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Im schwarzen Walfisch zu Askalon: Rastlieder cover

Im schwarzen Walfisch zu Askalon: Rastlieder

Chapter 10: Am Grenzwall
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About This Book

A compact collection of jaunty lyric pieces evokes tavern life, travel, and convivial drinking through ballads, songs, and comic sketches. Poems portray boisterous inns, memorable comic figures such as a wine-obsessed dwarf and reveling monks, and scenes of moonlit revelry, mountain ascent, and humble lodging. Satire, affectionate regional color, and playful antiquarian references weave together with varied meters and refrains to create a tone of genial exuberance that balances warm nostalgia with light mockery.

Der Enderle von Ketsch

Chorus:

Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
mit Zittern und Zähnegefletsch:
Jetzt weicht, jetzt flieht! Wir singen das Lied
Vom Enderle von Ketsch!

Solo:

Ott' Heinrich, der Pfalzgraf bei Rheine,
der sprach eines Morgens: »Rem blemm!
Ich pfeif' auf die saueren Weine,
ich geh' nach Jerusalem!
Viel schöner und lilienweißer
schau'n dort die Jungfrauen drein:
O Kanzler, o Mückenhäuser,
fünftausend Dukaten pack ein!«
Und als sie lagen vor Joppen,
da faltet der Kanzler die Händ:
»Jetzt langt's noch zu einem Schoppen,
dann sind die Dukaten zu End!«
Ott' Heinrich, der Pfalzgraf, sprach munter:
»Rem blemm! Was ficht uns das an?
Wir fahren nach Cyprus hinunter
und pumpen die Königin an.«
… Schon tanzte die alte Galeere
vor Cyprus in funkelnder Nacht,
da hub sich ein Sturm auf dem Meere
und rollender Donner erkracht.
Umzuckt von gespenstigem Glaste
ein schwarzes Schiff braust vorbei,
hemdärmlich ein Geist steht am Maste
und furchtbar gellet sein Schrei:

Chorus:

»Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
mit Zittern und Zähnegefletsch:
Jetzt weicht, jetzt flieht! im Sturm herzieht
der Enderle von Ketsch!«

Solo:

Der Donner klang leise und leiser
und glatt wie Oel lag die See,
dem tapferen Mückenhäuser,
dem Kanzler, war's wind und weh.
Der Pfalzgraf stund an dem Steuer
und schaut' in die Wogen hinaus:
»Rem blemm! 's ist nimmer geheuer,
o Cyprus, wir müssen nach Haus!
Gott sei meiner Seele gnädig,
ich bin ein gewitzigter Mann:
Zurück, zurück nach Venedig!
Wir pumpen niemand mehr an.
Und wer bei den Türken und Heiden
sein Geld wie ich verschlampampt,
der verzieh sich geräuschlos beizeiten,
es klingt doch höllenverdammt:

Chorus:

Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
mit Zittern und Zähnegefletsch:
Jetzt weicht, jetzt flieht! im Sturm herzieht
der Enderle von Ketsch!«

In der Beschreibung der Pfalz von Merian (1645) wird bei Erwähnung des Dorfes Ketsch erzählt:

»Pfaltzgraf Oth Heinrich, nachmals Churfürst, fuhr vmb das Jahr 1530 ins gelobte Land, nach Jerusalem. In seiner zurück Reyse kam er vber die Offenbahre See herauß, da jhme dann ein Schiff, nach Nordwegen zu, begegnete, darinn diß Geschrey gehört wurde:

»Weichet, weichet, der dick Enderlein von Ketsch kompt.«

»Der Pfaltzgraf vnd sein Cammermeister Mückenhäuser kennten den gottlosen Schuldtheiß allhie zu Ketsch vnnd auch den Orth wol; daher als sie heimbkamen, sie nach dem dicken Enderle, vnnd vmb die Zeit seines todts gefragt vnd vermerckt haben, daß es mit der Zeit vberein gestimmt, da sie das Geschrey auff dem Meer gehört hatten; wie Weyland ein Professor zu Heydelberg in seinen Schriften auffgezeichneten hinderlassen hat.«


Am Grenzwall

Ein Römer stand in finstrer Nacht
am deutschen Grenzwall Posten,
fern vom Kastell war seine Wacht,
das Antlitz gegen Osten …
Da regt sich feindlich 'was am Fluß,
da schleicht und hallt 'was leise …
Kein Paean von Horazius,
ganz wildfremd war die Weise:
»Ha' … hamm' … hammer dich emol, emol, emol
an dei'm verrissene' Kamisol,
du schlechter Kerl!«
An eine Jungfrau Chattenstamms
hatt' er sein Herz vertandelt
und war ihr oft im Lederwams
als Kaufmann zugewandelt.
Jetzt kam die Rache … eins, zwei, drei!
Jetzt war der Damm erklettert …
Jetzt kam's wie wilder Katzen Schrei
und Keulenschlag geschmettert:
»Ha' … hamm' … hammer dich ⁊c.
Er zog sein Schwert, er blies sein Horn,
focht als geschulter Krieger,
fruchtlos war Mut und Römerzorn,
die Wilden blieben Sieger.
Sie banden ihn und trugen ihn
wie einen Sack von dannen;
als die Kohort' am Platz erschien,
scholls fern schon durch die Tannen:
»Ha' … hamm' … hammer dich ⁊c.
Versammelt war im heiligen Hain
der Chatten Landsgemeinde,
ihr Odinsjulfest einzuweih'n
mit Opferblut vom Feinde.
Der fühlt sich schon als Bratenschmor
in der Barbaren Zähnen,
da sprang sein blonder Schatz hervor
und rief mit heißen Tränen:
»Ha' … hamm' … hammer dich ⁊c.
Und alles Volk sprach tiefgerührt
ob solcher Wiederfindung:
»Man geb' ihn frei und losgeschnürt
der Freundin zur Verbindung!
Nimmt sie ihn hier vom Fleck als Frau,
sei alle Schuld verziehen.
Und heut noch wird im ganzen Gau
als Festbardit geschrien:
»Ha' … hamm' … hammer dich ⁊c.