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Herzl-Worte

Chapter 33: POLITIK UND REGIERUNGEN
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About This Book

A collection of speeches and essays by Theodor Herzl outlines the political and moral case for Jewish national renewal, arguing for a cohesive peoplehood, organized political action, and a territorial homeland. It addresses the experience of exile and discrimination, the need for communal solidarity and leadership, the role of diplomacy and practical institution-building, and responses to skeptics and opponents. Passages move between polemic, programmatic proposals, and appeals to both elites and mass audiences, combining visionary aims with attention to administrative and diplomatic strategies.

POLITIK UND REGIERUNGEN

Wie eben Geschichte wird, ziellos und wahllos. Dabei muß der geschichtliche Sinn denen anfliegen, die sich ein wenig Rechenschaft geben oder auch nur manchmal aus ihrem Dämmern auffahren. Freilich kommen sogar mehrere zur Regierung und verlassen sie, ohne nachgedacht zu haben. Die werden auf die Ministerbank geschwemmt, wie Austern auf eine Bank, und verharren da mit dem Geistesleben einer Auster, bis man sie abkratzt.

Ein Regierungsmensch muß von dem Grundsatze ausgehen: das Widrige, das ich nicht ganz verhindern kann, lasse ich unbehelligt laufen; dann wird es sich verlaufen . . . Aber diese halb gefesselten Gedanken sind gefährlich. Denn sie zeigen die öffentliche Gewalt von zwei bedenklichen Seiten: in ihrer Grausamkeit, in ihrer Ohnmacht.

Die Regierungen lernen nie aus den Fehlern ihrer Vorgänger. Sie wissen noch immer nicht, daß ein Verbot der Eingang zum Ruhme ist.

Der Schacher mit dem Einfluß ist durchaus nichts Neues oder Republikanisches oder Parlamentarisches, Was waren denn die Salons des ancien régime, was war der Hof? Winkelbörsen und Clearing-House für den Machthandel.

Was wäre das Volk für ein mangelhafter Souverän  wenn es nämlich überhaupt einer wäre. Es raubt denen das Ansehen, die es hinaufhebt.

[pg 72] Ich weiß so gut, wie ein anderer, daß der hohe Zweck der Demokratie ist, das Ueberragen Einzelner zum Wohle der Gesamtheit zu zerstören.

Mit ihrem Neid und ihrer Undankbarkeit leidet die Demokratie keine Größen.

Die Konsequenz ist nun in der Politik ein ähnlich hergerichteter Begriff wie „Treu und Glauben“ im Handelsrecht; es steckt auch ebensoviel dahinter.

In allen Parlamenten der Welt ist ja keiner, der auf dem Wege von der Opposition zur Regierung nicht ein wenig mit seiner Vergangenheit gebrochen hätte.