Sechstes Kapitel.
Der Verunglückte.
In der nämlichen Zeit, in welcher der Forstgehülfe Raischbach mit den Kienspähnen in den Grund zurückgekehrt war, um seinen Hund zu suchen, kam der Kreiser Metzler von der andern Seite des „Fuchsbaues“ — wo er das Revier abgekreist hatte — heran und wollte den nächsten Weg nach der Forstei einschlagen, denn er hatte eine Menge Füchse gespürt, und wenn sie ein paar Kleppertreiben machten, konnten sie vielleicht vier oder fünf davon schießen. Da kreuzte er auf einmal Raischbach’s Fährte im Schnee und blieb erstaunt stehen, um sie näher zu betrachten.
„Alle Wetter!“ brummte er vor sich hin, „zweimal hinein, und einmal heraus, da muß er doch noch drin stecken — und dem Schuhwerk nach ist das unser Forstgehülfe; was hat der aber hier im Grund zu suchen?“
Langsam und unwillkürlich ging er eine kurze Strecke der Fährte nach, als er etwas dicht daneben auf dem Schnee liegen sah, und sich danach bückend einen kleinen Kienspahn aufhob.
„Na nu?“ sagte der Kreiser kopfschüttelnd, „er wird sich doch da drin kein Feuer anmachen wollen. Was kann der nur vorhaben?“
Er blieb einen Augenblick stehen und horchte, es wurde aber nichts laut, als er plötzlich einen Pfiff zu hören glaubte, der aber ganz dumpf und weitab klang. Antworten mochte er nicht gleich, weil er fürchtete, dem Jäger da drin vielleicht die Jagd zu verderben; aber was hatte er nur? etwa seinen Hund in einen Bau gelassen? Na ja, da kam er schön an, denn der Platz war dafür berüchtigt; wer einen guten Dachshund hatte, führte ihn dort gewiß nicht hinein, und das wußte der Forstgehülfe ja auch gut genug. Er blieb eine ganze Weile im Schnee stehen, aber es ließ sich nichts weiter vernehmen, und er beschloß endlich, lieber einmal langsam und vorsichtig auf der Spur nachzugehen.
Das that er, und bald entging dem geübten Auge des Waldläufers auch die Stelle nicht, wo der angeschossene Fuchs abgestürzt war — den Schuß hatte er überdieß gehört, wenn er auch nicht genau gewußt, von welcher Seite der Schall kam. Im Schnee klingt aber ein Schuß überhaupt dumpf, und dadurch, daß Raischbach in den Grund hineingefeuert hatte, mochte sich der Schall wohl noch mehr gebrochen haben.
„Alle Teufel!“ rief er aber plötzlich, als er zu der Felsspalte kam und dort wohl Raischbach’s Gewehr lehnen und den Jagdranzen liegen sah, sonst aber keine Spur von dem Forstgehülfen entdecken konnte.
Wohin er sich gewandt, zeigte allerdings deutlich genug der Schnee: in die Wand hinein — und dazu etwa der Kien? Wahrhaftig, da lag ein abgebrannter kleiner Spahn und etwas Asche. Der Mann schüttelte den Kopf, denn er kannte die bösen Spalten und Klüfte in der Wand hier schon seit langen, langen Jahren. — Aber wenn er da drinnen stak, mußte er wenigstens Antwort geben, und dort konnte er auch durch ein Bischen Lärm nichts verderben. Er stellte also seine alte Flinte ebenfalls draußen ab, drängte sich ein Stück in die Spalte hinein und rief den Forstgehülfen bei Namen — keine Antwort folgte; er pfiff auf dem Finger — mit dem nämlichen Erfolg. Er wartete eine Weile und rief nochmals — immer dasselbe. Da drinnen herrschte Todtenstille, und kein Laut ließ sich hören, kein Hundewinseln oder Bellen, wenn der Dachs vielleicht noch hinter seiner Beute hergewesen wäre.
„Herr Raischbach!“ schrie der Kreiser noch einmal, denn diese Stille wurde ihm unheimlich. Sollte dem jungen Mann ein Unglück zugestoßen sein? „Herr Raischbach!“ er schrie so laut er konnte; er hätte ihn da drin hören müssen, denn der Schall der Stimme donnerte an den Wänden hin. — Keine Antwort erfolgte, und dem Mann wurde es jetzt selber unbehaglich in dem dunkeln Loch. Allein konnte er auch gar nichts ausrichten, denn passirte ihm ebenfalls etwas, so waren sie Beide verloren, und Niemand hätte gewußt, besonders wenn der Schnee wieder wegging, wo sie geblieben wären.
Vorsichtig glitt er zurück, nahm draußen seine Flinte wieder, ließ aber natürlich die des Forstgehülfen stehen, und eilte jetzt, so rasch er konnte, in den Wald hinauf und der Forstei zu. Unterwegs traf er ein paar Holzmacher, die er augenblicklich mitnahm, denn er wußte nicht, wie man sie gebrauchen konnte, und war nur froh, daß er den ebenfalls gerade von einer Pirsche zurückgekehrten Förster zu Hause fand.
Der alte Buschmann erschrak, als ihm Metzler Bericht abstattete, und lief, ohne ein Wort zu sprechen, eine ganze Weile im Zimmer auf und ab und kratzte sich das weiße Haar. Er war aber kein Mann, der sich lange mit Ueberlegen abgegeben hätte, denn er wußte recht gut, wie er hier zu handeln hatte.
„Metzler,“ sagte er plötzlich vor diesem stehen bleibend, „Euch hat der liebe Gott vielleicht zur rechten Zeit an den verdammten Platz geführt. Wie viel Holzhauer habt Ihr bei Euch?“
„Zwei, Herr Förster.“
„Gut; zwei andere arbeiten gleich drüben am schwarzen Bach. Die Lisei soll augenblicklich hinlaufen und sie abrufen. Den Müller habe ich zu der neuen Pirschhütte geschickt, den finden wir unterwegs, und von den Forstschutzleuten liegen zwei, die gerade die Nacht draußen waren, oben und schlafen. Die müssen auch mit, dann sind wir Leute genug.“
„Und brauchen wir sonst was, Herr Förster?“
„Gewiß — meine Frau soll Euch gleich einmal die Laterne mit ein paar Lichtern geben — oben auf dem Boden habe ich auch noch zwei Pechfackeln, die holt ebenfalls. Dann nehmt das starke neue Heuseil mit — und eine Schaufel und Spitzhack ebenfalls, der liebe Gott weiß, was wir brauchen. Die Holzmacher sollen auch ihre Aexte nicht vergessen und noch ein paar kurze Seile — weiter wird wohl nichts nöthig sein. — Und meine Frau soll mir die Schnapsflasche füllen. — Es war reiner Wahnsinn von dem Menschen, dort hinein zu kriechen.“
„Schön, Herr Förster.“
„Vergeßt mir nur nichts, Metzler — zwei Lichter wollen wir mitnehmen und Feuerzeug — na, das nehme ich selber, und ein Bischen rasch, denn wir haben keine Zeit zu verlieren.“
Der alte Mann befand sich in großer Aufregung, dachte aber dabei an Alles, und kaum eine halbe Stunde später war die kleine Kolonne vollständig gerüstet auf ihrem Weg nach dem Fuchsbau, um den, wie man allen Grund zu vermuthen hatte, Verunglückten aufzusuchen und zu retten. In kaum einer Stunde hatten sie auch den Platz erreicht, stiegen an den Felsen hinab und sahen hier augenblicklich, daß Raischbach den Grund noch nicht verlassen haben konnte — die Fährten waren noch, wie sie Metzler gelassen, und als sie dorthin einbogen, lehnte auch noch das Gewehr draußen an der Felsspalte.
Der Förster selber schrie jetzt ein paar Male in den Bau hinein, erhielt aber eben so wenig Antwort, wie vorher sein Kreiser, und sie verloren nun auch nicht viel Zeit, um ihr Rettungswerk vorzubereiten.
Vor allen Dingen wurde eine der Pechfackeln angezündet und der Kreiser Müller, den sie abgerufen hatten, ein junger, gewandter Bursche, damit voran hineingeschickt, um zuerst einmal das Terrain genau zu rekognosziren. Buschmann warnte ihn aber, auch nur einen voreiligen Schritt zu thun, und rieth ihm an, Zoll für Zoll weiter zu rücken und mit der Fackel immer vor sich auf den Boden zu leuchten, damit er das Uebel nicht noch schlimmer mache und ebenfalls zu Schaden käme.
Müller war auch der richtige Mann dazu und kroch unerschrocken in die Spalte hinein, während seine Begleiter indessen in ziemlicher Ungeduld seine Rückkehr erwarteten. Er blieb aber nicht lange; bald sahen sie den Schein der Fackel wieder; aber sein Bericht lautete nichts weniger als tröstlich.
Kaum zwanzig Schritt drin, wo die Höhle indessen so geräumig sein sollte, daß vier Mann, und vielleicht noch mehr, bequem neben einander stehen konnten, machte sie eine kleine Biegung, und dort ging eine tiefe Spalte hinab. Da hinein war auch der Forstgehülfe gefallen, denn er hatte seine Fährten in dem weichen Boden gesehen und auch einen angebrannten Kienspahn am Rand gefunden.
„Und war nichts von ihm zu sehen gewesen?“
Zu weit hatte er sich, wie er sagte, nicht hineingetraut, um nicht ebenfalls auszurutschen. Dort hinab schien es aber tief und dabei stockdunkel — es ließ sich nicht das Mindeste erkennen.
Und was konnte man jetzt thun?
Müller machte einen Vorschlag. Ihre Aexte hatten sie mit; wenn sie ein paar starke Stangen abhieben und quer über die Spalte legten, so war es vielleicht möglich, sich hinauszuwagen, um nur erst einmal zu erfahren, wie tief es wäre. Nachher könne man sich auch vielleicht an einem Seil hinablassen.
Der alte Förster schüttelte mit dem Kopf; es war ihm nicht recht, daß seine Kreiser über eine Sache eine Disposition treffen sollten, wo er daneben stand und gar nichts davon wußte.
„Ich will Euch was sagen, Müller,“ meinte er, „ich werde erst selber einmal hineingucken, um zu sehen wie der Hase läuft.“
„Aber, Herr Förster!“ rief Metzler erschreckt, „ich bitte Sie um Gottes willen — wenn Ihnen dann auch —“
„Seid kein Esel, Metzler,“ sagte der Förster, „ich werde mich schon in Acht nehmen, habt keine Sorge.“ Und damit warf der alte Mann richtig seine Sachen ab, zog sogar seinen Rock aus, nahm die Pechfackel und trat getrost seine Wanderung an. Er wußte ja auch jetzt, wo die Gefahr eigentlich begann, und es dauerte gar nicht lange, so hatte er den Platz erreicht und übersah jetzt leicht, was hier zu thun sei, um dem jedenfalls Verunglückten Hülfe zu bringen. Müller hatte ganz recht, ein paar Stangen konnten leicht quer übergelegt werden, denn die Spalte mochte kaum vier Fuß breit sein; aber es mußten dann auch Querhölzer daran geschnürt werden, damit man einen festen Halt darauf bekam. Das war also vor allen Dingen fertig zu machen, alles Weitere mußte verschoben werden, bis man von dort aus rekognosziren konnte.
Der alte Mann versäumte auch keine Zeit. Mit fast Jugendfrische kroch er zurück und eilte dann selbst mit den Holzmachern in den Wald hinaus, um die nöthigen Hölzer in der gehörigen Länge abzuschneiden. Zusammengebunden mußten sie freilich erst in der Höhle selber werden, da man sie sonst nicht hineingebracht hätte; aber das ging ja auch leicht an, da der Raum da drinnen gar nicht so beschränkt war, so daß man sich ziemlich frei bewegen konnte.
Der Förster hatte allerdings, schon wie er das erste Mal in der Höhle war, wieder und wieder hinabgerufen, um zu hören, ob der Forstgehülfe noch am Leben sei; aber er horchte vergebens. Ein paar Mal war es ihm, als ob er da unten ein dumpfes Brausen höre, und einmal hätte er darauf schwören mögen, daß er Hundegebell vernommen. Jagte der Dachs noch? — aber dann klang es auch wieder wie das ferne Heulen des Windes, und zuletzt summte es ihm vor den Ohren, daß er gar nicht mehr im Stande war, etwas Bestimmtes zu unterscheiden.
Müller und Metzler mußten jetzt mit in die Spalte kriechen, und während ihnen der Förster mit der Fackel leuchtete, schnürten sie unter seiner Leitung eine Art Gestell zusammen, das fest genug war, drei Mann mit Leichtigkeit zu tragen, und jetzt erst begann die nähere Untersuchung der Felsspalte, in welche der unvorsichtige Forstgehülfe jedenfalls hinabgestürzt sein mußte.
Zu diesem Zweck mußte die Laterne herbeigeschafft werden, die Buschmann an ein Seil band und dann selber vorsichtig über den hier ziemlich schlüpfrigen Boden hinaus auf das Gestell rutschte, um von dort aus die Laterne hinabzulassen.
Die Spalte war aber tiefer als er selber geglaubt — es ging ein ganz verwünschtes Stück hinunter, und das trüb brennende Talglicht verbreitete dort unten lange nicht genug Helle, um irgend etwas deutlich zu unterscheiden.
„Es kann nichts helfen, Müller,“ sagte da der Förster, „Ihr seid von uns der Leichteste und müßt einmal hinunter — bindet Euch das Seil um den Leib und laßt dann die Anderen draußen mit hereinkommen und anfassen, dann rutscht in Gottes Namen. Hier an der einen Seite scheint auch feuchter Lehmboden zu sein, und Ihr findet vielleicht unterwegs einen Fußhalt.“
Es wurde weiter kein Wort gesprochen. Metzler, ein durchaus praktischer Kopf, hatte das rasch geordnet; die Holzmacher und Forstschutzleute wurden nacheinander durch die Felsspalte postirt, so daß Jeder einen festen Halt an dem Seil bekam. Müller knotete sich dasselbe dann fest unter den Schultern durch, und sich auf den Boden setzend gab er Befehl, langsam nach und nach ihn hinunter zu lassen. Der Förster saß dabei noch immer auf dem Gestell und ließ jetzt die Laterne langsam mit dem Niedergleitenden sinken, so daß dieser doch immer etwas Licht um sich hatte und sehen konnte, wo er sich befand.
Es war ein Augenblick peinlicher Erwartung, als der junge Kreiser endlich Boden unter sich fühlte und „Halt!“ rief, damit die Leute oben nicht zu viel Seil nachließen und er dann vielleicht noch tiefer abrutschte. Der Förster hielt ihm dabei die Laterne so, daß er sie mit der Hand erreichen konnte, und der Mann nahm sie, um umher zu leuchten. Es dauerte aber nur wenige Sekunden, als er schon ausrief: „Hier liegt er.“
„Du großer Gott!“ stöhnte der alte Förster; „ist er todt?“
„Ja, ich weiß nicht,“ sagte der Mann, und seine Stimme klang von unten herauf dumpf und hohl — „er fühlt sich aber noch warm an — und da liegt auch der Dachshund und der Fuchs — er ist mit dem Kopf gerad auf seinen Dachs gestürzt. Das sieht gut hier unten aus.“
„Und wie kriegen wir ihn herauf, Müller?“
„Ja, ich weiß nicht — das wird ein bös Stück Arbeit werden.“
„Könnt Ihr nicht Stufen in die Lehmwand hauen?“
„Das ginge vielleicht,“ sagte der Mann nach einer Weile. „Jedenfalls muß aber von oben nachgeholfen werden, und dazu ist am Ende das Gestell nicht stark genug.“
„Wir legen noch ein paar stärkere Stangen hinüber. Wollt Ihr die Spitzhacke haben?“
„Ja — aber Sie müssen sie langsam herunterlassen, sonst fällt sie Einem von uns auf den Kopf. Das Seil können Sie locker lassen — es geht hier nicht weiter ab — nur in den Berg hinein zieht sich noch eine Spalte.“
Die nöthigen Vorkehrungen nahmen jetzt wieder eine gute Weile in Anspruch — es mußten noch ein paar starke Stangen draußen abgehauen und herbeigeschafft werden, was immer eine längere Zeit dauerte. Müller hatte sich indessen bemüht, den Forstgehülfen zum Bewußtsein zu bringen, aber vergebens. Der Förster ließ ihm seine Flasche Branntwein hinab, daß er ihm damit die Schläfe waschen sollte, aber es half nichts — er blieb still und regungslos liegen und schien nicht zu fühlen, was um ihm her vorging.
Müller bekam auch jetzt die Spitzhacke hinab, aber das Einhauen ging nicht so leicht, als er gedacht, da er nicht ordentlich ausholen konnte. Trotzdem aber hackte er doch in etwa vier Fuß vom Boden der Höhle einen Platz ein, wo ein Mann fest stehen konnte, und bis dahin Stufen hinauf, und wie er das erst fertig hatte, gelang es ihm auch weiter oben noch einen Stand zu Wege zu bringen, von dem aus er wenigstens nachhelfen konnte.
Jetzt begann das Aufwinden des Verunglückten. Müller hatte ihm so vorsichtig als irgend möglich sein Seil unter den Armen durchgezogen, stützte ihm dann den Kopf und gab das Zeichen zum Anziehen. Es war allerdings ein schwer Stück Arbeit, aber dadurch, daß Müller unten einen festen Halt bekommen hatte und höher steigen und nachhelfen konnte, ging es doch, wenn auch freilich nur sehr langsam. Die Höhe oder vielmehr Tiefe der ganzen Spalte mochte etwa zwanzig Fuß betragen, und nur dadurch, daß der Förster oben einen starken Pflock in den Boden hatte einschlagen lassen, um den sie das Seil manchmal schlagen und dann rasten konnten, gelang es in verhältnißmäßig kurzer Zeit, den schweren Körper des bewußtlosen Mannes nach und nach so weit in die Höhe zu bekommen, daß sie ihn endlich oben an den Kleidern fassen und auf den Rand der Spalte bringen konnten. An’s Freie schafften sie ihn dann schnell. Wo es ging, wurde er dann getragen, wo es zu eng wurde, gezogen, und draußen rieben sie ihm Stirn und Schläfe mit Schnee, und suchten ihn durch alle erdenklichen Mittel wieder zum Leben zurückzubringen. Aber es blieb Alles vergeblich und ihnen zuletzt nichts weiter übrig, als eine Tragbahre herzustellen und ihn damit zur Forstei zu schaffen. Von dort sollte dann augenblicklich ein Bote in den nächsten Ort gesandt werden, um einen Wundarzt herbeizuholen.
Der Förster wollte übrigens auch den so theuer erkauften Fuchs mitnehmen, den Müller unten mit dem todten Dachshund und der Spitzhacke zusammenbinden mußte, und erst als sie das Alles oben hatten, ließ sich der junge Kreiser das Seil wieder herunter geben, schnürte sich selber daran fest, kletterte dann, so weit er eingehauen hatte, nach und wurde die letzte Strecke in die Höhe gewunden. Das Gestell blieb noch vor der Hand in der Höhle, da man keinen Augenblick Zeit versäumen wollte, um den Bewußtlosen fortzuschaffen und ihm ärztliche Hülfe zu bringen. Er kam auch nicht auf dem Weg zu sich; Leben war noch in ihm und eigentliche böse Verletzungen ließen sich nirgends an ihm entdecken. Möglich, daß auch der Sturz auf seinen Hund, der freilich dem armen Dachs das Rückgrat knickte, seinen Fall in etwas gebrochen hatte, denn wie Müller aussagte, lagen dort unten eine Menge scharfer Steine. Das Alles aber mußte der Arzt entscheiden, wenn er kam, und bis dahin konnten sie nichts für den Armen thun, als ihn eben so sorgsam als möglich nach Haus und auf sein Bett schaffen, wo er ja jede nöthige Pflege hatte.