WeRead Powered by ReaderPub
Jedermanns Hundebuch cover

Jedermanns Hundebuch

Chapter 20: 13. Kapitel. Leinenführigkeit.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

Praktischer Leitfaden zur Hundehaltung, der den Lebenslauf des Haushundes in drei Altersstufen gliedert: Welpe, Junghund, Jährling. Er verbindet Pflege, Ernährung und Geburtshilfe mit schrittweiser Erziehung, von Stubenreinheit, Leinengewöhnung und sozialem Verhalten bis zu Gehorsamsübungen, Leinenführigkeit, Apportieren, Wasserarbeit und Schussfestigkeit. Zusätzlich enthält der Text Hinweise zu Zwinger- und Unterbringungsfragen, Fell- und Gesundheitsfürsorge, Wurmbekämpfung, Medikamentengabe, Zucht sowie Altersversorgung einschließlich Tötung. Der Ton ist praxisorientiert und betont, dass konsequente, altersgerechte Maßnahmen und Verständnis für die organischen und psychischen Entwicklungsphasen Voraussetzung für einen verträglichen, nützlichen Haushund sind.

7. Kapitel.
Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.

Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man sie immer herumträgt und sich beständig mit ihnen beschäftigt, verzogen und verwöhnt hat, so widmet sich auch häufig das ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die Folge ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich macht. Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig abgestellt werden, sein Lager auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus angewiesen erhalten, um auch sich zu bescheiden und Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. Nach Mahlzeiten heißt es „Platz”, beim Verlassen sofort: Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst vorgenommen werden, wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann kostet es Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend bestrafen, das man selbst verschuldet hat. Windhunde, Airedaleterriers, Boxer, französische Bulldoggen fügen sich williger; Schäferhunde, Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; wünscht man ruhigere Tiere, so mag man das schon bei Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan. Läßt man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so wird er heulen oder seine Langeweile in Zerstörungen, Anbeißen von Portieren, Stiefeln, Polstern auslassen, die Türe zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar annagen. Nachts, oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs kurz, wenn älter, länger auszudehnen. Junge Hunde sollen nicht beständig an der Kette liegen, da sie dadurch in der Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und Brustpartie Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich zu machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn der Herr nicht drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager kurz angekettet, sich auch anfangs etwas aufgeregt benehmen, so ist es besser, sie gewähren und selbst zur Einsicht kommen zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen. Nur wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß man kurz und energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald zu erlösen, wenn sie sich eine Zeitlang gefügt haben. Zur weiteren Übung wird die Dauer verlängert. Haben sie so eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man bei allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen müssen. Springen auf Stühle ist sofort energisch durch einen Schlag mit der Gerte zu verweisen, ebenso jeder Versuch auf Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf der Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem Boden liegen (Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) oder fallen, mit den Zähnen erfassen oder gar auf sein Lager schleppen, um damit zu spielen. Das würde zum Zerbeißen führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag über die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort unter Rüge abgenommen werden. Um die Strafe eindringlicher zu machen, legt man den betreffenden Gegenstand noch eine Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit ihn anreizende Gegenstände aus, so bestreue man diese mit Tabakstaub oder Pfeffer. Ein sehr nützliches und billiges Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine Schlagmausefalle, die man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf einen Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, so klappt die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen Schlag auf die Nase. Mit derselben Falle gewöhnt man Junghunden und auch älteren das Naschen gründlich ab. Auf die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und diese kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt dann der Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da er niemand bemerkt, der die Lektion austeilte. Besucher und Freunde bittet man, den Hund nicht anzulocken oder anzusprechen, ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern einen zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der Straße später Fremde vollkommen ignorieren muß. Das alles sind zwar Selbstverständlichkeiten, doch soll sich der Erzieher eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren sein, nicht erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis kommen. Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man lange überlegt und dann beschließt, muß schon das Kommando der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch von Rasse und Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm aufspringt und sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei größeren Rassen gewehrt werden. Sollen wir da mit scharfem Verweis verbieten, was uns erfreuen müßte? Wir beugen bei unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch: „Setz dich, gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo geht es ohne solche im Leben?

8. Kapitel.
Melden und Lautgeben.

Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er sowohl auf Kommando, sowie bei allen auffälligen Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt und das wiederholt, bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar selbst verwirrt wird, wenn dieser in heftiger Erregung Befehle gibt, so wird der Herr mit der Zeit genau unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut wie fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung beim Wachen anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen anderer Hunde mitmacht, was in langes Geheul oft in stiller Nacht übergeht, oder ob er einen zwar gegebenen Anlaß aus Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst steigert. Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht durch Erschrecken von Kindern und alten Leuten in Konflikt zu kommen, so daß man sie sogar morgens nicht frei, sondern nur angeleint hinausführt oder sie einen Gegenstand im Maul tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort z. B. das kurz herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt. Fast alle Hunde schlagen an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel erwarten, bemerkt man nur den Ansatz dazu, so ruft man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald das geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft wiederholt, bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das Kommando ohne Schüssel, doch die Befolgung belohnt, später nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der Trieb zur Bewegung lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, wenn man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier verfährt man ebenso. Andere lockt der abendliche Knochen mehr, den man beriechen läßt, ohne ihn zu geben. Wieder andere geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen hören, wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, oder wenn es an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man durch Zuruf, verhindert aber den Übergang des Meldens in heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg dich”! Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe zu herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen mechanisch erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben kann. Jeder solche körperliche Zwang ist besser als ein strafendes Wehren, das vom Hund leicht als Strafe für Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird. Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden gibt es noch mehr; oft schon Anziehen von Paletot oder Ergreifen des Hutes, Poltern durch Hilfspersonen an der Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die Vorderpfoten, wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl und später bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt gegeben wurde, auch ohne Befehl anzuschlagen. Solche sind: Eintritt oder Ankündigung fremder Personen, Warten vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches Stoßen auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es z. B. nachts nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in Erregung den Befehl (st, st) nicht, so drückt man den Kopf nieder oder wickelt schnell die Leine um den Fang, ohne Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich, sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine Zeitung im Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt vor dieser fortgesetzt bellen zu lassen; dann wird er sicher jedes Feuer im Haus melden, dessen Geruch er wahrnimmt, wenn er es selbst nicht sieht.

9. Kapitel.
Verhalten auf der Straße.

Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit (s. Kap. 13) ergibt sich diese für den erwachsenen Hund von selbst; vom Junghund kann das noch nicht gefordert werden; er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs in der Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während der lebhaften Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. Man gewöhne sich und ihn, bis er sich gelöst hat, auf der Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir unseren Mitmenschen, ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau so wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch weniger sollen sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in einsamen Straßen herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle Haltung alles, was Anstoß erregt, so wird die Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus Spielerei allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, Auto, Kindern, nachlaufen und nachbellen wollen. Ein scharfer Ruck und plötzlicher Schlag über Schnauze mit Gerte muß das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos erscheint. Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, das Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon mehrmals im Haus durch Verabredung üble Erfahrung beim Einschmeicheln bei Fremden machen lassen, so muß man das mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich vertrauensselig dieser nähert, erfolgen durch diesen einige energische plötzliche Schläge. Nach 2—3, Lektionen, besonders nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen Hund mit sich führen, ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe, wozu jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich, während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. Auch wir haben im Leben alle schlechte Erfahrungen selbst machen müssen, obschon es an „guten Lehren” von Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich ist, sich nur an seinen Herrn zu halten. Tollt der Hund Wagen nach, so würde der temperamentvolle Terrier oder Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen des Kutschers erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel ist deshalb die Gummischleuder (Abb. 1), die zum Kurieren für Raufer, Geflügel- und Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. Ein scharfer Pfiff und dazu einige Schrotkörner, deren Herkunft dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die Schleuder, spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend und erspart bei lebhaften Hunden die hohen Unkosten für Dressur oder für manchen verhüteten Schaden. Haben wir in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst und es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner steiler Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben fast alle geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, Doggenschläge, Dobermannpinscher; hält man einen solchen, so versäume man Anschaffung der Gummischleuder (Zwille) nicht und beobachte scharf, besonders im Alter beginnender Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den ersten Anzeichen von Erregung, Stutzen beim Anblick des Gegners muß schon der Strafschuß erfolgen und dann sofort an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in entgegengesetzter Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei unter scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, Schnauzer, Bernhardiner. Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen sind weniger kampflustig veranlagt; diese werden nur bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch bei nächtlicher Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen Hundes ist diese „lange Peitsche” nützlich, sowie das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern vom Hause zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist. Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr kurz, duldet nicht das Beriechen der am Eingang stehenden Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig vom Aufheben des Beines begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei fortlaufen oder überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden allein warten, wenn er fest im Appell ist.

10. Kapitel.
Verhalten auf Spaziergang.

Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der Verkehrsstraße, soll beim Spaziergang hinaus möglichste Freiheit für den Hund angestrebt werden; hier soll er sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter Auslauf auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung, geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, kurz alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, Zucht- und Arbeitshund stempelt, und zu jener schönen Erscheinung macht, die der Preisrichter auf Ausstellungen über alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns selbst eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können und Alter angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen Spaziergängen lernen sich Herr und Hund kennen und wachsen zu einer Einheit zusammen. Von der Erfrischung und Erholung für uns selbst noch gar nicht zu sprechen. Winselnd und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft ernährte, energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- und sechsmal versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. Er wird gelobt, wie man überhaupt viel mit dem Hunde sprechen soll. Zeigt er Spuren von Ermüdung, z. B. nach lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre Ellenbogen, so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen einen halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man ihn mit achttagelanger Haltung im Haus und an Leine nicht so fest an sich gewöhnen, als wenn man schon am zweiten Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch scheinbar davon, so rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter Richtung. Kehrt er zurück in die Nähe, so spricht man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt ihn weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei kommt und erst kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder angelegt wird. Fremde zogen hinaus, zwei gute Freunde kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend mit Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen Hund hinter einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, so muß man doch sofort anrufen, wenn der Hund mit tiefer Nase auf Wildspur sucht. Aus dem gelegentlichen Hetzer, den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird ein Gewohnheitswilderer. Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund das Recht des Jagdinhabers respektieren und dessen Wild nicht beunruhigen. Es ist wohl kein Unglück, wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen schwarzen Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; er versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier scharf gewehrt werden muß. Wenn auch Hundefreunde selten Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch den Junghund sofort abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche anzugreifen. Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte natürliche Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen Hundes gegen das kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. Unterläßt man anfangs das Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, ebenso von ruhigem Geflügel. Ein gutes Mittel zur Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken führende Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so energisch auf den Hund los, daß dieser für immer belehrt ist. Allzuängstlich braucht man bei Begegnung mit fremden Hunden in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens Flöhe. Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, so fasse man nie mit ungeschützter Hand nach dem Halsband, das hat schon manchem gefährliche Bisse eingebracht. Eher nach Hinterlauf oder noch besser an der Rute. Fremde drohende Bauernhunde lassen sich meist verscheuchen, wenn man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, steigert die Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches Entfernen und Abpfeifen mehr als Dabeistehen und Schelten. Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei denen uns vielleicht ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein Schrotschuß mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn er die Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in Dienst, wenn der Hund Radfahrern oder Wagen nachprellt, was er selten tun wird, wenn man fleißig mit ihm ins Freie geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, so daß er mit entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. Hunde, die dazu neigen, das Aas auf große Entfernung wittern und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten, sofort anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, so erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter Verweis der betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu einseitig ernährt werden (Mangel an Nährsalzen), neigen zum Kotfressen. Auch hier hilft nur Aufpassen, wenn man versteckte Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für menschliche Kotablage geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von Chlorkalzium in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch oder Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird man möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, dirigieren. Der Hund soll sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn an jeder Straßenecke ruft, erzieht einen Hund, der geht, wohin er will, statt daß er den Herrn beständig im Auge behält.

11. Kapitel.
Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).

Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der Hund noch im unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der Gehorsam muß anerzogen in sein ganzes Wesen übergehen, nicht durch Dressurlektionen erzwungen werden. Der Nachhilfe, die dazu unerläßlich, setzt der Junghund noch weniger Muskelkraft entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei durch kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches Befolgen für ihn von Vorteil ist. Hat er begriffen, was er soll, so genügt später freundliches Lob. Das vertrauensvolle bedingungslose Herkommen soll auch deshalb der systematischen Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen Zwang und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der Junghund im Kommen nur das Laufen zum freundlichen Herrn erblickt, der ihn noch nicht mit Lernen und sonstigen Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis (kurz nach der Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter Emotion (Spiel, Springen, Bellen), in deren Bann seine Aufmerksamkeit voll steht, noch in Anwesenheit ablenkender Personen (Kinder, belebter Hof). An die Führungsleine muß er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser nicht ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie durch eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser voll nach, legt die Schleife um das Handgelenk und ruft den Namen, dazu lockend: „herein”, in die Hände klatschend. Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen Gang zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. Kommt er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran falls nötig mit leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt man ihn freundlich, als ob er von selbst gekommen wäre. Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten Leine läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben. Sobald er das erste Mal willig und von selbst kommt, erhält er eine Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne Ablenkung durch die Umwelt wird jeder Hund nach 3 Tagen verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. Kommt er willig, so löst man ihn nach Belohnung und springt selbst mit ihm ein Stück, was immer für jeden Hund ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist. Plötzlich bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und ruft unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch einer Pfeife bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, um den Weg zu kürzen, entgegen, weil das Zugehen eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der Annahme veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, gemäß der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen sind so lange an der langen Leine fortzusetzen, bis der Hund genau begreift, was er soll und daß er muß. Hierauf kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich nicht einmal um, so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne vorherige Drohung. Auf diesen der freundlichste Anruf. Hierauf wieder einige Übungen an der langen Leine. Hört der Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt machend, so wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man sich rasch und lockt; wiederholt die Übungen an der Leine. Überflüssiges Pfeifen und Anrufen (Kommando, etwas anderes als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf Gehör (Ruf, Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem Arm unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. Später wird das Deuten mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, wo er einen Gegenstand zu suchen, also seine Aufmerksamkeit hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das Winken mit dem Arm allein genügen. Sitzt das Herkommen fest — geübt wird es seltener, nur praktisch angewandt —, so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male im Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und Armbewegung, scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom Hause: „Geh Platz!” unter Lösen von der Leine scharf gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er erwartet und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum Fressen zu verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung erhöht auf 30 m und der Hund nach 14 Stunde abgeholt und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig, so begleitet man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando „Geh Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle Entfernungen ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn man seinen Hund mit einer Botschaft nach Hause senden kann, werden sie später nach vollendeter Reife wiederholt, wenn der Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht abfangen zu lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den Junghund lehren sofort nach Hause zu finden, wenn er sich vom Herrn zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das Haus verlassen hätte. Ist er im Nachhausegehen nie geübt worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht zu Verlust geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang in Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando „Geh Platz” vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er gefolgt hat und ruft dem an der Haustür wartenden Hund aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste Mal wird er von selbst durch Bellen Einlaß verlangen.

12. Kapitel.
Spielende Dressur.

Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden einsetzen dürfe, schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in 6—8 Wochen einen Hund in allen Fächern firm machen soll, kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie aber anwendet, muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund spielen, sondern den Trieb zum Spiel ausnützen, der nichts ist als Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles sah (s. dessen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, 27. Brief). Dem Kind ist sein Spiel tiefer Ernst; nur wer darauf eingeht, es nicht als gehaltlose Tändelei ansieht, wird das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den zum Spiel aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere, bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind nicht vom Dresseur erfunden und geschaffen, sondern vom Tier selbst; der Vorführende schleift höchstens ab und inszeniert. Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von Dressur erreicht auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer Pose und einem Versuch etwas macht, dazu das Kommando und Nebenumstände schafft. Was wir selbst nach Vorschriften für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein Wehren unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein mechanisches Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen von Sinnesanlagen (Gehör, Nase) und Urtrieben (Suchen, Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr oder minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder geringere Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser der Individuen, das allein unterscheidet die Resultate an den Hunden trotz aller Erziehung und Dressur. Den Jagd- und Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht. Anders beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der Spieltrieb ein, das Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. Kommt der Besitzer dem nicht entgegen, bietet er nicht die äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft gehaltene Tier ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das unliebsame Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei Kindern. Vorbeugend sperrt man tateneifrige Hunde in den Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie störrisch werden und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie intelligent, lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb apportieren; wenn er sich irgendwelche Gegenstände auf seinen Platz schleppt, ist der richtige Zeitpunkt. Man läßt vom Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von folgendem Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht rollt, je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn dicht vor den Augen des Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, fängt ihn auf, um so die Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn dann an einen glatten Platz: Hausflur, Garten, nach Ruhe während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen Augen fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund springt sofort nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht sogleich, so kommt man zuvor, nimmt ihn weg, bewegt das Holz vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für Foxterriers, Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit mit der leichten Beute davon eilen. Und es kommt darauf an, daß der Hund den Gegenstand alsbald abgenommen erhält, bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine Fortsetzung des Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund gefaßt hat erfolgt das Kommando: „herein”, auf das er in seinem Eifer meist nicht prompt folgt, nur mit Aufhorchen oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit sanfter Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue: „Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, so daß es Reiz des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden oder langweilen, niemals dürfen wertlose Holzstücke oder gar Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen werden, benützt werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, so stiftet man für spätere Dressur zum korrekten Apportieren Schaden, verleitet man ihn sich Gegenstände des Haushalts zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund Freude am Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male an langer Leine. Für jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig Entgegenkommen muß man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter. Gestraft wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn man zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder Vollball ersetzt. Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt man sie mit hellem Stoffstück, um sie sie mit dem Auge zu finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des Einfallens und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen, eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig für alle spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, wenn der Hund selbst sein Lager verläßt und zum Herrn kommt, sich meldet; dann ist er aufgelegt, empfänglich. Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht befehlen. Setzt er sich fragend vor uns, so richten wir ihn an den Vorderpfoten auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. Macht er Miene sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, brechen ab, ehe er herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das nächste Mal halten wir ihm unter dergleichen Mahnung einen Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn nach kurzer Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden diese und ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst zum Herrn kommt, so haften sie nach 3—6 mal. Holt man ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach 10 maliger Anweisung noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach Anlocken unter Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den Hinterbeinen auf, so ist es Kleinigkeit, diese Stellung zu verlängern durch langsames Entfernen über ihm nach rückwärts, unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen auf den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben aufgerichtet und Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. Sie müssen selbst die dazu nötige Stellung ausbalancieren und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir ruhig im Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns mit der Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. Hält dann die offne Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, so stößt man leicht von rückwärts den Vorderlauf an: „Gib Pfote.” Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen sich immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer Menschen sind der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene zu erfassen macht den Laien zum Dressurkünstler, nicht das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen mag man nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht, muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen.

III. Teil.
Systematische Dressur des Jährlings.


13. Kapitel.
Leinenführigkeit.

Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder in der Gewalt, das endgültige Gebiß bekommen, so geht der Junghund in den Jährling über, je nach Rasse im 7., bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren erzogen wurden, Rassen mit Tradition der Dressur wie Jagdspaniels begreifen fast von selbst. Statt des Lederriemens erhält der Jährling sein solides Zug-, der Polizeihund sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur tritt die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt bisherige Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen und Ausführung, sind aber unerbittlich in exakter Befolgung. Leinenführig ist nur der Hund, der an linker Seite, dicht am Knie, den Kopf für Führer sichtbar, die Vorderläufe in gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die Leine je zu spannen. Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, so daß uns der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader Vorgärtenreihe, Häuserwänden ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, deutlicher Anruf, kurze stille Rast, Anlegen. Leine kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: „am Fuß” und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen wir ganz langsam so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, daß der Hund links durch diese, rechts durch das linke Bein eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die Länge der Leine. Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes Zurückziehen und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender Schlag mit der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die vorgestreckte Nase. Leichtes Lob, lebhaftes würde zum Springen veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen Nachschleichen. Das Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht teilnahmlos nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt sich das „am Fuß” fester ein als bei dem bisherigen gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man mal stehen, so wird das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, wenigstens die ersten, damit die Bewegungsart die Führung unterstützt. Erster Tag ohne Hindernisse und Wendungen; am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum Vorspringen mit aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst erst bei dritter oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges vorteilhaft, später auf anderer Straßenseite ohne die bannende Wand oder Mauer links. Nächste Steigerung: belebtere Wege unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei Annäherung von Hunden; Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. Jedes scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando „am Fuß”! und leicht angezogener Leine. Wiederholung frei „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und Entlassung: „Voraus”.

14. Kapitel.
Setz dich, Leg dich, Ablegen.

Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund begreifen muß, was er soll; das Verharren ist das Folgen aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart. Anfangs übt man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, zu denen auch der Trieb des ersten Auslaufens beim Ausgang gehört. Zunächst Namenanruf, Anhängen der Leine, Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt nach Halsband unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt die Keulen nieder, kurzes Kommando „Setz”! Die rechte Hand läßt nach, zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase gehaltene Handfläche (späteres Zeichen ohne Kommando), die linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen der rechten Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück, leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, wenn angezeigt, Abmarsch mit „am Fuß”! Später Wiederholungen, kurzes Kommando und Hilfe zur Ausführung ergänzen sich rasch zusammenfallend. Nutzanwendung: so oft der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt, jedesmal „Setz dich”! Bald nur noch auf Vorhalten der Hand senkrecht vor die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald und wo immer der Herr still steht. Zweck: würde der Hund ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie durch Unterhaltung, Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist, stehen, so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend weiter bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am Ort, ohne daß er leicht getreten wird oder in Versuchung kommt. Je temperamentvoller die Rasse (Polizeihund), desto wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es selten, da ungeduldig.

Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere Dressur unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. Gut erzogene Hunde wissen schon aus dem Befehl: „Platz, leg dich”, was sie jetzt sollen. Führen sie es aus dem Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl: „Leg dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, während die rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne schiebend. Die linke Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich wagrecht wie hypnotisierend über den Augen. Allmählich hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit wagrechter Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand auf den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von Übungen muß der Hund lediglich auf Erheben des rechten Arms mit wagrechter Hand und allmählichem Senken auch ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. Vollen Erfolg hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte Befolgung fordert, falls nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes Nachgeben und Verzicht auf Ausführung lockert auch die Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn damit das Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße verbunden ist, so ist es bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn man sie im Hause zum pünktlichen Gehorchen auf „Platz, leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte niemand verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” ausführen, sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung:
1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme gegen Wind nicht hört, können wir ihn durch Armaufheben bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn anleinen.
2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder Gegenstand fügt der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch trägt (Handschuh). Hierzu wählt man einen ruhigen Ort, wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm im Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit angehängter Leine. Nach Ermahnung entfernt sich der Herr, verhält sich ruhig verborgen; schleicht der Hund nach, wird er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht, aber alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platzt” damit er nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was zu bewachen ist, darf nie verlassen werden.
Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber auch schon eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen zwischen Herr und Hund. Ist man überhaupt zur Anschaffung des sogenannten Torquatushalsband (Stachelhalsband) geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast unerläßlich, so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. Aber ein solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde benutzt werden, die auch durch ein paar kräftige Schläge nicht verdorben (scheu) werden. Sehr nützliche Gehorsamsübungen sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der gefüllten Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht in Freiheit.

15. Kapitel.
Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.

Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen die schweren Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu folgen, dessen Tempo für Junghunde zu mäßigen ist, da sie sonst leicht dauernd in Hinterhand ruiniert werden. Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel, den Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten zu trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten Male muß man sich allerdings die Mühe machen, das Rad zu schieben und zwar ganz scharf auf rechter Straßenseite; ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am Fuß, sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren Leine zu führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr geschickter Fahrer mit einem außerordentlich lenksamen, leinenfesten Hund riskieren und hätte höchstens den Erfolg, daß der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem geschobenen Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb hinter sich und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf einsamer Landstraße, die noch wenig von Autos befahren ist auf, hält sich zur Erziehung dicht rechts, nimmt sofort flottes Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab veranlaßt und nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen. Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk oder um den Hals; nützlich ist vorn an der Lenkstange an einer vernickelten Klemmvorrichtung die Peitsche zur Abwehr fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide Räder mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil an dem der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der zweite gelegentlich korrigierend und überwachend, folgt. Eine Stunde zum Rad begleiten ist soviel Bewegung wie 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen Wochen des Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den etwas reiferen Hund zum Laufen neben dem Wagen zu erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes Fuhrwerk zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder Spielerei nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem Rückweg nach längerem Spaziergang ersuchen wir den Lenker eines langsam fahrenden Lastwagens uns zu Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den Herrn sieht und hört, sich an die für ihn verwunderliche Tatsache gewöhnt, daß er nicht dicht herangehen kann. Bellen und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und vorausgegangener ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet, mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. Hilft das nichts, so springt man ab, legt ihn an lange Leine und steigt rückwärts auf. Erst nach mehrmaligem Üben, nachdem rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr unheimlich Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst Stall und Pferd, und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen und vorherigen Aufenthalt im Stall mit dem Pferd vertraut, meidet die Nähe der Hufe, springt das sich bewegende Pferd nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu lassen. Der vorher an das Rad gewöhnte wird sich auch da sofort anpassen und dem Reiter folgen.

16. Kapitel.
Apportieren und Verlorensuchen.

Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des Kapitel 12 schon „spielend gelernt”, — das Wort ist sehr bezeichnend und hat tiefen Sinn — hat, muß man ihm doch noch eine vollständige systematische Dressuranleitung zum korrekten Apportieren geben. Manche Rassen sind auch weniger arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen mit ausgeprägten Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) ist es überhaupt möglich das Apportieren vor vollendetem 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu ausgeschlossen oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: ein ruhiges Zimmer ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. Damit das Greifstück lieber gefaßt wird und die Zähne nicht verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, faß, apport, setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die längere Leine (nicht die kurze Führleine) an das Halsband ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen. Fiebert es vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm „am Fuß” einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund soll in Erwartung sein, aber nicht in Erregung, wenn es etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre oder Gebell andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der Fall, so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der Übung „leg dich”! Eine erfolgreiche Übung zu richtigem Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend erfolgloser. Sitzt der Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das Apportierholz herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang, legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von unten und spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge behaltend. Hält der Hund, so zieht man die Hand langsam zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen Augenblicken nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando „Gib aus”! Man belobt, aber belohnt noch nicht. Nach einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes Setzen und Wiederholung. Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”. Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig in den Fang ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor die Schnauze: „Faß apport” ihm leicht entgegenkommend. Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird er nach „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am Fuß” abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, weil der Hund sonst während des Unterrichts nur an diesen denkt. Am besten erfolgen solche Stunden an langweiligen Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es gehört dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung mit dem Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht ängstlich oder unlustig wird. Eher kann man das „Setz dich” vorher etwas scharf fordern, „leg dich” üben, aber dann das Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, schreitet man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene sogleich auf Befehl, so wird es das nächste Mal etwas weg und tiefer gehalten, nach alsbaldigem „gib aus” belohnt und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit bringt mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste Übung ist Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von selbst nimmt, sei es, daß wir das Holz bei kleineren Rassen auf den Boden, bei größten dicht vor seinen Augen auf bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden, die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer Lektion (mit einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. Ist ein Hund besonders hartnäckig und will sich das Holz absolut nicht einlegen lassen, so hilft oft ein Gewaltmittel. Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es ihm weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches Umschlingen im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. Mit dieser Befestigung macht man mit ihm einen mehrstündigen Spaziergang, wodurch oft der Widerstand für immer gebrochen ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am Fuß nötig. Die Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige Raufer und Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. Nimmt der Schüler das Holz vom Boden auf, so darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch soll der Hund erst auf Befehl „Faß apport” zuspringen. Dieses abwarten zu lernen, ist die Ursache, weshalb auch Hunde, die schon Ball, Kugel usw. bringen, die systematische Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit sofortigem Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände mittels mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem Stein oder Ast geübt werden. Schütteln, Beißen, Spielen, Herumziehen ist streng zu rügen und durch kurze scharf betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer, Hof) zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer Steigerung der bisherige Gegenstand durch beliebige andre, die anfangs die Witterung des Herrn tragen sollen, ersetzt. Niemand als der Herr darf mit ihm üben. Schwierige Aufgaben, z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die Äpportierfreude zu stärken. Dem „Faß apport” (Ergreifen und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such apport”, womit der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen” erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen Augen ins Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, so daß der Hund zwar das Werfen, also die Richtung, nicht aber den eingefallenen Gegenstand liegen sieht. Diesen muß er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die Kugel in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen Anisöl parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem Werfen vorgehalten, so kommt der Hund rasch von selbst darauf, die Nase zu benützen. Meist genügt es und ist auch für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück einige Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu haben. Beim Werfen im Winter im Schneefeld benützt man ein helles Leinenstück. Weiß der Hund genau, was „Such apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die umwickelte Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im Zimmer unter Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der Hand gibt man die Richtung an, damit der Hund lernt, diese als Hilfsmittel zu betrachten. Erste Nutzanwendung: während Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel fallen, nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, daß es etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm weg, dicht am Boden entlang nach mit der Hand rückwärts: „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen wir langsam mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand auf 5 Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er auf Rückspur suchen soll. Nach einer Reihe von Übungen begreift der Hund unter Benützung und Beobachtung der Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche Behandlung wird das Apportieren und Suchen bei den meisten Hunden zur Leidenschaft; es darf sich nur niemals mit den Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder Strafen verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung langweilen oder ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. Weitergehende Dressur der Spurenarbeit mit Gehilfen ist Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus Sozialdressurbüchern.

17. Kapitel.
Kleine Kunststücke.

Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten und der bei spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten Anlage lassen sich viele sogenannte Kunststücke beibringen, die man aus der Lust des Hundes am Springen, Apportieren, Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, der muß ihn nur mit leisesten Winken, kaum merklicher Bewegung der Lippen, Zucken der Schulter dirigieren. Dazu sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem Herrn ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als hören. Wer seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften Körperbewegungen begleitet, gewöhnt hat, darf nicht erwarten, daß er auf ein leises, mit geschlossenen Lippen hervorgebrachtes „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein Bewegen der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des Leders verursachen, beachtet. Auf solchen, von den Mitmenschen nicht bemerkten Zeichen beruht das Lesenkönnen der Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste Rechenaufgaben zu lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist sicherlich schon ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, wenn ein Hund immer wieder Buchstaben oder Zahlen klopft, scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man möge sich also trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — Hunde, die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr leicht springen, wenn man z. B. an langen Regentagen sie nicht hinausführen kann. Zwischen eine Tür stellt man ein Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4 Höhe des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser entfernt, übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf „Komm hopp”. Und ebenso zurück. Wiederholt es mehrmals, später auch ohne vorher setzen zu lassen. Sodann wirft man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”, bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. Das nächste Mal wird das Brett durch vier zusammengestellte Leisten in folgender Form zwischen der Türöffnung ▭ ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil sonst der Hund darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre Seite begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich stellt man nur noch die obere Latte allein an verschiedenen Stellen gelegentlich auch allmählich erhöhend wieder zwischen die Türöffnung, bis der Hund freudig die wohlbekannte Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte zwischen der Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen und anfangs durch Umwicklung mit Packpapier vergrößert, gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas verengten Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen springen, den man mit beiden Armen, anfangs noch über der Türlatte, bildet. Alle Steigerungen erst, wenn das Kommando „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu sparen, als Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen Rassen (Terrier, Pudel, Pinscher, französische Bulldoggen, Dobermann) sind sprungwillig, weniger die längeren, auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund, Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine Wandung zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch hier kann man Apportierlust dazu benutzen, namentlich wenn der Sprung aus Garten oder Hof zum Spaziergang ins Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter „Nimm” begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er die Erlaubnis erhält. Man hängt die Leine an das Halsband, was dem Hund immer das Bewußtsein gibt, doppelt an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”, hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt leise ein Stück Zucker auf die Nase und läßt langsam den Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der ungewohnte Anblick die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an den Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” gibt die Erlaubnis danach zu schnappen; fällt es zur Erde, so wirft man es nochmals in die Höhe mit „Nimm”. Am nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne Leine aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — Das vorgehaltene Stück Zucker dient auch als Lockmittel zum Durchschlüpfen zwischen die Füße im Gehen. Man stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, so wird das andre Bein vorgestellt und der Zucker in die rechte Hand genommen, bis man 3 oder 4 Schritte gemacht hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das immer zum Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, es zum Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier durch” in Erwartung der späteren Belohnung von selbst kommt und bei jedem Schritt zwischen den Beinen durchläuft. Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie fixiert. Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre Hunde reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, fiebt) prompt durch kurzes Bellen. Man wiederholt dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal, belohnt jedesmal, namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende Hund erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit Belohnung nicht gespart werden. Ist man sicher, daß der Hund 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann man ihn als Rechenkünstler vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4 mal 8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den verborgenen Ball, wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu verwirren” etwa 10 Schritt weit entfernt gehalten werden, so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls in der Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der Hosentasche vernehmen können.