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Kant's gesammelte Schriften. Band V. Kritik der Urtheilskraft. cover

Kant's gesammelte Schriften. Band V. Kritik der Urtheilskraft.

Chapter 23: Zweite Abtheilung. 311 Dialektik der teleologischen Urtheilskraft.
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About This Book

The work treats judgment as the faculty that mediates between theoretical knowledge and moral reason. It analyzes aesthetic judgments of taste as disinterested pleasure claiming subjective universality, presenting beauty as purposiveness without purpose and distinguishing it from the sublime. The sublime appears in mathematical and dynamical forms, prompting recognition of the mind's power beyond nature's magnitude or force. Discussions of genius, a shared sensus communis, and the role of fine art show how aesthetic feeling connects to moral ideas. A second part considers teleological judgment: organisms are regarded as seemingly purposive for scientific explanation, with teleology treated as a regulative principle and antinomies addressed to reconcile mechanistic explanation and purposiveness, thereby linking nature and freedom.

Zweite Abtheilung. 311
Dialektik der teleologischen Urtheilskraft.

§ 69.
Was eine Antinomie der Urtheilskraft sei.

Die bestimmende Urtheilskraft hat für sich keine Principien, welche 5 Begriffe von Objecten gründen. Sie ist keine Autonomie; denn sie subsumirt nur unter gegebenen Gesetzen, oder Begriffen, als Principien. Eben darum ist sie auch keiner Gefahr ihrer eigenen Antinomie und keinem Widerstreit ihrer Principien ausgesetzt. So war die transscendentale Urtheilskraft, welche die Bedingungen unter Kategorieen zu subsumiren enthielt, 10 für sich nicht nomothetisch; sondern nannte nur die Bedingungen der sinnlichen Anschauung, unter welchen einem gegebenen Begriffe, als Gesetze des Verstandes, Realität (Anwendung) gegeben werden kann: worüber sie niemals mit sich selbst in Uneinigkeit (wenigstens den Principien nach) gerathen konnte. 15

Allein die reflectirende Urtheilskraft soll unter einem Gesetze subsumiren, 312 welches noch nicht gegeben und also in der That nur ein Princip der Reflexion über Gegenstände ist, für die es uns objectiv gänzlich an einem Gesetze mangelt, oder an einem Begriffe vom Object, der zum Princip für vorkommende Fälle hinreichend wäre. Da nun kein Gebrauch 20 der Erkenntnißvermögen ohne Principien verstattet werden darf, so wird die reflectirende Urtheilskraft in solchen Fällen ihr selbst zum Princip dienen müssen: welches, weil es nicht objectiv ist und keinen für die Absicht hinreichenden Erkenntnißgrund des Objects unterlegen kann, als bloß subjectives Princip zum zweckmäßigen Gebrauche der Erkenntnißvermögen, 25 nämlich über eine Art Gegenstände zu reflectiren, dienen soll. Also hat in Beziehung auf solche Fälle die reflectirende Urtheilskraft ihre Maximen und zwar nothwendige zum Behuf der Erkenntniß der Naturgesetze in der Erfahrung, um vermittelst derselben zu Begriffen zu gelangen, sollten diese auch Vernunftbegriffe sein; wenn sie solcher durchaus bedarf, um die Natur nach ihren empirischen Gesetzen bloß kennen zu lernen. — Zwischen diesen nothwendigen Maximen der reflectirenden Urtheilskraft kann nun ein Widerstreit, mithin eine Antinomie Statt 5 finden, worauf sich eine Dialektik gründet, die, wenn jede von zwei einander widerstreitenden Maximen in der Natur der Erkenntnißvermögen ihren Grund hat, eine natürliche Dialektik genannt werden kann und ein 313 unvermeidlicher Schein, den man in der Kritik entblößen und auflösen muß, damit er nicht betrüge. 10