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Chapter 4: Amunds neue Ski.
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About This Book

A sequence of fourteen short stories offers episodic portraits of rural boys at different moments of childhood, portraying small adventures, chores, and lessons learned within village and farm life. Each vignette centers on a youthful point of view, combining gentle humor, encounters with nature, and emerging responsibility as boys undertake tasks and face community expectations. Scenes shift between play and mischief, seasonal labor, and quieter moments of compassion or duty, written in straightforward, descriptive prose that highlights sensory detail and local customs. The collection presents concise character studies and modest rites of passage that reveal ordinary childhood challenges and pleasures.

Amunds neue Ski.

Amund schielte unter der Felldecke hervor:

Ane Marja? — A—ne Mar—ja! Sagte der liebe Gott etwas davon, wie lange es dauern sollte, bis ich meine Ski bekäme? Er lauschte. Nein, Ane Marja schlief wohl schon. Teufel auch! er mußte es jetzt wissen, denn so ging es nicht weiter.

Ane Marja hatte gesagt, daß alle artigen Jungen Ski vom lieben Gott bekämen, und da konnte kein Zweifel sein, daß er sie bekommen würde. Aber es war ihm darum zu tun, sie bald zu bekommen; Ane Marja und der liebe Gott sollten nur wissen, wie es war, drüben auf dem Südfeld zu stehen und alle die anderen Jungen Schlitten fahren zu sehen. Und die Skibahn, die jetzt war! Wenn der liebe Gott selbst zum Skilaufen zu alt war, so mußte er doch wissen, daß Amund im Frühling keine Ski brauchte, wenn der Schnee entweder zu weich oder zu hart war. Nein, sollte er welche haben, so mußte es jetzt sein. Er konnte auch nicht begreifen, warum es so lange dauerte. Denn artig war er gewesen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte Ane Marja es gesagt, und jetzt war schon Hochneujahr, und in dieser ganzen Zeit hatte er sich nicht mit der kleinen Liese gezankt, nicht einmal, als die Lakritzenstange in seinem Kasten anfing kleiner zu werden, — ja, denn es konnte niemand anders als Liese sein, die daran schuld war. Er hatte nur den Kasten zugeschlossen, denn da hörte doch alles auf. Sie konnten doch nicht verlangen, daß er sie alles aufessen lassen sollte. Nein, daran konnte es nicht liegen. Jon Rönningen hatte schon vor langer Zeit Ski bekommen, — Amund glaubte übrigens nicht, daß diese Ski so wundervoll wären, wie Jon immer tat, — und er war gar nicht artig; — ein richtiger Lümmel; — und wie er fluchte!

Und dann Hans Svebakken. Er hatte zu Weihnachten welche bekommen; ach ja, das war nicht ganz unbillig; denn er war artig; er hatte Amund gestern zweimal seine Ski geborgt, um auf dem Südfeld darauf zu laufen.

Nein, er konnte es nicht begreifen. Wenn es wenigstens so gewesen wäre, daß es viele gab, die Ski haben sollten, so konnte man dem lieben Gott verzeihen, daß er nicht genug fertigbekommen hätte; aber es waren ja nur Amund und Lars Sagbakken, die keine hatten.

Ach ja, er glaubte schon, daß er sie vor Lars bekommen würde, denn Lars sagte gestern: Hol' mich der Teufel, und das war ein Fluch, hatte Ane Marja gesagt.

Aber, du liebe Zeit — warum konnte er sie nicht gleich bekommen? Es war schade um jeden Tag, den es länger dauerte.

Sie meinten wohl doch, daß er nicht artig genug wäre. Aber er hatte getan, was er konnte, — und Amund zog wieder den Kopf unter die Felldecke.

Wenn Lykkelin bald Zicklein bekommen hätte, so würde er sich weder von Ane Marja noch vom lieben Gott haben hereinreden lassen; denn Lykkelin hatte immer Zwillinge, und für das Fell von ihnen hätte er schon ein Paar Ski bekommen, — wenn sie auch nicht so besonders gut gewesen wären —; aber Lykkelin setzte in diesem Jahre aus. Sie sollte erst Mitte Februar Junge haben.

Er steckte den Kopf wieder hervor.

Nein, er mußte es sich noch einmal überlegen, woran es wohl liegen könnte. Hatte er etwas getan, was nicht recht war? Ja, er hatte das Band aus dem Schlitten genommen, damit Liese ihn nicht brauchen sollte; aber das konnte er doch machen, wie er wollte, denn es war sein Schlitten. Doch, er war artig gewesen. Aber sie glaubten vielleicht nicht an ihn?

Ach, er würde gern den Schlitten und die Lakritze weggeben, wenn er sie nur bald bekäme!

Die Lakritze?

Sollte er es damit versuchen, um ihnen zu zeigen, daß es ernst war? Ja, das wollte er tun.

Er richtete sich vorsichtig auf den einen Ellbogen auf und horchte, ob Ane Marja schlief. Ja, sie schlief.

Dann kroch er vorsichtig unter der Felldecke hervor und schlich sich leise durch das Zimmer bis an seine Truhe. Den Schlüssel hatte er daruntergelegt. Er öffnete sie, nahm die Lakritzenstange heraus und wickelte sie aus. Dann ging er ans Fenster. Es war am besten, sie dahin zu legen, da konnte der liebe Gott sie durch die Fensterscheibe sehen.

Er hielt inne und überlegte, ob er sie erst kosten sollte. Nein, lieber nicht. Der liebe Gott sollte sehen, daß er es ernst meinte.

Er legte sie hin und schlich wieder in sein Bett zurück. Jetzt war es getan. Er fühlte sich ganz sicher. Das konnte nicht fehlschlagen, morgen noch würde er Ski bekommen. Er glaubte schon darauf zu laufen, und er begann darüber nachzudenken, wie er sich den andern Jungen gegenüber verhalten wollte.

Lars Sagbakken sollte sie vielleicht ein- oder zweimal borgen dürfen, wenn Amund sie nicht selbst brauchte. Aber gegen Jon Rönningen wollte er ordentlich stolz sein. Er hatte nicht vergessen, wie er neulich die Ski von Hans Svebakken borgte. Da hatte Jon, der Lümmel, gesagt, er sähe aus, als habe er Kartoffeln in der Hosenklappe.

Ja, das kam davon, wenn man Hosen mit Klappe trug. Von jetzt an wollte er eine Hose zum Knöpfen haben mit Trägern, wie die größeren Jungen. Ja, Jon wollte er es schon wiedergeben. Er wollte ihm sagen, er sähe aus, als ob er Milchbrei in den Knien habe, denn Jon hatte krumme Beine.

Dann schlief er ein.

Und er träumte, daß er dastand und dem lieben Gott zusah, der im Begriff war, Ski zu tischlern; aber bisweilen kam es ihm auch vor, als wäre es nicht der liebe Gott, sondern der Tischler Ola, denn er hatte dieselben krummen Finger und denselben Riß über dem einen Knöchel.


Am Morgen schlief er so lange, bis Ane Marja und Liese aufgestanden waren. Er schielte nach dem Fenster hin, als er die Hosenklappe zumachte. Wahrhaftig, die Lakritzenstange war kleiner geworden. Er beeilte sich, hinaus zu kommen.

Liese stand hinter der Tür und sah nach, ob er böse wurde.

Er erblickte sofort Ane Marja. Es war, als ob sie da stand und auf ihn wartete. Dann sah er sich um. Oh! Da standen sie an die Wand gelehnt, neu und fein, geteert bis an die Bindung. Er blieb wie gebannt stehen. Er sah sie und Ane Marja abwechselnd mehrere Male hintereinander an, dann fingen die Mundwinkel an zu zittern und sich krampfhaft weiter auseinanderzuziehen, beinahe bis an die Ohren, zu einem unendlichen Lächeln, und als er etwas sagen wollte, zog er den Atem ein, so daß er es nicht herausbekommen konnte.

Ane Marja strich ihm übers Haar. Ja, sie sind für dich, aber jetzt mußt du wirklich ein guter Junge sein und weder aufschneiden noch fluchen, sonst nimmt der liebe Gott sie wieder weg.

Er ging um sie herum und betrachtete sie von allen Seiten mit demselben Lächeln, und dann wagte er sie wegzunehmen.

Nein, so wunderschöne Ski hatte er noch nie gesehen; wie die Spitzen in die Höhe standen und wie elastisch sie waren! Ob es wohl Birkenholz war! Nein, es war Tanne; ja, das war auch am besten. Birkenski waren Plunder, denn sie zogen sich so sehr.

Dann mußte er prüfen, ob die Bindung paßte.

Ja, es — waren — prächtige — Ski!

Er mußte gleich hinüber nach dem Südfeld.

Dort waren sie schon versammelt, Jon Rönningen und Hans Svebakken und alle die andern, die Ski hatten, ja, sogar Lars Sagbakken, der keine hatte, stand schweigsam und kümmerlich da und fror. Er tat Amund heute richtig leid.

Es herrschte ein großer Lärm und Spektakel. Schon von weitem sahen sie Amund kommen, und Jon rief:

Nein, seht Amund mit den weiten Hosen, jetzt hat er Schneereifen bekommen!

Amund vergaß, daß er nicht aufschneiden sollte:

Auf den Schneereifen habe ich keine Angst vor dir, auch wenn du doppelt soviel Milchbrei in den Knien hättest.

Dann sollten sie die Ski ansehen und begutachten.

Jon musterte sie genau:

Sie wären nicht sehr aufgebogen.

Oh, sie wären allemal so gut, wie die Birkenstöcke von Jon, die beide Enden in die Luft setzten.

Und dann werden sie nicht nach hinten zu schmäler. Sie würden nicht schnell gehen.

Nein, aber dafür trügen sie auch, wenn der Schnee locker war. Die Ski sollten auch nicht wie ein Backholz sein.

Und wie stand es, hatten sie die richtige Biegung?

Jon nahm den einen auf und untersuchte ihn.

Ja, etwas gebogen waren sie, aber nicht gleichmäßig, zuviel am Vorderende; bei lockerem Schnee würden sie unten einschneiden, und bei hartem würden sie sich kreuzen.

Aber sie wären elastisch!

Elastisch! Glaubte er vielleicht, daß das ein Vorzug wäre, wenn die Spitzen wie ein Tauende hin und her schlügen! Nein, die Thelemärker, die zwanzig Ellen hohe Sprünge ausführten, hätten steife Vorderenden mit einer ganz feinen Biegung —, so fein wie ein Flitzbogen. Solche wie diese könnten nicht einmal einen kleinen Satz aushalten, geschweige denn einen richtigen Sprung.

Doch Amund wollte ihm zeigen, daß sie es aushalten könnten. Er erbot sich, überall nachzufahren, wo Jon mit seinen Birkenstöcken es ihm vormachte.

Ja, sie könnten es ja erproben, — nur über den Weg da unten.

Dann machten sie sich auf, Jon voran, und Amund hinterher über das Südfeld hin. Jon nahm den Sprung und kam gerade auf den Weg unten an. Die Knie waren ihm etwas wackelig, aber er sprang zu, so daß er hinüberkam.

Es war das erstemal, daß Amund sich an etwas derartiges wagte, und darum hingen ihm die Hosen hinten auch noch weiter herunter als gewöhnlich, wie er ganz zur Seite auf seinen Stock geneigt tiefe Furchen in den Schnee grub, so daß es stob. Er bekam zu wenig Schwung, kam nicht über den Wegrand, die Ski blieben stecken und knacks — —; trotz seiner Hinterladung flog Amund kopfüber in den Schneehaufen.

Er sprang wie verrückt wieder in die Höhe. Er glaubte einen Knacks gehört zu haben. Er packte den einen Ski und riß und zerrte an ihm wie wahnsinnig, bis er ihn draußen hatte — das Vorderende war mitten durchgebrochen.

— Damit war diese Herrlichkeit vorbei. Mit dem anderen nahm er sich viel Zeit. Er mußte den Handschuh tief in den Mund stecken und zubeißen, um das Weinen zu unterdrücken.

So etwas hätte er sich nie träumen lassen.

Ganz betäubt nahm er sie bei der Bindung, einen in jede Hand, ohne sie anzusehen und begab sich auf den Heimweg.

Es ging langsam. Er war so seltsam dünn und klein und krumm in den Hosen, wie er den ausgetretenen Weg neben der Rinne mehr heraufkroch als ging, und es konnte schon sein, daß die Hosen beinahe hinten aufstießen. Er sah gerade in den Schnee, auch als er an den Kameraden vorbeikam, und sie ließen ihn in Ruhe; es kam ihm vor, als wären sie auf einmal so still geworden.

Er ging nach Hause, und suchte so zu gehen, daß ihn niemand sah. Die Ski versteckte er gut unter dem Vorratsgebäude zwischen einigen Brettern. Dann eilte er hinauf in die Kammer.

Wenn es so ging, so wollte er seine Lakritze wieder haben. Er ging schnell ans Fenster.

Wahrhaftig sie war schon halb aufgegessen!

Er nahm sie mit einem Ruck:

Gib mir meine Lakritze wieder, mein Junge, — und dann wickelte er sie gut ins Papier und schloß sie in seine Truhe ein.