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Hunger cover

Hunger

Chapter 6: Werbung
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About This Book

A first-person narrator wanders an unnamed city in extreme poverty, his starving body and frayed pride shaping episodic, stream-of-consciousness scenes. He seeks odd jobs and tries to sell articles while enduring repeated humiliations, social slights, and creeping mental instability. Starvation warps perception, producing prideful defiance, petty theft, hallucinations, and bursts of creative energy; brief encounters with passersby and the urban environment trace a deteriorating blend of dignity and self-deception as he oscillates between hope and despair.

Was fehlt Ihnen? fragte ein Mann.

Ich antwortete nicht, eilte nur fort, mein Gesicht vor allen Menschen verbergend.

Ich kam zu den Hafenspeichern hinunter. Eine große Barke mit russischer Flagge lag da und löschte Kohlen; auf der Seite las ich ihren Namen, „Copégoro”. Eine Zeitlang zerstreute es mich, zu beobachten, was an Bord dieses fremden Schiffes vorging. Es mußte beinahe fertig gelöscht haben, die Wasserlinie ragte schon neun Fuß hoch heraus, trotz des Ballastes, den es wohl führte, und wenn die Kohlenträger mit ihren schweren Stiefeln über das Deck hinstampften, dröhnte es hohl im ganzen Schiff.

Die Sonne, das Licht, der salzige Hauch vom Meer, das ganze geschäftige und lustige Treiben richteten mich auf und ließen mein Blut wieder lebhafter klopfen. Plötzlich fiel mir ein, daß ich vielleicht ein paar Szenen meines Dramas fertigstellen könnte, während ich hier saß. Und ich zog die Blätter aus der Tasche.

Ich versuchte die Replik eines Mönches zu formen, eine Replik, die von Kraft und Intoleranz strotzen sollte; aber es glückte mir nicht. Ich übersprang den Mönch und wollte eine Rede ausarbeiten, die Rede des Richters an die Tempelschänderin, und ich schrieb eine halbe Seite dieser Rede, dann hielt ich an. Es wollte nicht der richtige Geist über meine Worte kommen. Die Geschäftigkeit um mich her, die Aufgesänge, der Lärm der Gangspille und das ununterbrochene Rasseln der Eisenketten paßten so gar nicht in die Luft des dumpfen, moderigen Mittelalters, die wie ein Nebel über meinem Drama liegen sollte. Ich packte die Papiere zusammen und stand auf.

Aber trotzdem war ich herrlich ins Gleiten gekommen und fühlte klar, daß ich etwas ausrichten würde, wenn jetzt alles gut ginge. Wenn ich nur einen Platz wüßte, an dem ich mich aufhalten könnte! Ich dachte nach, blieb mitten auf der Straße stehen und dachte nach, wußte aber keinen einzigen stillen Ort in der ganzen Stadt, wohin ich mich für eine Weile hätte zurückziehen können. Es blieb kein anderer Ausweg, ich mußte in das Logishaus „Vaterland” zurück. Ich krümmte mich bei diesem Gedanken und sagte mir die ganze Zeit, daß das nicht anginge, aber ich glitt doch vorwärts und näherte mich beständig dem verbotenen Ort. Gewiß war es jämmerlich, das gab ich mir selbst zu, ja es war schmählich, richtig schmählich; aber da half nichts. Ich war nicht im geringsten hochmütig, ich durfte ruhig sagen, daß ich einer der am wenigsten hochmütigen Menschen war, die es heutzutage gab. Und ich ging.

An der Türe blieb ich stehen und überlegte noch einmal. Doch, gehe es wie es wolle, ich mußte es wagen! Um welche Bagatelle drehte es sich doch eigentlich? Erstens sollte es ja nur einige Stunden dauern, zweitens mochte Gott verhüten, daß ich später jemals wieder meine Zuflucht zu diesem Hause nahm. Ich ging in den Hof. Noch während ich über diese holperigen Steine im Hofplatz schritt, war ich wieder unentschlossen und hätte beinahe an der Türe kehrt gemacht. Ich biß die Zähne zusammen. Nein, nur keinen falschen Stolz! Schlimmstenfalls konnte ich mich damit entschuldigen, daß ich gekommen war, um Lebewohl zu sagen, um ordentlich Abschied zu nehmen und eine Verabredung wegen meiner kleinen Schuld zu treffen. Ich öffnete die Türe zum Vorzimmer.

Drinnen blieb ich wie angenagelt stehen. Gleich vor mir, nur im Abstand von zwei Schritten, war der Wirt selbst, ohne Hut und ohne Rock, und schaute durch das Schlüsselloch in das Zimmer der Familie. Er bedeutete mir mit einer stummen Bewegung der Hand, mich still zu verhalten, und schaute wieder durch das Schlüsselloch. Er stand da und lachte.

Kommen Sie her! sagte er flüsternd.

Ich näherte mich auf den Zehen.

Sehen Sie nur! sagte er und lachte mit einem leisen und heftigen Lachen. Schauen Sie hinein! Hihi! da liegen sie! Sehen Sie den Alten an! Können Sie den Alten sehen?

Im Bett, gerade unter dem Christus in Öldruck, und mir gegenüber, sah ich zwei Gestalten, die Wirtin und den fremden Steuermann; ihre Beine schimmerten weiß gegen das dunkle Federbett. Und im Bette an der anderen Wand saß ihr Vater, der lahme Greis, und sah über seine Hände gebeugt zu, wie gewöhnlich zusammengekrochen, ohne sich rühren zu können....

Ich drehte mich zu meinem Wirt um. Es kostete ihn die größte Mühe, nicht laut loszulachen. Er hielt sich die Nase zu.

Sahen Sie den Alten? flüsterte er. Mein Gott, sahen Sie den Alten? Da sitzt er und sieht zu! Und wieder neigte er sich zum Schlüsselloch herunter.

Ich ging ans Fenster und setzte mich nieder. Dieser Anblick hatte unbarmherzig alle meine Gedanken in Unordnung gebracht und meine reiche Stimmung ganz verschüttet. Nun, was ging es mich an? Wenn sich der Mann selbst darein fand, ja sogar sein großes Vergnügen daran hatte, so war für mich kein Grund vorhanden, es mir nahe gehen zu lassen. Und was den Greis betraf, so war der Greis eben ein Greis. Er sah es vielleicht nicht einmal; vielleicht saß er da und schlief. Gott weiß, ob er nicht sogar tot war. Es würde mich nicht wundern, wenn er dasäße und tot wäre, und ich machte mir kein Gewissen daraus.

Wieder nahm ich meine Papiere hervor und wollte alle nicht hierher gehörenden Gedanken zurückdrängen. Ich war mitten in einem Satz der Rede des Richters stehengeblieben: So befiehlt mir denn Gott und das Gesetz, so befiehlt mir denn der Rat der weisen Männer, befiehlt mir mein eigenes Gewissen.... Ich sah zum Fenster hinaus, um nachzudenken, was ihm sein eigenes Gewissen befehlen sollte. Aus dem Zimmer drang schwacher Lärm. Nun, das ging mich nichts an, gar nichts. Der Greis war außerdem tot, starb morgen vielleicht gegen vier Uhr. Es war mir also herzlich gleichgültig, was der Lärm bedeutete; warum zum Teufel saß ich da und machte mir darüber Gedanken? Ruhig jetzt!

So befiehlt mir denn mein eigenes Gewissen....

Aber alles hatte sich gegen mich verschworen. Der Mann stand durchaus nicht ganz ruhig an seinem Schlüsselloch, hie und da hörte ich sein unterdrücktes Lachen und sah, wie er sich schüttelte; auch auf der Straße ging manches vor, das mich zerstreute. Ein kleiner Junge saß auf dem anderen Gehsteig in der Sonne und bastelte für sich allein; er war ganz ahnungslos, knüpfte nur einige Papierstreifen zusammen und machte niemand Verdruß. Plötzlich springt er auf und flucht. Er geht nach rückwärts auf die Straße hinaus und erblickt einen Mann, einen erwachsenen Mann mit rotem Bart, der sich aus einem offenen Fenster im ersten Stock herauslehnt — und ihm auf den Kopf gespuckt hatte. Der Kleine heulte vor Zorn und fluchte ohnmächtig zum Fenster hinauf, und der Mann lachte ihm ins Gesicht; so vergingen vielleicht fünf Minuten. Ich wandte mich ab, um das Weinen des Knaben nicht zu sehen.

So befiehlt mir denn mein eigenes Gewissen, daß....

Es war mir unmöglich, weiter zu kommen. Zuletzt begann es vor mir zu flimmern; ich fand, daß alles, was ich bereits geschrieben hatte, unbrauchbar, ja daß das Ganze ein fürchterlicher Unsinn war. Man konnte gar nicht vom Gewissen im Mittelalter sprechen, das Gewissen wurde erst von dem Tanzlehrer Shakespeare erfunden, folglich war meine ganze Rede unrichtig. Stand dann also gar nichts Gutes in diesen Blättern? Ich durchlief sie rasch von neuem und löste sofort meine Zweifel; ich fand großartige Stellen, ganz lange Stücke von großer Merkwürdigkeit. Und nochmals jagte der berauschende Drang durch meine Brust, wieder anzupacken und das Drama zu Ende zu bringen.

Ich erhob mich und ging zur Türe ohne auf die wütenden Zeichen des Wirtes zu achten. Bestimmt und festen Sinnes ging ich aus dem Vorraum, stieg die Treppe zum ersten Stock hinauf und trat in mein altes Zimmer. Der Steuermann war ja nicht da, und was also hinderte mich, einen Augenblick hier zu sitzen? Ich würde nichts von seinen Sachen berühren, ich würde nicht einmal seinen Tisch benutzen, sondern mich auf einem Stuhl an der Türe niederlassen und damit zufrieden sein. Heftig falte ich die Papiere auf meinen Knien auseinander.

Jetzt ging es einige Minuten lang ganz ausgezeichnet. Replik auf Replik entstand vollkommen fertig in meinem Kopf, und ich schrieb ununterbrochen. Eine Seite nach der anderen füllt sich. Ich setze über Stock und Stein, winsle leise vor Entzücken über meine gute Stimmung und weiß beinahe nichts von mir selbst. Der einzige Laut, den ich in diesen Minuten höre, ist mein eigenes frohes Gewinsel. Auch eine besonders glückliche Idee mit einer Kirchenglocke, die an einem bestimmten Punkt im Drama mit ihrem Geläut einfallen sollte, kam mir in den Kopf. Alles ging überwältigend.

Da höre ich Schritte auf der Treppe. Ich bebe und bin beinahe außer mir, sitze sozusagen auf dem Sprung, scheu, wachsam, voller Angst vor allem und vom Hunger erregt; ich lausche nervös, halte den Bleistift still in der Hand und lausche, ich kann kein Wort mehr schreiben. Die Türe geht auf; das Paar aus der Stube unten tritt ein.

Noch bevor ich Zeit finde, um Entschuldigung zu bitten, ruft die Wirtin wie aus allen Wolken gefallen: Nein, Gott tröste und helfe uns, nun sitzt er doch wieder hier!

Entschuldigen Sie! sagte ich und wollte mehr sagen, kam aber nicht weiter.

Die Wirtin öffnete die Türe weit und schrie:

Wenn Sie sich jetzt nicht fortscheren, dann hole ich, Gott verdamm mich, die Polizei.

Ich erhob mich.

Ich wollte Ihnen nur Lebewohl sagen, murmelte ich, und deshalb mußte ich auf Sie warten. Ich habe nichts berührt, ich saß hier auf dem Stuhl....

Ja, das macht ja nichts, sagte der Steuermann. Was zum Teufel schadet das? Lassen Sie doch den Mann!

Als ich die Treppe hinuntergekommen war, wurde ich mit einem Mal rasend gegen dieses dicke aufgeschwollene Weib, das mir auf den Fersen folgte, um mich so rasch wie möglich fortzubringen, und ich stand einen Augenblick still, den Mund voll der wüstesten Schimpfnamen, bereit, sie ihr entgegenzuschleudern. Aber ich bedachte mich zur rechten Zeit und schwieg, schwieg aus Dankbarkeit gegen den fremden Mann, der hinter ihr ging und es hören konnte. Die Wirtin folgte mir beständig und schalt unaufhörlich, während mein Zorn gleichzeitig mit jedem Schritt, den ich machte, zunahm.

Wir kamen in den Hof hinunter, ich ging ganz langsam, noch überlegend, ob ich mich mit der Wirtin abgeben sollte. In diesem Augenblick war ich von Wut ganz verstört, und ich dachte an das schlimmste Blutvergießen, an einen Stoß, der sie auf der Stelle tot hinwerfen würde, einen Tritt vor den Bauch. Ein Dienstmann geht an mir vorbei ins Tor, er grüßt, und ich antworte nicht. Er wendet sich an die Madam hinter mir und ich höre, daß er nach mir fragt; aber ich drehe mich nicht um.

Ein paar Schritte außerhalb des Tores holt mich der Dienstmann ein, grüßt wieder und hält mich an. Er gibt mir einen Brief. Heftig und unwillig reiße ich ihn auf, aus dem Umschlag fällt ein Zehnkronenschein, aber kein Brief, nicht ein Wort.

Ich sehe den Mann an und frage:

Was sind das für Narrenstreiche? Von wem ist der Brief?

Ja, das weiß ich nicht, antwortet er, eine Dame hat ihn mir gegeben.

Ich stand still. Der Dienstmann ging. Da stecke ich den Schein wieder in den Umschlag, knülle das Ganze fest zusammen, kehre um und gehe zur Wirtin, die mir vom Tor aus immer noch nachschaut, und werfe ihr den Schein ins Gesicht. Ich sagte nichts, äußerte keine Silbe, ich beobachtete nur, ehe ich ging, daß sie das verknüllte Papier untersuchte....

He, das konnte man ein Auftreten nennen! Nichts sagen, das Pack nicht anreden, sondern einen großen Geldschein ganz ruhig zusammenknüllen und ihn seinen Verfolgern vor die Füße werfen. Das konnte man ein würdiges Auftreten nennen! So mußte man sie behandeln, diese Tiere!....

An die Ecke der Tomtestraße und des Bahnhofsplatzes gekommen, begann die Straße plötzlich sich vor meinen Augen rund herum zu drehen, es sauste leer in meinem Kopf, und ich fiel an eine Hauswand. Ich konnte einfach nicht mehr weitergehen, konnte mich nicht einmal aus meiner schiefen Stellung aufrichten; ich blieb so stehen, wie ich an die Wand gefallen war und fühlte, daß ich die Besinnung verlor. Mein wahnsinniger Zorn wurde durch diesen Anfall der Erschöpfung nur vermehrt, und ich hob den Fuß und stampfte auf das Pflaster. Ich versuchte noch alles mögliche, um zu Kräften zu kommen, biß die Zähne zusammen, runzelte die Stirn, rollte verzweifelt die Augen, und schließlich begann es zu helfen. Meine Gedanken wurden klar, ich verstand, daß ich im Begriff war, mich aufzulösen. Ich hielt die Hände vor und stieß mich von der Mauer ab; die Straße tanzte immer noch um mich. Vor Wut begann ich zu schluchzen, und ich stritt aus innerster Seele mit meiner Schwäche, hielt tapfer stand, um nicht umzufallen; ich wollte nicht zusammensinken, ich wollte stehend sterben. Ein Lastkarren rollte langsam vorbei, und ich sehe, daß Kartoffeln auf dem Karren liegen, aber aus Wut, aus Halsstarrigkeit, behaupte ich, daß es durchaus nicht Kartoffeln seien, sondern Kohlköpfe, und ich schwor grausam darauf, daß es Kohlköpfe wären. Ich hörte gut, was ich sagte, und bewußt beschwor ich immer wieder diese Lüge, nur um die angenehme Befriedigung zu haben, daß ich einen groben Meineid begehe. Ich berauschte mich an dieser beispiellosen Sünde, ich streckte meine drei Finger in die Luft und schwor mit zitternden Lippen im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, daß es Kohlköpfe seien.

Die Zeit verging. Ich ließ mich auf eine Stufe niederfallen und trocknete mir den Schweiß von Hals und Stirn, sog die Luft ein und zwang mich, ruhig zu sein. Die Sonne glitt nieder, es ging auf den Abend zu. Wieder begann ich über meine Lage nachzugrübeln; der Hunger wurde schamlos, und in einigen Stunden würde es wiederum Nacht sein. Es galt Rat zu schaffen, solange noch Zeit war. Meine Gedanken fingen wieder an, um das Logishaus zu kreisen, aus dem ich vertrieben worden war; ich wollte durchaus nicht dahin zurückkehren, konnte aber trotzdem nicht unterlassen, immer wieder daran zu denken. Eigentlich war die Frau in ihrem guten Recht gewesen, als sie mich hinauswarf. Wie konnte ich erwarten, bei jemand wohnen zu dürfen, wenn ich nicht dafür bezahlte? Sie hatte mir obendrein hie und da Essen gegeben; sogar gestern, als ich sie gereizt hatte, hatte sie mir zwei Butterbrote angeboten, sie mir aus Gutmütigkeit angeboten, denn sie wußte, daß ich sie brauchte. Ich hatte mich also über nichts zu beklagen, und während ich auf der Treppe saß, begann ich sie im stillen wegen meines Betragens um Vergebung zu bitten und zu betteln. Bitterlich bereute ich besonders, daß ich mich ihr zuletzt undankbar gezeigt und ihr den Geldschein ins Gesicht geworfen hatte....

Zehn Kronen! Ich stieß einen Pfiff aus. Woher kam der Brief, den der Bote gebracht hatte? Erst in diesem Augenblick dachte ich klar darüber nach und ahnte sofort, wie das Ganze zusammenhing. Krank vor Schmerz und Scham, flüsterte ich mehrere Male Ylajali mit heiserer Stimme und schüttelte den Kopf. Hatte ich mich nicht erst noch gestern entschlossen, stolz an ihr vorbeizugehen, wenn ich sie träfe, und ihr die größte Gleichgültigkeit zu zeigen? Und statt dessen hatte ich nur ihr Mitleid erregt und ihr einen Barmherzigkeitsschilling entlockt. Nein, nein, nein, meine Erniedrigung nahm kein Ende! Nicht einmal ihr gegenüber hatte ich eine anständige Stellung behaupten können; ich sank, sank nach allen Seiten, wohin ich mich wandte, sank in die Knie, sank unter, tauchte unter in Unehre und kam niemals wieder empor, niemals! Tiefer ging es nicht mehr! Zehn Kronen als Almosen anzunehmen ohne sie dem heimlichen Geber zurückschleudern zu können, mit beiden Händen die Schillinge, wo sie sich mir boten, aufzuraffen und sie zu behalten, sie als Bezahlung für die Unterkunft zu verwenden, trotz eigenen innersten Widerwillens ....

Konnte ich diese zehn Kronen nicht auf irgendeine Weise wieder herbeischaffen? Zur Wirtin zurückzugehen, um den Schein von ihr wieder ausgehändigt zu bekommen, nützte wohl kaum. Wenn ich nachdachte, mußte es wohl auch noch eine andere Lösung geben, wenn ich mich nur richtig anstrengte und nachdachte. Hier war, bei Gott, nicht genug damit getan, auf gewöhnliche Art zu denken, ich mußte denken, daß es mir durch den ganzen Körper ging, und einen Ausweg wegen dieser zehn Kronen finden. Und ich begann aus Leibeskräften nachzudenken.

Es war wohl ungefähr vier Uhr, in ein paar Stunden hätte ich vielleicht den Theaterchef aufsuchen können, wenn ich nur mein Drama fertiggehabt hätte. Ich hole mein Manuskript hervor und will mit aller Gewalt die letzten drei, vier Szenen beenden; ich denke und schwitze und lese alles vom Anfang an durch, komme aber nicht vorwärts. Keinen Blödsinn, sage ich, keine Halsstarrigkeit! Und ich schreibe darauf los, schreibe alles nieder, was mir einfällt, nur um schnell fertig zu werden und vorwärtszukommen. Ich wollte mir einbilden, daß ich einen neuen großen Augenblick hatte, ich log mich an, betrog mich offensichtlich und schrieb in einem Zug, als wenn ich nicht nach den Worten zu suchen brauchte. Das ist gut! das ist wirklich ein Fund! flüsterte ich dazwischen; schreib es nur nieder!

Schließlich aber erschienen mir meine letzten Repliken bedenklich; sie stachen so stark gegen die Repliken in den ersten Szenen ab. Außerdem war durchaus kein Mittelalter in den Worten des Mönches. Ich zerbeiße den Bleistift zwischen meinen Zähnen, springe auf, zerreiße das Manuskript, reiße jedes Blatt entzwei, werfe meinen Hut auf die Straße und trample darauf. Ich bin verloren! flüstere ich vor mich hin; meine Damen und Herren, ich bin verloren! Und ich sage nichts als diese Worte, während ich auf meinem Hut herumtrample.

Ein paar Schritte von mir entfernt steht ein Schutzmann und beobachtet mich; er steht mitten auf der Straße und sieht nichts anderes als nur mich. Als ich den Kopf zurückwerfe, treffen sich unsere Augen, er hatte vielleicht schon längere Zeit dort gestanden und nur mich angesehen. Ich nehme meinen Hut, setze ihn auf und gehe zu dem Manne hin.

Wissen Sie, wieviel Uhr es ist? frage ich.

Er wartet eine Weile, ehe er seine Uhr hervorzieht, und wendet seine Augen unterdessen nicht von mir ab.

Gleich vier Uhr, antwortet er.

Ganz richtig! sage ich; gleich vier Uhr, vollkommen richtig! Sie können Ihre Sache, wie ich höre, und ich werde an Sie denken.

Damit verließ ich ihn. Er war aufs Äußerste über mich erstaunt, stand da, sah mir mit offenem Mund nach und hielt noch die Uhr in der Hand. Als ich vor das Royal gekommen war, drehte ich mich um und sah zurück: er stand noch in der gleichen Stellung da und folgte mir mit den Augen.

Hehe, so mußte man die Tiere behandeln! Mit der ausgesuchtesten Unverschämtheit! Das imponierte den Tieren, versetzte die Tiere in Schrecken.... Ich war mit mir überaus zufrieden und begann wieder ein Bruchstück zu singen. Von Erregung angespannt, ohne noch einen Schmerz zu fühlen, sogar ohne irgendwelches Unbehagen, ging ich, leicht wie eine Feder, über den ganzen Markt, kehrte bei den Basaren um und ließ mich auf einer Bank vor der Erlöserkirche nieder.

War es denn nicht auch ziemlich gleichgültig, ob ich die zehn Kronen zurücksandte oder nicht! Hatte ich sie erhalten, so waren sie mein, und dort, woher sie kamen, war gewiß keine Not. Ich mußte sie doch annehmen, wenn sie mir ausdrücklich gesandt wurden; ich konnte sie doch nicht dem Dienstmann lassen. Ebensowenig ging es an, einen ganz anderen Zehnkronenschein als den, den ich bekommen hatte, zurückzusenden. Daran war also nichts mehr zu ändern.

Ich versuchte, das Getriebe rings auf dem Markt vor mir zu beobachten und meine Gedanken mit gleichgültigen Dingen zu beschäftigen; aber es glückte mir nicht, ich befaßte mich beständig mit den zehn Kronen. Zuletzt ballte ich die Hände und wurde zornig. Es müßte sie verletzen, sagte ich, wenn ich das Geld zurücksenden würde; warum sollte ich es dann tun? Ich wollte mich stets für zu gut zu allem möglichen halten, hochmütig den Kopf schütteln und ‚nein, danke’ sagen. Nun sah ich selbst, wohin das führte; jetzt stand ich wieder auf der Straße. Selbst wenn ich die beste Gelegenheit dazu hatte, behielt ich nicht mein gutes warmes Logis, ich wurde stolz, sprang beim ersten Wort auf und warf den Kopf in den Nacken, bezahlte zehn Kronen nach rechts und nach links und lief auf und davon.... Ich ging scharf ins Gericht mit mir, weil ich mein Obdach verlassen und mich wieder in Verlegenheit gebracht hatte.

Im übrigen spuckte ich auf das Ganze! Ich hatte nicht um die zehn Kronen gebeten, und ich hatte sie kaum zwischen den Händen gehalten, sondern sie sofort weggegeben, sie an wildfremde Menschen, die ich nie wiedersehen würde, ausbezahlt. So war ich, bezahlte bis auf den letzten Heller, wenn es galt. Kannte ich Ylajali richtig, dann bereute sie nicht, daß sie mir das Geld gesandt hatte, was saß ich dann da und zankte mit mir herum? Es war geradezu das mindeste, was sie tun konnte, mir ab und zu zehn Kronen zu senden. Das arme Mädchen war doch in mich verliebt, he, vielleicht sogar sterblich in mich verliebt.... Und bei diesem Gedanken blähte ich mich richtig auf. Kein Zweifel, sie war in mich verliebt, das arme Mädchen!....

Es wurde fünf Uhr. Ich fiel nach meiner langen und nervösen Erregung wieder zusammen und begann von neuem das leere Sausen in meinem Kopf zu fühlen. Ich blickte geradeaus, starrte in die Luft und sah zur Elefantenapotheke hinüber. Der Hunger wütete in mir, und ich litt sehr. Während ich so dasitze und in die Luft sehe, wird vor meinem starren Blick nach und nach eine Gestalt deutlich, die ich zum Schluß ganz klar sehe und wiedererkenne: die Kuchenfrau bei der Elefantenapotheke.

Ich zucke zusammen, richte mich auf der Bank auf und fange an nachzudenken. Ja, es hatte seine Richtigkeit, es war die gleiche Frau vor dem gleichen Tisch, am gleichen Fleck! Ich pfeife ein paarmal vor mich hin und knipse mit den Fingern, erhebe mich und gehe auf die Apotheke zu. Keinen Nonsens! Ich scherte mich den Teufel darum, ob es das Geld des Burschen war oder gute norwegische Krämerpfennige aus Silber von Kongsberg! Ich wollte nicht lächerlich sein, man konnte über allzuvielem Hochmut sterben....

Ich gehe zu der Ecke, fasse die Frau ins Auge und stelle mich vor ihr auf. Ich lächle, nicke wie ein Bekannter und richte meine Worte so ein, als sei es selbstverständlich, daß ich noch einmal zurückkomme.

Guten Tag! sage ich. Sie kennen mich vielleicht nicht wieder?

Nein, antwortet sie langsam und sieht mich an.

Ich lächle noch mehr, als sei es nur ein köstlicher Scherz von ihr, daß sie mich nicht kenne und fahre fort:

Erinnern Sie sich nicht, daß ich Ihnen einmal einige Kronen gab? Ich sagte damals nichts, soweit ich mich entsinne, das tat ich nicht, das ist nicht meine Art. Wenn man es mit ehrlichen Leuten zu tun hat, ist es unnötig, etwas zu verabreden und sozusagen wegen jeder Kleinigkeit einen Kontrakt abzuschließen. Hehe. Ja, ich war es, der Ihnen seinerzeit das Geld gab.

Nein, wirklich, waren Sie es! Ja, nun kenne ich Sie auch ganz gut wieder, und wenn ich nachdenke....

Ich wollte verhindern, daß sie sich für das Geld bedankte und sagte deshalb schnell, während ich bereits mit den Augen auf dem Tisch nach Eßwaren suchte:

Ja, jetzt komme ich, die Kuchen zu holen.

Dies versteht sie nicht.

Die Kuchen, wiederhole ich, jetzt komme ich, sie zu holen. Auf jeden Fall einen Teil davon, die erste Rate. Ich brauche heute nicht alles.

Kommen Sie, um sie zu holen? fragt sie.

Ja, freilich komme ich, sie zu holen, ja! antworte ich und lache laut, als müsse es ihr sofort einleuchten, daß ich kam, um sie zu holen. Ich nehme auch einen Kuchen vom Tisch, eine Art Franzbrot, und beginne zu essen.

Als die Frau dies sieht, erhebt sie sich in ihrem Kellerloch, macht unwillkürlich eine Bewegung, wie um ihre Waren zu schützen und läßt mich verstehen, sie habe nicht erwartet, daß ich zurückkommen würde, um sie zu berauben.

Nicht? sage ich. Nein, wirklich nicht? Sie war doch eine köstliche Frau! Hatte sie jemals erlebt, daß ihr jemand eine Menge Kronen in Verwahrung gegeben, ohne daß der Betreffende sie zurückverlangt habe? Na, sehen Sie! Glaubte sie vielleicht, daß es gestohlenes Geld gewesen sei, weil ich es ihr so hingeschleudert hatte? Nun, das glaubte sie doch wohl nicht! das war auch gut so, wirklich gut! Es war, wenn ich so sagen durfte, freundlich von ihr, daß sie mich doch für einen ehrlichen Mann hielt. Haha! Ja, sie sei wirklich köstlich!

Aber weshalb ich ihr denn das Geld gegeben habe? Die Frau wurde erbittert und schrie laut.

Ich erklärte ihr, warum ich ihr das Geld gegeben hatte, erklärte es gedämpft und nachdrücklich: Es sei meine Gewohnheit, so zu handeln, denn ich halte alle Menschen für so gut. Jedes Mal, wenn mir jemand einen Kontrakt anbot, einen Schein, schüttelte ich den Kopf und sagte ‚Nein, danke’. Gott sei mein Zeuge, das tat ich.

Aber die Frau verstand es noch immer nicht.

Ich griff zu anderen Mitteln, sprach scharf und verbat mir jeglichen Unsinn. War es ihr denn noch niemals vorgekommen, daß ein anderer auf diese Weise im Vorschuß bezahlt hatte? fragte ich. Ich meinte natürlich Leute, die das Geld dazu hatten, zum Beispiel einer der Konsuln? Niemals? Ja, ich könnte aber doch nicht dafür büßen, daß ihr dies eine fremde Umgangsart sei. Es wäre im Ausland so der Brauch. Sie sei vielleicht niemals außerhalb der Grenzen des Landes gewesen? Nein. Sehen Sie! Dann könnte sie in dieser Sache gar nicht mitreden.... Und ich griff nach mehreren Kuchen auf dem Tisch.

Sie knurrte zornig, weigerte sich hartnäckig, etwas auszuliefern, wand mir sogar ein Stück Kuchen aus der Hand und legte es auf seinen Platz zurück. Ich wurde wütend, schlug auf den Tisch und drohte mit der Polizei. Ich wolle gnädig gegen sie sein, sagte ich; wenn ich alles nähme, was mein sei, so würde ich ihr ganzes Geschäft ruinieren, denn es sei eine furchtbare Menge Geldes gewesen, die ich ihr seinerzeit gegeben hätte. Soviel würde ich aber nicht nehmen, ich wolle in Wirklichkeit nur die halbe Valuta haben. Und ich würde obendrein nicht mehr wiederkommen. Davor möge Gott mich bewahren, da sie eine solche Person sei.

Endlich legte sie einige Kuchen für einen unverschämten Preis hin, vier, fünf Stücke, die sie so hoch einschätzte, wie es ihr überhaupt möglich war, und hieß mich, sie zu nehmen und meines Weges zu gehen. Ich stritt mich immer noch mit ihr herum, behauptete, daß sie mich um mindestens eine Krone prelle und mich außerdem mit ihren blutigen Preisen aussauge. Wissen Sie, daß auf solche Spitzbubenstreiche Strafe steht? sagte ich. Gott bewahre Sie, Sie könnten auf Lebenszeit ins Zuchthaus kommen, Sie altes Wrack! — Sie warf mir noch einen Kuchen hin und bat mich beinahe zähneknirschend, zu gehen.

Und ich verließ sie.

He, ein unzuverlässigeres Kuchenweib hatte ich noch nie gesehen! Während ich über den Markt ging und meine Kuchen verschlang, sprach ich die ganze Zeit laut über diese Frau und ihre Unverschämtheit, wiederholte mir selbst, was wir beide einander gesagt hatten und fand, daß ich ihr weit überlegen gewesen war. Vor aller Augen verschlang ich meine Kuchen und sprach dabei vor mich hin.

Und die Kuchen verschwanden einer nach dem anderen; es verschlug nichts, wieviel ich auch zu mir nahm, ich war hungrig bis auf den Grund. Herrgott auch, daß es nichts verschlagen wollte! Ich war so gierig, daß ich mich sogar beinahe an dem letzten Kuchen vergriffen hätte, den ich von Anfang an für den Kleinen unten in der Vognmandsstraße aufzusparen gedacht hatte, für den Knaben, dem der rotbärtige Mann auf den Kopf gespuckt hatte. Ich mußte beständig an ihn denken, konnte seine Miene nicht vergessen, da er aufsprang und weinte und fluchte. Er hatte sich gegen mein Fenster gewendet, als der Mann auf ihn herunterspuckte, und er hatte gleichsam sehen wollen, ob auch ich darüber lachen würde. Gott weiß, ob ich ihn jetzt traf, wenn ich da hinunterkam! Ich strengte mich sehr an, um rasch in die Vognmandsstraße zu gelangen, kam an der Stelle vorbei, an der ich mein Drama zerrissen hatte, und wo noch einige Papierfetzen lagen, umging den Schutzmann, den ich vor kurzem durch mein Betragen in Erstaunen gesetzt hatte, und stand zuletzt an der Treppe, auf der der Junge gesessen hatte.

Er war nicht da. Die Straße war beinahe leer. Die Dunkelheit nahm zu, und ich konnte den Knaben nicht gewahren; er war wohl schon ins Haus gegangen. Vorsichtig legte ich den Kuchen hin, lehnte ihn gegen die Türe, klopfte hart an und lief sofort weiter. Er findet ihn schon! sagte ich zu mir; findet ihn gleich, wenn er herauskommt! Und meine Augen wurden naß vor blöder Freude darüber, daß der Kleine den Kuchen finden würde.

Ich kam wieder zum Eisenbahnkai.

Jetzt hungerte mich nicht mehr, aber die Süßigkeiten, die ich genossen hatte, verursachten mir Übelkeit. Von neuem tobten die wildesten Gedanken in meinem Kopf: Wie, wenn ich heimlich die Trosse eines dieser Schiffe zerschnitte? Wenn ich plötzlich anfinge, Feuer zu rufen? Ich gehe weiter auf den Kai hinaus, setze mich auf eine Kiste, falte die Hände und fühle, daß mein Kopf immer verwirrter wird. Und ich rühre mich nicht und tue gar nichts mehr, um mich aufrecht zu erhalten.

Ich sitze da und starre auf den „Copégoro”, die Barke mit der russischen Flagge. Ich sehe einen Mann an der Reling; die roten Laternen auf Backbord beleuchten seinen Kopf, und ich stehe auf und spreche zu ihm hinüber. Ich verfolgte keine Absicht mit dem, was ich sagte, erwartete auch keine Antwort. Ich fragte:

Segeln Sie heute abend ab, Kapitän?

Ja, bald, antwortet der Mann. Er sprach schwedisch. Dann ist er wohl Finnländer, denke ich.

Hm. Könnten Sie nicht einen Mann brauchen? Es war mir in diesem Augenblick gleichgültig, ob ich eine Absage bekam oder nicht. Es war mir ganz gleich, welche Antwort er mir geben würde. Ich wartete und sah ihn an.

Nein, erwiderte er. Es müßte denn ein Jungmann sein.

Ein Jungmann! Ich gab mir einen Ruck, stahl mir die Brille herunter und steckte sie in die Tasche, trat auf den Landungssteg und ging an Bord.

Ich bin nicht befahren, sagte ich, aber ich kann alles tun, wozu Sie mich anstellen wollen. Wohin geht die Fahrt?

Wir gehen mit Ballast nach Leeds, um Kohlen für Cadix einzunehmen.

Gut! sagte ich und drängte mich dem Mann auf. Mir ist es gleich, wohin es geht. Ich werde meine Arbeit tun.

Er stand eine Weile da, sah mich an und überlegte.

Du hast noch nicht gefahren? fragte er.

Nein. Aber wie ich Ihnen sage, stellen Sie mich vor eine Arbeit, und ich werde sie tun. Ich bin an alles gewöhnt.

Er überlegte noch einmal. Ich hatte mir bereits fest in den Kopf gesetzt, mitzugehen, und ich fürchtete, ich könnte wieder an Land gejagt werden.

Was meinen Sie also, Kapitän? fragte ich endlich. Ich kann wirklich alles tun, was es auch sei. Was sage ich! Ich müßte ein schlechter Mensch sein, wenn ich nicht mehr täte, als das, wozu ich bestimmt werde. Wenn es gilt, kann ich zwei Wachen hintereinander übernehmen. Das tut mir nur gut, und ich kann es schon aushalten.

Ja, ja, wir wollen es versuchen, sagte er und lächelte ein wenig über meine letzten Worte. Wenn es nicht geht, können wir uns ja in England wieder trennen.

Natürlich! antwortete ich in meiner Freude. Und ich wiederholte, daß wir uns in England trennen könnten, wenn es nicht gehe.

Dann wies er mir Arbeit an....

Im Fjord draußen richtete ich mich einmal auf, feucht von Fieber und Mattigkeit, sah zum Lande hinüber und sagte für dieses Mal der Stadt Lebewohl, der Stadt Kristiania, wo die Fenster so hell in allen Häusern leuchteten.


Knut Hamsun

Mysterien

Neue Ausgabe mit einer mehrfarbigen Umschlagzeichnung von Olaf Gulbransson

31. Tausend. In Leinen RM 3.80

„Welch erregendes Werk, wie frisch und gegenwärtig, wie lebensvoll spricht es zu unserer Zeit! Erschüttert, wahrhaft von Mysterien angerührt legt man diesen Hamsun aus der Hand.”

Frankfurter General-Anzeiger

Die Liebe ist hart

Ein Roman in zwei Erzählungen („Benoni” und „Rosa”)

30. Tausend. In Leinen RM 4.80

„Es ist das alte Lied von Hunger und Liebe, das große, ewig wandelbare und unerschöpfliche Thema, das uns in dieser Geschichte von Rosa und Benoni entgegenklingt, das nie ersterbende Lied von Irrtum, Zweifel und Sehnsucht der menschlichen Herzen. Niemand hat tiefer in ihre Abgründe hinabgelauscht, niemand klarer ihre Stimmen vernommen und niemand menschlicher ihr Leben in Hoffnung und Enttäuschung vor uns ausgebreitet als Knut Hamsun.”

Kasseler Neueste Nachrichten

Der Ring schließt sich

Roman

45. Tausend. In Leinen RM 7.—

„Das ist die Meisterschaft Hamsuns, daß seine Bücher so unendlich sind wie das Leben selbst. Das packt uns immer wieder. Das hat uns auch diesmal wieder in seinen Bann gezwungen.”

Berliner Börsen-Zeitung

Vagabundentage

Erzählung

Mit 17 Abbildungen nach Radierungen von Erich Wilke
30. Tausend. Biegsam gebunden RM 2.20, in Leder RM 4.50

„Wo man seine Menschen angreift, sind sie echt und ehrlich, lebendig wie ein beliebiger Nachbar in unserem Leben. Hinter dem aber, was sie zu sagen haben und zu sagen wissen, schimmert unaufdringlich und in fröhlicher, meist gutmütiger Ironie Lebensweisheit von klarster Erhabenheit.”

Völkischer Beobachter

ALBERT LANGEN / GEORG MÜLLER / MÜNCHEN

Knut Hamsun

Kämpfende Kräfte

Eine Erzählung in zwei Romanen

(„Kinder ihrer Zeit” und „Die Stadt Segelfoß”)

Über 600 Seiten. 25. Tausend. In Leinen RM 4.80

„Hier wird deutlich Hamsuns Werk erkennbar als das große tragische Epos unserer Zeit, dessen Thema der Einbruch der Fortschrittswelt in die zeitlose der Bauern und Fischer ist, getragen von einem Grundton, dessen Humor und Ironie nichts anderes zu sein scheint, als ein leises metaphysisches Fragezeichen, das der Dichter hinter die Entwicklung der Welt setzt.”

Deutsche Allgemeine Zeitung

Der Wanderer

Die große Romantrilogie
Unter Herbststernen / Gedämpftes Saitenspiel
Die letzte Freude

45. Tausend. In Leinen RM 4.80

„Kaum einer hat so tief in den Atem des Landes und in das Rauschen des Blutes hineingelauscht, wie dieser Dichter. Ein Vagabund auf den Landstraßen des Lebens, ein alternder Mann, der seiner Jugend nachwandert, die ihm aus den Händen geglitten ist: So geht er, Tiefstes und Höchstes erlebend, seinen Weg, der ihn zur Einsamkeit der Seele führt. Ein nordischer Dichter spricht zu uns, der uns schönste Stunden verinnerlichten Lebens schenkt.”

Der Angriff

Segen der Erde

Roman. Neue wohlfeile Ausgabe

Gesamtauflage 255000. In Leinen RM 4.80

„Wenn man diese Menschenschicksale in ihrer Schlichtheit und Vielfältigkeit vorüberziehen sieht, hat man das Gefühl, als sitze man vor einem Sänger der Vorzeit, der eine uralte Mär aus den Kindheitstagen der Mutter Erde erzählt; so still, ernst und groß ist das alles... Darum ist ‚Segen der Erde’ ein unvergängliches Buch, weil es auf die Elemente alles menschlichen Geschehens und Schicksals zurückgeht und uns lehrt, daß die Erde, der Boden, den wir bauen, alles hergeben kann, was den Menschen erhebt und beglückt, klein und demütig, dankbar und ehrfürchtig macht.”

Westermanns Monatshefte

ALBERT LANGEN / GEORG MÜLLER / MÜNCHEN

Knut Hamsun

Pan

Aus Leutnant Thomas Glahns Papieren

65. Tausend. Kartoniert RM 2.50
Biegsam in Leinen RM 3.50
Handgebunden in Leder RM 20.—

„Eines der herrlichsten Bücher der Weltliteratur. An der Schwelle des neuen Jahrhunderts steht diese großartige Verschmelzung von Natur und Mensch.”

Kurhessische Landeszeitung

Victoria

Die Geschichte einer Liebe

185. Tausend. Kartoniert RM 2.50. Biegsam in Leinen RM 3.80

„Wenn aus der breiten Fülle der Gegenwartsliteratur einmal alles vergangen und verstaubt sein wird, dann wird „Victoria” leben und jungen liebenden Menschen Gefährtin sein, genau so wie gestern und heute.”

Berliner Börsen-Zeitung

August Weltumsegler

Roman

40. Tausend. In Leinen RM 6.—

„Knut Hamsun hat mit diesen Landstreicher-Bänden sein Werk wunderbar gekrönt. Nachdem er uns ein Leben lang die furchtbare Wirkung der Zivilisation in erschütternden Bildern vorgehalten hat, manchmal mit Humor und öfter mit Bitterkeit und Verzweiflung, hat er hier die Erlösung für uns gefunden, das befreiende Aufatmen, eine letzte fröhliche Sicherheit und Weisheit....”

Die neue Literatur

Nach Jahr und Tag

Roman

35. Tausend. In Leinen RM 7.50

„Immer tiefer wird die Welt, die hinter den äußeren Bildern Hamsuns liegt, immer größer wird des Einsamen Abstand zu seinen Menschen, immer schärfer wird die Ironie, aber immer weiser und gütiger wird sein Lächeln über menschliche Tragikomik und immer größer wird seine Liebe zum Leben und immer erhabener wird sein Frommsein, das die Einheit von Natur und Seele ist.”

Fränkischer Kurier

ALBERT LANGEN / GEORG MÜLLER / MÜNCHEN

Knut Hamsun

Weitere Romane

Landstreicher. Roman. 77. Tausend. In Leinen RM 8.—
Neue Erde. Roman. 14. Tausend. In Leinen RM 5.50
Redakteur Lynge. Roman. 6. Tausend. In Leinen RM 5.—
Schwärmer. Roman. 7. Tausend. In Leinen RM 3.—
Die Weiber am Brunnen. 20. Tausend. In Leinen RM 6.50
Das letzte Kapitel. Roman. 22. Tausend. In Leinen RM 6.50

Novellen

Gesammelte Novellen. 5. Tausend. In Leinen RM 6.—
Erzählungen (Auswahlband). 55. Tausend. In Leinen RM 2.50
Sklaven der Liebe. Novellen. 6. Tausend. In Leinen RM 3.—
Ein Gespenst und andere Erlebnisse. (Die „Kleine Bücherei” Nr. 42). 30. Tausend. Gebunden 80 Pfg.

Reise- und Naturbilder

Im Märchenland. Erlebtes und Erträumtes aus Kaukasien
6. Tausend. In Leinen RM 4.—

Unter dem Halbmond. Reisebilder aus der Türkei
6. Tausend. In Leinen RM 3.—

Gottes Erde. Natur- und Landschaftsbilder
(Die „Kleine Bücherei” Nr. 3.) 55. Tausend. Gebunden 80 Pfg.

Gedichte und Dramen

Das ewige Brausen. Ausgewählte Gedichte. 2. Tausend
In Leinen RM 5.—

Munken Vendt. Dramatisches Gedicht. 2. Tausend
Geheftet RM 3.50

Königin Tamara. Schauspiel. 2. Tausend
Geheftet RM 1.80

Gesammelte Werke

Deutsche Originalausgabe in 17 Bänden
In rotem Leinen mit Goldpressung RM 153.-
In grünem Leinen RM 119.—

ALBERT LANGEN / GEORG MÜLLER / MÜNCHEN

Druck von Hesse & Becker, Leipzig

Anmerkungen zur Transkription

Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen gebräuchlich waren, wie:
  • anderen — andern
  • Grönlandsler — Grönlandsleret
  • gute Nacht — Gute Nacht
  • Knieen — Knien
  • Nachmittages — Nachmittags
  • offenem — offnem
  • winsele — winsle
Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:
  • S. 48 „Kapitalssünde” in „Kapitalsünde” geändert.
  • S. 53 „blaffender” in „blassender” geändert.
  • S. 54 „Geradewohl” in „Geratewohl” geändert.
  • S. 117 „daß mich” in „das mich” geändert.
  • S. 121 „Storthingsplatz” in „Stortingsplatz” geändert.
  • S. 133 „zweiundsiebigtausend” in „zweiundsiebzigtausend” geändert.
  • S. 134 „Veblungsnaes” in „Veblungsnes” geändert.
  • S. 177 „Bahnhofplatzes” in „Bahnhofsplatzes” geändert.