Die Furcht Babettens vor dem alten Fink war durchaus nicht unbegründet. Es war nicht die eitle Besorgniß eines liebenden Herzens, das im Bewußtsein der Wandelbarkeit des Glücks Alles schwarz sieht. Sie kannte die Dorfverhältnisse, kannte ihre Eltern und kannte den alten Fink. Und ehe sie noch diese Unglück ahnenden Zeilen niederschrieb, hatte bereits der kundige Blick des alten Fink mit Wohlgefallen auf ihrer herrlichen Gestalt geruht. Und ehe Ernst erfuhr, daß der alte Fink da sei, war Babette schon für ihn verloren. Denn da hatte der alte Seelenverkäufer bereits den festen Entschluß gefaßt, daß sie um jeden Preis sein werden müsse für Californien und erwog schon die Mittel, die ihm zu Gebote ständen und war im Geheimen außerordentlich thätig.
Um dieses jedoch recht zu verstehen, muß der Leser noch einen Blick in das Dorf thun. Einen Theil der Ortsbewohner hat er zwar schon kennen gelernt, aber nur den unwichtigeren, die Invaliden, die Ruinen. Die Landgänger, die dem Dorf seinen eigenthümlichen Charakter verleihen, kennt er noch nicht. Aber wenn er sie kennt, dann müßte kein deutsches Christenherz in seiner Brust schlagen, wenn es nicht überflösse vor Zorn und Ingrimm über diese Schmach und diese Schändung des deutschen Namens. Das Landgängerdorf liegt sonnig und anmuthig auf den nordwestlichen Abhängen des Taunus, mit einem weiten Ausblick bis in die Gegend von Gießen und Marburg. Rings ist es umgeben von einem grünen Kranz von Buchen- und Eichenwäldern, der sich gar lieblich ausnimmt zu den rothen Ziegeldächern und den schön bemalten Häusern, etwa wie ein grüner Brautkranz zu den erröthenden Wangen einer geschmückten Braut. Freilich ist es eine gewagte Sache, hier von Brautkranz zu reden, wo längst alle Bräutlichkeit und Jungfräulichkeit in wüstem, schändlichem Treiben untergegangen ist. Aber es hat ihn doch einst verdient und kann ihn vielleicht wieder verdienen. – Wer heutzutage kommt, um Land und Leute zu beobachten, der muß im Spätherbst oder Winter kommen. Erst wenn die Blätter fallen und die Schwalben heimwärts ziehn, kehrt auch der Landgänger heim. Im Sommer sind die meisten Häuser unbewohnt und Thüren und Läden geschlossen. Man trifft nur hier und da einen Ackersmann im Feld. Alles ist so still und leer, wie ausgestorben. In der Umgegend heißt es: »Nur die alten Weiber und Schulkinder sind daheim.« Erst wenn es draußen im Feld und Wald stille wird, wird es im Dorfe laut und lebendig. Hier rauscht ein rasselndes Tambourin, dort klagt eine einsame Violine; hier orgelt eine Harmonika die neuesten Lieder, dort übt sich ein ganzes Orchester. Dazwischen tönen dann die gellenden Stimmen keifernder Weiber, schreiender Kinder, das Fluchen der Männer, das Singen und Juchzen der Jugend. Die Männer sind meistens im Wirthshaus bei Karten, Würfeln und starken Getränken. Es ist, da ein wildes Lärmen und Gedränge, und englische und französische und ganz fremdtönende Flüche schallen durcheinander. Goddam und sacré Dieu heißt es herüber und hinüber; denn im Dorfe werden fast alle europäischen Sprachen gesprochen, vorzugsweise aber englisch und französisch. Mancher Junge und manches Mädchen müssen erst in Deutschland deutsch sprechen lernen. Aber auch die Weiber bleiben hier nicht im Hause. Kochen und alle weiblichen Handarbeiten sind ihnen ein Gräuel, dem sie sich nur im Nothfall unterwerfen. Man kann sie zu allen Tageszeiten in größeren und kleineren Gruppen schwatzend zusammenstehen sehen. Am liebsten sammeln sie sich jedoch zu Kaffee- und Theekränzchen, wo Mürbes und feines Gebäck geschmaust und sehr oft süßer Branntwein getrunken wird. Es sind meistens große, üppige Gestalten. Doch haben auch Viele ein gar krankes, armes Aussehen in Folge ihres Lasterlebens. Ihre Kleidung ist, wenn sie die übliche Landestracht abgelegt haben, oft sehr reich, aber geschmacklos und ungeordnet. Man merkt eben, daß sie auf dem Trödelmarkt gekauft oder durch Bettel zusammengebracht ist. Die Jungen wollen nicht hinter den Alten zurückbleiben. Darum versammeln sich auch Burschen und Mädchen, aber besonders in solchen Häusern, wo Niemand eine Autorität geltend machen kann und will und gar keine Aufsicht herrscht. Hier wird denn getanzt und gespielt. Auch fehlt es nicht an berauschenden Getränken. Und ungescheut und ungestraft geben sie sich allen möglichen Zügellosigkeiten hin.
Um die zahlreichen Kinder kümmert sich Niemand. Die wälzen und balgen sich ungebändigt auf den Straßen umher – ein hoffnungsvolles, heranwachsendes Geschlecht! So geht es den ganzen Winter in Saus und Braus. Da wird geschlachtet, gebacken, gesotten und gebraten; da wird getrunken, gesungen und getanzt, bis der Schnee schmilzt und der Boden aufthaut und die erste Lerche trillert. Dann ist keine Ruhe mehr unter dem Wandervölkchen. Dann verstummen die Gesänge und die Harmonika's. Und wenn der Kukuck schreit, und die erste Schwalbe kommt, ist Niemand mehr da von diesen Zugvögeln. Aber was treiben sie draußen? und wo ist der Schauplatz ihrer Thätigkeit? Ihre Thätigkeit lassen sie sich nicht gerne beschränken. Sie besuchen alle bekannten und zugänglichen Theile der Erde. Doch beehren sie am liebsten den Westen: England, Frankreich, Amerika, Californien. Indessen ist Australien auch recht beliebt unter ihnen. Der alte Fink hat sogar bereits China und Japan bereist.
Ueber ihre Beschäftigung sprechen sie sich nicht gern aus. Doch ist man darüber durchaus nicht im Unklaren. Die Männer treiben hauptsächlich Handel und Musik. Die Kinder betteln. Weiber und Mädchen leben vom Tanz oder von noch schlimmeren Dingen. Damit soll nun nicht ausgeschlossen sein, daß nicht auch die Männer betteln und die Weiber nicht auch öfters hausiren gingen und Musik machten.
Da wird bereits aller Sitte und Zucht Hohn gesprochen. Die Familienbande sind gelöst. Eheliche Liebe ist nicht da. Kindliche Pietät muß zu Grunde gehen. Die heiligsten Triebe werden geschändet und gemordet. Aber noch schändlicher – weil hier die Bettelei und die Prostitution gewerbsmäßig betrieben wird – ist die Seelenverkäuferei. Sie wird aber nur von den kühneren Naturen und solchen, die über ein Kapital zu verfügen haben und zwar auf eine doppelte Weise ausgeführt.
Die unbedeutenden Art ist die, daß Kinder zum Betteln zusammengemiethet werden, wofür die Eltern sehr anständige Summen erhalten. Hierbei werden die Reisen nicht besonders weit ausgedehnt. Der Norden Deutschlands, Schweden und Rußland sind gewöhnlich die Zielpunkte der Unternehmung. Die Kinder werden natürlich zur Verstellung, zum Lügen und Stehlen professionsmäßig angelernt – ein schöner Same für die Zukunft! Sie sind dabei vollständig in die Gewalt und Willkür roher gewissenloser Menschen gegeben und müssen Unsägliches erdulden. Jedes kann Gott danken, wenn es wohlbehalten die Heimat wieder erreicht.
Von dem Raffinement und der Frechheit dieser Bettelfahrer nur ein Beispiel: Eine deutsche Prinzessin, in's russische Czarenhaus verheirathet, hatte einst besonderes Wohlgefallen an so einem blondlockigen rothbackigen Mädchen gefunden. Dieses Wohlgefallen aber mußte sie büßen, indem man ihr dafür die Verpflegungskosten einer langwierigen Krankheit und endlich das Geld zum Begräbniß abschwindelte. Und während die Prinzessin ihre Dukaten hergab und Thränen über die Leiden und den Tod ihres Liebling weinte, war derselbe frisch und gesund. Von größerer Bedeutung und Ausdehnung ist die andere Art von Seelenverkäuferei: das Miethen von Tanzmädchen, oder wie die Amerikaner sie nennen: Hurdy-Gurdy's. Es sind dabei reichlichere Auslagen und mehr List, Muth und Geschick nöthig. Es werden aber auch ganz enorme Summen verdient – zwanzig- bis dreißigtausend Thaler haben Etliche schon nach wenigen Jahren mit heimgebracht. An Mädchen fehlt es nur selten. Denn auch vermögendere Bauern und Pächter geben ihre Kinder her und die Armen helfen sich dadurch aus ihren Schulden. Es handelt sich fast nur um den Preis. Die Mädchen wissen es nicht besser. Sie werden in die Seehäfen Nord- und Südamerika's, nach Australien, ganz vorzüglich aber nach Californien gebracht. In den dortigen Tanzhäusern dienen sie den spitzbübischen Wirthen und Dienstherren als Lockvögel, um den leichtsinnigen Matrosen, Goldgräbern und Bergleuten die vollen Taschen auszuleeren. Und aller Humbug der neuen Welt und alle Gaunerei der alten Welt wird dabei angewendet.
Aus den Mädchen haben bald Mißhandlungen und hitzige Getränke die letzten Reste von Scham hinausgetrieben. Und die meisten dieser leichtfertigen Geschöpfe geben sich von ganzem Herzen dem zuchtlosen Leben hin. Es muß übrigens ein schmähliches Gewerbe sein, denn keine Nation der Erde – auch die gesunkenste nicht – liefert Contingent dazu. Die Hurdy-Gurdy sind nur Deutsche, nur Rheinländerinnen.
Die Armuth war die Grundursache dieser auffallenden, aber entsetzlich traurigen Erscheinung und ist es zum Theil noch jetzt. – Man hat sich gewöhnt, die Armuth von einer gewissen idyllischen Seite anzusehen. Wer sie aber so ansieht, den hat die Noth mit ihren hohlen Augen und hohlen Wangen noch nicht ernstlich angeblickt; dem hat der Hunger noch nicht in den Gedärmen gewühlt. Kein Brod und keine Arbeit – ist schrecklich! Und der weise Salomo wußte recht gut, was er that, als er sich keine Armuth erbat. Vor hundert Jahren war noch Arbeit im Dorf: Bergmannsarbeit und Wollspinnen. Aber es kam eine Zeit, da war keine Arbeit mehr da. Und es war eine Zeit unbeschreiblichen Elends. Da machte sich ein Mann, kühner und energischer als die Andern, auf, um mit Fliegenwedeln, jenen bekannten, aus weichem Holz geschnitzten, faserigen kleinen Besen einen Handel zu treiben. Er brachte viel Geld heim. Und er zog weiter und weiter den Rhein hinab bis zu den Mynheers, wo man sein Deutsch nicht mehr verstand. Und wieder brachte er viel Geld heim. Plötzlich stand er als ein zweiter Columbus vor dem atlantischen Ocean, denn er war fest entschlossen, hinüber zu segeln und drüben war ihm lauter unbekanntes Land. Zuerst kam er nach England. Und John Ball bezahlte das unbekannte Fabrikat generös. Da war es, wie er heimkam, als hätte er das Goldland entdeckt. Und nun zogen seine Schwiegersöhne und deren Verwandte und Freunde mit. So ging es weiter und weiter. Erst gingen die Schwiegersöhne, dann das ganze Dorf und zuletzt die ganze Umgegend. Erst lernten sie die Straßen der großen Weltstädte kennen und die großen Häuser, dann die leichten Sitten und die Verderbniß, und zuletzt wurden sie so schlecht, wie der schlechteste Auswurf derselben. Erst handelten sie mit Fliegenwedeln, dann mit andern Waaren, dann kamen sie zur Musik und Bettelei, dann zur Prostitution und zuletzt zur Seelenverkäuferei. Und so kommen wir denn auch wieder auf den alten Fink. Er war durch den kühnen Unternehmungsgeist, mit dem er alle Schwierigkeiten, die diesem elenden Gewerbe entgegenstanden, leicht und schnell beseitigte und durch den Erfolg, der ihn bisher begleitet hatte, unstreitig das Haupt der Seelenverkäufer in der Gegend. Und als solcher genoß er bedeutendes Ansehen und Einfluß, statt Verachtung und Abscheu. Denn das Geld ist in diesen armen Walddörfern allmächtig. Aber was halfen ihm die Tausende von Dollars, die er heimbrachte? Ein reicher Mann ist er doch nie geworden. Es war kein Segen in dem Geld. Er hatte sich zwar einen Landsitz gekauft, ein schönes Haus und schöne Aecker, aber er hatte einen etwas nachlässigen Verwalter an seinem Schwiegersohne. Der ließ die Aecker brach liegen, wenn der Schwiegervater fort war und machte Schulden auf Schulden. Und wenn Niemand mehr borgte, verkaufte er das Vieh aus den Ställen und das Gras von den Wiesen. Wenn aber Alles fort war, was beweglich war, mußten die Oefen dran und die Fenster und die Stallthüren. Bei der Heimkehr des alten Fink sah es in der Regel am häuslichen Herd ziemlich unfreundlich aus und er mußte jedesmal tief in den Geldbeutel steigen, um Alles wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. Es setzte dann auch scharfe Auftritte ab. Einmal flog sogar dem Schwiegersohn eine Kugel hart am Kopfe vorbei und schlug in die Wand. Aber das nächste Mal war es doch wieder so. Ebenso brauchte aber auch der alte Fink für seine eigene Person schon ganz ansehnliche Summen. Er aß und trank gern gut, war sehr gesellig und spielte gern den großen Herrn. In seinem Hause hielt er offene Tafel. Im Wirthshause waren die, die an seinem Tische saßen, stets seine Gäste. Bei Kirchweihen und Märkten gingen Hunderte drauf. Als es ihm einmal eines Morgens an Gesellschaft fehlte und eine Anzahl Holzhauer vorübergingen, rief er diese herein, bezahlte Jedem einen Gulden Taglohn und bewirthete sie bis spät in die Nacht hinein. – Diesmal war er zu seinem besonderen Malheur zur Sommerszeit heimgekehrt und hatte sich von einem heimischen Badeorte fesseln lassen, während Frau und Mädchen bereits nach Hause waren. Bald war er dem allgemeinen Strome zur Spielbank gefolgt. Er hatte anfangs viel Glück und lebte ein paar Tage herrlich und in Freuden. Aber auf einmal wandte sich das Spiel und er verlor Alles – Alles, so daß er nicht einmal den Wirth bezahlen konnte und zu Fuß heim wandern mußte. Zu Hause wurde er nicht sehr aufmunternd von seiner Frau empfangen, die, von Geburt eine Schottin, als Geizdrache allgemein bekannt war. Sie hatte zwar schon bei Zeiten einen schönen Nothpfennig zurückgelegt, aber es war hart für den alten Fink, von ihrer Barmherzigkeit leben zu müssen. Er lebte bereits in zweiter Ehe. Seine erste Frau war auf eine schauerliche Weise in Australien um's Leben gekommen. Er war damals noch kein Seelenverkäufer. Aber er war immer unternehmend. So war er von Adelaide aus mit seiner Frau zu verschiedenen Malen unter die Eingebornen gegangen. Seine Frau hatte sich in einen phantastischen verlockenden Anzug gehüllt und trug ein Branntweinfäßchen auf dem Kopf. Er war dagegen mit Harmonika und Revolver bewaffnet. Wenn sie nun einen Lagerplatz der Eingebornen erreicht hatten, wurde der Branntwein ausgetheilt, und während sich dieselben berauschten, ließ er Lieder und Tänze erschallen und seine Frau sang, tanzte und machte allerhand Gaukeleien. Ihre Einnahmen waren außerordentlich, weil sie Goldkörner für den Branntwein erhielten. Aber als einmal der Golddurst erwacht war, waren sie hiermit nicht mehr zufrieden. Ihnen glänzten die Goldklumpen, die die Eingebornen in Nase und Ohren trugen, zu sehr. Sie thaten betäubende Dinge in den Branntwein, und als nun Alles berauscht und betäubt da lag, schnitten sie die Ohren- und Nasenzierden ab. Es gelang ihnen auch ein-, zweimal. Aber sie hatten dadurch die Eingebornen in Wuth gebracht, und als sie es zum dritten Mal versuchten, wurden sie überfallen und nur mit Mühe entkam er allein. Seine Frau blieb in den Händen der Kannibalen zurück. Den nächsten Tag fand er ihren furchtbar verstümmelten Leichnam. – Die mit dem Blut seiner Frau erkauften Goldkörner wurden das Kapital zu seinem Seelenhandel.
Sein Verhältniß zu dem Bürgermeister des Dorfes war fast zärtlicher Natur. Sie waren Schul- und Jugendfreunde. Eine Leidenschaft und ein Streben vereinigte sie. Wenn sie nicht Freunde waren, mußten sie Nebenbuhler sein, denn sie waren gleich groß im Trunk und Kartenspiel und in ihrer Begeisterung für das schöne Geschlecht. Dieses innige Band der Freundschaft hatte sich im Alter nicht gelöst, so wenig wie ihr Bestreben und ihre Begeisterung aufgehört hatte. Es war sogar noch inniger geworden, je mehr sie sich gegenseitig nöthig hatten. Der Bürgermeister brauchte Geld für seine kostspieligen Liebhabereien und der alte Fink brauchte obrigkeitlichen Schutz.
Sie standen jetzt Beide in den Sechzigen und waren ein ausgesuchtes Paar. Der alte Fink, eine kurze gedrungene Gestalt mit einem Körper von Stahl. Denn alle Klimate der Erde und ein wüstes, ausschweifendes Leben hatten an ihm gerüttelt, aber er schritt noch so fest einher, wie ein Jüngling. Er glich in seinem Auftreten einem behäbigen, gemüthlichen Bürgersmann, und seit sein Haar schneeweiß war, hatte er sogar etwas Ehrwürdiges.
Der Bürgermeister dagegen war ungewöhnlich lang und schwank und trug eine Nase im Gesicht von einer überraschenden Größe, Schwere und Röthe. Es war, als hätten sich alle Nasen seiner ungnädigen Vorgesetzten zu einer Nase vereinigt und diese spielte nun in allen Farben des Regenbogens. Ueber dieser Urgroßmutter aller Nasen thronte eine Brille mit dicken, großen Gläsern, in der eigentlich der Zauber seiner bürgermeisterlichen Würde verborgen lag. Denn wenn er redete, schob er sie auf die Stirne und zog die Nase herunter. Auf diese Weise erhielt sein Gesicht eine Wichtigkeit, daß die hohen schnorrenden Nasentöne, die nun hervorkamen, ihre Wirkung nicht verfehlen konnten. Er war gewöhnlich schweigsam, denn so kostbare Waare, wie seine Worte, durfte nicht wohlfeil werden. Sein Gewissen lag in einem Branntweinsglas und kam nur dann wieder zum Vorschein, wenn man nicht frischen Branntwein darüber goß. Er war von Morgens bis Abends im Wirthshaus – wahrscheinlich um Ordnung zu halten; machte auch dort seine Geschäfte ab. So sagte man in der Umgegend: Wer den Bürgermeister von F. sehen will, muß ihn durch ein Schnapsglas betrachten.
Im Winter war eigentlich seine fette Zeit; im Sommer lag er oft brach und mußte sich mit Holzfuhrknechten, mit Scheerenschleifern und allerhand Gesindel, was gewöhnlich auf der Grenze umherspukte, begnügen.
Wenn wir übrigens das Rathen und Thaten dieser zwei Helden näher betrachten wollen, müssen auch wir sie im Wirthshaus aufsuchen.