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Herzl-Worte

Chapter 44: POESIE UND KUNST
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About This Book

A collection of speeches and essays by Theodor Herzl outlines the political and moral case for Jewish national renewal, arguing for a cohesive peoplehood, organized political action, and a territorial homeland. It addresses the experience of exile and discrimination, the need for communal solidarity and leadership, the role of diplomacy and practical institution-building, and responses to skeptics and opponents. Passages move between polemic, programmatic proposals, and appeals to both elites and mass audiences, combining visionary aims with attention to administrative and diplomatic strategies.

POESIE UND KUNST

Das ist ja die Poesie: was darein gelegt wird. Für den Montblanc genügt ein Farbendruck, und seit gar bunt photographiert wird, hat das eigene Auge nichts mehr zu suchen beim Allzugroßen. Aber Corot malt zwischen zwei Bäumen am Weiher die ganze Welt.

[pg 88] Ein Künstler ist immer ein Egoist. Sich will er hervortun, sich will er hervordichten, sich hervormalen, sich hervorsingen.

Ein Arzt könnte sagen: die Dichtung ist das psychische Aequivalent der Liebe.

Los von der alten Kunst! hieß es, und das leuchtete sofort vielen ein, insbesondere denjenigen, welche die alte Kunst überhaupt nicht gekannt hatten. Worin die neue besteht, habe ich nicht herausgefunden. Nur wenn ich die Zuschauer von irgendeinem häßlichen, verzerrten und sinnlosen Werk in Verzückung stehen sah, dachte ich mir im stillen: Das ist wahrscheinlich Sezession. Denn daß ein Künstler nur seinen eigenen Traum bilden solle und nicht den seiner Vorgänger, das ist so selbstverständlich, daß man dafür keine Kampfrufe und Parteinamen braucht.

Poesie und Weisheit beginnen, glaube ich, dort, wo man darauf verzichtet, sie schriftlich festzuhalten.

Immer ist die Sehnsucht in den Werken der Kunst, ja vielleicht ist die Kunst überhaupt nichts anderes als Sehnsucht, die gestaltet wird. Sie schafft sich das Unerreichbare, und dieses ist das Einzige, was wert ist, verlangt zu werden.

Es dauert sehr lange, bis eine Melodie die Welt erobert. Hat sie sich aber endlich in alle Herzen [pg 89] hinein gesungen, dann ist es auch um sie geschehen; sie ist alt, sie stirbt.

Ein Schriftsteller erhält erst dann die meisten Gesuche um Autogramme, wenn er nicht mehr schreiben kann; ich meine: nichts Rechtes.

Jedes Kunstwerk ist eine Offenbarung  des Könnens oder des Nichtkönnens.