Wir beginnen ein Weib zu lieben, indem wir bei ihr Stück für Stück unserer Seele niederlegen. Wir verdoppeln unsere Persönlichkeit, und die Geliebte, die bisher gleichgültig, neutral war, beginnt sich in unser anderes Ich zu kleiden, und sie wird unser Doppelgänger. Wenn es ihr einfällt, mit unserer Seele fortzugehen, ist der Schmerz darüber vielleicht der heftigste, den es gibt, nur vergleichbar mit dem der Mutter, die ihr Kind verloren hat. Ein leerer Raum entsteht, und wehe dem Mann, der nicht über die Kraft verfügt, seine Zweiteilung wieder zu beginnen und ein anderes Gefäss zum Füllen zu finden.
Die Liebe ist ein Akt, durch den der Mann sich selbst befruchtet, weil es der Mann ist, der liebt; es ist eine süsse Illusion, das er von seiner Frau geliebt wird, seinem zweiten Ich, seiner eigenen Schöpfung.
Zwischen liebenden Gatten offenbart sich oft das unsichtbare Band auf eine mediumartige Weise: man kann einander aus der Ferne rufen, die Gedanken des andern lesen, Suggestion auf einander ausüben. Man fühlt nicht mehr das Bedürfnis, mit einander zu sprechen; man freut sich über die blosse Gegenwart des geliebten Wesens; man wärmt sich an der Strahlung, die von der Seele des andern ausgeht. Wenn man getrennt ist, dehnt sich das Band: das Vermissen, die Sehnsucht wächst mit der Entfernung, kann das Band zerreissen und damit den Tod bringen.
Seit mehreren Jahren habe ich Aufzeichnungen über alle meine Träume gemacht, und ich bin zu der Überzeugung gekommen: dass der Mensch ein doppeltes Leben lebt, dass die Einbildungen, die Phantasien, die Träume eine Wirklichkeit besitzen. Wir sind alle geistige Schlafwandler und begehen im Traume Handlungen, die uns im wachen Zustande je nach ihrer Natur mit dem Gefühl der Befriedigung, dem bösen Gewissen, der Furcht vor den Folgen erfüllen. Und aus Gründen, die ich ein ander Mal darlegen will, glaube ich dass die sogenannte Verfolgungsmanie oft einen guten Grund hat, nämlich in der Gewissensqual nach schlechten Handlungen, die man im "Schlaf" begangen hat und von denen neblige Erinnerungen bei uns spuken.
Die Phantasien des Dichters, die beschränkte Seelen so verachten, sind Wirklichkeiten.
Und der Tod? fragt ihr.
Dem Mutigen, der nicht zu grossen Wert auf das Leben legt, hätte ich früher folgendes Experiment empfohlen, das ich mehrere Male wiederholt habe, nicht ohne unangenehme, aber jedenfalls ohne schwer heilbare Folgen.
Nachdem Türen, Fenster und Ofenklappen geschlossen sind, stelle ich eine geöffnete Flasche mit Cyankalium auf den Nachttisch und lege mich aufs Bett.
Die Kohlensäure der Luft macht in kurzem die Blausäure frei, und die bekannten physiologischen Erscheinungen geben sich zu erkennen. Ein gelindes Zusammenschnüren der Kehle, ein unbeschreiblicher Geschmack, den ich aus Analogie "blau" nennen möchte, Lähmung der Armmuskeln, Schmerzen im Magen.
Die tödliche Wirkung der Blausäure ist noch immer ein Geheimnis. Verschiedene Autoritäten geben verschiedene Wirkungsarten dieses Giftes an. Einer sagt: Gehirnlähmung; ein anderer: Herzlähmung; ein dritter: Erstickung als sekundäre Wirkung davon, dass das verlängerte Mark angegriffen wird, usw.
Da sich indessen die Wirkung augenblicklich zeigen kann, ehe ein Verzehren stattgefunden hat, muss sie vielmehr als ... seelisch betrachtet werden; wird doch die Blausäure in der Medizin als beruhigendes Mittel in sogenannten nervösen Krankheiten gebraucht.
Alles, was ich von dem Seelenzustand, der sich nun zeigt, sagen möchte, ist dies:
Es ist nicht ein langsames Erlöschen, es ist vielmehr eine Auflösung, in der das Angenehme die unbedeutenden Schmerzen überwiegt.
Der innere Sinn gewinnt an Klarheit, im Gegensatz zum Herannahen des Schlafes, der Wille herrscht, und ich kann das Experiment abbrechen, indem ich den Kork in die Flasche stecke, das Fenster öffne, Chlor oder Ammoniak einatme.
Nicht dass ich darauf bestehe, wenn aber der temporäre Todeszustand der Fakire durch einen Beweis bestätigt werden soll, würde das Experiment ohne Gefahr fortgesetzt werden können. Und im Fall eines Unglücks müsste man die verschiedenen Arten versuchen, mit denen man einen Scheintoten zum Leben zurückruft. Die Fakire wenden warme Umschläge auf den Gehirnhalbkugeln an; die Chinesen wärmen die Magengrube und rufen ein Niesen hervor. In seinem ausgezeichneten Buche "Le Positif et le Négatif" (Paris, Lemerre, 1890) erzählt Vial nach Trousseau und Pidoux: "Carrero erstickte und ertränkte 1825 eine grosse Anzahl Tiere, die er nachher ins Leben zurückrief, sogar lange nach ihrem Tode, indem er ihnen ganz einfach Nadeln ins Herz steckte." (Akupunktur.)
A. E. Badaire zitiert in "La Joie de mourir" (Paris, Chamuel. 194) mehrere bekannte Todesfälle, wie den des berühmten Richet, 1892, und den Hallers, bei welchen der Augenblick vor Eintritt des Todes unmöglich zu bestimmen war.
Chisac; ein Arzt in Montpellier, verdoppelt sich vor dem Tode, betrachtet sich als einen andern, stellt sich die Diagnose, fühlt sich den Puls und gibt Befehle. Darauf schliesst er die Augen, "um sie nicht mehr zu öffnen".
In "Inferno" habe ich von meinem Unglücksbruder, dem deutsch-amerikanischen Maler, erzählt, dessen Doppelgänger, der deutsch-amerikanische Arzt Francis Schlatter sein sollte. Jetzt ist der Augenblick gekommen, da ich genötigt bin, meinen Freund blosszustellen, in der einzigen Absicht, zur Erforschung des wahren Sachverhalts beizutragen.
Mein Freund hiess H.; gleichviel ob es sein wirklicher Name war oder ob er den angenommen hatte.
Nachdem ich im August 1897 nach Paris zurückgekehrt war, blätterte ich eines Tages in der Revue spirite von 1859. Da stiess ich auf einen Aufsatz mit der Überschrift: Mein Freund H.
Unter demselben Titel hatte ein Herr H. Lugner im Feuilleton des Journal des Debats vom 26. November 1858 eine Geschichte veröffentlicht, die er als tatsächlich hinstellt und der er selbst persönlich beigewohnt haben will, da er, wie er äussert, dem Helden dieses Abenteuers in Freundschaft verbunden war. Der Held war ein fünfundzwanzigjähriger junger Mann von untadeligen Sitten und unerschütterlicher Herzensgüte.
H. konnte nicht wach bleiben, sobald die Sonne untergegangen war. Eine unüberwindliche Mattigkeit beschlich ihn und er sank allmählich in einen festen Schlaf, den nichts abwenden konnte.
Kurz: H. lebte ein doppeltes Dasein; nachts war er in Melbourne als Verbrecher unter dem Namen William Parker tätig, der auch seiner Zeit hingerichtet wurde. Gleichzeitig fand man H. in Deutschland tot in seinem Bett.
Mag sie nun wahr oder nur eine Ausgeburt der Einbildung sein, diese Geschichte interessiert mich, weil der Name H. darin vorkommt und die Umstände auf eine offenbare Weise zusammenfallen.
Die Literatur der Gegenwart hat sich bereits mit der Erscheinung des Doppelgängers befasst: in dem bekannten Roman "Trilby" und in einem Stück von Pauls Lindau. Es wäre interessant zu wissen, ob die Verfasser nach der Natur gearbeitet haben oder nicht.
Wir kehren zu unserm Freund Martin zurück.
Nach einem langen Winter näherte sich der Frühling mit fehlgeschlagenen Hoffnungen. Der arme Doktor, der sich auf das Versprechen seiner Vorgesetzten verliess, das man ihn zum Dozenten berufen werde, erhielt einen schweren Stoss, als die Ernennung aufgeschoben wurde. Er musste bis zum Herbst warten, obwohl er wissenschaftliche Verdienste genug besass. Das war eine Schmach die ihn zur Verzweiflung brachte; indem er sein Pech verfluchte, stürzte er sich in Ausschweifungen, ohne jedoch sein Nüchternheitsgelübde zu brechen.
Genug, er ist Junggeselle, und eines Abends sucht er ein Mädchen, das einen Burschen sucht. Und er verlässt sie. Die Dirne war ihm unbekannt und wohnte in einem zweideutigen Viertel am Aussenrand der Stadt. Die Sache war durchaus nicht verwickelt, und er erwartete keine weiteren Folgen davon.
In der Dämmerung des nächsten Abends ist er in seinem Elternhaus mit seinen Arbeiten beschäftigt, als ein Lärm von draussen seine Aufmerksamkeit erregt.
Er öffnet das Fenster und gewahrt unten in seinem Garten eine Stiege Jungen zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren. Da nichts zum Stehlen da ist, kann er sich die Anwesenheit einer Menge Leute in diesem Ort und zu so ungeeigneter Stunde nicht erklären. Die Schlingel trampeln dort unten herum, ohne dass die Veranlassung zu erkennen wäre. Er glaubt einem Blendwerk ausgesetzt zu sein, aber da ruft ihn seine Mutter. Als er herunterkommt, wird er von seiner Mutter gebeten, hinauszugehen und sich nach den Absichten der Eindringlinge zu erkundigen.
Als er auf den Hof tritt, erblickt er ein junges Weib, das wie ein Spalier an der Wand steht. Er geht näher, um den Zusammenhang zu ermitteln, der nach der schlimmen Seite zu neigen scheint. Vor dem Weibe angelangt, erkennt er das Mädchen von gestern; da er das Opfer eines Erpressungsversuchs zu sein glaubt, ruft er wütend:
—Was haben Sie hier zu tun? Gehen sie Ihrer Wege!
Ohne ein Wort zu sagen, begibt sich das Mädchen zur Pforte, und ohne irgendwie zu zeigen, dass sie den erkannt hat, der mit ihr gesprochen hat. Sie war offenbar nicht gekommen, um ihn zu schikanieren.
Aber im selben Augenblick und in Gegenwart seiner Mutter stürzen die zwanzig Strassenjungen aus dem hinteren Teile des Hofes hervor, umringen den Doktor und das Mädchen und zeigen mit den Fingern auf die beiden Unglücklichen, überhäufen sie mit groben Schimpfworten und lassen verstehen, dass sie die beiden in einer gewissen Situation überrascht haben.
Der Doktor, vernichtet vor Scham, sich in Gegenwart seiner Mutter skandalisiert zu sehen, beteuert ihr, dass er unschuldig sie, obgleich er auf frischer Tat ergriffen zu sein scheint.
Welche peinliche Szene für einen Sohn!
Als er mir dies Abenteuer erzählte, das mir wie ein böser Traum vorkam, unwahrscheinlich in seiner ungerechten Grausamkeit, sah der arme Doktor erbärmlich aus.
—Das ist ja der Teufel selbst, nicht wahr! Unschuldig an einer Sache sein, die übrigens keinen etwas angeht, und dann öffentlich auf diese Weise hingerichtet werden!
—Ja, der Vorfall erscheint mir dunkel. Das ist ja unglaublich! Zwanzig Jungen, die auf einen Hof kommen, ein liederliches Weib, dem nichts an der Ehre gelegen sein kann und das sich nicht zu rächen sucht! Was bedeutet das? Eine Lektion! Es ist deutlich, dass die Mächte in der Sittlichkeit strenger werden. Und wie modern sie geworden sind! Keine Träume, keine Geschichte, da die Leute sich an so etwas nicht mehr kehren. Nein, statt dessen ganze Inszenierungen von vollendeten Realismus, Dinge zum Anschauen ausgebreitet, bei denen man mit Räsonnement nicht weit kommt.
—Du glaubst also, dass es ein Verweis war. Aber, wenn ich dir sage, dass ich ohne Schuld war, wirklich unschuldig.
—Unschuldig gestern, ja, aber nicht am Tage vorher!
—Jedenfalls war es kein Komplott, da das Mädchen mich ja nicht erkannte. Ein teuflischer Zufall....
—Ja, aber ein Zufall, dessen Fäden von einer Meisterhand geflochten waren!
Um sich etwas Zerstreuung zu verschaffen, unternahm mein Freund Martin eine Rundreise nach Norrland und Norwegen; er erwartete davon ein wirkliches Gefühl von Freiheit und viel Vergnügen.
Nach einigen Wochen begegnete ich Freund Martin auf einer Strasse in Lund.
—Hast du eine schöne Reise gehabt?
—Eine teuflische Reise! Jetzt weiss ich nicht mehr, was man glauben soll. Es gibt ganz gewiss jemand, der mich herausfordert, und der Streit ist ungleich. Höre nur! Ich kam nach Stockholm, um mich auf der grossen Ausstellung zu amüsieren, und obgleich ich in der Stadt fast hundert Freunde habe, traf ich nicht einen einzigen. Alle waren auf dem Lande! Allein!—Ich wohne einen Tag in meinem Zimmer und werde dann von einem andern hinausgeworfen, dem mein Bruder aus Versehen ein älteres Versprechen gegeben hat. Das Pech macht mich so stumpfsinnig, dass ich nicht in die Ausstellung gehe, und als ich mich—auf den Strassen herumtreibe, schliesse ich mich einem Mädchen an. In diesem Augenblick fällt eine schwere Hand auf meine Schulter nieder, und ein Onkel, sehr ernst angelegt, den ich nicht mehr als zweimal in meinem Leben gesehen habe, dem ich zuletzt von allen hätte begegnen mögen, ladet mich ein, den ganzen Abend mit ihm—und seiner Frau zusammen zu sein!
Alles, vor dem mir ekelt, muss ich schlucken! Das ist verhext!—Weiter, tausend Kilometer—allein!—in einem Eisenbahnwagen durch eine tödlich langweilige Landschaft.
Am Oreskutan, dem hauptsächlichen Ziel meiner Exkursion, gab es nur ein einziges Hotel, und in diesem Hotel hatten alle meine Antipathien sich zusammengefunden. Der Chef der Freikirchlichen weidete die Herde, und man sang Psalmen morgens, mittags und abends. Man hätte wütend werden können, aber es ging ganz natürlich zu. Nur eine Sache erscheint mir immer noch etwas wunderbar—hm! okkult! Nämlich dass man in diesem ruhigen und geordneten Hotel des Nachts Warenkisten zunagelte!
—Über deinem Kopf?
—Ja! Und sonderbar war, dass dieses Nageln mich nach Norwegen verfolgte. Wenn ich eine Erklärung vom Hotelwirt verlangte, behauptete er nichts gehört zu haben.
—Das ist ja ganz wie mit mir!
—Ja, es ist wie mit dir! Was mir aber in Christiania passierte, übertrifft alles, was meine schlimmsten Feinde hätten ausfindig machen können. Ich kenne viele Leute in Christiania, sie waren noch in der Stadt und ich konnte doch nicht einen einzigen treffen! Allein, immer allein!
Wie ich im Café des Grand Hotel so allein sitze, werde ich von einem jungen Mann angesprochen, der an einem Nebentisch sitzt. Glücklich, eine Gelegenheit zu finden, meine eigene Stimme wieder hören zu können, antworte ich, gegen meine Gewohnheit in solchen Fällen. Da er wohlerzogen aussah und es sich mit ihm sprechen liess, lud ich ihn schliesslich ein, mir Gesellschaft zu leisten.
Wir bringen den Abend zusammen zu. Ich muss zugeben, dass mir der junge Mann nach einigen Stunden den unbestimmten Argwohn einflösste, er sei nicht der, für den er sich ausgab. Er widersprach sich selbst und redete ohne Zusammenhang, und ich wusste nicht, wo ich ihn unterbringen sollte.
Schliesslich gegen Nacht, blieb ein norwegischer Freund, den ich drei Jahre nicht gesehen hatte, vor unserm Tisch stehen; er begrüsst mich mit einer pfiffigen Miene, die diesem ernsten Charakter ganz fremd war, und schielt nach meinem Begleiter. Darauf lacht er und schleudert mir eine Beschimpfung ins Gesicht, indem er sich stellt, als glaube er, mein Kamerad stehe in einem Verhältnis unnatürlicher Intimität zu mir. Auf meine Proteste antwortet er nur, indem er wiederholt:
—Genieren Sie sich nicht! genieren Sie sich nicht! Hier ist man wie bei sich zu Hause und braucht sich nicht zu genieren.
Was sollte ich sagen? Was sollte ich tun?
Der junge Mann wurde nicht böse, und da warf der norwegische Freund, der wohl ein Glas zu viel im Kopfe hatte, folgenden Einfall hin, vielleicht ganz ohne Hintergedanken:
—Übrigens ist nichts Böses dabei; das ist ein verkleidetes Weib.
Da steht der junge Mann auf und macht, mitten im Café, das vollgepfropft von Leuten war, eine Gebärde, wie um das Gegenteil zu beweisen.
—Das geht über alle Grenzen!
—Es ist ungeheuerlich, und es ist Wahrheit! Und niemand erhebt dagegen Protest; man lacht nur! Aber es ist noch nicht zu Ende! Im selben Augenblick, wie ich aufbrechen will, bittet der unbekannte Jüngling mich, ihm Geld zu leihen. Beschimpft, kochend vor Entrüstung, kann ich jedoch nicht nein sagen, da ich aber kein Wechselgeld habe, gehe ich ans Büffet, von dem Fremden begleitet. Stelle dir die Szene vor, wie ich diesem verdächtigen Schlingel, der aussieht, als bekomme er seine Bezahlung, Geld gebe. Ein alter Lehrer aus Lund, der hinter uns beiden stehen geblieben ist, fixiert mich mit einem Blick, der Gewissheit über den abscheulichen Argwohn ausdrückt. Das ist schön!
—Weisst du was: Ich muss bei dem, was du eben erzählt hast, an gewisse Märchen von Hoffmann denken. Und als ich neulich wieder einmal die "Elixiere des Teufels" las, kam es mir vor, als beruhten die Phantasien des deutschen Dichters auf erlebten Begebenheiten.
—Bald kann man alles Mögliche glauben!—Aber nun die moralische Seite der Sache? Ist eine Vernunft darin, mich vor einem Freund, vor einem ganzen Publikum in falsches Licht zu stellen! Was sollte denn bestraft werden?
—Man darf nicht auf die Mächte böse werden, weil sie sich solcher Massregeln bedienen. Glaubst du, ich tat Schritte, die falschen Gerüchten zu dementieren, die von einem deutschen Schriftsteller verbreitet wurden, als er mich unnatürlicher Instinkte beschuldigte: Nein! Ich verfluchte ihn damals, aber seitdem überwache ich meine Sinnlichkeit. Übrigens hat Swedenborg mich gelehrt, dass solche Bestrafungen, die ohne Unterschied zugefügt werden zu dem Zweck auferlegt werden, uns die Märtyrerschaft schmecken zu lassen, die wir selbst unschuldigen Menschen durch schändliche Verleumdungen und leichtsinnige Äusserungen verursacht haben.
—Mag sein, aber ich werde in den Gedanken meines Freundes immer mit dem Stempel des Lasters gezeichnet sein, und ich werde niemals diese seine Ansicht ausroden können.
—Das ist unangenehm, aber es ist nun einmal so!
Diese banalen und an sich widerwärtigen Geschichten hätte ich wahrhaftig nicht erzählt, wenn sie nicht durch ihre Ungereimtheit den Gedanken auf das Dasein einer Realität leiteten, die nicht reell ist und nicht Vision, sondern eine Phantasmagorie, hervorgerufen von den Unsichtbaren in dem bestimmten Zweck, zu warnen, zu lehren, zu strafen.
Dieser Zustand, von den Theosophen die Astralebene genannt, wird von Swedenborg, Arcana, letzter Teil, also geschildert:
"Visiones und Visa."
"Es gibt zwei Arten Gesichte, die ausserordentlich sind, in welche ich versetzt worden bin, bloss um zu wissen, wie es sich mit ihnen verhält, und was darunter zu verstehen ist, was man im WORT liest: dass sie vom Körper entzückt wurden und dass sie vom Geist fortgeführt wurden nach einem anderen Ort.
1. Der Mensch wird in einen Zustand versetzt, der mitten zwischen Schlaf und Wachen ist; und wenn er in diesem Zustand ist, kann er nicht anders wissen, als dass er vollkommen wach sei. Das ist der Zustand, von dem gesagt wird: entzückt werden vom Körper, und in dem man nicht weiss, ob man im Körper ist oder ausserhalb des Körpers.
2. Durch die Strassen einer Stadt und über Feld wandernd, auch da in Gespräch mit Geistern, wusste ich nicht anders, als dass ich so wach und sehend war, wie bei andern Gelegenheiten; so wanderte ich, ohne vom Wege abzuweichen, und inzwischen war ich in einem Gesicht und sah Haine, Flüsse und Paläste, Häuser, Menschen und anderes; nachdem ich aber so einige Stunden gewandert, war ich plötzlich in dem Gesicht des Körpers, und wurde gewahr, dass ich mich höchlich wunderte, und ich merkte, dass ich in einem solchen Zustand gewesen war wie die, von denen gesagt wird, dass sie vom Geist fortgeführt wurden an einen andern Ort."
Freund Martin wohnt nach der Rückkehr von seiner Vergnügungsreise allein im Elternhaus, weil die Familie sich nach verschiedenen Seiten zur Sommerfrische zerstreut hat. Ich will nicht behaupten, dass er ängstlich ist, aber er fühlt sich unbehaglich. Zuweilen hört er Schritte und andere Laute von dem Zimmer seiner abwesenden Schwester, bisweilen Niesen.
Vor einigen Tagen hörte er mitten in der Nacht einen knirschenden Laut, wie von einer Sense, die geschärft wird.
—Alles in allem, schloss er, es gehen sonderbare Dinge vor, aber im selben Augenblick, in dem ich mich mit den Mächten in Unterhandlungen einlassen würde, wäre ich verloren.
Das war sein letztes Wort, und da näherte sich der Herbst mit grossen Schritten.
8.
Studien in Swedenborg.
Während sich dieses im täglichen Leben zutrug, setzte ich meine Schwedenborgstudien fort. Seine Arbeiten, deren schwer habhaft zu werden ist, fielen mir in die Hände, eine nach der andern, in recht grossen Zwischenräumen.
In den "Arcana Coelestia" ist es die Hölle für ewige Zeit, ohne Hoffnung auf ein Ende, von jedem Wort des Trostes entblösst. "Apocalypsis revelata" führt die Bussordnung aus, und zwar mit der Wirkung, dass ich bis zum Frühling unter ihrem Banne lebte. Bisweilen schüttelte ich ihn ab, indem ich mir eine Hoffnung einrede, dass der Prophet sich in den Einzelheiten getäuscht hat, und dass der Herr des Lebens und des Todes sich barmherziger erweisen wird. Was sich aber nicht verhehlen lässt, ist die in die Augen fallende Übereinstimmung zwischen Swedenborgs Visionen und allen grossen oder kleinen Begebenheiten, die mich und meine Freunde während dieses Schreckensjahres betroffen haben.
Erst im März finde ich bei einem Antiquar die "Wunder des Himmels und der Hölle" und nachher "Von der ehelichen Liebe". Erst dann werde ich von dem Alp befreit, der mich seit der ersten Offenbarung der Unsichtbaren heimgesucht hat.
Gott ist die Liebe; er regiert nicht über Sklaven, und deshalb hat er die Sterblichen sich eines freien Willens erfreuen lassen. Es gibt keine Mächte der Bosheit, sondern ein Diener des Guten versieht das Amt eines Zuchtgeistes. Die Strafen sind nicht ewige, es steht einem jeden frei, geduldig zu sühnen, was er verbrochen hat.
Die Leiden, die uns auferlegt werden, haben die Besserung des Ichs zum Zweck.
Die Verfahren, welche die Vorbereitung zu einem geistlichen Leben bilden, beginnen mit Verwüstung (vestatio) und bestehen aus Brustbeklemmungen, Atemnot, Erstickungssymptomen, Herzstörungen, Angstanfällen, Schlaflosigkeit, Alpdrücken. Diese Prozedur, der Swedenborg in den Jahren 1744 und 45 ausgesetzt war, wird in den "Träumen" geschildert.
Und die Diagnose dieses Krankheitszustandes entspricht in jedem Punkt den jetzt üblichen Affektionen, so dass ich nicht vor dem Schlusssatz zurückschrecke: wir befinden uns vor einer neuen Ära, in der "die Geister erwachen und es eine Lust ist zu leben". Diese angina pectoris, der Fall der Schlaflosigkeit, all die nächtlichen Schauder, die den Gemütern Schrecken einjagen und welche die Ärzte gern als Epidemien bezeichnen wollen, sind weiter nichts als die Arbeit der Unsichtbaren. Wie kann man das für eine epidemische Krankheit erklären wollen, dass gesunde Menschen systematisch von unvorhergesehenen, sonderbaren Begebenheiten, von Unruhe und Verdriesslichkeiten verfolgt werden? Eine Epidemie zusammentreffender Umstände? Das ist ja ein Unsinn!
Swedenborg ist mein Vergil geworden, der mich durch die Hölle geleitet, und ich folge ihm blind. Wohl ist er ein furchtbarer Strafer, aber er versteht auch ebenso gut zu trösten, und er kommt mir weniger streng vor als die protestantischen Pietisten.
"Ein Mann kann Reichtümer häufen, wenn er es nur auf ehrliche Weise tut und ebensolchen Gebrauch von ihnen macht; er kann sich kleiden und wohnen nach seinen Verhältnissen; mit Leuten von gleicher gesellschaftlicher Stellung verkehren, des Lebens unschuldige Freuden geniessen, froh und zufrieden aussehen und nicht wie ein mürrischer Mensch mit blassem Gesicht; er kann mit einem Wort leben und auftreten wie ein reicher Mann in dieser Welt und nach seinem Tode gerade hinein in den Himmel gehen, wenn er nur in seinem Innern Glauben an Gott und Liebe zu ihm besitzt und sich seinem Nächsten gegenüber so benimmt, wie es seine Pflicht ist."
"Ich habe mich mit mehreren von denen unterhalten, die, ehe sie starben, der Welt entsagt und sich in die Einsamkeit zurückgezogen hatten, um dort ein Leben zu leben, das der Betrachtung der himmlischen Dinge gewidmet war, und so sich einen sicheren Weg zum Himmel zu bahnen; beinahe alle hatten ein düsteres und schwermütiges Aussehen, schienen verdriesslich darüber zu sein, dass die anderen ihnen nicht glichen und dass sie selbst nicht mit grösserer Ehre und einem glücklicheren Los belohnt worden waren; sie wohnen an verborgenen Orten und leben dort als Einsiedler beinahe auf gleiche Weise, wie sie in unserer Welt gelebt hatten. Der Mensch ist geschaffen, in Geselligkeit zu leben; in der Gemeinschaft und nicht in der Einsamkeit findet er zahlreiche Gelegenheiten, Christenmilde gegen den Nächsten zu üben...."
"Im einsamen Leben sieht man nur sich selbst, man vergisst alle anderen; daher kommt es, dass man bloss an sich selbst denkt, an die Welt nur, um sie zu fliehen oder sie zu vermissen, was das Gegenteil von christlicher Liebe ist."
Was die sogenannten ewigen Strafen betrifft, so tritt der Seher im letzten Augenblick als Erlöser auf, indem er uns einen Strahl von Hoffnung aufschimmern lässt.
"Die unter ihnen, für die man auf Erlösung hoffen kann, werden an verwüsteten Stellen ausgesetzt, die nur ein Bild von Trostlosigkeit bieten; und man lässt sie dort zurückbleiben, bis ihre Trauer darüber, sich dort zu befinden, sie auf die Höhe der Verzweiflung gebracht hat, weil das die einzige Art ein dürfte, das Böse und Falsche, das sie beherrscht, zu meistern. So weit gelangt, schreien sie, dass sie nicht besser sind als Tiere, dass sie voll sind von Hass und allerhand Greuel und dass sie Verdammte sind; man verzeiht ihnen das als Schreie der Verzweiflung, und Gott mildert ihren Sinn, damit sie sich nicht in Vorwürfen und Schmähungen ergiessen über die Grenzen hinaus, die festgestellt sind. Wenn sie alles gelitten haben, was gelitten werden kann, so dass ihr Körper gleichsam tot ist, bekümmern sie sich nicht darum, und man bereitet sie zur Erlösung. Ich habe einige von ihnen zum Himmel fortführen sehen, nachdem sie mit all den Leiden, von denen ich gesprochen habe, geprüft worden waren. Als sie dort eingelassen wurden, legten sie eine grosse Freude an den Tag, dass ich davon bis zu Tränen gerührt wurde."
Was die Katholiken conscientia scrupulosa, Gewissenszartheit, nennen, leitet seine Herkunft von böswilligen Geistern her, welche die Gewissensqual um nichts und wieder nichts erwecken. Es macht ihnen Freude, so eine Last auf das Gewissen zu legen, und dieses Verhalten hat nichts mit der Besserung des Sünders zu tun.
Ebenso gibt es ungesunde Versuchungen. Böswillige Geister rufen in der Tiefe der Seele all das Böse hervor, das sie seit der Kindheit begangen hat, und zwar so, dass es nach der schlimmen Seite verdreht wird. Aber die Engel entschleiern, was sich von Gutem und Wahrem bei dem Gemarterten findet. Das ist der Streit, der sich unter dem Namen Gewissensqual offenbart.
Ich bleibe hier stehen, weil ich meinem Meister unrecht tun würde, wenn ich das zerrisse, was er so gut zusammengewebt hat, und die Fetzen als Probestücke vorzeigte.
Swedenborgs Werk ist unermesslich umfassend, und er hat mir auf alle meine Fragen geantwortet, wie pochend sie auch gewesen sein mögen.
Unruherfüllte Seele, leidendes Herz, nimm und lies!
9.
Canossa.
Von den geheimnisvollen Verfolgungen ermattet, habe ich schon längst eine sorgfältige Prüfung meines Gewissens vorgenommen; getreu meinem neuen Programm, mir selbst dem Nächsten gegenüber unrecht zu geben, finde ich mein verflossenes Leben abscheulich, und Ekel erfasst mich vor meiner eigenen Persönlichkeit. "Es ist Wahrheit, dass ich die Jugend in Harnisch gebracht habe gegen das Bestehende, gegen Religion, Gesetze, Obrigkeit, Sittlichkeit. Es ist meine Gottlosigkeit, die jetzt bestraft worden ist, und ich nehme zurück."
Nach einer Pause im Gedankengang kehre ich dann die Frage um, indem ich das Gegenteil aufstelle, und ich frage: "Und die anderen, die Gegner meiner umstürzenden Ansichten, die frommen Verteidiger der Sittlichkeit, des Staates, der Religion, können die denn nachts schlafen, haben die Mächte denn ihnen Erfolg in ihren weltlichen Angelegenheiten geschenkt?"
Wenn ich einer Musterung der Stützen der Gesellschaft und ihrer Geschicke anstelle, bin ich genötigt zu antworten: nein!
Der tapfere Vorkämpfer für das Ideale in Poesie und Leben, ein Dichter für die zuverlässigen und guten Mitbürger, er kann des Nachts nicht schlafen, weil er von der grossen Hysterie betroffen ist; die weckt ihn mit Anfällen, die man Clownssprung und Schwibbogen nennt und in der Salpétrière bekannt sind. Auch liess ihn sein Schutzgeist im Stich, und der Dichter geriet in Schwierigkeiten, als er sich vor einigen Jahren auf geschäftliche Spekulationen einliess; die hätten ihn beinahe in eine entblösste Lage gebracht. Es ist mir keine Freude, daran zu erinnern, denn es vergrössert nur meinen Kummer, wenn ich sehe, wie die erhabenen Bestrebungen nur um Zusammenbruch führen.
Und meine Gegner in der Religion? Der mich einmal ins Gefängnis bringen wollte für Lästerungen, ist selbst in Haft genommen wegen betrügerischen Bankerotts. Glaube nun nicht, mein Leser, dass ich meine Lästerungen mit seinem Verbrechen entschuldige! Ich bin betrübt, nicht mehr an die reinigende Aufgabe des Christentums glauben zu können, angesichts eines so niederschlagenden Beispiels.
Und dann diese Frau, welche die Sittlichkeit unter den Schatten ihrer Flügel nahm, die Freundin der unterdrückten Frauen, die Prophetin, die in feurigen und aufrichtigen Vorträgen den jungen Männern das Cölibat predigte?
Wo ist sie geblieben? Niemand weiss es, aber auf ihrem Haupte lastet eine Anklage, die auf schauderhafte Dinge hinausläuft. Erbaulich, nicht wahr?
Was die anderen Stützen der moralischen und religiösen Ordnung betrifft, so übergehe ich sie, sei es, dass sie sich eine Kugel vor die Stirn geschossen oder aus Furcht vor unglücksbringendem Verhör das Feld geräumt haben.
Kurz, das Gericht scheint die Gerechten wie die Ungerechten zu treffen, ohne Unterschied, und der eine mag ebenso gut sein wie der andere!
Was ist es denn, was sich heute in der Welt zuträgt?
Ist es das Gericht, das unerbittlich über Sodom ausgesprochen wurde?
Müssen alle vergehen: gibt es keinen Gerechten? Nicht einen!
Mögen wir dann Freunde sein und gemeinsam leiden, als Mitschuldige und ohne uns über einander zu erheben.
Ich habe Abbitte getan für meine tadelnswerten Handlungen, und ich verleugne meine Vergangenheit. Lasst mich nun ein Wort zur Selbstverteidigung sagen.
Die Jugend ist zu jeder Zeit aufrührerisch, leichtfertig, ausschweifend gewesen; bin ich es da, der die Empörung, das Laster erfunden hat? Vorher war ich der Junge, der Verführte, das Kind meiner Zeit, der Schüler meiner Lehrmeister, das Opfer der Verführungen. Wer hat die Schuld, und warum hat man mich zum Sündenbock gemacht? Angenommen, es war eine Lüge, und ich bin nicht der, für den die Menschen mich halten.
Da legt die schwarze Magie sich in die Wagschale!
Aber es geschah aus Unwissenheit, dass ich sie versuchte.
Dann aber die Erhebung gegen die Unsichtbaren?
Jawohl, die Erhebung! Doch die andern, die ihr Leben auf den Knien zubrachten, unter Anbetung und Selbstverleugnung, und die alle desavouiert worden sind!
Geben wir zu, dass die Lage verzweifelt ist! Und dass wir alle dem Weltfürsten überliefert sind, um in den Staub gebeugt und erniedrigt zu werden, auf dass wir uns vor uns selber ekeln, auf dass wir Heimweh nach dem Himmel empfinden! Selbstverachtung, Entsetzen vor der eigenen Persönlichkeit, gewonnen durch die vergeblichen Anstrengungen, sich zu bessern: das ist der Weg zu einem höheren Dasein.
Und behalte noch eine Sache im Gedächtnis: der Weg nach Rom, der Kaiserweg, führte durch Canossa!
10.
Der Geist des Widerspruchs.
Trotz aller Marter, die ich ausgestanden habe, hält sich der Geist des Aufruhrs aufrecht und redet mir Zweifel ein, ob die Absichten meines unsichtbaren Wegführers wohlwollend sind.
Ein Zufall (?) hat mir die "Zauberflöte", Schikaneders Operntext, in die Hand gegeben. Die Prüfungen und Versuchungen des jungen Paares flössen mir den Gedanken ein, dass ich mich von den verleitenden Stimmen habe täuschen lassen; da ich die Mühen und Leiden nicht habe aushalten können, habe ich mich gekrümmt und sei unterlegen.
Sogleich erinnere ich mich an Prometheus, der immer die Götter anspeit, während der Geier seine Leber zerfleischt. Und zuletzt wird der Aufrührer, ohne öffentliche Abbitte zu leisten, in den Kreis der Olympischen aufgenommen.
Das Feuer ist jetzt angezündet, und sogleich tragen die bösen Geister Nahrung herbei.
Eine okkultistische Zeitschrift, die mit der Post gekommen ist, muntert meinen kleinmütigen Sinn auf, indem sie mir nur Umsturz-Lehren wie diese vorlegt.
"Wie man weiss, wird in den alten Vedabüchern die Schöpfung als eine einzige grosse Opferhandlung betrachtet, wo Gott, Priester und Opfer, sich selbst opfert, indem er sich teilt."
(Da haben wir ja meine Idee, die ich in dem Mysterium ausgedrückt habe, das ich "Inferno" voranstellte.)
"Alle Elemente, die zusammen das Weltall bilden, sind nichts anders als gefallene Gottheitspersonen, die durch das Stein-, Pflanzen-, Tier-, Menschen- und Engelreich wieder zu den Himmeln aufsteigen, um aufs neue herabzufallen."
Diese Idee, welche der berühmte Alexander von Humboldt wie der Historiker Cantü als erhaben bezeichneten....
(Ja, sie ist erhaben!)
"Wie man weiss, waren die Götter von Griechenland und Rom Menschen gewesen. Jupiter selbst, der grösste von allen, war auf Kreta geboren, wo er von der Ziege Amalthea gesäugt wurde. Er stiess seinen Vater vom Thron und traf alle Vorsichtsmassregeln, um nicht selbst entthront zu werden. Beim Angriff der Giganten, als die meisten der Götter ihn feige im Stich liessen und sich in Ägypten verbargen, indem sie Pflanzengestalten annahmen, hatte er das Glück, mit Hilfe der Tapfersten Sieger zu bleiben. Aber es war auch mit genauer Not."
"Bei Homer kämpfen die Götter gegen die Menschen und werden bisweilen verwundet. Unsere gallischen Vorväter stritten auch gegen den Himmel und schossen Pfeile gegen ihn ab, wenn sie sich von dort bedroht glaubten."
"Die Juden wurden von denselben Gefühlen belebt wie die Heiden. Wie sie ihren Jehova (Gott) hatten, so hatten sie auch Elohim (die Götter). Die Bibel beginnt also:
"Und er der ist, der war und der sein wird
Die Götter
Die Einheit in der Mehrzahl."
"Als Adam diese ewig gesegnete Sünde begangen hatte, die, weit entfernt ein Fall zu sein, ein erhabener Schritt nach der Höhe war, wie die Schlange vorausgesagt hatte, sagte Gott: "Siehe Adam ist geworden wie einer von uns und weiss, was gut und böse ist." Und er fügte sogleich hinzu: "Nun aber, auf dass er nicht seine Hand ausstrecke und nehme desgleichen vom Baum des Lebens, und esse, und lebe ewiglich...."
"Die Alten sahen also in den Göttern Menschen, die sich zu höchsten Machthabern aufgeschwungen hatten und durch einen Staatsstreich den Besitz der Macht zu behalten suchten, indem sie andere hinderten, sich ihrerseits aufzuschwingen. Daher kam der Streit von seiten der Menschen, um die Usurpatoren fortzujagen, und deren Widerstand, um sich die unrechtmässig angeeignete Macht zu bewahren."
Und da haben wir die Schleuse geöffnet.
—Denkt, wir sind Götter!
"Und die Söhne der Götter stiegen zur Erde nieder und ehelichten die Töchter der Sterblichen, und die gebaren Kinder. Und aus dieser Mischung stammten die Riesen her und alle berühmten Männer, Krieger, Staatsmänner, Schriftsteller, Künstler."
Das war eine gute Aussaat in ein aufsässiges Gemüt, und das Ich bläst sich von neuem auf: denkt, wir sind Götter.
Am selben Abend, als die Stimmung im Wirtshaus hoch ging, bildet man einen Kreis um einen Doktor der Musik.
Mein Freund, der Philosoph, dem ich die Entdeckung unserer Verwandtschaft mit den Göttern mitgeteilt habe, bittet Mozarts "Don Juan" hören zu dürfen, vor allem das Finale des letzten Aktes.
—Wovon handelt das? fragt einer, der nicht im klassischen Repertoire zu Hause ist.
—Der Teufel kommt und holt den Wüstling!
Und die höllischen Qualen, die Mozart so gut schildert, da er Gewissensbisse dieser Art gekannt haben dürfte, denn der Mann einer Frau, die er verführt hatte, beging seinetwegen Selbstmord,—die höllischen Qualen werden aufgerollt in jammererfüllten Tonfolgen wie eine schneidende Neuralgie. Das Lachen verstummt, die Spötteleien hören auf, und als das Stück zu Ende ist, herrscht ein ängstliches Schweigen.
—Nein, Prosit!
Man stösst an! Aber die Munterkeit ist fort, die olympische Stimmung ist erloschen, denn die Nacht ist im Anzuge, und die grauenhaften chromatischen Tonfolgen hallen wider gleich unermesslichen Wogen, die steigen und fallen
und das Menschenwrack hinauf in die Luft schleudern, um es im nächsten Augenblick zu ertränken.
Während die Abkömmlinge der Götter vergebliche Anstrengungen machen, eine ihrer hohen Geburt entsprechende Art anzunehmen, ist die Nacht hereingebrochen und das Restaurant wird geschlossen. Man muss aufbrechen und gehen ein jeder nach seinem einsamen Bett. Als man an der Domkirche vorbeiging, die in die Schatten der Nacht eingehüllt war, brach ein Blitz hervor und warf einen weissen Schein au die Fassade, wo Heilige und Verdammte vor dem Throne des Lammes knien.
—Was war das?
Denn es war kein Gewitter!
Man schauerte zusammen und blieb stehen.
Es war der Momentphotograph, der in seinem Laden bei Magnesiumblitzen arbeitete.
Man wird ärgerlich über seine Furchtsamkeit, und ich für meinen Teil kann eine Erinnerung an die Theaterblitze bei der Fortführung Don Juans nicht unterdrücken.
Als ich in mein Zimmer trat, bekam eine zugleich eisige und erhitzende Angst Macht über mich. Und als ich den Überrock ausgezogen habe, höre ich, wie sich die Garderobentür von selbst öffnet.
—Ist jemand da?
Keine Antwort! Der Mut sinkt mir, und einen Augenblick fühle ich Lust, wieder hinaus zu gehen und die Nacht auf den schmutzigen dunklen Strassen zuzubringen. Aber Müdigkeit und Verzweiflung drücken mich nieder, und ich ziehe vor, in einem schönen Bett zu sterben.
Während des Auskleidens sehe ich einer schweren Nacht entgegen, und glücklich im Bett, nehme ich ein Buch, um mich zu zerstreuen.
Da fällt meine Zahnbürste vom Waschtisch auf den Boden herab! Ohne sichtbare Ursache. Weiter und unmittelbar danach hebt sich der Deckel von meinem Eimer und fällt mit einem Knall wieder zu. Und zwar vor meinen Augen, ohne dass eine Erschütterung stattgefunden haben könnte, so vollkommen still war die Nacht.
Das Weltall hat keine Geheimnisse mehr für Riesen und Genies, und doch kommt die Vernunft zu kurz vor einem Deckel, der den Gesetzen der Schwerkraft trotzt.
Und die Furcht vor dem Unbekannten lässt einen Mann zittern, der das Rätsel der Sphinx gelöst zu haben glaubte!
Ich war bange, schrecklich bange, aber ich wollte den Walplatz nicht verlassen, sondern fuhr fort zu lesen. Da fällt ein Funke oder ein kleines Irrlicht wie eine Schneeflocke von der Decke herab und erlischt über meinem Buch.
Und ich wurde nicht toll, Leser!
Der Schlaf, der heilige Schlaft, nimmt die Form des Hinterhalts an, in dem Mörder sich verbergen.
Ich wage nicht mehr zu schlafen und habe keine Kraft übrig, mich wach zu halten. Das ist ja die Hölle! Als ich die Schlummerbetäubung mich überschleichen lasse, trifft mich ein galvanischer Stoss gleich einem Donnerschlag, ohne mich jedoch zu töten.
Schleudere deine Pfeile, stolzer Gallier, gegen den Himmel, der Himmel ruht nie!
Da aller Widerstand vergeblich ist, strecke ich die Waffen, jedoch nach Rückfällen in die Widersetzlichkeit. Während dieses letzten ungleichen Kampfes geschieht es oft, dass ich Irrlichter sogar am hellen Tage sehe, aber ich schreibe die Erscheinung einer Augenkrankheit zu.
Da erhalte ich von Swedenborg eine Aufklärung über die Bedeutung dieser Flackerflammen, die ich seitdem nie mehr gesehen habe.
"Andere Geister suchen mir das Gegenteil von dem einzureden, was die Lehrgeister mit gesagt haben. Diese Widerspruchsgeister sind auf Erden Menschen gewesen, die infolge ihrer Frevelhaftigkeit aus der Gesellschaft verwiesen sind. Man erkennt ihr Nahen an einer flackernden Flamme, die sich einem vor das Gesicht zu senken scheint; sie nehmen auf dem Rücken des Menschen Platz, von wo sie sich bis in die Glieder vernehmen lassen. Sie predigen, man solle nicht glauben, was die Lehrgeister in Übereinstimmung mit den Engeln gesagt haben; man solle seinen Wandel nicht der Unterweisung anpassen, die man von ihnen genossen hat, sondern in Ungebundenheit und Freiheit leben, nach eigenem Behagen. Gewöhnlich finden sie sich ein, wenn die anderen verschwunden sind; die Menschen wissen, was sie gelten, und kümmern sich wenig um sie; lernen aber doch durch sie, was gut und böse ist, denn man erwirbt Kenntnis von der Beschaffenheit des Guten durch dessen Gegenteil."
11.
Auszug aus meinem Tagebuch.
1897.
7. Februar.
Ein Schlagregen von Steinen gegen die Fenster in meiner neuen Wohnung die ganze erste Nacht. Am nächsten Tage klärt man mich darüber auf, dass es Eissplitter gewesen sind.
12. Februar.
Aus dem Bett gezerrt, nachdem ich eine Frauenstimme gehört habe. Der heilige Chrysostomus, der Weiberhasse, gibt mir zu verstehen:
"Was ist das Weib? Der Feind der Freundschaft, die unvermeidliche Strafe, das notwendige Übel, die natürliche Versuchung, das ersehnte Unglück, die Quelle unversieglicher Tränen, das schlechte Meisterstück der Schöpfung in blendend weisser Ausstattung."
"Da schon das erste Weib einen Vertrag mit dem Teufel einging, warum sollten seine Töchter es nicht genau so machen? Geschaffen wie es ward aus einer krummen Rippe, ist seine ganze Sinnesrichtung krumm und schief geworden, geneigt nach dem Bösen!"
Gut gesagt, Sankt Chrysostomus, Goldmund!
28. Februar.
Der Buchfink zwitschert, der blaue Streifen des Meeres in der Ferne lockt und zieht mich an, aber sobald ich nach der Reisetasche greife, werde ich von den Unsichtbaren angefallen. In der Tat ist die Flucht für mich abgeschnitten; ich bin hier interniert.
Um mich zu zerstreuen, will ich anfangen an dem Buch "Inferno" zu schreiben; aber das wird mir nicht gestattet. So wie ich die Feder anfasse, ist das Gedächtnis wie ausgelöscht, und ich kann mich an nichts mehr erinnern; oder alles erscheint als Begebenheiten ohne eine Spur von Bedeutung.
2. April.
Ein deutscher Schriftsteller bittet mich um meine Meinung über Fürst Bismarck, für Rechnung einer Zeitschrift, in welcher der Kanzler allgemeiner Abstimmung unterzogen wird.
"Ich muss einen Mann bewundern, der es verstanden hat, seine Zeitgenossen so anzuführen wie Bismarck. Sein Werk soll die Einheit Deutschlands sein, und doch hat er das grosse Reich in zwei geteilt, mit einem Kaiser in Berlin und einem in Wien."
Am Abend verbreitet sich ein Duft von Jasminblüten in meinem Zimmer, ein lieblicher Friede bemächtigt sich meines Gemüts, und ich schlafe ruhig diese Nacht. (Swedenborg sagt, dass die Gegenwart eines guten Geistes, eines Engels, sich durch balsamischen Duft verrät. Die Theosophen behaupten dasselbe, aber übersetzen Engel mit Mahatma.)
5. April.
Man erzählt mir, dass ein grosses Skulpturwerk von Ebbe, ein gekreuzigtes Weib darstellend, während des Transportes nach der Stockholmer Ausstellung zerschlagen worden ist. Ein Gegenstück: meines Freundes H. Gemälde mit dem gekreuzigten Weib, das für Schulden in Beschlag genommen und in einem Hof über dem Kehrrichtkasten aufgehängt wurde. (Siehe "Inferno".)
10. April
Las allerlei. Chateaubriands "Mémoires d'outretombe". Las Cases' Tagebuch von St. Helena. Wer war Napoleon? Von wem war er eine Reïnkarnation?
Geboren in Ajaccio, einer griechischen Kolonie, die ihren Namen von Ajax herleitet. 1. Ajax, Telamons Sohn, wurde von Odysseus besiegt; wahnsinnig vor Gram, machte er die Viehherden der Griechen nieder, im Glauben, Tod unter den Feinden zu verbreiten. Eines Tages, als einer von Trojas Schutzgöttern beide Heere in eine Wolke gehüllt hatte, um die Flucht der Trojaner zu begünstigen, rief er: Hoher Gott, schenk uns das Tageslicht wieder und kämpfe gegen uns. 2. Ajax, Sohn des Oïleus, litt Schiffbruch auf der Heimfahrt von der Belagerung Trojas, rettete sich auf eine Klippe, wo er trotzig gegen die Götter schalt; zur Strafe wurde er in die Tiefe des Meeres versenkt. Ajax, den Göttern trotzend, ist eine feststehende Wendung geworden.
Napoleon kam unvermutet zur Welt auf einem Teppich, der mit Darstellungen aus der Ilias geschmückt war.
Paola a Porta sagte eines Tages zu dem jungen Napoleon: Es ist nichts von neuer Zeit bei dir; du bist ein Mann aus Plutarch.
Rousseau hatte vor Napoleons Geburt sich mit Korsika beschäftigt, dessen Einwohner ihn zum Gesetzgeber haben wollten. "Es gibt noch ein Land in Europa, in dem es möglich ist, Gesetze zu geben: das ist die Insel Korsika ... Ich habe ein Vorgefühl davon, dass einmal diese kleine Insel Europa mit Verwunderung schlagen wird."
Nordille Bonaparte hatte 1266 seine Ehre zum Pfande gesetzt für Konradin von Schwaben, den Karl von Anjou hinrichten liess.
Der Zweig Franchini Bonaparte trug in seinem Wappen drei goldene Lilien wie die Bourbonen.
Napoleon war verwandt mit Orsini. Orsini war der Name des Mörders, der ein Attentat gegen das Leben Napoleons III. unternahm. Auf drei Inseln hatte Napoleon seine schweren Tage: Korsika, Elba und St. Helena. In einer Geographie, die er in seiner Jugend niederschrieb, erwähnt er die letzte mit den beiden Worten: "kleine Insel!" (Allzu klein, leider!) Während des Krieges mit den Engländern sandte er ohne ersichtliche Veranlassung einen Kreuzer in das Fahrwasser von St. Helena.
Napoleons Tod gibt der Einbildungskraft eines Okkultisten reichen Stoff.
"Es war ein schreckliches Wetter, der Regen fiel ununterbrochen, und der Wind drohte alles wegzufegen. Der Weidenbaum, unter dem Napoleon frische Luft zu holen pflegte, war umgebrochen worden; unsere Baumpflanzungen waren mit den Wurzeln ausgerissen, umhergestreut; ein einziger Gummibaum hielt noch stand, als ein Wirbelwind ihn ergriff, ihn aufhob und in den Schmutz legte. Nichts von dem, was der Kaiser liebte, durfte ihn überleben."
Der Kranke konnte das Licht nicht vertragen; man musste ihn in einem dunklen Zimmer pflegen. Er sprang, schon sterbend, aus dem Bett, um in den Garten zu gehen.
"Krampfhafte Zuckungen über dem Nabel und im Bauche, tiefe Seufzer, Klageschreie, konvulsivische Bewegungen, die beim Todeskampfe in ein lautes und schmerzvolles Schluchzen endigen."
Noverrez, der krank geworden war, fiel in Fieberphantasie: "Er bildet sich ein, dass der Kaiser bedroht sei, und ruft nach Hilfe."
Nachdem Napoleon den Geist aufgegeben hat, breitet sich ein friedvolles Lächeln um seine Lippen, und die Leiche behält noch nach neunzehn Jahren in der Gruft diesen Ausdruck der Ruhe bei. Als man im Jahre 1840 das Grab öffnete, war der Körper vollständig erhalten. Die Fusssohlen waren weiss. (Weisse plantae pedis bedeuten nach Swedenborg: Deine Sünden sind vergeben.)
Gut erhalten waren die Hände (die linke jedoch nicht weiss), waren weich geblieben und hatten ihre schöne Form bewahrt. Der ganze Körper mattweiss: "als sähe man ihn durch einen dichten Tüll." Im Oberkiefer fanden sich bloss drei Zähne. (Ein merkwürdiges Zusammentreffen: der Herzog von Enghien hatte nur noch drei Zähne, als er füsiliert worden war. Und in Parenthese sei hinzugefügt: der Herzog von Enghien kam zur Welt nach 48stündigen Wehen. Er war schwarzblau und ohne ein Zeichen von Leben. In eine spiritusgetränkte Binde gewickelt, wird er zu nahe an ein brennendes Licht gehalten und fängt Feuer. Da erst beginnt er zu leben!)
Napoleon war im Sarge in seine grüne Uniform gekleidet. (Zauberer kennzeichnen sich durch ihre grüngefärbten Kleider.)
Chateaubriand schreibt: Napoleons Kapitänsvollmacht ist unterzeichnet von Ludwig XVI. am 30. August 1792, und der König entsagte der Krone am 10. August.
"Erkläre das wer kann. Welcher Beschützer förderte die Unternehmungen dieses Korsikaners? Dieser Beschützer war der Herr der Ewigkeit."
18. April. Ostertag.
Auf einem Feuerbrand im Kachelofen sah ich die Buchstaben J. N. R. J. (Jesus Nazarenus Rex Judaeorum.)
2. Mai.
Ich sah den Neumond und wurde froh davon.
3. Mai.
Mithin fange ich an "Inferno" zu schreiben.
Man erzählt mir, dass eine sehr bekannter Zeitungsmann plötzlich attackiert worden ist durch nächtliche Anfälle des jetzt üblichen Schlages. Und die Okkultisten setzen das in Zusammenhang mit einem rücksichtslosen Nachruf über einen verdienten Mann, der neulich verstorben ist.
Als ich Wagners "Rheingold" lese, entdecke ich einen grossen Dichter und begreife nun, warum ich das Grosse an diesem Musiker nicht verstanden habe: dessen Musik ist allein Begleitung zu seinen Textworten. Übrigens ist "Rheingold" für meine Rechnung geschrieben:
Wellgunde.
Weisst du denn nicht,
Wem nur allein
Das Gold zu schmieden vergönnt?
Woglinde.
Nur wer der Minne
Macht versagt.
Nur wer der Liebe
Lust verjagt,
Nur der erzielt sich den Zauber
Zum Reif zu zwingen das Gold.
Wellgunde.
Wohl sicher sind wir
Und sorgenfrei:
Denn was nur lebt will lieben,
Meiden will keiner die Minne.
Woglinde.
Am wenigsten er,
Der lüsterne Alp:
Alberich.
(Die Hand nach dem Golde ausstreckend.)
Das Gold entreiss' ich dem Riff,
Schmiede den rächenden Ring:
Denn hör' es die Flut—So
verfluch' ich die Liebe!
12. Mai.
Mit dumpfer Resignation habe ich fünf Monate lang Cichorienkaffee getrunken, ohne mich zu beklagen. Ich wollte sehen, ob es eine Grenze gebe für die Kühnheit einer unehrlichen Frau (die meinem Morgenkaffee kocht). Ganze fünf Monate habe ich gelitten, jetzt will ich mich des Göttertrankes mit dem berauschenden Duft erfreuen. Zu diesem Zweck kaufe ich ein Pfund der teuersten Kaffeesorte. Das war zur Mittagszeit.
Am Abend lese ich in Peladan, L'Androgyne, Seite 107: "Er erinnert sich folgender Anekdote eins alten Missionars. Am Ende seiner Missionsreise, während einer Anfangspredigt von grosser Wichtigkeit wurde ich von Unfähigkeit getroffen, sobald ich das Wort "meine Brüder" ausgesprochen hatte; kein Gedanke in meinem Gehirn, nicht ein Wort, auf meinen Lippen. Heilige Jungfrau—bat ich in mir—ich habe nur eine Schwäche beibehalten, meine Tasse Kaffee, ich opfere sie dir; und sofort kam die Spannkraft meiner Seele wieder, ich übertraf mich selbst und tat manchen Seelen viel Gutes."
Welche Rolle als Hausfriedensstörer hat nicht der Kaffe in meiner Familie gespielt! Ich schäme mich daran zu denken, umsomehr da ein glückliches Resultat nicht vom guten Willen und Geschicklichkeit abhängt, sondern von unberechenbaren Umständen.
Morgen also der grösste Genuss oder der grösste Schmerz!
13. Mai.
Die Aufwärterin hat den elendesten Kaffee gekocht, den man sich denken kann.
Ich bringe ihn als Opfer den Mächten dar, und von diesem Tage an trinke ich Schokolade, ohne zu murren!
26. Mai.
Ausflug nach Buchenwald. Einige hundert Leute haben sich dort versammelt. Die singen Lieder aus der Zeit, da ich jung war, vor dreissig Jahren; sie spielen Spiele meiner Jugend und tanzen deren Tänze.
Die Traurigkeit bekommt Macht über mich, und mit einem Schlag rollt sich mein vergangenes Leben vor den Augen der Seele auf, ich kann die durchlaufende Bahn messen und werde wie erblindet. Ja, es ist bald zu Ende; ich bin alt, und der Weg geht abwärts, dem Grabe zu. Ich kann meine Tränen nicht zurückhalten—ich bin alt.
1. Juni.
Ein junger Arzt von weicher Natur und so empfindlicher Seelenanlage, dass er schon dadurch zu leiden scheint, dass er existiert, leistet mir abends Gesellschaft. Auch er ist bedrängt von Gewissensskrupeln; er bereut die Vergangenheit, die sich nicht bessern lässt, wenn sie auch nicht schlimmer ist als die aller anderen. Er legt mir das Mysterium von Christus aus.
—Man kann nicht ändern, was man einmal getan hat; man kann keine einzige schlechte Tat streichen: daher unsere Verzweiflung. Dann offenbart sich Christus. Er allein vermag die Schuld, die nicht bezahlt werden kann zu tilgen, das Wunder zustande zu bringen und die Last des Gewissens und der Selbstvorwürfe abzunehmen. Credo quia absurdum, und ich bin gerettet.
—Aber das kann ich nicht; und ich ziehe vor, meine Schulden selbst durch Leiden zu bezahlen. Es gibt Augenblicke, da ich mich nach einem grausamen Tod sehne, auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt werden möchte, um die Schadenfreude zu empfinden, meinem eigenen Körper, diesem Gefängnis der Seele, die zu den Höhen strebt, wehe zu tun. Und das Himmelreich ist für mich, von materiellen Bedürfnissen befreit zu werden; Feinde wiederzusehen, um ihnen zu verzeihen und ihre Hände zu drücken. Keine Feinde mehr! Kein Groll! Das ist mein Himmelreich!—Weist du, was das Leben erträglich für mich macht? Dass ich mir zuweilen einbilde, es sei nur eine Halbwirklichkeit, ein böser Traum, der uns als Strafe auferlegt ist; und dass man im Augenblick des Todes zu der wirklichen Wirklichkeit aufwacht, indem man zum Bewusstsein kommt, das es bloss ein Traum war; alles Böse, das man getan hat, nur ein Traum. So werden die Gewissensbisse ausgetilgt in und mit der Handlung, die nicht begangen worden ist! Das ist Erlösung, Errettung!
25. Juni.
"Inferno" ist jetzt fertig geschrieben. Ein Marienkäfer hat sich auf meine Hand gesetzt. Ich warte ein Wahrzeichen ab für die Reise, die ich vorbereite. Der Marienkäfer fliegt auf und nimmt den Kurs nach Süden! Südwärts also.
Von diesem Augenblick setzte ich meine Abreise nach Paris fest. Aber es scheint mir zweifelhaft, ob die Mächte mir ihre Zustimmung geben. Ein Raub innerer Kämpfe lasse ich den Juli verfliessen, und mit dem Eintritt des August erwarte ich ein Zeichen, um mich zu bestimmen. Zuweilen fällt mir ein, dass die Lenker meines Schicksals nicht unter sich einig sind, und dass ich der Gegenstand einer längeren Erörterung bin. Einer treibt mich an, und ein anderer hält mich zurück.
Schliesslich am Morgen des 24. August steige ich aus dem Bett, ziehe die Fenstergardine auf und erblicke eine Krähe, die auf dem Schornstein eines sehr hohen Hauses sitzt. Sie nimmt sich ganz so aus wie der Hahn auf dem Turm der Kirche Notre-Dame-des-Champs (siehe "Inferno"), stellt sich, als fliege sie ihres Weges, mit den Flügeln schlagend und nach Süden gewandt.
Ich öffne das Fenster. Da erhebt sich der Vogel, laviert, fliegt gerade auf mich zu und verschwindet.
Ich nehme das Wahrzeichen an und packe meine Sachen.
12.
In Paris.
Noch ein Mal—ob es das letzte ist?—steige ich auf dem Nordbahnhof aus. Ich frage jetzt nicht: was habe ich hier zu tun, da ich mich zu Hause fühle in der Hauptstadt Europas. In mir ist allmählich der Entschluss gereift, nicht ganz klar, das gestehe ich ein, im Benediktinerkloster zu Solesmes eine Zuflucht zu suchen.
Aber erst gehe ich und besuche die alten Stellen mit ihren schmerzlichen und doch so lieben Erinnerungen. So sehe ich wieder den Luxemburg-Garten, Hotel Orfila, den Kirchhof von Montparnasse, den Jardin des Plantes. In der Rue Censier bleibe ich einen Augenblick stehen, um einen verstohlenen Blick in das Gärtchen meines Hotels an der Rue de la Clef zu werfen. Gross ist meine Gemütsbewegung, als ich den Pavillon mit meinem Zimmer sehe, wo ich dem Tode entging in jener schrecklichen Nacht, als ich mit dem Unsichtbaren rang, ohne es zu wissen. Man kann sich meine Gefühle denken, als ich meine Schritte nach dem Jardin des Plantes lenke und die Spuren der Wasserhose sehe, die gerade meine Allee verheert hat, die vor den Bären und Bisonochsen.
Auf dem Rückweg die Strasse Saint-Jacques hinuntergehend, entdeckte ich die Buchhandlung der Spiritisten und kaufe das "Buch der Geister" von Allan Kardec, das mir bisher unbekannt war.
Ich nehme und lese. Das ist ja Swedenborg und vor allem die Blavatzky, und als ich überall meinen eigenen "Casus" wiederfinde, kann ich mir nicht verhehlen, dass ich Spiritist bin. Ich Spiritist! Hätte ich gewusst, dass ich als Spiritist enden würde, als ich mich über meinen früheren Chef an der Königl. Bibliothek in Stockholm lustig machte, weil er Anhänger des Spiritismus war! Man weiss nie, in welchen Hafen man schliesslich einläuft!
Während ich meine Studien in Allan Kardec fortsetze, bemerke ich ein stufenweise geschehendes Wiederauftreten der beunruhigenden Symptome von früher. Das Gepolter über meinem Kopfe beginnt, ich werde von Beklemmung angefochten, eine Furcht vor allem zeigt sich. Aber ich lasse mir nicht beikommen und fahre fort, die spiritistischen Zeitschriften zu lesen, während ich genau meine Gedanken und Handlungen überwache.
Da werde ich nach ganz unzweideutigen Warnungen eines Nachts genau um zwei Uhr von einer Herzaffektion geweckt.
Ich habe den Wink verstanden: Es ist verboten, in den Geheimnissen der Mächte zu forschen. Ich schleudere die unerlaubten Bücher weg, und sogleich kommt der Friede zurück; ein hinreichender Beweis für mich, das der höhere Wille befolgt worden ist.
Am folgenden Sonntag gehe ich in Notre-Dame und wohne der Vesper bei. Von der Ceremonie ergriffen, obwohl ich kein Wort davon verstehe, zerfliesse ich in Tränen und gehe mit der Überzeugung fort, dass sich hier in der Mutterkirche der erlösende Hafen befindet.
Doch nein, es war nicht so! Denn am Tage danach lese ich in La Presse, dass der Abt des Solesmes-Klosters soeben wegen Sittlichkeitsvergehens abgesetzt ist.
Bin ich denn immer ein Spielball, ein Gelächter für die Unsichtbaren! rief ich aus, von einem so gut gerichteten Stoss getroffen. Danach schweige ich und unterdrücke die ungebührliche Kritik, fest entschlossen, abzuwarten!
Das nächste Buch, das mir zufällig in die Hand fällt, lässt mich die Absichten meines Lenkers hervorschimmern sehen. Es ist die "Versuchung des heiligen Antonius" von Flaubert. "Alle diejenigen, die von Sehnsucht nach Gott gemartert werden, habe ich verschlungen", sagt die Sphinx.
Dieses Buch macht mich krank, und ich werde bange, wenn ich darin die Gedanken erkenne, die ich in meinem Mysterienspiel ausgedrückt habe: das Einsetzen des bösen in die Rechte des guten Gottes. Und ich werfe es nach dem Durchlesen von mir als eine Versuchung des Teufels, der es verfasst hat. "Antonius macht das Zeichen des Kreuzes und versinkt wieder in Gebet." So schliesst der Verfasser sein Buch, und ich folge seinem Beispiel.
Danach und zu rechter Stunde bekomme ich "En Route" von Huysmans. Warum ist dieses Bekenntnis eines Okkultisten mir nicht früher in die Hände gefallen? Weil es notwendig war, dass zwei analoge Geschicke sich parallel entwickelten, damit das eine mittelst des andern gestärkt werden könnte.
Ein Neugieriger, der die Sphinx herausfordert und von dieser verschlungen wird, damit seine Seele am Fusse des Kreuzes erlöst werde.
So, nun mag meinetwegen ein Katholik zu den Trappisten gehen und vor dem Priester beichten, für mein Teil aber dürfte es genügen, dass ich mea culpa schriftlich coram populo bekannt habe. Übrigens können die acht Wochen, die ich in Paris zugebracht habe, während ich dieses Buch schrieb, gegen den Eintritt in das Kloster und mehr noch aufgehen, weil ich vollständig wie ein Eremit gelebt habe.
Eine kleine Kammer, nicht grösser als eine Klosterzelle, mit Gitterfenstern oben unter der Decke, hat mir zu Wohnung gedient. Durch das Gitter in der Fensteröffnung, die nach einem tiefen Hof zu geht, kann ich ein Stück vom Himmel sehen und eine graue Wand mit Efeu, der hinaufklettert dem Lichte zu.
Die Einsamkeit, die an und für sich schrecklich ist, wird noch düsterer im Restaurant unter einer lärmenden Schar Leute, zwei Male am Tage. Dazu die Kälte, ein beständiger Zug quer durchs Zimmer, von dem ich eine fressende Neuralgie bekommen habe; Sorgen, binnen kurzem ohne Hilfsmittel dazustehen, die Rechnung, die beständig wächst. Möchte glauben, dass das verschlägt!
Und dann die Gewissensbisse! Früher, als ich mich selbst für verantwortlich ansah, war es nur die Erinnerung an begangene Dummheiten, die mich peinigte. Jetzt ist es das Böse selbst, meine schlechten Handlungen, die meine Geissel ausmachen. Und zum Überfluss erscheint mir mein vergangenes Leben als ein einziges Gewebe von Verbrechen, wie ein Gewirr von Gottlosigkeiten, Bosheiten, Missgriffen, Grobheiten in Wort und Handlung. Ganze Szenen aus meiner Vergangenheit rollen sich vor meiner Anschauung auf. Ich sehe mich in der einen und der andern Situation, und immer ist es eine abgeschmackte. Ich wundere mich, dass jemand mich hat lieben können. Ich klage mich alles Möglichen an; keine Niedrigkeit, keine widrige Handlung, die nicht mit schwarzer Kreide auf dem weissen Schleier steht. Ich werde von Entsetzen vor mir selbst erfüllt und möchte sterben.
Es gibt Augenblicke, da die Schamröte das Blut in meine Wangen jagt, bis in meine Ohrläppchen. Selbstsucht, Undankbarkeit, Groll, Neid, Hochmut, all die Todsünden führen ihren Gespenstertanz vor meinem erwachten Gewissen aus.
Und während mein Gemüt sich martert, verschlechtert sich mein Gesundheitszustand, vermindern sich die Kräfte, und mit dem Hinschwinden des Körpers beginnt die Seele ein Vorgefühl von ihrer Befreiung aus dem Schmutz zu bekommen.
Ich lese gegenwärtig Töpffers "Presbytere" und Dickens' Weihnachtserzählungen, und die schenken mir eine unsägliche innere Ruhe und Freude. Ich kehre zu den Idealen meiner besten Jugendzeit zurück und nehme von neuem die Kapitale, die ich im Spiel des Lebens verloren habe, in Besitz. Der Glaube kommt zurück, das Vertrauen zu der natürlichen Güte der Menschen, der Glaube an die Unschuld, die Uneigennützigkeit, die Tugend!
Die Tugend! dieses Wort ist verschwunden aus den modernen Sprachen, es ist verworfen worden als durch und durch lügenhaft!
(In diesem Augenblick ersehe ich aus den Zeitungen, dass mein Schauspiel "Frau Margit" in Kopenhagen aufgeführt worden ist. In diesem Stück siegen Liebe und Tugend, ganz wie im "Geheimnis der Gilde". Das Schauspiel hat nicht gefallen, ebenso wenig jetzt wie bei der ersten Aufführung im Jahre 1882. Warum nicht? Weil man findet, es sei veraltetes Geschwätz, diese Geschichte von der Tugend!)
Ich habe soeben wieder Maupassants "Horla" gelesen. Das ist ja das Finale aus dem "Don Juan", nicht wahr? Jemand kommt, unsichtbar, mitten in der Nacht ins Schlafzimmer hinein. Er trinkt Wasser und Milch und schliesst damit, Blut aus dem armen Don Juan zu saugen, der, zu Tode gejagt, gezwungen wird, Hand an sich selbst zu legen.
Dies ist etwas wirklich Erlebtes: ich kenne mich darin wieder, und ich leugne nicht, dass eine Geistesstörung vorhanden ist, aber ich sehe jemand dahinter.
Meine Gesundheit verschlechtert sich immer mehr, da Risse in den Wänden sind, so dass Rauch und Kohlendunst in mein Zimmer eindringen. Als ich heute auf der Strasse ging, bewegte sich das Pflaster unter den Füssen gleich einem Schiffsdeck in langen Schwankungen. Nur mit merkbarer Schwierigkeit kann ich die Höhe zum Luxemburggarten hinaufgehen. Der Appetit wird immer geringer, und ich esse nur, um die Schmerzen im Magen zu stillen.
Eine Erscheinung, die sich oft wiederholt nach meiner Ankunft in Paris, hat mir verschiedenes zu denken gegeben. Im Innern meines Rockes, auf der linken Seite, gerade da wo das Herz sitzt, hört man nämlich ein regelmässiges Klopfen; es erinnert an den Tick-tack-Laut, der in Wänden von dem Käfer hervorgebracht wird, der in Schweden "Zimmermann" genannt wird, aber auch "Totenuhr"; es soll jemandes Tod ankündigen. Ich glaube erst, es sei meine Taschenuhr, aber das hielt nicht Stich, da das Klopfen fortfuhr, nachdem ich die Uhr weggelegt hatte. Es sind auch nicht die Federn meiner Tragbänder oder das Futter der Weste. Ich nehme die Deutung der Totenuhr an, weil die mir am meisten behagt.
Vor einigen Nächten hatte ich einen Traum, der aufs neue meine Sehnsucht weckte, sterben zu dürfen, indem er mir die Hoffnung auf ein besseres Dasein wiedergab, wo man keine Gefahr läuft, einen Rückfall in die Qual des Lebens zu tun.
Als ich auf einem Vorsprung, der von einer jähen in Dunkel gehüllten Tiefe begrenzt wurde, zu weit vorgetreten war, fiel ich mit dem Kopf voran in einen Abgrund. Aber ich fiel eigentümlicher Weise hinauf statt hinunter. Und unmittelbar umgeben wurde ich von einem blendendweissen Lichtschimmer, und ich sah——
Was ich sah, flösste mir zwei gleichzeitige Vorstellungen ein: ich bin tot, und ich bin erlöst! Und ein Gefühl der höchsten Seeligkeit umhüllte mich bei dem Bewusstsein, dass das andere nun zu Ende sei. Licht, Reinheit, Freiheit erfüllten mein Gemüt, und indem ich ausrief: Gott!, empfand ich die Gewissheit, dass ich Vergebung bekommen habe, dass die Hölle hinter mir liege, dass sich der Himmel öffne.
Seit dieser Nacht fühle ich mich noch heimatloser als vorher hier in der Welt, und gleich einem müden, schläfrigen Kinde verlange ich, "heim gehen" zu dürfen, den schweren Kopf an einen mütterlichen Busen zu legen, im Schoss einer Mutter zu schlafen, der keuschen Gattin eines unermesslich grossen Gottes, der sich mein Vater nennt und dem ich nicht zu nahen wage.
Aber dieser Wunsch verbindet sich mit einem andern: nämlich die Alpen zu schauen und genauer bestimmt die Dent du Midi im Kanton Wallis. Ich liebe diesen Berg mehr als die andern Alpen, ohne erklären zu können weshalb. Vielleicht dass es die Erinnerung an meinen Aufenthalt am Genfersee ist, wo ich die "Utopien in der Wirklichkeit" (Schweizer Novellen) schrieb, und an die Landschaft dort, die mich an den Himmel "erinnerte".
Dort habe ich die schönsten Stunden meines Lebens gelebt, dort habe ich geliebt! Geliebt Frau, Kinder, die Menschheit, das Weltall, Gott!
"Ich hebe meine Hände auf zu Gottes Berg und Haus!"
Paris, Oktober 1897.