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Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen cover

Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen

Chapter 164: Am Grabe eines Lehrers oder einer Lehrerin.
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About This Book

Eine Sammlung von Gebeten, Andachten und Festbetrachtungen für israelitische Frauen und Mädchen, geordnet nach öffentlichen Gottesdiensten (Sabbat, Feste, ernste Feste, Halbfeste), häuslichen Andachten (Morgen‑ und Nachtgebete, Tischgebete, Lieder) und Lebensanlässen (Verlobung, Hochzeit, Geburt, Krankheit, Trauer). Ergänzende exegetische und meditierende Texte zeitgenössischer rabbinischer Autoren begleiten liturgische Formulierungen. Die Ausgabe bietet praktische Texte für Gottesdienst und Hausandacht, festliche Betrachtungen zu Feiertagszyklen, Jahrzeits‑ und Friedhofsgebete sowie Anpassungen in Rechtschreibung und Sprache zur besseren Verständlichkeit für jüngere Leserinnen.

2. Friedhof-Gebete.

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Gebet zur Feier aller Seelen

(auf dem Friedhofe am Vorabend des Nissan-Neumonds)[4].

[4] Sowie für den Besuch der Gräber überhaupt.

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Herr, was ist der Mensch, daß Du Dich sein annimmst, der Erdensohn, daß Du auf ihn achtest!

Der Mensch, einem Hauche gleich, seine Tage — dem Schatten, der dahinzieht! (Ps. 144, V. 3 u. 4.)

Und Du hast ihn göttlichen Wesen wenig nachgesetzt, mit Würde und Hoheit krönst Du ihn. (Ps. 8, V. 6.)

Doch weiß ich, Du führst zum Tode mich, ins Sammelhaus für alles Lebende. (Hiob 30, V. 23.)

יְיָ מָה אָדָם וַתֵּדָעֵהוּ בֶּן אֱנוֹשׁ וַתְּחַשְּׁבֵהוּ׃

אָדָם לַהֶבֶל דָּמָה יָמָיו כְּצֵל עוֹבֵר׃

וַתְּחַסְּרֵהוּ מְּעַט מֵאֱלֹהִים וְכָבוֹד וְהָדָר תְּעַטְּרֵהוּ׃

כִּי יָדַעְתִּי מָוֶת תְּשִׁיבֵנִי וּבֵית מוֹעֵד לְכָל חָי׃

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Gebet.

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An der Stätte wehmütiger Erinnerungen sind wir versammelt, und lebendig treten uns geliebte Gestalten entgegen, deren liebevolle Nähe wir schmerzlich vermissen. Wir haben viele hierher begleitet, mit denen wir gern gewandelt sind, bis wir zu diesem Orte hin den letzten Gang mit ihnen gemacht haben; erst dann werden wir mit ihnen wieder vereinigt, wenn auch uns die letzte Erdenstunde geschlagen hat. Manches teure Haupt ruht hier, das Gedanken voll Ernst in sich gehegt, mit Hingebung für uns gesorgt und gewirkt hat, und Herzen sind hier vergraben, die bis zu ihrem letzten Hauche in Zärtlichkeit und Wohlwollen sich für uns bewegt haben. Hier schweigen die Lebenskämpfe; auch die Mühseligkeiten finden hier ihr Ende, auch die Eitelkeit hier ihr Grab. Was den Menschen an die Sinnlichkeit und die Selbstsucht fesselt, das ist der Vergänglichkeit preisgegeben; ein wenig Staub, das ist der Überrest seines irdischen Teiles. Aber der Geist, der hienieden schon das Unendliche umfaßt, der hienieden schon über Zeit und Raum sich erhebt, er verwest nicht hier, das liebende Herz, welches seinen Reichtum auf andere überträgt, welches überfließend in der Teilnahme und im Wirken für andere lebt, es ist nicht tot. Aus dem Frieden der Gräber tönt es hervor: was irdisch war an uns, das ist der Erde zurückgegeben, aber der Geist ist unsterblich, die Liebe ist unendlich, ewig. Die Stimme der im hiesigen Leben uns Teuern rufen uns zu aus den Wohnungen der Verklärten: nicht der finstern, dahinbrütenden Trauer ergebt euch, weil wir von euch geschieden sind; wir sind dem Rufe des ewigen Geistes, des Vaters der Liebe, gefolgt, sein Geist wird auch über euch wachen, seine Liebe auch euch beschützen. Lernet aber hier, dem Geiste und der Liebe, der Wahrheit und der tätigen Fürsorge für die Gesamtheit, dem Ewigen und dem Allgemeinen eure Kräfte zu widmen; es ist das Einzige, das die Brücke bildet zwischen dem Leben hienieden und dem in der Ewigkeit, es allein füllt die Kluft aus, welche das Grab öffnet. Säet Liebe aus, und die Frucht wird euch werden; es heilen die eigenen Wunden, wenn wir anderer Wunden zu heilen bemüht sind.

Ja, mit Ruhe und Ergebung wollen wir zu euren Gräbern hinwandern, die ihr im Leben uns nahe gestanden und Lieblichkeit auf unseren Pfaden verbreitet habt. Im Geiste sind wir noch verbunden, für die Liebe gibt es keine Trennung; die Selbstsucht aber wollen wir bannen, und die Stimme, die den Genuß bejammert, der uns durch euch geworden ist, wollen wir zum Schweigen bringen. Ein edles, reines Band umschlingt uns auch heute noch, und euer Andenken möge uns stärken und erquicken in den Kämpfen des Lebens, auf daß wir in Redlichkeit und mit reichen Gaben des Geistes das Leben durchwandern, bis uns einst des Sieges und des Friedens Palme weht. Dort leben wir dann vereint in den Geistesräumen, wo, wie hier, ein ewiger Vater uns alle beschirmt. Amen!

(Die einzelnen verfügen sich an die Gräber ihrer Angehörigen oder Freunde und verrichten dort ihre Gebete.)

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An dem Grabe der Eltern.

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An dein Grab trete ich, lieber Vater (liebe Mutter), deine teuern Züge treten mir vor die Seele, deiner Liebe gedenke ich lebhaft. Deine zärtliche hingebende Sorgfalt gegen mich hat mich während deines Lebens so treu geführt, und im gegenwärtigen Augenblick erinnere ich mich so vieler Beweise deines unerschöpflichen Wohlwollens, deiner Güte und Freundlichkeit gegen mich. Nicht immer erkennt das Kind bei Lebzeiten seiner Eltern genügend diese reiche Liebe an, die unermüdete Tätigkeit, mit der die Eltern wachen und sorgen, nicht genügend beweiset es ihnen Dank und Erkenntlichkeit. Auch ich habe dich wohl zuweilen, geliebte Seele, betrübt, selbst in den Jahren der Reife, auch ich mag nicht immer deinen Erwartungen entsprochen haben, die nur meinem wahren Wohle galten. Lieber Vater, (liebe Mutter), Du blickest dennoch segnend auf mich herab, denn die Liebe ist nachsichtig und milde! Mir aber fehlt deine Stütze, dein weiser Rat, dein freundliches Wort, deine liebevolle Tat, mir fehlt der seelenvolle Blick, der das Innerste meines Herzens erwärmte, der mich ermutigte und belehrte, mich kräftigte und abmahnte. Jedoch die Weisheit der göttlichen Weltregierung bestimmt es so, daß die Kinder zur Selbständigkeit heranreifen sollen, daß sie, der eigenen Stütze beraubt, andern wieder Stütze werden sollen. (Wohl bist du mir frühzeitig entrissen worden, du hast nicht das gewöhnliche Lebensziel erreicht; mir ward nicht das Glück zuteil, meine Eltern um mich zu sehen, bis sie satt an Tagen, segnend von hinnen geschieden, und in Zeiten ernster Lebensentscheidungen, wo das Kind des Rates und der Führung bedarf, da fehlte mir, da fehlt mir dein gewichtig Wort. Doch wird dein unsichtbarer Geist mich beratend umschweben, ich fühle deine Nähe in solchen Augenblicken, und der alliebende Vater wird auch mich nicht verlassen). (Kaum habe ich dich, lieber Vater (liebe Mutter), gekannt, kaum habe ich jenen Namen, der alle Süßigkeit in sich schließt, aussprechen gelernt; ach, jene schützende Fürsorge, die andere so sehr beglückt, sie ist mir durch den Ratschluß Gottes, durch dich nicht geworden; dein brechendes Auge sah wehmütig auf mich, damals noch Unmündigen (Unmündige), dein enteilender Geist zögerte in Bekümmernis um mich, ach, ich wußte es nicht. Dennoch hängt mein Herz mit Verehrung an dir, ich füge mich in den göttlichen Willen, der eine große Freude meinem Leben entzogen hat. Deine äußere Persönlichkeit vermochte nicht auf mich einzuwirken, deine Liebe blieb mir doch, und, mir unsichtbar, leitest du mich doch.)

Drum sei mein Leben, lieber Vater (liebe Mutter), der Aufgabe geweiht, einen Wandel zu führen, der deinem reinen Geiste wohlgefällt Deine Liebe soll nicht einem (einer) Unwürdigen zugewandt sein. Dein Andenken steht mir allezeit nahe, und dein Name soll durch mich stets geehrt werden. Ich fühle mich mit dir verbunden, und dir nachzueifern in allem Guten und Edlen, sei mein Streben. Blicke auf dein Kind herab und umgib es in allen Lagen des Lebens. Bewahre mein Herz vor Stolz und vor Verzagung, vor der Genußsucht und der Gleichgültigkeit gegen das Leben, lenke meinen Geist auf die Bahn der Klarheit und flöße meinem Herzen Vertrauen ein auf Gott und Wohlwollen gegen die Menschen. In Zeiten der Gefahr und der Versuchung mögest du mir ein unsichtbarer Berater (eine unsichtbare Beraterin) sein, daß ich nicht wanke und strauchle und mich schämen müßte, dann zu dir aufzublicken, damit, wenn ich einst zu dir komme, du mich freudig begrüßen kannst und nicht der Blick des Vorwurfs und des Kummers mich von dir fernhalten müsse.

Für dein Seelenheil aber flehe ich zum ewigen Vater. Bei aller Liebe zu dir, bei aller Verehrung gegen dich darf das Kind es doch aussprechen; kein Mensch ist ohne Fehl, und nur die Gnade Gottes bedeckt die Sünde, nur seine Verzeihung führt zum ewigen Heile. Dunkel ist meinem Geiste jetzt noch die Bahn, die du nun wandelst! Aber du bist, du lebst noch, das fühle ich tief in meinem Innern. Wenn eine solche Gotteskraft schwinden könnte, wenn eine solche tiefe Innerlichkeit, wie deine Liebe war, wenn solche Gefühle, wie du sie gegen mich gehegt, bloß ein Erzeugnis von Erde, von Fleisch und Blut und deshalb vergänglich wären, dann müßte alles zusammenstürzen, dann gäbe es auch hier keinen Geist, keine Höhe, keine Würde, keine Liebe, keine beseeligende Innigkeit. Nein, du lebst, du lebst bei Gott, und in seiner geistigen Nähe strahlt auch dein Geist für und für.

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An dem Grabe eines Sohnes oder einer Tochter.

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Du bist mir vorausgeeilt mein liebes Kind! Schon manche Träne habe ich dir nachgeweint, schon mancher Seufzer ist meiner Brust entstiegen, weil du mir fehlst. Es ist eine harte Prüfung, die Gott mir auferlegt, und mein Herz ist tief betrübt, sooft ich deiner gedenke. Du hattest schöne Hoffnungen in mir erweckt, und manche Freude strahlte mir von dir aus der Zukunft entgegen. Ich glaubte, du würdest mein Alter schmücken, du würdest der jugendliche Kranz auf meinem Haupte sein, wenn es greis wird; ach, ich habe dir den Totenkranz auf dein Haar gedrückt! Gott wollte es so! Ich kann nicht, ich darf nicht gegen sein Gebot murren. Habe ich etwa gesündigt gegen dich? War mein Herz zu stolz in der Liebe zu dir? Habe ich meine ganze Hoffnung zu sehr auf dich gesetzt und Gott wollte meine Kraft wachrufen? Ich weiß es nicht. Aber das weiß ich, daß das Leben des unvollkommenen Menschen Leiden haben muß, damit das Herz geläutert werde, damit der Mensch tüchtiger werde an Kraft. Ich habe Jahre der Seligkeit genossen in deinem Besitze, die Liebe freut sich der Gabe, freut sich der Sorge um den geliebten Gegenstand, freut sich lieben zu können. Diese Liebe sei mir ein unentreißbares Gut, sei mir das teure Vermächtnis von dir, die Liebe zu dir schwinde nicht aus meinem Herzen, sie lehre mich auch, andere lieben. Der Genuß, auch der reinste, ist vergänglich, aber die Liebestat bereitet immerwährende Freude, sie ist ein Balsam für das verwundete Herz. Mein geliebtes Kind: ich hätte gern noch weiter um dich gesorgt, gern dich eingeführt in die höheren Stufen des Lebens; du bist frühzeitig in ein anderes Dasein versetzt und meiner Sorgfalt entrückt worden. Ob du dort schon als vollendeter Geist wirken kannst? Ich vertraue auf Gottes Güte, er wird dir, was du hier nicht erreichen konntest, dort leicht machen, er wird den jugendlichen Geist rasch zu den Zielen der Vollendung gelangen lassen. Du bist hier über die Mühen des Lebens rasch hinweggeglitten, du hast die harten Prüfungen nicht zu bestehen gehabt, harmlos und heiter wie in diesem Leben gingst du in das Gottesreich ein. Dort ist deine Seele, nicht berührt von den verunreinigenden und niederdrückenden Kräften des Erdendaseins, verklärt, und du weilest im Chore der Edlen. Sollte ich um deinetwillen klagen? Nein, auch ich will den Verlust tragen mit der Kraft der Liebe, welche du mir eingeflößt hast. Dein Andenken sei mir ein reines, nicht getrübt durch die Tränen bittern Schmerzes, welche es mir entlocken könnte, nicht entstellt durch den Gram, der in meine Züge sich einprägen möchte. Wir vereinigen uns einst wieder, die Sehnsucht des elterlichen Herzens ist wahr, sie ist wahrer als alle Erscheinungen der Welt, denn sie lebt im Tiefsten des Gemütes, diese Sehnsucht ist wahr, und der ewige Gott der Liebe wird sie befriedigen.

Für dein Seelenheil aber, mein frühverklärtes Kind, bete ich innigst zu Gott; bist du in jugendlicher Unreife eingegangen in sein Reich, hast du noch Spuren des Leichtsinns in jener ernsten Stunde an dir getragen, der Allgütige wird sie dir vergeben. Ein Vater verzeiht gern, und er ist ja unser aller Vater!

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An dem Grabe des Gatten oder der Gattin.

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Wir hatten ein unauflösliches Band geknüpft, wir wollten gemeinsam durch das Leben wandern; das Band ist zerrissen, ich stehe einsam da. Ich danke dir, mein guter Mann (mein gutes Weib), für die Treue, welche du gegen mich geübt, für die Sorgfalt, mit der du mich umgeben, für die Innigkeit, die du mir bewiesen hast; überall, wenn ich in mich, wenn ich um mich her blicke, da gewahre ich die Spuren deines Wirkens. (Kurz war unsere gemeinschaftliche Erden-Wallfahrt, aber die Erinnerung an die empfundene Liebe bleibt immer erquicklich, das treue Andenken ist unverlöschlich) — (Du hast unsere Kinder (unser Kind) mit einer Zärtlichkeit gehütet, die nur ich verstand, du hast sie (es) gelehrt, daß sie (es) Gott verehren (verehre) und auf ihn vertrauen (vertraue), daß sie (es) das Gute lieben (liebe) und in der Erfüllung der Menschenpflichten ihre schönste Aufgabe finden (finde); du hast ihnen (ihm) als teures Vermächtnis auch die Liebe gegen mich hinterlassen. Auch dafür danke ich dir, mein guter Mann (mein gutes Weib). Deine Sorgfalt kann ich unsern Kindern (unserm Kinde) nicht ersetzen, aber ich werde, soweit es in meiner Kraft liegt — das verspreche ich dir hier, wo deine Asche ruht, und wo dein Geist sich losgerungen hat, das verspreche ich dir hier im Angesicht Gottes — ich werde sie (es) führen nach meiner Kraft, auf daß dein frommes Auge wohlgefällig auf ihnen (ihm) ruhe, ich werde sie (es) führen in Gottesfurcht und Menschenliebe, daß sie (es) ehrenhaft leben (lebe) in redlichem Willen und nicht verachtet seien (sei) bei Gott und den Menschen, ich werde sie (es) lehren, dein teures Andenken ehren und die Liebe zu dir im Herzen tragen.) — Was du mir warst, ich werde es ewig tief fühlen. Doch ich muß noch in diesem Leben weilen, während du schon einen verklärten Himmelssitz einnimmst. Gott will es so. Soll ich fragen? Soll ich klagen? Die Frage wird nicht beantwortet. Der Mensch ist unvollkommen, seine Wallfahrt hienieden, damit er seine Kraft erprobe und ausbilde, nicht, damit er ungestört genieße. Ich will nicht als ein verdrossener Knecht, sondern als ein williges Kind Gottes erfunden werden (verlange ich ja auch von unsern Kindern (unserm Kinde), daß sie (es) sich ohne Murren ergeben (ergebe), und verlange ich ja Gehorsam von ihnen (ihm), wenn sie (es) auch nicht einsehen (einsieht), daß es zu ihrem (seinem) Wohle gereicht). Darum will ich ruhig hienieden fortwandeln, bis es einst dem Herrn über Leben und Tod gefällt, auch mich einzusammeln zu allen, die mir vorangegangen sind, auch zu dir, mein guter Mann (mein gutes Weib). Was rein und edel hier an uns war, das lebt dort sicherlich fort, und schöner wird das Band sein, das uns dann in Wahrheit unauflöslich umschlingt.

Ach, daß es dir dort wohlergehe, bis ich wieder mit dir vereint bin, das ist mein täglich Flehen zu Gott. Wie dein wachsames Auge uns von dort auch umgibt, mich und alle, die uns in Liebe angehören, so möge Gottes Vaterhuld dir die Fülle seiner Segnungen gewähren! Mein guter Mann (mein gutes Weib), dieser Grabhügel decket deine Asche, dein Herz ist nicht tot, dein liebevolles Gemüt ist nicht gestorben, du lebst in mir, du lebst bei Gott!

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Am Grabe der Geschwister, Großeltern, Schwiegereltern und anderer Verwandten.

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Ich sehe dich nicht mehr mit leiblichem Auge, Du, dessen (deren) Nähe mich und alle, die zu uns gehören, so oft erquickte. Du bist dem Kreise der Unsrigen entrückt, und schmerzlich vermissen wir dich. Wir sind um vieles ärmer geworden durch deinen Verlust, ärmer geworden an Lebensfrische, ärmer an den Beweisen deiner Liebe. Du hast überall Freundlichkeit hingetragen, für alle Angehörigen einen Blick der Liebe gehabt. Und dein Wort, es erfrischte und erquickte. Nun du fehlest, da fühlen wir erst recht, was du gewesen bist, wie du das Band so eng geknüpft, wie du heilsam gewirkt, wie du die Liebe gepflegt hast. Mein Herz ist tief betrübt; nur dein kühles Grab kann ich umfassen, ich breite die Arme nach dir aus, sie können dich nicht umfangen. So zieht einer nach dem andern hin, der Kreis wird gelichtet, doch setzen auch neue Äste sich an, wenn nur der Stamm ein gesunder ist. So will auch ich denn in deinen Wegen gehen, ich will die Zurückgebliebenen mit treuer Liebe umfassen, in der Erinnerung an dich, liebe, abgeschiedene Seele, wollen wir uns enger aneinander schließen, und meinem Geiste und Herzen will ich die edlen Saaten zu entlocken suchen, die bei dir so schön aufgegangen waren. Ich will des Lebens Prüfung mit starkem Mute tragen, auf daß ich den unsrigen mit tröstender Kraft vorangehe. Des Lebens Wert besteht in tätiger Liebe, nicht in der Klage um das unwiederbringlich Dahingegangene. In unserm Streben wirst auch du fortleben und in unserm Herzen ist dir eine sicherere Stätte bereitet als die, welche deine Gebeine umschließt. Deine Heimat ist nun im Gottesreiche, und im Kreise verwandter Seelen möge dein Heil wahrhaft erblühen.

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Am Grabe eines Freundes oder einer Freundin.

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Wir hatten einander im Leben gefunden, liebe, verklärte Seele, und ein enges Band war zwischen uns geknüpft. Nicht Fleisch und Blut, nein! dein Geist und dein Herz haben mich zu dir hingezogen, und je tiefer ich in dein Inneres eindrang, je mehr die Tiefen deiner Seele vor mir sich enthüllten, um so mehr lernte ich dich lieben und achten. Der Umgang mit gleichgestimmten Seelen ist die erhebendste geistige Nahrung, das fühlte ich in deinem Umgange, in den heitern und den ernsten Gesprächen, die wir miteinander führten. Deine Klarheit, deine liebevolle Teilnahme belehrten und erquickten mich; dein edler Sinn verlieh auch mir den Aufschwung zum Höhern und Bessern. Habe Dank, du liebe Seele, für deine Freundlichkeit, habe Dank, für die Stunden höheren Genusses, die du mir bereitet, für die Vorahnung eines schönern geistigen Daseins, die du in mir geweckt und bestärkt hast. Die Ahnung, sie ist dir nun zur Klarheit geworden; ich aber soll weiter im Kampfe des Lebens stehen, ohne deine Stütze, ohne deinen ermahnenden und beschwichtigenden Zuspruch. Schwer ist es, einen solchen Verlust zu ertragen. Das seltene Gut wahrer Freundschaft wird nicht so leicht ersetzt. Die Empfänglichkeit des Herzens nimmt ab, der Einklang der Seelen wird schwerer gefunden. Doch mir bleibt die Erinnerung an dich. Bei jedem Schritte des Lebens, bei jedem Gedanken und Gefühle, da seiest du mein Führer und mein Richtmaß. Immer werde ich mich fragen: wie würde dein Freund (deine Freundin) hier geurteilt, wie geraten, wie gehandelt haben? Und in unsichtbarem Verkehre mit dir werde ich mich läutern und veredeln, um deiner stets würdig zu bleiben. So lebe nochmals wohl, teure Seele, bis auch ich einst zu dir komme. Ja, wir vereinigen uns wieder im großen Vaterhause. Was aus dem Geiste entsprungen ist, das ist ewig, was die Liebe zart gewunden hat, das ist unauflöslich. Es ist der Erde gegeben, was der Erde entstammt; aber gehörtest du der Erde ganz an, daß du zu ihr wieder werden könntest? War das Aufblitzen deines Auges, wenn ein schöner Gedanke dich durchleuchtete, irdisch? War der innige Blick, der dich bei teilnehmender Hingebung verklärte, ein Werk des Staubes? Nein, das lebt fort an dir, lebt schöner, freier. So lebe wohl im Umgange mit höhern Geistern. Deine Liebe wird auch jetzt noch mich umschweben, dein Geist aber in Klarheit die lichten Bahnen der Ewigkeit durchwandern, und himmlische Freuden mögen dich erquicken!

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Am Grabe eines Wohltäters oder einer Wohltäterin.

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Viel verdanke ich dir, und deines teilnehmenden Wirkens für mich werde ich nie vergessen. Ich stehe an deinem Grabe und bete für dich aus der Tiefe meines Herzens. Mein leibliches und mein geistiges Wohl hast du gefördert, weil du als Mensch den Menschen liebtest, nicht um meines Verdienstes willen. Aus der Saat der Liebe da sprießen Garben hervor, die du dort einsammeln wirst. Schwach ist mein Dank, was kann ich für den reinen Geist tun? Nur ein ehrendes Andenken bleibt mir, das will ich bewahren; dein Werk nach Kräften fortsetzen, in deinen Wegen der Güte wandeln, das sei mein Dank, der dir am meisten wohlgefällt. Dort aber wirst einen schöneren Lohn du empfangen: „Vor dir her wandelt deine Frömmigkeit, die Herrlichkeit Gottes nimmt dich auf.“

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Am Grabe eines Lehrers oder einer Lehrerin.

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Meinem Geiste bist du, als er noch unentwickelt war, ein redlicher Führer (eine redliche Führerin) gewesen, meinem Herzen hast du die Richtung gegeben. Nun erst erkenne ich es recht, was dein liebevoller Ernst von mir verlangt hat, was ich deinem Wirken schulde. Nimm, verklärter Geist, den Dank des Geistes an, der in dir seine Nahrung gefunden hat; du warst der Quell, der mich befruchtet hat; der Quell versieget nicht, wenn er auch meinem leiblichen Auge sich entzieht. Ob ich immer deinen Wünschen entsprochen habe? Ob deine Lehren eine fruchtbare Stätte bei mir gefunden haben, es sei mein redlich Streben, deine würdige Schülerin heißen zu dürfen. — Schon hier war dein Leben einem höheren Ziele zugewandt, du hast es erreicht; des Lebens Mühsal ist geschwunden, des Geistes freudige Klarheit, nach der du so ernst gerungen, sie ist dein Lohn. Was Menschen nicht belohnen können, oft auch nicht belohnen wollen, das wägt Gott auf gerechter Wage, und seine Liebe wird dort dich beglücken!

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Am Grabe bedeutender Menschen.

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Du weilest nicht mehr unter uns, aber die Spuren deines Wirkens sind tief eingegraben und sprießen vielfach hervor: du bist noch unter uns mit deinem bessern Anteile. An deinem Grabe lerne ich es und wird es mir zur unzweideutigen Gewißheit: es ist nicht alles eitel und vergänglich. Die Taten deines Geistes, deiner edlen Natur leben fort und erquicken viele, die dich nicht geschaut haben mit leiblichem Auge, die, ach, vielleicht kaum ahnen, daß sie dir reiche Nahrung des Geistes und des Herzens zu danken haben. In dem Menschen, der über die Gewöhnlichkeit sich erhebt, da erkennen wir erst das Göttliche, da ist Gott uns nahe. Nicht mit Schmerz stehe ich an deinem Grabe, die Vernichtung hat nur deine Hülle getroffen. Hier fühle ich mich gehoben, denn ich lerne den Menschen in seiner Würde kennen und ehren; neben der Demut, die mich erfüllt, ob meiner eignen Schwäche, gewinne ich doch auch Kraft, um zum Ziele wahrer Menschenbildung mich hinanzuringen. Der Geist, der hier schon die Unendlichkeit in sich getragen hat, ihm ist wohl in den Räumen der Ewigkeit; dort fühlst du dich heimisch, du begrüßest alle Edlen, du lebst in Gott, bei dem da ist des Lebens Quelle, in dessen Licht du Licht schaust.

(Die Gemeinde kehrt von den Gräbern zurück.)

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Schlußbetrachtung und Gebet.

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Wir kehren zurück von den Gräbern zum bewegten Leben! Nicht die Vernichtung starrt uns dort entgegen, sondern der Friede der Seele weht uns zu, die der irdischen Bande entledigt ist. Möge dieser Friede in unser Herz einziehen, die Leidenschaft beschwichtigen, die Sinnlichkeit demütigen, auch den Schmerz besänftigen! Wir haben ein treues Andenken erneuert allen denen, die wir hier liebten und achteten; sie sind auferstanden in uns, und in seliger Verklärung bleiben sie uns. Von der Liebespflicht gegen die Toten wenden wir uns wieder zur Liebespflicht gegen die Lebenden, auf daß einst auch unser Andenken nicht untergehe, und zu dem Ewiglebenden richten wir Hand und Herz, Auge und Geist empor.

So sei gepriesen, großer Gott, von den Lippen der Unvollkommenen, wie im Reiche der vollkommenen Geister Dein Name mit Ehrfurcht verkündet wird! Amen!

Sei gepriesen, Allgütiger, für das Leben, das Du uns auf Erden anweisest, wie für das ewige Geistesleben, dem wir entgegengehen! Amen!

Sei gepriesen, Allgütiger, für die Liebe, mit der Du dieses Leben schmückest, die in höherer Weise einst uns noch aufgehen wird! Amen!

Sei gepriesen, Allgütiger, für die teuren Anverwandten und Freunde, die Du uns hier geschenkt hast, deren Staub hier ruhet, deren Geist in Deinem Reiche sich erquickt. Amen!

Deine Gnade walte über ihnen und gebe ihnen freudiges Seelenheil, Deine Gnade walte über uns auch hienieden, bis wir eingehen in Dein ewiges Reich. Amen!

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