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In Monsun und Pori cover

In Monsun und Pori

Chapter 7: Ras Hafun
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About This Book

Eine Reihe knapper, impressionistischer Bilder zeichnet das Schicksal des letzten deutschen Auslandskreuzers in tropischen Gewässern nach. Die Episoden begleiten seine Fahrt durch Monsun und um afrikanische Küsten, beschreiben Alltag und Technik an Bord, die wechselnden Landschaften — glühende Sandküsten, sumpfige Urwälder und weite Buschsavannen — sowie Begegnungen mit Küstenbewohnern und die wachsende Isolation und Unsicherheit, als die Verbindung zur Heimat abreißt und politische Spannungen die Fahrt bedrohen.

I. IM INDISCHEN OZEAN

Kap Guardafui

Zehn Uhr nachts — man könnte meinen mittags — so hell strahlt die runde Scheibe des Vollmondes über dem rauschenden Indischen Ozean. Er rauscht wie ein Fluß, dessen Lauf durch mächtige Felsblöcke gehemmt wird und sich nun in weißschäumendem Gischt rasend durch sein eingeengtes Bett zwängt. Von Süden, Südwesten kommend, peitscht ihn der Monsun mit elementarer Wucht und kämmt den im Mondlicht glitzernden Seen die schäumenden Köpfe, so daß die langen Spritzer weithin flatternden weißen Greisenhaaren gleichen.

In lang ausholenden gleichmäßigen Schwingungen rollt der kleine Kreuzer »Königsberg« von Backbord nach Steuerbord, Steuerbord nach Backbord, tief mit dem Bug eintauchend oder ihn hoch über den Horizont hebend. Seine Masten beschreiben lang hingezogene Ellipsen an dem strahlenden hellen Tropenhimmel, Kurven, deren Linien sich manchmal in wunderlichen Winkeln schneiden und verflechten, wenn der schlanke graue Leib schräg in ein Wellental taucht und der Flaggenknopf des Großmastes sich nach vorn zu verschieben scheint.

Die von achtern auflaufenden Seen rollen mit dumpfem Rauschen unter dem Heck durch und wischen dann brausend die grauen Flanken entlang. Pfeifend und stöhnend singt die Takelage ihr eintöniges Lied, das im An- und Abschwellen der Monsun ihr entlockt.

Da drüben, weit im Westen, liegt der glühendste Teil des heißen Afrika: das Somaliland, dieses Land der weiten, unermeßlich weiten Sandwüsten, Sandberge, Sandebenen.

Nehmen wir das Segelhandbuch zur Hand und sehen wir nach, was es über diese sich endlos nach Norden und Süden ausdehnende Küste schreibt, so finden wir, daß es fast nichts weiß, denn wenig ist darüber bekannt. Die Einwohner, schlanke, schwarze Gestalten vom Stamm der Somali, haben es bisher verstanden, die Geheimnisse ihres Landes zu hüten. In nicht aufzufindenden Schlupfwinkeln leben sie im Innern der weiten Wüste als Nomaden, oft ihre Lagerplätze wechselnd, und überfallen die Besatzungen der an ihrer Küste gescheiterten Schiffe. Selten hat man von diesen armen Schiffbrüchigen wieder gehört — sie werden weit ins Innere des sonnendurchglühten Sandlandes geschleppt oder kurzerhand erschlagen.

Dreimal haben die Italiener, die dem Namen nach Herren dieses Landes sind, versucht, auf dem berühmten und berüchtigten Kap Guardafui, der östlichsten Spitze Afrikas, einen Leuchtturm aufzubauen, dreimal ist er von den Somalis dem Erdboden gleichgemacht worden.

Und jetzt liegt dieses mächtige, einem ruhenden Löwen gleichende Vorgebirge des Nachts wieder einsam und dunkeldräuend da, wie ein schwarzer Riese aus dem Wasser aufragend.

Siegreich hat es das Werk weißer, nicht seinem Kontinent entstammender Hände abgeschüttelt und seine wilde Unnahbarkeit bewahrt.

Dieses Kap sollen wir morgen gegen Mittag umsegeln. —

Wir lehnen an der Reeling der Kommandobrücke, machen, gleichmäßig das Schwergewicht des Körpers von einem Bein auf das andere legend, die langen Schwingungen des Schiffes mit und starren auf die mondbeglänzte See.

Deutschland hat mobil gemacht — unser gewaltiges Volk ist zu den Waffen gerufen. Wird es zum Krieg kommen? — Um diesen Punkt kreisen dauernd alle Gedanken; schon über zwei Stunden unterhalten wir uns darüber — mein Wachoffizier und ich.

Unsere Verbindung mit der Welt ist so gut wie abgerissen. Sämtliche Kabel sind ja in Englands Händen! Nur der Funke spricht noch zu uns, aber er spricht nur wenig und das Wenige undeutlich, denn er hat einen weiten Weg zu machen.

Von Nauen überspringt er ganz Europa, das Mittelmeer und die weite Sahara, bis er in Togo aufgefangen wird. Dann macht er einen gewaltigen Satz über ganz Afrika nach Muansa am Viktoriasee, um von dort nach Daressalam weitergeschickt zu werden. Die Hauptstadt unseres Schutzgebietes sendet ihn dann uns — wieder hat er einige tausend Meilen zu durchmessen.

Wir glauben nicht an den Krieg, die Völker werden vor dem letzten entscheidenden Schritt zurückschrecken!

Copyright Walther Dobbertin.

Der kleine Kreuzer »Königsberg« im Hafen von Daressalam Juli 1914

Copyright Walther Dobbertin.

Der Kilimandscharo

Copyright Walther Dobbertin.

Der Meru. Die beiden Wahrzeichen Deutschostafrikas

Der Mond steigt höher und höher. Der Wachoffizier übergibt mir das Kommando, er geht in die Funkenbude, denn um diese Zeit soll, wie ausgemacht, Daressalam uns geben.

Wir steuern genau nach Norden! Wie ein Pferd bäumt sich ab und zu der Bug, wird von einer rundanlaufenden See emporgehoben, daß der fast am Horizont stehende Polarstern verschwindet, und wuchtet dann wieder in die Tiefe, als ob die Erde unter ihm wiche, nach beiden Seiten Berge weißschäumenden Wassers schleudernd.

Der Rudergänger sieht schweigend auf die hellerleuchtete Scheibe des Kompasses, die in ihren zweiachsigen Aufhängungsringen hin- und herpendelt. Mit starken, knochigen Händen hält er das Ruder, er legt es einige Drehungen nach Backbord, dann wieder Steuerbord, um das stark gierende Schiff zu stützen. Der klirrende Klang des Rudergestänges ist der einzige Laut auf der Brücke — alle Posten, der Ausguck und die Scheinwerferleute, stehen schweigend da und sehen auf die brausende See. Auf der Laufbrücke, die die Hütte mit der Back verbindet und sich eng und schmal an den drei Schornsteinen vorbeiklemmt, kommt eine weiße Gestalt gegen den Wind ankämpfend nach vorn — irgendein Offizier, den die Hitze noch nicht schlafen läßt.

Er leistet mir Gesellschaft — wir stehen zusammen auf der äußersten Nock der Kommandobrücke, die frei in die Luft hinaushängend über dem weißen Gischt schwebt.

Wir sprechen vom Krieg — vom Krieg, der nicht kommen wird.

Soll man ihn wünschen? Soll man nicht? Wir sind wohl auf verlorenem Posten — verloren — Tausende von Meilen um uns kein Freund, nur Feinde. — —

Aber man ist jung, voll Tatendrang, voll Lust, die Kräfte zu messen, zu zeigen, daß man der Stärkere ist.

Denkt der Baum, der kraftstrotzend emporwächst und seine Nachbarn erdrückt, daran, daß er Leben vernichtet — oder das Tier, das doch nur ein Gesetz kennt — das des Stärkeren?

Soll man gegen die Natur kämpfen?

Gewiß, gewaltig würde die Übermacht der Feinde sein, unermeßlich schwer würde es werden, hoffnungslos für uns hier! — Trotzdem! —

Es dauert lange! Bereits halb 11 Uhr — — der Funkenoffizier ist noch immer nicht zurück.

»Gehen Sie nach unten und sehen Sie nach, ob Daressalam gegeben hat, ich werde solange hier fahren!«

Ich stolpere über das Mitteldeck nach achtern, alle paar Schritte über Leinen kletternd, die gespannt sind, um bei dem starken Schlingern einen Halt zu geben.

Ein mächtiger Brecher kommt über und wirft mich wie einen Sack auf das nasse Deck!

In der Messe ist Licht!

Ich öffne die schmale Tür — dahinten in der Ecke sitzt der Funkenoffizier, krumm über Chiffrierbücher gebeugt, mit hochrotem Kopf.

Er sieht auf und sagt: »Egima!« — — —

»Egima« war das mit Daressalam verabredete Kennwort für: »Kriege mit Rußland, Frankreich und England!«

Donnerwetter! — Ich stehe wie angewurzelt.

Mächtig holt der Kreuzer über, mit lautem Klatsch fällt ein Buch an Deck und unterbricht die Stille.

Klirrend rasselt im Schrank das Geschirr! — —

Die Offiziere werden geweckt.

Der Kommandant und erste Offizier gehen auf der Hütte auf und ab und ich klettere wieder auf die Brücke. —

Also Krieg! — Eigenartig — der Mond leuchtet wie vorher, die See rauscht, die Takelage heult — nichts hat sich geändert!

Wie ist das nur möglich? Muß der Mond sich nicht verschleiern, die See sich nicht verdunkeln?!

Nichts! — Sie lächeln über die Händel der Menschen — was geht das All der Kampf von Atomen an!

Vor Jahrtausenden war es so, und in Jahrtausenden wird es noch immer so sein. —

Aber mir ist jetzt die Fahrt zu langsam, der Seegang zu weich, das Brausen zu schwach. Die Brust ist voll zum Überlaufen, man muß sich mitteilen.

Überall stehen Gruppen und unterhalten sich gedämpft. Aus dem unteren Deck kommt es herauf, an den langen Strecktauen stehen die Matrosen verschlafen, in Hemd und Hose.

Nach Mitternacht hat der Wind an Stärke noch zugenommen, mächtige Brecher stürzen sich wie Kaskaden auf die Back und prallen polternd und krachend am Wellenbrecher ab.

Die zwischen Spill und Klüsen etwas lose liegenden Ankerketten schlagen dröhnend auf die Back. Sie sehen in dem weißen Schaum aus wie zwei langgestreckte, schwarze Schlangen.

In Fetzen zerrissen fegt die Rauchfahne unserer qualmenden drei Schornsteine über uns hinweg, huscht über das Gesicht des Mondes und läßt es rötlichbraun erglänzen. Das Heulen in den Masten und Stagen ist so stark geworden, daß es selbst das unaufhörliche gleichmäßige Surren der Ventilationsmaschinen übertönt.

Wir behalten den Kurs bei.

Im Laufe des nächsten Vormittags wollen wir den Lloyddampfer »Ziethen« treffen, der, von Colombo kommend, auf dem Wege nach Aden ist. Wir wollen ihn warnen und nach einem anderen Bestimmungshafen schicken. Er hat einige 100 Kameraden von uns aus der Südsee an Bord, die nach jahrelanger Abwesenheit der Heimat zusteuern.

Zwar stehen wir bereits mit ihm in funkentelegraphischer Verbindung, aber wir müssen äußerst vorsichtig sein, damit die auf dieser Weltverkehrsstraße in Mengen fahrenden, nun auf einmal meist feindlichen Schiffe noch nichts von unserer Gegenwart merken. — —

Die trotz des Monsuns drückende Hitze läßt gegen Morgen nach und weicht einer erfrischenden Kühle.

Soweit es der mächtige Seegang erlaubt, werden Bullaugen und Luken geöffnet, um die stickige Luft aus dem heißen, nach Öl und Menschendunst stinkenden Schiffsinnern zu blasen.

Allmählich verfärbt sich der Himmel, die Sterne verblassen, blauschwarzer Dunst liegt auf dem Horizont, über den sich bereits gelbe und rötliche Streifen hinziehen, ab und zu von feurigen rotglühenden Flaumwölkchen unterbrochen.

Mit der überraschenden Schnelligkeit der Tropen erscheint das Tagesgestirn und in kürzester Zeit hat die Wandlung von Nacht in Tag stattgefunden. Strahlend, glitzernd im Morgenlicht liegt die weite, mächtige See da, deren Fluten alle einem fernen im Norden liegenden Ziele zuzurollen scheinen.

An Backbord zieht sich, einige zwanzig Seemeilen entfernt, die hohe gelbsandige Steilküste des Somalilandes dahin und fern, fast rechts voraus, ragt das Löwenhaupt des Kap Guardafui über die Kimm. —

Wir müssen beim Umsteuern des Kaps bereit sein, englischen Kreuzern zu begegnen.

Gegen elf Uhr wird »Klar Schiff zum Gefecht« angeschlagen!

Das Löwenkap ist näher gekommen, dicht an Backbord ragt es trotzig in die Luft. Ein zerklüfteter, kahler Sandberg von gewaltigen Ausmaßen, in dessen Steilabfälle der Regen von Jahrtausenden tiefe Furchen gezogen hat! Ein breiter Schaumstreifen zieht sich zu seinen Füßen hin, wild lecken die anprallenden Seen an seinen Flanken empor. In schweigender Majestät stehen die hohen Wände — achtlos zerstäuben die Seen zu weißem Gischt und Dampf.

Gar manches Schiff ist hier gescheitert, gar manche Besatzung hat hier das Schicksal des Seemanns ereilt.


An Steuerbord am Horizont erscheint Rauch! — Eine hohe Säule, die sich nach oben zu pinienartig erweitert.

Es wird der »Ziethen« sein!

Gespannt sieht alles durchs Glas.

Ein gelber Schornstein schiebt sich allmählich über den Horizont, ein gelbes Aufbaudeck folgt. Er ist es.

Bereits hat er uns gesehen und hält auf uns zu.

Wir fahren ihm entgegen und stoppen in seiner Nähe. Hunderte von Menschen, darunter unsere Kameraden aus der Südsee, stehen auf dem Promenadendeck und sehen zu uns herüber. Tücher schwenken. Auf dem »Ziethen« spielt die Bordmusik. Der große Dampfer hat Schlagseite, er liegt etwas nach Backbord über.

Eben haben wir begonnen uns zu verständigen, Nachrichten werden ausgetauscht, Befehle erteilt — da meldet der hoch im Krähennest sitzende Ausguck:

»Drei Strich an Steuerbord eine starke Rauchwolke!«

Das kann nur der Feind sein!

Kurzerhand drehen wir ab, sagen dem »Ziethen«, er soll versuchen uns zu folgen, und steuern voll Mut und Tatendrang auf den Rauch los.

Wir haben Guardafui jetzt achteraus. Eine dunstig heißzitternde Luft liegt über der sich entfernenden Küste und läßt die vorher so scharfen Umrisse verschwimmen. Wie eine wogende gelbe Wand liegt sie da! — —

Wir kommen näher!

Die Rauchwolke nimmt Gestalt an, zwei lange, etwas schräg stehende Masten werden sichtbar, denen ein schwarzglänzender Schornstein folgt.

Ein Dampfer! — Mit Kurs nach Westen, nach Aden! Er muß uns ebenfalls längst gesehen haben, denn er beginnt mächtig zu qualmen und erhöht sichtlich seine Fahrt.

Der Funke springt: Wir fragen ihn nach dem Namen.

Keine Antwort!

Wir fragen nochmals.

Keine Antwort!

Wir befehlen ihm zu stoppen.

Keine Antwort!

Noch dicker als vorher quillt schwarzbrauner Rauch aus seinem Schornstein, vermischt mit emporstiebendem Funkenregen.

Der Abstand vermindert sich nicht mehr! Er läuft ebenso schnell wie wir, und wir müssen neue Kessel in Betrieb nehmen, um ihm näher zu kommen.

Ärgerlich gibt der Kommandant den Befehl dazu. Ärgerlich, denn wir brauchen bei noch höherer Fahrt unverhältnismäßig viel Kohlen — Kohlen, unser Lebenselement.

Hundert Tonnen weniger, und wir müssen einen Tag der Lebensdauer streichen! —

Wir funken noch einmal:

Stoppen Sie!

Er denkt nicht daran. Er rast nach Westen!

Wir hinterher!

Eine halbe Stunde vergeht — der Abstand wird kleiner und kleiner.

An unserem Vorstopp geht ein Flaggensignal hoch: Stoppen Sie!

Er kann es nicht ablesen, seine dicke Rauchfahne verhindert ihm die Sicht.

Der Abstand wird kleiner und kleiner. Schon riechen wir seinen Rauch, den der Wind in Fetzen uns entgegen trägt.

Mit zwanzig Knoten die Stunde jagen wir jetzt in voller Fahrt durch die brausende, saphirblaue See.

Warte, du Bursche, gleich werden wir dich haben! Daß du uns die Kohlen nimmst, die wir zum Leben brauchen, mußt du büßen.

Ein blinder Schuß donnert!

Jetzt sind wir ganz nahe!

Eine Minute vergeht: Er stoppt!

Nun haben wir dich!

Seine Flagge geht hoch — hunderte von Augen starren — — —

Die deutsche! — — — Der deutsche Hamburger Dampfer »Goldenfels«! Er hatte uns für einen englischen Kreuzer gehalten.

Das war am 6. August nachmittags drei Uhr.

Die Schuria-Muria-Inseln

Östlich von Aden, mitten in dem im Monsun brandenden Indischen Ozean liegen wie von Gigantenhand hineingeschleudert mehrere mächtige rotgelbe Felsblöcke: die Schuria-Muria-Inseln.

Hätte Daniel Defoe diese Eilande gekannt, als er seinen Robinson Crusoe schrieb, so hätte er den Schauplatz der Geschicke seines Helden dorthin verlegt, denn sie sind noch weltabgelegener, wilder, unwirtlicher als die karaibischen Inseln oder San Juan Fernandez.

Mit elementarer Gewalt rast der Wind in den zerklüfteten Felsenriffen — Millionen von Vögeln kreischen; in dicken Klumpen hängt granitfarbener Guano an steilen Sandsteinwänden.

Nach Süden zu liegt das Felsmassiv der Insel Hallanya, weiter nördlich ragt wie ein glatter, kantiger Meteorstein die Insel Soda aus den blauen, schäumenden Wassern.

Vierkantig wie eine Pyramide steht sie klotzig da, keine zweihundert Meter hoch, kaum zwei, drei Kilometer im Umfang. Weithin leuchten ihre rötlichen, glänzenden Wände — kein Baum, kein Strauch, nicht der spärlichste Grashalm bringt Abwechslung in die sonnendurchglühten Hänge.

Dicht an ihrer Nordseite, im Windschutz, liegt unsere »Königsberg« — sie wartet hier auf einen Dampfer, die »Somali«, der als einziger Freund in dem weiten Indischen Ozean Kohlen in ihr Versteck bringen soll. Er ist von Daressalam dorthin bestellt.

Das Versteck ist gut, — weit ab liegt es von allen Dampferstraßen. Nicht alle Seekarten enthalten diese einsame Inselgruppe. Dort können wir ungestört Kohlen ergänzen. —

Aber der Feind ist auf der Suche!

Es ist Mitternacht. Warm in meinen Mantel gehüllt gehe ich die Mittelwache auf der Brücke.

Es ist kalt — trotz der Nähe des Äquators, trotz der Sonnenglut! Der Wind braust mit phantastischer Stärke. Er kommt von oben, von dem Gipfel des Felszackens, an dessen Kante er sich bricht, und rast schräg nach unten. — Die Stöße sind so stark, daß man das Gefühl hat, als würde das Schiff ab und zu tief ins Wasser gedrückt.

Hoch über der Brücke hebt sich wie das Haupt eines schlafenden Riesen die nachtschwarze Wand der einsamen Insel von dem strahlenden Sternenhimmel ab. Kein Laut übertönt das Brausen des Sturmes. Die Vögel schweigen, sie haben sich in ihre Felsennischen zur Nachtruhe zurückgezogen.

Nur die Pardunen und Stagen am Mast singen ihr Lied, bald stärker, bald schwächer, je nachdem der Wind auf ihnen spielt.

Aber der Feind ist auf der Suche!

Leise summen die Hörer im Funkenraum. Da spricht das im Norden Indiens liegende Karachi mit Bombay, da ruft ein Kreuzer Karachi an, ein anderer antwortet. Sein Laut ist klar und stark — weitab kann er nicht sein! —

Wir sind allein, allein einer Welt von Feinden gegenüber. Wo sind deutsche Geschwader?

Tausende von Meilen nach Nordwesten in den deutschen Gewässern, Tausende von Meilen nach Nordosten — an der Küste Ostasiens!

Eintönig hallt der Schritt des Bootsmannsmaaten, der Wache auf den Decksplanken, vornübergebeugt stemmt er sich gegen den Wind.

Das Schiff schläft. — Schwarz und winzig liegt es in der dunklen Nacht. Der Wind fegt die weißen Kämme an seine Flanken. — —

Rotglühend, glitzernd, strahlend bricht der Tag an. Wir warten! — Warten!

Der Monsun rast mit unverminderter Stärke. Lange, zerfetzte Nebel und Dunstschwaden ziehen in sausender Fahrt an dem Gipfel des Felsberges vorbei, verzerrte Schatten auf die hellrot glänzenden Sandsteinwände werfend.

Zwischen den weißen Schaumköpfen der brausenden See taucht ein schwarzer Körper auf. Massig, plump! — Ein Hai?

Er kommt näher und näher — langsam treibend, wie eine Kuff vor dem Winde. — Es ist eine Riesenschildkröte! Ein Tier von seltener Größe. Über ihren gepanzertem Rücken, dessen Schild in der strahlenden Sonne glänzt, springen die weißen Schaumkämme. Sie verschwindet, taucht wieder empor und rudert langsam dem weißen Streifen der Brandung zu. Dort am Strande, zwischen den brechenden Seen liegen in feinem Triebsande Berge von weißgebleichten Schildkrötenschädeln. Die meisten größer als Kinderköpfe, viele so alt und verwaschen, daß ein leichter Tritt des Fußes sie in Staub auflöst.

Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte mögen sie hier liegen. Ihre großen schwarzen Augenhöhlen starren in die blendende Sonne. — —


Ich steige langsam auf den Gipfel, gebückt mit Händen und Füßen kletternd, um nicht umgeweht zu werden.

Wolken von weißen Vogelmassen umschwirren die Insel und betäuben mit tausendfältigem Kreischen das Ohr.

Die Spitze ist erreicht! Kaum Platz für zwei bis drei Menschen, ringsherum fallen gleichmäßig schräg nach unten die fast glatten, roten Wände ab.

Ein Blick, vergleichbar dem von der Cheopspyramide! Hier wie dort nach allen Seiten der unbegrenzte Fernblick. Hier der blaue, rauschende Indische Ozean, dort die weißen Sandflächen.

Aber der Eindruck hier ist viel gewaltiger, er wirkt viel großartiger durch die unendliche Einsamkeit!

Fern im Süden ragen die hellfleckigen Felsen von Hallanya, zu Füßen liegt wie ein kleines Kinderspielzeug die »Königsberg«. —


Wir warten! — Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Nacht vergeht, der zweite Tag schwindet ebenfalls dahin. Von der Somali, die uns Kohlen bringen soll, noch keine Spur. —

Da entschließen wir uns! Einen Dampfer haben wir noch bei uns. — Eine englische Prise — es ist die erste, die wir, die Deutschland im großen Krieg gemacht hat — die »City of Winchester«. Sie hat fast alle Kohlen an den »Ziethen« abgegeben, der damit einen neutralen Hafen aufsuchen soll. Nur ihre Heizraumbunker sind noch voll. Es ist aber nur Bombaykohle, schlackig und schlecht, wir können mit ihr kaum zwei Drittel unserer Geschwindigkeit erreichen.

Aber was hilft es — wir werden die Bunker auskratzen! Wir gehen mit der »Königsberg« längsseit der Prise.

Im sinkenden Licht des Abends nähern sich die Bordwände, Leinen fliegen hinüber — die beiden Schiffe liegen Seite an Seite — der kleine deutsche Kreuzer und der große plumpe Frachtdampfer, der Millionenwerte an bestem indischen Tee, an persischen Teppichen, an Gold- und Silberwaren in seinem Bauch birgt. —

In die dunkle Nacht hinein rattern die Winden, kreischen die Spills, hallen laute Rufe.

Mit Krachen schlagen gefüllte Kohlensäcke an Deck, die hoch in der Luft von Bord zu Bord fliegen.

Es ist eine schwere Arbeit. Tief unten im Bauche des Schiffes liegen die Bunker, nur durch kleine Löcher zugänglich.

Heizer und Matrosen arbeiten dort, kaum als Menschen noch kenntlich, in den Wolken schwarzen Dunstes, den die einzige Lampe mühsam durchdringen kann. Ein Scharren, ein Kratzen, ein Rufen, eine Luft, getränkt von Schweiß und Menschenausdünstung, durchsetzt von Kohlenstaub.

Die Stunden vergehen. Ab und zu dröhnen die beiden Bordwände aneinander, die Belegtrossen klirren und ächzen, wenn ein plötzlicher Windstoß mit elementarer Wucht herniederfährt und die Schiffe gegeneinander preßt.

Ich stehe einen Augenblick an Deck, um frische Luft zu schöpfen, die Lungen saugen gierig den frischen reinen Seehauch.

Strahlend wölbt sich der Sternenhimmel über den beiden arbeitenden, nachtschwarzen Kolossen, im Vordergrund drohen schwarz und finster die schweigenden Felswände, die noch nie in ihrer erhabenen Einsamkeit von dem Hasten und Drängen der kleinen und großen Menschensorgen gestört sein mögen.

Dieses Schiff, auf dem ich jetzt stehe, ein mächtiges Werk von Menschenhand, wird morgen nicht mehr sein.

Seine Ladung — ein Wertgegenstand, der Hunderten von Menschen ein sorgenfreies Leben bis an ihr Ende ermöglicht hätte — wird morgen nicht mehr sein, wird morgen tief in den Wassern dieser unbekannten, weltfernen Bucht liegen.

Warum?

Weil es Menschen angehört, die eine andere Sprache sprechen als wir, weil es Menschen angehört, die uns den Platz und die Freiheit auf dieser Erde nicht gönnen.

Um Platz und Freiheit! Auf dieser weiten, endlos weiten Erde! — —

Nachtschwarz — stumm liegt da vor mir nach Norden eine dunkle Ländermasse.

Dort dehnt sich Arabien aus! — Dort weiter in unendlicher Ferne liegt der Himalaja — Indien —, und dort nach Süden die Somaliländer — riesenhafte Gebiete — unendliche Weiten! —

Die Welt aber ist zu klein für uns Menschen?

Ich steige zurück in die rußige, dumpfige Tiefe, aus der heraus das Klingen der Schaufeln und Poltern der Kohlen dringt. —

Die Sonne steigt über den Horizont — — — Salven krachen. Granaten wühlen sich in den Leib des »City of Winchester«.

Der Dampfer neigt sich, mit seinen Schätzen wird er versinken.

Majestätisch, vom brausenden Sturm umtobt, in stolzer Einsamkeit, erhaben über Menschenhasten und Drängen — über ihre Leidenschaften ragt grell rotbraun der Felsberg Halanya in den blauen Äther.

Ras Hafun

Eine schweigende Tropennacht. — Im Norden, dort wo der nachtblaue Himmel und die schwarze Masse des Ozeans ineinander fließen, muß die Insel Sokotra liegen.

Langgestreckt von West nach Osten laufend, sieht sie wie ein abgebrochener Arm aus, mit der der gewaltige Kontinent Afrika nach dem kleineren Indien hinüber zu langen versucht. Weite Wasserwüsten trennen ihn aber von seinem Ziel. Unerreichbar fern liegt das sonnendurchglühte Reich Buddhas im Osten. Einsam und verloren, losgelöst von Afrika, dehnt sich dieser Streifen Land in der endlosen blauen Ebene des indischen Ozeans.

Selten steuert ein Schiff an seinen Küsten entlang, noch seltener stoppt es den Lauf und tritt mit seinen Bewohnern in Verbindung, die, abgeschieden von der Welt, ein Räuber-, Jäger- und Fischerdasein führen.

Die Nordküste scheint uns eine günstige Zuflucht zu bieten. In den ruhigen Wassern, geschützt vor den monsungepeitschten, von Süden anrollenden Seen, hätten wir dort unserem Begleitdampfer Somali, der uns endlich erreicht, die so nötigen Kohlen entnehmen können.

Da zeigen uns nächtliche Funksprüche, daß auch dort die Engländer auf uns lauern.

So versuchen wir denn nach Süden zu gehen, um den Äquator zu erreichen, in der Hoffnung, eine Zone der Kalmen vorzufinden, um dort Seite an Seite mit unserem treuen Gefolgsmann die Kohlen überzunehmen. —

Stunden um Stunden gegen die schwellende See dampfend, ging es nun nach Süden, aber auch Stunden um Stunden kaum ein paar Meilen vorrückend, da die Maschinenkräfte der schwachen Somali dem Druck des Monsuns, dem Strom der nach Norden gepeitschten Seen kaum Widerstand leisten können.

Auch der Rest der Kohlen beginnt bereits zu schwinden, in drei Tagen würden wir bewegungslos auf hoher See treiben, in drei Tagen würden wir aber auch nie mit dieser kriechenden Geschwindigkeit der Somali ruhigere Gewässer erreicht haben. —

Copyright Walther Dobbertin.

Die »Königsberg« verläßt am 29. Juli 1914 gefechtsklar Daressalam


Die Nordspitze der Sodainsel

Copyright Walther Dobbertin.

Kap Ras Hafun


Unguja-Sansibar

Also bleibt uns nur ein einziger Weg übrig: Wir müssen uns von unserem zu langsamen Genossen trennen, müssen mit dem letzten Rest unseres Brennstoffs an afrikanischer Küste eine geschützte Bucht zu erreichen suchen und dann dort auf die Somali warten.

Aber an der ganzen weiten Ostküste von Afrika, vom britischen Schutzgebiet bis zum Kap Guardafui, gibt es nur eine einzige solche Stelle, und das ist die Bucht, die durch das weit in die See vorragende Kap Ras Hafun gebildet wird.

Würden dort nicht auch Engländer sein? Wir wußten es nicht. Und wenn auch — es gab keinen anderen Ausweg mehr!

So steuern wir denn durch die nachtdunkle, rauschende See nach Westen. Allein — die Somali haben wir vorgestern schlingernd und stampfend im weißen Gischt verlassen.

Werden wir sie überhaupt wiedersehen?

Ihre Maschinen sind schlecht, kaum notdürftig repariert; also ist es höchst zweifelhaft, ob sie Ras Hafun überhaupt erreichen wird. Und dann — sie ist jetzt schutzlos, allein als einziger, noch fahrender deutscher Dampfer im Indischen Ozean, der von englischen Spürhunden nach allen Richtungen durchfurcht wird. Wird sie ihnen entgehen? — Und was soll werden, wenn sie verloren geht?

Was wird dann aus uns werden, die wir bewegungslos am verlassensten Teil der afrikanischen Küste verborgen warten?

Man denkt so viel, wenn man nachts — vor einer Stunde hat es Mitternacht geglast — den Kopf weit über die windgeschützte Reeling der Brücke gebeugt, halb aufmerksam, halb träumend in das nachtschwarze Dunkel und das Flimmern der Sterne blickt.

Wie ein Pferd bäumt sich der Bug, wenn ein dunkelglänzender Wellenberg unter ihm hinwegbraust, um dann mit einem schweren Rauschen tief in das Tal zu versinken. Er bäumt sich so hoch, daß die Sterne des westlichen Horizonts von ihm verdeckt werden und der Flaggenknopf des Göschstockes bis in das strahlende Lichtbild der Kasseopeia fährt. Blauschwarz liegt der weite Ozean, etwas heller wölbt sich darüber die sternenglitzernde Kuppel des Himmels.

Da bietet sich uns ein niegesehenes Schauspiel! Staunend stehe ich an der Brückennock und sehe eine Verwandlung seltenster Art vor meinen Augen vor sich gehen.

Der eben noch hellstrahlende Himmel verdunkelt sich. Die Sterne leuchten wie durch nebelhafte weiße Schleier, um allmählich ganz zu verschwinden. Wie eine ungeheuere, schwarze Glocke lastet das stockdunkle Himmelsgewölbe über uns, wuchtig, bedrückend, als wollte es alles ersticken.

Aber wie verwandelt sich da das Meer! Bis jetzt eine düster schwarze, wogende Masse, auf der man nur ab und zu schäumende, im Sternenlicht leuchtende Gischtkämme erkennen konnte, beginnt es überall zu phosphoreszieren, heller und heller zu werden, bis es allmählich die Farbe von durchsichtigem Milchglas erhalten hat.

Das Auge glaubt in niegeahnte Tiefen blicken zu können, wesenlos scheint man über ein wallendes, gläsernes Meer oder ein unendliches Schneefeld dahinzufliegen.

Staunend steht die nächtliche Schiffswache, staunend sieht sie um Mitternacht eine weißhelle See, einen sternen- und wolkenlosen, tiefschwarzen Himmel.

Scheinbar losgelöst von allen Gesetzen der Schwerkraft schwebt die dunkle »Königsberg« über die milchhellen Abgründe, deren tiefste Tiefen man zu erkennen glaubt.

Und zeigt auch die Seekarte hier Wassertiefen von vier- bis fünftausend Metern, gaukeln mir doch meine Augen vor, daß ich den sandigen Grund sehen müßte, mit seinen wehenden Algenwäldern, seinen nie erblickten, ja nie geahnten Geheimnissen!

Das Schauspiel dauerte mehrere Stunden, um dann eben so schnell zu verschwinden, wie es gekommen. Die weißen Nebel scheinen zu zerfließen, die Sterne blinken wieder durch den hellen Schleier und nehmen ihren alten Glanz an, das Milchglas des Wassers beginnt dunkler und dunkler zu werden, und in wenigen Minuten rauscht und braust die See wieder im tiefen Nachtschwarz mit weißschäumenden Wogenkämmen. —

Wir hatten allem Anschein nach einen schmalen Arm einer kalten Meeresströmung gekreuzt, die, aus den Tiefen des Ozeans an die Oberfläche gedrückt, die unmittelbar über ihr liegende Luftschicht zu Nebel verdichtet hatte.

Die aufgehende Sonne bestrahlt im Westen einen gelben Landstrich mit rötlichen, gewellten Höhenzügen: die afrikanische Küste.

Bald kann man ein vorspringendes Kap erkennen, dessen mächtige, gelbrote Sandberge grellfarben aus dem tiefen Azurblau des wogenden Ozeans hervorragen: das Kap Ras Hafun.

Langsam umsteuern wir die nördliche vorspringende Landzunge — Doppelgläser, Fernrohre und Entfernungsmeßgeräte suchen die sich ausdehnende Bucht ab. — Nichts. Kein Schiff, kein Kreuzer, keine Spur eines Lebewesens. In schwerlastender Einsamkeit dehnen sich dort Höhenzüge um Höhenzüge — kein Grün, kein Baum, kein Strauch, nur Sand — gelber, roter, der, vom Wind getrieben, die Linien dieser heißen Wüstenlandschaft sanft ineinander verfließen läßt. Ein glühender Hauch fegt ab und zu über das Schiff, wenn der Monsun, hier durch die Landmassen gehemmt, seinen frischsalzigen, starken Atem einstellt.

Das Brausen der See hat aufgehört, eine langwellige, hohe Dünung wälzt sich gleichmäßig, im Morgenlicht flimmernd, heran und mildert die stoßenden, starken Schlingerbewegungen in ein sanftes weiches Schwingen.

Am Westrand der Bucht, wegen der geringen Wassertiefe einige tausend Meter vom Land, rasselt der Anker nieder.

Die Maschinen machen Feuer aus, die Kohlen sind zu Ende, kaum können wir noch einige Tage aus Seewasser Trinkwasser kondensieren.

Da wir doch nicht fahren können, werden die Maschinen auseinandergenommen, um sie gründlich zu überholen, und so liegen wir denn bewegungslos!

Sein oder Nichtsein hängt von dem Eintreffen der Somali ab. Und dieses Eintreffen ist zweifelhaft! — Was dann, wenn sie nicht kommt? —

An Land gehen und das Schiff sprengen? — — Unmöglich!

Bis zu den nächsten Europäeransiedelungen ist es sowohl nach Norden wie nach Süden über tausend Kilometer weit.

Noch keiner Dampferbesatzung, die hier Schiffbruch gelitten, ist dies geglückt, keine hat man je wieder gesehen.

Und wie vielen schon ist das Kap Ras Hafun zum Verhängnis geworden!

Sie alle haben es — von Osten kommend, nach langen Sturmtagen im Indischen Ozean — für das Löwenkap, das Kap Guardafui gehalten, mit dem es große Ähnlichkeit hat, sie umsteuerten es und fuhren ahnungslos, frischgemut nach Westen, glaubend, den weiten Golf von Aden vor sich zu haben. In Wirklichkeit steuerten sie in die Bucht von Ras Hafun, und, ohne im Dunkel der Nacht die drohende Küste zu sehen, liefen sie in voller Fahrt auf den Strand.

Dort wurden sie ein Opfer der Eingeborenen, die dahinten in den gelbroten Bergen — kein Mensch weiß wo oder wie — hausen, wurden erschlagen oder ins Innere verschleppt.

Ein langer Absatz in dem Leitfaden für Seefahrer erzählt davon. Gar vielen ist dieses Schicksal hier geworden; eine lange Reihe von Segel- und Dampffahrzeugen nennt das Handbuch, denen diese Bucht zum Verhängnis geworden.

Diese Länder — von Mogadischu bis zum Golf von Aden — sind noch die einzigen der ganzen Welt, wo Verhältnisse herrschen wie in Zeiten früher Geschichte, im Zeitalter der Entdeckung Amerikas, der ersten Besiedelung Australiens und Neuguineas.

Und selbst wenn die schlanken hohen Somalis, die Eingeborenen dieses Landes, uns aus Achtung vor unseren Maschinengewehren nicht belästigen würden, selbst dann würde die Vernichtung unserer Besatzung nur eine Frage von Tagen sein. Wir kennen dieses Land nicht, Karten gibt es nicht — Wasser und Lebensmittel wären in Kürze ausgegangen, verdurstend, verhungernd hätten unsere Leute hier ihr Ende gefunden! Von den tausend Kilometern wären kaum hundert zurückgelegt worden.

Also — an Land gehen — unmöglich!

Weiterfahren, wenn unser Dampfer nicht kommt — unmöglich!

Warten? — Unmöglich! — Wir haben nur für einige Tage Wasser.

Um Unterstützung funken? — Unmöglich! — Auf Tausende von Meilen im Umkreis nur Feinde, die uns suchen.

Was tun? — —

Selten wird ein Kriegsschiffkommandant in einer ähnlich düsteren Lage gewesen sein! — — —


Die Mittagssonne strahlt erbarmungslos herab, die Decksplanken glühen, matt liegen die Mannschaften im spärlichen Schatten der Aufbauten.

Die Luft über den gelbsandigen Riesendünen zittert und verwischt ihre Linien. Starke Wirbelwinde treiben urplötzlich auf dem Kamm der Dünen, schwefelfarbene Säulen aus dem Boden lassen sie zerstäuben und verwehen, wie der Wasserstrahl eines Geisers plötzlich versiegt und zusammensinkt.

Die flachwellige Dünung schiebt sich unter dem Schiff wie flüssiges Öl dahin, hält es in sanften, weiten, gleichmäßigen Schwingungen. Weit im Osten, nur mit dem Glase erkennbar, jagen die monsungepeitschten Wogen des Indischen Ozeans dahin, deren spritzende Schaumkronen in der wie weißglühendes Eisen glänzenden Luft im Winde wirbelnden Schneeflocken gleichen. — —

Die Sorge um den drohenden Wassermangel läßt den Kommandanten nicht ruhen. Es muß alles versucht werden — ein Boot soll an Land fahren — es soll in den staubigen, trockenen, ausgeglühten Sanddünen nach Wasser gegraben werden.

Jeder weiß — ein vergebliches Beginnen.

Aber der Selbsterhaltungstrieb verlangt auch die unmöglichsten Möglichkeiten zu erkunden.

Als Führer des an Steuerbord in den Davids hängenden Rettungskutters bekomme ich den Auftrag, an Land zu fahren und Wasserlöcher schaufeln zu lassen.

Wir sollen uns alle gut bewaffnen. Jeder meiner Kuttergäste — einer ist stämmiger und stärker wie der andere, sollten sie doch wie geplant in Colombo und Kapstadt mit den Engländern wettrudern —, schnallt eine große Mauserpistole um. Die Gewehre werden nach der Vorschrift unter den Duchten festgebunden, die Schaufeln in die Cockpitt gelegt. Im letzten Augenblick springt noch der erste Offizier ins Boot, um sich selbst von den Verhältnissen an Land zu überzeugen.

Erst im Kutter ist die Höhe der Dünung zu erkennen. Wir fliegen von der Reeling bis zu dem grünbewachsenen Schiffsboden auf und nieder. Die Bedienungsmannschaften der Vorleine haben ihre schwere Not, das Boot in der richtigen Lage zu halten.

Alles ist fertig!

»Absetzen — Riemen bei — Ruder an!«

Im Takt klettert der Kutter die See hinan, schlingert auf der anderen Seite wieder hinunter. Zuweilen verschwinden hinter dem breiten, flachen Rücken einer langhinrollenden See sogar die Masten der langsam immer kleiner und kleiner werdenden »Königsberg«.

Trotzdem wir die Dünung mit uns haben, kommen wir nur langsam vorwärts, denn der Wind kommt uns entgegen.

Glühend heißer, feiner Flugsand setzt sich überall in Mund, Augen und Ohren fest. Mächtiger und mächtiger türmen sich vor uns die gelben Sandriesen mit ihren roten Schluchten und Steilabfällen. Nach fast einer Stunde haben wir die weißschäumende Brandung dicht vor uns, die weit an den flachen Sandufern emporleckt.

Wir spähen nach einer Landungsmöglichkeit. — Aber hier ist guter Rat teuer! Denn der Wind steht von Land, die schwere Dünung von See.

Alle Künste der Seemannschaft werden angewendet — Anker geworfen, durch Rückwärtsrudern mit dem Bug nach See zu versucht durch die Brandung zu kommen. Vergeblich! Unsere Kriegsschiffskutter sind schlechte Brandungsboote.

Von einer mächtigen heranwallenden See werden wir gefaßt, schlagen quer und werden wie ein Kinderspielzeug — der schwere zehnriemige Kutter mit seiner ganzen Besatzung — in hohem Bogen auf den Sand geworfen, daß Spanten und Planken krachen.

Gewehre, Schaufeln, Bootsausrüstung werden hier und dort an Land gespült, hier und dort klettert einer triefend und prustend ans Ufer, seine Knochen prüfend und betastend.

Hoch und trocken liegt der Kutter auf der Seite zwischen zwei Sandwellen — ein Teil seines Dollbords ist eingedrückt. —

Staunend stehe ich in dieser glühenden Wüstenlandschaft erhabenster Eintönigkeit. Wie winzige Eintagsfliegen krabbeln hilflos und unsicher die paar Menschlein in dieser gewaltigen Sandeinöde herum, dicht am Fuß von gelbroten, zum Teil steilabfallenden Riesendünen.

Ich denke an meinen Befehl, dessen Ausführung mir hier geradezu lächerlich erscheint: Wasser graben! — Hier in diesem Sandmeer, dem Wahrzeichen absolutester Trockenheit!

Aber ich lasse graben!

Schweigend greifen meine Leute zu den Schaufeln, erdrückt von der Großartigkeit dieser heißen Wüstenberge, von der Aussichtslosigkeit ihrer Mühe überzeugt.

Das Loch wird größer und größer. Schon ist es mehrere Meter tief, aber der Sand da unten ist genau so trocken, genau so heiß wie an der Oberfläche. An Feuchtigkeit, geschweige denn Wasser ist nicht zu denken.

Wir hören auf!

Da zeigt einer nach Westen, nach einem tiefen Einschnitt der sich dort im Sonnenflimmern verlierenden Wüstenberge.

»Da kommen Eingeborene!«

Eine lange, immer länger werdende Reihe schwarzer Punkte bewegt sich dort anscheinend schneller und schneller auf uns zu.

Sie haben wohl die »Königsberg« gesehen und geglaubt, ein gestrandetes Schiff vor sich zu haben — wittern Beute!

»Kutter klar!«

Schneller gesagt als getan. Der liegt hoch und trocken auf dem heißen Sand.

Mit vereinten Kräften stemmen wir ihn hinunter, schieben ihn in die Brandung. — — Ein Schwung — ein Krachen — — hoch liegt er wieder auf dem Strand!

Die schwarzen Punkte kommen näher und näher — werden zu Strichen! Nochmals mit aller Kraft — die zurücklaufende Dünung abwartend, dann hinein mit ihm in die brausende Brandung.

Wieder ein Schäumen, Brausen — der Kutter schlägt quer, kentert. —

Die schwarzen Striche kommen näher und näher — werden zu schwarzen, schlanken Menschenkörpern. — Da braust eine gelbe Sandwolke auf uns zu, mit Wucht trifft der Wind auf das Wasser, stemmt sich der Dünung entgegen — ein paar Sekunden wird sie niedergehalten — die genügen: der Kutter schwimmt.

Aber wie! Die Hälfte der Riemen fehlt, ein Teil der Bemannung ist noch außenbords, klammert sich am Dollbord fest.

Der erste Offizier hängt am Steuerruder im Wasser. Sehnige Arme helfen — alles ist geborgen, und mit sechs Riemen statt zehn beginnen wir gegen die Dünung anzukämpfen.

Die schwarzen Gestalten sind heran, haben das Ufer erreicht! — — —

Die Königsberg taucht auf, wir gehen längsseit, die Blöcke werden eingepickt — ein schrilles, anhaltendes Pfeifen. Hoch fliegt der Kutter. Wir klettern an Deck.

An Bord hat man alles mit Spannung aufs genaueste beobachtet.

An der Stelle, wo wir nach Wasser gegraben, sitzen jetzt die Eingeborenen — sie haben eine mächtige rote Fahne aufgepflanzt, in deren Mitte ein weißer Halbmond leuchtet. —

In der zitternden Luft der westlichen Wüstenberge senkt sich glühendrot, in Purpurschleier gehüllt, mit verschwimmenden Konturen die Sonne, blauviolette Schatten fallen über die gelben Sandflächen, ein wildes Durcheinander von grünblauen, karmin- und zinnoberfarbenen und tiefvioletten Lichtern, und die blauschwarze Wüstennacht hat sich hernieder gesenkt.

Die Schiffsbesatzung lehnt an der Reeling und starrt auf das wunderbare Schauspiel. Unter der Back vorne klingen die Töne eines deutschen Seemannsliedes auf.


Schwer mag diese Nacht dem Kommandanten geworden sein, dessen gleichmäßiger Schritt noch spät vom Achterdeck herüber hallt.

Er hat einen Entschluß gefaßt — eines deutschen Seemanns würdig, nur der erste Offizier wird eingeweiht:

Sollte sich unsere schwache Hoffnung auf ein Kommen der Somali, unseres Begleitdampfers, nicht erfüllen, so will er die Mannschaft retten — durch den Funken die Engländer herbeirufen, die Besatzung in die Boote gehen lassen, sich selbst und sein Schiff in die Luft sprengen. — —

Die Nacht geht vorüber und die Morgennebel heben sich. Grell bestrahlt die aufgehende Sonne die kahlen Sandflächen. Wimmelndes Leben beginnt an Bord — die langen Feuerlöschschläuche schießen hellblinkende Wasserstrahlen über das Deck, fegen Staub und Schmutz der Nacht weg. Eifrige Hände säubern Planken und Bordwände.

Da stürzt der Zahlmeister in die Messe: »Ein Kriegsschiff am Horizont!«

Alles rennt an Deck! — Ein Kriegsschiff? Dann kann es nur ein feindliches, ein englisches sein. Andere Nationen fahren hier nicht mehr zur See.

Und wir liegen hier bewegungslos — mit auseinandergenommenen Maschinen! Nicht einmal verteidigen werden wir uns können, wehrlos, aus sicherer Entfernung werden wir zusammengeschossen. Denn der Engländer wird sich mit seinen weitertragenden Geschützen hüten, in unseren Feuerbereich zu kommen!

Dutzende von Doppelgläsern, von Augenpaaren suchen den Horizont ab.

Da — hinter der östlichen Kimm ragen zwei Masten empor!

Ein Kriegsschiff? Kaum anzunehmen, denn die Masten sind kurz, stehen schräg, haben keinen Scheinwerfermarse und keine Funkenrahen.

Also ein Dampfer — ein englischer Dampfer, der nach Norden steuert. — An die Somali denkt keiner, die kann ja unmöglich schon hier sein!

Wut packt uns — könnten wir jetzt fahren, vielleicht hätten wir eine gute Prise vor uns mit Kohlen! — so hätten wir vielleicht alles, was wir zum Leben und Kriegführen nötig haben. Der Dampfer muß uns sehen! —

So müssen wir ihn schweigend vorüber fahren lassen, müssen hilflos dulden, daß er uns verrät, daß sein Funken den feindlichen Spürhunden unseren Schlupfwinkel angibt.

Der Dampfer kommt näher. Sein Schornstein taucht über die Kimm!

Eigenartig — er steuert Westkurs — in die Bucht von Ras Hafun hinein! — Was sucht er dort? Hat er Maschinenschaden?

Minuten verfließen. Seine Aufbauten werden sichtbar, sind jedoch in dem dunstigen flimmernden Morgenlicht nicht klar zu erkennen.

Sollte er hier nichts ahnend in unserer Nähe vor Anker gehen? Uns für einen Engländer halten?

»Da könnte man ja ein Boot hinüberschicken und ihn kapern,« werden Stimmen laut!

»Könnte man nicht versuchen, so schnell als möglich wenigstens eine Maschine klar zu machen und mit dem letzten Rest von Kohlen zu versuchen in seine Nähe zu kommen?« — — —

»Das ist ja die Somali!« sagt einer. — »Ausgeschlossen, sie kann frühestens morgen abend hier sein!« — —

Oder doch? Angestrengt starrt alles nach Osten. — Näher und näher hat sich der schwarze Punkt geschoben.

Da — er dreht etwas — zeigt seine Seitenansicht. — Es ist die Somali!!

Eine Entspannung geht durch alle, freudig drückt man sich die Hände. In wenigen Minuten haben wir die Skala von dumpfer Ergebung in ein unabwendbares Schicksal, von knirschender, machtloser Wut, von Hoffnung auf den Schimmer einer Rettungsmöglichkeit bis zur vollkommenen, für unmöglich gehaltenen Erfüllung aller Wünsche durchlaufen! —

Die Sonne steigt höher und höher, brennend streichen ihre Strahlen über die Wüstenberge. Im frischen Winde flattert dort auf dem gelben Sande die rote Fahne, zwei schwarze Gestalten stehen in erzener Ruhe zu Statuen erstarrt, anscheinend als Posten daneben.

Die »Somali« kommt näher und näher, Megaphonrufe werden ausgetauscht, Leinen fliegen herüber und hinüber — beide Schiffe liegen Bord an Bord festgemacht.

Ihr Kapitän hat, mit allen Verhältnissen im Indischen Ozean aufs genaueste vertraut, die schnellen nördlichen Monsunströmungen längs der Küste zu fassen gewußt und es so möglich gemacht, viel früher, als nach unserer Berechnung nur denkbar, das Kap Ras Hafun zu erreichen. —

Die Luken werden geöffnet, die Winden kreischen, die Spills klappern, Kohlenkörbe fliegen herüber — den ganzen Nachmittag, die ganze Nacht, den nächsten Tag, die nächste Nacht! Am Vormittag des dritten Tages sind wir fertig. — Selbst an Deck stehen die Kohlen zu Bergen getürmt.

Wir legen von der Somali ab. — Gegen Mittag lichtet auch die Somali die Anker. Sie steuert nach den Komoren, wo wir sie wieder treffen wollen.

Glühend heiß fegt der Wind feinen, gelben Sand über Deck, die Augen schmerzen im weißgrellen Sonnenlicht. Wie glitzernde Schleier liegt die flimmernde Luft über den gelbroten Sandbergen. Einsam flattert die rote Fahne, regungslos stehen daneben die schwarzen Gestalten. Diesmal sind sie um ihre Beute betrogen.


Wir richten den Kurs nach Osten, umsegeln das Kap und steuern nach Süden. — Nach Madagaskar! —

Brausend empfängt uns der blaue schäumende Ozean, weithin flattert vom peitschenden Monsun zerrissen unsere schwarze Rauchfahne.

Kleiner und kleiner werden die roten Wüstenberge, heller und heller die gelben Sandstreifen, greller und greller wird das Flimmern der Luft und verwischt die letzten Farbenspiele des Kaps Ras Hafun.

Unguja-Sansibar

Unguja-Sansibar — die Stadt der weißen Türme, der wehenden Palmen, der Sitz des Sultans — früher Beherrscher der Gläubigen der Ostküste, jetzt Popanz der englischen Regierung.

Noch keine fünfzig Jahre sind es her, da durchzogen lange Trägerkarawanen, von den Riesenseen Zentralafrikas kommend, beladen mit Elfenbein und Gummi oder Reihen dunkelhäutiger Sklaven mit sich schleppend, die weiten Buschsteppen und endlosen Waldländer des afrikanischen Festlandes — alle die Blicke, die Schritte nach Osten, der aufgehenden Sonne zu gelenkt, alle nach einem Ziele strebend, der Perle des Indischen Ozeans: Unguja-Sansibar.

Noch keine fünfzig Jahre sind es her, da lösten sich im November, Dezember jeden Jahres gewaltige Dhauflotten von den Küsten Arabiens, beladen mit Teppichen und Stoffen, Waren von Gold, Glas und Silber, hißten ihre dreieckigen Segel, die der einsetzende Nordostmonsun zum Platzen füllte, und traten die weite Reise über die rauschenden Ozeanwüsten an, als einziges Leitgestirn das Kreuz des Südens und die Sonne, mit dem Ziel weit unten am Äquator: Unguja-Sansibar.

Dort trafen sich die Tausende von Karawanenträgern, beladen mit den Erzeugnissen des Urwaldes, der Völker Innerafrikas, mit den Hunderten der schrägmastigen Dhaus, dort wurden die Waren von zwei Erdteilen gestapelt, getauscht und verkauft, dort ragten die Paläste der reichen braunhäutigen, langbärtigen Handelsherren, deren Ohrläppchen kaum das Gewicht des Goldschmuckes tragen konnten.

Jetzt sind die Karawanenzüge abgelöst durch über die Steppe rasselnde Eisenbahnen, die Dhauflotten durch weitbauchige Dampfschiffe. Aufblühende Städte der Küste, wie Daressalam und Tanga, haben fast ganz den Strom des Handels nach Sansibar unterbunden, die Tausende von Kilometer langen Karawanenstraßen nach Bagamojo, dem Überfahrtshafen von Unguja, sind verödet, verlassen, die Regenzeiten sind über sie hinweggezogen, haben sie verwaschen, eingeebnet, und frisches Grün, starrer Busch oder knorpelige Bäume wachsen auf ihnen. Die Karawanenhäuser sind längst verfallen, das Gras des Daches ist verfault, Stützen und Stämme sind vermodert und liegen am Boden, durch Termiten mit einer rotbraunen Erdschicht überzogen und zerfressen.

Auch Bagamojo selbst, die einstige Araberstadt, liegt verlassen da. Nur wundervoll geschnitzte Türpfosten in kleinen einstöckigen Steinhäusern erinnern an vergangene glänzende Tage. Der Strom der Zeit hat eine andere Richtung genommen!

Aber ganz vermeiden konnte er Unguja nicht, und ist es auch nicht mehr der einstige Welthandelsplatz des Ostens, so liegen doch in seiner blauglänzenden, geschützten Bucht Dampfer an Dampfer, wogt unter seinen nickenden, leis raschelnden Palmen ein wirres Gemisch von allen Rassen der Erde.