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Heimat und Fremde cover

Heimat und Fremde

Chapter 34: Liebe.
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About This Book

The volume gathers lyric poems that draw on rural and small‑town scenes, seasonal cycles, and natural detail—rivers, vineyards, forests, churches, and night skies—to meditate on belonging, memory, and loss. Many pieces pair devotional language and civic affection with elegiac responses to wartime bereavement, shifting between intimate walks, watchful night vigils, and communal rituals such as bell‑ringing and Easter imagery. The voice moves from affectionate description to yearning and prayer, combining local topography and everyday life with reflections on home, exile, and the persistence of hope amid sorrow.

Die Zeiten sind ernst und voll Not und Tod,
Sie reden jetzt eisern und bleiern —
Wie tief mußt du da ins Herz hinein
Gewachsen dem Volk als Dichter sein,
Wenn es trotzdem nicht läßt, dich zu feiern!
Und wenn es dich feiert, wir feiern dich mit
Als ein Sandkorn im deutschen Volke;
Und was wir dir wünschen, wir wünschen ’s dir gern:
Nie welke dein Kranz, nie sinke dein Stern,
Dein Weg sei voll rosiger Wolke!
Dein Singen war immer ein heiliger Sang,
Er rauschte aus Herzensgründen.
Durch jedes Lied deine Seele sich schwang
Wie Geigenjubel und Glockenklang
Und seliges Heimwärtsfinden.
Und Liebe zur Heimat, zu deinem Volk
Ließ deine Saiten erklingen,
Durchwehte dein Singen, bergwasserklar,
Wie noch kein Sang je frömmer war,
Seit deutsche Dichter singen.
Wer pries wie du den deutschen Wald?
Des Frühlings Weben und Wehen?
Wer deutscher Treue Eichenkranz
Und Frauenminne und Waffentanz
Wie du so voll Verstehen?

Wer sang wie du von Sturm und Kampf
In lauten, flammenden Liedern?
Und wer wie du so warm zugleich
Von der Liebe zum Bruder draußen im Reich
Und seines Grußes Erwidern?
Wer schaute mit gleichem Seherblick
Voraus den Gang der Zeiten?
Und wem erschloß sich der Töne Schacht
Wie dir? Wer meisterte so mit Macht
Das spröde Gold der Saiten?
Dein Lebensbekenntnis liegt in dem Wort:
»Für Andere kämpfen und leiden
Und (muß es sein) auch untergehn!«
Gibts noch ein höheres Wunschlosstehn
Und ein tiefres Sichselbstbescheiden?
Mag’s Dichter geben von andrer Art,
Du bist ein deutscher Dichter!
Stolz kannst du’s weisen und ohne Hehl —
Wer’s zweifelt, les deinen »Mephistophel«
Oder deinen »Königsrichter«!
Der les, wenn sein Herz nicht schönheitstaub,
Deine »Lieder aus Fernen und Weiten«,
Dann wird er segnend dir küssen die Hand
Und König dich nennen im Dichterland,
Einen Großen in großen Zeiten!
Und so segnen auch wir dich mit Liebe heiß,
Wie sie Männerherzen empfinden
Und geben dir treu alle Liebe zurück,
Die du für deines Volkes Glück
Und Größe gewußt zu entzünden.

Geh lieb mit allen Menschen um...

Geh lieb mit allen Menschen um
Und trag durch diese Welt voll Weh
Der Liebe Evangelium
Als Stern im Sturm, als Lenz im Schnee!
Geh lieb mit allen Menschen um
Und tröst, wo eine Träne rinnt!
Der Menschheit großes Duldertum
Läßt klein uns werden wie ein Kind.
Geh lieb mit allen Menschen um
Und pflücke in der Liebe Land
Ein Rosensträußlein, leg es stumm
In jede arm gewordne Hand!
Geh lieb mit allen Menschen um
Und heb das Kreuz, das mancher trägt!
Das ist bei mir ein größ’rer Ruhm
Als der ist, der nur Wunden schlägt...

Eins ist, was bitter stimmt...

Eins ist, was gar so bitter stimmt:
Daß alle Liebe, die wir je erfahren,
Und alle Güte, die ein Herz vernimmt,
Vergessen wird und schwindet mit den Jahren;
Daß mit dem Lenz, der auf den Wangen stirbt,
Auch alle Freudenfeuer niederbrennen
Und unsre Seele sich das Eine nur erwirbt:
An totes Glück sich spät erinnern können!

Trag’s still.

Wenn je ein Liebes von dir schied
Mit wehem, gramverschwiegnem Munde,
Trag’s still! Es war ein Schicksalslied,
Das dir erklang in dunkler Stunde.
Und stürzte dir ein Himmel ein
Und ging dir eine Welk zugrunde,
Trag’s still! Leicht kann’s zum Segen sein,
Dir aufgeblüht in dunkler Stunde!
Das Leben kommt und geht wie’s will,
Und schlägt’s dir noch so tiefe Wunde,
Trag’s still! Du wirst einst selber still,
Kommt über dich die letzte Stunde.

Schicksal.

Hoch über irdischer Bedrängnis
Thront streng wie kalte Winternacht
Und ewig wie der Gottheit Macht
Ein finstres, allgewaltiges Verhängnis...
Das fragt nach Wünschen nicht und Zielen,
Nach Glück der Erdenkinder nicht;
Oft scheint’s mit Herzen nur zu spielen
Und fragt nicht, ob eins zuckend bricht.
Es drängt sich zwischen Menschenpaare
Und macht mit seinem Schicksalszwang
Unglücklich sie für viele Jahre,
Oft für ein ganzes Leben lang.

Der größte Schmerz.

Von allen Erdenschmerzen
Muß das der größte sein:
Zu stehn mit vollem Herzen
In weiter Welt allein.
Müd sich nach Liebe suchen,
Um die die Sehnsucht weint,
Und seinem Leben fluchen,
Für das kein Glück mehr scheint.
Viel bittrer noch als Sterben
Ist Lebenmüssen oft,
Wenn’s Herz, glückarm geworden,
Nichts glaubt mehr und nichts hofft;
Wenn ihm sein Lenz entblättert,
Eh er noch recht erblüht,
Und was es einst vergöttert,
Im Staube liegen sieht.

Liebe.

Was echte, rechte Liebe ist,
Kommt fröhlich nicht gegangen,
Kommt auch mit hellem Lachen nicht
Und nicht mit Sonnschein im Gesicht
Und Rosen auf den Wangen.
Was echte, rechte Liebe ist,
Kommt ernst wie Kirchhoffrieden,
Wie Schicksal, das uns zugedacht,
Wie hohe, heil’ge Gottesmacht,
Um Herz an Herz zu schmieden.

Gleichnis.

Die Sonnenblume wendet
Ihr gelbes Blütengesicht
Dem Licht der Sonne entgegen
Und blüht ohne Sonne nicht.
Sie ist eine Tochter des Tages,
Sie fühlt sich fremd in der Nacht
Unterm frostkalten Funkeln der Sterne
Und seufzt nach der Sonnenpracht.
So ist das Herz der Menschen
Von der Sonnenblume ein Stück:
Es knüpft sein Sehnen an Liebe
Und kennt ohne Liebe kein Glück.
Es glüht nur im Licht seiner Sonne,
Im Dunkel erschauerts voll Not
Und wünscht sich, um Liebe weinend,
Tiefinnerlich selbst den Tod...

Die Wahrheit.

Die Wahrheit hat goldene Schuhe
Und wandert durch den Tag,
Sie lebt in der ewigen Ruhe
Hoch überm Sternenhag.
Die Wahrheit ist der Frieden,
Vor dem das Leid zerschellt,
Ihr Reich ist nicht hienieden,
Ist nicht von dieser Welt.
Die Wahrheit ist das Schöne,
Das uns zur Andacht zwingt
Und mit der Macht der Töne
Ein Lied des Ewigen singt.

Guter Rat.

Nimm vom Tag, was er dir gibt,
Laß dir nie das Herz beschweren!
Was dir heut’ den Sinn betrübt,
Kann sich morgen wieder klären!
Besser lebt, wer aus der Stund’
Schöpft das Beste immer wieder —
Weint das Herz, so lacht der Mund
Und aus Tränen werden Lieder!
Hoch das Haupt in Sturm und Nacht
Mußt du tragen, willst du siegen:
Glaube an sich selbst ist Macht
Und nur Zweifelnde erliegen!

Widerlegung.

Ich hab einst irgendwo das schöne Wort gelesen:
»Was einmal war, ist so, als wär’ es nie gewesen.«
Mir aber scheint dies Wort nicht tief genug und kar —
Wie wirkte sonst noch fort in uns, was einmal war!
Was wär’ denn dann das Glück, das einmal wir erlebt,
Blieb keine Spur zurück in uns, wenn es entschwebt!
Was wär’ der Liebe Glanz und alles Weltgeschehn,
Wenn wär’ vergessen ganz, was schwand, um zu vergehn!
Nein — was einst war, das ist und wenn’s auch zehnmal schwand!
Ein Blick, der dich gegrüßt, ein Druck von lieber Hand,
Von dem träumt oft noch spät des Menschen tiefst Gemüt,
Solang sein Leben geht und die Erinn’rung blüht.

Alte Weisheit.

Es reißt kein Pflug so breite Ackerfurchen
Als der, den führt die ungeübte Hand;
Kein Sturm braust rauher talwärts von den Bergen
Als der, den schickt der junge Lenz ins Land;
Kein Himmel prahlt mit so viel hellen Sternen
Als der, den tiefstes Nachtgedunkel trübt;
So kränkt am meisten, was ein Mensch gesprochen
Wenn’s einer sprach, der weh tut, weil er liebt.
Der Glaube versetzt selbst Berge
Und schöpft auf den Grund das Meer;
Die Hoffnung grünt noch auf Gräbern
Und wird nicht des Hoffens leer;
Doch alle Gewalt der Erde
Vor der Macht des Größten zerstiebt:
Denn was sind Gräber und Berge und Meere
Gegen Liebe, die glaubt und hofft und liebt!

Ein altes Lied.

Es legt sich gern auf Rosen
Der bleiche Winterschnee —
Die Menschen, die sich lieben,
Tun sich am meisten weh!
Kein Finkenschlag weckt wieder
Die Rosen, die verschneit...
Kein Harm so groß auf Erden,
Daß Liebe ihn nicht verzeiht!

Trost.

Wer wundgedrückt durchs harte Leben ging,
Doch Liebe trug und nichts als Liebe gab,
Wenngleich er Lieb’ von andern nie empfing
Auf seiner langen Wanderfahrt zum Grab,
Der drück’ getrost die müden Augen ein,
Er wird erwachen unterm Sternenblühn
Und Gott wird ihm ein milder Richter sein:
Wer viel geliebt hat, dem wird viel verziehn!

Vorwurf.

Was störst du meine Kreise?
Laß mich in Einsamkeit,
In die ich müd und leise
Vergrub mein altes Leid,
Mein Leid, das ich schon trage
Um dich ein Leben fast
In stummgewordner Klage
Als eine liebe Last!
Laß ab von mir, dem Müden,
Der einst ein Glück ersann,
Und gönn’ mir doch den Frieden,
Den ich mir schwer gewann!
Laß mich aus Harm und Wunden,
Erlöst, befreit, verschönt,
Einkehren in lichte Stunden,
Durch die kein Seufzer tönt!
Mir steht kein Himmel offen,
Kein Weg führt mich ans Land,
Was soll ich denn noch hoffen?
Wer führt mich an der Hand?
Und wer gibt mir zu Eigen
In jauchzender Liebe sich?
Mir klingts wie weinende Geigen
Durchs Herz, denk ich an dich...

Blick in die Sterne.

In schweren Stunden blick’ empor
Aus deines Lebens Qual und Enge
Zum Himmel, wo durchs offne Tor
Die Sterne wandeln im Gedränge.
Sie wandeln hin im Silberschein,
Der wie der Tau im Mondlicht funkelt,
Und blicken umso heitrer drein,
Je mehr die Nacht den Weg verdunkelt.
Und sieh! so sollst auch du es tun
Und gleich den ewig jungen Sternen,
Die in der Hand Gott Vaters ruhn,
Selbst übers Unglück lächeln lernen.
Sollst größer als dein Schicksal sein
Und über alles Niedre dich erheben
Und immer heiter blicken drein,
Als lebtest du ein Sternenleben!

Du weißt es nicht.

Ein Bächlein rinnt und weiß es nicht,
Wohin sein eilig Wandern geht.
Der Garten blüht und weiß es nicht,
Daß er in tausend Blüten steht.
Der Lenzwind weht und weiß es nicht,
Wohin des Wegs ihn führt die Bahn —
Du sprachst zu mir und weißt es nicht,
Wie weh dein Wort mir hat getan!

Zünd eine Totenkerze an!

An ferne Tage mahnst du mich,
Da du und ich ein Glück geheckt?
O laß und rühr nicht an dem Dorn,
Der dir und mir im Herzen steckt!
Red nicht vom Lenz, der uns verblüht,
Von Liebe, die um Liebe warb!
Denk lieber, was an Schmerz uns blieb,
Seit unsre Liebe weinend starb!
Sei still und laß, was tot ist, ruhn
Und such nicht alter Wege Spur!
Trag stolz den Gram — es bricht kein Herz,
Langsam muß es verbluten nur!
Denk dir: ich wäre längst schon tot
Und läg im Grabe klaftertief
Und hörte nicht mehr, daß dein Herz
Mich wieder ruft, wie einst es rief!
Zünd eine Tokenkerze an
Und bet für mich mit feuchtem Blick,
Wie ich für dich oft heimlich bet,
So wie man betet um ein Glück!
Und denk dir, wenn die Qual dich sticht,
Wildbrennend wie ein letzter Kuß:
Daß jeder Frühling einmal welkt
Und jede Liebe sterben muß!

Erinnerung.

In der Erinnrung liegt ein stilles Glück,
Das aus der Ferne kommt zu uns zurück,
Um uns in alter Liebe neu zu segnen.
O halt sie warm, wie eine Mutter hegt ihr Kind,
Und laß einst alle, die dir je begegnet sind,
Im Geist noch einmal dir begegnen!

Ein Schicksalswort.

Tausend Stürme und Wetterschlag
Können so schwer eine Welt nicht erschüttern,
Als es im Herzen ein Wort vermag
Und vor dem alle Liebenden zittern,
Wenn es zwei Lippen sprechen, das Wort,
Das oft tändelnd und lind
Wie ein Rosenblatt im Wind
Weht vom Mund leicht gesprochen fort —
Aber ein Herz macht es arm oft und leer,
Dieses kleine, doch schicksalsgewaltige Wort:
Geh — ich liebe dich nicht mehr!

Einsam.

Einsam geht der Mond, der bleiche,
Durch die Nacht, die schlafensmüd;
Einsam träumt der Schwan am Teiche
Und sein Sterben wird zum Lied.
Einsam wandle durch die Tage
Still auch ich und nur mein Leid,
Das ich heimlich um dich trage,
Folgt mir in die Einsamkeit.

Zweifel.

Von der Wiege bis zur Bahre,
Durch die vielen langen Jahre
Wirkt die Qual auf unser Wissen,
Das wir einmal sterben müssen.
Und des Zweifels bange Frage,
Ob nach einem letzten Tage,
Wenn verlöscht des Lebens Licht,
Wir vor einem Weltgericht
Stehn einst werden angstbeklommen,
Läßt uns nicht zur Ruhe kommen.

Es gibt im Leben.

Es gibt im Leben soviel Leid,
Daß es nur der Mensch glücklich überwindet,
Der alles Schöne, das ihn freut,
Aus ganzer Seele nachempfindet.
Ein blauer Himmel, ein Maientag
Und Veilchen auf der Heide,
Ein Vogellied im stillen Hag, —
Schafft das nicht jedem Freude?
Wer solches Glück, das ihn umgibt,
Läßt gern vom Lenz sich schenken,
Der hat, was auch sein Herz betrübt,
Nicht Zeit, ins Leid sich zu versenken.

In ein Stammbuch.

Bei allem Tun des Tags
Hab’ zu der Frag den Mut:
Ob’s recht war und ob drin
Ein Glück für Menschen ruht.
Sagt Ja dein Herz,
An das die Frage du gericht’t,
Dann tu’s getrost und froh —
Wenn Nein, dann tu es nicht!
Leicht irrt der Sinn und leicht
Wird selbst der Weiseste betört,
Nie aber irrt der Mensch,
Der auf die Stimme seines Herzens hört.

Das Menschenherz.

Es ist ums Herz der Menschen
Ein wundersames Ding,
Und meinst du’s zu ergründen,
Denkst du davon gering.

Tief birgt’s in seiner Enge
Der Mächte mancherlei:
Die Sehnsucht und die Liebe
Und manchmal auch die Treu.
Es trägt in einem Raume
Die Freude und das Leid,
Das Hoffen und das Hassen
Und auch den blassen Neid.
Der Wunder größtes aber,
Das in ein Herz gelegt,
Viel größer als der Himmel,
Der tausend Sterne trägt,
Ist: daß ein Mensch dem andern,
Oft flüchtig nur geschaut,
Aufschließt die Brust und drinnen
Ihm eine Heimat baut...

Tröstung.

Siehst du nicht die grauen Fäden,
Fragst du oft, die trägt mein Haar?
Laß doch Liebste solche Reden,
Ich bin auch nicht zwanzig Jahr!
Laß dein Haar vom Schnee durchziehen,
Wenn nurs Herz noch fröhlich schlägt
Und dir Aug und Wangen glühen
Wie ein Strauch, der Rosen trägt!
Schau ins Spieglein ohne Leide,
Ob dein Haar sich leicht auch trübt,
Denk vielmehr: Gott, welche Freude,
Daß mich spät ein Herz noch liebt!

Es müßte jeder Mutter Sohn...

An keinem Bettler blick vorbei, der wegverstaubt
Am Straßenrand dich im Vorbeigehn flehend grüßt!
Ist’s seine Schuld, daß keine Krone trägt sein Haupt
Und statt der Lumpen ihn nicht Hermelin umfließt?
Er ist nur das, wozu ihn sein Geschick erkor,
Der Götter Stiefkind eins, das tappt im Irrlichtschein,
Vor dem die Freude schloß ihr goldnes Himmelstor
Und dem als Los gesetzt ward, ohne Glück zu sein.
Denn ging’s nach Der, die ihn als Kind oft heiß geküßt,
Ihm tausend Wünsche gab ins Leben mit hinein
Und als ihr Liebstes hegte, das auf Erden ist:
Es müßte jeder Mutter Sohn ein König sein!

Goldene Worte.

Laß ungetröstet keine Menschenseele,
Die leidbeschwert, von deines Hauses Schwelle gehn,
Hab’ niemals Spott für deines Nächsten Fehle,
Tu’ so, als hättest du sie nicht gesehn!
Sei wie die Biene, die von Blüt’ zu Blüte
Holt eines Frühlings Duft und Süße ein,
Und sammle Liebe, wo sie dir erglühte,
Dann wird dein Sterbetag noch voller Rosen sein!
Kein Glanz gleicht dem, den trägt die große Stunde,
Da du vergißt, wie weh ein Mensch dir hat getan,
Und deckst mit Blüten zu des Grolls glutheiße Wunde:
Der Siege schönste feiert, wer verzeihen kann!

Heut’ ist der Tag der Toten...

Heut’ ist der Tag der Toten,
Wo einmal wir im Jahr
Die letzten Blumen der Gärten
Und Tränen bringen dar.
Wo ihrer wir gedenken,
Verstört und tiefbetrübt,
Wie gut und treu sie waren,
Wie sehr wir sie geliebt.
Heut’ prangt gleich einem Garten
Der Friedhof und darin
Gehn viele stille Gäste
Und weinen vor sich hin.
O laßt, laßt ab, ihr Leute,
Von eurem Traurigtun!
Die Toten laßt den Toten
In ihren engen Truhn.
Es hat auf eure Tränen
Das Leben nur ein Recht —
Was frommts, wenn ihr um Tote
Die Herzen euch zerbrecht?
Was dort liegt in den Gräbern
Sind unsre Toten nicht;
Wir tragen unverlöschlich
Im Herzen ihr Gesicht.
Für uns schläft keiner im Tode,
Der für die Welt entschlief,
Solang ihn hält unsre Liebe
Und ruft wie er uns rief.
Drum wandert nicht zu Gräbern,
Draus niemand zu euch spricht,
Und spart euch Blumen und Tränen,
Die Toten wissen es nicht!

Protektion.

Zwei Sünder wollten einst unter die Frommen
Zum Herrgott hinauf in den Himmel kommen.
Sie wandten drum sich mit Bitten dreist
An Josef, den man den Nährvater heißt,
Der, weil er selbst durch Jesu Christ
Im Himmel hoffähig geworden ist,
Als rettender Hort und helfend Schild
Für alle lustigen Schelme gilt.
Sankt Josef versprach, nicht zu rasten und ruhn
Und alles was möglich für sie zu tun.
Er bat auch den lieben Gott nach Kräften,
Doch der wollt’ nichts wissen von solchen Geschäften.
Und weil Gott Vater durchaus nicht wollte,
Ward Josef böse und schalt und grollte
Und drohte, geärgert über die Maßen,
Er werde den Himmel sofort verlassen.
Drauf meinte der Herrgott in brüsker Weise:
»Leb wohl, ich wünsch dir viel Glück auf die Reise!«
Da wandte flugs Sankt Josef ein:
»Bon, aber ich gehe nicht allein!
Ich nehm meine Frau und den Sohn mit mir
Und such für uns Drei ein anderes Quartier!«
Er sprach’s und nahm sein Weib an der Hand,
Das horchend in der Nähe stand.
Da war die Verlegenheit groß im Himmel;
Doch war das Ende von dem Getümmel,
Das sich die Sache friedlich klärte
Und Gott dem Josef die Bitte gewährte. —
So sind hinauf zu den Frömmsten der Frommen
Einst auch zwei Taugenichtse gekommen,
Welch’ Beispiel lehrt, daß es immer nützt,
Wenn man auch im Himmel Protektion besitzt.

Meinem toten Vater.

(An seinem Namenstage.)

Vor einem Jahr noch hab den Tisch
Mit Rosen ich dir reich geschmückt,
Ein Wort, ein liebes, dir gesagt
Und warm dabei die Hand gedrückt.
Da war ich reich noch durch das Glück,
Daß deine Liebe ich besaß,
Und nun (o Gott, kaum faß ichs ganz!)
Schläfst du schon unterm Kirchhofgras.
Wie hast das Leben du geliebt,
Du großes Kind im grauen Haar,
Das scherzend alles Leid verwand
Und gern mit Frohen fröhlich war!
Und nun ist deiner Augen Licht
Erloschen längst — Gott weiß warum!
Dein Mund, der nie ein Böses sprach,
Verstummt und bleibt für ewig stumm.
Ein Haufen Erde deckt dich zu,
Die Nacht des Todes hüllt dich ein
Und alles, was uns von dir blieb,
Ist nur der Schmerz um dich allein!
Leer bleibt dein Platz an unsrem Tisch
Und keine Sehnsucht ruft dich her, —
Die Rosen duften schwül wie sonst,
Du aber siehst’s und fühlst’s nicht mehr!
Und meiner Wünsche weher Klang
Dringt nimmer an dein taubes Ohr...
O Gott, wie traurig stimmt ein Tag,
Der mahnt an das, was man verlor!

Ich bin eine Stufe.

Ich bin eine Stufe vorm Kirchentor,
Aus blankem Marmor gehauen,
Auf mir steigen nieder und steigen empor
Viel Männer und schöne Frauen.
Die Männer treten mit schweren Schuhn,
Mit leichten Füßchen die Weiber,
Als wollten sie mir nicht wehe tun
Mit der Last ihrer schönen Leiber.
Von drinnen dringt der Weihrauchqualm
Zu mir heraus ins Freie
Und Glockengebimmel und Lied und Psalm
Aus frommer Beter Reihe.
Ich hör es und sinn dem Wunder nach,
Dem Gott in hoher Wolke,
Der unterm niederen Kirchendach
Anbeten sich läßt vom Volke.
Ich bin eine Stufe vorm Kirchentor
Und möcht mich vor Wollust strecken,
Wenn über mich schreiten viel Frauen empor
In rauschenden Seidenröcken,
Wenn duftige Höschen und Spitzenflor
Die niedlichsten Dinge mir zeigen —
Ich bin eine Stufe vorm Kirchentor
Und muß, was ich weiß, verschweigen...

Jahre, die vorübergleiten...

Jahre, die vorübergleiten,
Heilen jede Seelenpein,
Selbst die Tränen um die Toten
Werden still und trocknen ein.

Gleich den Rosen, die im Frühling
Brechen heimlich auf am Strauch,
Sprossen aus dem bangsten Herzen
Blüten neuen Lebens auch.
Blumen kommen, Früchte reifen
Und die Seele, weh und wund,
Die am Glück einst schon verzweifelt,
Lernt vergessen, wird gesund.
Wird gesund, eh sie ermessen,
Wie viel Zeit indes verweht
Und um wie viel Schritte näher
Selbst sie ihrem Grabe steht.

Gebot.

Von all den Blumen, die erblühn
Auf deinen rauhen Erdenwegen,
Pflück was du kannst im Weiterziehn
Wie’s Schnitter tun im Sonnenglühn beim Erntesegen.
Die Blumen, sie alle sammle mit Fleiß
Wie leuchtenden Herbstes Frucht und Gaben
Und opfre freudig und heimlich-leis
Sie dem, für den dir zu hoch kein Preis,
Weil lieb ihn dein Herz muß haben.

Was je des Schicksals Spruch mir schickte,
Mich gütig suchend oder scheu mich mied,
Was je mich drückte und beglückte,
Ich wob’s in Worte und es ward zum Lied.

Inhaltsverzeichnis.