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Chapter 13: Tischler Simen und der Blaufuchs.
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About This Book

A sequence of fourteen short stories offers episodic portraits of rural boys at different moments of childhood, portraying small adventures, chores, and lessons learned within village and farm life. Each vignette centers on a youthful point of view, combining gentle humor, encounters with nature, and emerging responsibility as boys undertake tasks and face community expectations. Scenes shift between play and mischief, seasonal labor, and quieter moments of compassion or duty, written in straightforward, descriptive prose that highlights sensory detail and local customs. The collection presents concise character studies and modest rites of passage that reveal ordinary childhood challenges and pleasures.

Tischler Simen und der Blaufuchs.

Er war also wahrhaftig wieder dagewesen! Mitten in die Kuhstalluke hatte er seine Schnauze gesteckt!

Nein, das war zu ärgerlich!

Jon Stubsveen kam hinter dem Kuhstall hervor und ging geradeswegs auf seinen Vater zu, der in Festtagskleidern in der Haustür stand, die Arme von sich streckte und gähnte. Es war am frühen Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages und glänzend weiß und kalt.

Jon zog die Mütze schief über das eine Ohr, das dem Nordwind zugewandt war, setzte den Fausthandschuh in die Seite und den einen Fuß vor.

Er ist wahrhaftig wieder dagewesen, Vater.

Mundwinkel und Kniee zitterten ihm.

Ist es nicht ärgerlich, daß der Fuchs sich jede Nacht an die Häuser heranschleicht, und man nicht einmal das passende Werkzeug hat, um ihm eins aufs Fell zu brennen!

An diesen Fuchs hatte Jon jetzt lange Zeit Tag und Nacht gedacht und darüber nachgegrübelt, wie er ihn fassen könnte. Stubsveen lag so weit abseits, daß sich der Fuchs in den klaren Nächten bis an die Häuser heranwagte. Als sie im Herbst das Schwein schlachteten, hatten sie nämlich einen Teil der Eingeweide auf den Misthaufen vor die Kuhstalluke geworfen, und dort war der Fuchs jetzt manchmal und grub und fraß. Jeden Morgen ging Jon hin und sah nach, ob er dagewesen war, und mit jedem Tag wurde er ärgerlicher. Er hatte eine seiner Hasenfallen dort aufgestellt; aber der Fuchs war natürlich um sie herumgegangen. Nein, er hätte eine Flinte haben sollen! Aber er wußte nicht mehr als einen Menschen, der eine hatte, und das war Tischler Simen. Er mußte versuchen, ob er zu ihm gehen dürfte.

Wäre es nicht am besten, ich ginge zu Tischler Simen und borgte seine Flinte; da sollte er weiß Gott dran glauben müssen.

Ach, du bist ein Dummrian! Glaubst du, daß es angeht, mit der Donnerbüchse zu schießen, die noch dazu nur eine Steinschloßflinte ist?

Oh, Simen hatte schon einen Blaufuchs damit geschossen, und noch dazu einen, der so scheu und vorsichtig war, daß er sich niederlegte, als der Schuß losging; er hat es selbst erzählt.

Ja, da wird es wohl wahr sein!

Doch, es ist wahr; er bekam noch fünfzig Taler für das Fell.

Dann ist es sonderbar, daß er nicht reicher ist, als er ist.

Bitte, laß mich hingehen, Vater? Vielleicht ist das auch ein Blaufuchs! Und wenn es nur ein Rotfuchs ist, so lohnt es doch den Schuß, denke ich; da bekommt man sieben Mark fürs Fell.

Ach, du bist ein Quälgeist. Bilde dir nur nicht ein, daß ich dich mit der Donnerbüchse schießen lasse.

Ich würde ihn schon kriegen. Ich würde ihn schießen, daß er hinpurzelt.

Per Stubsveen sah auf den Jungen herunter und kratzte sich hinterm Ohr. Er mußte an den feinen, scheuen Fuchs denken, der herumschlich und den langen buschigen Schwanz auf dem Schnee hinter sich herzog. Hm, zu dem Geschäft gehörten erwachsene Leute. Nun, er wollte mit hinter den Kuhstall gehen und sich die Sache ansehen.

Sie gingen; Jon ging voran, und zeigte:

Siehst du, Vater, er hat die Schnauze mitten in die Luke gesteckt.

Sieh mal einer den Schelm an! Es ist sicher auch ein großer Kerl gewesen.

Groß? Sicher so groß wie ein besseres Schaf! Sieh, wie er herumgelaufen ist.

Ja, und gekratzt hat! So ein Schelm!

Per drohte mit der Faust in der Richtung nach dem Acker, wo die Spur sich verlor. Jetzt war er ganz von der Geschichte mit dem Fuchs erfüllt.

Jon wurde mutiger.

Darf ich, Vater?

Meinetwegen, damit du nur Frieden gibst! Aber es wäre doch am besten, sie machten es selber.

Er sollte Simen fragen, ob er nicht heute nachmittag mit seiner Büchse herüberkommen wollte; er könnte auch sagen, es wäre noch etwas vom Weihnachtsbranntwein da.

Jon war schon auf dem Wege, als ihm das letzte nachgerufen wurde.

Er sprang davon in dem hellen knirschenden Wintermorgen. Wenn ihm jemand begegnete, hatte er keine Zeit Halt zu machen; er lächelte nur so seelenvergnügt über das ganze Gesicht, daß die Leute stehen blieben und sich nach ihm umsahen.

Bald war er unten im Tal angekommen und fing an, auf der andern Seite emporzusteigen.

Jawohl, es war schon möglich, daß es doch ein Blaufuchs war. Es schien ihm, als habe er ein Stückchen von ihm drüben an dem Ackerhügel gesehen; — ja, sicher war er es gewesen! Je länger er ging und darüber nachdachte, um so sicherer wurde er; hellblau war er gewesen! Ja, natürlich, den ganzen Kerl hatte er gesehen. Sie sollten ihn nur erwischen, dann würde er nach der Stadt gehen und das Fell verkaufen! Aber sie sollten in der Stadt nur nicht glauben, daß sie ihn übers Ohr hauen könnten. Er wußte, was ein Blaufuchspelz wert war. Es nützte nichts, ihm fünf oder zehn zu bieten, er würde sechzig verlangen. Dann würde er sich eine Büchse kaufen, und dann wollte er nichts anderes tun als Blaufüchse schießen; höchstens vielleicht einmal einen Auerhahn zum Vergnügen mit zwischendurch —; wenn der auch nicht mehr als vier Mark wert war.

Als er zum Tischler Simen hinaufkam, sah er diesen in der Tür stehen, die Brille auf der Nase und die Schirmmütze weit in den Nacken geschoben.

Jon lächelte breit, grüßte wie ein Erwachsener und trat darauf ein.

Wie es wäre, ob er seine Flinte instand hätte?

O ja, er dächte doch.

Er sollte ihn nämlich von dem Fuchs grüßen und sagen, er schliche jetzt drüben auf Stubsveen jede Nacht an den Ställen herum; — ja, und niemand könnte wissen, ob er nicht auch drinnen gewesen wäre.

Gerade, was Simen immer gesagt hatte, die Füchse hatten sich verzogen! Hier auf dieser Seite des Tals hatte sich kein Fuchs mehr sehen lassen, seit er vor drei Jahren einem den Schwanz weggeschossen hatte! So, nach Stubsveen waren sie also hinübergekommen?

Ja, daran könnte kein Zweifel sein!

Der Vater ließe grüßen und sagen, es wäre so viel übrig, daß es noch zu einem Schluck langte.

Na, da wollte er einmal nach der Flinte sehen; er hätte sie jetzt drei Jahre nicht in den Händen gehabt.

Drei Jahre?

Nein, wozu sollte er sie brauchen, wenn es keine Füchse gab? Freilich, das Federwild hätte ja zugenommen, seit der Fuchs fortblieb, daß es nur so wimmelte; aber daraus machte er sich nichts. Und die Flinte paßte auch nicht für Vögel; es wäre schwierig, die Entfernung so abzupassen, daß man die Vögel nicht in Fetzen schoß, und dann knallte sie auch so, daß es sich nicht verlohnte, wegen eines lumpigen Vogels das ganze Dorf aufzuschrecken.

Ob sie denn gut ginge?

Er hätte bisher noch keinen Fehlschuß damit getan; aber, versteht sich, es müßte einer auch damit umzugehen wissen.

Simen ging in die Kammer und kam mit der Flinte wieder herein. Es war eine alte verrostete Soldatenflinte mit Steinschloß. Jon glaubte nie etwas Schöneres und Prachtvolleres gesehen zu haben.

Ist sie geladen?

Nein, sie muß erst gereinigt werden.

Er wurde ganz still und geheimnisvoll, Simen, als er mit zitternden Händen die Flinte auseinanderzunehmen begann, und Jon saß atemlos dabei und sah zu, wie die eine Schraube nach der andern herausgenommen wurde und jede an einen andern Platz gelegt wurde, damit sie nicht durcheinander kämen. Und die ganze Zeit, während Simen auseinanderschraubte und putzte und mit Leinöl schmierte, innerlich und äußerlich, sprach er davon, was er alles mit dieser Flinte geschossen hätte. Ja, es wäre gar nicht unwahrscheinlich, daß auch auf Menschen damit geschossen worden wäre, denn soviel er wüßte, wäre sie mit im Kriege 1814 gewesen, und so gute Flinten wie die, womit auf Menschen geschossen worden wäre, gäbe es jetzt gar nicht mehr; es wäre gerade, als ob man hinterher mit ihnen nicht mehr fehlen könnte.

Die Flinte war geschmiert und wieder zusammengesetzt. Nun, es wäre wohl am besten, sie gleich zu laden. Denn das müßte genau gemacht werden; was das Futter anlange, so könne kein Pastor genauer und wählerischer sein als so eine Flinte. Damals, als er dem Fuchs bloß den Schwanz wegschoß, so daß er ihm davonging, hätte er ein oder zwei Pulverkörner zu wenig darin gehabt; darum fiel der Schuß in den Schwanz und nicht hinab in den Rücken weiter oben.

Er suchte ein altes Pulverhorn hervor und einen Lederbeutel mit Schrot, nahm Pulver aus dem Horn und wog und wog in der Hand, schüttete es dann in den Lauf, überlegte eine Weile, sah ins Leere, als ob er zählte, und nahm eine kleinere Portion und sandte sie der ersten nach.

Jon stand dabei und riß die Augen auf. Er hatte nie geahnt, daß dazu so viel Kunst gehörte.

Nein, du bist ein Meister, sagte er voller Bewunderung.

Pst, sagte Simen, man soll nicht reden, wenn man lädt.

Er stopfte vorsichtig Werg auf das Pulver. Dann legte er die Flinte vorsichtig aufs Bett.

Jetzt wollen wir die Erbsen mischen. Er griff in die Westentasche und holte eine Portion kleiner Nägel hervor, nahm sie in die Hand und wog sie, nahm dann den Lederbeutel, schüttete etwas Schrot dazu und mischte beides zusammen.

Hm! Er griff wieder in die Tasche nach Nägeln, mischte sie dazu und flüsterte: »Ja, nun denke ich, das wird genügen« und schüttete die Mischung in den Lauf. Dann stand er wieder still und überlegte, griff noch einmal in die Westentasche und zog einen langen Nagel hervor. Er kniff die Lippen energisch zusammen:

Ich denke, wir bieten ihr den auch noch, dann sind wir sicher!

Kurz darauf stapften Jon und Simen über das Tal hinüber nach Stubsveen.


Es ist schwer zu sagen, wer von den dreien, Jon, Per oder Simen, am eifrigsten war, als sie am Abend in Stubsveen um den Tisch saßen und Kaffeepunsch tranken — das heißt die beiden Alten, Jon bekam keinen, er war zu klein. Die Geschichten, die erzählt wurden, nahmen kein Ende, vom Blaufuchs, vom Rotfuchs und vom Weißfuchs. Nein, das hier wäre kein Blaufuchs, meinte Simen, da wäre er sicher; da hätte er sich nicht so nah an die Häuser gewagt, und da würde das Ganze auch nicht viel Nutzen haben, denn der wäre zu schlimm; entweder er legte sich nieder, oder er spränge in die Höhe, wenn der Schuß fiele. Da müßte man entweder drunter oder drüber halten und es darauf ankommen lassen, ob er spränge oder sich niederlegte. Er hätte damals drunter gehalten, als er den Blaufuchs schoß.

Sie waren solche Helden geworden, Peter und Simen, daß Jon beinahe nicht mit gedurft hätte, als sie sich später abends in den Stall begaben, um Wacht zu halten. Aber er ließ nicht nach; es war ebensogut sein Fuchs.

Ihretwegen — nur müßte er mäuschenstill sitzen. Sie dürften kein Glied rühren.

Da könnten sie sicher sein!

Sie gingen alle drei nach dem Stall, nahmen die Branntweinflasche mit, und Peter gab seiner Frau den Befehl, das Feuer nicht ausgehen zu lassen und Kaffee bereit zu halten, wenn sie mit der Beute kämen.

Sie nahmen an der Stallluke Platz. Simen und Per nahmen einen Heusack und setzten sich ordentlich zurecht, so daß sie aus der Luke heraussehen konnten.

Simen hielt das hintere Ende der Flinte mit gespanntem Hahn und steckte den Lauf eben durch die Luke. Jon saß auf einem Melkschemel etwas zur Seite und lugte durch einen Spalt in der Wand. Wer den Fuchs zuerst sah, sollte nichts sagen, sondern Simen nur leise an der Jacke zupfen.

Es war behaglich und warm im Stall; die Kühe lagen und schnarchten und käuten wieder, so daß die Hörner in unregelmäßigen leisen Schlägen gegen die Wand schlugen.

Durch jede Ritze drang die Kälte ein, begegnete der Wärme von drinnen und bildete mit ihr im Verein große Büschel von glitzerndem Reif um jede Ritze. Draußen war heller Mondschein; sie konnten so klar und scharf sehen wie am hellichten Tage, und es glitzerte über den Äckern, und das Mondlicht zitterte auf den bereiften Bäumen auf der Höhe drüben. Tiefste, friedliche Ruhe herrschte draußen, kein Laut war zu hören, keine Bewegung zu sehen.

Sie hatten wohl eine halbe Stunde gesessen; die Wärme und die Stille fingen an, sie schläfrig zu machen.

Wie wär's, wenn wir noch einen Schluck nähmen? flüsterte Per.

Und ob, sagte Simen.

So verging wohl noch eine halbe Stunde, da flüsterte Per wieder:

Ich schlafe beinahe ein; nehmen wir noch einen Schluck?

Das wäre nicht dumm.

Wieder saßen sie eine Weile. Dasselbe wiederholte sich. Aber dann wurde es still — lange.

Jon saß und sah so eifrig durch den Spalt, daß er keine Zeit hatte, nach den andern zu sehen. Es war merkwürdig, wie still sie waren. Eben wollte er sich nach ihnen umdrehen — aber da — mit einem Male hielt er den Atem an und riß die Augen weit auf.

Bewegte sich nicht dort etwas am Fuß des Ackerhügels? Ja, ja, da erschien der Kopf! Da war er!

Erst kam eine Schnauze und ein paar spitze Ohren zum Vorschein, und der Kopf wandte sich nach allen Seiten. Dann tauchte er ganz auf, langsam und vorsichtig, blieb stehen, den einen Vorderfuß in der Luft, bereit auszureißen; so stand er eine Weile und sah sich um; dann setzte er den Fuß vorsichtig nieder und schlich ein paar Schritte vorwärts. Er war so fein und schlank und geschmeidig, wie er dastand mit dem langen Schwanz.

Als er einige Schritte vorwärts getan hatte, hielt er inne, wandte sich plötzlich und schlich nach einer andern Richtung.

Jon konnte nicht begreifen, daß Simen nicht schoß; aber er mußte wohl eine Absicht damit haben!

Oh, wenn er wieder davonginge. Da schlich er hin, schlug einen großen Bogen und verschwand im Gebüsch oberhalb des Ackers.

Jon holte Atem und starrte. Nein, er konnte ihn nicht mehr sehen.

Doch, da!

Plötzlich steckte er den Kopf wieder vor, oben auf dem Hügel, und jetzt viel näher; er witterte und sah nach dem Stall hinunter. So stand er eine Weile, immer den einen Fuß erhoben; dann schlug er wieder einen Bogen, kam schräg den Hügel hinab, schlug wieder einen Bogen und spähte. Jetzt war er dicht heran.

Simen mußte ihn sehen, er saß ja mitten vor der Luke. Jon beugte sich herüber und faßte nach seiner Jacke. Er verwandte keinen Blick von dem Fuchs, während er zupfte.

Rrrro—ro! tönte es in diesem Augenblick, so daß es im Stall schallte. Es war Simen, der einen gewaltigen Schnarcher tat, als er erwachte.

Jon sah, daß der Fuchs herumfuhr und gleichzeitig einen mehrere Meter langen Satz machte; dann noch einen und noch einen, immer rascher und rascher über den Acker hin; es war, als ob er den Schnee gar nicht berührte. Das letzte, was er sah, war der lange buschige Schwanz, der wie ein Steuer in die Luft stand, während der Fuchs mit einem ungeheuren Satz den Ackerhügel herabsprang und verschwand.

Er sprang auf und fiel, so lang er war, über Per, der ebenfalls aufwachte.

Im selben Augenblick donnerte es los, als ob der Stall einfiele; die Kühe sprangen auf und rissen an den Ketten. Simen rollte vom Sack herunter; die Flinte hatte ihm einen gewaltigen Stoß versetzt.

Simen hatte den Fuchs gerade gesehen, als er den letzten Sprung machte und, ohne irgendwie zu zielen, drückte er los, lange nachdem der Fuchs weg war.

Hast du ihn gesehen? rief Per.

Ja, und es war doch ein Blaufuchs, sagte Simen. Er sprang in die Höhe, als ich schoß.

Jon saß das Weinen in der Kehle:

Nein, und wenn du noch nie gelogen hast, jetzt lügst du — Tischler Simen.