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Herzl-Worte

Chapter 36: ELEND UND SOZIALE TEILNAHME
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About This Book

A collection of speeches and essays by Theodor Herzl outlines the political and moral case for Jewish national renewal, arguing for a cohesive peoplehood, organized political action, and a territorial homeland. It addresses the experience of exile and discrimination, the need for communal solidarity and leadership, the role of diplomacy and practical institution-building, and responses to skeptics and opponents. Passages move between polemic, programmatic proposals, and appeals to both elites and mass audiences, combining visionary aims with attention to administrative and diplomatic strategies.

ELEND UND SOZIALE TEILNAHME

Man wird von der Arbeit müde wie vom Müßiggang, wenn auch viel später.

Das Erwerben muß auch einmal ein Ende nehmen, damit man sich des Erworbenen freue.

Den Hungrigen gehört die Welt.

Vielleicht sind die Hungrigen geistreicher als die Satten.

Es gibt Gegenden auf dem allgemeinen Schlachtfelde, wo nicht nur die Schwachen, sondern auch die [pg 77] übrigen zugrunde gehen. Alle! Es gibt Grade des Elendes, die nicht mehr produktiv sind.

Manche wurden aus Not Journalisten und handelten mit öffentlicher Meinung. Noch andere tummelten sich in Volksversammlungen herum, hausierten mit wertlosen Schlagworten.

Aus dem, was man nicht hat, erwächst die Ueberzeugung.

Es gibt so viele Existenzen, die nur durch Schmerzen bunt werden.

Wer um Gnade flehen will, muß sich dazu eines Nebelhornes bedienen, und um das Herz der Menschen zu erweichen, braucht man wohl einen großen Hammer, tausend Zentner schwer, und der muß unaufhörlich niederfallen.

Aber es ist doch wunderbar, wie objektiv man die Ueberschwemmungen betrachtet, wenn man über dem höchsten Wasserstande wohnt. Die Psychologie des Geborgenen wäre ein hübsches Kapital zur Menschenkunde. Weit vom Ziel ist gut vorm Schuß, sagt unser vortrefflicher Freund, das Sprichwort. Und wenn man nun nach Mitteln suchte, um in den Geborgenen höhere Grade der Teilnahme hervorzurufen, man fände wohl nur dieses: ihnen die Füße ins Wasser einzutauchen. Sie würden alles gleich viel besser verstehen.

[pg 78] Einen Menschen, dem es schlecht geht, erkennen die wenigsten . . . auf einmal sind alle kurzsichtig.

Wer in einem warmen Zimmer sitzt, muß ein Dichter sein, wenn er sich Frostbeulen vorstellen soll.

(Rede in Wien.)