Wie die Choroti- und Ashluslaykinder, langweilen sich die Kinder der Chanés und Chiriguanos selten, wie diese sind es artige und gute Kinder. Auf den Spielplätzen in den Dörfern geht es in der Regel sehr munter zu. Dies gilt für die Heiden. Die Kinder, die in die Hände der Mönche geraten sind, sehen düster und verschlossen aus, sie haben schon etwas von dem zu kosten bekommen, was die Kinder des weißen Mannes lernen, Erziehung und beginnende Zivilisation. „Du sollst ...“ „Du sollst nicht ...“
Die Spiele und Spielzeuge sind vom anthropo-geographischen Gesichtspunkte aus von großem Interesse. Eine Mehrzahl von ihnen finden wir nicht außerhalb des Chaco und der angrenzenden Gegenden in Südamerika. Dagegen finden wir sie in Nordamerika. Infolgedessen habe ich den Schluß gezogen,[71] daß die Spiele und Spielsachen Überbleibsel aus einer Zeit sind, in der der kulturelle Austausch zwischen Nord- und Südamerika größer als jetzt war, oder richtiger, daß Spuren eines von Norden ausgehenden Kulturstromes bis nach Argentinien hinunter gegangen sind. Eine merkwürdige Ähnlichkeit herrscht auch zwischen den Typen von Tabakspfeifen, die man im südlichen Südamerika und in Nordamerika trifft. Die Dreifußkeramik, die ich bei meinen Ausgrabungen im östlichen Bolivia, in Mojos, gefunden habe, deutet auch auf Einflüsse von Norden.
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A =
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„mou-mou“. ⅙. Chané. Rio Parapiti.
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B =
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brummender Kreisel. ²⁄₉. Chiriguano. Caipipendi.
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C, C1 =
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Reifen mit Peitsche. Chané. Rio Itiyuro.
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D =
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Musikbogen. ¼. Chané. Rio Parapiti.
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Alltagskleidung.
In den Dörfern, wo der Einfluß der Weißen nicht die alten Trachten verdrängt hat, tragen die Chané- und Chiriguanofrauen ein sackförmiges Kleidungsstück, „tiru“ (Abb. 106). Dieses kann, wie aus den Photographien ersichtlich, auf verschiedene Weise getragen werden. Früher scheint der Tiru nicht die jetzige Form gehabt zu haben. Viedma[72] sagt, die Chiriguanofrauen hatten nur ein Stück Zeug um die Hüften. Sicher hat sich die Tracht unter dem Einfluß der „moralischen“ Christen so entwickelt, daß sie „anständiger“ geworden ist.
Von einheimischen Schmucksachen sieht man Halsketten aus Türkis- und Chrysocolperlen und aus schwarzen Körnern.
Nach eigenen Angaben finden die Indianer die Steinperlen in der Erde, wo alte Wohnplätze und Gräber sind. Die Mestizen im Tarijatal, die in ihren Feldern eine große Menge dieser Perlen finden, verkaufen sie den Chiriguanos und Chanés zu hohen Preisen. Früher wurde eine Halskette aus diesen Perlen mit einem Pferd bezahlt.
Das Haar tragen die Chané- und Chiriguanofrauen halblang, mitten auf der Stirn gescheitelt und manchmal im Nacken oder auf dem Kopf mit einem Band zusammengebunden.
A u. B = Männer. C u. D = Frauen.
Die Männer tragen jetzt alle die europäische Tracht. Bei der Arbeit sieht man sie jedoch nicht selten nur in einem die Geschlechtsteile schützenden Stück Zeug. Bei den Chanés am Rio Parapiti waren Mäntel gleich denen, die wir von den Chorotis und Ashluslays kennen gelernt haben, sehr gewöhnlich. Die älteren Männer, sowie auch die jüngeren in den Chiriguanodörfern am oberen Rio Pilcomayo, tragen das Haar lang, um den Kopf gewunden und von einem in der Regel roten oder blauen Band zusammengehalten. Nach vorn ist das Haar abgeschnitten, sie haben also Stirnlocken und eine Locke vor jedem Ohr. Es greift jedoch immer mehr die Sitte um sich, das Haar kurz zu schneiden, um ebenso fein zu sein, wie die Weißen. An den Füßen tragen sie, wenn sie auf steinigem oder dornigem Boden wandern, wie die Frauen, Sandalen.
Diese Indianer malen sich alltags nicht oft. Zuweilen sieht man eine Frau, die sich das Gesicht rot gemalt hat. Die Weißen behaupten, es bedeute, sie sei heiratslustig, oder, wenn sie verheiratet ist, lüstern. Ich wage jedoch nicht zu sagen, daß dies wahr ist. Einen roten Strich hier und da ins Gesicht malen sich die Frauen auch alltags, oder sie kleben ganz einfach eine Blume an jede Wange. Die Männer bemalen auch manchmal das Gesicht und den Körper rot. Als große Seltenheit habe ich ein paar Chiriguanofrauen gesehen, die auf dem Arm tätowiert waren (Abb. 108). Im Caipipendital haben die Chiriguanofrauen die abscheuliche Sitte, ihre sonst weißen und gesunden Zähne zu schwärzen. Viedma erzählt, daß die Chiriguanomänner ihre Zähne blau zu malen pflegten.
Reinlichkeit.
Die Chanés und Chiriguanos sind sehr reinlich. Sie beginnen, wie schon erwähnt, den Morgen mit einem Bad, und baden dann oft mehrmals im Laufe des Tages. Diese Reinlichkeit ist bei Stämmen, die oft in Gegenden wohnen, wo, wie z. B. im Chipipendital, großer Wassermangel herrscht, merkwürdig. In der Trockenzeit können sie dort niemals ein Bad nehmen, wenigstens die Frauen waschen aber ihren Körper jeden Morgen gründlich ab.
Der Gegensatz, der sich hier in dem Reinlichkeitseifer der verschiedenen Stämme zeigt, läßt sich, meiner Ansicht nach, durch ihre Wanderungen erklären. Die Chorotis, Ashluslays und Matacos, welche sich noch teilweise in Pelzmäntel kleiden, scheinen mir, wie die Feuerländer und Patagonier, aus den kalten Pampas im Süden, wo ein Waschen höchst unangenehm war, nach dem Chaco eingewandert zu sein, während die Chiriguanos und Chanés vom Norden, aus den feuchtwarmen Urwäldern, von den großen Flüssen kommen, wo das Baden immer schön und erfrischend war. Nun, wo sie unter denselben klimatischen Verhältnissen leben, haben die ersteren ihren Schmutz, die letzteren ihre Reinlichkeit bewahrt.
A. von den Chanés. B, C, D von den Chiriguanos.
Im Thurn[73] berichtet, daß die Indianer in Guayana sofort nach dem Essen baden, ohne daß ihnen dies schlecht bekommt. Dasselbe habe ich hier oft beobachtet.
Den Kopf schampunieren die Chiriguanos und verschiedene Chanés mit den Samen von „nyantéra“, die sie mahlen. Zu demselben Zweck benutzen die Chanés am Rio Parapiti die Rinde des Mistol, „yúag“. Auch die Nägel, und nicht zum wenigsten die Zehennägel, werden sauber gepflegt. Zum Kämmen wenden sie in Holz geschnittene oder aus Rohrstäbchen zusammengebundene Kämme an.
Ihre Bedürfnisse verrichten die Chanés und Chiriguanos niemals ganz nahe den Hütten. Besondere Abtritte habe ich aber niemals bei irgend welchen Indianern, und auch nicht bei vielen Weißen in Bolivia, gesehen.
Die Chanés und Chiriguanos gehen mit ihren Kleidern sehr sorgfältig um. Sie halten sie rein und flicken sie, wenn es nötig ist. Jedes Geschlecht wäscht und flickt seine Sachen selbst. Der Mann näht hier vollkommen ebenso gut wie die Frau.
Ich habe hier von dem Alltagsleben bei diesen Indianern gesprochen. Nun will ich die wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben, in ihrem Gemeinwesen, ihre Feste, ihre Industrie usw. schildern, um zuletzt zu ihren Sagen und ihrer Religion überzugehen.
[57] Annua de la Compañia de Jesus. — Tucuman y Perú — 1596. Relaciones geográficas de Indias. Madrid 1885. Tomo II. S. CIV.
[58] Viedma: l. c.
[59] Die Frauen fischen in der Regel in seichtem, die Männer in tiefem Wasser.
[60] Nehmen manchmal an der Zubereitung der Jagdbeute teil.
[61] Bei den Chanés am Rio Parapiti.
[62] Am Rio Parapiti sammelten die Chanéfrauen das Material zu dem Dache, d. h. langes Gras.
[63] Nur bei Maringay.
[64] Unbedeutend, eigentlich nur am Rio Parapiti.
[65] Schon Viedma erwähnt diese Tracht, S. 181.
[66] Vgl. Erland Nordenskiöld: Zeitschr. f. Ethn., 1910, H. 3 u. 4.
[67] Längster Abstand zwischen Daumen und kleinem Finger.
[68] Erbauliche und angenehme Geschichten. Wien 1729. S. 55.
[69] d’Orbigny: Voyage. Partie historique. Tome 2, S. 594–595.
[70] Gumilla: El Orinoco Ilustrado. Madrid 1745. S. 190.
[71] S. auch Erland Nordenskiöld: Zeitschr. f. Ethnologie, 1910. H. 3 u. 4.
[72] Viedma, l. c. S. 181.
[73] Im Thurn: Among the indians of Guiana. London 1883.