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Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen cover

Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen

Chapter 134: Gebet bei einem freudigen Ereignis.
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About This Book

Eine Sammlung von Gebeten, Andachten und Festbetrachtungen für israelitische Frauen und Mädchen, geordnet nach öffentlichen Gottesdiensten (Sabbat, Feste, ernste Feste, Halbfeste), häuslichen Andachten (Morgen‑ und Nachtgebete, Tischgebete, Lieder) und Lebensanlässen (Verlobung, Hochzeit, Geburt, Krankheit, Trauer). Ergänzende exegetische und meditierende Texte zeitgenössischer rabbinischer Autoren begleiten liturgische Formulierungen. Die Ausgabe bietet praktische Texte für Gottesdienst und Hausandacht, festliche Betrachtungen zu Feiertagszyklen, Jahrzeits‑ und Friedhofsgebete sowie Anpassungen in Rechtschreibung und Sprache zur besseren Verständlichkeit für jüngere Leserinnen.

Gebet einer Neuvermählten.

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Gütiger Vater aller Menschen! Deine Gnade hat mich begleitet von meinem ersten Tage auf Erden bis hierher. Du hast mir beigestanden in den ersten Tagen meiner Kindheit, aus Gefahren mich errettet, vor Not und Kummer mich behütet und, geführt von Deiner Hand, bin ich nunmehr zu der Aufgabe gelangt, als treue Gattin, als sorgsame Hausfrau mich zu bewähren. Welch anderes Gefühl, als das des kindlichen Dankes könnte ich Dir jetzt entgegenbringen, wenn mein Herz mich aufruft, daß ich im Gebete mich Dir nahe! Aber alle Worte des Dankes würden nicht hinreichen, ein würdiger Ausdruck der Erkenntlichkeit zu sein für die tausend und abertausend Wohltaten, die Du mir erwiesen hast. Darum will ich still in meinem Innern, doch unverborgen vor Dir, das Gelöbnis tun, durch Taten, nicht durch Worte, Dir, meinem gütigen Vater, zu zeigen, daß ich ein dankbares Kind bin. Ich will mich aufraffen mit aller Kraft, die Fehler zu erkennen, die an mir haften, und will sie ablegen. Ich will alle Mängel des Flattersinnes, die ich herüber gebracht habe aus dem Stande der Jungfrau in den der Gattin, bekämpfen in meinem Wesen, daß ich mit Ernst das Gebiet meiner Pflichten überschauen und in dasselbe mich hineinleben kann. Noch umspielt und umtändelt mich die Sorglosigkeit des jungen Ehelebens, aber ich weiß es wohl, daß es von Tag zu Tag mehr und mehr sein ernstes Angesicht mir zeigen wird. Mein Gatte wird, in Anspruch genommen von den Obliegenheiten seines Berufes, mir nicht immer mit dem Angesicht der Zärtlichkeit entgegentreten können; dann will ich es ihm nicht für Lieblosigkeit deuten, sondern meine Zuvorkommenheit verdoppeln, um ihm das Leben in seinem Hause angenehm zu machen. Ich will zu den Lasten seines Tagewerkes nicht noch die häufen, meine Launen ertragen zu müssen, ich will ihn nicht beschweren mit solchen Dingen, die ich allein verrichten kann, und mir Mühe geben, sein Leben angenehm zu machen und seine Bürde ihm zu erleichtern. So will ich bestrebt sein, ein Weib zu werden, wie Lemuël es beschrieben: „Das ihrem Gatten Liebes und kein Leides tut ihr Leben lang“, denn „trüglich ist die Anmut, nichtig ist die Schönheit, nur ein gottesfürchtiges Weib ist rühmenswert.“

Und so Du in Deiner Allwissenheit es bestimmt hast, daß Tage der Prüfung über ihn kommen, so will ich treulich ausharren, liebend und helfend an meines Mannes Seite, ich will nicht murren, wenn ich Entbehrungen erleide, Not und Kummer mit ihm tragen muß.

Du aber, gütiger Vater! sei mit ihm, mache die Sorge für das Haus ihm leicht, und seine Wohnung zur Stätte seiner Lust und Freude, daß er seine Schritte nicht unmutig von ihr abwende, wenn er eine Stunde der Erholung sucht, daß nie es ihm drückend werde, die Sorge für mein Wohl auf seine Schulter gelegt zu haben.

Erhöre, gütiger Vater! all' diese meine Bitten, zu welchen ich die Veranlassung zu überschauen vermag; wohin aber mein beschränkter Blick nicht reicht, was meiner geringen Erfahrung noch nicht wahrnehmbar ist, auch das lege ich mit Vertrauen in Deine Hand, denn Dir empfehle ich mein Leben und mein Heil; was Du tust, ist wohlgetan! Amen!

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Gebet einer Wöchnerin.

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Gnädiger Gott! Du mein himmlischer Wohltäter! Aus der Tiefe meines Herzens steigt mein Dank zu Dir empor, da ich in Freude zurückblicke auf die Zeit, die, noch vor kurzem von mir erwartet, mich mit Bangen erfüllte. Deine Hilfe ist mir nahe gewesen, durch Dich bin ich erlöset und unendlich reicher geworden, da Du ein holdes Kind mir (wiederum) geschenkt hast. (Wieder lausche ich mit Muttersorge und Mutterlust auf seine Atemzüge, wiederum treten die Bilder einer schönen Zukunft vor meine hoffende Seele.) Ich lausche mit nie geahntem Mutterglück auf seine Atemzüge, und die Bilder einer schönen Zukunft treten vor meine hoffende Seele, wenn ich daran denke, daß ich mein liebes Kind erziehen, seine Entwicklung beobachten und leiten und an seinem Gedeihen mich ergötzen soll.

Du weißt es, mein Gott, daß ich meine Pflicht erfüllen, die reinste Mutterliebe betätigen und nicht ruhen und rasten will in der Sorge um das Gedeihen meines Lieblings.

Aber alles menschliche Wollen und Streben reift nur zum Segen, wenn Du, o Gott, Deinen Beistand gibst. Darum flehe ich zu Dir: O, stehe mir bei in meinem Vorsatze. Erhalte mein Kind gesund an Leib und Seele, erhalte auch mich gesund zu seinem Heile, segne auch meinen Gatten, daß er immer in Freude und Fröhlichkeit für sein Haus zu sorgen vermöge. Schenke uns beiden die süße Lust, unser Kind kräftig emporwachsen zu sehen, daß es angenehm sei in Deinen Augen und in den Augen der Menschen. O, wie freue ich mich heute schon der Zeit, daß ich es werde anleiten können, selbst zu Dir zu beten, Dich zu lieben und zu verehren, Dich von ganzem Herzen Vater zu nennen, wie ich Dich Vater nenne.

O sei mir gnädig und bleib in meiner Hilfe. Amen!

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Gebet einer Mutter während der Aufnahme ihres Sohnes in den Bund Abrahams.

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Lob und Preis, Dank und Anbetung widme ich Dir, Allbarmherziger! Du hast mir beigestanden zur Zeit der Not und hast mein Herz erfreut durch Dein himmlisches Gnadengeschenk, da Du (wieder) einen Sohn mir gegeben, und meine Seele (aufs neue) erfüllt hast mit dem Glücke mütterlicher Sorge und mütterlicher Liebe. Und harren auch meiner (wiederum) in der Pflege meines Kindes Kummer und Mühsal hundertfach, so werden sie dennoch tausendfach aufgewogen durch die Lust und das Entzücken, die der Besitz und der Anblick meines lieben Kindes mir bringen muß. Darum bin ich auch in Fröhlichkeit damit einverstanden, daß er nunmehr durch das Opfer seines Blutes aufgenommen werde in den Bund, den Du mit Abraham geschlossen hast. O laß, mein Gott, ihn auch im Geiste und in der Wahrheit ein treues Mitglied dieses Bundes werden, daß er frei und gern sich zu ihm bekenne in der Zeit der Reife seines Geistes. Vor allem aber laß den Begründer des Bundes sein frei erwähltes Vorbild sein. Wie Abraham seinen Blick zu den Sternen erhob, und die Seligkeit des Glaubens an Dich gewann, so möge auch mein Sohn sein Auge zum Himmel erheben in seinen heiligsten Angelegenheiten, und Gottes Walten im Geiste erkennen und im Herzen empfinden. Wie Abraham dem Menschen ein Vorbild wurde, so laß meinen Sohn reif werden, daß auch sein Beispiel geeignet sei, den Irrenden den rechten Weg zu zeigen. Wie Abraham die Neigungen und Wünsche seines Herzens unterdrückt hat, wo es galt, sie Dir zum Opfer zu bringen, so laß auch ihn bereit sein, sich selbst zu verleugnen um seines Gottes willen. So wie Abraham als ein Muster der Nächstenliebe gelebt hat unter seinen Zeitgenossen, so möge auch mein Sohn es werden unter den seinigen, übertrage auch auf ihn den Segen, den Du Deinem Liebling Abraham zugeteilt, daß er selbst ein Segen sei unter den Menschen.

Aber auch das flehe ich, Allbarmherziger! Wie Du warst mit Abraham, dem Vater unseres Volkes, wie Du ihn begnadigt hast mit Glück und Freude, Leben und Wohlsein, so sei auch mit meinem Sohne immerdar. Erhöre mein Gebet, Allgütiger! Amen!

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Gebet einer Wöchnerin bei ihrem ersten Besuch des Gotteshauses.

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Mein Gott! „Durch die Fülle Deiner Gnade betrete ich Dein Haus, bücke mich vor Dir in Deinem Heiligtume in Ehrfurcht.“ Wie schön und lieblich ist diese Stätte! Wie fühle ich hier doppelt die Nähe meines Gottes! Ja, mein Gott! ich danke Dir, daß Du meinen Fuß wieder geleitet hast, die Schwelle Deines heiligen Tempels zu überschreiten.

Du hast in Deiner Liebe und Güte (aufs neue) ein heiliges Gut mir anvertraut, daß ich es treu bewahre nach Deinem Willen. O, so höre auch mein Gelöbnis, daß ich es so halten und hüten will, um jederzeit mit freudigem Bewußtsein Rechenschaft vor Dir ablegen zu können. Du hast mir (wieder) ein holdes Kind geschenkt und mit dieser Gabe mein Herz beglückt, darum will ich nun Dir geloben, daß ich es erziehen will in Deinen Wegen. Du hast (wiederum) meine Kraft gestärkt, darum will ich sie anwenden in Deinem Dienste, in Tugend und Frömmigkeit.

O, sei auch Du ferner mit mir! Laß das Kind zu meiner und zu seines Vaters Freude wachsen und erblühen, und wenn es einst herangewachsen ist, so mache es angenehm vor Dir und den Menschen. Möge es immerdar in Deinen Wegen wandeln und sein Name . . . . . . . ehrenvoll genannt werden.

Dich preise ich, mein Gott, Dir danke ich, und zu Dir bete ich.

Alles Gute kommt von Dir, Du warst mein Wohltäter, Du bist es und wirst es bleiben fürderhin. Amen!

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Gebet einer Mutter am Tage her Konfirmation ihres Sohnes.

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Du hast in Deiner Liebe, Allgütiger! mir heute (wiederum) einen Tag geschenkt, an dem ich Deine Gnade lebhafter erkenne und tiefer empfinde, weil er ein Tag ist, den mein Herz ersehnt seit langer Zeit. Mein lieber Sohn . . . . . , den ich in Liebe zu Dir und zur Kenntnis Deines Wesens und Deines Willens zu erziehen bestrebt war, ist nunmehr so weit gediehen, Dich selbständig und aus eigenem Antriebe verehren und Deine heiligen Gebote ausüben zu können, und ist heute bereit, durch feierliches Gelöbnis sich seinen Pflichten als Israelit zu unterwerfen. Dank Dir, mein Gott! daß Du mir (und meinem Gatten) die Freude vergönnt hast, Zeuge dieser Handlung zu sein. An das Gedeihen meines Sohnes knüpfen sich meine schönsten Hoffnungen. O, gib, daß diese nie und nimmer getäuscht werden, daß mein Sohn bei meinem (unserem) Leben und über dasselbe hinaus auf der Bahn der Tugend und Redlichkeit bleibe, und auch als ein Israelit nicht aufhöre, Dich vor Augen und im Herzen zu haben. Beschütze ihn auch, Allgütiger, auf seinem Lebenswege, behüte ihn vor Versuchung und Sünde, laß ihn mit Ehren einen Platz finden unter den Menschen, auf dem er imstande sei, Dir wohlgefällig, den Nebenmenschen nützlich, und zu seiner eigenen Zufriedenheit zu leben. Gib seinem Geiste Einsicht, seinem Herzen Mut zu allen guten Handlungen, die er auszurichten vermöge, und begnadige ihn mit Leben und Gesundheit und jeglichem Segen, der hervorgeht aus der Fülle Deiner Vaterliebe. Amen!

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Gebet einer Mutter am Verlobungstage ihrer Tochter

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Du Gnadenreicher! aus dessen Hand alles Gute kommt, das wir genießen, aus dessen Huld jede Freude entspringt, die wir empfinden, aus der Fülle meines Herzens bete ich heut zu Dir, um Dank und Bitte vor Dir zu offenbaren. Mit dem Gefühle, mit dem ein Wanderer das Ziel einer langen mühevollen Wanderung an seinem Gesichtskreis auftauchen sieht, mit demselben Gefühle sehe ich heut den Abschluß einer langen, mühevollen Arbeit von Ferne, und wie der Wanderer bittet: „O Herr! laß keinen Unfall nahe am Ziele die Vollendung stören“, so bitte ich: O Herr! laß keinen Unfall nahe am Ziele die Vollendung meiner Arbeit unterbrechen. Ich habe mein liebes Kind mit Mühe und Sorgfalt erzogen, ich war bestrebt, sie heranzubilden, daß sie fähig werde, als wackere Hausfrau ihre Pflichten auf Erden Dir und den Menschen wohlgefällig zu verrichten. Nun hast Du in Deiner Gnade das Werk meiner Fürsorge gesegnet und uns den Mann zugeführt, für den ich meine (wir unsere) Tochter erzogen habe (haben). Dank sei Dir für Deine Hilfe, mit der Du mir (uns) beigestanden hast bis hierher! Guter Gott! gib, daß unsere Einsicht uns nicht irre geführt habe, laß meine (unsere) Tochter durch diese Wahl glücklich werden, und den Erwählten glücklich machen. Tausend Gedanken beschäftigen mich, tausend verschiedene Wünsche möchte ich heut vor Dir aussprechen, doch Du schaust ja in mein Herz und verstehst ganz, was ich denke, wenn ich auch mangelhaft nur spreche; darum, gütiger Gott: sei mit uns allen, wie Du bisher mit uns gewesen und führe alles zum Guten. In Deine Hand befehlen wir unser Schicksal. Nichts ohne Dich, und alles mit Dir! Denn alles Gute kommt von Dir! Amen!

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Gebet einer Mutter am Hochzeitstage der Tochter.

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Allgütiger! Deine Vaterliebe waltet über uns, und ohne Deinen Beistand ist kein Gelingen und Gedeihen unserer Bestrebungen, das müssen wir täglich empfinden, und nur ein undankbares Gemüt könnte daran nicht gemahnt werden durch die Freude am Tage der Freude. Nein, Du guter Gott, ich will nicht undankbar sein für das Glück, das Du mir heute gewährest. Heute ist der Tag, an dem ich ein Ziel erreicht, für das ich so lange, so lange schon gesorgt und gedacht, das ich ins Auge gefaßt habe bei so vielen meiner Entschlüsse und Handlungen, das der Ausgangspunkt sein sollte mütterlicher Fürsorge und mütterlicher Sehnsucht. Heute führe ich mein liebes Kind dem Manne zu, dem ich mein erstes Anrecht auf seine Liebe übertrage, dem Manne, dem meine Tochter Gattin und Hausfrau sein soll, und zu meinem Kinde spreche ich: Gehe hin mit meinem Segen, heiligere Pflichten warten dein als die, die bisher deine heiligsten waren, als die Zärtlichkeit und der Gehorsam gegen deine Eltern. Und alles das tue ich mit freudigem Herzen, mit den Gedanken der frohesten Hoffnung. Darum sei Dir, gütiger Gott, Dank und Preis dargebracht, denn Du hast diesen Tag mir geschenkt, daß ich sein mich freue und fröhlich sei.

Aber auch für das Wort der Bitte darf meine Lippe nicht geschlossen bleiben, denn die Gedanken der Menschen sind zwar mannigfach, aber nur der Ratschluß Gottes erfüllet sich, und wenn meine Pläne das Glück in ihrem Schoße bergen sollen, so kann es nur wahr werden durch Deinen Willen.

Und so flehe ich Dich denn in Demut an: O, gütiger Gott, halte Deine schützende Hand ferner über dem Haupte meines lieben Kindes. Laß die Stunde ihres Eintritts in das Leben einer Ehefrau eine Stunde sein, die meine Tochter fröhlichen Herzens noch in späten Tagen ihres Lebens als den Anbeginn ihres reinsten Glückes segnet. Halte fern von ihr und dem Hause, dem sie angehören wird, die trüben Erfahrungen des Ungemachs, mache die Prüfungen, die in keines Menschen Leben ganz ausbleiben, ihr nicht so schwer, daß sie die Heiterkeit ihres Herzens vernichten. Laß auch das Band der Liebe nicht locker werden, das uns, die ihrigen, bisher mit ihr verknüpfte, und laß sie in dem neuen Bande der Verwandtschaft und der Liebe, das sie umschlingen soll, immer eine anmutige Fessel finden, der sie nie sich zu entziehen strebe.

Mein Gott, ich hoffe auf Dich, ich vertraue Dir, und unter Deinen Schutz stelle ich mich mit allen Wünschen meines Herzens. Amen!

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Gebet einer Mutter am Hochzeitstage ihres Sohnes.

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Gelobt seist Du, mein Gott, daß Du den heutigen Tag mich schauen ließest. Heut erfüllt sich mir sichtbar Deine Gnade, die ich erstrebt in der Erfüllung der Pflichten mütterlicher Liebe und Zärtlichkeit. Was kann ich mehr wollen für alles, was ich an meinem Sohne getan habe, als daß ich ihn, den meine Seele zärtlich liebt, und dessen Liebe und innige Treue mich jederzeit beglückte und entzückte, als daß ich ihn nunmehr erblicke an der Schwelle des Hauses, das er sich gegründet hat, an der Seite der Liebe und Lieblichen, die ich mit Freude als Tochter umarme, die er in herzlicher Zuneigung sich erwählt hat zur Gefährtin seines Lebens. Ach, mein Gott! die Freudenträne in meinem Auge kündet Dir meinen Dank besser als mein dürftiges Wort. Aber auch im Gefühl des Glückes will ich das Bewußtsein in meiner Seele wachrufen, daß wir alle Deines Schutzes und Deines Beistandes bedürfen, wenn unser Werk sich krönen, unser Hoffen sich bestätigen soll.

Darum, mein Gott! erhöre in Gnaden mein Gebet! Laß das neubegründete Haus meines lieben Sohnes sein eine Stätte des Friedens und der Zufriedenheit, laß es fest stehen, trotzend den Stürmen der Ereignisse. Befiehl dem Segen, daß er einkehre in dasselbe, auf daß seine Bewohner sich erfreuen des Lebens auf Erden. Laß auch die Liebe und die Treue, wie sie heut mit einziehen, darin weilen, in unwandelbarer Ausdauer. Laß es sein einen Sammelplatz edlen Verlangens und edler Genüsse, und laß nimmer d'raus schwinden die Gottesfurcht und die Frömmigkeit und die Liebe zu Dir.

O, mein Gott! ich empfinde es, daß mit dem heutigen Tage mein Herz sich verjüngt, daß ich meine eigene Vergangenheit wiederfinden will in der Zukunft meiner lieben Kinder. So Du es nun in dem Ratschlusse Deiner Gnade über mich beschlossen hättest, daß ich lebe und anschaue die Entwickelung ihres häuslichen Lebens, o, so gib, daß ich allezeit mit gleicher Freudigkeit wie heut ob dieses Ehebundes Dein Walten preisen, Deine Liebe segnen kann.

(Es teilt mein Gatte heut die Freude, die mein Inneres erfüllt, auch er hat in Mühe und Fleiß die Sorgen auf sich genommen, den Sohn heranzubilden zu Deinem Wohlgefallen und zum Wohlgefallen der Menschen, o, laß uns auch vereint die Wonne genießen, die Früchte seiner unermüdeten Tätigkeit zu betrachten und ihre Lieblichkeit zu empfinden in dem Glücke unseres Sohnes. Halte Deine schützende Hand ferner über uns, und wie Du bisher uns geholfen, so hilf uns weiter, Du allein bist unser Helfer, Du bist der Gott der Liebe und der Barmherzigkeit.) Amen!

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Gebet einer Witwe.

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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es beschlossen, daß ich nicht bis an das Ende meiner Tage das Glück genießen soll, an der Hand meines treuen Gatten durchs Leben zu gehen. Du hast ihn von meiner Seite gerufen, und ich muß ohne seine Stütze, ohne seinen Beistand, ohne seinen Rat und ohne seine liebevolle Fürsorge meine Tage verleben.

Allgemach erblassen die grellen Farben, in denen das Bild meines Unglücks vor mein Auge trat, als es in den ersten bitteren Tränen schwamm, die ich ob des herben Verlustes vergoß, aber nimmer werden diese Farben ganz verbleichen: langsam geht der Schmerz in stille Wehmut über, aber nie wird seine Spur verschwinden, weil ich es nie vergessen kann, wie der treue Gefährte meiner schönsten Tage in Liebe und Zärtlichkeit nur für mich gedacht und gesorgt hat.

Wenn ich daher nun, gerührt von seinem Andenken, zu Dir bete, mein Gott, so flehe ich Dich in Demut an, daß Du ihm die Freuden der ewigen Seligkeit in vollem Maße gewähren mögest.

Mir aber, mein Gott, wollest Du auch gnädig sein, daß es mir nie an der Kraft gebreche, nun ohne seinen Rat und seinen Beistand für das Wohl meiner Kinder und für das Bestehen meiner Häuslichkeit zu sorgen. Wo ich des Schutzes bedarf, da gewähre Du ihn mir, wo ich des Rates bedarf, da erleuchte Du mich mit Einsicht. Du bist ein Helfer den Witwen, ein Vater den Waisen, Du verlässest nicht, die unter das schützende Obdach Deiner Hut sich begeben, darum will ich mich allezeit an Dich wenden in der Gewißheit Deiner Gnade, mein Helfer, mein Beschützer! Amen!

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Gebet einer Witwe

(die in dürftigen Verhältnissen lebt.)

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Allgerechter! Du hast in Deiner Weisheit es so gewollt, daß ein schweres Los mein Anteil sei auf Erden, und so oft ich mein Herz im Gebete zu Dir erhebe, ist es überwiegend das Wort der Bitte, das ich an Dich richte, weil das Drückende meiner Lage mir stets gegenwärtig ist, und Zagen und Bangen meinem Gemüte zur Natur geworden sind, so daß ich mich selten in reiner, ungetrübter Fröhlichkeit aufzurichten vermag.

Allein und fast einsam, als Witwe, stehe ich da inmitten der rauschenden Welt, die an mir vorübereilt in ihrem Jagen nach Genuß und Vorteil, die meinen Kummer nicht kennt und kaum einen Blick des Mitleids auf mich wirft, weil die Augen der Glücklichen nicht gern bei der Betrübnis weilen.

Da muß ich wohl oft der Zeiten gedenken, da es noch anders war; da mein treuer Gatte noch lebte, da er mit redlichem Herzen und rüstigem Fleiße der Versorger und Ernährer meines Hauses war. Der treu mich liebte, ist von mir gegangen, meine Stütze ist gebrochen, meine Sorglosigkeit vernichtet. Statt dessen ist das Brot, das ich esse, mir karg zugemessen, und oft vermag ich kaum den Mangel zu wehren, daß er meine Schwelle nicht überschreite (den Mangel, der mich doppelt drücken muß, um meiner lieben Kinder willen.)

Wenn ich aber auch dies alles bedenke und der Betrübnis mich nicht entschlagen kann, so will ich dennoch nicht murren und nicht rechten mit Deiner Allweisheit. Denn wenn ich eines Teiles nicht weiß, ob nicht die Prüfungen, die Du mir bestimmt hast, zu meinem Heile sind, so weiß ich andernteils gewiß, daß noch manches teure Gut mir geblieben ist, und daß es Menschen gibt, die weit tiefer hinabsteigen mußten in die Tiefe des Unglücks.

Über alles dies ist ja eine Freudigkeit mir geblieben als die Grundlage alles dessen, was mir noch Trost und Hoffnung gibt: es ist das Vertrauen auf Dich, die Zuversicht, daß Du mich nicht verlassen wirst, daß Du mich hörst, so oft ich Dich rufe. Darum auch will ich es nimmer unterlassen, die Bitte um Deinen Beistand vor Dir auszusprechen:

O mein Gott! sei mir gnädig und erhalte meine Gesundheit.

(Laß meine Kinder wohl gedeihen an Leib und Seele und gib mir die Kraft, ihnen jederzeit beizustehen mit Rat und Tat.)

Wende den Mangel von meiner Tür und laß mich in Redlichkeit und Ehre mein Brot mir erwerben.

Laß mich nicht der Hilfe der Menschen bedürfen und nie Fremden oder Angehörigen eine Last sein.

Erhalte die Zufriedenheit in meinem Herzen, daß aus ihr wieder aufsprieße der frische Lebensbaum der Seelenruhe und der Freudigkeit.

Du, mein Gott, bist ein Versorger der Witwen und Waisen, Du bist auch der meinige. Das sei Dein Willen! Amen!

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Gebet einer Stiefmutter.

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Mein Gott! Wie die Liebe der Mutter zu ihren Kindern das festeste Band auf Erden ist, das Menschenseelen aneinanderknüpft, so ist die Mutterliebe auch die süßeste Empfindung, die das Menschenherz beglückt. Dieses natürliche Band kann durch kein gewähltes ersetzt, diese Empfindung nicht willkürlich hervorgerufen werden. In dieser Überzeugung betrachte ich die Aufgabe, die Du mir zugeteilt hast, die Stelle der Mutter bei Kindern zu vertreten, die nicht leiblich mir angehören, als eine sehr schwere, als eine so schwere, daß ich meiner schwachen Einsicht nicht zutraue, sie zu vollbringen, wenn nicht Deine besondere Hilfe mir beisteht. Und um diese Hilfe flehe ich, Herr! Dich mit Inbrunst an, denn ich bin weit entfernt davon, die Arbeit von mir zu weisen oder sie als eine Last zu betrachten, ich fühle mich vielmehr glücklich, ihr unterworfen zu sein, und mein höchster Wunsch ist es, das Höchste und Beste in ihrer Vollziehung zu erreichen, was einem redlichen Herzen erreichbar ist.

Darum, mein Gott, flehe ich Dich an, schenke mir Einsicht, das Rechte jederzeit zu treffen, damit ich bestehen kann vor Deinem Auge und vor dem Auge der Menschen. Laß mich nie müde werden in der Ausübung meiner Pflichten und verscheuche jeden Gedanken aus meiner Seele, der nur dahin zielt, mir die Rechte einer Mutter zu erkaufen, gib mir Geduld und Ausdauer, daß ich auch mit den Mängeln und Schwächen meiner Kinder Nachsicht übe wie eine Mutter. Laß mir immer die Vorstellung gegenwärtig sein, daß meine Arbeit nur Stückwerk ist, und daß ich ihnen nie in Wahrheit die Mutter zu ersetzen imstande bin. Laß mich nie Mißtrauen fassen gegen sie, als ob sie nicht bereit wären, die Mutter in mir zu suchen und zu erkennen. Laß die Kinder gedeihen unter meiner Pflege, auf daß ich Freude habe an ihrem Wohlsein und meine Aufgabe mir leicht werde.

Laß mich in der Erziehung der Kinder auch die Wünsche meines Gatten befriedigen, daß der Kummer, den ihre Mutterlosigkeit ihm verursacht, gänzlich von ihm genommen werde und sein Herz immer mehr und mehr Zutrauen zu mir fasse.

Um alles dies flehe ich Dich, Allgütiger, in Demut an, zu all dem bedarf ich Deiner besonderen Hilfe. Du wirst sie mir nicht versagen, so ich mit Redlichkeit strebe, eine gute Mutter zu sein den Unschuldigen, die ihre leibliche Mutter verloren haben. Auf Dich will ich vertrauen. Amen!

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Gebet eines vaterlosen Mädchens.

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Vater aller Menschen! In dieser Anrede allein schon liegt der Trost, den ich im Gebete suche, diese Anrede allein erfüllt mich mit Mut, und so oft mein Mund sie ausspricht, ist es, als spräche auch noch eine andere Stimme freundlich zu mir: „Sei nicht betrübt, sei nicht traurig, du bist nicht vaterlos, wenngleich dein irdischer Versorger und Ernährer, der dich zärtlich liebte, von dir geschieden ist und frühzeitig eingegangen ist in seine Ruhestätte im Reiche der Seligen“. Ja, ich bin nicht vaterlos, denn die Fürsorge des guten Vaters, der mich verlassen hat, war in der Zeit darauf bedacht, mich einen ewigen Vater finden zu lassen, der so lange nicht von mir weicht, so lange ich treu und fest an ihn glaube, auf ihn vertraue und ihm gehorsam bin. Ja, Du, himmlischer Wohltäter und Versorger! Du bleibst auch der meinige.

Du hast Geduld und Nachsicht mit mir und liebst es, daß ich vor Dir mich ausspreche über alle Regungen meiner Wünsche, über alle Gedanken meines Herzens.

O, so neige Dich auch jetzt freundlich zu meiner Bitte.

Ich bitte Dich, gütiger Vater, zuerst um das, was meinem Herzen das teuerste ist: ich bitte Dich um das Wohlsein meiner geliebten Mutter. Sie trauert als Witwe um den Verlust ihres Gatten, als schwaches Weib um den Verlust dessen, der ihr Stab und Stütze, Helfer und Berater war, sie trauert als Mutter über das Leid ihrer Kinder, die des väterlichen Beistandes entbehren.

O, sei Du immerdar ihr Schutz und Schirm. Erhalte ihre Gesundheit und laß es ihr nicht an den Gaben Deines Segens fehlen, auf daß zum Schmerze sich nie der Mangel und die Entbehrung gesellen. Gib ihr Freude an allen ihren Kindern, daß keines ihr trübe Tage bereite.

Ich bitte Dich, gütiger Vater, auch für mich; halte mein Herz rein von Leichtsinn und Übermut, daß ich immer geneigt sei, alle Pflichten zu erfüllen, die Du mir zugewiesen hast. Laß mich einsichtsvoll und verständig werden, daß ich stets imstande sei, meiner guten Mutter eine treue Ratgeberin zu sein. Laß mich nie abweichen von den Lehren meines bei Dir weilenden Vaters, so daß ich seinem Andenken, das aus meinem Herzen nicht schwinden wird, auch durch meine Taten Ehre bereite.

Viel, sehr viel sind der Dinge, um die ich Dich bitten muß, ich kann ihre Zahl nicht überschauen; aber es bedarf ja auch dessen nicht; Du siehst mein Herz und weißt auch, was mir not tut. Sei Du in meiner Hilfe, und mir wird nichts fehlen. Amen!

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Gebet eines mutterlosen Mädchens.

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Öfter wohl als vielen andern meines Alters und meines Standes muß es mir, der Mutterlosen, ein Bedürfnis sein, ein stilles Stündchen zu suchen, um im andächtigen Gebete mein oft so betrübtes Herz zu erleichtern.

Immer und immer lastet der Gedanke schwer auf mir, daß ich so einsam, so verlassen bin, wenn ich des mütterlichen Rates bedarf. Immer erfüllt Trauer meine Seele, wenn die liebliche Erscheinung meiner nun im Reich der seligen Geister weilenden Mutter vor mein geistiges Auge tritt, und ich kann mich von der Vorstellung nicht entfernen, wie schön es wäre, wenn sie noch leiblich in unserer Mitte weilte. Und der Schmerz erfüllt mich, wenn ich meinen guten Vater betrachte, wie auch er verlassen ist von der treuesten Gefährtin seines Lebens.

Sollten alle diese Empfindungen sündhaft sein? Sollten sie der Pflicht widerstreben, mit Ergebung sich in Deinen Willen zu fügen? Ach nein! Du findest kein Unrecht an ihnen. Hast Du doch die Liebe zu meinen Eltern in mein Herz gepflanzt, und die ernste Betrachtung meiner Lage ist ja nur ein Ausfluß dieser Liebe.

Ach nein! diese Empfindungen sind kein Unrecht. Ich fühle es, daß auch sie zum Heile an mir werden können, weil ernste Entschlüsse, gute Vorsätze aus ihnen hervorgehen.

Ich will das Andenken an meine Mutter ehren, ihr Beispiel der Gottesfurcht und Tugend stets vor Augen haben und an dem Gedanken mich aufrichten, daß ihr Geist über mir wacht, damit ich jederzeit auch bereit sein kann, Rechenschaft vor demselben abzulegen über meinen Wandel.

Ich will hoffen und vertrauen, daß auch Du mich nicht verlassen wirst, und daß Deine Liebe mir immer Menschenherzen zuführen wird, die mir mit Zuneigung und Aufrichtigkeit begegnen.

Ich will meinem lieben Vater kindliche Treue und innige Hingebung bewahren, auf daß mein Umgang imstande sei, ihm einen Teil seines Verlustes zu ersetzen.

Zu all dem versage Du, Allgütiger! mir Deinen Beistand nicht, dann wird auch die Fröhlichkeit des Herzens mir wieder ein bleibendes Eigentum werden, und wie ich in Betrübnis zu Dir bete, so werde ich in Freudigkeit Dir danken können. Amen!

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Gebet einer Verwaisten.

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Einsam und verlassen, himmlischer Vater, stehe ich da in der weiten, weiten Welt! Was ist die Güte befreundeter Menschen, was ist die Freundlichkeit der Anverwandten! Ach, sie gleichen einem blassen Scheine, verglichen mit dem strahlenden Lichte elterlicher Liebe. Den lieblichen Schimmer dieses Lichtes muß ich entbehren und bin noch so jung, so unerfahren, den rechten Weg allein zu finden. Ich muß im Finstern wandeln. Doch „wall ich auch im Tal der düstern Schatten, so wall ich ohne Furcht, denn Du begleitest mich, Dein Stab und Deine Stütze sind immerdar mein Trost!

Vater und Mutter ruhen aus von den Beschwerden des Erdenlebens nun schon im Grabe, nur ihr Geist ist es, der mir nahe geblieben ist, ihr Andenken allein begleitet mich, ihre Liebe ist nicht geschwunden und hält mich wunderbar zurück, wenn die Verlockung des Unrechts mich reizen will, den Weg der Tugend zu verlassen.

Darin aber, himmlischer Vater, erkenne ich dankbar Deine Liebe, daran merke ich es, daß, „wenn auch Vater und Mutter mich verlassen haben, so hast Du mich aufgenommen“.

O, gib, daß es immer also sei! Laß das Andenken an meine im Reiche der Seligkeit weilenden Eltern nimmer aus meinem Herzen schwinden. Es tröste mich, wenn ich verzagen will, und rufe mir zu: Fürchte nicht! wir wachen über Dich. Es strafe mich mit den Vorwürfen des Gewissens, wenn ich die weisen Lehren verlassen will, die meine guten Eltern mir eingeprägt, es erinnere mich an ihr würdiges Beispiel, wenn ich die Schönheit verkennen sollte, die ein edles Leben schmückt, es rüste mich allezeit mit Geduld und Stärke, auch die Mißhelligkeiten des Lebens zu ertragen.

O, laß auf diesem Wege mich die Einsicht gewinnen, deren ich so sehr bedarf, um die Bahn meines Wandels mir zu ebnen. Groß und mannigfach sind die Hindernisse, die sich mir entgegenstellen, und groß muß meine Kraft sein, sie zu beseitigen. Bald wird die Versuchung mich locken, weil sie glaubt, daß die leitende Hand mir fehle, bald wird falsche Teilnahme mich betören, weil das Herz einer Verwaisten jeder Teilnahme begierig vertraut, bald wird ungerechtes Mißtrauen gegen wahrhaft gute Menschen mich erfüllen, weil der Schwache überhaupt mißtrauisch wird, und es könnte auch, — o, laß es nicht zu, mein Gott! der Sinne Lust mich betören und auf den trügerischen Pfad des Wohllebens mich führen, weil kein Mensch ein Recht zu haben vermeint, mich mit Strenge, gegen meinen Willen auf gutem Gleise zu erhalten.

All diese Gefahren haben jugendliche Seelen nicht zu fürchten, die überwacht sind von den Augen liebender Eltern.

Bei alledem will ich jedoch kein Bangen und Zagen fühlen. Weiß ich doch ein Mittel, das auch mir Schutz gewährt. Es ist das inbrünstige Gebet. Das bringt mich nahe zu Dir, meinem Beschützer, der Du ein Vater der Verwaisten bist.

Du, der Du in Deiner heiligen Lehre den Menschen das Gebot gegeben hast: „Ihr sollt die Witwen und Waisen nicht bedrücken, denn wenn sie zu mir rufen werden, so werde ich ihre Stimme hören,“ Du wirst auch meine Stimme hören und mein Gebet wohlgefällig aufnehmen. Amen!

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Gebet einer Dienenden.

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Gütiger Gott! Dank und Bitte will ich vereinigen mit Lob und Preis, wenn ich im Gebet in stiller Stunde mein Herz zu Dir erhebe. Ja, ich danke Dir aus dem Grunde meines Herzens für die Gaben Deiner Liebe, mit welchen Du mich gesegnet hast, für die Freuden, die den Reichen und Begüterten unbekannt bleiben müssen, weil sie die Empfindungen der Armen nicht kennen, weil sie tausend Dinge als gewöhnlich und kaum bemerkenswert hinnehmen, die besser geeignet sind, das Herz mit Zufriedenheit zu erfüllen als alles Wohlleben und aller Genuß zeitlicher Güter des Glückes. Dank Dir, mein Gott! daß Du meinem Geiste redlichen Willen und meinen Armen rüstige Kraft gegeben hast, in unermüdeter Arbeit mein tägliches Brot mir zu erwerben. Dank Dir, mein Gott! für die Süßigkeit, die jede Stunde der Erholung mir bringt. Und wenn ich hinschaue auf viele andere, denen gleich mir die Güter der Erde in reicherer Fülle versagt sind, wenn ich so viele unter ihnen bemerke, die nicht die Kraft besitzen, der Versuchung zu widerstehen, und die der Sünde und Niedrigkeit anheimfallen, und die, welche nur deshalb darben müssen, weil schlechte Erziehung oder körperliche Fehler sie unangenehm machen in den Augen der Menschen, auch die, welche, gefangen von den Banden körperlicher Gebrechen, vom Mitleid der Menschen leben müssen und nicht von dem Lohne für ihre Leistung, ach, dann ist zwar mein Herz betrübt, wenn ich auf sie blicke, aber es jubelt im Danke vor Dir auf, wenn ich mich selbst betrachte. Und wenn mein Tagewerk mir gelingt, wenn ich denen, so ich diene, das Geständnis der Zufriedenheit abnötige, ach, dann fehlt meiner Eitelkeit auch nicht der Schmuck des Stolzes, und Du, o Herr, vergibst und vergönnst mir ihn, weil er mich nicht zum Bösen führt.

Aber, lieber, gütiger Gott! auch bittend muß ich an Dich mich wenden, und der Gegenstand meiner Bitte ist vor allen Dingen die Erhaltung alles dessen, wofür mein Herz Dir eben dankte. O, laß mich nicht krank und hilflos werden, daß ich nicht leben muß von den Gaben der Menschengüte, sondern mich immer erhalten kann von den Gaben Deiner Gnade, die ich durch meinen Fleiß mir erwerbe. Bewahre mich aber auch immerdar vor der giftigen Schlange der Versuchung. Sie umschleicht den Armen von allen Seiten, und nur ein standhaftes Gemüt vermag ihr zu widerstehen.

Wie ist es oft so verführerisch, die Hand auszustrecken nach ungerechtem Gute, um nur ein Weniges, ein Unmerkliches zu genießen von dem Überfluß anderer! Wie oft empört der Undank für redliche Mühe mein Herz und die Stimme der Versuchung flüstert mir zu, daß ich künftig in meiner Arbeit nur dem Scheine genügen soll! Wie oft behandelt der Hochmut mich verächtlich, und ein böser Geist in mir will mich die Glücklichen hassen lehren! Wie oft muß ich unschuldige Wünsche meines Herzens unterdrücken, weil mir die Mittel fehlen, sie zu befriedigen, und das Laster winkt mir heuchlerisch und verspricht mir reichen Lohn, wenn ich ihm diene. Ach! das alles macht das Leben einer Dienenden schwer und gefahrvoll, und nur des Herzens Frömmigkeit und die unerschütterliche Liebe zu Gott zeigt ihr den rechten Weg. Laß, gütiger Gott! mich immer ihn finden. Vor Dir sind ja alle Menschen gleich. Du beachtest nicht den Grad des Standes und der Erdengüter.

Und wie ich Dir danke, und wie ich zu Dir bete, so will auch ich Dich preisen. Du, gütiger Vater, warst es, der das Auge der Menschen geöffnet hat, daß sie in ihren Nebenmenschen den Menschen achten. Wie schrecklich muß die Zeit gewesen sein, da auch bei den gebildeten Völkern der Sklave nicht abhing von weisen Gesetzen des Staates, sondern von der Willkür seines Herrn. Ich diene, weil ich dienen will, und weil ich es für nötig halte, und bin frei, sobald ich die Notwendigkeit nicht mehr anerkenne. Ich bin nicht der Willkür dessen preisgegeben, der mich bedrücken kann, ich habe mich der Arbeit unterworfen, aber kann den Herrn mir wählen. Solche Zustände hast Du geschaffen. Du bist ein Vater aller Menschen, auch mein Vater, den ich liebe, auf den ich vertraue, und den ich preisen will in allen Tagen meines Lebens. Amen!

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Gebet für die Eltern in der Ferne.

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Lieber Gott! Es ist Dein Willen, daß ich fern von meinen lieben Eltern leben muß, und nicht, wie es mein Herz so sehr ersehnt, imstande bin, ihnen täglich und stündlich meine Liebe und Zärtlichkeit zu beweisen. Auch muß ich selbst die Lieblichkeit ihrer Nähe entbehren, kann nicht teilnehmen an allem, was sie erfreut, kann ihnen nicht dienen in kindlichem Gehorsam, um zu ihrer Fröhlichkeit und Behaglichkeit des Lebens durch meine Tätigkeit beizusteuern.

Wenn ich aber auch sie nicht leiblich vor mir sehe, so sind sie doch in jeder Stunde meinem Geiste und meinem Herzen nahe. Meinem Geiste, weil ihr Wort und ihre Lehre in meinen Gedanken lebendig sind, und meinem Herzen, weil ich an sie denke in Liebe und Treue.

Und wenn es mir auch versagt ist, für sie wirksam zu sein mit der tatsächlichen Äußerung meiner Liebe, so ist es mir doch vergönnt, für sie zu Dir zu beten, mein Gott!

Du, Allgütiger, o, erhalte sie in Deinem Schutze, bewahre sie vor Unglück und Gefahren, gib, daß die Sorge für das Leben (für das Wohl aller ihrigen) ihnen leicht werde. Verleihe ihnen eine kräftige Gesundheit und ein fröhliches Herz, gib ihnen Freude an mir (und meinen Geschwistern) und vereinige mich wieder mit ihnen in Glück und Wohlsein. Amen!

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Gebet um Hilfe aus der Not.

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Allgütiger Vater! Du bist allwissend und kennst das Leid, das meinen Geist beschwert, vor Dir ist nichts verborgen, somit auch nicht die geheimsten Gedanken meines Herzens. Vor Dir gilt kein Schein, vor Dir gilt nur die Wahrheit. Was kann es mir frommen, wenn ich auch vor Dir, gleichwie vor den Menschen, das Leid verbergen will, das mein Herz bedrückt! Aber zum Heile wird es mir, wenn ich vor Dir meinen Kummer im Gebete offenbare, weil ich nicht vergebens Trost und Hilfe bei Dir suchen werde. O, mein Gott! Ein Gedanke ist es, der mein ganzes Wesen erfüllt, der mich begleitet auf allen meinen Schritten, der jede wahre Fröhlichkeit in mir unterdrückt, der, ach, auch den Schlaf verscheucht von meiner Lagerstätte. O, mein Gott! Es bedrückt mich schwer, daß (hier ist das wörtliche Bekenntnis der betrübenden Tatsache einzuschalten). Laß durch dieses Bekenntnis mein Herz erleichtert, meine Seele mit Hoffnung erfüllt sein. Ich will das Vertrauen in mir beleben, daß Du eine Hilfe bist allen denen, die auf Dich hoffen. So ich aber selber dazu beitragen kann, daß mein Leid von mir gehe, so erleuchte mein Auge, daß den rechten Weg ich finde, stärke die Kraft meines Willens, daß auf dem rechten Wege ich ausharre. Wohl weiß ich es, daß Du auch Prüfungen den Menschen zu ihrem Heile sendest, und daß auch ich weiser und besser aus ihnen hervorgehen kann, so ich mich selbst prüfe und meine eigenen Fehler und meine falsche Auffassung der Dinge erkennen lerne. Aber das menschliche Herz ist schwach, und der Gedanke an Hilfe ist im Leide ihm der nächste. Nicht um meines Verdienstes willen flehe ich zu Dir, aber um Deiner unendlichen Liebe willen hilf mir, mein Gott! Nimm Dich meiner an, wie der Vater sich annimmt seines Kindes. Verschließe Dein Auge meiner Unwürdigkeit, denn ich bitte nicht um Deine Gerechtigkeit, ich bitte um Deine Gnade, und bei Dir ist Gnade und Erbarmen. Amen!

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Dankgebet für Hilfe aus der Not.

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Mein Gemüt ist heiter, mein Herz ist leicht! Die Not und die Betrübnis sind gewichen, und mit Freudigkeit schaue ich wieder in die Zukunft! Das war Dein Werk, mein Gott, mein gütiger Erlöser! Danken will ich Dir im Staube, Du hast mir wohlgetan, Du hast meine Gebete erhört, und ich bin nicht leer zurückgekehrt von meiner Annäherung zu Dir.

„Heil denen, die auf Dich vertrauen.“ „Nahe ist Gott allen, die ihn rufen, die zu ihm flehen in Wahrheit.“

„Ist Gott mein Hirt, so wird der Schutz mir nimmer fehlen. Er lagert mich auf grüner Weide, er leitet mich an stillen Bächen, er labt mein schmachtendes Gemüt und führt mich auf gerechtem Steige zu seines Namens Ruhm. Und wall' ich auch dahin im düstern Tal der Schatten, so wall' ich ohne Furcht, denn du begleitest mich, Dein Stab und Deine Stütze sind immerdar mein Trost.“

Nimm hin, mein Gott, den Preis für Deine Liebe in den Worten des erhabenen Sängers. Du bist mein Fels und meine Zuversicht jetzt und alle Zeit. Amen!

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Gebet bei einem freudigen Ereignis.

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Allgütiger Lenker der Schicksale! Wenn Sorge und Kummer mein Herz beschwerte, da fand ich den Weg zu Dir, da flehte ich um Deine Hülfe; wenn zaghaft ich bangte vor der Zukunft, da suchte ich demutsvoll Deinen Beistand! Wie wäre es sündhaft, wenn ich nun, da meine Seele voll ist der freudigen Erregung, nicht auch mich in Demut Dir nahen wollte, um meinen Dank vor Dir zu bekunden! Ja ich weiß es, alles Gute kommt von Dir, und so Du es nicht gewollt hättest, so hätten alle Mächte der Erde mir mein Glück nicht bereiten können. Aber auch zum Genusse desselben bedarf ich Deiner Gnade, darum will ich mit meinem Danke auch meine Bitte vereinigen. O Herr! gib mir Weisheit, das Geschenk Deiner Güte würdig anzuwenden, laß mich nicht übermütig sein und Dein vergessen, laß mich im Gefühle des Glückes nicht das Leid meines Nebenmenschen aus dem Auge verlieren. O Herr! mein Gott, bestätige auch Du die Freudigkeit, der ich so gern mich hingebe, damit ich nicht für Glück annehme, was nur Versuchung ist, damit es nicht ein trügerischer Schein sei, den ich für Wahrheit halte. Nicht vor Menschenaugen, sondern nur vor Deiner Allwissenheit ist das Ziel der Dinge offenbar, o, segne mich mit Deiner Huld, daß das Gute mich auch zum Guten führe. Weiß ich es doch, daß immer und immer das Beste von allem Gutem ist, Dich zu lieben, Dir zu vertrauen und in Deinen Wegen zu wandeln. Dazu gib mir Kraft und Willen heut und alle Tage meines Lebens! Amen!

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Gebet um Nahrung.

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Gütiger Vater im Himmel und auf Erden, der Du liebend sorgest für alle Deine Geschöpfe, daß sie nicht Mangel leiden an dem, was sie zu ihres Lebens Unterhalt bedürfen, o erhöre mein Gebet, das auch ich um meines Leibes und Lebens Wohlfahrt an Dich richte. Nicht Reichtum und Überfluß sind es, die des Menschen Glück und Tugend erhöhen oder befördern, und um diese Gaben flehe ich auch nimmer zu Dir. Weiß ich doch nicht, ob sie der Fröhlichkeit meines Herzens zuträglich, dem Heile meiner Seele nützlich sein würden. Aber Mangel und Entbehrung andrerseits sind der Fröhlichkeit des Herzens, des Heiles der Seele gefährliche Feinde. Im ihrem Gefolge sind Unmut und Unzufriedenheit, Selbstsucht und Neid. Der höchste Sieg der Tugend ist es freilich eben, auch in der Versuchung zu bestehen und den rechten Weg zu gehen, trotz aller Hindernisse. Wer aber soll die Gefahr lieben, nach der Prüfung sich sehnen? Darum gütiger Gott und Vater! neige Dein Ohr der Bitte meines Mundes: halte fern von mir und den Meinigen Not und Entbehrung, (daß nicht die schwere Sorge um das tägliche Brot meinen Mut niederbeuge), (daß auch meine Erhaltung nicht eine Last sei denen, die sie als Pflicht auf sich genommen haben), (daß nicht die harte Arbeit mich niederdrücke und jede fröhliche, freie und edle Regung des Herzens und der Seele unter ihrem Drucke verkümmere). Segne die Arbeit (meiner) unserer Hände, daß wir in Redlichkeit und Ehre die Früchte des Fleißes genießen und Dir mit zufriedenem Herzen danken. Amen!

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Dankgebet für die Nahrung.

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Mein Gott! mein Vater! Schwer und bitter ist das Los des Armen. Die Sorge um die Bedürfnisse des Lebens beugt sein Gemüt in Traurigkeit nieder. Hart ist seine Arbeit und gering der Lohn. All seine Zeit muß er hingeben im Dienste um das Brot. Mühe und Drangsal reiben seine Kräfte auf, und doch vermag er nicht, die Mittel zu erwerben, sich wiederum durch Pflege und Ruhe aufzurichten: die er liebt, muß er darben sehen, ohne ihnen hilfreich seine Hand bieten, ohne ihren Kummer lindern zu können. Ach, Herr, mein Gott! das ist böse und mitleidswert! Wenn ich aber solches Leid betrachte und überlege, dann, gütiger Vater, erhebt sich mein Herz in frohem Danke zu Dir, daß Du ein anderes, ein besseres Los mir beschieden hast. Und ob auch andere mit den Gütern der Erde in reicherer Fülle begabt sind, so blickt mein Auge nicht mit Neid auf sie, denn auch mir hast Du so viel beschieden, daß ich nicht bange fragen muß: Was werde ich morgen essen? Wo werde ich mein Haupt zur Ruhe niederlegen? Wo soll ich Kleidung hernehmen, um nicht die Dürftigkeit zur Schau zu tragen?

Bis heutigen Tages hast Du mit Deiner Gnade mir beigestanden, Du wirst auch fernerhin mich nicht verlassen. Frei von den Sorgen um des Leibes Nahrung, kann ich mich aufrichten und erheben an allem Edlen und Schönen, kann teilnehmen an allen Dingen, die die Gesamtheit der Menschen betreffen, habe nicht nötig, in Habgier und Selbstsucht zu versinken. Dank und Preis sei Dir dafür aus der Fülle meines Herzens, Du gütiger Gott, mein Vater. Amen!

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