Sechstes Kapitel.
Unter den Indianern am Rio Pilcomayo (Fortsetzung).
Trinkgelage.
Man könnte beinahe sagen, daß das Leben für den Choroti- und Ashluslayindianer aus drei Perioden besteht. Die erste ist dem Spiele, die zweite der Liebe und die dritte dem Trinken geweiht. Der Mann hat ja auch einige Zeit der Versorgung seiner Familie zu widmen, aber am meisten interessieren ihn, wenn er älter ist, die Trinkgelage. Die Frauen bereiten die berauschenden Getränke zu und verwenden darauf einen außerordentlichen Fleiß. Den ganzen Tag streifen sie umher, um die Früchte, aus denen jene bereitet werden, zu sammeln, zu mahlen, zu kochen usw., und gleichwohl sind sie von den Festen vollständig ausgeschlossen. Das einzige, womit der Mann sich befaßt, ist die Gärung. Diese ist der Gegenstand einer geradezu religiösen Sorgfalt.
Die geistigen Getränke werden aus Tusca, Algarrobo, Chañar, Wassermelone und Mais bereitet. Alle diese, mit Ausnahme solcher aus Wassermelonen, habe ich gekostet. Sie sind, außer dem aus der Algarrobo bereiteten, der infolge des großen Zuckergehalts der Frucht außerordentlich alkoholreich ist, ziemlich unschuldig. Im November und Dezember, wo die Algarrobofrucht reif ist, finden auch in den Choroti- und Ashluslaydörfern wilde Zechgelage, tägliche Orgien statt, an denen der arme Ethnograph, falls er mit den Indianern auf gutem Fuß zu stehen wünscht, teilzunehmen gezwungen ist.
Das Tuscabier wird so zubereitet, daß man die Frucht mahlt, Wasser hinzusetzt und das Ganze dann in einer schmutzigen Haut oder in großen Kalebassen gären läßt. Eines Nachts war ich mit dabei, als in einem Chorotidorf das Tuscabier gegoren wurde. Dies begann damit, daß zwei Männer im Männerhaus, den Rücken einander zugewendet, um das Feuer herumsaßen und sangen und den Takt mit den Kalebaßklappern angaben. Etwas später setzte man sich um die Haut, in welcher man das Bier zu gären begann. Ein Mann und ein Jüngling sangen, von einer Klapper akkompagniert, das Gesicht dem Monde zugekehrt. Hier und da johlten und klapperten andere Männer. Hierauf wurde die Tongefäßtrommel herbeigeholt und auf einen Strohring gestellt. Mit eintönigen Schlägen begleitete man den Gesang. Mitten in der Nacht wurde er unterbrochen und man lief nach dem Fluß und fischte mit ganz gutem Erfolg. Die Fische wurden geröstet und verzehrt. Nachdem das Nachtmahl gehalten war, begann wieder der Gesang und wurde mit einer Trommel und vier Klappern fortgesetzt. Die Gesänge kamen mir wie bloße Refrains vor: Höö, höö, höö, höö, la e la, höö, la e la ... höö, höö, la e la. Man sang erst leise, dann plötzlich ansteigend und wieder abfallend. Mehrere johlten unisono. Ruhte die eine Gruppe, so begann eine andere. Des Morgens wurde wieder gefischt und zum Frühstück das mit so großer Sorgfalt zubereitete Tuscabier getrunken, das, nachdem es durch eine schmutzige Tasche geseiht worden war, in Kalebaßschalen gereicht wurde. Die Choroti glauben durch Singen die Gärung zu beschleunigen.
Das Tuscabier hat einen säuerlichen, erfrischenden Geschmack, aber einen ekelhaften Geruch.
Die Chañarfrüchte kocht man und läßt sodann die ganze Suppe gären.
Die Algarrobofrüchte werden gemahlen und in Wasser gewärmt, worauf man sie, wie die vorhergehenden, in großen schmutzigen Kalebassen oder in gewaltigen Holzmulden aus Flaschenbaumholz[34] gären läßt. Die Ashluslays habe ich die Hefe in der Weise bereiten sehen, daß sie einen Teil des gemahlenen Algarrobo kauen und dann zu dem übrigen hinspeien. Das Chañarbier hat einen süßsäuerlichen, etwas ekligen Geschmack, das Algarrobobier ist gut. Es hat einen süßen, etwas zusammenziehenden Geschmack. Hat es zu lange gegoren, so ist es stark berauschend. Wie das Maisbier zubereitet wird, habe ich nicht gesehen. Es ist bei einer Menge Indianerstämme in Südamerika gut bekannt. Es hat einen erfrischenden, angenehmen Geschmack.
Bei den Ashluslays habe ich an verschiedenen großen, bei den Chorotis an einigen kleineren Trinkgelagen teilgenommen. Es war interessant, hat aber einige Selbstüberwindung gekostet. In den Dörfern befindet sich gewöhnlich ein den Trinkgelagen geweihter Platz. Um die Mittagszeit versammeln sich dort die Männer, jeder kommt mit seiner Sitzmatte und seiner zwei bis drei Liter haltenden Kalebaßschale. Die Frauen schaffen gewaltige Kalebassen mit Bier herbei. Dies wird zuweilen in ein großes Tongefäß (Abb. 40) gefüllt, aus dem es dann dargereicht wird. Bei einem Fest bei dem alten Aslú wurde das Algarrobobier in einem echt europäischen Nachtgeschirr von wohlbekannter Form herumgereicht. Die Alten fischen mit den Händen den Staub aus dem Bier, das sie dann zwischen den schmutzigen Fingern durchseihen.
Der Gast wird, besonders wenn er das Unglück hat, beliebt zu sein, sehr gut behandelt. Er erhält eine Sitzmatte und eine zwei bis drei Liter enthaltende Kalebasse. Setzt er sich, winken ihm alle mit der Hand zu, und er muß das gleiche tun. Das ist ein Gruß. Dann heißt es trinken, denn hier gilt es auszutrinken, sonst ist man unhöflich. Ist es einem gelungen, seinen Liter herunterzubekommen, ohne sich zu übergeben, dann beginnt wieder das Winken. Die in der Nähe sitzenden Alten wischen einem nun, der eine nach dem anderen, immer mit ihren schmutzigen Fingern den Mund. Das ist der Gipfel der Freundlichkeit. Muß man nach allem diesem einmal austreten, dann darf man keinesfalls vergessen, seinen Nachbarn mit der Hand zuzuwinken und „paa“ zu sagen, denn sonst ist man ungezogen. Das schlimmste ist, daß man zurückkommen und aushalten muß, bis das Fest aus ist, bis die Wirte betrunken sind und heulen, Reden halten, in die Bowle spucken und sonst ihr Vergnügen haben. Ohne die Pfeifenspitze abzuwischen, muß man ruhig mit alten, schmutzigen, geifernden Greisen abwechselnd rauchen.
Als die Alten richtig in Stimmung gekommen waren, haben sie mir das Gesicht mit Ruß und Speichel schwarz bemalt. Meine Augenbrauen und Augenhaare wollten sie ausreißen, sie verspotteten mich wegen meines langen, häßlichen Bartes, in meine Ohren wollten sie Löcher bohren.
Bei diesen Trinkgelagen, wo alle betrunken sind, habe ich niemals ein hartes Wort sagen hören, niemals bemerkt, daß die geringste Zänkerei entstanden ist. Ist der Indianer von seinem selbstgebrauten Bier betrunken, so ist er nicht angenehm, er wird aber niemals unverschämt, er gehört zu dem Typ Betrunkener, die alle umarmen wollen, deren Freundlichkeit unangenehm übertrieben ist. Er wird mutig und prahlt mit seinen Kriegertaten. Feldzugspläne werden besprochen, die vergessen sind, wenn der Rausch vorüber ist. Er singt und ist heiter.
Will man das Herz dieser Indianer gewinnen, so muß man versuchen, ihr Leben zu leben, alles zu essen und zu trinken, was einem angeboten wird, mit ihnen zu tanzen und zu singen, sich ins Gesicht speien zu lassen und so wie sie gekleidet zu gehen.
Man muß auch, ebenso wie wenn man unter weißen Menschen ist, taktvoll und rücksichtsvoll auftreten, wie die Indianer selbst. So manches Mal habe ich Beispiele von dem taktvollen Auftreten der Indianer gesehen. Nach einem großen Fischzug, den einige Ashluslays und Chorotis gemeinschaftlich vorgenommen hatten, kam ich mit einigen Chorotis vorbei. Ich tauschte mir bei den Indianern zwei Arten Fische ein, eine dritte bekamen meine Begleiter als Geschenk. Ich ließ meine Freunde durch den Dolmetscher fragen, welche Art Fische die beste sei, dieser wollte aber, offenbar um den Geber nicht zu verletzen, der einen weniger guten Fisch geschenkt hatte, meine Frage nicht beantworten.
Der Branntwein ist bei den Ashluslays noch unbekannt, und auch die Chorotis haben selten Gelegenheit, solchen zu trinken. Das kommt aber wohl noch, dafür sorgen schon allmählich die Weißen. Auf der argentinischen Seite des Rio Pilcomayo gibt es schon genug Feuerwasser und ein auserlesenes Gesindel Weiße. Die Bolivianer, die den Rio Pilcomayo hinuntergedrungen sind, sind dagegen in der Regel anständige Menschen.
Das Tabakrauchen.
Man sagt ja, keine Mauer sei so hoch, daß nicht ein goldbeladener Esel hinüberkomme. Mit einem mit Tabak beladenen Esel kommt man im Chaco beinahe überall durch, auch in Gegenden, wo das Gold als wertlos betrachtet wird. Teilt man in den Dörfern etwas Tabak aus, wird man gut aufgenommen und kann Essen und alles, was man braucht, eintauschen. Ein großer Tabakvorrat ist das Akkreditiv, das jeder, der unter den Indianern des Chacos reisen will, mithaben muß. Die Indianer sind in so hohem Grade passionierte Raucher, daß ein alter, verdorbener weißer Tabakraucher darüber in Staunen geraten muß. So boten mir die Mataco-Guisnay am Rio Pilcomayo für ein bißchen Tabak ihre Messer, ihre unentbehrlichen Messer an. In jedem Indianerdorf im Chaco, in das ich gekommen bin, habe ich auch reichlich Tabak ausgeteilt und damit einen sicheren Grund zur Freundschaft gelegt.
Es ist merkwürdig, daß die Indianer so eifrig hinter dem Tabak her sind, da sie doch selbst solchen bauen. Man braucht indessen ihren Tabak nur zu versuchen, um zu verstehen, daß sie lieber den des weißen Mannes rauchen, denn ihr eigener ist geschmacklos und schlecht. Sie verstehen offenbar nicht, ihn aufzubewahren, sondern lassen ihn vermodern, so daß er wie Kompost aussieht. Die Chacoindianer wollen starken Tabak. Sie sind alle Pfeifenraucher, und man sieht im Chaco einen großen Reichtum an Pfeifentypen.
Die Frauen rauchen in der Regel nicht. Eine Ausnahme bilden jedoch die Chorotimädchen, die viel mit Weißen gelebt haben. Schenkt man einer Frau Tabak, so gibt sie das Erhaltene ihrem Manne. Die Knaben sind, wenn sie über Tabak kommen, große Raucher. Oft sieht man Knaben von vier bis fünf Jahren mit Wohlbehagen qualmen.
Die Indianer rauchen, wie schon erwähnt, immer abwechselnd, d. h. die Pfeife geht von Mund zu Mund. Jeder tut ein paar kräftige Züge und dann geht die Pfeife weiter zum nächsten Mann. Manchmal ist es mir passiert, daß ein Indianer mir die Pfeife oder Zigarette aus dem Mund genommen, einige Züge getan und sie mir dann wieder in den Mund gesteckt hat. Man gewöhnt sich so sehr an diese Sitte, daß man sich förmlich geniert, so geizig zu sein, allein zu rauchen. In der Regel reichte ich meine Pfeife nach ein paar Zügen einem Indianer, um sie dann, wenn sie die Reihe entlang gegangen war, ausgeraucht zurückzubekommen. Die Chorotis im Chaco mischen den Tabak oft mit Spänen einer außerordentlich wohlriechenden Rinde, was dem Rauch einen sehr pikanten Geschmack gibt. Diese Rinde erhalten sie von den bei Caiza, nahe den letzten Ausläufern der Anden gegen den Chaco, wohnenden Chorotis.
Besonders liegt es den Indianern am Herzen, daß bei den Trinkgelagen genügend Tabak vorhanden ist. Dieser ist ebenso notwendig, wie Zigarren zum Punsch und Kaffee für viele Schweden. Wandert man mit diesen Indianern, so muß man sich auch darein finden, daß jede zweite Stunde Halt gemacht und eine Pfeife geraucht wird. Dies ist so wichtig, daß man es nicht im Gehen tun kann, sondern sitzend, in allerschönster Ruhe, soll man den herrlichen Rauch genießen.
Jedem, der im Chaco reist, will ich deshalb den Rat geben, so viel Tabak mitzunehmen, wie man es für Geschenke und Tauschwaren erforderlich hält — und dann noch einmal soviel — dann reist man je nach den Verhältnissen ebensogut wie derjenige, der in der zivilisierten Welt mit einer mit Gold gespickten Börse reist.
Medizinmänner, religiöse Vorstellungen.
Nach den großen Trinkgelagen werden die Indianer nicht selten krank. Irgendeiner hat eins seiner eigenen Haare oder Exkremente in das gelegt, was er getrunken hat. Er ist verhext worden. Die Medizinmänner werden herbeigerufen, um die Verhexung zu lösen. Will man nicht verhext werden, dann hat man, wenn man in einem fremden Dorfe ist, vor allem darauf zu achten, daß niemand sieht, wo man seine Bedürfnisse verrichtet. Man setzt sich sonst dem aus, daß man etwas davon zu essen bekommt, und das soll nicht gut sein.
Mehrmals habe ich die Medizinmänner in den Dörfern bei der Ausübung ihres Berufs gesehen. Eines Tages, als ich bei den Chorotis war, fühlte ich mich etwas unwohl und ließ einen dieser Herren nach meinem Lager rufen. Ich gab vor, im unteren Teil der Brust einen heftigen Schmerz zu verspüren, und fragte ihn, ob er mich heilen wolle. Er versprach mir am Abend zu kommen. In der Dunkelstunde fand er sich zusammen mit einem Kollegen ein. Sie verlangten allein mit mir gelassen zu werden. Moberg und Andersson wurden hinausgewiesen und Posten wurden aufgestellt, damit kein Unbefugter in die Hütte komme.
Zuerst mußte ich mich nackend ausziehen und hinlegen. Dann strichen sie mir über Brust, Seiten und Magen und hierauf bespuckten sie mich. Danach begannen sie mich anzupusten und später legten sie sich nieder und saugten kräftig an meiner Brust, besonders an der Stelle, wo ich mich über Schmerzen beklagt hatte. Nachdem sie ein Weilchen gesaugt hatten, wandten sie sich ab und taten, als übergäben sie sich. Das Erbrochene zeigten sie mir nicht, als sie es aber zwischen den Fingern zermahlten, sah es aus, als ob sie Würmer zerdrückten. Das Ganze dauerte wohl eine Stunde, und als ich mich wieder ankleiden durfte, hatte ich überall Saugflecken. Die werten Herren unterhielten während der ganzen Heilung ein lebhaftes Gespräch, das ich nicht verstand. Aus der Mimik konnte ich jedoch verstehen, daß es sich um eine Konsultation (Beschwörung) handelte. Als Honorar erhielt der eine Arzt ein Hemd und der andere ein Paar enganschließende Unterhosen.
Früh am folgenden Tage versammelte sich um mein Lager eine Menge schmutziger alter Männer, die sich nach meinem Wohlbefinden erkundigten. Es war offenbar die ganze medizinische Fakultät der Chorotis. Ich erklärte mich vollständig geheilt, und meine Chorotiärzte lächelten selbstgefällig und zufrieden, ganz so, wie es manche ihrer zivilisierten Kollegen in ähnlicher Lage ebenfalls getan hätten.
Einmal erkrankte der Sohn eines alten, einflußreichen Chorotihäuptlings vom Ashluslaystamm, und es wurden nicht weniger als sieben Medizinmänner gerufen. Es waren offenbar bedeutende Männer aus beiden Stämmen, von denen einige von weither gekommen waren. Der Fall wurde als schwierig betrachtet. Wahrscheinlich war es Kolik. Ein Schaf wurde geschlachtet, und den werten Herren wurden große Haufen Essen vorgesetzt. Die Höflichkeit erfordert augenscheinlich, daß die Medizinmänner während der ganzen Zeit, wo sie ihren Beruf nicht ausüben, essen sollen. Mehreremal ging ich hinein und setzte mich zu ihnen, teilte Tabak aus und konnte somit sehen, wie sie den Mann heilten. Wenn sie nicht aßen, so saugten sie und spuckten und bliesen ihn an. Zuweilen saugten sie alle auf einmal, zeigten etwas mit einer wichtigen Miene, gingen dann abseits und vergruben es. Ich benutzte die Gelegenheit und bat sie mir zu zeigen, was es sei, und der Arzt — der Zauberer — reichte mir einige Haare.
Als dieser Indianer geheilt wurde, saßen sowohl Kinder wie Frauen um die Medizinmänner, und diesem bewundernden Publikum zeigten die werten Herren, was sie aus dem Körper des Kranken herauszusaugen vermocht hatten.
Für den Kranken hatte man einen Krankenstuhl gemacht, den wir hier auf der Zeichnung sehen (Abb. 44). Er bestand aus drei in den Boden gestoßenen und mit Querriegeln verbundenen Stangen. Man kann ruhig sagen, daß er einfach war. In diesem Stuhl oder richtiger gegen diese Stütze saß der Kranke, um sich auszuruhen.
Auch Neugeborene habe ich durch Aussaugen heilen sehen. Auch Weiße lassen Medizinmänner kommen, und diese erzählten, wie sie jene geheilt hätten, nachdem alle möglichen Arzneien, die sie für teures Geld gekauft hatten, nichts geholfen hätten. Ich meine auch, die ärztliche Kunst der indianischen Medizinmänner kann ebenso gut sein, wie elektrisches Öl, Williams Pillen, das wundertätige Salz und andere von den Weißen hier massenweise verkaufte amerikanische Humbugarzneien.
In diesem Zusammenhang will ich auch erzählen, wie ich bei den den Chorotis und Ashluslays kulturell nahestehenden Matacoindianern eine kranke Frau habe heilen sehen.
Eines Nachts besuchte ich einige Matacoindianer, die ihr Lager vor der Zuckerfabrik Esperanza in Argentinien aufgeschlagen hatten, wohin sie gekommen waren, um Arbeit zu suchen. Sie hatten mir versprochen, bei einem ihrer Tänze zugegen sein zu dürfen. Das Tanzlokal war der offene Platz zwischen den Hütten. Die Beleuchtung war eine von mir mitgebrachte kleine Laterne. Die Trachten waren von den Weißen gekaufte Kleider sowie Glocken und Klappern. In den Händen hatten die sechs Tänzer Stöcke. Eigentümlicherweise hatten einige von ihnen ein Tuch über das Gesicht (entsprechend Tanzmasken?). Erst standen alle außer einem still. Dieser tanzte umher, indem er Laute wie ä, ä, ä, jä, jä, jä, lä, lä ... ausstieß. Dann liefen drei von ihnen im Gänsemarsch im Kreise herum und dann unter Geheul in mehreren Schlangenwindungen. Hierauf kam eine kranke Frau hinzu, und sie umtanzten dieselbe heulend und mit gebogenen Knien, indem sie mit den Füßen auf- und niederstampften. Von der Frau entnahm einer von ihnen sechs angekohlte schwarze Stäbchen, von denen er eins aus dem Rücken und eins aus dem Unterrock hervorholte. Diese warf er dann ein Stückchen von sich auf den Boden, wo ich sie mir holte. Der Dolmetscher sagte mir, diese, die die Ursache ihrer Krankheit seien, hätten sie aus ihrem Körper herausgeholt. Hierauf wurde der Tanz eine längere Zeit in derselben Weise fortgesetzt.
Die Matacos verhexen, wie der bolivianische Gouverneur, Dr. L. Trigo, mir erzählt hat, auf folgende Weise: Sie sammeln von dem Feinde, den sie verhexen wollen, Exkremente, Urin, Speichel, Haare, Nägel. Alles dies stopfen sie einem Frosch ins Maul und nähen dann Maul, Nasenlöcher, Ohren und andere Öffnungen des Frosches sorgfältig zusammen. Darauf hängen sie ihn in der Nähe einer Feuerstätte auf, wo er anschwillt und stirbt. Dasselbe widrige Schicksal trifft den, der verhext werden soll, unter ähnlichen Qualen stirbt er. Die Verhexung kann nur von einem Medizinmann gelöst werden, der größere Kraft hat, als derjenige, der verhext hat.
Auch wenn ein Hund stirbt, so glauben die Indianer, daß er verhext worden ist. Ein weißer Mann hatte einige Matacohunde mit Strychnin vergiftet, und als nun die Matacos den einen Hund nach dem anderen plötzlich krank werden und sterben sahen, fürchteten sie diesen Weißen, der, wie sie glaubten, ihre Hunde verhext hatte, sehr.
Die Chorotis und Ashluslays sowie auch die hier oben genannten Matacos wenden auch eine große Anzahl Pflanzen als Heilmittel an. Diese werden nicht von den Medizinmännern verordnet, sondern sind allen Mitgliedern des Stammes bekannt.
Den lateinischen Namen dieser Pflanzen kenne ich nicht. Ich gebe hier einige mit ihrem Namen auf Choroti wieder:
toshsala — wird gekocht und der Kopf damit gebadet, wenn man krank ist;
lákiole — wird gekocht; es werden bösartige Geschwüre damit gewaschen;
lácosoki — wird wie das vorige angewandt;
lashhuätis — wird gekocht und bei Magenschmerzen getrunken;
lahuóle — wird getrocknet und in einen hohlen, schmerzenden Zahn gelegt;
lésini cósoki — wird gemahlen und geweicht und dann in ein schmerzendes Ohr gestopft.
Wird jemand von einer Schlange gebissen, lassen die Matacos die Menstruation in die Wunde träufeln. Das Mittel soll auch von den Weißen in Argentinien angewendet werden. Die Chorotis wenden die Asche gewisser Pflanzen für bösartige Geschwüre, Schanker u. dgl. an. Merkwürdigerweise scheinen sie den Schanker heilen zu können, denn sie bekommen selten Bubonen.
Von dem englischen Arzt Dr. Paterson, an der im Anfang dieses Buches erwähnten Zuckerfabrik, bekamen die Indianer das Zeugnis, daß sie, im Gegensatz zu den argentinischen Mestizen, sehr geduldig sind, wenn es gilt Schmerzen zu ertragen.
Ich selbst habe auch einige Male während meines Aufenthaltes unter den Indianern im ärztlichen Gewerbe gepfuscht, hörte aber bald wieder damit auf. Es ist unmöglich einen Indianer zu bewegen, sich eine längere Zeit zu pflegen. Es soll gleich wieder gut sein, sonst taugt das Heilmittel nichts. Morphium, Kokain und Opium sind die einzigen Mittel, die ihren Beifall haben. Diejenigen, die in den Zuckerfabriken die Vakzinierung gegen Pocken kennen gelernt haben, wollen auf dem Arm gern die drei wundertätigen Male haben.
Ich habe niemals einen Choroti oder Ashluslay sterben sehen, habe aber (1902) einige der ersteren ausgegraben. Dies ist mit Genehmigung der Verwandten geschehen. Durch ein kleines Geschenk an jeden Verwandten läßt sich dies leicht ordnen. Eigentümlicherweise kam es bei den den Chorotis nahestehenden Matacos ein paarmal vor, daß die Verwandten beim Ausgraben zugegen waren. Sie fanden die Sache ganz natürlich und zeigten gar keine Furcht.
Beigaben traf ich nur sehr wenige. Das einzige, was der Tote mitbekommen hatte, war eine Tasche mit einem Pfriemen, einem Löffel oder sonst einer Kleinigkeit sowie vereinzelt eine Schale, die Wasser enthalten hatte.
Von dem, was diese Indianer über das Schicksal der Menschen nach dem Tode glauben, weiß ich nicht viel. Die Geister gehen eine Zeitlang in den Häusern und Wäldern umher. Die Matacos meinten, ihre Toten seien nicht gefährlich. Dagegen wollen die Toten der Christen die Nachtwandrer gern erschrecken. Sie wandern somit auch in Feld und Wald umher. Die Matacos nennen die Geister „aut“. Sie sagen, sie verschwänden allmählich. Die Chorotis nennen sie „amoxi“. Ein Mataco hat auf meinen Wunsch einen solchen Geist gezeichnet, welches Porträt ich hier wiedergebe. Die Punkte um seinen Körper bedeuten die Kleider (Abb. 45).
Stirbt der Mann oder ein anderer naher Verwandter, so schneiden sich die Ashluslay- und Chorotiweiber mit den scharfen Zähnen des Palometafisches die Haare ab und verbrennen sie. Für seine eigene oder eine andere Frau begeht der Mann nicht die gleiche Aufopferung. Wenn man in einem Choroti- oder Ashluslaydorf wohnt, so hört man besonders des Morgens beinahe immer lautes Klagen und Singen. Auf diese Weise werden die Toten beweint. Wir sind alle Brüder und Schwestern, sagen die Indianer. Wir trauern gemeinsam. Eine richtige Mutter trauert tief über ihr totes Kind, ob sie nun in einem feinen Hause in Europa oder in einer kleinen grasbedeckten Hütte am Ufer des Pilcomayo sitzt, und ebenso betrauern die Kinder eine Mutter, die für sie gearbeitet und gestrebt hat. Bei den Ashluslays und Chorotis wird mit der Trauer viel Spektakel gemacht, ich bin aber fest überzeugt davon, daß bei ihnen auch viel wirkliches Gefühl vorhanden ist. Berufstrauerweiber kommen bei diesen Indianern nicht vor.
Über die religiösen Vorstellungen der Chorotis und Ashluslays habe ich nur sehr wenig erfahren können. Sie glauben, wie schon erwähnt, an ein Leben im Jenseits. Ein großer, allmächtiger Gott ist ihnen etwas Fremdes, gleichwohl scheint aber dieser Begriff sich Eingang zu verschaffen. Diese Indianer hören auf den Arbeitsfeldern von der Religion, von der die katholischen Missionare reden, und teilen dann das Gehörte anderen mit. Auf diese Weise verbreiten sich auch außerhalb des direkten Wirksamkeitsfeldes der Missionare dunkle Vorstellungen über das Christentum. Die Menge übernatürlicher, mächtiger Wesen in den Sagen der Chanes und Chiriguanos, mit denen wir späterhin Bekanntschaft machen werden, finden wir in den Erzählungen dieser Indianer nicht. Alles was erwähnt wird, sind einige mystische Tiere. So wohnt in einem See unweit Guachalla am Rio Pilcomayo ein kleines, von den Chorotis „kiáliki“ genanntes Wesen, das wie ein Mensch aussieht, aber vollständig schwarz ist. Nähern sich ältere Personen dem See, so tut es ihnen nichts. Kinder raubt es dagegen. Vielleicht ist es der „schwarze Mann“ der Indianer.
Eine andere Chorotierzählung lautet folgendermaßen: „In einem See lebte eine Schlange, die war dick wie zwischen zwei ausgestreckten Armen. Diese verschluckte einen Choroti, dieser tötete aber die Schlange, indem er ihr das Herz durchbohrte, und grub sich heraus. Von der Hitze im Magen der Schlange war er ganz rot und haarlos geworden. Als er nach Hause kam, kannte ihn seine Frau nicht wieder. Er erzählte ihr da, wie er von der Schlange verschluckt worden sei.“
Ein mystisches Tier frißt am Mond, wenn Mondfinsternis ist. Diese nennen die Chorotis „sóoli“, die Ashluslays „sutlásh“. Ein Meteor bedeutet einen Todesfall.
Im vorhergehenden habe ich eine Chorotisage von dem Weltbrand und dem Raub des Feuers wiedergegeben. Dies ist die einzige Kulturmythe, die ich von diesen Indianern habe.
Wie schon erwähnt, habe ich dagegen von den den Chorotis kulturell nahestehenden Matacos einige Sagen oder Kulturmythen gesammelt, die ich hier wiedergeben will. Sie sind von dem Matacoindianer Na-yás vom Rio Bermejo erzählt und von Chetsin, von demselben Stamme, übersetzt.
Vom Matacoindianer Na-yás erzählte Sagen.
Der Raub des Feuers.[35]
Wie erzählt wird, hat der Jaguar das Feuer bewacht, bevor die Matacos es erhielten. Es wird erzählt, daß man fischen ging. Alle Matacos waren fischen gegangen und ein Meerschweinchen besuchte, wie erzählt wird, die Jaguare und brachte ihnen einen Fisch mit. Es wird erzählt, daß es zum Feuer hingehen wollte. Es wird erzählt, daß der Jaguar das Feuer bewachte und ihm keinen Feuerbrand abgeben wollte. Es wird erzählt, daß das Meerschweinchen heimlich etwas von dem Feuer mitgenommen hatte. Der Jaguar fragte es, was es mitnehme. Es sagte, es habe nichts. Es wird erzählt, daß es sich fortbegab. Als die Fischer kamen, hatte das Meerschweinchen ein großes Feuer angemacht und die Fische in einem Augenblick gebraten. Als die Fischer weggingen, hatte das Gras angefangen zu brennen. Es wird erzählt, daß die Jaguare angesprungen kamen, als sie das Feuer sahen, und daß sie Wasser zum Löschen desselben mitgebracht hatten. Als die Fischer wiederkamen, machten sie von den Feuerbränden, die sie mitgenommen hatten, Feuer an. Nachher waren sie wieder gegangen, und seitdem ist das Feuer nicht erloschen. Jetzt fehlt keinem Mataco das Feuer.
Die Frau, die sich mit den Hunden verheiratet hat.
Eine Frau hatte einen Sohn und eine Tochter. Der Sohn verheiratete sich mit der Tochter[36] und die Frau verheiratete sich mit den Hunden und verschwand. Mit den Hunden hatte sie fünf Kinder. Diese rodeten den Wald und säeten Kürbis. Als die Tochter im Walde war, kam sie zu der Rodung und wollte Kürbisse gegen Schmucksachen eintauschen. Sie antworteten, sie wären von demselben Stamme und wollten nicht Kürbisse gegen Schmucksachen tauschen, sondern sie schenkten ihr Kürbisse (Zapallo).
Die große Feuersbrunst.
Vor langer Zeit brannte alles, der ganze Chaco brannte. Die Mataco retteten sich unter dem hohen Schilf am Flußufer. Dort blieben sie sehr lange. Als sie herauskamen, war alles verbrannt. Dort war kein Quebracho, kein Algarrobo, kein einziger Baumstamm. Sie glaubten zuerst nicht, daß es dasselbe Land sei, als aber dieselben Pflanzen zu wachsen begannen, wie an den Plätzen, wo es gebrannt hatte, verstanden sie, daß es dasselbe Land war.
Der Maisraub.
Das Kugelgürteltier[37] bewachte die Maissamen. Ein Wildschwein war in die Äcker der Kugelgürteltiere gedrungen und stahl, da diese dem Wildschwein keinen Mais geben wollten, den Mais und die Kugelgürteltiere töteten das Wildschwein.
Der Sohn des Chuña.[38]
Die Kara-kara[39] und die Chuña hatten mit den schwarzen Geiern und den Flamingos gekämpft. Die Kara-kara-Vögel hatten mit Pfeilen, die Chuña mit Boleadoras, die schwarzen Geier und Flamingos mit Pfeilen gekämpft. Die schwarzen Geier und die Flamingos waren besiegt worden. Die schwarzen Geier waren ohne Haut am Kopf und die Flamingos ohne Haut an den Beinen entkommen. Kein Kara-kara oder Chuña war verwundet worden.
Ein Chuña hatte sich verheiraten wollen, die Frauen wollten ihn aber nicht, weil er so schmale, schwarze Beine hatte. Es wird erzählt, daß er einen Haufen Sperma auf dem Boden zurückgelassen hat.
Die Frauen der Chuña waren Früchte suchen gegangen und hatten das Sperma gefunden. Eine hatte es aufgegessen und wollte den anderen nichts davon abgeben. Es wird erzählt, daß sie nach drei Tagen schwanger war und nach weiteren drei Tagen ein Kind geboren hatte, aber noch wußte niemand, wer die Frau schwanger gemacht hatte. Nach zwei Tagen war der Knabe groß und niemand wußte, wer sein Vater war. Es wird erzählt, daß viele herbeikamen, um den Knaben zu sehen. Es wird erzählt, daß er weder von den Kara-kara-Vögeln noch von einem anderen Spielzeugbogen und Pfeile annehmen wollte. Sie versuchten, ihm Pfeile und Spielzeugbogen zu geben, er nahm sie aber nicht. Der Chuña war gekommen, um ihm Pfeile und Spielzeugbogen zu geben, und er nahm sie. Sie wußten nun, wer sein Vater war.
Als die Matacos und die Christen die Welt teilten.
Vor langer, langer Zeit gab es keine Christen, sondern alle, die Vorväter der Matacoindianer wie der Christen, lebten in einem Hause. In diesem war alles. Dort gab es Äxte und Werkzeug und Pferde und Vieh und schöne Kleider für die Frauen. Die Vorväter der Christen nahmen die Äxte, das Werkzeug, die Pferde, das Vieh und die schönen Kleider für die Frauen und gingen weg und ließen für die Matacos nur Tonkrüge, Hunde und andere schlechte Sachen zurück. Deshalb haben die Christen jetzt Äxte, Werkzeug, Pferde, Vieh, schöne Kleider für die Frauen und die Matacos sind arm und haben nur Tonkrüge, Caraguatátaschen und Hunde.
Diese moderne Sage hat hier eine große Verbreitung. Ich kenne sie z. B. auch vom Rio Parapiti, wo sie mir in etwas verschiedener Form von den Chanes erzählt wurde.
Der Fuchs und der Stier.
Es wird erzählt, der Fuchs habe den Stier eingeholt. Es wird erzählt, daß er Feuer vor den Stier getragen hat. Es wird erzählt, daß er gesagt hat, er wolle dem Stier die Steine abschneiden. Wiederum hatte er Feuer angemacht und den Stier verfolgt, indem er sagte, daß er dem Stier die Steine abschneiden wolle. Der Stier war zuletzt ermüdet, aber er hat ihm nichts abgeschnitten. Es wird gesagt, daß er gesagt hat: Warum soll ich ihn verfolgen, ich will ihm nichts abschneiden, und ließ die Füchse ärgerlich zurück. Die Füchse haben geweint, da sie hungrig waren. Sie gingen dann und suchten Tusca und Algarrobo.
Diese Sage ist beinahe unbegreiflich. Mit Steine abschneiden meint man wohl töten. Die Sage dürfte ganz modern sein.
Ehrenreich hat nachgewiesen, wie Sagen mit fremden Elementen aus Nordamerika nach Südamerika eingewandert sind. Boas und Bogoras haben früher den Zusammenhang zwischen den nordamerikanischen und den nordasiatischen Sagen dargetan.
Von den hier von den Matacos angeführten Sagen ist besonders eine, die von diesem Gesichtspunkte aus von Interesse ist. Es ist die von dem Sohn des Chuña. Die eigentümliche Zeugung sowie die Art der Erforschung der Vaterschaft stimmt besonders mit der Osttupi-Variation[40] dieser Sage überein. Auch dort wurde der als Vater betrachtet, von dem der Knabe Pfeil und Bogen annahm.
Ehrenreich[41] hat gezeigt, wie diese Sage, besonders die peruanische Variation, auf ganz merkwürdige Weise mit einer von Bastian aus Siam aufgezeichneten Sage übereinstimmt.
Möglicherweise zeigt uns das Vorkommen der Sage bei den Matacos den Weg, den sie von Peru zu den Osttupis in Brasilien gewandert ist. Wie sie von Siam nach Peru gekommen ist, ist eine Frage, die Ehrenreich offen läßt. Es ist wohl eine für künftige Ethnologen hart zu knackende Nuß.
Sollte mich etwas Besonderes nach dem Rio Pilcomayo zurücklocken, so wäre es das Studium der religiösen Vorstellungen dieser Indianer. Es gibt viel, was sie mir nicht haben mitteilen wollen. Was ist beispielsweise der oben von mir beschriebene mystische Gesang bei der Zubereitung des Tuscabieres anders als eine religiöse Zeremonie. Des Nachts hörte ich zuweilen in den Hütten Gesang zum Takte der Klappern. Als ich hineinging, wurde alles still. In aller Freundschaft hatte man mir die Tür gewiesen. Warum setzten sie auf die elende Tontrommel, ein mit Wasser zur Hälfte angefülltes Tongefäß, über welches ein Fell gespannt ist, einen so großen Wert, wenn sie nicht heilig wäre? Die Matacos wollten die Trommel nicht hergeben, denn dann stirbt einer. Wie von Rosen, ist es auch mir gelungen, von den Chorotis eine solche Trommel zu erhalten, von den Matacos ist es unmöglich. Es scheint mir, als ob bei den verschlossenen Matacoindianern[42] das Religiöse eine größere Rolle spielt, als bei den heiteren, sorglosen Chorotiindianern. Will man die Religion dieser Indianer studieren, so muß man sehr lange bei ihnen verweilen und alle Gedanken an eine Expedition zur Heimführung großer Sammlungen aufgeben. Weiterhin in diesem Buche werde ich die religiösen Begriffe eines anderen höherstehenden Indianerstammes, die ich zu verstehen glaube, schildern. Wie interessant wäre es gewesen, Vergleiche mit den niedrigerstehenden anstellen zu können.
[34] Chorisia.
[35] Alle Überschriften der Sagen sind von mir erfunden, um den Inhalt ungefähr wiederzugeben.
[36] Eigentümlicherweise werden in den Indianersagen, wie wir finden werden, nicht selten Geschwisterehen erwähnt, obschon solche nie bei den Indianern vorkommen. Wir werden weiterhin mit einigen ähnlichen Fällen Bekanntschaft machen. Es ist kaum denkbar, daß diese Sagen so weit zurückgehen, daß sie aus einer Zeit stammen, wo die Geschwisterehe erlaubt war.
[37] Tolypeutes conurus.
[38] Dicholophus Burmeisteri.
[39] Polyporus vulgaris.
[40] Ehrenreich, Die Mythen usw. S. 62.
[41] Ehrenreich, Die Mythen usw. S. 94.
[42] Pelleschi gibt uns einen ganz guten Einblick in die religiösen Vorstellungen einiger Matacoindianer. Eight months in the Gran Chaco. London 1886.