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J. C. Lavater's Sittenbüchlein für das Gesinde cover

J. C. Lavater's Sittenbüchlein für das Gesinde

Chapter 4: Gebetlied eines Dienstboten.
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About This Book

A concise pastoral manual offers simple, direct advice addressed both to household masters and to their servants, urging employers to act with justice, gentleness, patience, and charity and urging servants to accept their station, cultivate Christian virtues, perform duties faithfully, and examine their conscience. The text combines practical behavioral rules with devotional encouragement, emphasizing humility, gratitude, obedience, and mutual respect. Its plain-language admonitions are designed for brief, recurring reading and personal reflection, and leaders are urged to set a moral example rather than rely on harsh discipline.

Gebetlied
eines
Dienstboten.

Du aller Wesen Herr und Meister,
Des Leibes Schöpfer, Geist der Geister,
Mein Schöpfer, Vater, ich bin dein!
Du hießest mich, o Allmacht, werden;
Du setztest mich, dein Kind, auf Erden,
Und deiner soll mein Herz sich freun.

Du heissest mich den Menschen dienen,
Ja dir nur folg ich, folg ich ihnen,
Dir, unser aller Herr und Gott.
Drum hilf mir, meiner Herrschaft Willen
Gewissenhaft und froh erfüllen,
Als deinen Willen, dein Gebot.

Bewahre mich vor bittern Klagen,
Lehr mich mein Joch gelassen tragen;
Und stets auf dich, auf dich nur sehn.
Herr, lehr mich reden, lehr mich schweigen,
Mich unbeweglich treu erzeigen,
Und nur gerade Wege gehn.

Der Herrschaft Glück soll mich erfreuen,
Laß jeden Fehler mich bereuen,
Und frömmer werde stets mein Herz.
Bewahre mich vor Stolz und Neide,
Vor Ungeduld, Herr, wenn ich leide,
Sey du mein Trost in jedem Schmerz!

O gieb mir Weisheit mich zu schmiegen,
Gehorsam, Herr, sey mein Vergnügen,
Und Freude sey mir jede Pflicht.
Mein Sitzen, Liegen oder Stehen,
Mein Reden, Schweigen, Thun und Gehen
Gescheh vor deinem Angesicht.

Du bist der Treue, der Gerechte,
Der Herr der Herren und der Knechte,
Der Armen wie der Reichen Heil.
Der Allerniedrigste auf Erden
Kann groß in deinem Reiche werden,
Hat Fürsten gleich, Gott, an dir Theil!

Ja, du wirst ewig mich belohnen,
In deinem Himmel werd ich wohnen,
Dort König mit dir König seyn.
Ach! Herr, mögt ich dieß stets ermessen,
Nicht dein und deines Reichs vergessen,
Wie würd ich ewig seelig seyn!

Anmerkungen zur Transkription:

Im folgenden sind die Änderungen am Originaltext aufgeführt.

  • Seite 29: „fleisig“ geändert zu „fleißig“:
    Nur dann recht thun, nur dann fleisig fleißig seyn, wenn die Herrschaft um die Wege ist,
  • Seite 29: „zusteht“ geändert zu „zusieht“:
    wenn die Herrschaft um die Wege ist, oder dir zusteht zusieht; und nachlässig und träg,
  • Seite 34: „Herschaft“ geändert zu „Herrschaft“:
    was im mindesten zum Nachtheil ihrer Herschaft Herrschaft gereichen könnte.
  • Seite 40: „st“ geändert zu „ist“:
    Ihr Dienstboten! dieß st ist Gottes Meynung hierüber — Seyd eurer Herrschaft
  • Seite 45: „Erkeuntniß“ geändert zu „Erkenntniß“:
    deiner christlichen Erkeuntniß Erkenntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe