9. Kapitel.
Ehe oder freie Liebe.
Angesichts der Ekelhaftigkeit und Gefährlichkeit der Prostitution, wie sie soeben geschildert worden ist, werden sich gar manche versucht fühlen, in einem sog. „Verhältnis“ Befriedigung zu suchen bis zu dem Zeitpunkte, wo sie imstande sind, eine Ehe zu schließen. Sie mögen aber folgendes zu Herzen nehmen:
Volle Sicherheit vor Ansteckung würde ein solches Verhältnis nur dann bieten, wenn es mit einer Jungfrau eingegangen wird und wenn beiderseits strenge Treue bewahrt wird, denn bei der heutigen Verbreitung der Geschlechtskrankheiten ist, wie schon früher betont wurde, jeder polygamische Verkehr in hohem Grade gefährlich. Bei einem Mädchen, das sich leichten Herzens, etwa gar gegen Entgelt in irgendwelcher, wenn auch verhüllter Form, zu einem solchen „Verhältnisse“ hergibt, darf man aber nicht auf Treue rechnen. Wenn es, wie dies so häufig der Fall ist, schon von Hand zu Hand gewandert ist, ist es kaum weniger gefährlich als die offenkundige Prostituierte. Auch davor sollte sich der von Streben nach Höherem erfüllte junge Mann scheuen, daß das Zusammenleben mit einem Mädchen, das geistig und gemütlich tief steht, das kein Verständnis für seine Ziele hat und nur triviale Vergnügungen kennt, sein eigenes Kulturniveau erniedrigen muß. Ein solches „Liebesverhältnis“ beschmutzt seelisch weit mehr als der gelegentliche Besuch bei einer Prostituierten, der den Charakter einer Notdurftsverrichtung, wie der Besuch eines öffentlichen Aborts, hat.
Der unerfahrene Jüngling lasse sich auch gesagt sein, daß für ein weibliches Wesen nichts leichter ist, als Liebe und Verlangen zu heucheln, und daß es nicht wenige niedrig denkende Weiber gibt, die mit klarer Überlegung auf den Fang von solchen Gimpeln ausgehen, die, durch den Geschlechtstrieb blind gemacht, bereit sind, der Frau, welche ihnen Liebe heuchelt und die letzte Gunst gewährt, Geld und Arbeitskraft zu opfern, ihr die Sorge um den Lebensunterhalt wenigstens für einige Zeit, wenn nicht für immer abzunehmen, ihre Luxusbedürfnisse und Launen zu befriedigen. Gar mancher Harmlose meint zu erobern, während er wehrlos gefangen wird. Die Frau, die im selbständigen Lebenskampfe dem Manne nicht gewachsen ist, besitzt in der klugen Benutzung des männlichen Triebes eine Waffe, deren rücksichtsloser Gebrauch ihr nicht allzu selten vollen Triumph verschafft.
In den Augen der Kurtisane ist der Mann ein dumm-gieriges Tier, das dazu da ist, für die Frau zu arbeiten, und, wenn es ihr Gut und Blut geopfert hat, noch immer dankbar sein muß, wenn sie es zu sich ins Bett läßt. Eine solche Gesinnung hat früher in der bürgerlichen Welt als verächtlich gegolten; die moderne Selbstvergötterung der Frau hat es aber fertiggebracht, auch die „Dame“ für diese Auffassung und deren sehr einträgliche Verwertung in der Ehe zu begeistern. Die Frau ist die Krone der Schöpfung; der Mann ein Wesen niederer Art, geschaffen, sie zu ernähren und zu bedienen! Amerika und England sind hierin die leuchtenden Vorbilder für das „rückständige“ Deutschland. Für diese Sorte Weiber gilt das Wort Nietzsches: „Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht!“
Ein ehrbares, hochgesinntes Mädchen zu einem „Liebesverhältnisse auf Zeit“ verleiten ist auch dann ein unverantwortliches Beginnen, wenn es mit voller Offenheit über die Endabsichten geschieht. Selbstverständlich ist es eine Schlechtigkeit, Kinder in die Welt zu setzen, für die man nicht sorgen will oder nicht sorgen kann. Das Schicksal der unehelichen Kinder ist ein überaus trauriges. Ihre Sterblichkeit ist im Vergleiche mit jener der ehelichen Kinder sehr hoch; die Zahl der Militärdiensttauglichen unter ihnen ist niedrig. Zeigen diese Tatsachen, wie schlecht es im Durchschnitt mit ihrer körperlichen Gesundheit steht, so lehrt die verhältnismäßig große Zahl von Geisteskranken, Selbstmördern, Trinkern und Verbrechern unter ihnen, daß auch ihre geistige Gesundheit keine bessere ist. Wenn auch sehr viel davon Erbschaft der Minderwertigkeit ihrer leichtsinnigen Erzeuger ist, so haben doch auch ungenügende Pflege und Erziehung einen wesentlichen Anteil daran. Kein halbwegs gewissenhafter Mann wird es also auf die Möglichkeit der Erzeugung eines unehelichen Kindes ankommen lassen wollen. Er könnte von vornherein bei einem solchen Verhältnisse nur an Geschlechtsverkehr mit Verhinderung der Empfängnis denken. Er möge aber zunächst sich klarmachen, wie leicht in einem Augenblicke leidenschaftlichster Erregung alle Vorsätze vergessen werden, das Nichtbeabsichtigte doch geschehen kann. Und selbst dann, wenn das Schlimmste, leichtsinnige Schwängerung, vermieden wird, bleibt ein solches Verhältnis unsittlich, ein Verstoß gegen die Nächstenliebe wie gegen eine der wichtigsten Forderungen sozialen Lebens.
Ich will nicht davon reden, daß schon die Entjungferung an sich dem Mädchen Schaden bringt, indem sie ihm das spätere Eingehen der Ehe erschwert, da der Mann mit vollem Recht die unberührte Frau als Gattin bevorzugt.
Die Hauptsache ist, daß es ohne Schädigung oder tiefe Verwundung der weiblichen Seele dabei nicht abgeht. Der Wunsch nach Mutterschaft ist der gutgearteten Frau eingeboren. Nur dann, wenn der Geschlechtsverkehr ihr die Hoffnung eröffnet, Mutter zu werden, beglückt er sie vollkommen. Wer eine Frau unter erbärmlichen Praktiken in den Geschlechtsverkehr einführt, beraubt sie um die Stunde höchster Glücksempfindung, die ihr die redliche Ehe mit den ersten schrankenlosen Umarmungen gebracht hätte.
Noch schlimmer ist der Schaden, den ihr die Auflösung des Liebesverhältnisses bringt. Die Frau, der von der Natur die Last der Mutterschaft auferlegt ist, sucht instinktiv bei dem Manne dauernden Anschluß, dauernden Schutz. Daher die Innigkeit der Liebe der rechten Ehefrau, die weit über ihre Freude am physischen Genusse hinausgeht, daher ihre Treue und ihr Verlangen nach Treue. Auch wenn sie das Liebesverhältnis eingegangen haben sollte mit dem vollen Bewußtsein, daß es nur eine Episode werden solle, unvermerkt wird es ihr zum wesentlichen Lebensinhalt, so daß seine Auflösung eine Wunde setzt, die nur schwierig vernarbt und fürs ganze Leben schmerzt. Der besser veranlagte Mann, der diesen Kummer kommen sieht, fühlt sich dann oft außerstande, das Band zu zerreißen, und sieht sich durch Mitleid an ein Wesen gefesselt, das vielleicht doch nicht in seine Lebenssphäre paßt, doch nicht alle jene Eigenschaften besitzt, die er bei seiner Lebensgefährtin gewünscht hätte.
Gelingt es dem Manne aber, der Frau seine eigenen brutal sinnlichen, polygamischen Neigungen beizubringen, dann zerstört er in ihr die sozial wertvollsten Empfindungen, dann macht er sie auch seelisch untauglich, eine gute Gattin und Mutter zu werden.
Wir müssen die Keuschheit der Frau als höchstes soziales Gut schätzen und pflegen, denn in der Keuschheit der Frau ist die einzige sichere Bürgschaft dafür gegeben, daß wir wirklich die Väter unserer Kinder sein werden, daß wir für unser eigenes Blut uns mühen und schaffen. Ohne diese Bürgschaft aber keine Möglichkeit eines gesicherten, innigen Familienlebens, dieser auf absehbare Zeit unentbehrlichen Grundlage für das Gedeihen von Volk und Staat. Darin und nicht in der selbstsüchtigen Willkür des Mannes ist es begründet, daß Gesetz und Sitte strengere Anforderungen an die Frau bezüglich Keuschheit vor der Ehe und Treue in der Ehe stellen als an den Mann. Es steht bei ihrer Ungebundenheit viel mehr auf dem Spiele als bei seiner.
Man schwärmt heute viel von der „Freien Liebe“ mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit von Mann und Frau, als Ersatz für die heutige, bürgerliche Ehe, deren Schattenseiten und Härten man nicht schwarz genug zu schildern weiß. Aber diese Schwärmereien, die ihr Bestechendes haben, sind vom hygienischen Standpunkte aus verwerflich. Sie müssen daran scheitern, daß es über die physische Leistungfähigkeit der ungeheuren Mehrheit der Frauen hinausgeht, neben den Bürden der Mutterschaft und der Pflege und Aufzucht der Kinder auch noch die des selbständigen Erwerbes zu tragen.
Das Verderblichste an der sog. Frauenemanzipation und der Erwerbsarbeit der verheirateten Frau liegt darin, daß in dem Widerstreite zwischen Mutterschaft und Berufspflichten in der Regel die erstere den kürzeren zieht. Wenn überhaupt Kinder kommen, sind sie meistens kümmerlich. In der Regel hintertreibt man die Entstehung von Kindern von vornherein. Nichts gefährdet die Fruchtbarkeit der Kulturvölker mehr als die moderne außerhäusliche Erwerbsarbeit der Frau und die aus ihr hervorgegangene Frauenbewegung.
Die Teilung der Arbeit zwischen Mann und Weib im gemeinschaftlichen Wirtschaftsbetriebe der Familie ist gerade für die Frau ein physiologisches und kulturelles Bedürfnis. Sie sichert auch den Kindern am besten Pflege und Erziehung. Es wäre ein ungeheurer Rückschritt gerade im Sinne individueller Entwicklung, wenn an Stelle der Familienerziehung Massenaufzucht in öffentlichen Anstalten treten würde. Dies wäre, nebenbei bemerkt, auch ein ungeheurer Verlust an jenen Lustempfindungen, die dem Menschen aus dem Zusammenleben von Eltern und Kindern erwachsen.
Gewiß wird es in jeder Ehe Zeiten — wenn auch vielleicht nur Augenblicke — hochgradiger Verstimmung geben, wo es als drückende Last empfunden wird, aneinandergefesselt zu sein. Über solche unglückliche Störungen werden jene Gatten am leichtesten hinwegkommen, die keusch in die Ehe eingetreten und einander treu geblieben sind. Der Liebesgenuß, den sie ausschließlich beieinander zu suchen und zu finden gewohnt sind, ist etwas unendlich Süßes, das sie immer wieder zusammenführt und versöhnt.
Alles in allem genommen ist die Ehe der richtige Boden für heiteres Gedeihen von Mann, Weib und Kind, und gehen diejenigen nicht irre, die sich nach der Ehe sehnen und nach ihr trachten!
Wie wenig wissen überhaupt diejenigen, welche immer nur an die körperliche Schönheit des jungen Weibes und an den physischen Geschlechtsgenuß denken und welche die Menschen bejammern, daß sie durch Gesetz und öffentliche Meinung im geschlechtlichen Verkehr auf ein einziges Individuum beschränkt werden, von dem Glücke, das aus dem seelischen Unterschiede und der seelischen Anziehung von Mann und Weib zu erwachsen vermag! Wie bedauernswert sind diejenigen, die im Weibe nur das jagdbare Wild sehen, an dem man seine Stärke und seine List übt und an dem man, wenn man es gefangen hat, als Tier mit dem Tiere seinen physischen Drang befriedigt, solange einem dies Spaß macht! Sie ahnen nicht, daß auf der Grundlage gegenseitiger Achtung, Treue und Güte zwischen Mann und Weib ein Bund der Kameradschaft und Freundschaft entsteht, der, indem er Leib und Gemüt befriedigt, weit höhere und dauerhaftere Glücksgefühle bereitet als der rasch verfliegende Rausch der Brunst.
Der erwachende Jüngling betrachtet das Weib, dessen Leib und Seele dazu geschaffen ist, Mutter zu werden, mit Ehrfurcht; mit jener Ehrfurcht, die er seiner eigenen Mutter widmet, die ihn geboren, gesäugt und aufgezogen hat. Möchte er doch diese Empfindung, stark und rein, unbefleckt durch gemeinen Genuß, in die Ehe hinübernehmen. Dann wird diese an ihm das Dichterwort völlig wahr machen können. „Das ewig Weibliche zieht uns hinan!“
Mit diesen Worten soll keineswegs eine blinde Schwärmerei für das Weib in der Wirklichkeit erweckt werden. Nur allzu viele Weiber haben recht wenig „Ewigweibliches“, dafür aber ein ausgiebiges Maß von „Allzuweiblichem“ in sich, geradeso wie die meisten Männer Mangel an „Ewigmännlichem“ und Überfluß an „Allzumännlichem“ leiden. Aber durch gewissenhafte Arbeit kann aus wenigem viel und aus viel wenig gemacht werden. Je höher das Ziel ist, nach dem wir streben, um so Höheres werden wir erreichen. Wer einem anderen Menschen von vornherein zeigt, daß er ihn keiner höheren Leistung für fähig hält, wird ihn auch niemals zu einer solchen bringen. Je reiner und edler das Ideal der Weiblichkeit ist, das der Mann erträumt und ersehnt, je größeres Vertrauen er in die Fähigkeit der Frau setzt, sich diesem Ideale zu nähern, um so besser wird es ihm gelingen, die vorhandenen Keime des Ewigweiblichen im Weibe zu wecken. Je niedriger er die Frau von vornherein bewertet, um so mehr Niedriges wird er auch in ihr finden. Der Mann vergesse nie, daß er zur Führerschaft berufen ist, und daß, wenn er als Führer versagt, das ganze Volk in die Irre gehen muß.
Natürlich gilt ganz Ähnliches wie von dem Einflusse des Mannes auf die Frau auch vom Einflusse der Frau auf den Mann. Kaum etwas spornt den Mann mehr zur Tat als der Beifall der Frau. Nicht als Kämpferin auf dem Kampfplatz der Männer, aber als Kranzspenderin lenkt die Frau die völkische Entwicklung mit. Wenn sie nur dem edlen Wettstreit ihren Beifall spendet, nur nützliches, tüchtiges und rechtschaffenes Handeln belobt und belohnt, leistet sie ihrem Volk den besten Dienst. Der Adel ihres Wesens und Verhaltens bestimmt den Adel ihres Hauswesens, die Gesittung ihrer Familie.
Die Macht der Frau als Gattin und Mutter ist so groß, daß sie mitten in einer Wüste von Dummheit und Ichsucht, an deren Urbarmachung die treueste Arbeit des Mannes scheitert, eine Oase von Seelenhoheit und Glück zu schaffen vermag, — wenn sie nur selbst ein reines Herz besitzt! Nur der Umstand, daß in der modernen Frauenbewegung alte Jungfern das große Wort führen, die infolge ihres bedauerlichen Schicksals von der Größe und Herrlichkeit des wahren Frauenberufes nichts ahnen, macht es verständlich, daß die „moderne Frau“ das Reich der Ehe und Familie, wo die Frau als Verwirklicherin des Ideals edler Menschlichkeit den Kreis ihrer Lieben beglücken und dadurch unberechenbare Fernwirkungen ausüben kann, als Gefängnis haßt und verachtet und mit unbelehrbarer Leidenschaftlichkeit in die unerfreuliche Welt des Mannes hineindrängt, um dort auf seinen Wegen kümmerlich dahinzukriechen. Dorthin, wo ein — wenn auch kleines — Reich dauernden Friedens bestehen kann, trägt die „Emanzipierte“ mit ihrer Selbstsucht Unruhe und Kampf; in der Welt des Mannes aber, für welche Kampf und Krieg unerschütterliches Gesetz sind, will sie, in der richtigen Einsicht, daß der Krieg die Unfähigkeit der Frau für das Staatsleben zu völliger Nacktheit enthüllt, den „ewigen Frieden“ stiften, wobei sie nichts anderes erreichen kann, als den Herzen der Männer Schwachheit, Wehleidigkeit und Feigheit einzuflößen.
Es gehört zu den größten Mängeln unserer gesellschaftlichen Einrichtungen, daß sie der Mehrzahl erst lange nach Eintritt der Geschlechtsreife das Eingehen der Ehe gestatten. Wie viele könnten aber auch unter den heutigen Verhältnissen längst die Wonnen jugendkräftiger Liebe ohne Gewissensskrupel in der Ehe genießen, wenn sie mit einem bescheidenen Haushalte zufrieden wären, wenn nicht der Hang nach trägem Wohlleben und nichtigem Luxus oder töricht überspannter Ehrgeiz sie von der Ehe zurückschrecken würde!
Ich bin am Schlusse meiner Erörterungen angelangt. Aus der ungeschminkten Darstellung der Wirklichkeit ergeben sich ungezwungen die Folgerungen. Die Hygiene kommt zu ganz denselben Forderungen wie die Moral. Die oberste Forderung ist: daß jeder seinen Geschlechtstrieb beherrschen lernen muß! Enthaltsamkeit von allen geschlechtlichen Genüssen bis zum Eintritt der vollen Geschlechtsreife und bis zur Vollendung des eigenen Wachstums! Befriedigung des Geschlechtstriebes ausschließlich in der Ehe! Maßhalten im Genusse; auch in der Ehe!
Die Zahl der Kinder darf man nicht so weit anwachsen lassen, daß es der Familie unmöglich wird, sie zu ernähren und aufzuziehen.
Die Erzeugung von Kindern, die voraussichtlich krank oder minderwertig geraten würden, muß unterlassen werden.
Dagegen hat der Gesunde und Tüchtige seinem Volke gegenüber geradezu die Pflicht, zahlreiche Nachkommen zu erzeugen. Es ist ein unersetzlicher Verlust für die Nation und eine Sünde an ihr, wenn — wie dies so häufig geschieht — gerade geistig und sittlich hochstehende und dabei körperlich gesunde Männer ehelos bleiben und sich der Fortpflanzung enthalten, wenn so gerade der edelste Keimstoff vergeudet wird! Heute mehr als je, da uns der Weltkrieg Hunderttausende von Männern bester Art geraubt hat!
Regelung des ganzen Geschlechtslebens im Dienste der Fortpflanzung! Veredelung des rein tierischen Verkehrs zu einer sittlichen Gemeinschaft!
Dies ist das Ideal! Möge die Jungmannschaft ihm aus allen Kräften nachstreben zum Wohle von Volk und Staat!
Soeben erschien:
Hygiene der Nerven und des Geistes
Von Prof. Dr. Aug. Forel
Vierte, verbesserte und erweiterte Auflage
348 Seiten mit Tafeln und Textbildern
Geheftet M 3.40 :: Gebunden M 4.20
Der berühmte Gelehrte räumt in diesem Werke mit den vielen landläufigen Vorurteilen, all den bequemen Schlagwörtern von Modekrankheit, von Überbürdung mit Arbeit u. a. und all den verkehrten Ansichten über unsere Lebensweise gründlich auf. Seine Darstellung spricht zum Verstande und zum Herzen, sie weist klar und sicher auf die vielfältigen Ursachen der Nervosität hin und auf die Fehler, die der Kulturmensch gewohnheitsmäßig Tag für Tag macht und dadurch sein Nervenleiden selbst verschuldet. Der Verfasser zeigt Mittel und Wege zur Gesunderhaltung der Nerven und zur Herbeiführung ihrer Wiedergesundung. Die Darstellung der Nervenhygiene des Kindesalters, die das Buch gibt, verdient die besondere Beachtung aller Kreise.
Bücherei der Gesundheitspflege
········ Herausgeber: ········
Obermed.-Rat Dr. F. v. Gußmann und Geh. Medizinalrat Prof. Dr. M. Rubner a. d. Universität Berlin
Die Bedeutung einer verständigen Gesundheitspflege erschließt sich in neuerer Zeit immer weiteren Kreisen. Dem Laien, der sich über ihre Aufgaben und Ziele genau unterrichten will, bietet sich in der „Bücherei der Gesundheitspflege“ die beste Gelegenheit, über alle Fragen der allgemeinen wie der speziellen Hygiene belehrt zu werden. Die Arbeiten dieser Sammlung sind wahre Meisterstücke der Volksaufklärungskunst. Wissenschaftlicher Ernst durchdringt ein jedes der prächtigen Bücher. Klare, übersichtliche Anordnung des Materials, deutliche, schöne Abbildungen, die berühmten Namen der Autoren, von denen jeder eine Größe in seinem Fache ist, endlich der äußerst geringe Preis lassen die „Bücherei der Gesundheitspflege“ ungemein empfehlenswert erscheinen. Die Sammlung wurde auf der Ausstellung für Wohlfahrts- und Gesundheitspflege in Berlin sowohl wie auf der Allgemeinen hygienischen Ausstellung in Wien mit der goldenen Medaille, und auf der Weltausstellung in Brüssel mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet.
— Verzeichnis der erschienenen Bände nebenstehend. —
Aufgaben, Zweck und Ziele der Gesundheitspflege von Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Orth. Brosch. M —.80. Eleg. geb. M 1.—.
Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung von Hofrat Pro. Dr. Schottelius. Mit 33 Taf. Br. M 5.—. Eleg. geb. M 6.—.
Gesundheitspflege im täglichen Leben von Prof. Dr. Grawitz. Brosch. M 1.50. Geb. M 2.—.
Hygiene des Auges von Prof. Dr. v. Sicherer. Mit vielen Abbild. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.
Hygiene der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes von Prof. Dr. Neumayer. Mit Tafeln und Abbildungen. Br. M 1.80. Geb. M 2.25.
Hygiene der Zähne und des Mundes von Prof. Dr. Port. Mit 4 Taf. u. Abbildungen. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.
Hygiene der Lunge von Prof. Dr. v. Schrötter. Mit 18 Originalabbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.
Hygiene der Nerven und des Geistes von Prof. Dr. Forel. Mit 4 Tafeln und 6 Textabbild. Brosch. M 3.40. Geb. M 4.20.
Hygiene des Magens, des Darms, der Leber und der Niere von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Ewald. Mit Tafeln und Illustrationen. Brosch. M 2.—. Geb. M 2.50.
Hygiene des Stoffwechsels von Prof. Dr. Dennig. Brosch. M 1.20. Geb. M 1.50.
Hygiene des Blutes von Medizinalrat Dr. Walz. Mit 4 kol. Abbild. Br. M 1.20. Geb. M 1.50.
Hygiene des Herzens und der Blutgefäße von Prof. Dr. Eichhorst. Mit 9 Tafeln. Brosch. M 2.—. Geb. M 2.50.
Hygiene der Haut, Haare und Nägel von Prof. Dr. Riecke. Mit 17 Originalabbildungen. Brosch. M 2.40. Geb. M 3.—.
Hygiene des Geschlechtslebens von Obermedizinalrat Professor Dr. v. Gruber. Mit 4 Taf. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.
Entstehung und Verhütung der menschlichen Mißgestalt von Prof. Dr. Lange und Prof. Dr. Trumpp. Mit 125 Abbildungen. Brosch. M 1.60. Geb. M 2.—.
Säuglingspflege und allgemeine Kinderpflege von Prof. Dr. Trumpp. Mit 35 Abbildungen. Brosch. M 1.80. Geb. M 2.25.
Körper- und Geistespflege im schulpflichtigen Alter von Professor Dr. Trumpp. Brosch. M 1.40. Geb. M 1.80.
Gesundheitspflege für Frauen und Mütter von Prof. Dr. S. Gottschalk. Mit 7 Tafeln und 32 Textbildern. Brosch. M 2.40. Gebunden M 3.—.
Körperpflege durch Gymnastik, Licht und Luft von Dr. Jaerschky. Mit 42 Illustrationen. Brosch. M 1.60. Elegant geb. M 2.—. Übungstafeln apart M —.80.
Körperpflege durch Wasseranwendung von Prof. Dr. Rieder. Mit 10 Tafeln und 16 Textabbild. Brosch. M 2.40. Eleg. geb. M 3.—.
Hygiene der Kleidung von Prof. Dr. Jaeger und Frau Anna Jaeger. Mit 94 Abbildungen. Brosch. M 2.50. Geb. M 5.—.
Nahrungsmittel- u. Ernährungskunde von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Rubner. Mit viel. Tabellen. Brosch. M. 2.—. Eleg. geb. M 2.50.
Ausführliche Prospekte versendet kostenfrei der Verlag:
Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.
FUSSNOTEN:
[A] Zum Glück für die anderen Organismen mit geringerer Vermehrungsfähigkeit werden die Umstände rasch ungünstiger in dem Maße, als die Zahl der Nachkommen zunimmt, so daß in der Wirklichkeit die Nachkommenschaft niemals in annähernd so raschem Tempo wächst. Immerhin macht uns ihre außerordentlich große Vermehrungsfähigkeit begreiflich, wieso diese winzig kleinen Wesen rasch so gewaltige Veränderungen hervorrufen können, wie wir sie bei der Gärung und Fäulnis oder bei gewissen ansteckenden Krankheiten beobachten.
[B] Von dieser Regel gibt es viele Ausnahmen. Es sind Fälle von Befruchtung durch 11jährige Knaben bekannt. Ebenso kommt verspäteter Eintritt der Geschlechtsreife vor.
[C] Auch der Säfteverlust durch die häufige Samenentleerung mag schädlich sein, obwohl die entleerten Mengen selbst bei extremer Ausschweifung so klein sind, daß an einen schädlichen Verlust von Eiweiß nicht zu denken ist. Es ist möglich, daß der Verlust von spezifischen Absonderungsprodukten der Hoden empfunden wird, die bei Mäßigkeit zum Teil wieder aufgesogen worden wären. (S. o.)
[D] Die Einführung des Gliedes in die durch zersetztes Blut verunreinigten weiblichen Geschlechtsteile kann übrigens auch beim Manne zu Entzündungen und kleinen Abszessen an der Eichel und an der Vorhaut Anlaß geben.
[E] Es kann auch Schwängerung erfolgen, wenn der Samen außen auf die Schamspalte oder in deren Nähe ergossen worden ist.
[F] Bei der Entstehung der Paralyse scheint auch nicht selten der Alkoholmißbrauch beteiligt zu sein.
[G] Auch in diesen Fällen gewährt der Kondom einen wertvollen, wenn auch keineswegs ganz sicheren Schutz.