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Indianerleben

Chapter 59: Sage und Religion.
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About This Book

A detailed ethnographic account records life among several indigenous peoples of the Gran Chaco, combining chaptered field descriptions of houses, family and communal organization, subsistence, gendered division of labor, and material culture with examinations of ritual specialists, ceremonies, myths, and oral sagas. It surveys artistic techniques, tools, games, and trade, and discusses conflict, alliances, and contact with settlers and missionaries. Scattered anecdotes and translated legends illustrate cosmologies and moral ideas while systematic comparisons highlight regional differences in social institutions and daily practices.

Siebzehntes Kapitel.
Aus dem Leben der Chané- und Chiriguanoindianer (Forts.).

Sage und Religion.

Es war einmal ein alter Indianer, der des Abends am Feuer in der Hütte zu sitzen und von alten Tagen, von Tieren, Menschen und Geistern zu erzählen pflegte. Lauschend sammelte sich die Jugend um ihn. Der Alte erzählte und erzählte. Mit Mund, Augen, Händen und Füßen erzählte er.

Einer der Jungen nach dem anderen verließ gleichwohl bald den Kreis der Lauschenden und legte sich schlafen. Zuletzt saß der Alte allein am erlöschenden Feuer und erzählte sich selbst von den Abenteuern des Fuchsgottes und des Gürteltiergottes.

Dieser Alte steht vor mir als der Vertreter alter Traditionen, einer Kultur, die verschwindet. Die Jungen hören ein Weilchen zu, bald wird es ihnen aber zu viel. Sie haben neue Interessen. Sie haben angefangen, mit in dem großen Tanz zu tanzen, den die Christen Zivilisation nennen, wo meistens um das goldene Kalb getanzt wird.

Ich habe auch als Lauscher dort gesessen und mir die Sagen erklären lassen. Ich glaube, die Alten hatten mich gern, weil ich ein so großes Interesse für ihre alten Erinnerungen gezeigt habe. Wenn ich sie nun wiedergebe, hoffe ich, daß der Leser mit mir und meinen alten Freunden Nachsicht haben wird, mit mir, weil ich nicht so gut zu erzählen vermag wie die Alten, und mit den Alten, weil sie alles lieben, was ein wenig frivol ist.

Die Sagen geben uns einen Einblick in die Vorstellungen des Indianers vom Leben im Jenseits und von den Geistern. Teils durch sie und teils durch die Erklärungen, welche mir die Indianer gegeben haben, können wir ihre Religion verstehen. Wir werden hier von dem Weltuntergang und dem Raub des Feuers, vom Besuch im Totenreich und vor allem von den Abenteuern der Geister hören, wir werden davon hören, wie sie einander und die Menschen betrogen, hören von ihren Kämpfen und Lastern.

Morallehre ist in diesen Sagen sehr wenig enthalten. Die in demselben Handelnden sind oft „tunpa“, d. h. sie besitzen übermenschliche Kräfte, das ist alles.

Infolge der Berührung mit den Weißen sind die Sagen nicht frei von fremden Elementen. Die meisten sind jedoch rein indianisch.

1. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers.

Erzählt von dem Chanéindianer Batirayu vom Rio Parapiti.

Es war einmal in alten Tagen ein sehr armer Mann, der in den Wäldern umherirrte und keinen festen Wohnsitz hatte. Wenn er in die Dörfer kam, jagte man ihn fort und hetzte die Hunde auf ihn. Als der Mann sah, daß man ihn in keinem Dorfe wohnen lassen wollte, machte er sich eine Hütte, „tocay“.[92] Dort kamen allerlei schöne Vögel zur Hütte, und die meisten wurden bald so zahm, daß er sie fangen konnte. Der Mann dachte: „Gehe ich mit diesen prächtigen Vögeln in ein Dorf, so nimmt man mich vielleicht auf.“ Er nahm nun die Vögel und ging in die Dörfer. Alle fanden die Vögel schön, nirgends wollte man ihn aber wohnen lassen. Der Mann ging nach seiner Hütte zurück. Eines Tages kam Añatunpa[93] in Gestalt eines schönen Vogels zu ihm. Was ist das für ein merkwürdiger Vogel, dachte der Mann. Añatunpa sagte, er sei gekommen, um ihm zu helfen, und gab ihm ein Paar Flügel.

„Wenn du in ein Dorf kommst, sollst du die Flügel bewegen und dann donnert es,“ sagte Añatunpa. „Wollen sie dich trotzdem nicht wohnen lassen, so erhebe die Flügel.“

Der Mann ging in ein Dorf, wo ein großes Trinkgelage stattfand. Man wollte ihn nicht aufnehmen. Er bewegte die Flügel und es donnerte. Man glaubte, die Medizinmänner seien es, die donnerten, und kümmerte sich nicht um ihn. Wieder bewegte er die Flügel und es donnerte. Man glaubte immer noch, es seien die Medizinmänner, die donnerten, und kümmerte sich nicht um ihn. Als er endlich sah, daß man ihn nicht wohnen lassen wollte, sondern ihn fortjagte, erhob er die Flügel, die er verborgen hatte. Da kam ein Sturm, der riß alle fort, außer zwei Knaben und einem Mädchen.

Diese, die nun allein waren, wollten kochen, aber sie hatten kein Feuer. Sie hatten Kürbis und Mais, konnten sie aber nicht rösten. Da kam ein alter Mann, die Sonne, mit einem Feuerbrand zu ihnen. Er röstete einen Kürbis und aß ihn, als er aber fort ging, nahm er das Feuer wieder mit. Er wollte ihnen nichts davon abgeben. Als der Alte das nächste Mal kam, beschlossen sie, ihm das Feuer zu stehlen. Als er an dem mitgebrachten Feuerbrand einen Kürbis röstete, schlug einer der Knaben mit einem Knüttel darauf, so daß die Glut umhersprühte. Der Alte sammelte sie schnell auf. Einen ganz kleinen Funken fanden sie gleichwohl unter einem halben Kürbis, der auf der Erde gelegen hatte. Sie machten nun Feuer an. Huapi (der Webervogel?) sagte zu ihnen, sie sollten das Feuer gut aufbewahren, so daß es niemals ausgehe. Er sagte ihnen auch, sie sollten, wenn das Feuer erlösche, mit dem „Tatay“[94] Feuer reiben.

Der jüngere Bruder nahm nun seine Schwester zur Frau. Der ältere hatte keine Frau. Sie legten einen Kürbis in eine kleine Hängematte und wiegten sie. Der Kürbis wuchs zu einem Mädchen, das bald zu einer Frau emporwuchs. Diese nahm der ältere Bruder zur Frau. Von diesen beiden Paaren stammen alle Chanés.

2. Der Weltuntergang und der Raub des Feuers.

Erzählt von dem Chanéhäuptling Vocapoy.

Ein Jüngling hatte sich in den Wald begeben und in einer Lache das Bild eines schönen Mädchens gesehen, dem er folgte. Er blieb eine lange Zeit bei ihr, einen Monat, und seine Mutter glaubte schon, er sei tot, und schnitt sich die Haare ab. Sie glaubte, er wäre von einer Schlange gebissen worden oder dergleichen. Eines Tages kam der Sohn jedoch nach Hause und erzählte, daß er ein hübsches Mädchen gefunden, mit dem er sich verheiratet habe. Die Mutter sagte ihm da, er solle sie holen, und braute eine Masse Maisbier, um ihre Ankunft zu feiern.

Der Jüngling kam mit seiner Frau, und sie war hübsch und wohlgekleidet. Während des Festes verwandelte sie sich und wurde sehr häßlich. Hierüber machte die Schwägerin eine Bemerkung, und sie wurde böse und verließ sie und ging dahin zurück, woher sie gekommen war, indem sie erklärte, sie werde sich rächen. Sie sagte jedoch, man solle erst einen Knaben und ein Mädchen in ein großes Tongefäß setzen. Ein Bruder und eine Schwester wurden zusammen mit den Samen von Mais, Kürbis und Bohnen in ein Tongefäß gesetzt und der Krug gut zugedeckt. Als dies geschehen war, begann es fürchterlich zu regnen, und Häuser und alles wurde mit Wasser bedeckt. Der Krug floß jedoch oben. Alle Menschen und Tiere ertranken in dem steigenden Wasser. Lange floß das Tongefäß umher und der Knabe und das Mädchen begannen schon groß zu werden. Das Wasser sank dann, als sie aber aussteigen wollten, war der Boden noch sumpfig, und sie mußten warten, bis er getrocknet war.

Als sie aus dem Tongefäß kamen, säeten sie von den mitgehabten Samen Mais, Kürbis und Bohnen. Diese reiften in einem halben Monat. Sie hatten kein Feuer. In einiger Entfernung sahen sie Feuer. Es war „Tosté“,[95] ein Watvogel, der an den Flußufern schreit, der Feuer hatte. Als sie sich dem Feuer näherten, verschwand es jedoch weiterhin.

Der Frosch versprach, ihnen Feuer zu rauben. Er hüpfte zu Tostés Lagerfeuer und setzte sich, vor Kälte bebend, daran, um sich zu wärmen. Von Zeit zu Zeit scharrte er die Glut näher zu sich hin, gleichsam um sich besser zu wärmen, und als niemand es sah, stopfte er einen kleinen Feuerbrand in den Mund und hüpfte davon.

Zu dem Knaben und dem Mädchen hingekommen, machte er Feuer an, und seitdem haben die Chanéindianer Feuer. Die Schwester und der Bruder, die nun groß geworden waren, verheirateten sich, und sie wurde schwanger. Sie bauten sich eine Hütte. Das Mädchen bekam Kinder. Als diese Kinder groß waren, verheirateten sie sich miteinander. Von ihren Kindern stammen alle Chanés. Von den Kindern des ältesten Knaben stammen die Häuptlinge her.

Es kann ja eigentümlich erscheinen, daß ich zwei ganz verschiedene Sagen gefunden habe, die denselben Stoff bei demselben Volk behandeln. Dies ist dadurch zu erklären, daß die Chanés ein zersprengter Stamm sind, der keine eigene, selbständige Kultur mehr hat.

Die erstgenannte Version ist wahrscheinlich ihre eigene, während sie die andere von den Chiriguanos geliehen haben. Domenico del Campana[96] erwähnt, daß diese letzteren eine Flußsage haben, in welcher zwei Kinder auf ähnliche Weise in einem Tongefäß gerettet werden.

Die Chorotis und die Matacos berichten, daß die Welt durch Feuer, die Chanés am Rio Parapiti, daß sie durch Sturm und die Chiriguanos und Chanés am Rio Itiyuro, daß sie durch Wasser untergegangen sei.

Die erstgenannten leben auch in Gegenden, wo große Pampasbrände gewesen sind, am Rio Parapiti herrschen oft schwere Stürme und die Chiriguanos sind wahrscheinlich aus Gegenden gekommen, wo große Überschwemmungen gewöhnlich sind.

Daß diese Weltuntergangsagen innig mit der Natur des Landes, in dem sie entstanden sind, zusammenhängen, ist, wie Ehrenreich[97], Im Thurn[98] u. a. gezeigt haben, sicher. Ehrenreich sagt, eine solche anthropomorphe Auffassung der Sonne, wie hier in der ersten Sage, sei in Südamerika selten.

Besuche in Aguararenta (dem Dorfe der Füchse).

Batirayu erzählte mir folgendes über den Glauben der Chanéindianer vom Leben im Jenseits und dem Totenreiche. Aguararenta (aguara = Fuchs, tenta = Dorf) ist ein Dorf, wo die Toten, aña, wohnen. Es liegt im Osten. Des Nachts sind die Toten dort in Menschengestalt, am Tage gehen sie als Füchse, Ratten und andere Tiere umher oder gehen in einen Baumstamm. Jede Nacht sind in Aguararenta große Trinkgelage. Alle Chanés, Kinder, Frauen und Männer, kommen dorthin. Auch Verhexer (ipáyepótchi) und Mörder kommen nach dem genannten Dorf. Niemand wird im Totenreich der Chanés bestraft.

Auch Lebende haben Aguararenta besucht und erzählt, was sie dort gesehen haben. Ein paar solche Erzählungen will ich hier wiedergeben. Sie geben uns einen guten Einblick in die Vorstellungen der Indianer vom Jenseits.

Das Mädchen, das seinem Mann nach Aguararenta folgte.

Erzählt von einem Chanéindianer in Aguarati (weißer Fuchs) am Rio Parapiti.

Ein Mädchen wollte sich mit einem Mann verheiraten, aber er starb. Sie hatte ihn sehr gern gehabt. Am Morgen, am Tage nach seinem Tode, während es noch finster war, stand sie vor dem Hause ihrer Eltern und stieß in den Mörser. Da kam jemand und erfaßte den Mörserstab.

„Wer bist du?“ fragte sie.

„Ich bin es,“ sagte er. Es war ihr toter Mann. „Willst du mitkommen?“

„Ja“, sagte sie, da sie ihn sehr liebte.

Er begab sich nun fort in der Richtung, wo die Sonne aufgeht. Sein Gesicht war verhüllt, damit niemand es sähe. Sie ging hinter ihm her. Sie gingen durch den Wald, sie gingen über die Pampas und wieder durch den Wald. Am Tage schlief er und des Nachts war er wach.

Als der Vater seine Tochter vermißte, ging er, um sie zu suchen. Er folgte ihren Spuren. Vor diesen ging eine Fuchsspur. „Aña hat meine Tochter genommen“, sagte der Vater. Zuletzt fand er sie tot am Wege. Er machte sie jedoch wieder lebendig und brachte sie nach Hause. Als sie über die Pampas gingen, sahen sie einen Fuchs umherstreifen. Am folgenden Tage starb sie. Der Vater weinte. Da kam der weiße Kondor „Ururuti“ und sagte, er solle nicht klagen. Ururuti nahm ihn auf den Rücken und flog mit ihm nach Aguararenta.

In Aguararenta schlief man am Tage und war wach des Nachts. Als der Vater dorthin kam, trank man Maisbier. Ururuti brachte ihn nach dem Hause seines Schwiegersohnes. Er redete seine Tochter an, sie antwortete ihm aber nicht. Sie sah nicht wie ein Mensch aus. Wieder redete er sie an, er bekam aber keine Antwort. Er ging nun zu Ururuti, der ihn nach Hause brachte. Weder er noch seine Frau beweinten die tote Tochter.

Am folgenden Tage starb der Vater.

Version 2. Erzählt von Batirayu. Es war eine Frau, deren Mann gestorben war. In der Nacht kam er zu ihr in der Gestalt eines Mannes und schlief bei ihr. Er bat sie, mit ihm nach seinem Dorfe Aguararenta zu kommen. Sie folgte ihm. Als sie unweit des Dorfes kamen, hörten sie Gesang und Tanz. Sie ging mit ihrem Mann nach dem Marktplatz, wo ein großes Trinkgelage stattfand. Sie sah dort viele Tote, die sie kannte. Die Toten hatten jedoch Angst vor ihr und hielten sich fern von ihr. Sie blieb dort, bis es Morgen wurde. Da verschwanden alle Hütten, und sie befand sich auf einer Ebene voller Fuchsspuren. Ihr Mann verwandelte sich in eine Ratte (angúya). Sie blieb dort den ganzen Tag, auf dem Stamm einer Algarrobo sitzend. Als es finster wurde, kamen die Menschen wieder und es fand dort ein großes Trinkgelage statt. Am Morgen sagten die Toten: „chéahata húirasécuera (ich gehe als Baumstamm), chéahata augúyara (ich gehe als Ratte), chéahata kárakárara (ich gehe als Geier), chéahata águarára (ich gehe als Fuchs), chéahata ándirára (ich gehe als Fledermaus)“ usw. Sie kehrte nach Hause zurück. Ihr Mann sagte, er werde kommen, um sie zu holen. Nach drei Tagen war sie tot. Sie war ihrem Mann nach Aguararenta gefolgt.

Der Chiriguanohäuptling Maringay erzählte mir von einem Mann, der am Wege eingeschlafen war. In der Nacht kam seine tote Frau zu ihm, und er schlief bei ihr. Als er erwachte, war sie verschwunden. Er nahm das im Schlaf Erlebte als Wirklichkeit an. Bei den Chanés und Chiriguanos ist der Glaube an ein jenseitiges Leben, wie bei anderen Indianern, auf Träume gegründet. Sie treffen im Traume einen Toten, sie besuchen im Traume das Totenreich. Es ist indessen unrichtig zu sagen, daß die Indianer an ein Leben im Jenseits glauben. Er weiß, daß es ein solches gibt, denn Lebende haben die Toten gesehen, haben mit ihnen der Liebe gepflogen, haben Maisbier mit ihnen getrunken, haben sie sich in Füchse, Ratten, Baumstämme usw. verwandeln sehen.

Geister- und Tiersagen.

„Die Toten sind aña“, sagte Batirayu. Unter diesen gibt es mehrere, die Tunpa (am besten mit groß zu übersetzen) sind und übermenschliche Kräfte besitzen.

Der Größte unter den Añatunpas ist Yamándutunpa. Andere der Großen sind Mariutunpa und Tipaytunpa. Chiquéritunpa, der in einigen der hier wiedergegebenen Sagen auftritt, ist der, der den Donner hervorbringt. Chiquéritunpa heult des Nachts, wenn es Krieg gibt. Diese Añatunpa greifen in das Leben der Menschen ein, besonders die Zauberer stehen mit ihnen in Verbindung. So erzählte Batirayu, daß die Añatunpa des Nachts zu Tsuhuandico, einem großen, jetzt verstorbenen Zauberer, kamen und mit ihm Maisbier tranken. Sie sagten ihm, wenn es regnet, wenn jemand krank wird, ob eine Mißernte eintritt usw. Batirayu berichtete auch, daß Angúya, ein Verwandter des Aringui, der letzte große Häuptling, den Añatunpa Tabak anzubieten pflegte, wenn sie bei Tsuhuandico waren. Die Añatunpas tranken nur ganz wenig Maisbier. Wenn sie kamen, sah man sie nicht, man hörte aber gleichsam das Klingen von Sporen.

Diese Zauberer haben eine ungeheuere Macht, sie können verhexen, denn Krankheit und Tod haben ihren Grund in Verhexung. Unter den Chanés ist Tambápui der größte Zauberer. Er ist der Enkel des Tsuhuandico und Sohn des Yapandáy, der ebenfalls ein großer „ipáye“ war.

In den Sagen treten Yamándutunpa, Mariutunpa und Tipaytunpa niemals auf. Dort spielen Aguaratunpa (der Fuchsgott) und Tatutunpa (der Gürteltiergott) die größte Rolle. Aguaratunpa hat Tembeta (s. S. 211). Sie haben menschliche Leidenschaften, und besonders die Geschichte des Fuchsgottes ist eine Schilderung von allerlei Kniffen und Verbrechen. Der Gürteltiergott ist etwas besser und steht auch höher.

Vocapoy erzählte mir, er habe einen alten Mann gekannt, der in den Bergen einen Tunpa gesehen habe. Er war eine Handbreit groß und wohlgekleidet. Das Wasser rann von seinem Körper.

Tafel 20. Sagenerzähler. Chané. Rio Parapiti..

Batirayu glaubte steif und fest an die Existenz der Añas und Añatunpas, an ihre Verbindung mit den Zauberern und an deren Macht. Daß Aguararenta existiert, davon war er fest überzeugt. Der Wahrheitstreue der Sagen von den Abenteuern und Erlebnissen der Aguaratunpas und Tatutunpas, die ich hier unten wiedergeben will, stand er skeptisch gegenüber.

In der Religion dieser Indianer existiert somit zuerst ein Kern von Wahrheit, an den sie glauben. Hierzu kommen die Abenteuer und Taten, die sie am Lagerfeuer von den Geistern erzählen und die wenigstens die Intelligenteren, die Denkenden unter ihnen, selbst als Sagen auffassen.

Diese Sagen will ich hier unten wiedergeben.

Der Begriff eines großen, allmächtigen Gottes ist den Chanés fremd. Jetzt wissen sie indessen alle direkt oder indirekt etwas vom Christentum, wodurch die Vorstellung an einen großen Gott einzudringen beginnt. Vocapoy, der kein Christ war, erzählte mir einmal, die Chanés glaubten an einen großen Gott, Tunpa.

Batirayu sagte, er glaube nicht an einen Gott, wie ihn die Christen beschreiben. Er wunderte sich, daß die Christen die Armen bedrückten und so viele Schlechtigkeiten begingen, da sie doch lehrten, daß die Sünder mit der Hölle bestraft werden. „Wie kann man wissen, wie es im Himmel aussieht, da niemand, der dort gewesen, zur Erde zurückgekommen ist“, sagte Batirayu.

„Und so sagen sie, daß wir Flügel bekommen sollen“, sagte er und lachte höhnisch.

Den Missionaren nach glauben die Chanés an ein höchstes Wesen,[99] Tunpahétte-vae, den wirklichen Gott. Der Name klingt schon verdächtig. Ich stehe der Annahme, daß dieser ursprünglich ist, sehr skeptisch gegenüber. Als ich mit den Missionaren über die Religion der Indianer sprach, erstaunte ich über ihre Unwissenheit. Sie verachten die Vorstellungen der Indianer und halten es nicht der Mühe wert, sie näher kennen zu lernen. Es gelingt ihnen niemals, sich von der katholischen Vorstellung zu befreien, daß die Indianer, die, wie wir, von Adam und Eva herstammen und zu denen San Thomas gepredigt hat, nichts von ihrem „ursprünglichen Glauben“ wissen.

Zwei der Tunpas, die hier in den Sagen auftreten, haben Tiernamen, Aguaratunpa (Fuchsgott) und Tatutunpa (Gürteltiergott). In den Sagen finden wir einen intimen Zusammenhang zwischen Menschen und Tieren.

Batirayu sagte: „Alle Tiere sind Menschen gewesen.“

Die Erschaffung der Welt, wie der Fuchsgott, Aguaratunpa, den Algarrobobaum fand und wie er den weißen Kondor, Ururuti, fing.

Erzählt von zwei Chanéindianern am Rio Parapiti.

Es wird erzählt, daß im Anfang ein Tunpa war. Er machte die Erde mit dem Himmel und alle Sterne, die Sonne und den Mond. Es wird erzählt, daß diese Erde nichts trug, daß sie ganz kahl war. Tunpa setzte da allerlei Früchte hinein, um die Armen zu speisen, wie die Caraguatá und die Mangára. Es wird erzählt, daß dort eine Algarrobo war, die Mutter aller Bäume. An diesem Baum waren allerlei Früchte. Dieser Baum hat sich in der ganzen Welt vermehrt. Hierauf kam Tunpa, nahm den Mutterbaum mit und ließ die Sprößlinge hier. Es wird erzählt, daß Tunpa die Voreltern von uns und auch die Voreltern der Weißen geschaffen hat. Den Avas[100] und Chanés gab Tunpa einen Holzspaten und einen langen geschnitzten Stock, „carúmpa“ genannt, Pfeil und Bogen, ein Schaf, eine Ziege, ein Huhn und einen Hund, damit sie alle diese Tiere vermehren und damit sie sich mit diesen Werkzeugen ernähren. Den Weißen gab er Gewehre, ein Pferd, eine Stute und eine Kuh und alle möglichen Werkzeuge aus Eisen, damit sie mit diesen arbeiten.[101]

Es wird erzählt, daß die kleine Viscacha,[102] „Tacumbocumba“, diese Bäume, die vom Mutterbaum zurückblieben, beaufsichtige. Sie hatte diese Bäume sehr gut beaufsichtigt, keinen einzigen Samen hatte sie fortführen lassen. Sie hatte die Blüten gekostet, sie aber bitter gefunden, bis sie Frucht gaben. Als sie reif waren, säete sie die Samen. Als diese wieder gereift waren, säete sie diese wieder. Im folgenden Jahre hatten sie alle reife Frucht gegeben.

Aguaratunpa war zum Hause der Tacumbocumba gekommen. Diese war eine alte Frau. Sie bot Aguaratunpa von diesen Früchten, die sie bewacht hatte, und er fand sie sehr gut. Er fragte, wie sie heißen. Sie erwiderte, diese Früchte heißen „mä“.

Als sie ihm die Früchte anbot, setzte sie sich neben Aguaratunpa, damit er kein einziges Samenkorn mitnehme. Aguaratunpa verbarg in einem hohlen Zahne eines der kleinsten Samenkörner. Als er zu essen aufgehört hatte, reichte ihm die Alte Wasser zum Mundausspülen, damit kein einziges Samenkorn zurückbleibe. Mit dem Finger untersuchte sie Aguaratunpas Mund, konnte aber kein einziges Korn finden. Wieder fragte Aguaratunpa die Frau, wie der Baum heiße, und nahm Abschied. Den Namen des Baumes nennend, setzte er seinen Weg fort. Nicht weit davon fiel Aguaratunpa, vergaß den Namen des Baumes und kehrte zu der Alten zurück, um zu fragen. Darauf setzte er seinen Weg fort. Wieder fiel er, wieder vergaß er den Namen, und wieder kam er zu der Alten zurück, um zu fragen. Da sagte sie: „Du hast etwas Samen mitgenommen, und so untersuchte sie noch einmal seinen Mund, konnte aber nichts finden. Hierauf ging Aguaratunpa weiter, bis er zu einer offenen Ebene kam. Dort säete er den Algarrobosamen, den er mithatte. Dann zog er weit umher. Nach einigen Jahren kam er zurück und fand schon eine große Algarrobopflanze vor. Wieder zog er weit umher. Als er zurückkam, blühte die Algarrobo. Er nahm eine Blüte und kaute sie. Sie war bitter. Wieder zog Aguaratunpa in die Welt hinaus. Als er zu seiner Algarrobo zurückkam, fand er sie voll reifer Früchte. Er nahm eine auf, die auf die Erde gefallen war, und kostete sie. Sie war süß und gut. Er suchte nun nach jemand, der den Baum für ihn bewachen wollte. Er fragte zuerst einen Käfer, „Nyákira“, dieser wollte aber nicht. Dann fragte er „Húiran“, einen kleinen schwarzen Vogel, der wollte aber auch nicht. Nun fragte er einen anderen Käfer, „Tikitikiru“,[103] und dieser versprach ihm, den Baum zu bewachen. Kommt jemand, der von deiner Algarrobo Früchte stehlen will, so will ich singen: „Tikitikiru, tikitikiru, ko mä séramátata, tiki, tiki“, sagte er. Aguaratunpa war nicht weit gegangen, da hörte er: „Tikitikiru, tikitikiru, ko mä séramátata, tiki, tiki.“ Aguaratunpa eilte zurück. „Hier sind (Tuáta) der Floh, (Yatéu) die Zecke und (Isáu) die Blattschneideameise gewesen und die haben Früchte von deiner Algarrobo gestohlen“, sagte Tikitikiru. Die Zecke hatte ein großes Tragnetz mitgehabt, um die Früchte zu tragen, und die Blattschneideameise war auf den Baum geklettert, um sie abzubeißen. Aguaratunpa eilte ihnen nach. Zuerst erreichte er die Ameise. Er trat auf ihre Mitte. Darum sind alle Ameisen so schmal um den Leib. Dann nahm er die Zecke auf und trat mitten auf sie, so daß sie ganz platt wurde. Zuletzt bekam er den Floh und trat auf ihn, glitt aber aus, so daß er ihn seitwärts drückte. Darum sind alle Flöhe klein und zusammengedrückt. Tikitikiru überließ nun Aguaratunpa die Algarrobo, damit er sie selbst bewache. Er spannte seine Hängematte auf und legte sich zur Ruhe. An einem Zweig sah er noch eine Frucht, die die Diebe zurückgelassen hatten. Aguaratunpa rief nun den Wind herbei, und der schüttelte den Zweig, an welchem die Algarrobofrucht saß, so daß sie herunterfiel. Die Frucht fiel Aguaratunpa mitten ins Auge. Der Fuchsgott war nun tot.

Bald kamen alle Geier, um von Aguaratunpa zu essen. Sie schickten den Kolibri „Chinu“, um ihren großen Häuptling, den weißen Kondor, „Ururuti“, zu holen, damit dieser von Aguaratunpa esse.

„Hütet euch, er ist nicht tot, er stellt sich nur tot, um unsern großen Häuptling zu fangen,“ sagte einer der Geier, „Kara-kara“.

„Gewiß ist er tot“, sagte die Fliege „Mbéru“ und kroch unter dem Schwanz des Fuchsgottes hinein und aus einem Nasenloch heraus, durch das andere hinein und so unter dem Schwanz wieder heraus.

„Er ist nicht tot“, sagte Kara-kara.

„Er ist tot“, sagte die Fliege und legte Eier in Aguaratunpas Augen, so daß sie voller Würmer waren. Als der weiße Kondor kam, näherte er sich Aguaratunpa, um zu essen.

„Hüte dich, er ist nicht tot“, sagte der Geier.

„Er ist tot“, sagte die Fliege und kroch wieder unter Aguaratunpas Schwanz hinein und durch das eine Nasenloch heraus, durch das andere hinein und dann unter dem Schwanze wieder heraus.

Der weiße Kondor begann nun von Aguaratunpa zu essen. Dieser fuhr nun auf, nahm ihn gefangen und band ihn mit einer Kette von Silber.

„Eine Herde Pferde will ich dir geben, wenn du mir die Freiheit schenkst“, sagte der weiße Kondor.

„Ich habe so viele Pferde, daß ich nicht mehr brauche“, sagte Aguaratunpa.

„Ich will dir große Felder geben, wenn du mir die Freiheit schenkst“, sagte der weiße Kondor.

„Ich habe so viele Felder, daß ich nicht mehr brauche“, sagte Aguaratunpa.

„Ich will dir meine beiden Töchter zu Frauen geben und ein Haus, in dem du wohnen kannst, wenn du mir die Freiheit schenkst“, sagte der weiße Kondor.

„Ich brauche deine Töchter nicht, denn ich habe in allen Dörfern Frauen“, sagte Aguaratunpa.

„Ich will ein ganzes Haus mit silbernen Schalen, ‚cagua‘, füllen und es dir geben, wenn du mir die Freiheit schenkst“, sagte der weiße Kondor.

„Ich habe so viel Silber, wie ich brauche,“ sagte Aguaratunpa, „und ich habe dich gefangen, um dich zu töten. Kannst du mir aber den weißen Gummiball, ‚toki‘, schenken, damit ich damit spielen kann, so will ich dir die Freiheit schenken“, sagte Aguaratunpa.

An eine lange silberne Kette gebunden, flog Ururuti, um den weißen Gummiball zu holen. Als Aguaratunpa ihn bekam, schenkte er dem weißen Kondor die Freiheit. Der Strauß, „Yándu“, und die Fledermaus, „Andira“, spielten Ball. Der eine warf den Ball, fing ihn mit dem Kopf auf und stieß ihn dem anderen zu, der ihn wieder mit dem Kopfe auffing und zurückstieß (vgl. S. 193). Als der Ball durch die Luft flog, fing der weiße Kondor ihn auf und verschwand. Aguaratunpa schickte nun einen Vogel, „Tavatan“, um den schwarzen Gummiball zu holen, und das ganze Dorf spielte. Mit dem Strauß spielte Aguaratunpa. Mitten im Spiel tauschte er den Ball gegen einen Stein aus und warf ihn. Der Strauß fing ihn mit dem Kopf und fiel tot nieder. Als er wieder lebendig wurde, hatte er einen plattgedrückten Kopf, wie jetzt alle Strauße. Mit dem schwarzen Gummiball verschwand die Fledermaus.

Nun ist die Geschichte aus.

Abb. 127. Tongefäß. Chiriguano. Caipipendi. ⅓.

Tatutunpas und Aguaratunpas Verheiratung.

Sage, erzählt von dem Chanéindianer Agilera am Rio Parapiti.

Es wird erzählt, dort war einmal ein großer Häuptling, Chiquéri, und dort waren auch Tatutunpa und Aguaratunpa. Sie lebten alle weit, weit fort von hier. Am weitesten wohnte der große Häuptling. Dieser hatte Tatutunpa kommen lassen, um ihm seine Tochter zur Frau zu geben. Tatutunpa kannte viele Künste und Aguaratunpa kannte auch viele Künste.

Tatutunpa machte sich auf den Weg. Er ging ganz langsam und wartete an vielen Stellen. Wo er Feuer anmachte, wuchs hohes Gras. Zwei bis drei Tage, nachdem Tatutunpa sein Haus verlassen hatte, kam Aguaratunpa und fragte, wohin Tatutunpa gegangen sei. Man sagte ihm, Tatutunpa sei zu dem großen Häuptling gegangen. Aguaratunpa folgte ihm nun und traf ihn nicht weit davon. Bevor sie ankamen, fanden sie eine Pflanze namens „ihuahuasu“[104] am Wege. Aguaratunpa sagte zu Tatutunpa, er solle die Früchte abpflücken, damit sie sie essen könnten. Er ging in den Wald unter die Pflanze. Bevor noch Tatutunpa eine der Früchte hatte berühren können, schüttelte Aguaratunpa die Pflanze, so daß alle Früchte auf Tatutunpa fielen. Dieser, der jung und hübsch war, wurde nun einäugig und alt. Nun war Aguaratunpa der jüngere und schönere von beiden. Sie setzten nun ihren Weg zu dem großen Häuptling fort. Tatutunpa hatte eine Halskette, die Aguaratunpa ihm, bevor sie ankamen, abgelockt hatte.

Der große Häuptling glaubte, Tatutunpa, der alt und häßlich war, sei Aguaratunpa und dieser Tatutunpa. Er gab dem ersteren seine schönste Tochter zur Frau und dem letzteren gab er eine seiner allerhäßlichsten, die auch einäugig, wie er, war.

Aguaratunpa begann zu arbeiten, um den Acker zu roden und zu säen. Während er arbeitete, band er sein langes Haar auf. Als er von der Arbeit kam, war er ganz schmutzig. Tatutunpa tat nichts. Er lag den ganzen Tag neben seiner Frau und flötete auf einer runden Holzpfeife (Abb. 80). Als seine Schwiegermutter sah, daß er nicht arbeitete, sagte sie: „Dieser Mann denkt gar nicht an seine Familie.“

Da er dies hörte und wußte, daß Aguaratunpa schon viel gearbeitet hatte, fragte er seine Frau, ob ihr Vater keinen alten Acker habe, den er bebauen könne. Die Schwiegermutter sagte da zu ihrer Tochter: „Warum fragt jener Mann nach einem Acker, er, der so faul ist. Besser wäre es, wenn Aguaratunpa, der arbeitet, danach fragte.“

Tatutunpa ging mit seinem Stock und seiner Frau nach dem alten Acker des Häuptlings. Er ging auf den großen, wüsten Acker, grub ein wenig Erde auf, hob einen Erdklumpen auf und warf ihn in die Luft. Der Erdklumpen fiel zur Erde und zerbröckelte in viele Stücke. „Diese Erde ist nichts wert“, sagte er und fragte seine Frau, ob nicht irgendwo eine große Ebene sei, die er bebauen könnte. Sie sagte, es gäbe eine große Ebene. Sie begaben sich dorthin und gingen mitten auf die Ebene. Tatutunpa grub ein wenig Erde auf, warf wieder einen Erdklumpen in die Luft, dieser ging aber nicht entzwei, sondern fiel ganz nieder. Er sagte zu seiner Frau, diese Erde lasse sich sehr gut bearbeiten. Sie gingen nach Hause.

Am anderen Morgen begab sich der alte Tatutunpa mit seinem Spaten nach der Ebene, wo er ein wenig gegraben hatte, und steckte ihn in den Boden. In ganz kurzer Zeit wurde die ganze große Ebene ganz allein von dem Spaten gereinigt. Tatutunpa rief nun den Wind herbei, der mit großer Stärke kam und alles schlechte Zeug wegblies. Nur das Allerfeinste war stehen geblieben. Hierauf rief er den Wirbelwind, der den Acker ganz frei fegte. Tatutunpa bat die Papageien um Samen, sie kamen aber mit untauglichen Samenkörnern, die alle entzwei waren. Als er sah, daß diese Samen nichts taugten, bat er die Enten und Tauben und die ganz kleinen Tauben, sie möchten mit allerlei Samen kommen, und diese taten es auch. Sie säeten sogar selbst. Als die Saat beendet war, begab sich Tatutunpa auf dem Wege, der nach seinem Hause führte, heim. Er war noch nicht weit gekommen, da drehte er sich um, um nach seinem Acker zu sehen. Er sah, daß die Pflanzen schon zu keimen begannen. Wieder ging er ein Stück und wendete sich wieder um, um nach seinem Acker zu sehen. Die Pflanzen waren schon groß. Wieder ging er weiter und drehte sich wieder um. Da fand er seinen Acker schon in Blüte. In der Nähe seines Hauses wandte sich Tatutunpa wieder um, um nach seinem Acker zu sehen, und fand, daß alles, was er gesäet hatte, schon reife Früchte trug.

Bei Aguaratunpa, der so fleißig gearbeitet hatte, war noch nichts reif oder in Blüte.

Am folgenden Tage sagte Tatutunpa zu seiner Frau: „Wir wollen gehen, um nach unserem Acker zu sehen. Sie gingen nach dem Acker und die Frau sah, daß alle Früchte reif waren. Tatutunpa gebot ihr, ein Feuer anzumachen, um Mais und alle anderen Früchte zu rösten. Er sagte ihr, sie solle einen Maiskolben, zwei Bohnen und einen Kürbis ausgraben, aber nicht mehr. Nicht einmal dies vermochten sie aufzuessen.

Danach gingen sie nach Hause und sagten zu der Alten, sie solle mit ihnen kommen und alles abernten, was sie zu essen wünsche. Die Alte glaubte ihnen nicht, sondern glaubte, sie hätten gestohlen. Sie konnte nicht glauben, daß sie etwas zu ernten hätten, da sie nicht gearbeitet hatten. „Ich gehe lieber zu meiner anderen Tochter, die fleißig gearbeitet hat“, sagte die Alte.

Aguaratunpa begab sich nun zu Tatutunpas Acker und stahl Kürbisse, die er nach seiner Anpflanzung brachte. Mit Stäbchen und Dornen befestigte er die Kürbisse an den halbgewachsenen Kürbisstengeln. In der Dämmerung kehrte er heim und sagte zu seiner Frau, sie solle ihre Mutter bitten, in seinem Acker Kürbisse zu ernten. Die Tochter ging zu ihrer Mutter und sagte: „Wir wollen nach dem Acker gehen, um Kürbisse zu holen.“ Vergnügt machte die Alte sich auf den Weg, denn sie hatte gesehen, daß sie viel gearbeitet hatten, und sie glaubte ihrer Tochter. Sie gingen, fanden aber nicht mehr Kürbisse, als wie sie in einer Getreideschwinge einernten konnten.

Am folgenden Tage bat wieder Tatutunpas Frau ihre Mutter, mit aufs Feld zu kommen. Die Alte glaubte ihr gar nicht, als aber der Alte, ihr Mann, sah, daß sie so hartnäckig waren, befahl er ihr, zu gehen. Ärgerlich machte sich die Alte auf den Weg. Tatutunpa ging vor ihr, auf seiner Pfeife flötend. Als sie auf den Acker kamen, sah die Alte, daß er voll von allerlei Früchten, Mais, Kürbissen, Bohnen und Kalebassen war. Die Alte wurde richtig vergnügt, sie konnte ihre Freude kaum mäßigen.

Als sie nach dem Ackerrain kam, sah sie eine gewaltige Kalebasse und sagte zu ihrer Tochter, diese wünsche sie für sich. Während sie plauderten, fiel die Kalebasse auf die Alte, diese fiel hin und konnte sich infolge der schweren Kalebasse, die sie drückte, kaum bewegen. Die Tochter kam ihr zu Hilfe und versuchte die Kalebasse zu heben, sie vermochte es aber nicht. Sie rief ihrem Manne zu, er solle kommen und ihr helfen. Dieser blieb jedoch eine lange Weile fort, und erst als die Alte dem Tode nahe war, kam er, hob die Kalebasse auf und setzte sie wieder an ihrem alten Platze fest. Die halbtote Alte hob er auf.

Als sie sich nach einem Weilchen erholt hatte, sahen sie sich weiter den Acker an. Die Alte wollte einen Maiskolben abbrechen. Tatutunpa sagte ihr, sie solle seinen Acker schonen und nur den Kolben abbrechen. Sie erntete nun zwei Maiskolben und zwei von allen anderen Früchten, ohne etwas zu zerstören. Alles, was sie abgeerntet hatte, setzte sofort wieder reife Früchte an. Mit den Früchten beladen, ging sie nach Hause. Sie erzählte ihrem Manne, daß Tatutunpa schon einen großen Acker habe. „Das ist somit der Tatutunpa, den wir haben kommen lassen“, sagte der Alte. „Aguaratunpa hat uns betrogen.“

Am folgenden Tag sagte Tatutunpa zu seiner Frau: „Wir wollen nach unserem Acker gehen.“ Sie gingen dorthin. Er grub nun ein Loch, in welchem er ein Feuer machte. Als das Loch richtig warm, richtig rot war, nahm er eine sehr große Kalebasse und kroch in dieselbe hinein. Er bat seine Frau, die Kalebasse zuzustopfen, in die warme Grube zu legen und die Kalebasse, wenn er pfeife, umzudrehen, damit er hinaus könne. Die Frau tat so, wie er gesagt hatte. Als er pfiff, drehte sie die Kalebasse um und Tatutunpa kam heraus, schön und jung, mit allen seinen alten Schmucksachen geschmückt.

Nach einem Weilchen wärmte Tatutunpa die Grube wieder und seine Frau kroch in die Kalebasse. Er bedeckte diese und warf sie in die Grube. Als sie pfiff, drehte er die Kalebasse um. Jung und schön kam sie aus derselben.

Sie kehrten nach Hause zurück und nahmen ein Quebrachostäbchen mit, um damit Feuer anzumachen. Als sie nach Hause kamen, war die Alte mit dem Brauen von Maisbier beschäftigt.

„In dieser Nacht wird es sehr kalt und deshalb habe ich dieses Stäbchen mitgenommen, damit wir etwas haben, woran wir uns wärmen können“, sagte Tatutunpa. Aguaratunpa hatte viel „Tartago“-Holz mit nach Hause genommen, es reichte aber nicht die ganze Nacht. Mitten in der Nacht war das Holz zu Ende. Er ging zur Feuerstätte seiner Schwiegermutter, die beim Maisbierkochen war. Als die Alte sah, daß ein Fuchs sich zu ihrem Feuer schlich, steckte sie ein Stück Holz in Aguaratunpas Hinteren. Mit dem Holz im Hinteren sprang er davon, für immer in einen Fuchs verwandelt.

Die Entstehung der Arbeit.

Erzählt von dem Chanéindianer Batirayu.

Tatutunpa hatte einen Zauberspaten. Stellte man ihn des Abends in den Acker, so war der Acker am Morgen fertig gegraben. Aguaratunpa kam eines Tages in Gesellschaft seiner beiden Brüder zu Tatutunpa. „Wir wollen um deinen Spaten spielen“, sagte er. „Wenn es blitzt, wollen wir in den Blitz sehen, und derjenige, der nicht blinzelt, gewinnt den Spaten.“ Darauf ging Tatutunpa ein.

Aguaratunpa lieh sich nun die Augen der Heuschrecke „Tu-ku“, die keine Augenlider hat, Tatutunpa und Aguaratunpa setzten sich und stierten nach dem Himmel. Als es blitzte, blinzelte Tatutunpa, aber nicht Aguaratunpa, der die Augen der Heuschrecke hatte. Er hatte den Spaten gewonnen. Als er ging, nahm er gleichwohl nicht den Spaten, der selbst grub, mit, sondern einen gewöhnlichen hölzernen Spaten.

„Nehme ich den Spaten mit dem hohlen Stiel, so können auch die Faulen Mais bauen, mit dem hier aber muß man arbeiten, um Mais für seine Familie zu schaffen“, sagte Aguaratunpa zu seinen Brüdern.

Der Heuschrecke gab Aguaratunpa die geliehenen Augen zurück.

Wie Aguaratunpa seinen Bruder nach dem Himmelsgewölbe schickte.

Erzählt von dem Chanéindianer Batirayu.

Aguaratunpa lebte mit seinem Bruder zusammen. In einem Korb hatte er zwei kleine Papageien. Eines Tages flogen sie nach einem Acker, wo sie Mais aßen. Als sie nach Hause kamen, hatte der eine Maismehl um den Schnabel: „Woher hast du das?“ fragte Aguaratunpa. „Von einem Acker weit hinten, wo die Sonne untergeht“, sagten die Papageien.

Am folgenden Tag schickte Aguaratunpa die Papageien fort. Wohin sie flogen, dahin folgte er ihnen. Als er hinkam, brach er Mais ab. Da kam der Besitzer des Ackers und sah, daß jemand Mais gestohlen hatte. Aguaratunpa verbarg sich, der Besitzer fand ihn aber, da er sich, als er den Mais abbrechen wollte, in Hände und Füße geschnitten und überall Blutspuren hinterlassen hatte.

Der Besitzer sagte zu Aguaratunpa: „Warum hast du mir Mais gestohlen, hättest du mich darum gebeten, hätte ich ihn dir gegeben.“ Er brach viele Maiskolben ab und belud Aguaratunpa damit, der sie nach Hause brachte. Er legte sie neben die Tür.

Als er am folgenden Morgen erwachte, hatte der kleine Haufen sich in einen großen verwandelt, der bis an das Dach reichte.

Aguaratunpas Bruder fragte ihn, woher er den Mais habe. „Es ist weit weg,“ sagte Aguaratunpa. „Es gibt keinen Weg, und du kannst nicht hinfinden.“

Der Bruder machte sich aber doch auf den Weg und kam an den Acker, wo er „anday“[105] fand, von dem er aß. Dieser war vergiftet, und er starb. Tot fand Aguaratunpa ihn. Er sagte, er wolle ihn wieder lebendig machen. Aguaratunpa nahm eine Pflanze, „ihuahuasu“. Mit dieser schlug er ihn. Er sprang über ihn, erst gerade über den Körper, dann vom Kopf bis zum Schwanz.

Der Bruder wurde wieder lebendig und sagte: „Ich habe lange geschlafen.“ — „Du hast nicht geschlafen, du bist tot gewesen“, sagte Aguaratunpa. Dieser schickte den Bruder zum Himmel.[106] Wenn es donnert, dann geht der Bruder Aguaratunpas spazieren.

Über den Sohn von Tatutunpa und wie er seine Mutter gerettet hat.

Erzählt von dem Chiriguanoindianer Yambási am Rio Grande.

In einem Hause war ein Mädchen Inómu, das niemals einen Mann gehabt hatte. Vor dem Hause war ein großes Trinkgelage. Dort waren Aguaratunpa, Tatutunpa und Dyori. Die Eltern des Mädchens nahmen sie mit und setzten sie da auf den Boden, wo man mit Maisbiertrinken beschäftigt war. Aguaratunpa fand, daß Inómu sehr hübsch sei. Das fand auch Tatutunpa. „Ich werde das Mädchen schwanger machen“, sagte er und begann zu graben. Aguaratunpa stellte sich davor. Tatutunpa grub sich in die Erde und unter dem Mädchen hinauf.[107] Als Tatutunpa geendet hatte, kroch er wieder heraus und erzählte Aguaratunpa, was er getan.

„Ich will auch versuchen“, sagte Aguaratunpa und kroch in den Gang hinein. Er war nicht weit gekommen, da blieb er stecken. Tatutunpa packte ihn am Schwanz und zog ihn heraus.

Als das Mädchen nach Hause kam, rief ein Vogel „Araqua“, daß sie schwanger sei. Am folgenden Tage wurde sie groß. Sie war hochschwanger. Ihre Mutter war erbittert. Sie sagte, sie wolle weit fort zum Vater gehen und gebären. Inómu ging zur Höhle Tatutunpas und warf das Kind hinein, ohne ihm Milch zu geben. Das Kind schrie täglich, und die Mutter sah nach ihm, wenn sie aber kam, kroch es in die Höhle. Eines Tages kam „Yahuéte“, der Jaguar mit zwei Köpfen, von denen der eine trocken war, riß ihr die Augen aus und führte sie lebend fort.

Der Großvater ging nun aus, um den kleinen Tatutunpa zu fangen, indem er ein Netz vor die Höhle legte, in welchem dieser sich fing. Er führte ihn nach Hause. Dort wuchs er schnell und begann groß zu werden. Er wurde mit Honig großgezogen. Eine Tages verlangte der kleine Tatutunpa Pfeil und Bogen. Der Großvater machte ihm einen Pfeil mit einer stumpfen Spitze aus Wachs. Mit dem ging er aus und jagte. Wenn er den Stamm traf, fielen alle Tauben tot herunter. Es war eine große Masse. Als Tatutunpa nach Hause kam, fragte der Großvater, wie er so viele Tauben habe töten können, und da erzählte er, wie es zugegangen war. Auf dieselbe Weise tötete er viele Vögel. Eines Tages sah er fünf Araquavögel auf einem Baum. Tatutunpa schoß nach dem Baum, aber nur vier fielen herunter. Der fünfte sagte: „Du tätest besser, deine Mutter zu suchen, als Vögel zu schießen.“

Als Tatutunpa nach Hause kam, bat er den Großvater, ihm eine Keule aus „Huirapucu“[108] zu schaffen. Er schlug mit ihr gegen einen dicken Baumstamm, mußte aber zweimal schlagen, um den Stamm abzubekommen. Tatutunpa sagte da zu dem Großvater, sie tauge nichts, und verlangte eine Keule aus „Urundey“.[109] Er schlug mit ihr gegen einen dicken Baumstamm und schlug den Stamm mit einem Schlage ab. „Diese ist gut“, sagte Tatutunpa.

In Begleitung Dyoris machte sich Tatutunpa auf den Weg. Auf dem Wege tötete er einen Tapir. Dyori[110] teilte ihn in vier Teile und fraß ihn auf. Sogar das Blut leckte er vom Boden auf.

Tatutunpa fand die Mutter blind im Walde. Sie bat ihn, die Jaguare zu töten, die sie gefangen hielten. „Sie kommen zur Tränke, um zu trinken“, sagte sie.

Tatutunpa machte sich einen kleinen Schuppen, in welchem er sich verborgen hielt. Dyori versteckte sich hinter ihm. Zuerst kam „Embaracaya“[111] mit ihrer Beute. Mit einem Schlage zertrümmerte Tatutunpa ihren Kopf und warf sie und ihre Beute Dyori hin, der alles auffraß. Auf dieselbe Weise tötete er „Yahuapinta“[112] und die anderen Katzentiere. Er warf sie Dyori hin, der sie alle auffraß. Zuletzt kam Yahuéte, der zwei Köpfe hatte. Er bat Inómu um Wasser. Yahuéte trug einen Tapir, den er getötet hatte. Inómu wies ihn zur Tränke.

„Nein, gib mir hier Wasser, es hält sich jemand an der Quelle verborgen“, sagte Yahuéte.

„Nein, es ist niemand da, und wie soll ich, die ich blind bin, Wasser holen können, ich falle ja“, sagte Inómu.

Yahuéte ging zur Tränke. Als er dorthin kam, schlug Tatutunpa mit der Keule, um ihn zu töten, traf aber nur den trocknen Kopf und Yahuéte sprang davon. Tatutunpa folgte ihm. Als Yahuéte sich verfolgt sah, verbarg er sich unter dem „tiru“ (S. 200 erwähnte Frauentracht) des Mondes.

„Wo ist Yahuéte?“ fragte Tatutunpa.

„Das weiß ich nicht“, antwortete die Frau (d. h. der Mond). Das war die erste Lüge.

„Er ist unter deiner ‚tiru‘ verborgen“, sagte Tatutunpa und ging weiter.

Der Mond rief ihm da nach. „Yahuéte frißt mich auf.“

Tatutunpa ging zurück, um ihm zu helfen. Er sagte da, es sei nicht wahr. Tatutunpa ging wieder weiter. Er rief nun wieder: „Yahuéte frißt mich auf.“ Als Tatutunpa zurückkam, sagte er, es sei unwahr. Tatutunpa ging wieder weiter. Wieder rief der Mond, Yahuéte wolle ihn auffressen. Tatutunpa kehrte aber nicht mehr zurück. Nun war Yahuéte wirklich im Begriff, ihn zu fressen.

Als Tatutunpa zu seiner Mutter zurückkehrte, sagte er, er werde dafür sorgen, daß sie wieder sehen könne. Aus Taubenschmutz und Ton machte er Augen und setzte sie in ihre leeren Augenhöhlen. Inómu rieb sich die Augen, öffnete sie und konnte wieder sehen. Tatutunpa führte nun seine Mutter nach Hause.

Batirayu hat mir dieselbe Sage mit einer langen Einleitung erzählt, die in Yambásis Erzählung fehlt. Diese Einleitung will ich hier wiedergeben.

Es war einmal ein großes Trinkgelage. Dort waren viele Vögel versammelt. Der Häuptling befahl Aguaratunpa, ein Mädchen Inómu, die in einem Nachbardorfe war, zu holen, damit sie auch mit ihnen trinke. Aguaratunpa ging. Als er ins Haus des Mädchens kam, traf er ihren Vater.

„Guten Tag, Onkel“, sagte Aguaratunpa.

„Setze dich“, sagte der Vater.

„Nein, ich bin gekommen, um meine Nichte zu holen,“ sagte Aguaratunpa. Er fragte nun, ob das Mädchen mit ihm gehen wolle, was es bejahte. Das Mädchen machte sich fein, nahm seine Halskette um, zog seinen besten „tiru“ an und folgte Aguaratunpa.

Als sie eine Strecke Weges gegangen waren, sagte das Mädchen: „Warum soll ich mit dir gehen, der du so häßlich bist“, und so kehrte sie um. Als Aguaratunpa ankam, fragte der Häuptling ihn, wie es gegangen sei. Er erzählte nun, daß das Mädchen umgekehrt sei.

„Urapua“ (der schwarze Aasgeier) erbot sich, das Mädchen zu holen. Urapua machte sich auf den Weg. Als er ins Haus des Mädchens kam, sagte er:

„Guten Tag, Onkel.“

„Nimm Platz“, sagte der Vater.

„Nein, ich bin gekommen, um meine Nichte zu holen, sie soll mir helfen Maisbier zu trinken“, sagte Urapua. Er fragte das Mädchen, ob es mitgehen wolle. Sie erklärte sich einverstanden und machte sich in Ordnung. Als sie halbwegs gekommen waren, sagte das Mädchen: „Warum soll ich mit dir gehen, der du so häßlich bist.“ Sie kehrte nach Hause zurück.

Als Urapua ankam, fragte der Häuptling, wie es ihm ergangen sei. Er erzählte, das Mädchen sei umgekehrt.

„Tiu“ erbot sich zu gehen. Als er in das Haus des Mädchens kam, sagte er:

„Guten Tag, Onkel.“

„Nimm Platz“, sagte der Vater.

„Nein, ich bin gekommen, um meine Nichte zu holen, sie soll mir helfen Maisbier zu trinken“, sagte Tiu. Er fragte das Mädchen, ob es mitgehen wolle. Als sie ein gutes Stück Weges gekommen waren, sagte das Mädchen: „Warum soll ich mit dir gehen, der du so häßlich bist“, und so ging sie wieder nach Hause.

Da erbot sich „Choe“ zu gehen. Als er ankam, ging er direkt zum Mädchen und fragte sie, ob sie mit ihm kommen und ihm helfen wolle, Maisbier zu trinken. Das Mädchen gab ihm eine Kalebaßschale Maisbier und war bereit, ihm zu folgen. Sie gingen. Als sie ganz nahe dem Dorfe waren, wo ein großes Trinkgelage war, sagte das Mädchen, es wolle nicht mit ihm gehen, er habe so schwarze Beine, und kehrte um.

Als er ankam, fragte der Häuptling, wie es ihm ergangen sei. Er erzählte, daß das Mädchen umgekehrt sei. Alle die anderen Vögel versuchten, aber mit keinem wollte das Mädchen gehen. Zuletzt ging „Churincui“.

„Paß auf,“ sagte der Häuptling, „er bekommt bestimmt das Mädchen mit sich.“ Churincui ging direkt zu dem Mädchen und fragte es, ob es mit ihm gehen und ihm helfen wolle, Maisbier zu trinken. Das Mädchen war bereit und folgte ihm bis dahin und setzte sich zu den anderen Frauen.

Aguaratunpa ging erbost umher.

Der Häuptling fragte, ob jemand singen könne. Aguaratunpa kleidete sich in seinen „tirucumbai“ (Abb. 81) und machte sich zum Singen bereit, er konnte aber nicht mehr als „púhuaté, púhuaté“. Urapua kam nun hervor und wollte singen, er konnte aber nur „hú, hú“ sagen.

Da bat der Häuptling „Húiratucúhua“ zu singen und dieser sang:

„Huaté púhuatékos rárásé mánura lúhuaya chúshico ti, ti, ti, ti ...“

Dort war ein Mann, der mit seinem Bruder und allen den anderen Vögeln verfeindet war, der nicht am Trinkgelage teilnahm, sondern umherging und jagte.

Auf einem Baum saßen viele Papageien. Unter diesen war ein weißer Papagei. „Den will ich fangen“, sagte er und versuchte es, ihn mit einer Schlinge an einer Rute zu fangen, aber es gelang ihm nicht. Er zielte nun mit dem Bogen nach dem Papagei. Dieser fing zu sprechen an und sagte: „Warum willst du mich töten?“

Der Papagei lehrte ihn nun, wie er singen solle, und sagte ihm, wenn er mitten unter die käme, die trinken, solle er den Arm über den Kopf hochstrecken.

Er ging nun um diejenigen, die tranken, herum und sang. Dann ging er mitten unter sie und streckte den Arm hoch. Als er dies tat, wurden diejenigen, die standen, in Vögel, und die, die saßen, in Steine verwandelt, außer Inómu, Tatutunpa, Aguaratunpa und Teyuhuasu.

Tatutunpa, Aguaratunpa und Teyuhuasu saßen nicht mit den anderen zusammen, sondern standen in der Nähe. Tatutunpa sagte zu Aguaratunpa:

„Du sollst sehen, ich mache das Mädchen schwanger.[113] Wenn sie den Körper dreht, ist es geschehen.“ Er grub nun ein Loch in der Erde unter dem Mädchen ...

Die Fortsetzung von Batirayus Erzählung ist mit der Yambásis beinahe identisch.

In ihren Grundzügen scheint mir diese Sage echt indianisch zu sein. Es sind jedoch Elemente darin, die von den Weißen geliehen zu sein scheinen, nämlich die Geschichte von den Lügen des Mondes. Diese kommt in Batirayus Version der Sage nicht vor. Sie erinnert mich auch sehr an den Knaben, der um Hilfe zu rufen pflegte, ohne daß eine Gefahr vorhanden war. Als schließlich die Wölfe dabei waren, ihn aufzufressen, kümmerte sich keiner um ihn — eine Sage, die in Europa bekannt ist und die ich in Schweden als Kind gehört habe.

Ein Teil dieser Sage erinnert stark an eine von d’Orbigny[114] von den Yuracáreindianern wiedergegebene Sage. Dem Tatutunpa entspricht dort „Tiri“, der, um seine Mutter zu rächen, alle Katzentiere, außer dem Jaguar mit den vier Augen, der seine Zuflucht zum Monde nimmt, tötet. Früher standen die Chiriguanos und Chanés sicher in Verbindung mit den Yuracáreindianern. Als die Weißen das Land um Santa Cruz de la Sierra eroberten, zogen die Chiriguanos nach Süden und die Yuracáres nach Norden. Auf meiner letzten Reise habe ich auch die Yuracáreindianer besucht, die ich später in einem anderen Buche schildern werde.

Der Mann, der sich mit der Tochter des Donnergottes, Chiqueritunpa, verheiratete.

Erzählt vom Chanéhäuptling Bóyra.

Es waren einmal in alten Zeiten drei arme Männer, die keine Verwandten hatten. Sie waren sehr hungrig. Zwei von ihnen gingen, um etwas zum Essen zu suchen. Erst kamen sie in einen großen Wald, durch den ein Pfad ging. Nach drei Tagen kamen sie auf eine große Ebene. Mitten in der Ebene war ein Haus. Sie gingen um das Haus herum, fanden aber keinen Eingang. Schließlich kam aber eine Frau heraus, es war Chiquéritunpas Schwester. Sie bat sie, hineinzukommen. „Wir sind schmutzig“, sagten sie und wollten nicht hineingehen. Sie brachte dem einen Maisbier. Er trank vier Kalebaßschalen Maisbier aus. Sie brachte dem anderen Maisbier. Auch er trank vier Kalebaßschalen Maisbier aus. „Geht nun und badet euch,“ sagte sie, „und wascht euch den Kopf.“ Sie gab ihnen die Wurzel der „yúag“.[115]

Als sie gebadet und sich gewaschen hatten, kamen sie wieder. Sie gab ihnen Uruku, um sich zu bemalen. „Geht nun und ruht aus. Nachher sollt ihr Holz holen,“ sagte sie und gab ihnen eine Axt. Sie suchten überall in der Ebene, fanden aber kein Holz. „Habt ihr kein Holz gefunden?“ fragte die Frau.

„Nein“, sagten sie.

„Saht ihr dort keinen alten Mann? Er hat Holz. Gebt ihm einen Hieb mit der Axt“, sagte die Frau.

Sie gingen wieder auf die Ebene, um Holz zu suchen. Dort fanden sie den Alten, sie schämten sich aber, ihm einen Hieb mit der Axt zu geben, und kehrten zur Frau zurück.

„Habt ihr den Alten getroffen?“ sagte sie.

„Ja,“ antworteten sie, „aber wir schämten uns, ihn zu töten.“

„Haut den Alten, er ist Holz!“ sagte die Frau.

Sie gingen wieder auf die Ebene und fanden ihn. Sie gaben ihm einen Axthieb, und er verwandelte sich in Holz, das sie zur Stube trugen. Die Frau kochte. Dann spann sie Fäden.

„Warum seid ihr hierhergekommen?“ sagte sie.

„Wir suchten uns eine Mutter. Wir waren drei, aber einen haben wir zurückgelassen“, sagten sie.

„Warum habt ihr ihn nicht mitgenommen?“ sagte die Frau.

Sie ließ die Männer baden. Sie badeten und die Frau badete auch. Sie sahen, daß sie ein hübsches Weib war.

„Hier sollt ihr eine Hütte und eine Falle machen und Tauben fangen! Wenn die Tauben kommen, werden sie sich in Frauen verwandeln. Wenn diese baden, sollt ihr ihre Kleider nehmen und laufen!“ sagte die Frau. Eine Masse Tauben kamen und setzten sich auf die Bäume um den Sumpf. Unter ihnen war ihr großer Häuptling. Die Tauben flogen ans Ufer und verwandelten sich in Frauen und nahmen ihre Kleider (tiru) ab. Die Männer schlichen sich heran, jeder von ihnen nahm drei Kleider und lief davon. Die Frauen liefen ihnen nach. Der eine warf zwei Kleider fort und kam mit einem Kleid und einer der Frauen ins Haus. Der andere lief mit allen drei Kleidern. Die Frauen holten ihn ein und prügelten ihn ordentlich. Derjenige, der mit einem Kleid gekommen war, kam mit seiner Frau ins Haus.

„Legt euch schlafen!“ sagte die Schwester Chiquéritunpas.