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Im Hause des Kommerzienrates.

Chapter 16: Kapitel 15
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About This Book

Die Erzählung schildert die Folgen, als ein alter Müllersmann seine Enkelin zur Universalerbin bestimmt und der bereits eingesetzte Vormund, der Kommerzienrat Römer, die Verwaltung übernimmt. Zwischen bäuerlicher Herkunft und bürgerlichem Vermögen entwickelt sich ein Geflecht aus Sorge, Pflicht und unterschwelligen Machtspielen: ärztliche Notfälle, häusliche Beobachtungen und das Verhalten der Dienstboten zeichnen das Alltagsbild. Intime Kranken- und Haushaltsszenen wechseln mit sozialen Spannungen, und nach und nach treten Geheimnisse, Loyalitätskonflikte und die widersprüchlichen Charakterzüge der Beteiligten zutage.

14.

Am andern Morgen herrschte reges Leben in der Villa Baumgarten. Gegen Mitternacht hatte eine telegraphische Depesche die Rückkehr des Kommerzienrates aus Berlin gemeldet, und eine Stunde später war er angekommen. Er hatte zwei Geschäftsfreunde mitgebracht, die in den Fremdenzimmern logierten. Die Gäste waren Koryphäen der Handelswelt; sie wollten nachmittags ihre Reise fortsetzen, und um ihnen Gelegenheit zu geben, auf der Durchreise mehrere ihrer Bekannten in der Residenz zu sprechen, hatte der Kommerzienrat in der Nacht noch ein großes Herrenfrühstück für den andern Morgen angeordnet. Köchin und Hausmamsell hatten vollauf zu thun, und die Bedienten liefen treppauf, treppab.

Der Kommerzienrat hatte in der Nacht noch ein großes Herrenfrühstück für den andern Morgen angeordnet. (S. 179.)

Käthe hatte die ganze Nacht schlaflos verbracht. Die am Tage empfangenen Eindrücke und die Sorgen um Henriette hatten sie nicht ruhen lassen. An dem einen Eckfenster ihres Zimmers hatte sie stundenlang gestanden und über die windgeschüttelten Parkbäume hinweggeforscht, ob nicht wenigstens eine im Mondschein flimmernde Spitze der Wetterfahnen auf dem Hause am Flusse zu sehen sei, aber es war wie versunken gewesen, das niedrige Haus, und still geblieben war es dort auch, obgleich Käthe jeden Augenblick gemeint hatte, es müsse jemand die Allee heraufkommen, um mit einer schlimmen Nachricht die Schlafenden in der Villa aufzurütteln.

Und vom andern Fenster aus hatte sie dann die Ankunft des Kommerzienrates mitangesehen. Im Nu, wie aus der Erde gestampft, waren die Dienstleute der Villa mit ihren Sturmlaternen um den Wagen postiert gewesen; die hellen Lichtflammen hatten die weißen Säulen des Portikus angestrahlt, hatten sich in dem silberfunkelnden Pferdegeschirre und den glänzenden Leibern der Goldfüchse gespiegelt und waren kräftig genug gewesen, auch das bronzierte, an der Promenade hinlaufende Gitter und mehrere herrliche Marmorfiguren aus dem Dunkel hervortreten zu lassen. Das alles hatte hocharistokratisch ausgesehen. Dann war der Kommerzienrat aus dem Wagen gesprungen, die stattliche, noch jugendlich elastische Gestalt in den eleganten Reisepelz gehüllt, in jeder seiner gebieterisch sicheren Bewegungen der reiche Mann, der eben noch reicher geworden, ein glänzender Komet, an dessen Fersen, magnetisch angezogen, der glitzernde Goldstrom sich hing. Er hatte seine Gäste in ihre Appartements geführt und erst gegen zwei Uhr das Haus mit dem voranleuchtenden Bedienten verlassen, um sich im Turme zur Ruhe zu begeben. Dann war es allmählich still geworden in der Villa, aber der Wind hatte sein Pfeifen und Blasen um das Haus fortgesetzt und den Schlaf von Käthes Augen verscheucht. Erst mit Tagesanbruch war sie eingeschlummert, zu ihrem großen Verdruß; denn nun hatte sie sich verspätet, und statt um sechs Uhr morgens, wie sie gewollt, das Haus am Flusse zu betreten, kam sie erst in der neunten Stunde dort an.

Es war ein schöner klarer Morgen. Der ungestüme Nachtwind hatte sich zu jenem südlich warmen Hauche gesänftigt, der den Duft der ersten Frühlingsblumen im Atem behält und der spröde zögernden Knospe schmeichelnd, aber beharrlich den braunen Schleier vom Gesichte zu ziehen suchte ... Auf des Doktors Hause zwitscherten die Vögel; das dunkle Geäst der Kirschbäume, das sich an die eine Hausecke schmiegte, erschien mit unerschlossenen, winzigen Blütenköpfchen zartweiß gesprenkelt, und vor der glanzvollen Morgenbeleuchtung konnten sich die sprossenden Halme im Rasengrunde auch nicht mehr verstecken — der ehemalige Bleichplatz schimmerte in einem schwachen jungen Grün.

Als Käthe die Brücke passierte, floß das Wasser sonnendurchleuchtet und klar bis auf den Grund unter dem morschen Holzbogen dahin, fast sanftmütig und friedlich — was Wunder! Die Wellen, die gestern den fortgeschleuderten Ring empfangen, hatten unterdes ein weites Stück Weges zurückgelegt und strömten dem Ozean zu — nur sie konnten erzählen von den verräterischen Frauenhänden, die so gewaltsam eine drückende Kette gesprengt.

Das Haus am Flusse hatte heute etwas eigentümlich Feierliches. Das rote Ziegelgetäfel in der Flur war mit feingesiebtem weißen Sande bestreut; der Duft einer feinen Räucheressenz schlug dem Eintretenden entgegen; auf dem kleinen Tische, nahe der Hausthür, lag eine frische Serviette, und darauf stand ein mächtiger Strauß von Tannenzweigen, Maikätzchen und Anemonen in einer altertümlichen großen Thonvase ... Und die alte, getreue Köchin war auch angekommen; sie stand schon in voller Thätigkeit, mit aufgestreiften Aermeln, die glänzend weiße Schürze über die derben Hüften gebunden, als sei sie nie fort gewesen, am Küchentische, und das gute, rotbackige Gesicht sah zufrieden und glücklich aus ... Warum aber erschien die Tante Diakonus heute, am frühen Morgen, im kaffeebraunen Seidenkleide, auf dem vollen Scheitel eine weiße Spitzenbarbe, und auch an Hals und Handgelenk mit Spitzen umkräuselt? Käthes Herz zog sich zusammen vor Weh und Angst — geschah das alles der Braut zu Ehren, die doch heute wiederkommen mußte, um die kranke Schwester zu besuchen?

Die alte Frau sagte kein Wort darüber. Sie schien nur sehr bewegt zu sein, und man sah es noch an den zartgeröteten Augenlidern, hörte es in der weichen Stimme, daß Thränen der Rührung geflossen waren. Sie teilte dem jungen Mädchen freudig mit, daß die Nacht für die Leidende gut verlaufen und der Anfall nicht wiedergekehrt sei.

Für diese beruhigende Nachricht küßte ihr Käthe die Hand, und da geschah das Seltsame, daß die sonst so zurückhaltende Frau plötzlich die Arme um die schöne, jugendliche Mädchengestalt schlang und sie wie eine Tochter zärtlich an das Herz zog. Dann führte sie die froh Erstaunte schweigend in das Krankenzimmer.

Henriette saß aufrecht im Bette und die Jungfer ordnete ihr ein wenig das reiche Haar unter dem Nachthäubchen, der Doktor aber hatte sich vor einer Stunde zurückgezogen, um zu ruhen ... Das schmale, langgezogene Gesicht der Kranken mit den fleischlos hervortretenden Backenknochen und den verhängnisvollen schwarzen Ringen unter den Augen hatte in der Nacht einen scharf hippokratischen Zug angenommen, der Käthe erschreckte, aber der Ausdruck der Züge war ein glücklicher. Sie konnte nicht genug beschreiben, wie aufopfernd der Doktor sie pflege, wie unsäglich wohl sie sich in der gemütlichen Fremdenstube fühle, und wie sie bei dem Gedanken schaudere, daß sie doch einmal wieder von da fort müsse. Sie bat Käthe, in die Villa zurückzukehren und ein Buch zu holen, das sie der Tante Diakonus versprochen habe — es sei in Floras Händen, die es ihr abgeborgt — dabei flüsterte sie der Schwester in das Ohr, sie möge dafür sorgen, daß Flora und die Großmama sie hier nicht allzu oft belästigten. Nicht die leiseste Ahnung hatte sie von dem, was sich gestern abend an ihrem Bette zugetragen, und daß durch ihre Schuld das so lange schwebende Ungewitter zum furchtbaren Ausbruch gekommen sei.

Käthe konnte ihr kaum in die Augen sehen; sie atmete auf, als die Kranke schließlich die Bitte um das Herbeiholen des Buches erneute und sie beauftragte, auch noch verschiedenes aus ihrem Schreibtische mitzubringen, zu welchem Zweck sie ihr die Schlüssel einhändigte.

Nach einer Stunde kehrte das junge Mädchen in die Villa zurück. Sie war ganz erfüllt von dem beängstigenden Eindruck, den ihr Henriette gemacht hatte; das Krankengesicht mit der totenhaft wächsernen Blässe und den eingesunkenen Zügen verfolgte sie und machte sie tief traurig. Deshalb fuhr sie auch, im Innersten verletzt, zurück, als sie, die Treppe zur Bel-Etage hinaufsteigend, schräg durch die offene Thür des Wintergartens den brillant hergerichteten Frühstückstisch mit seinem blinkenden Geschirr voll köstlicher Leckereien überblickte. Den ganzen Marmorfußboden des maurischen Zimmers bedeckte ein ungeheurer dicker Smyrnateppich, für warme Füße war gesorgt und für heiße Köpfe auch — letzteres durch die auserwählten Flaschen aus dem Turmkeller.

Käthe suchte in Henriettens Zimmer alles zusammen, was die Kranke zu haben wünschte, und ging wieder hinab, um der Präsidentin pflichtschuldigst guten Morgen zu sagen. Ihre Tritte verhallten in dem weichen Treppenläufer; sie wurde nicht gestört von den zwei Bedienten, die unten im Korridor standen, und von denen der eine ein Paket in der Hand hielt, welches der Briefträger eben gebracht hatte.

»Zum Kuckuck auch, da kommt das Paket zum drittenmal zurück!« fluchte er und kratzte sich hinter den Ohren. »Ich hab' die Geschichte satt bis an den Hals. Nun bin ich so freundlich und packe es morgen wieder und schreibe eine neue Adresse. Unser Fräulein muß auch denken, man hat auf der Gottes-Welt nichts weiter zu thun.« Er drehte das Päckchen unschlüssig hin und her. »Am allerbesten wäre das Ding drunten im Küchenfeuer aufgehoben —«

»Was ist denn darin?« fragte der andere.

»Ein Haufen Papier, und das Fräulein hat mit ihren langbeinigen Krakelfüßen groß und breit draufgeschrieben: ‚Die Frauen‘, mag schon was Rechtes sein!« Er verstummte erschrocken und nahm sofort eine ehrerbietige Haltung an — Käthe kam eben die letzten Stufen herab und ging an ihm vorüber nach dem Schlafzimmer der Präsidentin.

Sie wurde nicht angenommen. Die herauskommende Jungfer berichtete, es sei früher Morgenbesuch da, eine Dame vom Hofe. Daraufhin ging Käthe in Floras Zimmer, um das besprochene Buch zu holen. Sie empfand eine heftige Abneigung, die Schwelle zu betreten; ihr Herz klopfte fast hörbar vor innerem Aufruhr und bestürzt erkannte sie in diesem Augenblick, daß für diese Schwester auch nicht ein Funken von Sympathie in ihr lebe. Der ganze Grimm, den sie in der schlaflosen Nacht zu bewältigen gesucht, stieg wieder in ihr auf und nahm ihr fast den Atem.

Vielleicht fühlte Flora ähnlich. Sie stand mitten im Zimmer neben dem großen, mit Büchern und Broschüren bedeckten Tische und sah mit einem sprühenden Aufblick nach der Eintretenden. Ach nein, der Zorn galt jedenfalls dem zurückgekommenen Paket. Dort lag es aufgerissen und die schöne Empfängerin schleuderte einen eben gelesenen Brief mit einer verächtlichen Handbewegung in den Papierkorb. Fräulein von Giese, das mokante Hoffräulein, hätte das nicht sehen dürfen. Floras »kleiner Finger« hatte sich bezüglich »der Frauen« doch vielleicht ein wenig geirrt.

»Du kommst jedenfalls von Henriette,« sagte Flora und schlug hastig den blauen Umschlag über dem ihr zurückgeschickten Manuskript zusammen. »Es geht ihr ja recht gut, wie ich höre; ich habe schon um acht Uhr hinübergeschickt und mich erkundigen lassen. Moritz ist nicht recht klug; er jagt mich mit einem Billet, das er noch in der Nacht geschrieben hat, in aller Frühe aus dem Bette, damit ich rechtzeitig Toilette mache, weil er à tout prix der Großmama und mir vor dem Frühstück seine Gäste vorstellen wolle. Als ob das Heil der Welt von dieser Vorstellung abhinge! Die Großmama wird darüber gerade auch nicht sehr erfreut sein.«

Sie sah reizend aus. Man sagt, daß der Mensch sich unbewußt nach seiner Stimmung kleide, demnach mußte Floras Erwachen heute ein überaus frohes und heiteres gewesen sein; denn die ganze schlanke, schöne Gestalt erschien wie in ein leuchtendes Aetherblau getaucht. Selbst in den zierlich gekräuselten Locken steckte eine glänzend blaue Atlasschleife. Mit dem Arbeitszimmer harmonierte freilich diese Toilette schlecht; es sah heute, wo der strahlend goldene Tag draußen lag, so düster und unwohnlich wie möglich aus und war allerdings weit eher ein passender Hintergrund für einen menschenscheuen Stockgelehrten als für diese duftig blaue Fee. Aber auch der Gesichtsausdruck der schönen Dame paßte nicht mehr zu den gewählten Farben: sehr üble Laune und eine kaum zu verbergende Niedergeschlagenheit guckten aus allen Winkeln und Linien ihrer Züge. Ueber die Ereignisse des gestrigen Abends fiel kein Wort. Die waren versunken und scheinbar vergessen; selbst der beraubte Goldfinger hatte Ersatz gefunden — zwei kleine Brillantringe schmückten ihn.

Auf Käthes Bitte trat Flora an ein Bücherregal und nahm das verlangte Buch herab. »Henriette wird doch nicht selbst lesen wollen?« fragte sie über die Schulter.

»Das würde Doktor Bruck schwerlich gestatten; die Frau Diakonus will das Buch lesen,« sagte Käthe mit ruhiger, kalter Stimme und nahm das Werk in Empfang.

Ein verächtliches Spötteln zuckte um Floras Mund; in ihren Augen blitzten Verdruß und Aerger auf; sie hielt es jedenfalls für eine nicht zu entschuldigende Taktlosigkeit von seiten der Schwester, daß sie diese Namen vor ihren Ohren noch laut werden ließ.

Käthe ging. Aber in demselben Augenblicke, wo sie die Thür öffnete, um das Zimmer zu verlassen, trat ihr der Kommerzienrat entgegen. Er sah prächtig, fast strahlend frisch aus, wenn er auch in sichtlich großer Aufregung kam.

»Dageblieben, Käthe!« rief er fast scherzhaft und breitete seine Arme aus, um sie zurückzuhalten. »Ich muß mich erst überzeugen, ob du heil und unverletzt bist.« Er schob sie in's Zimmer zurück, drückte die Thür in das Schloß und warf seinen Hut auf den Tisch. »Nun sagt mir um Gotteswillen, was ist Wahres an der haarsträubenden Geschichte, die mir eben mein Anton beim Ankleiden mitgeteilt hat?« rief er. »Die Leute haben einfältigerweise bei meiner Ankunft geschwiegen, um mir die Nachtruhe nicht zu stören, und ich habe mir eben dergleichen unzeitige Rücksichten für die Zukunft energisch verbeten.« Er fuhr sich mit beiden Händen durch das reiche Haar. »Ich bin ganz außer mir. Was muß die Welt von mir und meinem Taktgefühle denken! Henriette liegt auf den Tod krank, und ich arrangiere sorgloserweise ein Herrenfrühstück in meinem Hause. Ist's denn nur wahr, das Unglaubliche? Eine Schar Megären soll euch attackiert haben?«

»Nicht ‚uns‘, sondern ganz speziell mich, Moritz,« sagte Flora. »Henriette und Käthe haben eben nur mitleiden müssen, weil sie bei mir waren. Ich kann mir nicht helfen — den größten Teil der Schuld, daß es so weit gekommen, muß ich dir beimessen. Du mußtest schon bei den ersten feindseligen Kundgebungen ganz anders vorgehen; solch einer Rotte gegenüber ist ein entschlossener Mann stets Herr, wenn er's richtig anzufangen weiß. Aber bei deinen ewigen Rücksichten, um Gotteswillen nie und nirgends anzustoßen, bist du schwach —«

»Ja, schwach gegen euch, gegen dich und die Großmama,« fiel der Kommerzienrat ganz blaß vor Aerger ein. »Du vorzüglich hast nicht geruht, bis ich mein Wort zurückgenommen und dadurch meine Arbeiter unnötig gereizt habe. Bruck hat recht —«

»Ich bitte dich, verschone mich damit!« rief Flora dunkelrot vor Zorn. »Wenn du keine andere Autorität zu nennen weißt, auf die du dich berufst —«

Der Kommerzienrat trat ihr rasch näher und sah ihr erstaunt prüfend in die funkelnden Augen. »Wie, noch immer so feindselig, Flora?«

»Hältst du mich für so jammervoll schwachköpfig, daß ich meine Ansichten wechsele, wie man einen Rock aus- und anzieht?« fragte sie herb zurück.

»Das nicht, aber ist es nicht verwegen, der gebildeten Welt zum Trotz —«

»Was geht mich die Welt an?« Sie brach plötzlich in ein lautes Gelächter aus. »Die ganze gebildete Welt!« wiederholte sie. »Willst du mir sagen, wie du es möglich machst, sie mit deinem bedauernswürdigen Protegé in Verbindung zu bringen?«

Der Kommerzienrat faßte kopfschüttelnd ihre Hand; er war fast atemlos vor Ueberraschung. »Ja, wie ist denn das möglich? Weißt du denn noch nicht —«

»Mein Gott, was soll ich denn wissen?« unterbrach sie ihn ungeduldig mit ärgerlich gerunzelten Brauen und stampfte leicht mit dem Fuße den Boden.

Da wurde sehr rasch die Thür geöffnet, und die Präsidentin trat herein. Sie war einfach in penseefarbene Seide gekleidet. Ob die starke lila Nüance ihr Gesicht so gelb und alt machte, oder ob sie infolge der gestrigen Aufregung eine schlechte Nacht gehabt — genug, sie sah sehr verfallen und dabei unverkennbar tief alteriert aus.

Der Kommerzienrat eilte auf sie zu und küßte ihr ehrerbietig die Hand. Er betonte, daß er ihr schon vor einer halben Stunde habe seine Aufwartung machen wollen, aber zurückgewiesen worden sei, weil die Großmama das Schlafzimmer noch nicht verlassen und dort den Besuch der Hofdame von Berneck angenommen habe.

»Ja, die gute Berneck kam, um mir ihr Beileid auszusprechen über Henriettens Erkranken und das abscheuliche Attentat, dem Flora ausgesetzt gewesen ist,« sagte sie. »Wir werden heute einen anstrengenden Tag haben; die ganze Stadt ist aufgeregt über den Vorfall und die Freunde unseres Hauses sind empört; sie kommen sicher alle, um nach uns zu sehen.«

Sie sank matt in einen Lehnstuhl; ihre Stimme klang angegriffen und den Gebärden fehlte die Elastizität, die sie sonst noch so siegreich in ihrem Alter behauptete. »Uebrigens hatte die Berneck auch noch einen andern Grund, und der stand jedenfalls in erster Linie,« hob sie wieder an. »Ich kenne sie schon; sie ist eine von denen, die gar zu gern die ersten sein wollen, die eine sogenannte gute Nachricht hinterbringen, und da fragen sie nicht viel danach, ob sie ein Hofgeheimnis verletzen oder nicht. Denkt euch, sie kam, um mir insgeheim zu gratulieren, weil unserem Hause Heil widerfahren werde.« Sie erhob sich und verschlang die Hände ineinander. »Mein Gott, welches Dilemma! Ich weiß wirklich nicht, ob ich weinen oder mich freuen soll. Es ist ja trostlos niederschlagend, daß gerade bei Hof, der ein gutes Beispiel geben sollte, das alte Sprichwort vom Undanke immer wieder zur Wahrheit wird. Wie hat sich Bär zeitlebens aufgeopfert für die Herrschaften! Und jetzt geht man plötzlich über ihn hinweg, als habe der alte, treue Diener nicht existiert. Er ist noch so rüstig, so geistesfrisch, und doch — will man ihn pensionieren.«

»Und dazu gratuliert dir die alte Person?« rief Flora ärgerlich.

»Dazu selbstverständlich nicht, mein Kind,« entgegnete die Präsidentin, ihre Stimme verstärkend, mit großem Nachdrucke. »Flora, es geschehen wunderbare Dinge in der Welt. Hättest du das vor einer Stunde noch für möglich gehalten? Bruck soll Hofrat und Leibarzt des Fürsten werden.«

»Verrücktes Hofgeschwätz! Auf was alles werden wohl diese müßigen Köpfe noch verfallen! Sie kombinieren wirklich das Blaue vom Himmel herunter,« lachte Flora auf. »Hofrat und Leibarzt! Und solchen Blödsinn hörst du ruhig mit an, Großmama, und lässest dich auch noch beglückwünschen?« Sie brach abermals in ein schallendes Gelächter aus.

»Nun, das muß ich sagen, lebt man denn hier in der Residenz so weltenfern von der Zivilisation, daß keine Zeitungen gelesen werden?« rief der Kommerzienrat, die Hände zusammenschlagend. »Ihr wißt wirklich nichts, rein gar nichts von dem, was geschehen ist, was uns so nahe angeht? Und ich komme deshalb einen Tag früher zurück. Die Freude hat mir keine Ruhe gelassen. Alle Zeitungen sind voll von der wunderbaren Operation, die Bruck in L.....g ausgeführt hat! in allen Kreisen Berlins wird augenblicklich davon gesprochen. Der Erbprinz von R., der gegenwärtig in L.....g studiert, ist mit dem Pferde gestürzt; er ist so schwer und unglücklich am Kopfe verletzt gewesen, daß sich kein Arzt zu der Operation hat verstehen wollen, selbst der tüchtige Professor H. nicht. Dem aber ist es erinnerlich gewesen, daß Bruck im letzten Feldzuge einen ähnlichen Fall behandelt und zum Erstaunen aller glücklich durchgeführt hat. Darauf hin hat man ihn sofort telegraphisch berufen —«

»Und das soll dein Bruck, dein Protegé gewesen sein?« unterbrach ihn Flora. Sie versuchte zu lächeln, aber diese weiß gewordenen Lippen schienen versteinert, wie das ganze, plötzlich leichenhaft erblichene, schöne, impertinente Gesicht.

»Es war allerdings mein Bruck, wie ich ihn jetzt mit Stolz nenne,« bestätigte der Kommerzienrat mit sichtlicher Genugthuung. Er war ja so froh über diese glückliche Wendung. Zwar Skrupel hatte er sich längst nicht mehr gemacht über sein Verschweigen — der bereits halb vergessene grauenhafte Vorfall hatte ihn ruhig schlafen lassen; denn er war ein echtes Kind seiner Zeit, ein Egoist, der bei der Wahl: »Er« oder »Ich« keinen Augenblick im unklaren war, daß das »Ich« betont werden müsse. Aber nun war es doch gut, daß alles so gekommen, und Bruck sich durch eigene Kraft, wie er, der Kommerzienrat, ja voraus gewußt, wieder emporgerungen. »Uebrigens macht auch zu gleicher Zeit eine Broschüre von ihm unglaubliches Aufsehen in den medizinischen Kreisen,« fuhr er fort. »Er hat für die Operation im allgemeinen einen völlig neuen Weg entdeckt, der von unberechenbarer Tragweite sein soll. Es ist nicht mehr zu leugnen — Bruck geht einer großen Zukunft entgegen.«

»Wer's glaubt!« sagte Flora mit seltsam erloschener Stimme. Verzweifelt gespannt in jedem Gesichtszuge, glich sie einem Spieler, der sein Letztes auf eine Karte setzt. »Mit deinem hohlen Pathos überzeugst du mich nicht. Entweder liegt hier eine Namensverwechselung vor, oder — die ganze Wundergeschichte ist erfunden.«

Bei dieser hartnäckigen, trotzigen Behauptung büßte auch der Kommerzienrat seine sprichwörtlich gewordene Langmut ein, die er den Damen seines Hauses gegenüber jederzeit an den Tag legte. Er stampfte zornig mit dem Fuße auf und wandte sich ab.

Die Präsidentin stand am Tische und ließ ihre zwei weißen, welken Finger in nervöser Erregung auf der Tischdecke spielen. Ihre Augen fixierten unruhig die Enkelin. Sie begriff recht wohl, was in ihr vorgehen mußte, die den nun so gefeierten Mann so schmählich verkannt und verleumdet hatte. Es war eine jämmerliche Niederlage, aber gerade in solchen Momenten mußte die gut erzogene Weltdame sich ohne weiteres zurechtfinden können.

»Dein Sträuben wird dir wohl nichts helfen, Flora,« sagte sie gelassen. »Du wirst schließlich doch glauben müssen. Ich für meinen Teil — so wunderlich mir auch dabei zu Mute ist — zweifle nicht mehr. Der Herzog von D. ist der Mutterbruder des Erbprinzen; er mag wohl sehr erfreut und glücklich sein über die Rettung seines Neffen, denn gestern abend sah ich den D.schen Hausorden auf Brucks Schreibtische liegen.«

»Und das sagst du mir jetzt erst, Großmama?« schrie Flora wie wahnwitzig auf. »Warum nicht gestern noch? Warum hast du mir das verschwiegen?«

»Verschwiegen?« wiederholte die Präsidentin so geärgert, daß ihr Kopf in jenes leise nervöse Schütteln verfiel, das alten Leuten bei zorniger Erregung leicht eigen ist. »Wie impertinent! — Ich möchte wissen, was mich veranlassen könnte, dergleichen geheim zu halten, höchstens der Umstand, daß man in den letzten Monaten Brucks Namen vor deinen Ohren kaum noch nennen durfte. Ich habe das allerdings auch möglichst vermieden —«

»Weil mein Verhalten vollkommen nach deinem Geschmacke war, chère grand'mère —«

»Bitte recht sehr, nur weil es mir im Innersten widerstrebt, Zeugin leidenschaftlicher Ausbrüche zu sein. Du bist ja seine erbittertste Gegnerin, hast ihn schärfer gerichtet als die mißgünstigsten unter seinen Kollegen; das leiseste Bemühen, ihn zu entschuldigen, ruft stets heftige Szenen hervor. Der arme Moritz und Henriette wissen ein Lied davon zu singen. Und hast du nicht eben gezeigt, in welcher Weise du eine Nachricht aufnimmst, die zu seinen Gunsten spricht?« Wie tief gereizt mußte sie sein, daß sie — anstatt das fatale Vergangene nunmehr totzuschweigen, wie es sonst ihre Art war — noch einmal Floras häßliches Benehmen vor den Augen der anderen vorüberführte!

Flora schwieg. Sie stand am Fenster, den Rücken den Anwesenden zugekehrt; an ihren fliegenden Atemzügen sah man, daß sie heftig mit sich kämpfte.

»Sage mir doch, wann ich dir die Mitteilung hätte machen sollen!« fuhr die Präsidentin fort. »Vielleicht gestern, wo du beim Nachhausekommen kaum den Kopf zur Thür hereinstecktest, um meinem Besuche guten Abend zu bieten? Oder im Hause des Doktors selbst, wo ich keinen Augenblick mit dir allein war, und wo dich das pauvre Hauswesen deines Bräutigams in die übelste Laune versetzte?«

»Das war dein Kummer, liebe Großmama, wie du die Güte haben wirst, dich zu erinnern; was mich betrifft, so übertreibst du.«

Käthe öffnete weit die ehrlichen, braunen Augen vor Erstaunen über dieses kecke Verleugnen — das gestern gegen die »spukhafte Spelunke« geschleuderte Anathema klang noch in ihren Ohren.

»Mit dir ist schwer rechten; ich kenne dich schon. Bei aller bis zum Ueberdrusse an den Tag gelegten derben Wahrhaftigkeit verschmähst du doch die Schlupfwinkel des Leugnens nicht, wo es dir gerade paßt,« zürnte die Präsidentin und schob mit einer ziemlich heftigen Handbewegung das vor ihr auf dem Tische liegende Manuskriptenpaket weiter. Der Umschlag löste sich wieder, und der mit den »langbeinigen Krakelfüßen« geschriebene Titel kam zum Vorscheine.

»Ah, spricht das wieder einmal vor auf seinem Zickzackwege durch die Welt?« fragte sie und zeigte mit dem Finger auf die Papiere. Ihr Ton bewies, daß die Frau der weisen Mäßigung auch schneidend maliziös werden konnte. »Ich dächte, du gönntest ihm endlich die Ruhe im Papierkorb. Dieses fortgesetzte Angebot von seiten eines meiner Angehörigen und die konsequente Zurückweisung der Buchhändler wird mir nachgerade unerträglich. Ich möchte wissen, wie du es aufnehmen würdest, wenn eines von uns deine ‚hervorragende geistige Begabung‘ auch nur mit einem Worte anzweifeln wollte, und da lässest du es dir alle vier, fünf Wochen schwarz auf weiß sagen —«

»Echauffiere dich nicht unnötig, Großmama! Du könntest leicht irren, wie gewisse andere Leute auch,« unterbrach Flora sie zornbebend; ihr Blick streifte dabei entrüstet die junge Schwester. Der Backfisch hatte ja schon gestern abend ein ähnlich absprechendes Urteil mit angehört. »Du bist verstimmt, weil du an Bär eine einflußreiche Stimme bei Hofe verlierst; je nun, ich verdenke dir das im Grunde nicht, liebste Großmama, denn Bruck wird sich schwerlich dazu verstehen, deine kleinen Interessen bei unseren Herrschaften zu vertreten, vielleicht nicht einmal mir zuliebe; das ist fatal für dich, aber ich sehe trotzdem nicht ein, weshalb ich armes Opfer es nun ausbaden soll. Ich werde mir erlauben, mich zurückzuziehen, bis das Wetter im Hause wieder klar ist.« Sie raffte die auseinanderfallenden Blätter des Manuskriptes zusammen und verschwand wie eine blaue Wolke hinter der Thür ihres Ankleidezimmers.

»Die ist doch unberechenbar exzentrisch,« sagte die Präsidentin mit einem Seufzer. »Von ihrer Mutter hat sie nicht eine Ader; die war die Sanftmut und Fügsamkeit selbst ... Mangold hat sehr gefehlt darin, daß er sie so frühe die Honneurs in seinem Hause machen ließ. Ich habe genug dagegen geeifert, aber das war alles in den Wind gesprochen. Du weißt ja am besten, Moritz, wie obstinat Mangold sein konnte.«

Käthe schritt nach der Thür, um das Zimmer zu verlassen. Die allzufrühe Selbständigkeit war für Flora allerdings verderblich gewesen, das ließ sich nicht mehr leugnen, aber das junge Mädchen konnte es doch nicht mit anhören, daß ihrem verstorbenen Vater in so verletzender Weise der Vorwurf gemacht wurde, daß — er der Frau Schwiegermutter aus guten Gründen das Herrscheramt in seinem Hause verweigert habe.

Der Kommerzienrat folgte ihr und ergriff ihre Hand. »Du bist so blaß, Käthe, so schrecklich ernsthaft und still,« sagte er. »Ich fürchte, du stehst noch unter dem Eindrucke des gestrigen Vorfalles und leidest, armes Kind.« Das klang nichts weniger als vormundschaftlich.

»So verändert in der Gesichtsfarbe und so nachdenklich ist Käthe schon seit einigen Tagen,« warf die Präsidentin rasch ein. »Ich weiß, was ihr fehlt: sie hat Heimweh. Du darfst dich darüber nicht wundern, bester Moritz. Käthe ist an das Stillleben in kleinbürgerlichen Verhältnissen gewöhnt; dort wird sie vergöttert; um das reiche Pflegetöchterchen dreht sich schließlich alles in dem kleinen Hauswesen. Wir können ihr das mit dem besten Willen nicht bieten. Wir leben zu sehr in der Welt; unsere gesellschaftlichen Formen, die Elemente unserer Kreise sind so ganz andere, daß sie sich bei uns entschieden unbehaglich und bedrückt fühlen muß.« Sie trat näher und streichelte mit linder Hand die Wange des jungen Mädchens. »Hab' ich nicht recht, mein Kind?«

»Es thut mir leid, aber ich muß ‚nein‘ sagen, Frau Präsidentin,« versetzte Käthe mit ihrer festen Stimme; dabei bog sie den Kopf mit einer entschiedenen Bewegung zurück — es nahm sich aus, wie ein Protest gegen jegliche fernere Liebkosung. »Ich werde nicht vergöttert, und es dreht sich auch nicht alles um ‚den Goldfisch‘;« — sie lachte leise und schalkhaft auf — »der arme Goldfisch spürt die Zügel einer konsequenten Erziehung mehr als je; ein Versehen im Hauswesen wird mir weit schwerer verziehen, seit ich die reiche Erbin bin. Und so bedrückend fremd, wie Sie meinen, sind mir die vornehmen Elemente Ihrer Kreise auch nicht. Der Staatsminister von B. ist einer der Auserwählten, die zu dem kleinen Abendzirkel meiner Pflegeeltern gehören. Unser Salon ist freilich so eng, daß keine Spieltische aufgestellt werden können, aber einige Professoren der Akademie, Freunde des Doktors, halten interessante Vorträge; öfter kehren auch musikalische Celebritäten bei uns ein, und dann wird unverdrossen, mit wahrer Lust auf meinem schlechten Pianino musiziert.« Um ihre Lippen schwebte wieder der ganze Liebreiz jugendlicher Heiterkeit, aber auch ein Zug von Sarkasmus trat hervor — sie hatte in der That eine »streitbare Ader« in sich.

»Ich bin, Gott sei Dank, so erzogen, daß ich dem Heimweh nicht die geringste Macht einräume, sobald ich weiß, daß ich irgendwo nötig bin,« wandte sie sich an den Kommerzienrat. »Damit lasse dich nicht schrecken, Moritz! Erlaube mir vielmehr, auf unbestimmte Zeit hier zu bleiben — Henriettens wegen!«

»Mein Gott, ich habe ja selbst keinen andern Wunsch, als dich hier zu behalten,« rief er mit einem Feuer, das selbst dem jungen Mädchen verwunderlich erschien.

Die Präsidentin stand wieder am Tische und ließ die Blätter eines vor ihr liegenden Buches unter ihrem Daumen hinlaufen, und die gesenkten Augen hingen so nachdenklich an diesem Spiel, als sehe und höre sie nichts anderes. »Es versteht sich ja von selbst, daß du bleibst, so lange es dir gefällt, meine liebe Käthe,« sagte sie gleichmütig, ohne aufzusehen. »Nur darf dieses Bleiben beileibe nicht den Anstrich einer Aufopferung erhalten; dagegen müssen wir uns entschieden verwahren. Nanni pflegt unsere Kranke musterhaft, und auch meine Jungfer ist angewiesen, nachts beizuspringen, wenn es nötig ist. Du könntest sie ohne Sorge verlassen.«

»Mag doch das Motiv sein, welches es will, teuerste Großmama, es genügt, daß Käthe in unserer Mitte zu bleiben wünscht,« fiel der Kommerzienrat lebhaft ein — er konnte den Blick nicht wegwenden von dem Mädchen, das sich unverkennbar die eigene Ueberzeugung durch beschwichtigende Worte nicht übertäuben ließ. »Sieh, im frohen Vorgefühl, daß wir dich hier behalten werden, mein Kind, habe ich den neuen Flügel —« Er unterbrach sich und küßte ekstatisch Daumen und Zeigefinger der rechten Hand. »Du bekömmst ein Instrument, Käthe, gegen welches das drüben im Musiksalon ein Klimperkasten ist; ich habe es, sage ich, gleich direkt hierher dirigiert.«

»Aber, Moritz, so ist das nicht gemeint,« rief das junge Mädchen rückhaltlos mit großen, erschrockenen Augen. »Gott bewahre mich! Dresden ist und bleibt meine Heimat, und die Villa Baumgarten meine Besuchsstation;« — sie lachte mit ihrem ganzen Mutwillen auf — »soll ich den Flügel immer als Gepäckstück mitschleppen?«

»Ich bilde mir ein, daß du eines Tages in Bezug auf Dresden ganz anders denkst,« versetzte er mit einem feinen, ausdrucksvollen Lächeln. »Der Flügel wird morgen hier eintreffen und bis auf weiteres in deinem Zimmer placiert werden.«

Die Präsidentin klappte den Deckel des Buches zu und legte die schmale, weiße Hand darauf. »Du triffst andere Dispositionen, als ausgemacht war,« sagte sie anscheinend gelassen. »Das bringt mich zwar sehr in Verlegenheit, aber ich bescheide mich gern. Ich werde heute noch an die Baronin Steiner schreiben, daß ihr für den Monat Mai angekündigter Besuch unterbleiben muß.«

»Aber ich sehe nicht ein, weshalb —«

»Weil wir sie nicht unterbringen können, bester Freund. Käthes Zimmer war für die Gouvernante bestimmt, die sie mitbringen wollte.«

Der Kommerzienrat zuckte die Achseln. »Dann thut es mir leid — meine Mündel bleibt selbstverständlich, wo sie ist.«

Er opponierte! Er wagte es, mit kühler Ruhe in das zornblitzende Auge der empörten alten Dame zu sehen und es natürlich zu finden, daß die Frau Baronin von Steiner Käthe weichen müsse — er, der sonst Himmel und Erde in Bewegung setzen mochte, der kein Opfer scheute, wenn es galt, vornehme Gäste in sein Haus zu ziehen! Es wich von ihm plötzlich der im Verkehr mit exklusiven Kreisen angeflogene feine Lack der Außenseite, und die plumpe, gemeine Natur des Parvenü kam zum Vorschein. Er war ja nun selbst von Adel, und dazu reicher als die meisten seiner jetzigen Standesgenossen — hatte er doch eben wieder eine immense Goldernte eingeheimst — er konnte herausfordernd auf seine Tasche klopfen und — er that es.

Die alte Dame biß sich auf die Lippe. »Ich werde unverzüglich die nötigen Schritte thun,« sagte sie und nahm ihre Schleppe auf, um zu gehen. »Beneidenswert ist die Situation, in die ich ohne mein Verschulden gedrängt bin, durchaus nicht — das muß ich sagen,« warf sie mit hochgezogenen Brauen in bitterem Tone über die Schulter hin.

»Und das um meinetwillen?« rief Käthe und trat mit ausgestreckter Hand einen Schritt näher, um das Hinausgehen der Präsidentin zu verhindern. »Moritz, es kann doch dein Ernst nicht sein, daß ich junges Ding die Freunde der Frau Präsidentin verdrängen soll? Das geschieht ganz gewiß nicht. Habe ich denn nicht mein eigenes Heim? Ich quartiere mich sofort in der Mühle ein, wenn Frau von Steiner kommt.«

»Das wirst du bleiben lassen, meine liebe Käthe; dagegen protestiere ich selbst mit allen Kräften,« versetzte die Präsidentin mit vornehmer Kälte, und jetzt brach aller Hochmut, der dieser stolzen Weltdame innewohnte, aus ihren Augen. »Ich bin gewiß tolerant — deine verstorbene Mutter hat sich nie über Unfreundlichkeit meinerseits zu beklagen gehabt, aber ein solch intimer Verkehr zwischen Villa und Mühle, ein solch ungeniertes ‚Hinüber und Herüber‘ widersteht mir denn doch in tiefster Seele, am allerwenigsten aber möchte ich diese Beziehung der scharfen Kritik meiner sehr streng denkenden Freundin ausgesetzt wissen.« Sie neigte steif grüßend den Kopf. »Ich bin im blauen Salon zu finden, wenn du mir die Herren vorstellen willst, Moritz.« Damit ging sie hinaus.

Der Kommerzienrat wartete mit spöttischer Miene, bis das Rauschen der Seidenfalten draußen verklungen und die entgegengesetzte Thür im Musikzimmer sehr hörbar zugefallen war, dann, indem sich seine Lippe höhnisch hob, lachte er leise in sich hinein.

»Da hast du deine Lektion, Käthe!« sagte er. »Gelt, es stecken recht scharfe Krallen in den Samtpfötchen. Ja, kratzen kann sie, die alte Katze, daß es eine Art hat. Ich armer Tropf könnte Wundenmale genug aufweisen, aber, Gott sei Dank, ihr Schicksal erfüllt sich endlich auch. Sie erlebt das Schlimmste, das ihr passieren kann: sie wird ungefährlich. Mit Bärs Pensionierung ist ihr Einfluß bei Hofe und in der Gesellschaft gebrochen.« Er rieb sich die Hände in lächelnder, unaussprechlicher Befriedigung. »Du weichst nicht um eine Linie, lieb' Herz! Du hast mehr Rechte in meinem Hause als alle anderen zusammen — merke dir das!«

Er wurde unterbrochen. Ein eintretender Diener meldete, daß die fremden Herren in der Bel-Etage den Herrn Kommerzienrat erwarteten. Eiligst griff Moritz nach seinem Hute; er wollte Käthe den Arm reichen, aber diese schlüpfte verlegen an ihm vorüber, hinaus in den Korridor. Der Herr Vormund mit der befremdenden Zärtlichkeit in Ton und Gebärden gefiel ihr ganz und gar nicht; seine kühlen, geschäftsmäßigen Briefe waren ihr lieber gewesen. Und welche merkwürdige Veränderung war sonst noch mit ihm vorgegangen! Unwillkürlich dachte sie an ihren neulichen Empfang in diesem Hause; noch hörte sie den ängstlichen Flüsterton, mit welchem der Kommerzienrat sie auf den Respekt hingewiesen, den sie der Präsidentin schulde, und jetzt machte er unehrerbietige Mienen hinter ihrem Rücken und fing an, ihrer bisher wirklich unumschränkten Machtvollkommenheit in seinem Hause unliebsame Grenzen zu ziehen. Das alles erschreckte das junge Mädchen, war ihr unbegreiflich und so unheimlich wie das dunkelpurpurne Zimmer voll dumpfer Luft und Bücherstaub, dem sie jetzt tiefaufatmend den Rücken wandte, um in das Haus am Flusse zurückzukehren.

15.

Das Krankenzimmer im Doktorhause sah am Nachmittag genau so aus wie gestern, als man Henriette hineingetragen. Auf ihre leidenschaftlichen Bitten hin hatte der Doktor die vornehmen Eindringlinge aus der Villa wegschaffen lassen. Draußen in der weiten Flur, auf dem roten Backsteingetäfel standen sie in Reih' und Glied, die apfelgrünen Lehnstühle, der elegante Ofenschirm, und um die einfache Thonvase mit dem Tannenstrauß gruppierte sich das vergoldete Waschgeschirr. Das Steingut war wieder zu Ehren gekommen, und die altmodischen Polsterstühle mit ihren schwarzen Serge-Bezügen standen an ihrem ehemaligen Platze. Dagegen sprang das erfrischende Silbergefunkel der kleinen, zerstäubenden Zimmerfontäne aus einem Kranz von grünen Topfgewächsen, und auf einem Tische stand der große Käfig mit Henriettens Kanarienvögeln, den man auf den sehnsüchtigen Wunsch der Kranken aus der Villa herübergeschafft hatte. Die flinken, goldgelben Geschöpfchen schlüpften, wie daheim, ungeniert aus und ein; sie umschwirrten das Bett, holten Zuckerkrumen aus den wächsernen Fingern der kranken Herrin und wiegten sich auf den schwebenden Blumenampeln an der Zimmerdecke.

Nanni, die Kammerjungfer, war gegen Mittag entlassen worden, damit sie in der Villa ausschlafen könne, und die Tante Diakonus hatte die Pflege für die Tagesstunden übernommen. Die alte Frau war noch im braunseidenen Kleide, aber sie hatte eine breite weiße Leinenschürze darüber gebunden, um das Seidengeräusch zu dämpfen.

Henriette wußte bereits um die Wandlung, die sich so plötzlich vollzogen. Die Jungfer war von draußen hereingekommen und hatte ihr zugeflüstert, daß eben ein Herr vom Hofe in der Flur feierlich von der Frau Diakonus empfangen und in das Zimmer des Doktors geführt worden sei. Ein Herr vom Hofe bei Bruck, der zuletzt nur noch Armenarzt gewesen war! Dazu hatten die festliche Toilette der Tante, ihr freudig verklärtes Gesicht die Aufmerksamkeit der Kranken erregt; sie war unruhig geworden und hatte mit Forschen und Fragen nicht nachgelassen, bis sich der Doktor an ihr Bett gesetzt und ihr in seiner ruhigen, einfachen Art und Weise Mitteilung von den Vorgängen gemacht hatte. Das alles war geschehen, während Käthe in Floras Zimmer dem Auftritte beiwohnte, den die Hofdame von Berneck und der Kommerzienrat mit ihrer blitzartig einschlagenden Neuigkeit hervorgerufen hatten.

Nachmittags saß Käthe am Krankenbett. Der Doktor war zu einer Audienz beim Fürsten befohlen und die Tante hatte sich für eine halbe Stunde freigemacht, um einige häusliche Anordnungen zu treffen; die beiden Schwestern waren zum erstenmal wieder allein. Auf Henriettens Gesicht lag ein wahrer Glanz unausgesprochener Freude und Glückseligkeit; Ruhe und Schweigen war ihr auferlegt worden. Der Doktor hatte ihr streng verboten, nochmals den Jubel laut werden zu lassen, in welchen sie bei seiner Mitteilung ausgebrochen war und der ihn tief erschreckt hatte. Sie war auch folgsam gewesen und hatte weder ihn noch die Tante im Laufe des Tages mit weiteren Fragen belästigt, aber jetzt, wo die ernsten Augen des Arztes nicht warnten, wo die Thür hinter der ängstlich besorgten Frau zugefallen war, jetzt richtete sie sich plötzlich in den Kissen auf. »Wo bleibt Flora?« fragte sie gespannt und hastig flüsternd.

»Du weißt, daß die Großmama von Stunde zu Stunde herübersagen läßt, der Boden brenne ihr unter den Füßen, aber sie könne nicht fort, man sei drüben von Beileidsvisiten dermaßen umringt, daß ein Losmachen sich noch immer nicht bewerkstelligen lasse.«

»Mein Gott, die Großmama!« wiederholte die Kranke geärgert und sich ungeduldig herumwerfend. »Wer verlangt denn nach ihr? Mag sie doch drüben bleiben. Ich spreche von Flora!«

Henriette verschlang die Hände fest ineinander und hob sie mit einer leidenschaftlichen Gebärde empor. »Käthe, ist das eine glanzvolle Rechtfertigung! Gott sei Dank, daß ich sie erleben durfte! Wenn nur Bruck sich nicht hineinreißen läßt, auf seinem Rückwege vom Schlosse in der Villa einzukehren! — Hier, vor meinen Augen muß ihm Flora zum erstenmal wieder gegenüber stehen, hier. Ich lechze danach, sie im Staube vor ihm zu sehen.«

»Rege dich nicht auf, Henriette!« bat Käthe mit zitternder Stimme.

»Ach was — laß mich reden!« entgegnete sie hastig. »Wenn Bruck nur wüßte, zu welchen Qualen er mich verurteilt mit seinem Sprechverbot! Die unterdrückte innere Aufregung beklemmt mir die Brust bis zum Zerspringen, genau wie gestern der Sturm, der sich dann so erschreckend Luft machte.« — Sie stützte den Ellenbogen und vergrub die Hand in dem reichen Blondhaar, von dem sie längst das Batisthäubchen weggeschüttelt hatte. »Weißt du noch, wie Flora die Reise, von der Bruck berühmt zurückgekehrt ist, höhnisch und verwegen ihm in das Gesicht hinein eine Vergnügungstour nannte?« fragte sie und sah unter der gesenkten Stirne hervor mit Augen voll Erbitterung zu der Schwester auf; sie verfiel in denselben Ton wie gestern in ihren wilden Fieberphantasien, die eine so furchtbare Entscheidung herbeigeführt hatten. Käthe schauerte in sich zusammen. »Erinnerst du dich, wie sie Moritz schalt und verlachte, weil er der Wahrheit nahe kam und vermutete, daß Bruck an ein Krankenbett nach L.....g gerufen sein könne? Nein, und wenn sie auf den Knieen Abbitte leistet, sie kann diesen Frevel, diesen beispiellosen Uebermut kaum sühnen. Nur einen einzigen Blick möchte ich jetzt in ihre Seele thun. Welche niederschmetternde Beschämung! Sie kann beim ersten Begegnen die Augen weder zu ihm, noch zu uns aufschlagen.«

Käthe hatte die Hände im Schoß gefaltet und die Wimpern lagen tief auf ihren Wangen, als sei sie die Schuldige. Das leidenschaftlich erregte Mädchen da vor ihr ahnte nicht, daß diese erste Begegnung nicht mehr stattfinden konnte, daß sich Floras Fuß nie wieder in »die spukhafte Spelunke« verirren würde. Sie wußte so wenig wie alle anderen, daß sich die Braut gewaltsam befreit, daß das Symbol des geschlossenen Bundes, der »einfache« Goldreif, draußen im Flusse liege, wenn ihn nicht die Wellen längst fortgespült hatten.

»So sprich doch auch ein Wort!« grollte Henriette. »Du mußt Fischblut in den Adern haben, daß dich die Vorgänge so ruhig lassen. Freilich, du hast noch keinen besonders tiefen Einblick in die Verhältnisse thun können, und den Persönlichkeiten gegenüber magst du auch noch nicht den richtigen Standpunkt einnehmen. Bruck z. B. kann dich kaum interessieren; du siehst ihn zu selten und hast sicher noch keine zehn Worte mit ihm gesprochen, aber du bist doch schon Zeuge von Floras abscheulichen Rücktrittsmanövern gewesen, hast die herzlosesten Aussprüche von ihren Lippen gehört — ich sollte meinen, so viel Gerechtigkeitsgefühl, so viel Verlangen — ich möchte sagen ‚Durst‘ nach gerechter Strafe, nach einem rächenden Ausgleich müsse in jeder gesunden Menschennatur liegen.«

Jetzt sah Käthe mit einem seltsam flimmernden Blick auf; das war sicher kein Fischblut, das in so jäh emporschießender Welle Stirn und Wangen, selbst den runden, schneeweißen Hals heiß und purpurn färbte; es wallte unbezwinglich auf und ließ sie einen Augenblick völlig vergessen, daß sie am Krankenbett sitze und als gewissenhafte Pflegerin auf kein erregendes Thema eingehen dürfe. »Und wenn dieses Rachewerk sich wirklich vollzieht, wenn Flora beschämt ihren Irrtum zugibt, welchen Wert könnte diese Umkehr für den beleidigten Mann haben?« fragte sie gepreßt. »Flora hat ihm, wie du selbst sagst, ihre Abneigung unverhohlen gezeigt, und wenn er in den Fürstenstand erhoben würde, es könnte doch unmöglich den Widerwillen in Liebe zurückverwandeln.«

»Bei einer so eitlen, ehrgeizigen Seele, wie Flora, ohne weiteres,« versetzte Henriette in bitter verächtlichem Ton. »Und Bruck? Du wirst sehen, er geht bei ihrer ersten Annäherung über das Geschehene hinweg, als sei es nie gewesen.« — Den Kopf zurücklehnend, schloß sie einen Moment die Augen. — »Ja, wenn die Liebe nicht wäre, dieses ewig unlösliche Rätsel!« sagte sie halb flüsternd vor sich hin. »Und er liebt sie wie vordem; wie ließe sich sonst sein Ausharren, sein geduldiges Ertragen erklären?« Sie hob die Wimpern wieder, und ein Gemisch von tiefem Schmerz und bitterer Ironie brannte in ihren unirdisch glänzenden Augen. »Und wenn ihn aus ihrem schönen Gesicht ein Teufel anblickte, und wenn ihre Hände nach ihm schlügen, er würde sie doch lieben und diese Hände zärtlich küssen.« Das Lächeln, das so scharfe Linien in ihre abgezehrten Wangen grub, hatte etwas Herzzerreißendes; sie suchte es auch zu verbergen, indem sie das Gesicht in die Kissen drückte. »Ihre Umkehr wird mithin hohen Wert haben,« sagte sie nach einer momentanen Pause entschlossen, mit gewaltsam beherrschter Stimme; »er wird glücklich werden, und deshalb muß auch von unserer Seite alles geschehen, daß die Zeit der Verirrung nie mehr berührt wird.«

Käthe sagte kein Wort mehr. Die Kranke erwartete mit kaum bezähmbarer Ungeduld den Moment, wo sie den Mann, den sie als ihren Arzt vergötterte, wieder glücklich sehen würde. Was sollte werden, wenn Flora nicht kam, wenn Henriette endlich erfahren mußte, daß die treulose Braut der langen Qual eigenmächtig ein rasches, gewaltsames Ende gemacht hatte? »Dann wirst du unseren Namen nie mehr auf die Lippen nehmen,« hatte Henriette gestern in ihren Fieberphantasien gegen Bruck geklagt. In Käthes Seele dauerte der chaotische Zustand fort, der sie schon gestern abend betroffen gemacht. Die Gesetze der Moral hatten ein scharfes Gepräge für sie, und sie war noch unerfahren genug, Lohn und Strafe stets als gerechte Folgen vorausgegangener Handlungen zu denken — und nun in diesem wunderlichen Weltgetriebe wurde alles Ernstes gewünscht und gehofft, daß unerhörter Uebermut und systematische Pflichtverletzung nicht nur straflos ausgehen, sondern auch noch eines seltenen Glückes teilhaftig werden sollten. Man bemühte sich, das Vergehen totzuschweigen; man hätschelte die Sünderin und dankte ihr womöglich auf den Knieen für ihre Umkehr, die, wenn sie wirklich erfolgte, nicht einmal wahre, innere Reue, sondern nur durch den Umschwung der äußeren Verhältnisse hervorgerufen worden war. Und er, den sie moralisch mit Füßen getreten, nahm er sie wirklich augenblicklich wieder an sein Herz, wenn sie sich herabließ, zu ihm zurückzukehren? Ganz sicher; hatte er sie doch nicht freigegeben, selbst nachdem sie ihm erklärt, daß sie ihn hasse. Jetzt fühlte Käthe einen mächtigen Zorn in sich aufglühen gegen die unselige Schwachheit, die einen Mann so erbärmlich, so unmännlich handeln ließ. Sie hätte so recht von Herzen ihren Groll ausweinen mögen über diese Erfahrung, die ihr das Leben und sogar die schöne, strahlende Welt für einen Augenblick verdunkelte, aber sie verbiß trotzig das wunderliche Schmerzgefühl und saß äußerlich fast noch »fischblütiger« da als vorher. Weinen? Was ging sie denn die ganze abstoßende Geschichte weiter an? Sie hatte nun nichts, gar nichts mehr dabei zu bedenken als das Hochzeitsgeschenk für die Schwester — etwa einen Teppich oder ein Sofakissen — das sie nunmehr schleunigst anfangen müsse, wenn wirklich die Hochzeit zu Pfingsten stattfinden sollte.