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Junge Triebe: Roman cover

Junge Triebe: Roman

Chapter 64: 63
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About This Book

The narrative sketches tense domestic life in a middle‑class household where a strict, domineering father presides over meals and discipline while a tender but anxious mother tries to shield her sons. The eldest endures obedient, fearful restraint, the middle boy meets authority with mischief and simmering resentment, and the youngest is openly indulged, provoking envy and humiliation. Episodic domestic scenes — especially at the table — trace small cruelties, sibling rivalry, and the uneven distribution of affection, offering an intimate study of family power dynamics and their effects on children's behavior and inner lives.

63

Langsam beginnt der Schleier vom Antlitz des fremden Landes zu weichen. Schon sind zehn, zwanzig Wortgruppen erobert. Welcher Stolz, wenn es nun ab und zu gelingt, einen Eingeborenen, der im Vertrauen auf die völlige Sprachunkenntnis des Fremden mit heuchlerischer Unterwürfigkeit Verwünschungen murmelt, zu entlarven und mit einem ellenlangen, blumigen Fluche zu zerschmettern? Und welch ein Volk, diese Fellachen! Seit Menschengedenken waren sie keinen Tag unfrei, nie einem Herrscher ihres Stammes untertan. So liegt es ihnen im Blut, zu lügen, zu stehlen, flüsternd der Fremdherren zu spotten, und sie doch bäuchlings anzubeten. Erwachsene Männer weinen kindisch haltlos, um eine betrügerische Überforderung doch noch durchzudrücken. Ist der Versuch als aussichtslos erkannt, dann fügen sie sich lächelnd, fließen über von Beteuerungen ehrlicher Zuneigung und Dienstbereitschaft. Ein ander Mal! Kein Manneswort, kein Einzelwille gilt. Über allem und jedem liegt der göttliche Ratschluß, der jede Verpflichtung, jede Verantwortung im Geben und Nehmen aufhebt. Zu dreien Malen an jedem Tage hämmern es die ehernen Stimmen der Muezzins von unzähligen Minaretts herab in die Herzen der Gläubigen:

Kein Gott ist außer GOTT
Und keine Macht außer bei IHM
Und Mohammed ist SEIN Prophet.

Ist das noch die Lehre, die die ersten Moslim mit wildem Tatendrang, mit hemmungsloser Todesverachtung erfüllte und erobernd fast bis ins Herz des zitternden Abendlandes führte? Welche Verheerung hat sie in diesen Sklavenköpfen angerichtet! Kein Versprechen ohne den Zusatz: „Insch’allah! So Gott will!“ Bleibt es unerfüllt, so hat Gott nicht gewollt. Keine Auflehnung gegen einen Schicksalsschlag, und möchte er auch durch Tat zu mildern, abzuwenden sein. Tote Ergebung: „Maktub Kedde“ — so ist es geschrieben! —

Fritz erblickt in der Ehrlosigkeit, den Untugenden und Lastern der Eingeborenen ein Zerrbild seiner eigenen Knabenschwäche, und der Verachtung paart sich rasendes Mitleid.

Steht Euch kein Rächer auf, ihr Knechte, kein Führer, der Euch die krummen Rücken strafft?