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Hin und Her: Ein Buch für die Kinder cover

Hin und Her: Ein Buch für die Kinder

Chapter 35: 30. VOM HÄNSCHEN.
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About This Book

A collection of short German-language pieces for young readers, organized as brief poems, rhymes, dialogues, riddles and simple stories that follow everyday life and the natural year. Scenes range from morning routines, meals and trips to school to encounters with pets, birds and farmyard animals, and to seasonal celebrations including Advent, Christmas, New Year and Easter. Many items teach punctuality, helpfulness and curiosity, invite observation of weather and plants, and offer playful puzzles and songs. Texts are concise, varied in form and aimed at developing reading skills and moral and observational sensibilities in children.

The Project Gutenberg eBook of Hin und Her: Ein Buch für die Kinder

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Title: Hin und Her: Ein Buch für die Kinder

Author: Henry H. Fick

Release date: June 1, 2005 [eBook #8392]
Most recently updated: March 19, 2023

Language: German

Credits: David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks and the Online Distributed Proofreading Team

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HIN UND HER: EIN BUCH FÜR DIE KINDER ***

HIN UND HER

Ein Buch für die Kinder

Zusammengestellt von H. H. FICK

Supervisor of German, Cincinnati Public Schools


INHALT

1. Am Morgen
2. Der Tag bricht an
3. Der Hahnenruf
4. Beim Frühstück
5. Zur Schule
6. Bruder und Schwester
7. Der Specht
8. Die Uhr
9. Schuleifer
10. Rätsel
11. Unser Hof
12. Die Haustiere
13. Sprüche
14. Die Äpfel
15. Peter Faulpelz
16. Der Knabe am Bache
17. Daheim
18. Der Bau des Hauses
19. Die Wohnung der Maus
20. Karls Hase
21. Das Lied vom Monde
22. Das Mückchen und das Mädchen
23. Nasch-Ernst
24. Der blinde Geiger
25. Das Brot im Weg
26. Die schönen Drei
27. Das Vogelnest
28. Der Drache
29. Die Vöglein
30. Vom Hänschen
31. Sprüche
32. Die Schnecke
33. Die Henne und die Entlein
34. Die Tageszeiten
35. Kind und Sonne
36. Sonne und Regen
37. Astern
38. Rätsel
39. Vögel und Blumen
40. Danksagungstag
41. Vom Puter
42. Die vier Brüder
43. Die zwölf Monate
44. Die Blätter tanzen
45. Die vier Jahreszeiten
46. Winters Ankunft
47. Der Tannenbaum
48. Vogel am Fenster
49. Das Büblein auf dem Eise
50. Rätsel
51. Weihnachtsfreude
52. Schneesterne
53. Brief vom Weihnachtsmann
54. Zu Neujahr
55. Verstehst du das?
56. Der Schneemann
57. März
58. Ostergruß
59. Der Osterhase
60. Der Obstgarten
61. Sprüche
62. Die Vögel im Frühlinge
63. Das rote Hühnchen
64. Rätsel
65. Der naseweise Bello
66. Heil, Amerika!
67. Petersilie
68. Das Kind und sein Blümchen
69. Nachlässigkeit
70. Ein Rätsel
71. Was würdest du tun?
72. Was wollen wir spielen?
73. Die schlaue Katze
74. Kannst du es sagen?
75. Der Sperling
76. Das Pferd und der Esel
77. Der kluge Star
78. Der Apfelbaum
79. Der Hase und der Fuchs
80. Sprüche
81. Der Hase und die Schildkröte
82. Hasenbraten
83. Der Schein trügt
84. Der Frosch
85. Vom listigen Grasmücklein ein lustiges Stücklein
86. Ein törichter Streit
87. Herr Wind! Herr Wind!
88. Das Fünkchen
89. Rätsel
90. Das Gänseblümchen
91. Die grüne Stadt
92. Deutschland
93. Sonnenschein
94. Die Königin Luise
95. Das goldene Schloß
96. Die kleinen Müßiggänger
97. Der gute Kamerad
98. Der Goldbaum
99. Gerettet
100. Sprüche

1. AM MORGEN.

Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
Sie an mit hellem Schein
Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
Der ganze Tag ist dein.
Guten Morgen.

2. DER TAG BRICHT AN.

Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter Schein. Das ist die Morgendämmerung. Die meisten Leute schlafen noch fest, aber der Hahn ist wach und kräht ganz laut. Bald steigt die Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Vögel sind erwacht und zwitschern. Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestärkt an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glänzt der Tau. Alles ist neubelebt.

3. DER HAHNENRUF.

Im ersten Hofe kräht der Hahn,
Da fängt auch gleich der zweite an
Und denkt: "Hätt' ich's zuerst getan!"
Doch, wie der zweite kaum beginnt,
Kräht schon der dritte Hahn geschwind.
Der viert' und fünfte faul nicht sind
Und fallen schnell ins Lied mit ein,
Denn jeder will der erste sein,
Und jeder will am schönsten schrei'n.—
Bald rufen alle in der Rund',
Als ständen sie zusamm' im Bund,
Und tun die Morgenstunde kund
Aus voller Kehle laut und schnell:
"Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
So soll'n auch wir in allen Sachen,
Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
Es wie der Hahn am Morgen machen.

4. BEIM FRÜHSTÜCK

Mutter: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch! Das Frühstück ist aufgetragen!

Papa:: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!

Emma: und :Klara:: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind auch bereit und wünschen euch einen recht guten Morgen!

Mutter: und :Vater: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt aber der Karl?

Emma:und :Klara: Da kommt er!

Karl: Seid nicht böse, liebe Eltern, ich habe mich verschlafen. Es soll aber gewiß nicht wieder geschehen!

Mutter: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, daß der Papa bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herüber und gib mir die Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, für euch habe ich ein Stück Kuchen.

Karl: Bekomme ich nicht auch eins?

Mutter: Du bist zu spät gekommen! Dafür mußt du Strafe leiden. Heute ist für dich nur Brot vorhanden.

Karl: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!

Mutter: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und dann habe ich auch noch ein Ei für dich. Aber der Kuchen ist nur für die pünktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle fertig?

Kinder: Jawohl, Mama!

Mutter: Stellt eure Stühle an ihre Plätze! Jetzt könnt ihr gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!

Karl: Gerne, liebe Mutter!

Kinder: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns wieder!

5. ZUR SCHULE.

Nun hurtig vom Stuhle
Und schnell in die Schule;
Es ist an der Zeit.
Holt Hüte und Kappen,
Bringt Tafeln und Mappen;
Nehmt auch für die Pause
Euch etwas zum Schmause;
So, Kinder, jetzt seid
Zur Arbeit bereit!

6. BRUDER UND SCHWESTER.

Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine hübsche Mütze und einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, daß alles vom Regen soll naß werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muß für die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebäude begleiten. Wilhelm faßt die Schwester am Kleide, und sie treten in die Türe. Aber, siehe da, der Regen hört auf und als Emilie vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Tröpfchen mehr spüren. Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.

7. DER SPECHT.

Herr Specht! so früh schon klopfest du!
Was störte dich denn aus der Ruh'?
Es herrscht noch Stille im Erdenraum—
Du hämmerst schon am Fichtenbaum.

"Ist es auch früh, ist's nie zu früh,
An Arbeit fehlt's dem Fleiß'gen nie,—
Wer Tages etwas will gewinnen,
Der muß recht frühe schon beginnen."

8. DIE UHR.

Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und saß aufrecht im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muß ich dich viele Male rufen und schütteln, und heute bist du ganz munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch noch so müde und hätte gerne länger geschlafen. Aber da hatte auf einmal die große Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hörte ich die Uhr ganz deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich aus!"

9. SCHULEIFER.

Im Winter, wenn es frieret,
Im Winter, wenn es schneit,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so weit.

Und wenn der Kuckuck rufet,
Dann ist der Frühling da,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so nah.

Wer aber gerne lernet,
Dem ist kein Weg zu fern;
Im Frühling, wie im Winter,
Geht er zur Schule gern.

10. RÄTSEL.

Im Wasser schwimmt es, groß und klein.
Nun rat' einmal, was das mag sein!

Wer wäscht sich so rein
Und hält sich so fein
Und braucht doch kein Handtüchelein?

Ich weiß ein kleines, weißes Haus,
Hat nichts von Fenstern, Türen, Toren;
Und will sein kleiner Wirt hinaus,
So muß er erst die Wand durchbohren.

11. UNSER HOF.

Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer Ecke steht die Hundehütte. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus. Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie wäscht und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kätzchen. Die können noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fünf hübsche Hennen. Auch Tauben fliegen herbei und picken Körner auf. Seht doch den großen Puter da drüben! Der ist zornig und jagt die anderen Vögel fort.

12. DIE HAUSTIERE.

Lieb Kindchen, sag mir an,
Was ein Haustier nützen kann!
Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
Draus macht man Käse, Rahm und Butter.
Das Pferd zieht fleißig deinen Wagen
Und kann dich in die Ferne tragen.
Der Hund schützt treu dir Hof und Haus.
Die Katze lauert auf die Maus.
Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
Bringt Schinken uns und Würste ein.

13. SPRÜCHE.

Lust und Liebe zum Dinge
Macht Mühe und Arbeit geringe.

Morgen, morgen, nur nicht heute,
Sagen alle trägen Leute.

Lerne Ordnung, liebe sie;
Ordnung spart dir Zeit und Müh'.

14. DIE ÄPFEL.

Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen. Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster stand ein Korb voll Äpfel. Die waren schön gelb und rot. Gerne hätte Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die Äpfel gehören nicht mir."

Schnell wollte er wieder zur Türe hinaus. Da kam gerade Ludwigs Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte ihm beide Taschen voll Äpfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen die Knaben nun zur Schule.

15. PETER FAULPELZ.

Längst ist schon die Schule aus,
Alle Kinder sind zu Haus:
Peter nur, der faule Bube,
Muß noch sitzen in der Stube,
Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
Hat sich draußen 'rumgetrieben.
Nun geht es ihm bitterschlecht—
Faulpelz, das geschieht dir recht!

16. DER KNABE AM BACHE.

Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit seiner armen Mutter in dem kleinen Häuschen wohnt. Sie hatten für den Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache gehen und einige Fische fangen."

Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!

17. DAHEIM.

Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich für sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein großes Stück Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Küchenofen an für das Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen, das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem Kramladen Seife mit und Streichhölzchen. Auch sonst muß ich der Mutter in der Küche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich habe mein Mütterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine Weile auf der Straße mit anderen Kindern spielen.

Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und meine älteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um den großen Tisch im Eßzimmer, und der Vater erzählt, was er während des Tages in der Stadt gehört und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen unsere Schularbeiten. Da muß manchmal die liebe Mama ein wenig helfen. Später liest sie uns eine schöne Geschichte vor, oder spielt mit uns Domino und Lotto.

Ich glaube, es ist nirgends schöner als abends daheim.

18. DER BAU DES HAUSES.

"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich," sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Türen und die Fenster nicht vergessen. Ohne Türen kann man nicht in das Haus hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Türen und Fenster und lege den Fußboden. Von einem Stockwerke in das andere mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das schützt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit Küche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."

19. DIE WOHNUNG DER MAUS.

Ich frag' die Maus:
        Wo ist dein Haus?
Die Maus darauf erwidert mir:
        Sag's nicht der Katz',
        So sag' ich's dir.
        Treppauf, treppab,
Erst rechts, dann links,
Dann wieder rechts
Und dann grad' aus—
Das ist mein Haus;
Du wirst es schon erblicken!
        Die Tür ist klein,
        Und trittst du ein,
Vergiß nicht, dich zu bücken!

20. KARLS HASE

"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"

"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"

"Einen Hasen will ich schießen, Papa."

"Dann mußt du ja auf das Feld gehen."

"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der Hase."

Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze von dem Stuhle unter den Tisch sprang!

Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen, Papa?"

21. DAS LIED VOM MONDE.

Wer hat die schönsten Schäfchen?
Die hat der gold'ne Mond,
Der hinter unsern Bäumen
Am Himmel drüben wohnt.

Er kommt am späten Abend,
Wenn alles schlafen will,
Hervor aus seinem Hause
Zum Himmel leis' und still.

Dann weidet er die Schäfchen
Auf seiner blauen Flur;
Denn all' die weißen Sterne
Sind feine Schäfchen nur.

Sie tun sich nichts zuleide,
Hat eins das andre gern,
Und Schwestern sind und Brüder
Da droben Stern an Stern.

Und soll ich dir eins bringen,
So darfst du niemals schrei'n,
Mußt freundlich wie die Schäfchen
Und wie ihr Schäfer sein!

22. DAS MÜCKCHEN UND DAS MÄDCHEN.

Ein Mückchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte. Da sagte ein Mädchen, welches nebenbei saß und strickte: "Mückchen, bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mückchen aber folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis es daran seine Flügelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es dir nicht gesagt?" sprach das Mädchen. "Hättest du auf mich gehört, müßtest du jetzt nicht sterben!"

23. NASCH-ERNST.

Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.

Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes. Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es zu holen. Er biß gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen Mund. Er ließ das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.

Ernst naschte nie wieder.

24. DER BLINDE GEIGER.

Ein armer, blinder Geiger ging auf der Straße. Er suchte den Weg mit seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinüberzugehen. Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie möchten ihn doch über den Steg führen. Aber die mutwilligen Buben lachten den Geiger aus und liefen weg.

Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie gebeten wurde. Sie faßte den Blinden bei der Hand, brachte ihn über den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter bekommen hatte.

25. DAS BROT IM WEG.

Im Weg das Krümchen Brot
Tritt nicht mit deinem Fuß,
Weil's in des Hungers Not
Ein Tierlein finden muß.
Leg's auf den Stein vor'm Haus,
Und kannst du, brösel's klein:
Still dankt es dir die Maus
Und still das Vögelein.

26. DIE SCHÖNEN DREI.

Vöglein im hohen Baum,
Klein ist's, ihr seht es kaum,
Singt doch so schön,
Daß wohl von nah und fern
Alle die Leute gern
Horchen und stehn.

Blümlein im Wiesengrund
Blühen so lieb und bunt,
Tausend zugleich;
Wenn ihr vorübergeht,
Wenn ihr die Farben seht,
Freuet ihr euch.

Wässerlein fließt so fort
Immer von Ort zu Ort
Nieder ins Tal;
Dürstet nun Mensch und Vieh,
Kommen zum Bächlein sie,
Trinken zumal.

Habt ihr es auch bedacht,
Wer hat so schön gemacht
Alle die drei?
Gott, der Herr, machte sie,
Daß sich nun spät und früh
Jedes dran freu'.

27. DAS VOGELNEST.

In einem Garten lebte ein Vögelein, das sehr schön singen konnte. Es baute sich in einem Busch ein hübsches Nestchen. In dieses legte es Eier hinein und brütete Junge aus. Einmal suchte das alte Vögelein Futter für seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es samt den Jungen weg. Darüber wurde die Mutter der jungen Vögelein sehr traurig.

Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben machten sich aber nichts daraus. Endlich hörte die Schwester der bösen Knaben das Vögelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm ihren Brüdern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit dieser Zeit hatten die Vögelein das Mädchen recht lieb, und wenn es im Garten war, sangen sie noch einmal so schön wie sonst.

28. DER DRACHE.

Mein Bruder Karl hatte einen großen Drachen gemacht. Er war aus holz und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am obern eine lange, dünne Schnur.

Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es war ein schöner Tag; die Sonne schien prächtig, und es wehte ein guter Wind. Wir ließen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.

So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnügt, bis der Abend dem Spiele ein Ende machte.

29. DIE VÖGLEIN.

Warum wohl die Vöglein fliegen können?
Ei, das magst du ihnen schon gönnen.
Auf der Erde sind Tiere viel
Und haben hier und dort ihr Spiel.
Da war kein Platz für die Vögel mehr;
Das dauerte den lieben Gott so sehr,
Darum hat er ihnen Flügel gegeben,
Daß sie dort oben in Lüften schweben;
Da können sie spielen den ganzen Tag
Und haben Platz, wie viel jedes mag.

30. VOM HÄNSCHEN.

Hänschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schöner Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief: "Ach, laß doch das hübsche Tierlein gehen!" Aber Hans hörte nicht darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er schaute immer nur in die Höhe. Patsch,—fiel er in einen tiefen Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Hänschen ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.

31. SPRÜCHE.

Ein gutes Kind gehorcht geschwind
Und folgt sofort aufs erste Wort.

Was du nicht willst, das man dir tu',
Das füg' auch keinem andern zu.

Vorgetan und nachbedacht
Hat manchem großes Leid gebracht.

Quäle nie ein Tier zum Scherz,
Denn es fühlt, wie du, den Schmerz.

32. DIE SCHNECKE:

Die Schnecke ist gar übel dran.
Wie muß sie sich doch plagen!
Sie muß ihr Haus
Tagein, tagaus
Auf ihrem Rücken tragen.

Die Schnecke ist nicht übel dran.
Sie weiß sich wohl zu schützen:
Nimmt sie Gefahr
Vom Feinde wahr,—
Bleibt sie im Häuschen sitzen.

33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.

Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit zwölf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Küche. Aber siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der Nähe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf, bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Küchlein. Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Küchlein wären. Sie suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Flügel, damit ihnen kein Leid geschehe. Doch eines schönen Tages liefen die Kleinen davon. Wohin? In großer Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser! Ihr müßt ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher, und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurück.

34. DIE TAGESZEITEN.

Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, daß man sie nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die Sonne steigt nun immer höher und höher, bis sie zuletzt fast über unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen, wünschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne wieder abwärts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht sie wie eine große, feurige Kugel aus und färbt die Wolken schön rot. Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wünscht allen vor dem Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.

35. KIND UND SONNE.

Kind: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend wird? Es heißt dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du könntest immer bei uns bleiben. Das wäre so schön!

Sonne: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht wird, schlafen die Leute, und du schläfst auch. Beim Schlafen braucht man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes Land. Dort wohnen auch Menschen: Väter, Mütter und viele brave Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die größeren Kinder gehen in die Schule, um zu lernen.

Kind: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist, wohin gehst du hernach?

Sonne: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.

36. SONNE UND REGEN.

Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
So fort und immerfort!"
Der Regen sprach: "Ich will fallen
Ohn' Ende an jedem Ort!"
Die Sonne: "Du machst ja alles
Auf der Erde gang naß!"
Der Regen: "Du machst zu trocken,
Wenn du scheinst ohn' Unterlaß!"
Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
Und alles freut sich mein!"
Der Regen: "Du machst zu trocken,
Dich mag man nicht allein!"
So haben sie lang gestritten,
Doch wurden sie einig zuletzt:
Sie wollten miteinander wechseln,
Und so ist es denn auch jetzt.

37. ASTERN.

Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum einen Engel, der eine wunderschöne Blume in der Hand trug. Der Engel sagte, daß es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe hätte sie gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glänzende Samenkörner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten: "Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel droben erinnern."

38. RÄTSEL.

Loch bei Loch,
Und hält doch.
Was ist's?

Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
Keine Fenster, keine Zimmer;
Wer drin wohnt, muß es immer
Auf seinem Rücken schleppen.

Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blätter,
Schützt dich vor Sonne und im Regenwetter.

39. VÖGEL UND BLUMEN.

Die Vögel, sie fliegen wie Blätter im Wind;
Da winken die Blümlein zum Abschied geschwind.
Es singt in den Bäumen der Herbst schon sein Lied,
Fort ziehen die Vögel, die Blumen sind müd'.

Im Süden die Vögel, die Blumen im Schnee,
Sie warten, daß wieder der Frühling ersteh'.
Dann lachen die Blüten, das Vögelein singt;
Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.

40. DANKSAGUNGSTAG.

Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schön!" Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, groß und klein, haben für gar vieles dankbar zu sein. Die Kinder können sich freuen, wenn sie noch Eltern haben, die sie lieben und für sie sorgen. Erwachsene Leute sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und fröhlich Gott danken soll für allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorüber ist, kommt der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch für die Armen und Unglücklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar sein möge für das Gute und Schöne, was das Jahr gebracht hat.

41. VOM PUTER.

Puter, Puter, Polterhahn,
Hast 'ne rote Weste an,
Hast 'ne rote Nasenspitze
Und 'ne rote Zipfelmütze;
Aber das gibst du wohl zu:
Ich bin schöner doch als du!

42. DIE VIER BRÜDER.

Vier schöne Brüder kenn' ich wohl,
Geschmückt so wunderbar;
Sie kommen schon seit alter Zeit
Zu uns in jedem Jahr.
Der erste Bringt uns einen Strauß,
Streut Blumen um sich her.
Den zweiten schmückt ein goldner Kranz
Von Ähren voll und schwer.
Der dritte reicht uns Äpfel dar
Und neuen goldnen Wein.
Der vierte ist in Pelz gehüllt
Wie Schnee so weiß und rein.
Wer nennt die schönen Brüder mir,
Geschmückt so wunderbar?
Sie kommen schon seit alter Zeit
Zu uns in jedem Jahr.

43. DIE ZWÖLF MONATE.

Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
Erscheint der kalte Januar,
Dann kommt alsbald der zweite Mann,
Der Februar, in Eile an.
Der März ist nun auch nicht mehr weit,
Und der April ist bald bereit.
Ihm folgt der wunderschöne Mai,
Der Juni kommt drauf schnell herbei,
Und ist der Juli nun erst da,
So ist auch der August schon nah;
Ihm schließt sich der September an,
Und der Oktober folgt alsdann.
November ziehet schleunig ein,
Dezember wird her letzte sein.

44. DIE BLÄTTER TANZEN.

Die Bäume stehen ruhig da,
Die Blätter flüstern leise.
Hört ihr den Wind, hei, hussassa,
Bald bläst er seine Weise.

Da braust der Wind gar wild einher
Und rüttelt an den Bäumen,
Er beugt sie hin, er beugt sie her,
Läßt keine Zeit zum Träumen.

"Halt ein, du stürmischer Gesell',
Wir stehen fest wie Lanzen!"
Die Blätter aber lachen hell:
"Herr Wind, wir möchten tanzen!"

"Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
Da kann ich stark mich zeigen!"
Er Bläst die bunten Blätter fort;
Die tanzen froh den Reigen.

Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
Die Blätter sinken nieder;
Der Schnee streckt sein Decke aus,
Der Frühling hebt sie wieder.