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Im Banne der Furcht

Chapter 9: Namengebung.
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About This Book

Eine ethnographische Darstellung der Wapare in Ostafrika schildert Lebensstationen, Rituale und soziale Organisation: Geburt, Initiations‑ und Frauenfeste, Beschneidung, Erziehung von Jungen und Mädchen, Heirat und Scheidung werden systematisch dargestellt. Rechtssätze, wirtschaftliche Formen, Hausbau, Handwerk, Jagd‑ und Ackergeräte sowie Aspekte der Küche und des täglichen Lebens werden ausführlich erörtert. Ausführliche Kapitel behandeln religiöse Vorstellungen, Totemismus, Orakel, Heil‑ und Bestattungsriten sowie Dämonen‑ und Fetischglauben. Abschließend untersucht der Text Dichtung und Denkweisen der Gemeinschaft und reflektiert die Begegnung mit Mission und Islam sowie deren Auswirkungen auf Bräuche und Glaubenspraxis.

Drittes Kapitel.
Die ersten Lebensjahre des Mädchens.

Namengebung.

Den Namen geben nicht die Eltern sondern die Frauen, die bei der Geburt halfen. Manchmal erhält das Mädchen den Namen der Großmutter, der Knabe den des Großvaters. Doch sprechen bei der Namengebung die verschiedensten Dinge mit. Fliegt z. B. gerade ein Heuschreckenschwarm vorbei, so heißt das Mädchen etwa Nanzige (Mutter der Heuschrecken), der Junge könnte in dem Falle Senzige (Vater der Heuschrecken) genannt werden (nzige = Wanderheuschrecke). Oder das Kind wird während einer Hungersnot (nzota) geboren, dann kann der Mädchenname Nanzota, oder der Knabenname Senzota lauten. Geht im Augenblick der Geburt jemand an der Hütte vorüber, so wird dem Kinde der Name des Betreffenden gegeben. Besondere, auffallende Ereignisse, Kriege usw. beeinflussen die Namengebung gewöhnlich. Manchmal wurden Kinder, deren Anverwandte mich zur Geburtshilfe hatten rufen lassen Mwarimu (Lehrer) genannt.

Sobald die Knaben oder Mädchen zu jungen Männern und Jungfrauen heranreifen, legen sie sich neue Namen zu, bei denen sie sich auf den nächtlichen Viravu-Tänzen rufen. Da singt ein Mädchen etwa:

Iyoyeo lele,
ni mi ng’anya e, o, ee.

Das heißt:

Seht alle hierher,
ich bin die Soundso, juchhe!

Diesen neuen Namen führt sie nun fortan neben ihrem eigentlichen Kindernamen bis zu ihrer Verheiratung. Ähnlich geben sich auch die Knaben singend einen andern Namen, den sie aber oft, im Gegensatz zu den Frauen, auch als Männer noch beibehalten. Sind später in der Ehe Kinder vorhanden, so verdrängt der dann auftretende Nebenname Seng’anya, Kong’anya (Vater, Mutter des Soundso) manchmal den eigentlichen Namen.