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Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen cover

Hanna: Gebet- und Andachtsbuch für israelitische Frauen und Mädchen

Chapter 22: 1. Das Passahfest. .פֶּסַח
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About This Book

Eine Sammlung von Gebeten, Andachten und Festbetrachtungen für israelitische Frauen und Mädchen, geordnet nach öffentlichen Gottesdiensten (Sabbat, Feste, ernste Feste, Halbfeste), häuslichen Andachten (Morgen‑ und Nachtgebete, Tischgebete, Lieder) und Lebensanlässen (Verlobung, Hochzeit, Geburt, Krankheit, Trauer). Ergänzende exegetische und meditierende Texte zeitgenössischer rabbinischer Autoren begleiten liturgische Formulierungen. Die Ausgabe bietet praktische Texte für Gottesdienst und Hausandacht, festliche Betrachtungen zu Feiertagszyklen, Jahrzeits‑ und Friedhofsgebete sowie Anpassungen in Rechtschreibung und Sprache zur besseren Verständlichkeit für jüngere Leserinnen.

II. Gebete für die Freudenfeste.
שָׁלשׁ רְגָלִים

1. Das Passahfest.
.פֶּסַח

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Festbetrachtung am Passahfeste.

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„Also solltet ihr das Peßachopfer genießen: eure Lenden gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand.“

Die Stunde der Befreiung schlug. Zu Ende war die entwürdigende Sklavenarbeit in Mizrajim; tief atmete die Brust und hoffnungsfreudig blickte das ungetrübte Auge in eine glückliche Zukunft. Das rauhe Scheltwort grausamer Vögte war verstummt. Wie im Traume vernahm das neugeborene Volk die Heilsbotschaft von Gottes Rettung und Befreiung. Und auch uns klingt heute das Freiheitslied aus weiter, weiter Ferne entgegen, verkündet Gottes Kraft und Allmacht, Gottes Gnade und Güte. Andachterfüllt versenken wir uns in die Erinnerung an jenen großen Tag, an dem die befreiten Scharen Israels das Land der Knechtschaft verließen, die Lenden gegürtet, den Stab in der Hand. Schutzengel beschied der Allgütige, wie unsere alten Lehrer melden, an jenem Tage für alle Zeiten und Schicksale der Geschichte, die wir zu erleben bestimmt gewesen sind. Dem Volke, das mit Glaubensmut umgürtet war und den frommen Pilgerstab in treuen Händen trug, sollten sich Völker und Geschlechter gerüstet entgegenstellen. Doch wir fürchteten nichts. Denn der Ewige sprach: „Ich rüste meinen Engel und gürte ihn mit goldenem Rüstzeug.“ Er stand schirmend an des Schilfsmeeres Ufern; er zog schützend durch die Schrecknisse der Wüste; er breitete seine Fittige über die Väter, als sie das verheißene Land betraten. Er begleitete Israel, das Land und Thron verloren, in die Verbannung; er zog mit den versprengten, trauerumhüllten, gramgebeugten Brüdern und Schwestern, die über zerstörte Heiligtümer heiße Tränen vergossen, hinaus in alle Welten bis an der Erde Enden. So „führtest Du das erlöste Volk in Deiner Gnade, leitest es durch Deine Kraft an Deine heilige Stätte.“ Und immer, wenn der verjüngende Strahl der Frühlingssonne die Keime zu lebendiger Triebkraft weckt, wenn die „Blütenboten im Lande gesehen und liebliche Vogelsänge vernommen werden“, gedenken wir der Befreiungstage und feiern freudeerfüllt das Überschreitungsfest Noch immer ist unsere Lende gegürtet, noch immer ist der alte, treue Stab in unsrer Hand. Er soll uns nie und nimmer entfallen. Noch haben wir nicht das Recht, den Schuhriemen zu lösen; wir sind noch nicht am Ziele unserer Weltenwanderung. Noch harrt ein Teil der Menschheit auf Erlösung durch den Glauben an den Einzigen; noch die ganze Menschheit auf die Befreiung aus dem Sklavendienst der Selbstsucht, des Hasses und des seelenerniedrigenden Kampfes um ein menschenwürdiges Leben. Wir stehen noch nicht auf dem geheiligten Erdreich anerkannter Menschenwürde aller Menschenbrüder. Die „Leiden Mizrajims“ sind allzumal noch nicht geheilt. Wir aber preisen Dich, Allgütiger, als den Erlöser. Du hast uns die Freiheit gegeben. Im ewig währender Dankbarkeit begehen wir dieses Fest der Befreiung; wir genießen das ungesäuerte Brot der Armut, das uns an Mizrajims Elend gemahnt und von den Leiden unsrer Ahnen erzählt; das Bitterkraut, das alte Not und gegenwärtige Entbehrung in Erinnerung bringt. Wir dürfen, können nicht vergessen; denn jeder Tag und jedes Fest ist uns der Zuruf: „Gedenke des Auszuges aus Mizrajim.“ So ist bis zu dieser Festesstunde unsere Lende festgegürtet geblieben; wir zweifeln nicht an Deiner Vorsehung und Güte; unser Fuß ist standhaft und dauernd auf dem Boden des Glaubens; unsere Hände halten den Stab fest, den Du in sie gedrückt hast. „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.“ —

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Beim Eintritt in das Gotteshaus.

(An Festtagen oder bei festlicher Gelegenheit.)

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Sei mir gegrüßt, du liebliche Stätte, die meine Sehnsucht aufsucht am Feste des Herrn! Mit Freude und Ehrfurcht betrete ich das Gotteshaus, denn es ist der Ort des Friedens. Hier empfindet der Geist ein süßes Heimatsgefühl denn er ist im Vaterhause. Hier fühlt das Herz sich leicht und froh, denn Freude und Leid bleiben nicht in ihm verschlossen. Die Gedanken des Herzens vor geliebten Menschen aussprechen, ist Freude und Befriedigung, sie aber vor Gott offenbaren, den ich über alles liebe und anbete, das ist Belebung und Wonne. Sei mir gegrüßt, du liebe, heilige Stätte! Du warst von je die Zeugin meines Jubels und meiner Betrübnis, meines Kummers und meines Dankes gegen Gott, und Du sollst es ferner bleiben, solange Gott es mir vergönnt auf Erden. Amen!

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Gebet am Vorabend des Passahfestes.

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Allgütiger, Allmächtiger! Dich, als den wundertätigen Wohltäter unserer Väter zu preisen und als den wundertätigen Wohltäter all' ihrer Kinder, Deines ganzen Volkes Israel in allen Geschlechtern und eben so als den des ganzen Menschengeschlechtes, darum feiern wir heute zu Deiner Ehre das Fest der Befreiung. Und es ist dieses Fest der Befreiung zugleich das Fest des anbrechenden Frühlings. Wie Du wundertätig stets gewirkt hast in der Geschichte der Menschheit, so wirkst Du ebenfalls in der Natur zum Heile der Menschen.

Lang und düster war der Winter unserer Väter in Ägypten, die Eisdecke harten Druckes, die Strenge kalter Grausamkeit lasteten auf ihrem Schicksal und die finstere Nacht der eigenen Kraftlosigkeit und Verkommenheit umhüllte mit dichtem Gewölk ihren Geist. Du aber, Herr, hast des Bundes gedacht, den Du mit ihren Vätern geschlossen, und hast sie herausgeführt aus der Knechtschaft in die Freiheit, aus der Unterdrückung in die Erlösung, aus der Finsternis zum hellen Lichte. Und Israel ist ein Volk geworden, und das Volk ist die Pflanzstätte der Erkenntnis Deines heiligen Namens geworden, daß er verbreitet werde auf Erden und alle Völker der Erde zu Dir sich wenden, daß auch sie befreiet werden aus der Nacht des Wahnes und des Irrglaubens, um sich zu vereinigen im Reiche des Lichts und der Wahrheit. Darum, o Herr, feiert unser dankbares Herz Dir heute das Fest der Befreiung.

Und wenn wir um uns schauen, auf unsere eigenen Tage und auf das Leben, das uns umgibt, o dann feiert auch unsere Seele ein Befreiungsfest und preiset in Fröhlichkeit Deine ewige, wohltätige Wundermacht. Lang und düster war der Winter, den wir durchlebt, erstarrt und kalt ruhete vor uns die Erde, entkleidet der Pracht, mit der Deine Güte sie geschmückt hatte. Da hast Du Dein schöpferisches Befreiungswort aufs neue gesprochen, und wieder belebt sich die Natur um uns her, und wieder zieht mit doppelter Gewalt die Erkenntnis Deiner Liebe und Deiner Größe in unsere Brust, und alles, was da lebt, feiert in Wonne das Fest der Befreiung.

O Herr! so möge es auch Dein Wille sein, daß Du uns immerdar befreien mögest von allem, was uns bedrückt und ängstigt. Befreie uns von den Banden des Unrechtes und der Torheit, befreie uns von den Schlingen des Unglücks und des Leides, sooft sie uns drohen, auf daß wir fröhlichen Herzens Dir immerdar danken für die Freiheit und für das Wohlsein unseres Leibes und unseres Geistes. Amen!

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Seder.

Betrachtung.

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„Ma nischtanna.“ „Wodurch ist diese Nacht ausgezeichnet?“ Wer in Israel kennt diese kindliche Frage nicht? Wem klingt sie nicht traulich und feierlich wie eine schöne, sanfte Weise aus grauer Vorzeit? Vor tausend Jahren hat sie der Jüngste der Hausgenossen an den Vater gerichtet, wie heute. Wie heute? Ist denn der Sederabend wirklich noch in den Zelten Jakobs heimisch? Wehmütig bekennen wir, daß die seelenvolle Poesie dieses ebenso zartsinnigen wie ehrwürdigen Familienfestes in vielen, vielen jüdischen Häusern nicht mehr zu finden ist.

Festlich erleuchtet ist die Stube; selbst der Ärmste der Gemeinde hat an diesem Abende seine Festlichter, seinen sauber gedeckten Tisch. Denn Pflicht der Besitzenden ist es, wie stets, so ganz besonders heute dafür zu sorgen, daß der Besitzlose mitfeiern könne das Peßachfest. „Jeder Hungrige komme und esse mit; jeder Bedürftige komme und feiere Peßach mit uns.“ Das ganze Haus ist feierlich gestimmt. Es ist, als ob der Geist der Geschichte leise durch alle Räume ginge und mit sanfter Hand alles Geräte berührte. Hergerichtet ist die gebotene Ordnung des „Seder“. Denn „Seder“ das ist Ordnung. Kiddusch, die heilige Festesweihe und Festesverkündigung ist der erste Schritt in das stimmungsvolle Heiligtum des Abends. Der erste Becher wird getrunken, der Becher der „Erlösung“, dem im Verlauf des Abends die Becher der: „Rettung“, „Befreiung“ und „Erwählung“ folgen. Die Erzählung der „Haggadah“ ist angenehm eingeleitet und unterbrochen von heiligen Gebräuchen und Anwendung von Symbolen, die alle ihren wertvollen Sinn, ihre sinnige Bedeutung haben. Auf silberner oder hölzerner Platte steht das bittere Kraut des Maror, Lattich und Meerrettig; sie sind Erinnerung an unserer Ahnen Bitternis in ältester Ägypterzeit und später; uns selbst oft genug ein Mahnruf in lebendigster Gegenwart. Des Chorauseth bräunliche Masse erinnert an den Lehm und Ton, aus dem die Väter in Mizrajim Ziegel geformt. Das Bratfleisch ist ein trauriger Rest, der kaum mehr an einst reiche Opfermahle und duftiges Peßachlämmchen erinnert; das Ei, die Trauerspeise, ruft uns zu: Denke daran, daß der Trauertag des neunten Ab auf denselben Wochentag fällt, wie der erste Sederabend. Das wichtigste Zeichen jedoch ist die „Mazza“, „das Brot der Armut“, das Brot, das so unendlich viel von ertragenen Leiden und erfahrenen Freuden erzählen könnte. Die symbolischen Handlungen sind von den Aggadahberichten begleitet, von Lobpreisungen und Segnungen. Die kindlichen Fragen nach der besonderen Auszeichnung des Abends werden vom Familienoberhaupte mit einer kurzen Erzählung der Vätergeschichte und der Befreiung aus Mizrajim erwidert. — Die vier charakteristischen Gestalten des „Weisen, Bösen, Schlichten und Unmündigen“ werden lebendig vorgeführt und die Erlösungsgeschichte an der Hand alter Überlieferungen des talmudischen Schrifttums dargestellt. Die zehn ägyptischen Plagen ziehen an uns vorüber und daran knüpft sich die Klarlegung der Bedeutung der drei Hauptzeichen des Festes: Peßach, Mazzah und Maror. Hallel, das herrliche Loblied erklingt mit seinen erhabenen Gedanken und Weisen. Dann unterbricht die Festmahlzeit den „Seder“. Am Schlusse der Mahlzeit jedoch wird jedem Teilnehmer ein Stückchen Mazza „als Afikomon gereicht und wir gedenken Eliehus“, des Propheten, in dem wir den erhofften Messias willkommen heißen wollen und für den wir den „Eliehu-Becher“ auf dem Tische gerüstet haben. Der andere Teil der Hallel-Psalmen schließt sich daran, das große Dankgebet und das herrliche „Nischmath“, das für diesen Abend verfaßt ward. — Liebliche Lieder, die Bedeutung des Festes besingend und Gottes Allmacht in der Welt und seine in unserer Geschichte bewährte Güte preisend, bilden den Schluß des Sederabends, den wir nicht ohne wehmütige Erinnerung an Jerusalem beenden.

So reiht sich an diesen Abend die Übung schöner, sinniger Bräuche aneinander. Alle Glieder der Familie haben sich freudig vereint und auch bedürftige Fremde als Gäste sitzen im Kreise der Feiernden.

Ruhig legen wir unser Haupt zum Schlummer in der „Nacht der Bewachung“ nieder. Denn siehe, „es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels“.

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Morgengebet am Passahfeste.

(Vorher Nischmath, siehe Seite 19.)

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Du, Herr, bist der Ewige, unser Gott, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, aus dem Hause der Knechtschaft.

In diesem Bekenntnis vereinigen sich all' die Gedanken, die der heutige Festtag in uns wachruft, daß wir, beseelt von ihnen, fähig seien, Dich zu preisen als den Unendlichen, den Allmächtigen und Allgütigen.

Ja, nur der Ewige ist unser Gott! Torheit und Nichtigkeit, Wahn und Aberglaube wären alle unsere Vorstellungen von Dir, wollten wir Dich nicht als den Ewigen anerkennen, der erhaben ist über alle Zeit. „Der Ewige ist unser Gott,“ das ist die würdigste Bezeichnung Deiner Größe. Das allein gibt mir die Überzeugung, daß mein Gott der wahre Gott ist. Sind bei dem Gedanken an Dich die Schranken der Zeit gefallen, was hindert mich noch, auch die Schranken des Raumes fallen zu lassen, zu glauben, daß Du allgegenwärtig bist, daß kein Gott neben Dir und außer Dir vorhanden ist, daß Du einzig bist? Was hinderte mich noch, auch die Schranken der Vollkommenheit vor Dir als nicht vorhanden anzunehmen, zu glauben, daß Du allwissend und allweise bist? Ja, ist nur der Ewige, mein Gott, so sind zwar alle Grenzen überschritten, die Dich meinem Geiste faßbar machen, aber in meinem Gemüte fühle ich Dich um so stärker und preise Dich in Demut als den Unendlichen.

Du hast uns aus dem Lande Ägypten geführt. Ist's nichts mehr als ein Ereignis, das die Geschichte uns aufbewahrt hat, um uns Zeugnis davon zu geben, wie das Geschlecht unserer Stammväter, unterdrückt von der Gewalt fremder Herrscher, sich zum freien Volke gestaltet hat? O nein, das Bekenntnis, daß Gott uns aus Ägypten geführt, lehrt uns ihn selbst erkennen, als den allmächtigen Herrn der Welt, der da gebietet über die Herzen der Menschen und über alle Kräfte der Natur.

Ja, Ewiger, Deinem Befehle gehorcht die Erde und das Meer, Du gebietest den Tieren des Feldes und den Wolken des Himmels, Du bist Herr über Leben und Tod, über Licht und Finsternis, in Deiner Hand sind alle Dinge, und unmöglich ist nichts vor Dir. Denn alle Wesen der Körperwelt und alle Kräfte der Natur sind hervorgegangen aus Deinem Willen, Du leitest die Welt und hast sie erschaffen, und hast Deine Macht herrlich bewiesen, als Du mein Volk aus dem Lande Ägypten geführt, denn Du, Ewiger, bist der Allmächtige.

Du hast uns befreit aus dem Hause der Knechtschaft. Nicht war es die Frömmigkeit des unterdrückten Sklavenvolkes, die der Befreiung sie würdig, nicht war es ihr Mut und ihr Freiheitsdrang, der zur Befreiung sie reif gemacht hätte, nicht war es ihre Einsicht, die sie die Sehnsucht empfinden ließ, Gott dem Herrn, zu dienen, unabhängig von dem Drucke der Heiden, im Lande der Götzendiener, und Deine Gnade hat sich dennoch ihrer erbarmt. Du sahest nicht auf ihre Würdigkeit, Du sahest auf ihr Elend; Du gedachtest des Bundes, den Du mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen, und erfülltest Deine Verheißung, Du führtest ihre Nachkommen dem höchsten Glücke entgegen, das je die Menschen erfahren, dem Glücke, Deine heilige Lehre zu empfangen, den Urquell aller Tugend auf Erden. Das alles hat Deine Güte getan, denn Du, Ewiger, bist der Allgütige.

An diesem Gedanken will ich mich erbauen am heutigen Feste des Auszuges aus Ägypten, daß Du, Ewiger, bist der Unendliche, der Allmächtige, der Allgütige. Amen.

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הַלֵּל
Die Hallel-Psalmen.

(Dieses Gebet wird auch am Wochen-, Hütten- und Schlußfeste gesprochen.)

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Segensspruch: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt! Mit Freudigkeit erkennen und vollbringen wir unsere Pflicht, Dich zu preisen in den Gesängen des „Hallel“.

הַלְלוּ יָהּ Psalm 113.

Lobt den Herrn, ihr Diener Gottes, preiset seine Herrlichkeit!

Segnet seinen heil'gen Namen, heut' und bis in Ewigkeit!

Lobet dort ihn, wo die Sonne ihre Himmelsbahn besteigt,

Lobt ihn dort, wo sie am Abend wieder sich zur Ruhe neigt,

Hoch erhaben über Menschen Gottes Pracht am Himmel wohnt!

Wer noch gleichet uns'rem Gotte, der so hoch erhaben thront!

Doch der Große schaut das Kleine, schaut ins Kleinste tief hinein,

In dem Himmel und auf Erden ist dem Großen nichts zu klein.

Und er schaut auch auf die Menschen, sieht auf der Bedrängten Leid,

Hilft dem Armen aus dem Staube, zieht ihn aus der Niedrigkeit,

Ihn zu setzen neben Fürsten. Um des Daseins sich zu freu'n,

Setzt er auch die Unfruchtbare als des Hauses Mutter ein.

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בְּצֵאת יִשְׂרָאֵל Psalm 114.

Als Israel gezogen war aus dem Ägypterlande,

Als Jakobs Haus sich frei gemacht von Sklaverei und Schande,

Hat Gott, der Herr, Jehuda sich als Heiligtum erlesen,

Und seiner Herrschaft Untertan ist Israel gewesen.

Da floh das Meer, der Jordan wich, es schwand der Wasserspiegel,

Die Berge hüpften Widdern gleich und Lämmern gleich die Hügel,

Was ist dir, Meer, daß du entweichst? Du, Jordan, bist verronnen?

Was ist gescheh'n euch Bergen, daß zu hüpfen ihr begonnen?

Der Welten Herr ist Jakobs Herr, vor ihm erbebt die Erde

Er ist es, der dem Stein befiehlt, daß er zur Quelle werde.

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לֹא לָנוּ Psalm 115.

Nicht wegen uns, o Herr! um Deiner Güte Willen,

Laß Deines Namens Ruhm die ganze Welt erfüllen.

Was sollen ferner noch die Heiden höhnend fragen:

„Wer weiß den Aufenthalt von ihrem Gott zu sagen?“

Ja wahrlich! unser Gott erfüllt die Himmelsweiten,

Und alles, was geschieht, kann nur sein Wille leiten.

Doch Silber ist's und Gold, und Werk von Menschenhänden

Nur eitle Bilder sind's, wohin ihr Herz sie wenden.

Die haben einen Mund und müssen ewig schweigen,

Und ihrem Auge ist die Nacht der Blindheit eigen,

Und ihren Ohren kann sich nie der Laut verkünden,

Auch ihre Nase hat vom Dufte kein Empfinden,

Sie haben Hände wohl, sie taugen nicht zum Fassen

Und ihre Kehle hat noch nie ein Ton verlassen.

Und wie sie selber sind, sind die, die sie erbauen:

Die Toren, die dem Werk der eignen Torheit trauen.

Doch Israel vertraut nur auf den Herrn, den wahren,

Des Güte, Schutz und Macht sein Volk so oft erfahren;

O, trauet fort und fort, als Priestervolk und Lehrer!

O, trauet fort und fort, ihr wahren Gottverehrer!

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יְיָ זְכָרָנוּ Psalm 115 (Fortsetzung).

Es denkt an uns der Ewige mit seines Segens Spenden,

Um sie dem Hause Israels und Ahrons zuzuwenden;

Und alle, die in seiner Furcht gerecht vor ihm erscheinen,

Sie alle, alle segnet Gott, die Großen und die Kleinen.

So mehre sich sein Segen euch, so soll er nie sich mindern,

So wie der Herr ihn zugedacht nur seinen Lieblingskindern:

Daß seine Gnade jederzeit an euch gefunden werde.

So will es unser Gott, der Herr des Himmels und der Erde,

Und kann sich auch des Menschen Kind zum Himmel nicht erheben,

Die Erde ist sein Eigentum, die hat ihm Gott gegeben.

Die in des Todes Stille ruh'n, sie können Gott nicht loben,

Von uns sei ein „Halleluja“ zum Ewigen erhoben!

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אָהַבְתִּי Psalm 116.

Wie bin ich froh! der Herr erhört mein Flehn, das ich erhoben,

Hat gnädig mir sein Ohr geneigt, drum will ich stets ihn loben.

Ergriffen mich auch immerhin die Angst, der Tiefe Schrecken,

Und sollten Not und Trübsal auch nach mir die Arme strecken,

Dann ruf ich aus: „O hilf, mein Gott, sei gnädig doch mir Armen!“

Allgnädig ist der Herr, mein Gott, ist voll, ist voll Erbarmen.

Die ratlos sind, den' hilft der Herr, bis daß sie Rettung fanden

Ich war so elend! Siehe da! er hat mir beigestanden.

So kehr' zur Ruhe nun zurück, du Seele mein, du trübe,

Es hat der Herr dir wohlgetan in seiner Vaterliebe.

Du hast vom Tode mich befreit, getrocknet meine Tränen.

Nicht darf ich fürder meinen Fuß umstellt von Schlingen wähnen.

Ja, wandeln will ich vor dem Herrn im Lande nun des Lebens,

Und spräch ich jetzt: „ich leide sehr“, ich spräch es aus vergebens,

Wer glaubte es? Und als ich's sprach, war ich vom Schein betrogen,

In Übereilung ist vom Trug des Menschen Blick umzogen.

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מָה אָשִׁיב Psalm 116 (Fortsetzung).

Wie soll ich doch dem Herrn vergelten, der so viel Gutes mir erwiesen?

Den Kelch des Heils will ich erheben, sein Name sei durch mich gepriesen!

Vor aller Welt will ich's verkünden, wie ich gelobt, so will ich handeln.

Bei Gott ist schwer der Tod der Frommen, die treu in seinen Wegen wandeln.

Auch ich, Dein Knecht, o Herr, ich hatte vor Dir mich bittend eingefunden,

Ich, Knecht, Sohn Deiner Magd; Du hast der Fesseln gnädig mich entbunden.

Drum bring' ich Dir des Dankes Opfer, drum will ich Deinen Namen preisen,

Und mein Gelöbnis will ich halten und vor der Welt es laut beweisen.

Ich möchte lenken zu den Höfen des heil'gen Tempels meine Schritte!

„Nun lobet Gott!“ so möcht ich rufen, Jerusalem, in Deiner Mitte.

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הַלְלוּ אֶת ה׳ Psalm 117.

Lobet Gott, ihr Völker alle, seid zu rühmen ihn bereit,

Mächtig waltet seine Gnade, seine Treu' in Ewigkeit. Halleluja.

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הוֹדוּ Psalm 118.

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,

Und seine Huld währet ewig!

Singe also, Israel,

Denn seine Huld währet ewig!

Singe also, Ahrons Haus,

Denn seine Huld währet ewig!

Singt, ihr Gottverehrer alle,

Denn seine Huld währet ewig!

In Angst rief ich die Gottheit an, der Gottheit Antwort schuf mir Raum. Der Herr ist mein, ich fürchte nichts. Was kann ein Mensch mir tun! Der Herr ist mein und steht mir bei; ich werde Lust an Feinden schauen. Besser ist, dem Herrn vertrauen, als auf Fürsten sich verlassen. Laßt alle Heiden mich umgeben; beim Ewigen! ich vernichte sie; hier umgeben, dort umgeben, beim Ewigen! ich vernichte sie; wie Bienen umschwärmen, wie Dornenflammen umlodern beim Ew'gen! ich vernichte sie! Wenn alles zustürmt, mich zu stürzen, der Ew'ge steht mir bei. Er ist mein Sieg, mein Saitenspiel, er ward mir zum Triumph. Freudenruf, Siegeslied schallt in den Hütten der Tugendverehrer, die Rechte des Herrn erkämpft den Sieg. Die Rechte des Herrn, sie ist erhaben, die Rechte des Herrn, die den Sieg erkämpft.

Nein! noch sterb' ich nicht, ich lebe, Gottes Taten zu erzählen,

Straft er auch, so will er dennoch nicht den Tod für mich erwählen;

Öffnet mir der Tugend Pforte, will hineingehn, ihm zu danken,

Solch ein Gottestor betreten, die nicht in der Tugend wanken,

Dank Dir, Herr, in Deiner Strafe ließest Du mein Heil mich schauen,

Eckstein ist der Stein geworden, den verwarfen, die da bauen.

Solches ist vom Herrn geschehen, können wir es gleich nicht fassen:

Diesen Tag hat Gott gegeben und zur Lust uns werden lassen.

O Ewiger! steh' uns bei!

O Ewiger! steh' uns bei!

O Ewiger, beglücke!

O Ewiger, beglücke!

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Willkommen im Namen des Herrn! Wir, aus dem Tempel des Herrn, wir segnen Euch!

Allmächtig ist der Ewige, der uns den Tag erscheinen läßt.

Mein Gott bist Du, Dir will ich danken; Du, mein Herr, Dich will ich erheben!

Danket dem Herrn, denn er ist gütig, und seine Huld währet ewig!

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Beim Herausheben der Thora am Passahfeste.

(Dasselbe am Wochen-, Hütten- und Schlußfeste.)

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O Ewiger! Ewiger! Barmherziger Gott! Du bist der Allgnädige, langmütig und von unbegrenzter Huld und Treue, der seine Gnade bewahret bis ins tausendste Geschlecht, der Missetat, Abfall und Sünde vergibt und den Übeltäter losspricht.

(Dreimal.)

Herr des Weltalls! o erfülle die Wünsche meines Herzens, so sie zu meinem Heile gereichen; willfahre meinem Verlangen und erhöre meine Bitte, erhöre mich, Deine Magd, die so gering sich fühlt. O läutere mich, mit aufrichtigem Herzen Deinen Willen zu vollführen, rette mich vor den verderblichen Schlingen der unlauteren Begierde und der bösen Leidenschaft. Gib mir und den Meinigen das Heil, das Deine heilige Lehre den Gerechten zuspricht. Läutere uns alle, damit Dein Geist auf uns ruhe. Erleuchte uns mit dem Geiste der Weisheit und der Einsicht, daß an uns die Verheißung erfüllet werde: „Und es wird auf ihm ruhen der Geist Gottes, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und des Mutes, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“

O, möge es Dein Wille sein, mein Gott und meiner Väter Gott, daß ich tugendhaft werde und bleibe und immerdar dem Edlen ergeben sei, und daß ich den Weg der Redlichen vor Dir wandle.

Laß' uns alle die Heiligkeit des Wandels suchen nach Deinen Geboten, damit wir eines langen Lebens in dieser Welt und eines seligen Lebens in der Ewigkeit würdig befunden werden. Bewahre uns vor bösen Taten und vor bösen Zeiten, die mit Ungestüm die Welt heimsuchen.

Wer auf Gott vertraut, dem ist seine Gnade nahe. Amen.

שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד

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Tau und Regen. (Tal und Geschem.)

Betrachtung.

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„Gib Tau und Regen zum Segen dem Erdreich“; „Du bist es, der den Windhauch wehen und den Regen fallen läßt“; so beten wir während eines großen Teiles des Jahres alltäglich im Morgen- und Abendgebete. Wir beten es nicht für Israel allein, sondern für die ganze Menschheit in der ganzen weiten Welt. Denn der Erde Grund ist einer, des Himmels Höhe eine, des Wassers Tiefe eine für alle Menschenkinder. So weitet sich der Blick hinaus in die Unendlichkeit, hebt das allumfassende Gefühl über beengende Grenzen. Gottes Walten im Reiche der Natur erkennen und bekennen wir ehrfürchtig. Grünende Fluren, rauschende Wälder, prangende Blumen, duftende Blüten, wogende Saaten, nährende Früchte — die Erde spendet sie in unendlicher Macht und Fülle. Mit berauschendem Entzücken weilt der Menschen sonniges Auge auf gesegneten Triften und Äckern. Auf das Haupt des emsigen Landmanns, der mit nervigen Armen die Pflugschar führt, die Körner streut, die Egge zieht, fleht der dankbare Erdensohn den Segen des Himmels herab. Und wenn die Arbeit getan, das Feld bestellt ist und durstige Halme den Boden decken, blickt das Auge zum Himmel empor, die Hände falten sich und fromme Lippen lispeln: „Gib Tau und Regen zum Segen dem Erdreich“. Zähme, o Gott, die Kraft der Elemente. Des Donners drohendes Rollen, der Blitze fahles Zucken, lasse sie nicht zum Verderben und Schrecken werden. Dämme die Wasserflut, mildere die Sonnenglut. — Am ersten Tage des Peßachfestes, wenn wir das Fest der Befreiung feiern, das uns den Frühling unserer Geschichte kündet, vergessen wir selbstlos des eignen Geschickes und gedenken in Liebe aller Menschenbrüder. Er, der uns wundertätig durch das Meer geleitet hat, der Wüste Schrecknisse überwinden ließ, Er so beten wir innig, möge die Winterfesseln der Natur in Güte lösen, die starre Scholle lockern, der Keime Triebkraft wecken, damit den Menschen ihr unermüdlicher Fleiß gelohnt und nährendes Brot zuteil werde. Die leuchtenden Tropfen, die am taufrischen Morgen am Angergrase zittern, sie sind Sinnbilder der Tränen der Sorge und der Freude. „Denn belebender, erquickender Tau ist Dein.“ Wie aus dem Erdenmutterschoße sich das Körnlein aus Dunkel zum Lichte ringt, so möge Gott auch uns das Werk gedeihen lassen, die Saat, die wir am Morgen gesät und am Abend, uns dem Glücke entgegenführen.

Wenn wir im Herbstesgrau das Hüttenfest beschließen und die Festgedanken zum Ergebnis sammeln; wenn der Winzer den Weinberg reich belohnt verläßt, Kelter und Tenne gefüllt sind und aller Früchte Erntesegen unversehrt die Speicher schmückt; dann wendet sich wieder unser dankbares Gemüt zum himmlischen Vater. Wieder erweitert sich uns das Volksgefühl zum Menschentum, wird uns das geschichtlich-religiöse Festgebet zum Weltgebete. Die Stammväter, deren wir in Ehrfurcht gedenken, werden zu Vätern der Menschen, die Mütter zu Menschenmüttern, der waltende Gott Israels zum liebevollen Weltengotte. Die große Vergangenheit gliedert sich bescheiden dem Ganzen der Geschichte an und mit erlösender Begeisterung umschließt unser Festgedanke alle. Wie frischer Regenguß die duftende Erde befruchtet und schlummernde Kräfte weckt, wie kühlender Windhauch schweifende Wolken sammelt und scheucht, so wirkt die Menschenliebe auf jegliches Menschenherz. Wie die gewaltige Kraft der Natur zu neuem Leben in Ruhe- und Restzeit Atem schöpft, so mögen auch wir, wenn es Zeit ist, in stiller Sammlung zu erneuter, sittlicher Tatkraft uns rüsten. All unser Denken und Fühlen und Tun gedeihe unserem Volke und heiligen Glauben

„zum Segen und nicht zum Fluche

zur Sättigung und nicht zum Hunger

zum Leben und nicht zum Tode.“

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טַל
Frühlingsgebet am ersten Tage des Passahfestes.

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Bald ist nun der Kampf vorüber,

Und die milde Sonne siegt,

Darum ist mein Herz so fröhlich,

Meine Seele so vergnügt.

Nach dem Frühling war mein Sehnen.

O, nun ist es bald erfüllt!

Süße Lust der Frühlingsahnung

Zieht ins Herz mir warm und mild.

Bald ist nun der Kampf vorüber,

Und es bricht des Winters Macht!

Schon gewichen sind die Stürme,

Kürzer wird die kalte Nacht!

Nicht mehr strömen rauh hernieder

Feuchte Flocken sonder Zahl,

Durch der Wolken graue Decke

Bricht hervor der lichte Strahl!

Ach, es waren schlimme Tage!

Böse war die Winterzeit!

O, wir suchten scheu und schüchtern

Schützend Dach und warmes Kleid.

Ach, und wem der Güter Fülle

Nicht die schwache Hilfe bot,

Zehnfach bitter mußt' er fühlen

Wintershärte, Wintersnot.

Nun, Gottlob! es ist vorüber!

Und es kündet seine Spur

Tausendfach der holde Frühling

Freundlich an in Feld und Flur!

Droben nur noch trübe Schatten

Einzeln schnell vorüberflieh'n,

Und auf Erden keimt und sprosset

Lächelnd auf ein junges Grün.

O, es faßten die Befreiten

Der Befreiung Wonne kaum,

Also ist ein süß Erwachen

Nach dem bösen, langen Traum!

Darum eil' ich, Dich zu preisen,

Vater, vor Dein Angesicht!

Du verließest uns, die Deinen,

Auch in trüben Tagen nicht.

Wirst auch ferner uns bewahren,

Wirst uns stets ein Hüter sein!

Bringst den Frühling und den Sommer

Uns zum Segen und Gedeih'n!

Du wirst Tau und Regen spenden

Zu der Erde Fruchtbarkeit

Auch in diesem Jahre wieder,

Immerdar zur rechten Zeit.

Ja, wir wissen, daß der Vater

Alle seine Kinder liebt,

Daß er nimmermehr ihr Leben

Dem Verderben übergibt.

Wir, wir können es nicht schaffen,

Doch wir können Dir vertrau'n,

Können auch in diesem Jahre

Hoffend auf den Sommer schau'n.

Du, o Herr! befiehlst den Wolken

Durch Dein göttlich Allmachtswort!

Daß sie kommen, daß sie gehen,

Uns zum Segen fort und fort,

Daß die Sonne sie verhüllen,

Wenn ihr Strahl uns wird zur Glut,

Daß sie schwinden, wenn zu lange

Niederströmt des Regens Flut.

Du, o Herr! befiehlst dem Strome,

Daß er bleibt in seinem Gleis!

Du, Du bist es, der dem Blitze

Seinen Weg zu zeigen weiß!

Du, Du bist es, der im Taue

Himmelsgnade niedersenkt,

Der auf reiche Segensbahnen

Wunderbar die Winde lenkt!

Darum zieht die Frühlingsahnung

Mir ins Herz so warm und mild,

Und mein Hoffen und mein Sehnen

Ist nun bald so süß gestillt.

Bald ist nun der Kampf vorüber

Und die milde Sonne siegt,

Darum ist mein Herz so fröhlich,

Meine Seele so vergnügt.

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