Einblick in die Negerküche
tun lassen.
(mtinko und kivarevare).
Das beliebteste Gericht ist wohl der Maisbrei, vugai oder vusoro genannt. Als Zuspeise gibt es Fleisch und eine manchmal sehr schmackhaft zubereitete Tunke oder eine einfache Tomaten- oder Gemüsesoße. Zuerst wird der trockene Mais gestampft, um ihn von der harten äußeren Schale zu befreien. Die so geschälten Körner werden zwei oder mehrere Tage in Wasser eingeweicht und dann im Mörser zu feinem Mehl verarbeitet. Das erste Stampfen heißt kusankana = schälen, das zweite kuhua = mahlen. Inzwischen hat die Hausfrau Wasser aufs Feuer gesetzt und in einem andern Gefäß einen Teil des Mehles mit warmem oder kaltem Wasser angerührt, der in das kochende Wasser geschüttet wird. In diesem Stadium heißt die Speise muswa = Schleimsuppe und wird besonders von Kranken viel genossen. Dann tut die Köchin etwas von diesem Muswa in eine Schüssel, und gibt den Rest des Mehles in den Topf, der auf dem Feuer steht. Wird der Brei nun zu steif, so gießt sie von der Reservemuswa hinzu. Der große Rührlöffel heißt mtinko. Mit diesem wird auch der Brei aus dem Topf genommen und in Strohkörbchen oder Strohtellern aufgetragen. Die Oberfläche wird vorher mit einem Maiskolben schön geglättet.
Die Gäste hocken auf der Erde um den verlockend dampfenden Brei, neben dem die Tunke und ein Gefäß mit Wasser steht, in welchem sich jeder die rechte Hand wäscht. Es ist verpönt, die Schale zum Reinigen beider Hände zu benützen. Der Betreffende wird dann wohl gefragt: „Hast du dich heute noch nicht gewaschen?“ Mit Daumen und Zeigefinger wird nun kunstvoll ein Kloß „abgeschnitten“, wie der Fachausdruck lautet, dieser in der Hand „geformt“ und in der Mitte eine Vertiefung (kirindi) eingedrückt, die zur Aufnahme der Tunke bestimmt ist, in welche der Kloß jetzt getaucht wird. Dann ist er zur weiteren Verwendung fertig.
Mit Entsetzen hat sich schon mancher auf Anstand beim Essen haltende Schwarze von einem darüber anders denkenden Volksgenossen oder — Europäer abgewandt, nachdem er seine Tischgenossen eine Weile beobachtet hatte. Wir dürfen uns nämlich nicht denken, daß man bei den Negern nicht auf Sitte und Takt hielte. Weit gefehlt! sie haben ein außerordentlich feines Empfinden für das, was sich schickt. Nur daß sie oft andre Formen gewählt haben, ihre Empfindungen zum Ausdruck zu bringen bzw. ihren Anstand zu beweisen. Wenn z. B. der Gast nach einer wenn auch bescheidenen Mahlzeit recht kräftig und wiederholt aufstößt, so bedeutet das in unsre Sprache übersetzt etwa: „Vielen Dank für die erwiesene Gastfreundschaft! Sie sehen, ich bin völlig gesättigt, es hat mir sehr gut gemundet.“ In einer Negerhütte mag auch diese Art des Dankes die natürlichste sein; in europäischer Umgebung aber ist es etwas außerordentlich Befremdliches. Deshalb wird man das Entsetzen meiner Frau verstehen, als ihr der Regierungshäuptling auch bei uns in der Wohnung nach einem kleinen Imbiß, den er eingenommen, auf obige Weise kräftig und wiederholt „mitteilte“, daß er wohl gespeist habe.
An zweiter Stelle erscheint auf dem Küchenzettel der Parehausfrau ein Maisgericht, mpure.
Der harte Mais wird wiederum durch Stampfen im Holzmörser von den Schalen befreit. Dieser so gewonnene „reine Mais“ wird mit Wasser aufgesetzt und einige Stunden auf großem Feuer gekocht. Man gibt Gemüse, wilde Spinatsorten, Kürbis, Tomaten oder ähnliches hinzu und läßt alles auf dem Feuer gar werden. Die Speise wird gewöhnlich in einer Tonschale (kiviga) serviert, oft auch noch saure Milch hineingegossen. Dieses Mpure ist sehr schmackhaft.
Von links nach rechts: kihampa, mbobo, mbobo wa mrori.
Ein andres Essen aus grünem Mais wird auf folgende Weise zubereitet:
Ganz junger Mais wird vom Kolben gelöst und im Mörser gestampft. Die Masse wird nun in einen Topf mit Wasser getan und mit den Händen im Topf immer wieder ausgepreßt. Die Rückstände werden wieder gestampft und ausgepreßt. Beim drittenmal etwa schwimmen die Hülsen oben auf dem Wasser, werden noch einmal ausgepreßt und dann fortgeworfen. Die eßbaren festen Bestandteile (shengwa) werden im Mörser wieder gestampft, bis sie ganz fein geworden oder, wie die Parefrau sagt, „gestorben“ sind. Dann wird die Brühe unter Umrühren auf großem Feuer gekocht, bis sie sämig wird. Dieser Muswa wird in Tonschalen auf den Tisch gebracht, wollte sagen: auf die Erde gesetzt. Dabei fällt mir gerade ein, wie einer unsrer Zöglinge einmal witzig bemerkte: „Die Europäer essen auf Tischen, wir essen aber auf dem Erdball!“
Obere Reihe von links nach rechts: nyungu, nyungu, kidenende, kiviga.
Untere Reihe: msungi, sangu, kinaru.
Andre Speisen sind Bohnen und grüne Bananen, zusammengekocht, verschiedene Bananenarten mit der Schale gekocht und dann mit etwas Salz genossen, grüner Kolbenmais in den Hüllblättern gekocht, grüner gerösteter Mais, gekochte oder geröstete Süßkartoffeln.
Wenn der Paremann ein Stück Vieh schlachtet, so läßt er möglichst wenig abfallen. Das Blut wird gewöhnlich gleich auf dem Schlachtplatz verzehrt. Ich war selbst Zeuge, wie es in Töpfe aufgefangen und mit dem Mageninhalt des Schlachtochsen vermengt wurde! Die Masse wird beim Kochen steif und wird mit Salz genossen. Überhaupt sind die Pareleute beim Reinigen des Magens und der Gedärme nie sehr sorgfältig. Sie scheinen den Mageninhalt bei diesen Pflanzenfressern als Gemüse anzusehen. Wir brauchen uns aber gar nicht zu sehr über diese Barbarei zu entsetzen; denn der Neger seinerseits hört mit Ekel von eßbaren Vogelnestern, Austern, Muscheln, Schnecken und Froschschenkeln.
Obere Reihe: finga, ibunga, cha mpesya. Untere Reihe: cha tori, cha tori, mketi.
Kinder essen die kleinen Heupferde, indem sie sie auf Holzstäbchen lebendig aufspießen und dann über dem Feuer rösten, sowie auch Ratten. Bei den Waschambaa ist die Feldratte sogar ein beliebtes Gericht. Die große Wanderheuschrecke wird allgemein als Leckerbissen geschätzt. Sie werden in einer Tonscherbe geröstet und mit Salz genossen. Auch die Termiten werden zur Zeit ihres Hochzeitsfluges in Massen gefangen und geröstet oder gar roh gegessen.
Bienenstöcke kann man allenthalben in den Bäumen sehen. Da es keine Absperrungsvorrichtungen im Innern der Stöcke gibt, wodurch die Tätigkeit der Königin nur auf einen Teil des Stockes beschränkt würde, befinden sich sehr viele Larven in den Waben und weniger Honig. Aber der Paremann weiß sich zu helfen, indem er die kleinen Bienenlarven kurzerhand mit aufißt. Honig wird auch als Zusatz zu Zuckerrohrbier geschätzt.
Bier bereiten die Wapare vor allem von Zuckerrohr. Die geschälten Zuckerrohre werden auf Steinen zerrieben, diese Masse in das Wasser, in welchem bereits die Schalen gekocht worden sind, ausgepreßt. Zur Beschleunigung der Gärung werden Früchte des Leberwurstbaumes der Mischung zugefügt. Am andern Tag wird das bereits gegorene Bier in Kürbisflaschen gefüllt, und mittels dünner Rohrstäbchen, die zum Aufsaugen dienen, gelangt das leichte Bier in die allezeit durstigen Kehlen unsrer Wapare. Die Arbeit der Frauen ist das Zerreiben der Zuckerrohre, die Männer pressen die Masse aus. Die Lieder, die regelmäßig bei solchen Gelegenheiten gesungen werden, sind äußerst schamlos, besonders wenn das Bier für die Fruchtbarkeitsfeste bereitet wird.
Diese Aufzählung der Hauptspeisen, die einem Paremann nach günstiger Ernte zur Verfügung stehen, mag genügen, um zu zeigen, daß der Speisezettel des Schwarzen gar nicht so einförmig ist, wie man wohl annehmen möchte.