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Im Banne der Furcht

Chapter 41: Die Schmiedekunst.
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About This Book

Eine ethnographische Darstellung der Wapare in Ostafrika schildert Lebensstationen, Rituale und soziale Organisation: Geburt, Initiations‑ und Frauenfeste, Beschneidung, Erziehung von Jungen und Mädchen, Heirat und Scheidung werden systematisch dargestellt. Rechtssätze, wirtschaftliche Formen, Hausbau, Handwerk, Jagd‑ und Ackergeräte sowie Aspekte der Küche und des täglichen Lebens werden ausführlich erörtert. Ausführliche Kapitel behandeln religiöse Vorstellungen, Totemismus, Orakel, Heil‑ und Bestattungsriten sowie Dämonen‑ und Fetischglauben. Abschließend untersucht der Text Dichtung und Denkweisen der Gemeinschaft und reflektiert die Begegnung mit Mission und Islam sowie deren Auswirkungen auf Bräuche und Glaubenspraxis.

Die Schmiedekunst.

Die Schmiede bilden eine besondere Kaste. Das Waldfest begehen sie mit den andern Vaasu zusammen, die Frauenfeste dagegen feiern sie streng nur innerhalb der eignen Kaste. Meine Untersuchungen sind leider durch den Krieg unterbrochen worden und meine Aufzeichnungen verloren gegangen, so daß ich von den mystischen Schmiedefesten unsrer Wapare nur sehr wenig schreiben kann. Man erzählte mir, wie ich mich erinnere, daß z. B. dem Hammer als dem Hauptschmiedewerkzeug bei seiner Anfertigung geopfert würde. Der Novize, der in die „Innung“ aufgenommen werden soll, muß in der Festnacht einen großen und zwei kleine Hämmer schmieden. Dabei sollen die Teilnehmer eigentümliche Lieder singen und Totenklage halten. Den Text dieser Lieder habe ich leider mit so manchem andern Material in Afrika lassen müssen.

Schwerter.
Buschmesser.

Die Mädchen aus der Schmiedekaste werden von den Burschen der meisten andern Sippen gemieden. Verkehr mit ihnen würde eine bestimmte Krankheit zur Folge haben. Nur Jünglinge aus der gleichen Kaste können sie ohne Gefahr ehelichen.

Die Eisengewinnung ist Arbeit der Frau. Sie holt sich zu dem Zweck am Bach den schwarzen, eisenhaltigen Sand, trägt ihn auf einen Haufen und wäscht ihn aus. Dann baut sie sich ihren primitiven Hochofen auf, der in seiner Einfachheit gegenüber den bei andern afrikanischen Völkern gebräuchlichen Öfen wohl den Urtyp darstellt. Er besteht nämlich nur aus bis zu einer Höhe von etwa 30 cm ringförmig aufgebauten Feldsteinen und ist in den Fugen und Ritzen nicht einmal mit Lehm abgedichtet. In das Innere dieses sehr primitiven Hochofens schiebt sie eine 100–150 cm lange Tondüse zur Luftzuführung ein. Abwechselnd stapelt sie nun Holzkohlen und Eisenstaub in dem Ringofen übereinander auf. Die Holzkohlen hat sie sich auch vorher selbst dazu gebrannt, indem sie hierfür geeignetes Holz angezündet und im rechten Augenblick mit Wasser und Erde gelöscht hat. Am Ende der Tondüse stellt sie nunmehr den Blasebalg auf, und hält diesen, nachdem das Feuer angezündet ist, mit Hilfe einer Nachbarin einige Stunden lang in Tätigkeit. Der Sand hat sich inzwischen durch die Einwirkung der Hitze in große Schlackenklumpen verwandelt. Aus diesen Schlacken (maganga) gewinnt sie dann durch Zerklopfen das darin eingebettet liegende ausgeschmolzene Eisen (menya). Diese Stückchen bringt sie zum Schmied, der sie stark erhitzt, Staub als Schweißpulver im Feuer darüberstreut und alle zu einem größeren Stück zusammenschweißt.

Verschiedene Pfeilspitzen.
Befestigte Pfeilspitzen.
Der Pfeilgriff wird durch Umwicklung gegen Einreißen durch die Bogensehne geschützt.
Wie die Federfahnen am Pfeilschaft befestigt werden.
Die Fahne der Feder wird stückweise v. d. Spule losgelöst.
Einquirlen der Pfeilspitze in den Schaft.
Bogen.
Schild.
Köcher.

Die Schmiede verfertigen Waffen (wie solche aus den Abbildungen ersichtlich sind), außerdem allerlei Schmucksachen: Hals- und Armringe, kleine Eisenketten und andre Dinge, die ein Negerherz erfreuen. Da wir gerade von Waffen sprechen, will ich den Parebogen erwähnen. Er ist glatt und an beiden Enden zugespitzt. Man benutzt nur das Holz des Gare-Baumes. Die Bogensehne wird aus Rücken- und Fußsehnen des Rindes gefertigt. Zur Herstellung von Pfeilen eignet sich eine große Anzahl von Bäumen. Den Werdegang bei der Herstellung lassen die Abbildungen erkennen. Mit den Blättern des Mshasha-Baumes, dem Glaspapier der Eingebornen, werden die Pfeilschäfte schön glattgerieben.

Pareschilde sieht man nur noch selten. Sie bestanden aus Büffelhaut, die in der Längsrichtung durch eine mit Handgriff versehene Leiste gesteift wurde. Den Rand bildete ein Eisendraht, um den herum die Haut vernäht wurde. Zum Schutze der Hand erhielt der Schild in der Mitte eine Verstärkung. Zuletzt wurde er mit Fett eingerieben und am Feuer gehärtet. Der Köcher besteht aus Kuhhaut, die man durch ein- bis zweitägiges Lagern in einem Düngerhaufen geschmeidig macht. Das Maß für den Lederzylinder nimmt der Mwasu mittels eines Stückchens Bananenbast an seinem Arm in der gewünschten Stärke. Nach diesem Maß schneidet er sich ein rechteckiges Stück Leder für den Köcher, indem er die straffgespannte Bogensehne als Lineal benutzt. Die beiden Längsseiten werden mit Darm zusammengenäht und dann am unteren Ende eine feste, am oberen eine abnehmbare Lederkappe als Deckel angebracht.