Die Tante kam herein, legte einen frischgebrochenen Syringenzweig voll junger Blätter auf die Bettdecke und brachte der Leidenden einen Gruß vom Frühling, der gar so golden, so helltönig und würzig draußen hinziehe und einen wahren Genesungsbalsam in seinem Atem trage. Sie bestand darauf, ihren Platz am Bett wieder einzunehmen, und erklärte Käthes Anwesenheit im Krankenzimmer für den Moment als vollkommen überflüssig; draußen im Garten möge sie sich ein wenig Bewegung machen und frische, sonnige Gottesluft atmen, das thue ihr sichtlich not; die gestrige Alteration und Anstrengung sei noch auf ihrem Gesicht zu lesen.
Das junge Mädchen ging rasch hinaus. Ja, Luft und Sonnenschein, das waren zwei gute Freunde, die ihr stets das Gefühl innerer Kraft und des Jungseins wonnig zum Bewußtsein brachten, die den Blick klärten und alles angekränkelte Empfinden über den Haufen bliesen. Und die Tante hatte recht, die Welt war so maienhaft, so blütenverheißend, und die schwach wehende, sonnentrunkene Luft hauchte »Genesungsbalsam« in Leib und Seele. Käthe trat hinaus auf die Freitreppe; ihr schöner Busen wogte in tiefen, zitternden Atemzügen. Sie hob und streckte unwillkürlich die Arme, die fest und doch mädchenhaft gerundeten mit den stählernen Muskeln. Und die Stufen hinabsteigend, ließ sie den Blick in die blaue Ferne hinausfliegen, über das niedere Staket hinweg, über die Wiesengründe draußen, über das sie durchschneidende, rasch strömende Gewässer mit den Dorfhäusern und Kirchtürmen an seinen fernen Ufern — wunderliches Menschenherz, das angesichts dieser Herrlichkeit doch so gepreßt blieb!
Und dort, vom Holzschuppen her, der am Gartenzaun stand, klang liebliches Gezwitscher, und blauschwarzes Gevögel mit metallisch funkelndem Rücken und rostbrauner Kehle tummelte sich um die offene Bodenluke — die ersten Schwalben waren da. Die Bodenluke war ihr alter Nistplatz. Käthe hatte schon als Kind, im Grase liegend, ihr Aus- und Einfliegen beobachtet, aber wie einsam und verloren hatte damals das Zwitschern geklungen in das eintönige Wellengemurmel und die um das verschlossene Haus webende, atemlose Stille hinein, die hier und da das Fallen einer reifen Frucht von den Obstbäumen unterbrach! Jetzt schmetterten auch vornehme, verzogene Stubenvögel aus den offenen Fenstern; der Rauch des Herdfeuers zog hoch droben als dünner, sonnenvergoldeter Schleier über den Rasenplatz hin; am Schuppen stand auch das Hundehaus, und der ungebärdige, struppige Köter riß an seiner Kette und schnappte nach einem schönen lichtgelben Huhn, das sich dummdreist immer wieder in seine Nähe wagte, um einige versprengte Getreidekörner aufzulesen. Die Köchin hatte auf Wunsch der Tante Diakonus einen prächtigen Hahn und fünf Hennen aus ihrem Dorfe mitgebracht — es sollte alles werden wie im alten, lieben Pfarrhause.
Käthe scheuchte die krakelnde Henne aus dem Bereiche des zornig knurrenden, gereizten Hundes und wandelte langsam unter den Obstbäumen hin. Der vorjährige, dürre Graswuchs zu ihren Füßen erschien da und dort gesprenkelt mit jener Bläue, die selbst das älteste, verdrossenste Menschenauge noch aufleuchten macht — die ersten Veilchen blühten, und das große, stattliche Mädchen bückte sich so emsig danach, wie es einst kaum der kleine Rücken des Müllermäuschens gethan ... Fast verwundert dachte sie jetzt daran, daß sie ja eigentlich als einzige Erbin ihres Großvaters vor wenigen Wochen noch Herrin hier gewesen sei; das Kapital, das der Doktor für die kleine Besitzung hingegeben, gehörte ihr — es lag wohl auch in dem bewußten eisernen Schranke, das mühsam ersparte, redlich erworbene Scherflein, vermischt mit dem Reichtume, den der Kornwucher aufgehäuft. Sie schrak zusammen und verschüttete unwillkürlich die gepflückten Veilchen auf den Rasen. Das schneidende Gefühl namenloser Demütigung und erlebter Schande überkam sie, wie gestern inmitten der erbitterten Weiberschar. Da hatte sie noch im ersten Aufschrecken gegen die entsetzliche Beschuldigung protestiert, aber nun, so oft das harte, mürrische, grobe Gesicht ihres Großvaters vor ihr auftauchte, mußte sie sich eingestehen, daß er recht wohl das grausame Wort von den »pfeifenden Mäusen« gesagt haben konnte; sie ballte in stummer Qual krampfhaft die Hände. Daß sie mütterlicherseits aus den untersten Schichten der Gesellschaft stamme, wußte sie ja; nie war ihr auch nur der Wunsch gekommen, daß es anders sein möchte — sie leitete vielmehr ihre prächtige Mitgift, Kraft und tadellose Gesundheit, dankbar von »dem Großmütterlein« her, das in frischer Waldluft mit kräftigem Arme die Holzaxt geschwungen, aber die Gemeinheit der Gesinnung, die Brutalität, mit welcher der ehemalige Müllerknecht einen erbarmungslosen Druck auf die Armut ausgeübt, um zu einem großen Vermögen zu gelangen, erfüllten sie mit Ekel und Abneigung, und an den eisernen Spind mit seinen aufgespeicherten Schätzen mochte sie gar nicht mehr denken.
Ohne es zu wissen, war sie, am Flusse hingehend, in einen förmlichen Sturmschritt verfallen. Da, wo der Zaun das Grundstück begrenzte und mit seinem Weißdorngeflecht noch ein Stück des abschüssigen Ufers hinablief, blinkten weiße Glasscherben, die Splitter des kleinen Glases, aus welchem sie gestern abend die nervenberuhigende Mischung getrunken. Die Köchin hatte die Trümmer, an welche sich eine beschämende Erinnerung für das junge Mädchen knüpfte, achtlos hingeworfen, damit das Wasser sie mit fortnehme. Ein schmerzlicher Stich durchfuhr Käthes Herz und brennende Thränen traten ihr in die Augen, wie jedesmal, wenn sie an die gestrige Szene im Zimmer des Doktors dachte. Sie hatte sich mit ihrem »tollen Kopf« entsetzlich blamiert. Und wenn der milddenkende, feinfühlende Mann auch sofort ein beschwichtigendes Wort, eine Entschuldigung für sie auf den Lippen gehabt, innerlich hatte er doch jedenfalls verwundert lächeln müssen über »die große, körperstarke Person« mit den kindisch schwächlichen, sentimentalen Vorstellungen in ihrem Gehirn. Aber solch eine Uebereilung ihres bis zur Schwachheit mitleidigen Herzens passierte ihr auch gewiß nicht wieder! Lieber wollte sie für grausam, boshaft, ja, für eine böse Sieben gelten. Und der Doktor sollte gewiß nicht wieder über sie lächeln — ah, dazu fand er auch bald genug keine Veranlassung mehr. Wie lange noch, da wurde Henriette in die Villa zurückgebracht; die Verbindung zwischen »hüben und drüben« wurde abgebrochen, und der Doktor »nahm nicht einmal mehr die Namen derer in der Villa auf die Lippen«. Nach allem, was gestern abend geschehen, was sie als einziger Zeuge mit angehört, mit angesehen, war die gehoffte Umkehr Floras unmöglich, mochte Doktor Bruck auch mit aller Energie auf seinem Rechte bestehen — heute noch mußte er die Ueberzeugung gewinnen, mußte sich alles entscheiden, wenn die Braut ausblieb. Oder that er doch, was Henriette befürchtete? Hatte er das Verlangen nicht unterdrücken können, bei seiner Rückkehr vom fürstlichen Schlosse in der Villa einzukehren, um Flora von der glücklichen Wandlung in seinem Leben nunmehr persönlich in Kenntnis zu setzen? Dann sagten ihm die zwei kleinen Brillantringe an ihrem Finger sofort, und zwar deutlicher als jedes erklärende Wort, was er noch zu hoffen habe.
Käthe lief in diesem Augenblicke vom Ufer weg auf den Rasengrund zu; ein abscheulicher Lärm, der möglicherweise bis ins Krankenzimmer dringen und Henriette erschrecken konnte, erhob sich in der Nähe des Schuppens; das Hühnervolk zerstob, entsetzt aufschreiend, nach allen vier Winden, und der Hofhund stürzte sich mit nachschleifender Kette wütend auf die gelbe Henne, die ihn geärgert hatte. Käthe war ihm sofort auf den Fersen; sie packte sein schmutzig weißes, zottiges Fell im Genicke, in demselben Momente, wo bereits die Schwanzfedern seines unglücklichen Opfers umherflogen.
Sie lachte wie ein Kind über das zerzauste Huhn, das sich kläglich krakelnd im Holzschuppen verkroch, und zog den Hund nach seiner Hütte zurück. Das ungebärdige Tier sträubte und sperrte sich mit allen Kräften; es versuchte, nach der kräftigen Mädchenhand zu schnappen, die es unerbittlich wieder in die Gefangenschaft schleifte.
Für einen dritten mochte dieser Kampf um die Herrschaft etwas Beängstigendes haben; denn der Hund war tückisch wild, groß, von sehnigem, gedrungenem Gliederbau, und die rotfleckige Zeichnung auf Rücken und Flanken gab ihm ein tigerartiges Ansehen, aber er wand und stemmte sich vergeblich. Käthe stieß mit der freien Linken den ausgehobenen Kettenhaken wieder in den eisernen Ring der Mauer und sprang, den Hund plötzlich loslassend, weit zurück; er fuhr ihr wütend nach und erwischte noch den Saum ihres Kleides, den er in Fetzen riß.
»Bösewicht!« drohte sie mit dem Finger und nahm das Kleid auf, um den Schaden zu betrachten. Sie hörte eilige Schritte von der Brücke her kommen; sie wußte auch, daß es der Doktor war, der von der Stadt zurückkehrte, aber sie sah nicht auf. Sie hoffte, er werde in das Haus gehen, ohne sie weiter zu beachten. Wer konnte denn wissen, ob er nicht direkt aus der Villa und vielleicht in sehr trüber Stimmung kam? Er war ohnehin so still und in sich gekehrt, so wortkarg heute; fast wollte es ihr scheinen, als habe er gestern abend mit dem sanften, unerklärlich weichklingenden »Gute Nacht, gute Nacht!« einen Abschluß seines bisherigen Wesens und Verhaltens andeuten wollen.
Er ging nicht in das Haus, sondern direkt auf Käthe zu. Drohend hob er den Stock gegen den boshaft knurrenden, kläffenden Hund, der plötzlich mäuschenstill wurde und sich demütig neben seiner Hütte hinstreckte. Der Doktor nahm einen Stein und trieb den Kettenhaken noch tiefer in den Ring. »Ich werde das Tier doch wohl abschaffen müssen; es ist zu wild und ungebärdig,« sagte er, sich aufrichtend und den Stein fortwerfend. »Seine scharfe Wachsamkeit wiegt den Schrecken nicht auf, den er verursacht. Sie sind freilich mit ihm fertig geworden; ich glaube, im Bewußtsein Ihrer Kraft lassen Sie sich leicht verführen, tollkühn zu sein.« Er sagte das in ernstem, nahezu tadelndem Tone, jedenfalls hatte er den Vorgang im Näherkommen durch das Ufergebüsch mit angesehen.
Sie lachte. »Glauben Sie das ja nicht! Ich habe meine wohlgemessene Dosis Aengstlichkeit in der Seele, wie jedes andere Mädchen auch,« entgegnete sie freimütig. »Vor fremden Hunden habe ich sogar eine ganz besondere Scheu und gehe ihnen gern aus dem Wege. Aber in kritischen Augenblicken muß man sich doch zu helfen wissen; angeborene Schwächen dürfen nicht aufkommen; da beiße ich die Zähne zusammen und greife unbedenklich zu, und das mag dann so furchtbar tapfer aussehen.«
Der Doktor hatte mit den Augen eine Schwalbe verfolgt, die vom Schuppen wegflog, und jetzt lächelte er auch, aber ohne Käthe anzusehen. Es kam ihr vor, als sei dieses Lächeln ein ungläubiges; jedenfalls blieb er dabei, sie wollte sich heldenhaft hervorthun und poche unweiblich genug auf ihre Kraft, und das entsprach durchaus nicht ihrem Geschmacke, am wenigsten aber der Wahrheit.
»Sie zweifeln?« fragte sie mit einem halb ernsten, halb schelmischen Aufblicke. »Wissen Sie auch, daß die Heldin da vor Ihnen erst seit kurzem das letzte Restchen Furcht vor Nachtdunkel und Geisterspuk von der Seele geschüttelt hat?« Ein köstlicher Humor umspielte ihre Lippen und vertiefte die Wangengrübchen. »Sie können sich wohl denken, daß in der alten Schloßmühle Kobolde und Heinzelmännchen in allen Ecken hocken und rumoren; dem fürstlichen Erbauer fällt es auch bisweilen ein, aus seinem wackeligen Rahmen zu steigen, um höchsteigenhändig die Kornsäcke auszuschütten, und gespenstische Müller, die vor alten Zeiten ihren Mahlkunden das Mehl verkürzt haben, fehlen auch nicht. Suse hat mir selbstverständlich von diesen unumstößlichen Thatsachen nicht ein Tüpfelchen vorenthalten, und ich war so festgläubig, als sei ich in einer Thüringer Spinnstube aufgewachsen. Von diesem wundervollen Gruseln durften aber der Papa und meine Lukas um alles nichts merken — Suse wäre sehr gescholten worden, und ich schämte mich auch —, da galt es denn, sich zu überwinden und zähneklappernd, aber ohne Widerrede, in tiefster Dunkelheit bis auf den Hausboden hinaufzusteigen, wenn es auf Grund der Erziehungskonsequenz befohlen wurde.«
»Sie haben sich also von jeher gewöhnt, an Ihre innere Kraft hohe Anforderungen zu stellen. Wie mag es da kommen, daß es Ihnen so leicht wird, beim Manne eine That der Feigheit und Schwäche vorauszusetzen?«
Sie stand plötzlich wie mit Blut übergossen. »Sie haben mir gestern meine Uebereilung verziehen,« sagte sie sichtlich verletzt und nicht ohne Trotz, und strich, sich abwendend, wiederholt die Löckchen aus der Stirn, lediglich um die Flammenglut auf ihrem Gesichte mit der Hand zu verdecken.
Er schüttelte den Kopf. »Diesen Ausdruck sollten Sie doch nicht wieder gebrauchen, nachdem ich Ihnen versichert, daß Sie mir nichts zuleide gethan haben,« versetzte er, unwillkürlich seine schöne, klangvolle Stimme dämpfend, als berühre er eine geheime Beziehung zwischen sich und dem Mädchen, um welche die ganze übrige Welt nicht wissen dürfe. »Ich wollte vorhin nur sagen, daß ich umsonst der Wurzel nachspüre, aus der Ihre gestrige Befürchtung entsprungen sein mag.«
Käthe ließ die Augen über das Haus hingleiten; sie sah wieder geklärt, lieblich und rosig aus wie eine Apfelblüte und um ihre Lippen zuckte es wie verhaltenes Lachen — der flechtengekrönte Kopf mit dem kindlich schelmischen Gesichte saß fast befremdend jung auf der junonischen Gestalt. Sie zeigte nach dem verhängnisvollen Eckfenster. »Vor alten Zeiten hat dort eine schöne Edelfrau gelebt —«
»Ach, die romantische Geschichte, die man sich auch in den Spinnstuben erzählt!« unterbrach er sie. »Also das tragische Ende der Verlassenen ist's gewesen —«
»Das nicht allein. Henriette hauptsächlich hat mir bange gemacht —«
»Henriette ist krank; ihr tief erschüttertes Nervenleben drängt ihr Denken und Empfinden aus der natürlichen Bahn. Sie aber sind gesund an Leib und Seele.«
»Ja, gewiß, aber es gibt Dinge, für die man in seiner Jugend und Unkenntnis keinen Maßstab, kein eigenes Urteil hat —«
»Für die Liebe, zum Beispiel,« fiel er ein, und ein rascher, scheuer Seitenblick streifte das Mädchen.
»Ja,« bestätigte sie einfach.
Er senkte den Kopf und stieß, in tiefes Nachdenken verloren, mechanisch mit der Stockspitze gegen einen mächtigen Würfel aus Sandstein, welcher, der Hausthür gegenüber, mitten im Rasengrunde lag. Früher war er für die kleine Käthe ein wunderlicher, aber hübscher Tisch gewesen, lediglich zu dem Zwecke hingestellt, daß Kinderhände gefallenes Obst, Blumen und gesammelte Steinchen darauf legen sollten. Jetzt erkannte sie in ihm das ehemalige Postament einer Statue; noch sah man den Trümmerrest eines kleinen Fußes mit zarten Zehen auf der grünmoosigen oberen Fläche.
Käthe strich mit ihrer schlanken Hand schmeichelnd über die zierliche Form. »Das ist eine Nymphe oder Muse gewesen,« sagte sie. »Das schlanke Geschöpfchen hat schwebend, mit gehobenem Arm auf der einen Fußspitze gestanden; ich kann mir die ganze Gestalt auf der einen hochgeschwungenen Linie des Füßchens aufbauen. Vielleicht war ihr schöner Kopf seitwärts der Brücke zugewendet, und sie hat auch den Reiter über die Brücke kommen sehen, und dann die stolze Schloßfrau in der bunten Brokatschleppe —« Sie verstummte unwillkürlich und sah ihm in das Gesicht; er war offenbar weit fort mit seinen Gedanken; er hörte nicht, was sie sagte, und das, was ihn beschäftigte, war sicher sehr deprimierend; zum erstenmal sah sie in diesem edelschönen, ruhig beherrschten Antlitz einen ausgesprochen gramvollen Zug. Flora! Sie war der Fluch dieses Mannes; er ging an seiner Leidenschaft für sie zu Grunde.
Das plötzliche Schweigen des jungen Mädchens machte ihn aufblicken. »Ach ja,« sagte er, sich sichtlich zusammennehmend, »die wirtschaftlichen Leute, die lange Zeit hier gehaust, haben sich das Vergnügen gemacht, die Statuen herabzustürzen. Der ganze Garten muß mit diesen Sandsteinfiguren bevölkert gewesen sein; rings im Gebüsche finden sich noch viele Postamente. Ich werde dem Grundstücke seine ehemalige Gestalt zurückzugeben suchen. Man sieht, trotz der Verwilderung, noch deutlich den Plan, der dem Garten zu Grunde gelegen hat.«
»Dann wird es sehr hübsch und sehr vornehm hier werden, aber der Blick ins Grüne, in diese köstliche, verwachsene Wildnis geht verloren; Ihr Arbeitszimmer —«
»Mein Arbeitszimmer wird vom nächsten Oktober an eine liebe Freundin meiner Tante bewohnen,« unterbrach er sie gelassen. »Ich siedele im Herbst nach L.....g über.«
Sie sah ihn bestürzt an und faltete unwillkürlich die Hände. »Nach L.....g?« wiederholte sie. »Mein Gott, Sie wollen sich von ihr trennen? Und was sagt sie dazu?«
»Flora? Sie geht selbstverständlich mit mir,« sagte er eiskalt, aber in seinen Augen lohte es auf wie ein schmerzlicher Zorn. »Glauben Sie, ich werde Ihre Schwester hier zurücklassen? Sie dürfen ruhig sein.« Wie schneidend seine Stimme klang!
Käthe hatte von der Tante gesprochen, allein sie war nicht fähig, das Mißverständnis zu berichtigen; so betroffen machte sie seine Antwort — er schien seiner Sache so gewiß. »Sie waren eben in der Villa?« fragte sie schüchtern und doch fieberhaft gespannt.
»Nein, ich war nicht in der Villa,« betonte er — klang es doch, als persifliere er sie, der feinfühlende Mann, der sonst nie seine Zunge zu einer Geißel des Spottes machte. »Ich bin überhaupt heute noch nicht so glücklich gewesen, jemand von drüben zu sehen. Moritz hätte ich gern begrüßt, aber die Herren, die sich eben von ihm verabschiedeten, als ich an der Villa vorüberging, kamen so laut und heiter vom Frühstückstisch, daß ich es vorzog, unerkannt zu passieren.«
Er hatte demnach Flora heute noch nicht gesprochen, und dennoch diese Zuversicht! Es war zum Verzweifeln! Käthe wünschte sich weit weg aus diesem Dilemma — sie kam sich vor wie des Priamos unglückselige Tochter, die einzige Wissende unter den Verblendeten. Es war gut, daß in diesem Augenblicke die gezüchtigte Henne abermals unvorsichtig auf ihren erbitterten Feind losspazierte. Käthe fand dadurch einen Vorwand, das Gespräch abzubrechen; sie scheuchte das Tier über den Rasen hin in den Schuppen zurück, schloß die Thür und schob den Riegel vor.
16.
Als sie sich wieder umdrehte, sah sie den Doktor noch neben dem Postamente stehen, aber sein Gesicht war in starrem Hinüberblicken der Brücke zugewendet. Er war blaß geworden. Sein Profil mit den hartgeschlossenen Lippen unter dem Barte erinnerte sie an jenen Moment in der Schloßmühlenstube, wo sie ihn nach der Todesart ihres Großvaters gefragt hatte; er rang mit einer heftigen inneren Bewegung. Unwillkürlich folgte sie der Richtung seines Blickes, und wenn dort der Schatten der ertrunkenen Edelfrau über den Fluß hingeschwebt wäre, sie hätte nicht entsetzter aufschrecken können, als beim Anblicke der schönen Schwester, die so graziös, so vollkommen unbefangen über den Holzbogen daherkam, als sei sie gestern abend mit einem »fröhlichen Wiedersehen« auf den Lippen von hier weggegangen. War es möglich? Sie glitt schlangenhaft leicht über die Stelle, auf der sie sich für frei und auf immer getrennt von dem mißachteten Manne erklärt hatte; nur Stunden waren vergangen, seit sie seinem Heim, seinem Grund und Boden mit den härtesten Ausdrücken der Verachtung für alle Zeiten den Rücken gewendet, und jetzt kehrte sie das schöne, lächelnde Gesicht der »spukhaften Spelunke« wieder zu; ihre Füße betraten flink und zuversichtlich den Rasengrund; keine Welle zischte empor, kein Lüftchen regte sich, um ihr von Schuld, Willkür und beispiellosem Wankelmut vorzuflüstern, und der Sonnenschein umschmeichelte und vergoldete die feingliedrige Gestalt, als sei sie ihm das liebste Erdenkind.
Sie war dunkel gekleidet. Schwarze reiche Spitzenkanten lagen auf den blonden Locken; sie umwogten den schneeweißen Hals und fielen in langen Enden tief über die Schultern hinab, wie die gesenkten dunkeln Flügel eines Engels der Nacht. Hinter ihr ging der Kommerzienrat; er sah sehr animiert aus; er führte die Präsidentin so respektvoll am Arme, daß sich Käthe alles Ernstes besann, ob sie von seinem höhnischen Blicke am heutigen Morgen und den Auslassungen über »die alte Katze mit den Samtpfötchen« nicht etwa nur geträumt habe.
Der Doktor ging jetzt langsam den Kommenden entgegen, während Käthe starr, wie festgewurzelt, am Schuppen stehen blieb und unbewußt den vorgeschobenen Riegel umklammert hielt. Sie sah, wie man sich gegenseitig begrüßte, genau wie sonst auch. Nichts Außergewöhnliches war geschehen, kein böses Wort gefallen. Der Kommerzienrat umarmte beglückwünschend den Doktor; die Frau Präsidentin zeigte gütig und verbindlich lächelnd ihre weißen Zahnspitzen — und Flora? Ihre Wangen erschienen allerdings momentan wie in eine lebhafte Rosenglut getaucht, und der sonst so selbstbewußte Blick irrte vom Antlitze des Doktors weg auf den Rasen nieder, aber sie streckte in gewohnter biderber Weise die Hand aus, und die Fingerspitzen wurden erfaßt, wenn auch nicht festgehalten, ganz wie neulich bei Käthes Ankunft, und als sich Doktor Bruck umwandte, da waren seine Züge geradezu steinern ruhig.
Schon beim Betreten des Gartens hatte Flora die junge Schwester mit einem spöttischen Kopfschütteln vom Scheitel bis zu den Fußspitzen rasch gemustert und dann eine offenbar boshaft witzige Bemerkung über die Schulter zurück dem Kommerzienrat hingeworfen, jetzt aber, als sie näher getreten war, sah Käthe, daß auch etwas wie unterdrückter Aerger, ja eine Art von Feindseligkeit in ihren blinzelnden Augen aufglomm.
»Nun, Käthe? Hast dich ja schon recht hübsch hier eingenistet,« rief sie ihr zu. »Thust ja wirklich, als seiest du zu Hause und trügst den Schlüsselbund zu allen Thüren und Kästen am Gürtel.«
Das junge Mädchen antwortete nicht. Sie ließ die Hand vom Riegel gleiten und wandte das Gesicht mit den strenggeschlossenen Lippen langsam der Schwester zu. Ob die Uebermütige dort nicht erschrak, ob sie sich nicht schämte vor dem Laute der eigenen Stimme, hier auf dieser Stelle? »Mich sieht dieses Haus nie wieder,« hatte sie gestern gerufen, und jetzt stand sie bereits auf der ersten Thürstufe, um einzutreten, um zurückzukehren in »die bedrückend armselige Umgebung«.
»Nimmst du Floras Scherz übel, mein Liebling?« fragte der Kommerzienrat, rasch zu Käthe tretend. Er legte ihren Arm in den seinen. »Du kannst dir das getrost gefallen lassen, bist du doch auch ein reizendes Hausmütterchen. Du sahst zum Malen hübsch aus unter dem bunten Hühnervolke. Warte nur, du sollst einen Geflügelhof bekommen, wie er sich prächtiger nicht denken läßt.«
Die Präsidentin, die eben majestätisch die Steinstufen hinaufstieg, hielt einen Moment inne, als versage ihr der Atem — sie drehte den leicht nervös zitternden Kopf verächtlich nach dem zärtlichen Vormunde zurück, dann beschleunigte sie ihre Schritte. »Hirnloser Schwätzer! Er ist und bleibt sein Leben lang der abgeschmackte Commis Voyageur!« murmelte sie erbittert Flora zu, die schnell das Taschentuch vor den Mund hielt, um nicht in ein lautes Gelächter auszubrechen.
Käthe ließ wie unbewußt ihre Hand auf dem Arme ihres Schwagers liegen. Sie hörte kaum, was er sagte; sie bemerkte auch nicht die seltsame Ueberraschung, mit welcher Doktor Bruck, stumm und starr wie eine Bildsäule, das Paar an sich vorüberschreiten ließ; sie sah nur, daß Flora an der schmalen Hand, die sie eben mit dem Taschentuch zum Munde führte, einen schwarzen Halbhandschuh trug; das feine durchbrochene Seidengewebe harmonierte mit den Spitzen, die über die ganze Gestalt gleichsam hinrieselten; dies machte die weiße Haut wie Elfenbein aufleuchten und ließ die Finger schlank hervortreten. Die zwei kleinen Brillantringe funkelten nicht mehr am Ringfinger, »der einfache Goldreifen, der grob wie Eisen drückte«, blinkte matt über dem Handschuh. Unmöglich! Dort rauschten ja die Wellen über ihn hin. Käthe hatte plötzlich die Empfindung, als sei sie der natürlichen Ordnung entrückt, als dürfe sie ihren gesunden Augen und Ohren nicht mehr trauen.
»Nun?« fragte die Präsidentin erstaunt in der Hausflur stehen bleibend; sie zeigte pikiert mit finster zusammengezogenen Brauen auf das umherstehende Gerät aus der Villa.
»Henriette hatte die Entfernung der Möbel so lebhaft gewünscht, daß ich nachgeben mußte,« sagte Doktor Bruck mit tonloser Stimme kalt und gleichmütig.
»Sie hat auch vollkommen recht. Es war eine wunderliche Idee — nimm mir's nicht übel, Großmama! — das Krankenzimmer dermaßen vollzustopfen,« warf Flora achselzuckend hin. »Das arme Ding leidet ohnehin schwer an Brustbeklemmung; es mag ihr zu Mute gewesen sein, als sollte sie mit all dem dicken Polsterzeug erstickt werden.«
Die Großmama hatte eine herbe, schneidende Antwort auf den Lippen, das sah man; allein sie schwieg in Rücksicht auf den Doktor und die in der Küchenthür stehende Magd und rauschte nach dem Krankenzimmer. Beim Eintreten fuhr sie ein wenig zurück — Henriette hatte sich weit aus dem Bette geneigt. Sie sah so erschüttert aus und ihre weitgeöffneten, glänzenden Augen hingen mit einem so verzehrenden Ausdruck an der sich öffnenden Thür, daß die Präsidentin befürchtete, mitten in einen Fieberparoxysmus zu kommen. Sie beruhigte sich indes sofort, als die Kranke sie in der gewohnten kühlen Weise begrüßte; sie sah auch, daß der Blick voll unaussprechlicher Spannung Flora galt, welche unmittelbar nach ihr auf die Schwelle getreten war.
Die schöne Schwester ging direkt auf die Tante Diakonus zu, die sich beim Eintreten der Damen erhoben hatte, und reichte ihr so zuvorkommend die Hand, als wolle sie den Händedruck nachholen, den sie gestern abend vergessen hatte; dann wandte sie sich nach dem Bette. »Nun, Schatz,« sagte sie zu der Kranken, »es geht dir ja vortrefflich, wie man hört —«
»Und dir, Flora?« unterbrach Henriette sie mit kaum bezähmbarer Ungeduld, während sie dem hinzutretenden Kommerzienrat, ihn zerstreut begrüßend, die Hand gab.
Flora verbiß mit Mühe ein mokantes Lächeln. »Mir? Ei nun, leidlich! Die gestrige Alteration spukt mir allerdings noch in den Nerven, aber ich habe ja Willen und Selbstbeherrschung genug, um sie niederzuhalten. Gestern freilich sah es schlimm aus in mir; ich war krank; ich glaube, ich bin halb wahnwitzig gewesen vor nervöser Aufregung; wenigstens bin ich mir nicht ganz klar über mein nachheriges Thun und Lassen — was Wunder! Daniel in seiner Löwengrube ist kaum übler daran gewesen als ich in der ungeheuerlichen Situation. Unter solchen barbarischen Fäusten —«
»Nun, davor hat dich Käthe tapfer geschützt,« sagte Henriette ergrimmt. »Wie ein Schild hat sie vor dir gestanden und den Streich aufgefangen, die arme, brave Käthe! — Moritz, sie haben ihr die Kleider vom Leibe gezerrt, die Flechten von der Stirn niedergerissen —«
»Dieses wunderschöne Haar!« fiel die Tante mit sanftem Bedauern ein und strich zärtlich über die glänzenden Wellen, die von der Stirn des jungen Mädchens zurückfielen.
»Nun ja, sie haben ihr arg mitgespielt, die Furien!« gab Flora mit einem ärgerlichen Stirnrunzeln zu, »aber ich muß mir's denn doch ausbitten, daß ich dafür nicht allein verantwortlich gemacht werde. Ihre Manie, ewig in starrer Seide zu gehen, trägt zumeist die Schuld. Das Volk neidet uns nun einmal den Reichtum und die Eleganz; das seidene Kleid reizte die Weiber, und da hat sie denn — und leider auch wir — anhören müssen, daß ihre Großmutter barfuß gegangen und der Schloßmüller vordem Knecht gewesen ist, daß der Kornwucher ihr ganzes großes Vermögen zusammengescharrt hat, und was dergleichen liebliche Dinge mehr waren. Käthes Erscheinen hat unsere peinliche Situation verschlimmert; die Erbitterung gegen die reiche Erbin war grenzenlos — habe ich nicht recht, Käthe?«
»Ja, Flora,« versetzte das junge Mädchen bitter lächelnd, mit bebender Stimme. »Ich werde viel thun müssen, um einigermaßen gut zu machen, was mein Großvater an der Menschheit gesündigt hat.«
Während Flora sprach, hatte sich die Gestalt der Präsidentin förmlich gestreckt vor innerer Genugthuung. Die schonungslose Bloßlegung des »skandalösen Stammbaumes« klang wie Musik in ihren Ohren; sie fixierte lauernd den Kommerzienrat. Der neugebackene Edelmann mußte vor dem Gedanken zurückschrecken, daß das Volk mit den Fingern auf die Frau an seiner Seite zeigen und ihr Herkommen, den Ursprung ihres Geldes auf der Straße ausschreien würde. »Ach geh, Käthe, das klingt denn doch gar zu kindisch naiv und empfindsam!« sagte sie den Kopf hin und her wiegend. »Wie wolltest du denn das anfangen?«
Flora lachte. »Sie will ihren kostbaren Geldspind öffnen und die Aktien unter das Volk streuen.«
»Wie Schwester Flora aus Angst um ihren tadellosen Teint gestern mit ihrer Börse gethan,« warf Henriette beißend, in persiflierendem Tone ein; der aufwallende Groll drängte selbst das fieberhafte Verlangen, die Braut bereuend im Staube vor dem Doktor zu sehen, für einen Augenblick in den Hintergrund.
»Einer solchen Gedankenlosigkeit werde ich mich wohl nicht schuldig machen,« sagte Käthe gelassen, aber ernst abweisend zu Flora, die sich ärgerlich über Henriettens anzügliche Bemerkung auf die Lippen biß. »Ruht Fluch und Unsegen auf dem Gelde —«
Der Kommerzienrat unterbrach sie mit einem lauten Gelächter. »Kind, lasse dir doch nicht bange machen! Unsegen! Ich sage dir, das Glück hängt sich deinem Erbe förmlich an die Fersen; die Gewinnanteile, die ich gegenwärtig durch ein neues glückliches Arrangement erziele, sind geradezu riesig.«
Die breiten Lider der Präsidentin, die meist mit einer gewissen vornehmen Müdigkeit die Augäpfel halb verschleierten, hoben sich bei dieser Schilderung. Das eine Wort »Gewinnanteil« machte diese großen Augensterne gierig flimmern, wie es vielleicht kaum in ihrer Jugend das Verlangen nach Siegen ihrer Schönheit vermocht.
»Riesig?« wiederholte sie kurz mit fliegendem Atem. »Das sind die meinen nicht. Ich will sofort verkaufen und mich an dem neuen Unternehmen beteiligen.«
»Das läßt sich leicht arrangieren, teuerste Großmama; ich werde heute noch die nötigen Schritte thun. Ja, ja, der gemeine Mann sagt ganz richtig: wo Tauben sind, da fliegen Tauben zu, und nie ist das Wort wahrer gewesen als in unserer wunderbaren Zeit. Der Kapitalist ist ein Fels, dem die Wogen von selbst ihre Schätze zuwerfen —«
»In den Augen der Ruhigdenkenden nicht, Moritz,« sagte Doktor Bruck. Er war vorhin bei Henriettens lebhaftem Widerspruch an das Bett getreten und hatte sanft beruhigend ihre Hand zwischen seine Hände genommen — so stand er noch. Er sah sehr vornehm aus; noch trug er den Frack unter dem Ueberzieher und den Handschuh an der Linken, sein schönes, bärtiges Gesicht aber, das er jetzt voll den Anwesenden zuwandte, zeigte noch schärfer den eigentümlichen leidensvollen Zug, den Käthe heute zum erstenmal bemerkt hatte. »Man ist schon seit längerer Zeit mißtrauisch,« fuhr er fort, »und fängt an, diesen mühelosen Erwerb mit einem sehr harten Wort zu bezeichnen —«
»Schwindel, willst du sagen,« unterbrach ihn der Kommerzienrat belustigt. »Liebster Doktor, allen Respekt vor dir und deinem Wissen, aber in kaufmännischen Dingen überlasse mir die Beurteilung! Du bist ein ausgezeichneter Arzt, hast eben deinen Namen zu einem weltberühmten gemacht —«
In diesem Augenblicke richtete sich Henriette aus ihrer halb zurückgesunkenen Stellung auf. »Weißt du das, Flora?« fragte sie heftig, wie atemlos, wie halb erstickt von dem überwältigenden Triumphgefühle.
»Freilich weiß ich's, du Närrchen, obgleich der Herr Doktor es bis jetzt nicht der Mühe wert gefunden hat, mir in höchsteigener Person Mitteilung von seiner glücklichen Kur in L.....g zu machen,« antwortete Flora unbefangen und leichthin, und ihre Augen begegneten in beispielloser Herausforderung denen der Schwester. »Ich weiß auch, daß ihn plötzlich die fürstliche Gnadensonne bescheint wie selten einen Sterblichen. Natürlich ist das noch Hof- und Staatsgeheimnis, das vorderhand nicht einmal — die Braut wissen darf.« Ein bezaubernd schalkhaftes Lächeln ließ ihre leuchtenden scharfen Zähne sehen, und der Rosenhauch, der bei den letzten Worten plötzlich ihre Wangen anflog, stand ihr unvergleichlich.
Henriette ließ bitter enttäuscht den Kopf in die Kissen sinken — selbst sie hatte sich in diesem chamäleonartigen Frauengeist verrechnet.
Die Präsidentin, die in der Nähe des Doktors stand, klopfte ihm mit fast zärtlicher Zuthulichkeit auf die Schulter. Als so gleichberechtigt in ihrem Verwandtenkreise hatte sie ihn bisher noch nicht behandelt. »Dürfen wir noch nichts Näheres erfahren? Sind die Präliminarien noch nicht beendet?« fragte sie schmeichelnd mit ihrer wohllautenden Stimme.
»Er kommt ja eben vom Fürsten,« sagte die Tante, ohne den stolz strahlenden Blick von ihm wegzuwenden.
»Ah, also ist Herrn von Bärs Pensionierung wirklich Thatsache?« Die alte Dame fragte das mit vornehm gleichgültiger Haltung, aber sie hielt den Atem zurück.
»Das weiß ich nicht — danach frage ich auch nicht,« versetzte der Doktor ruhig abweisend. »Der Fürst wünscht, daß ich — solange ich mich hier noch aufhalte — sein langjähriges Fußübel in Behandlung nehme —«
»Solange du dich hier noch aufhältst, Bruck?« unterbrach ihn Flora stürmisch. »Willst du gehen?«
»Ich werde mich mit Anfang Oktober in L.....g habilitieren,« versetzte er kalt; er sah sie nicht an. Sein Blick haftete auf dem knospenden Apfelbaume vor dem Fenster.
»Wie, Sie haben Stellung und Titel bei unserem Hofe ausgeschlagen?« rief die Präsidentin und schlug die Hände in bestürztem Erstaunen zusammen.
»Der Titel ist mir nicht erlassen worden;« — ein leises, ironisches Lächeln stahl sich über sein Gesicht — »es ist jedenfalls nicht etikettegemäß in Serinissimus' Augen, sich von einem titellosen Heilbeflissenen herstellen zu lassen. Er besteht darauf, mich zum Hofrate zu ernennen.«
Bei seinen letzten Worten streckte ihm die Tante Diakonus, mit einer tiefen Rührung kämpfend, die Hand entgegen, und er — sonst die scheue Zurückhaltung selbst — umschlang mit beiden Armen die zarte Gestalt der alten Frau und drückte sie fest und innig an seine Brust. Das Leid, die bittere Heimsuchung, welche diese beiden standhaft zusammen getragen, isolierte sie in diesem Augenblicke der Sühne vollkommen vom Kreise der Umstehenden.
Flora wandte sich ab und trat geräuschvoll in das Fenster; sie nagte sich die Unterlippe fast blutig; man sah, es zuckte ihr in den Händen, die treue Frau wegzustoßen von dem Platze, den sie, die pflichtvergessene Braut, verwirkt hatte.
»Er geht ja aber fort, Tantchen,« sagte Henriette mit ihrer heiseren, tonlosen Stimme vom Bette herüber.
»Ja, seinem Ruhme, seinem Glücke entgegen,« antwortete die alte Frau und hob unter Thränen lächelnd den Kopf von seiner Schulter. »Ich will gern hier zurückbleiben in dem Heim, das seine Sohnesliebe mir geschaffen hat, wenn ich ihn draußen geachtet, geehrt und befriedigt durch seinen großen Beruf weiß. Meine Mission an seiner Seite ist ohnehin bald zu Ende — eine andere tritt an meine Stelle.« Die Zärtlichkeit wich aus ihrer Stimme; sie sprach mit tiefem Ernste, und die sonst so milden Augen hafteten fest, fast streng auf dem schönen Mädchen im Fenster. »Sie mit ihrem reichen Geiste weiß jedenfalls die Heiligkeit, aber auch die oft herben Anfechtungen seines Berufes weit lebendiger zu erfassen als ich, und wird ihm deshalb gewiß ein Daheim schaffen, das ihm, unabhängig von den äußeren Strömungen, gleichmäßig ein harmonisch-inniges Familienleben bietet.« Das Betonen des einen Wortes ließ Käthe deutlich erkennen, daß die Tante Floras gestriges häßliches Gebaren sehr wohl bemerkt und als Launenhaftigkeit aufgefaßt hatte.
»Das ist alles recht schön und gut, meine beste Frau Diakonus, und ich zweifle auch keinen Augenblick, daß Flora eine ganz tüchtige Frau Professorin werden wird,« sagte die Präsidentin kühl — der indirekt ermahnende Ton, welchen die simple Pastorswitwe ihrer Enkelin gegenüber anzuschlagen wagte, verdroß sie sichtlich —; »allein zu einem anmutenden Familienleben gehören heutzutage auch komfortable Räume, und das Beschaffen derselben macht mir augenblicklich große Sorge. Ich komme eben von einer erschöpfenden Beratung mit dem Möbelfabrikanten; er behauptet, nunmehr — Gott weiß aus welchem Grunde — die längst bestellten Boulle-Möbel für Floras Salon bis zu Pfingsten absolut nicht liefern zu können. Flora hat sich währenddem mit der Wäschelieferantin herumgezankt, die auch so fabelhaft langsam ist und die Vollendung der Ausstattung erst bis Anfang Juli in Aussicht stellt. Was fangen wir an?«
»Wir warten,« sagte Doktor Bruck in seiner einsilbigen Weise und griff nach Hut und Stock, um beides fortzutragen.
Die Präsidentin fuhr ein wenig zusammen; sie sah ziemlich perplex aus, und eine gewisse Aengstlichkeit schlich durch ihre Züge, aber sie faßte sich rasch und klopfte ihn leicht auf die Schulter. »Das ist brav, liebster, bester Doktor! Sie helfen uns selbst aus der peinlichsten Verlegenheit, während ich mich auf berechtigten Widerspruch Ihrerseits gefaßt gemacht hatte. Diese Pfingsten waren mir fast zu einem drohenden Gespenst geworden. Sie hielten so fest an dem einmal bestimmten Tage.«
»Gewiß, allein meine Uebersiedelung nach L.....g macht eine Abänderung sogar notwendig,« entgegnete er gelassen und ging hinaus.
»Und was meint die Braut?« fragte die Tante Diakonus mit ungewisser Stimme; sie war augenscheinlich sehr betreten über die geschäftsmäßige kühle Ruhe des Doktors und das plötzliche verlegene Schweigen der Anwesenden.
Flora wandte ihr ein heiter strahlendes Gesicht zu. »Mir ist die gegönnte Frist insofern hochwillkommen, als meine künftige Lebensstellung plötzlich eine so ganz andere werden wird. Da bedarf es der Vorbereitung, der inneren Sammlung und Einkehr. Mein Gott, es ist ja doch ein himmelweiter Unterschied! Von der Frau eines Universitätsprofessors mit großem Namen verlangt die Welt ein ganz anderes Auftreten, ganz andere Kapazitäten als von einer einfachen Doktorsfrau, möge ihr Mann immerhin Hofrat und Leibarzt eines Fürsten sein.« Ein unbeschreiblicher Hochmut sprühte förmlich aus der zarten, hoch emporgerichteten Gestalt; in jedem Worte klang innerer Jubel, mühsam unterdrücktes Frohlocken mit — sie stand auf dem Gipfel ihrer glühendsten Wünsche.
Der Kommerzienrat rieb sich vergnügt die Hände. Er hätte losplatzen und ihr in das Gesicht lachen mögen; die Präsidentin aber kämpfte sichtlich mit einer ärgerlichen Aufwallung. Jetzt maßte sich wohl gar die Enkelin an, mit ihrer »Partie« noch um so viel Staffeln höher zu steigen als selbst sie, die hochgestellte fürstliche Beamtenfrau.
»Wohin versteigst du dich, Flora!« rügte sie, in zorniger Mißbilligung den Kopf schüttelnd.
»In meine glänzende Zukunft, Großmama,« antwortete sie mit einem kleinen, übermütigen, boshaften Lächeln. Sie drehte der Präsidentin mit einer so ausdrucksvollen Gebärde den Rücken, als sei sie nun mit einer unerquicklichen Vergangenheit vollkommen fertig und wolle mit keinem Worte mehr daran erinnert sein.
»Und nun ergebe ich mich Ihnen auf Gnade und Ungnade, lieb Tantchen,« sagte sie zu der alten Frau, die jeder Bewegung der schönen Braut mit klugem, prüfendem Blicke gefolgt war. »Machen Sie mit mir, was Sie wollen! Ich unterwerfe mich allem; nur zeigen Sie mir den Weg, auf welchem ich Leo glücklich machen kann! Ich will nähen, kochen —« Bei den letzten Worten streifte sie flink die Handschuhe ab, als wolle sie sofort Ernst machen und an den Kochherd treten. »Ah!« stieß sie erschrocken heraus und fuhr mit der Hand, wie fangend, durch die leere Luft — der »einfache Goldreif« war ihr beim Abziehen des Handschuhs vom Finger geglitten. Niemand hatte ihn zu Boden fallen hören; man suchte, allein es war, als habe ihn die Luft aufgesogen.
»Er wird zwischen deine Kissen gefallen sein, Henriette,« klagte Flora. Sie war ganz bleich geworden. »Erlaube, daß wir dich für einen Moment emporheben und nachsehen —«
»Das kann ich nicht zugeben,« erklärte die Tante entschieden. »Henriette darf nicht beunruhigt, nicht unnötig aus ihrer bequemen Lage gebracht werden —«
»Unnötig!« wiederholte Flora vorwurfsvoll und schmollend wie ein Kind. »Es ist ja mein Verlobungsring, Tantchen.«
Käthe schauderte in sich zusammen bei diesen Worten. War Flora wirklich ein solches Kind des Glückes, daß eine Art Wunder ihr den Ring wieder in die Hände zurückgespielt hatte, oder log und trog sie mit dreister Stirn so entsetzlich? Sie suchte vergebens in den ängstlich umherforschenden Augen dieser Sphinx zu lesen.
»Das ist ein fataler Zufall,« sagte die Tante Diakonus, »aber verloren kann ja der Ring nicht sein. Wir werden ihn heute noch bei Henriettens Umbetten finden, dann soll ihn mein Dienstmädchen sofort in die Villa tragen.«
»Ich werde es ihr fürstlich vergelten; ich will ihr die Hand mit Gold füllen, wenn sie ihn mir heute abend noch bringt,« versicherte Flora; eine peinliche Unruhe war über sie gekommen; es kostete ihr offenbar Mühe, sich geduldig zu fügen.
Die Präsidentin und der Kommerzienrat schoben sich jetzt Stühle an das Bett und nahmen Platz neben der Kranken, die sich mit keinem Worte mehr an den Verhandlungen beteiligt hatte. Nur einmal war der blonde Kopf jäh emporgetaucht und ein bitter höhnischer Zug hatte die zum Sprechen geöffneten Lippen umzuckt. Bei der Versicherung der Großmama, daß sie nicht begreife, aus welchem Grunde der Möbelfabrikant die Ablieferung der Möbel verzögere, hatte sie hinüberrufen wollen: »Weil sie bereits halb und halb abbestellt gewesen sind.« Aber noch zur rechten Zeit wurde sie sich bewußt, daß nun mit keinem Worte mehr an das Vergangene gerührt werden dürfe.
17.
Die Tante ging hinaus, um einige Erfrischungen zu besorgen, und Käthe folgte ihr. Ekel und Widerwillen trieben sie aus dem Zimmer, in welchem sich eben die empörendste Komödie abgespielt hatte. Sie bat die Tante, ihr das kleine Geschäft der Bewirtung zu überlassen, und die alte Frau legte willig den Schlüsselbund in ihre Hand. »Hier, mein liebes, liebes Kind, meine treue, ehrliche Käthe,« sagte sie weich und in so bebenden Lauten, als kämpfe sie mit einem tiefen Aufseufzen.
Sie legte den Arm um den Leib des jungen Mädchens und schmiegte sich in zärtlicher Zuneigung an die schöne Gestalt. »Mich überkömmt es wie süßes Ausruhen, wenn ich in Ihr offenes, frisches Gesicht sehen darf. Ich muß immer an Luthers vielliebe Käthe denken, an diese tapfere Frau, die stark und mutig an die Seite des streitbaren Mannes getreten ist.« Jetzt schlüpfte in der That ein beklommener, sorgenvoller Seufzer über ihre Lippen; sie entließ das hocherrötete Mädchen aus ihren Armen und kehrte in das Krankenzimmer zurück.
Käthe holte die Kaffeebüchse und den zu Ehren des Tages gebackenen Napfkuchen aus der Speisekammer, und während die dicke, freundliche Magd frisches Holz unter den Wasserkessel legte, füllte sie die hübsche, blaue Glasschale, die schon gestern beim Thee figuriert hatte, mit Zucker und rieb den kristallenen Konfektteller blank. Sie schnitt eben den Kuchen in Stücke, als sie jemand aus dem Krankenzimmer kommen hörte. Die Küchenthür war so angelehnt, daß ein breiter Spalt blieb, und durch diese Oeffnung sah sie Flora in die Hausflur treten.
Die schöne Braut sah sich ungewiß und ratlos um; die Zimmereinteilung der »Spelunke« war ihr ja völlig fremd, aber es war, als ob der Strahl dieser suchenden Augen den Doktor magnetisch berührt und angezogen hätte. Er trat in diesem Augenblicke aus dem Zimmer der Tante.
Flora flog auf ihn zu und breitete die Arme aus. Das lange schwarze Kleid schleppte über den Boden hin und die dunkeln Schleierfalten wogten ihr nach wie gelöste, offen niederfließende Haarsträhnen. Mit den bleichen Händen, die sich kinderklein und schmal aus dem zurückfallenden schwarzen Spitzengekräusel streckten, mit dem mattweißen Gesicht erschien sie wie eine jener gespenstischen schönen Frauen, die der Volksglaube aus den Gräbern steigen und mordend über junges Leben herstürzen läßt.
»Leo!« vibrierte es wie ein Hauch, und doch klingend durch die Flur.
Käthe horchte mit stockendem Atem hoch auf — es ging ihr durch Mark und Bein. War das wirklich Floras Stimme? Kam dieser köstliche, innige Klang voll weicher Abbitte, voll bebender Sehnsucht wirklich von den Lippen, die so schnöde verurteilende Worte sprechen, die so schneidend verächtlich lächeln konnten? Das junge Mädchen wandte die Augen weg und sah vor sich nieder; das Messer zitterte in ihrer Hand. Sie hätte so gern die Thür ganz geschlossen, um nicht zu sehen und nicht gesehen zu werden, aber sie fand, wunderlich genug, weder Mut noch Kraft, sich von der Stelle zu bewegen. Draußen erfolgte keine Antwort, aber auch kein Schritt wurde hörbar.
»Leo, sieh mich an!« sagte Flora lauter, flehend, halb gebieterisch. »Wozu die Marter, die deinem eigenen Herzen widerstrebt? Ich weiß es, du kämpfst mannhaft, aber unter Schmerzen dein heiligstes Gefühl nieder, um hart zu erscheinen, um mich zu strafen. Und wofür? Weil ich gestern halb wahnwitzig war vor Aufregung und nicht wußte, was ich that und sagte. Leo, mein Leben, was dir gehört, war in Gefahr gewesen, noch kocht das Blut in mir, und — da reiztest du mich auch noch.«
Käthe sah unwillkürlich empor. Neben ihr stand die Magd mit einem breiten Grinsen auf dem guten, dicken Gesicht; es war jedenfalls sehr ergötzlich, daß die Dame da draußen ihrem jungen Herrn etwas abbitten mußte. Dieser Anblick brachte augenblicklich Leben in das junge Mädchen; sie ordnete rasch die Kuchenstücke auf dem Teller, nahm ihn in die Hand und trat entschlossen in die Flur. Sie sah noch, wie der Doktor mit fest verschränkten Armen, das Gesicht von der Bittenden weggewendet, regungslos durch die offene Hausthür in die Gegend hinaus starrte; wie fahl erschienen seine braunen Wangen und wie fest und erbittert biß er die Zähne zusammen, während Floras unheimlich düstere Gestalt an seinem Halse hing, so weich und geschmeidig und innig fest sich anschmiegend wie der Vampir der Volkssage.
Bei dem ziemlich lauten Geräusch der aufgestoßenen Thür fuhr der Doktor empor, und in demselben Moment traf ein scheu irrender Blick Käthes Augen. Als sei er aus dem schlimmsten Verbrechen betroffen, so schrak er zusammen — Flora folgte erstaunt der Richtung seines Blickes, aber die schönen Mädchenhände, die sich in seinem Nacken fest verschlungen hatten, lösten sich darum nicht. »Ach, mein Gott, es ist ja nur Käthe, Leo!« sagte sie und drückte den Kopf fester an seine Brust.
Käthe huschte wie auf der Flucht vorüber in das Krankenzimmer. Ihr Herz schlug fast laut vor Schrecken und schamvoller Bestürzung; sie hatte eine Liebesszene à la Romeo und Julie unterbrochen. Mit bebenden Händen stellte sie den Teller auf den Tisch, lockte auf Henriettens Verlangen, die ein Attentat ihrer Lieblinge auf Kuchen und Zucker befürchtete, die umherschwirrenden Kanarienvögel in die kleine Voliere und schloß hinter ihnen das Thürchen.
Da sah sie im Käfige auf dem sauberen weißen Sande den gesuchten Goldreif liegen; er war seltsamerweise durch die Messingstäbe geflogen, ohne das geringste Klirren zu verursachen, und ebenso unhörbar auf der weichen Sandschicht niedergefallen. Käthe nahm ihn heraus und ließ ihn in die Tasche gleiten — und nun hätte sie wieder hinausgehen und den Kaffee fertig machen sollen, aber sie schüttelte sich fast vor Angst und Abneigung. Es war ihr, als solle sie in den Tod, in die Hölle gestoßen werden. Sie entfernte sich nicht um einen Schritt vom Tische und machte sich unnötig mit den Kanarienvögeln zu schaffen, während die Präsidentin mit ihrer angenehmen, sanft gedämpften Stimme von Floras »Trousseau« sprach und der Tante Diakonus an den Fingern herzählte, was nun infolge der Ortsveränderung noch nachbestellt werden müsse; die alte Frau durfte keinen Augenblick in Zweifel bleiben, daß ihr berühmter Neffe in der schönen Bankierstochter eine Art Prinzessin heimführe.
Käthe wurde rascher aus ihrer Pein erlöst, als sie dachte. Der Doktor trat schon nach wenigen Minuten in das Zimmer, und nun schlüpfte sie, ohne aufzusehen, an ihm vorüber. Die Flur war leer. Flora mußte in den Garten gegangen sein. In der Küche knarrte die Kaffeemühle; vielleicht hatte das mißtönende Geräusch und nicht, wie sie vermutet, ihr Erscheinen die Versöhnungsszene so schnell zu Ende geführt.