige und helle neben dunkle zu bringen; man hüte sich aber bei eigenen Compositionen in zu vielerlei Töne zu gerathen oder in das Bunte zu verfallen, da die Anwendung größerer Reihen verschiedener Töne schon einen sehr ausgebildeten Farbensinn erfordert. Ich betone hier nochmals die hohe Schönheit des tiefen Schwarz. Gelbe, rothe, braune und graue Töne wird man ebenfalls in ihren verschiedensten Uebergängen häufig mit Vortheil anwenden, deßgleichen auch, aber sparsamer die Naturfarbe des Holzes, während Blau oder Grün Vorsicht erheischen. Doch macht sich French Blue mit Gold sparsam angebracht, zuweilen sehr gut und erinnert an Lapis Lazuli. Man setze helle Töne von gleicher Farbentiefe nicht neben einander, sondern trenne sie durch breitere oder schmälere Streifen von Schwarz; ebenso sind dunkle gleich tiefe Töne durch helle oder auch das unbemalte Holz zu trennen, indem andernfalls erstere sehr flaue, letztere aber eine unruhige Wirkung äußern.

Was die figürlichen Darstellungen anlangt, welche indessen in der Regel nur in kleinen Dimensionen und in der Farbe wenig ausgiebigen Partieen angebracht werden können, so halte man dieselben stets in Contrast mit der Grundfarbe und führe solche, wo es passend erscheint, fein und miniaturartig aus.

Ich nehme hier Veranlassung auf die Behandlung von Blumen und Blättern, welche in Form von Kränzen oder Bouquets als Füllstücke auf schwarzem Grund häufige Verwendung finden und verdienen, etwas näher einzugehen und namentlich vor einer zu naturalistischen Behandlung zu warnen. Besonders stehe man von dem Schattiren derselben ab, sondern behandle dieselben ebenfalls streng als eingelegte Arbeit und umreiße alles, einschließlich der Staubfäden und einzelnen Schattenstellen mit schwarzen Contouren. Dieser Behandlung entsprechend müssen alle Farben in durchsichtigen, feinen Tönen gehalten werden, ohne daß besondere Aehnlichkeit mit der natürlichen Farbe anzustreben ist. So z. B. gebe man blaue Blumen durch Payne’s Grey, rothe durch Krappnüancen, Light Red etc. anstatt mit Cobalt oder Zinnober, wodurch eine dieser Technik weit angemessenere Wirkung erzielt wird. Dagegen sehe man bei Bouquets etc. etc. auf Mannigfaltigkeit des Grün, wenn auch die Unterschiede nicht zu auffallend zu halten sind. Besonders gut wirken Blätter von Olive Green, welches durch Zusatz von Indian Yellow, Krapp etc. etc. angenehm nüancirt werden kann. Doch ist auch helles, sonniges Grün aller Art, zwischen welchem einzelne mit Burnt Sienna colorirte Blätter nicht fehlen dürfen, zu verwenden. Einzelne Blätter gelber Blumen nüancire man mit Orange Cadmium und sehe besonders bei größeren vielblättrigen Blumen auf Abwechslung im Ton, so z. B. daß die Blumenblätter einer Rose mannigfaltige, darunter dunklere, wenn auch nicht allzu schroff von einander geschiedene Töne zeigen. In größeren Bouquets etc. wirkt solcher Wechsel ungemein reich, doch hüte sich der Anfänger in’s Buntscheckige zu gerathen. Als Prachtstücke dieser Art lassen sich ein Kranz in Zahn’s Heft II. und ein Bouquet in Heft III. behandeln. Weiße Blumen wie Dorn, Maiblumen läßt man in der Holzfarbe und colorirt bei ersteren nur die Staubgefäße mit dunklem oder rothbraunem Krapp. Sonst können Blumen und Früchte vortheilhaft in etwas kräftigerer Farbe gehalten werden.

Zarte, durchsichtige Töne trage man stets sehr dünnflüssig, aber wiederholt auf, bis der Ton die gewünschte Tiefe hat, während tieftönige Farben etwas kräftiger, Schwarz aber immer absolut schwarz, wie Ebenholz zu geben ist, und immer möglichst dickflüssig und gelatinös aufgetragen werden muß. Dessenungeachtet genügt ein einziger Auftrag in der Regel nicht und muß derselbe mindestens einmal wiederholt werden, wenn man nicht Gefahr laufen will, nach dem Poliren das Holz durchleuchten zu sehen. Auch dunkelbraune und dunkelrothbraune Töne machen sich in kräftigem Auftrage nicht selten sehr schön, wirken aber auch in dünnflüssigen Tönen oft recht erfreulich und den verschiedensten feinen Holzarten entsprechend, was hier und da durch eine der Maserung entsprechende Pinselführung noch mehr ausgeprägt zu werden vermag.

Diejenigen Leser, welche bereits mit der Aquarellmalerei vertraut sind, werden über die anzuwendenden Farben und Mischungen keiner weiteren Anweisung bedürfen. Da indessen dieser Nachtrag nicht so sehr selten von Lesern oder Leserinnen benutzt werden möchte, welchen das Mischen der Farben noch Schwierigkeiten macht, so gebe ich hier ein Verzeichniß aller derjenigen Farben und Combinationen, welche für diese Malerei vorzugsweise geeignet erscheinen. Die in mehrfacher Hinsicht, sei es durch zarten oder leuchtenden oder sehr reinen oder sehr tiefen Ton sich auszeichnenden Farben und Combinationen sind gesperrt gedruckt und die sehr tieftönigen mit! versehen.

Körnchen in der Farbe vermeide man, da sich solche beim Poliren erhöhen.

Gelb.

Cadmium.

Indian Yellow.

Raw Sienna.

Yellow Ochre.

Aureolin.

Mars Yellow.

Italienische Erde.

Gamboge.

Lemon Yellow.

Raw Umber.

Indian Yellow und Yellow Ochre.

Gamboge und Brown Pink.

Indian Yellow und Purple Madder.

Indian Yellow und Sepia.

Orange.

Cadmium Orange.

Burnt Sienna.

Mars Orange.

Neutral Orange.

Laque Robert 7.

Gebrannte italienische Erde.

Brown Ochre.

Yellow Ochre und Light Red.

Cadmium und Rose Madder oder Indian Red.

Burnt Sienna und Indian Yellow oder Aureolin oder Gamboge.

Rose Madder und Gamboge.

Indian Yellow und Rose Madder.

Indian Yellow und Light Red oder Vermilion.

Braun.

Asphalt.

Vandyke Brown.

Sepia.

Brauner Lack.

Burnt Umber.

Vandyke Brown und Gamboge.

Vandyke Brown und Chrimson Lake!

Raw Sienna oder Yellow Ochre.

Raw Sienna, Yellow Ochre und Vandyke Brown.

Burnt Umber und Indian Yellow.

Burnt Umber und Brown Madder.

Burnt Sienna und Payne’s Grey.

Burnt Sienna und Lamp Black.

Light Red und Lamp Black.

Indian Yellow, Sepia und Lake.

Rothbraun.

Florent. Braun!

Burnt Sienna, Chrimson Lake und French Blue!

Brown Madder und Raw Sienna.

Raw Sienna, Rose Madder und Vandyke Brown.

Sepia und Brown Madder!

Purple Madder und Indian Yellow!

Brown Pink und Purple Madder!

Purple Madder und Sepia!

Brown Pink, French Blue und Lake!

Vandyke Brown und Brown Madder.

Roth.

Purple Madder.

Burnt Carmine!

Rubens Madder!

Brown Madder!

Rose Madder.

Pink Madder.

Indian Red.

Light Red.

Red Lead.

Rose Madder, Yellow Ochre und Cobalt.

Rothbrauner Krapp!

Marsroth.

Von Dyk Roth.

Yellow Ochre und Rose Madder.

Light Red und Rose Madder.

Brown Madder und Light Red.

Rose Madder und Aureolin.

Rose Madder und Vermilion.

Rose Madder und Brown Ochre.

Raw Sienna und Brown Madder.

Purpur (Violett).

Cobalt und Rose Madder oder Brown Madder.

Purple Madder und Cobalt.

Indigo und Rose Madder.

Brown Madder und Payne’s Grey!

Brown Madder und Lamp Black.

French Blue, Cobalt und Rose Madder.

Grau.

Neutral Tint.

Payne’s Grey.

Cobalt, Rose Madder und Yellow Ochre.

Cobalt, Rose Madder und Naples Yellow.

Indigo und Indian Red.

Cobalt und Lamp Black.

Cobalt, Rose Madder und Burnt Sienna.

Lamp Black, Light Red und Cobalt.

Indigo und Blue Black.

Blau.

(Nur sparsam zu verwenden und in den meisten Fällen durch Grau zu ersetzen.)

Intense Blue!

Cobalt.

French Blue.

Grün.

Olive Green.

Terre Verte.

Indigo und Indian Yellow.

Indigo und Brown Pink.

Gamboge und Cobalt.

Gamboge und Emerald Green.

Gamboge, Burnt Sienna und Indigo.

Olive Green und Indigo!

Aureolin und Indigo.

Aureolin, Vandyke Brown und Indigo.

Brown Pink, Oxyde of Chromium und French Blue!

Indian Yellow und Oxyde of Chromium.

Sepia und Indigo. Bronzetöne.
Lamp Black und Emerald Green.

Außer Olive Green ist Grün ebenfalls, außer bei Bouquets etc. sparsam und vorsichtig zu verwenden, ersteres aber in jeder Beziehung zu empfehlen.

Als Beispiele wie Intarsien in zwei Farben stilvoll behandelt werden können, gebe ich hier einige solcher Zusammenstellungen nach italienischen Intarsien der Renaissance, welche als mustergiltig zu betrachten sind.

1. Intarsien der Chorstühle der Certosa bei Pavia:
  Grund: Ornament:
  dunkle Farbe. helle Farbe.
1. Schwarz. Yellow Ochre und Indian Red.
2. Indian Yellow und Brown Madder.
3. Light Red und Indian Yellow.
4. Brown Madder und Gamboge.
2. Intarsien der Chorstühle in S. Maria Novella in Florenz:
1. Florentiner Braun. Indian Yellow und Brown Madder.
2. Purple Madder und Van Dyke Brown. Roman Ochre.
3. Marsbraun. Yellow Ochre.
4. Caput Mortuum. Raw Sienna und Vermilion.
5. Burnt Umber und Aureolin. Raw Sienna und Brown Madder.
5. Burnt Umber. Light Red und Neutral Tint.

5. Politur.

Nachdem die Malerei tadellos beendet ist, übergibt man die Arbeit einem Möbelschreiner zum Poliren. Da aber diese Leute die Gegenstände in der Regel Monate lang behalten, unter dem Vorwande, solche müßten so und so lange stehen und wer weiß was für heikle Prozeduren durchmachen, wobei man nicht selten die Objekte nur ganz oberflächlich polirt, mit deutlicher Auszeichnung der Stellen wo radirt worden (einem untrüglichen Zeichen sehr nachlässiger Arbeit Seitens des „Ebéniste“) zurück erhält und dabei mitunter sündhaft zahlen muß, so rathe ich jedem Interessenten, das Poliren zu erlernen, was bei einiger Aufmerksamkeit und gutem Willen in wenigen Stunden zu erlernen ist und wobei man, wenn man viel auf Holz malt, sehr viel Geld sparen kann. Ich selbst habe diese Arbeit in etwa sechs Stunden bei einem Schreiner gründlich erlernt, und polire ich seit jener Zeit alles selbst, dabei weit sorgfältiger als es mir früher geliefert worden ist. Abgesehen von der benöthigten Zeit kostet diese Arbeit fast nichts als etwas Mühe und Geduld, wenn alles nicht sofort nach Wunsch gelingt.

Das Poliren läßt sich zwar, wenn überhaupt, nur schwer auf die bloße Beschreibung hin erlernen; dessenungeachtet will ich aber versuchen, das Verfahren so anschaulich wie möglich darzulegen, um selbst denjenigen, welche nicht gerade auf die Erlernung reflektiren, doch eine genauere Beurtheilung dieser Arbeit zu ermöglichen.

Zum Poliren bedarf man folgender Hilfsmittel:

1. Dunkle Politur, d. h. eine Lösung von 50 Grammen gewöhnlichem Schellack in 200 Grammen starkem Weingeist (also 1: 4). Diese Lösung, welche indessen auch käuflich zu haben ist, wird nicht filtrirt, aber beim Gebrauche immer tüchtig umgeschüttelt. Sie eignet sich indessen nur zum Poliren sehr dunkler Gegenstände, da sie helle Farben bräunt, was bei vorzugsweise viele helle Farben zeigenden Gegenständen nicht günstig wirkt. Es polirt sich aber mit dieser dunklen Politur leichter als mit der demnächst zu erwähnenden weißen, weßhalb es gerathen erscheint, die ersten Versuche (an irgendwelchen Gegenständen, an welchen nicht viel gelegen) mit dieser dunklen zu beginnen.

2. Weiße Politur, d. h. eine Lösung von 50 Grammen weißem Schellack in obiger Menge Weingeist. Noch besser aber nehme man die käufliche weiße Copal-Politur, welche noch haltbarer ist. Die weiße Politur muß zu allen Arbeiten verwendet werden, auf welchen das natürliche Holz oder helle Farbentöne größere Flächen einnehmen, kann aber auch zu dunklen Arbeiten verwendet werden, welche durch dieselbe ein weit feineres Aussehen erhalten. Sie ist etwas schwieriger in der Behandlung, weil sie leichter klebt und langsamer trocknet. Der weiße Schellack löst sich schwieriger und muß öfter umgeschüttelt werden. Die Lösung wird ebenfalls nicht filtrirt.

3. Weißer Spirituslack, ein Firniß welcher in Materialhandlungen in kleinen Fläschchen käuflich zu erhalten ist. Die Selbstbereitung ist eine zu complizirte und mühsame um zu rentiren.

4. Ein Fläschchen Leinöl, welches aber, besonders bei Anwendung weißer Politur besser durch Schweinsschmalz ersetzt wird.

5. Zwei Stücke Bimsstein mittlerer Größe, welche man auf einem Steine so anreibt, daß jeder eine ebene Fläche erhält.

6. Ein kleines Fläschchen alkoholisirtes Bimssteinpulver.

7. Einige Stücke alter Leinwand und eines Wollenstoffes.

8. Einige Korke, am Besten von Champagnerflaschen.

Ehe man nun zum eigentlichen Poliren schreitet, welches an einem staubfreien und warmen Orte (im Winter nicht in einem kalten Zimmer) vorgenommen werden muß, ist die Malerei erst zu fixiren, was sehr leicht und schnell bewerkstelligt wird, indem man mit einem nicht zu kleinen Pinsel, gefüllt mit weißem Lack, alle bemalten Flächen des Gegenstandes vorsichtig und nach einer Richtung hin, ohne hin und her zu fahren, übergeht. In Ermanglung des weißen Lackes kann man sich auch der weißen Politur bedienen, was aber nicht zu empfehlen ist, da solche zu dünn ist und zu viele Aufträge nothwendig machen würde. Dieser Lacküberzug trocknet ziemlich rasch und bildet nun einen dünnen die Farbe schützenden Ueberzug. Nach 5 bis 10 Minuten ist derselbe gewöhnlich trocken und wiederholt man alsdann das Experiment, welches nun etwas kühner vorgenommen werden kann und nach abermaligem guten Trocknen nochmals wiederholt wird, worauf der Gegenstand polirt werden kann.

Da nun ein zu polirender Gegenstand fest stehen muß, und während der Arbeit festeres Angreifen nicht erträgt, so muß derselbe befestigt werden. Tischchen machen eine Ausnahme, indem man solche mit der linken Hand am Fuß fassen kann. Man thut am besten, wenn man sich ein Brett in Form eines Reißbrettes hierzu hält, auf welches die zu polirenden Gegenstände auf folgende Weise befestigt werden. Hat man z. B. ein Kästchen zu poliren, so leimt man auf das Brett ein glattes Klötzchen von 5 bis 10 Ctm. im Quadrat, auf dieses Klötzchen leimt man ein Stück Papier und auf letzteres die Mitte des Bodens des Kästchens. Das Papier muß deßwegen dazwischen geleimt werden, weil das Kästchen dann leicht und glatt wieder abgebrochen werden kann, was ohne diese Vorsicht nicht möglich sein würde. Größere Holzplatten befestigt man in gleicher Weise, aber mit 2 in der Nähe der Seiten anzubringenden Längsleisten, ohne jedoch das Papier zu vergessen. Man legt das so zugerichtete Brett beim Poliren auf einen Tisch und stützt sich mit der linken Hand auf dasselbe. Ehe man zu poliren beginnt, kann man mit einem wollenen, mit Politur befeuchteten Lappen den Gegenstand überall erst tüchtig einreiben, was aber rasch und ohne mit dem Reiben einzuhalten geschehen muß. Nunmehr kann mit dem eigentlichen Poliren vorgegangen werden. Hierzu bedarf man eines aus einer wollenen polsterähnlichen Einlage und einer Hülle aus alter grober Leinwand bestehenden Bäuschchens in der Form eines Schnullers, welches einige Mal dicker sein muß. Die Einlage kann aus einem mehrmals zusammengelegten Streifen zarten Wollenstoffes oder auch aus einem leicht aufgewickelten Knaul von Strickwolle bestehen. Diese wollene Einlage wird nunmehr hinreichend mit Politur befeuchtet, so daß diese auch die äußere Leinenhülle nicht zu schwer zu durchdringen im Stande ist, und in letztere eingeschlagen und der Tampon fest zwischen die Spitzen der fünf Finger gefaßt und nun in kleinen Kreisen über die vorher hier und da ein wenig mit Oel oder Schmalz betupfte Fläche geführt, worauf sich bald sogenannte Wolken auf der Fläche zeigen. Sobald diese nachlassen oder sobald man bemerkt, daß der Tampon trocken wird oder klebt, muß der innere Wollbausch wieder mit Politur befeuchtet werden, und kann bei jeder neuen Füllung ein Tropfen Leinöl oder etwas Schmalz mit der Spitze des Zeigefingers der linken Hand in einigen Tupfen auf das Holz getragen werden. Man polire immer in kleinen Kreisen besonders längs des Randes und übergehe dann einmal die Mitte, und lasse die Gedanken bei der Sache, da in demselben Augenblicke in welchem man mit der kreisförmigen Bewegung aufhört, rasch der Tampon von der Fläche entfernt werden muß, andernfalls derselbe sofort anklebt und bei dem Abreißen eine schadhafte Stelle hinterläßt, welche, wenn solche nur geringfügig ist, sich im Laufe der Arbeit wieder glatt polirt, oder aber eine stark rissige und wie beschmutzt aussehende größere Stelle hinterläßt, welche nach dem Trocknen mit Bimsstein abgeschliffen werden muß, auf welche Arbeit ich später zurückkomme. Ist der zu polirende Gegenstand mehrseitig, so polirt man immer alle Seiten und Flächen rund herum durch, denn es muß alles zu gleicher Zeit fertig werden, und darf nicht etwa eine Seite nach der andern vorgenommen und fertig gestellt werden. In der angegebenen Weise kann man den Gegenstand längere Zeit bearbeiten, je nach der Größe ¼–½ 1–2 Stunden lang. Nach Verlauf dieser Zeit wird Politur in genügender Menge aufgetragen sein, und stellt man den Gegenstand auf einen Tag zurück. —