WeRead Powered by ReaderPub
Junge Triebe: Roman cover

Junge Triebe: Roman

Chapter 72: 71
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

The narrative sketches tense domestic life in a middle‑class household where a strict, domineering father presides over meals and discipline while a tender but anxious mother tries to shield her sons. The eldest endures obedient, fearful restraint, the middle boy meets authority with mischief and simmering resentment, and the youngest is openly indulged, provoking envy and humiliation. Episodic domestic scenes — especially at the table — trace small cruelties, sibling rivalry, and the uneven distribution of affection, offering an intimate study of family power dynamics and their effects on children's behavior and inner lives.

71

Der Besuch ist vollbracht. — Ein Sieg über die eigene Schüchternheit, mit Herzklopfen, mit zusammengebissenen Zähnen und geballten Fäusten erkämpft. Falko wütend zum Angriff gespornt auf die Portierloge, die schimmernde Festung. — Die alte Dame gütig und teilnahmsvoll, Gitta lieb wie immer. — Fritz wandert alleine durch die dunklen Alleen nach Hause und sucht die stürmenden Eindrücke zu sammeln. Die riesige Halle, halb europäisch eingerichtet, mit schweren englischen Klubmöbeln, halb orientalisch, mit reichen Teppichen, eingelegtem Schnitzwerk, Messingzierat; wuchtige Antilopengehörne an den Wänden, vor dem mächtigen offenen Kamin ein Leopardenfell. Und die Menschen, die sich in dem prunkvollen Raum bewegen: Herren und Damen tragen die kostbaren Abendgewänder mit Selbstverständlichkeit, nicht wie Feierkleider, liegen lässig in den tiefen Sitzen, stemmen die Füße gegen das kupferne Kamingitter — Mokka, guter Tabak, die vielen feinen Haarwasser, Mundwasser, Waschwasser, unaufdringliche Parfüms, der leise Holzrauch aus dem Kamin, das Leder der Möbel, der scharfe Geruch der präparierten Wildfelle und Köpfe: das alles klingt zusammen, schafft eine Atmosphäre von erhabener Besonderheit, die scheue Ehrfurcht weckt. Bruchstücke von Gesprächen: Polo ... Golf ... Gymkhana ... Jagd im Sudan ... in Indien ...

Ein Ausschnitt aus der großen Welt, aus reichstem Leben. Doch Fritz merkt überrascht, erschreckt fast, daß kein Neid mehr in ihm ist. Keinen Wunsch mehr fühlen können, weil doch jedem, kaum gedacht, schon Erfüllung gewiß war: konnte das Neides wert sein? War es nicht unendlich stärker, dem tückischen Gerippe, dem schmalen Monatsgeld, der harten Brotarbeit zum Trotz, seltenen Feierstunden den letzten Tropfen Freude abzuzwingen? — Da ertappt er sich dabei, daß er nur Gittas Worte nachdenkt. Wie hatte sie gesagt, als er der alten Dame so begeistert vom Wadi Dukla erzählte? „Um Ihre Freudefähigkeit sind Sie zu beneiden! — Das Erlebnis an sich ist nichts — nur die Kraft, mit der man empfindet, gibt ihm Gehalt!“

Wunderbares Mädchen! — Wie hatte sie in kurzen Tagen seine Gedanken so ganz in ihren Bann gebracht! Kein Trotz nun, keine Gegenwehr — innige Hingabe nur an die neue Süße, gelenkt zu werden von geliebten Händen.