VIII. Umstandswörter.
§. 32. Die Umstandswörter bestimmen die Zeit- und Eigenschaftsw. näher. Sie können sein:
1. Umstandsw. des Ortes. Wo? Wohin? — da, dort, draußen, drinnen, droben, drüben, hier, her, hin, überall, vorn, hinten, rechts, links, oben, unten, hinaus, hinein, vorwärts etc.
2. Umstandsw. der Zeit. Wann? — bald, immer, häufig, oft, dann, einst, selten, nie, niemals, jetzt, nun, eben, neulich, kürzlich, ehemals, sonst, sofort, heute, morgen, gestern, schon etc.
3. Umstandsw. der Weise. Wie? — gern, sehr, recht, ungemein, besonders, vorzüglich, fast, beinahe, kaum, genug, zu sehr, ganz, merklich, ziemlich etc.
Anm. Die meisten Eigenschaftsw. können Umstandsw. der Weise sein, und als solche können sie gesteigert werden. Z. B. Dieser Knabe geht langsam, jener geht langsamer, du gehst am langsamsten.
4. Umstandsw. der Bejahung und Verneinung auf die Frage: Geschieht Etwas oder geschieht es nicht? — ja, freilich, allerdings, vermuthlich, vielleicht, allenfalls, gewiß, wirklich, wohl, — nein, nicht, keineswegs etc.
5. Umstandsw. der Frage: wie? wo? wohin? wozu? womit? etc.
Anm. 1. Er ist den ganzen Tag umher gelaufen. Der Becher ging bei dem Mahle herum.
Anm. 2. Komm doch herein! Soll ich zu dir hinaus kommen? Er ist eben hinunter gegangen.
Anm. 3. Eine doppelte Verneinung darf nicht angewendet werden, weil dadurch die Behauptung wieder bejaht wird. Man darf also nicht sagen: Ich habe kein Geld nicht.
IX. Bindewörter.
§. 33. Die Bindew. verbinden theils Wörter, theils Sätze mit einander. Sie können sein:
A. Bindewort der Beiordnung (coordinirende).
1. Der Anreihung (copulative): und, auch, nun, sowohl — als auch, nicht nur — sondern auch, theils — theils, je — desto, zuletzt, erstlich, erstens, ferner, nicht allein — sondern auch, endlich, dann, nicht bloß — sondern auch, außerdem, dazu.
2. Der Entgegnung (adversative): aber, allein, doch, dennoch, jedoch, oder, entweder — oder, dagegen, vielmehr, indessen, dessenungeachtet, weder — noch, nicht — sondern, wenn — so, hingegen, gleichwohl, sonst, bald — bald.
3. Des Grundes (causale): denn, deßwegen, darum, dann, daher, folglich, somit, minb, demnach, also, nämlich, als, deshalb.
B. Bindew. der Unterordnung (subordinirende): daß, damit, weil, da, als, indem, nachdem, indeß, während, ehe, bevor, seit, seitdem, bis, so lange als, so, so wie, gleichwie, als ob, so daß, ohne daß, auf daß, wenn, falls, obgleich, wenngleich, wiewohl, wie sehr auch, seitdem daß, darum, als wenn, obschon, unterdeß, wenn schon, sobald, wofern, dahin — wohin, daher — woher, da — wo, je — desto.
X. Empfindungswörter.
§. 34. Die Empfindungsw. bezeichnen laute Ausbrüche der Freude, des Schmerzes, der Furcht, des Verlangens etc.
ach! ei! heißa! juchhei! o! holla! husch! pfui! o weh! knacks! piff! paff! plumps! he! heda!
Satzlehre.
§. 35. Die Menschen können denken; sie haben Gedanken. Ein ausgesprochener oder niedergeschriebener Gedanke heißt ein Satz. Ein Satz kann enthalten:
1. Eine Behauptung, ein Urtheil, eine Erzählung:
Müßiggang ist aller Laster Anfang. Uebermuth thut selten gut. Hans nährte sich vom Schiebekarren.
Nach solchen Sätzen steht ein Punkt.
2. Eine Frage:
Wie geht es Euch? Wie fangt ihr’s an? Hört ihr’s wimmern hoch vom Thurm?
Nach einem Fragesatz steht ein Fragezeichen; ist die Frage aber nicht bestimmt ausgesprochen, so steht ein Punkt.
Er fragte, wie es ihm gehe.
3. Einen Wunsch, Rath, eine Bitte, Aufforderung, Ermahnung, Ermunterung:
Nur unterlaßt mir den Gesang! Friede sei ihr erst Geläute!
4. Einen Befehl — Gebot oder Verbot:
Fahr zu, Johann! Setzt euer Licht hierher!
5. Einen Ausruf — der Bewunderung, des Unwillens, Bedauerns, Schmerzes, Schreckes, der Freude, Behauptung etc.
Gevatter! ihr seid nicht gescheidt! O, welch ein Mensch!
Nach einem Wunsche, Befehle und Ausrufe steht ein Ausrufungszeichen.
§. 36. Es giebt:
a. einfache Sätze:
Der Vater schreibt.
b. erweiterte (ausgebildete oder ergänzte) Sätze:
Der Vater schreibt den Brief.
c. zusammengesetzte Sätze:
Der Vater schreibt den Brief, und die Mutter liest die Zeitung.
Die Glieder (Theile) des einfachen und erweiterten Satzes sind immer nur Wörter, die Glieder des zusammengesetzten Satzes sind aber Sätze.
I. Der einfache Satz.
§. 37. Jeder einfache Satz besteht nur aus Gegenstand und Aussage (Subject und Prädicat).
Den Gegenstand des Satzes finde ich dadurch, daß ich mit dem Zeitworte die Frage: Wer? oder Was? verbinde. Er steht immer im 1. Falle und wird durch ein Hauptwort oder durch einen Stellvertreter desselben bezeichnet.
Der Baum blüht. Du bist ein Kind. Malen ist eine Kunst. Aber ist ein Bindewort. Schwarz ist die Trauerfarbe.
Wie heißt im 1. Satz das Zeitwort? blüht. Wer blüht? der Baum = Gegenstand des Satzes.
Anm. Zuweilen kündigt man den Gegenstand durch das Wörtchen „es“ an, giebt ihn aber später bestimmter. Z. B. Es reden und träumen die Menschen viel etc.
§. 38. Die Aussage findet man auf die Frage:
a.Was thut ein Gegenstand oder was wird mit einem Gegenstande gethan?
b. Wie ist ein Gegenstand?
c. Was ist ein Gegenstand?
Sie kann ausgedrückt werden:
a. durch ein Zeitwort in der That- und Leideform;
b. durch ein Eigenschaftswort, einen Umstand mit dem Hülfszeitwort;
c. durch ein Hauptwort und Hülfszeitwort.
Der Lehrer lobt. Der Schüler wird gelobt. Der Sommer ist heiß. Der Sturm ist vorüber. Mit unsrer Freundschaft ist es aus. Du bist im Irrthum. Der Knabe ist (befindet sich) auf der Wiese. Gott ist ein Geist. Der Soldat wird ein Held. Der Bruder bleibt (ist) mein Nachbar.
§. 39. 1. Der Gegenstand kann stehen:
a. in der Einzahl und Mehrzahl;
b. in drei verschiedenen Personen:
Ich schreibe, du schreibst, er schreibt, wir schreiben etc.
2. Die Aussage kann stehen:
a. in der Gegenwart, Vergangenheit u. Zukunft;
b. in der Wirklichkeits-, Möglichkeits- und Befehlsweise.
3. Gegenstand und Aussage stehen immer in gleicher Zahl und Person.
Der Vater geht. Die Väter gehen.
4. Zwei und mehrere Gegenstände erfordern die Aussage in der Mehrzahl.
Der Vater und die Mutter gehen aus.
5. Bei der Frage nach dem Gegenstande hat man auf Person und Zahl, bei der Frage nach der Aussage auf Zeit und Aussageweise zu achten:
Wer blüht? Wer hat geblüht? Wer wird blühen? — Was thut der Baum? Was hat der Baum gethan? Was kann der Baum thun?
II. Der erweiterte Satz.
§. 40. Werden Gegenstand oder Aussage des einfachen Satzes, oder beide zugleich näher bestimmt (erweitert, ergänzt, ausgebildet) so erhält man den erweiterten Satz.
A. Nähere Bestimmungen des Gegenstandes.
Sie antworten auf die Frage: welcher, e, es, und sind somit eigenschaftlichen Characters.
Der Gegenstand des Satzes kann näher bestimmt werden:
1. Durch ein Fürwort:
Dieser (jener, dein) Baum blüht. Derselbe Mann war es.
2. Durch ein Eigenschaftswort:
Der große Baum blüht. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
3. Durch ein Zahlwort:
Der dritte Baum blüht. Drei Bäume blühen. Aller Anfang ist schwer.
4. Durch ein Hauptwort im 1. Fall:
Kaiser Karl lebte zur Zeit Luthers. Friedrich der Große erbaute Sanssouci. Sechs Loth Zucker kosten einen Silbergroschen. Bruder Fritz ist verreist. Doctor Mai ist angekommen.
5. Durch ein Hauptwort im 2. Fall:
Der Baum meines Bruders blüht. Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.
6. Durch einen Umstand, der auch durch ein Verhältnißwort mit seinem Fall ausgedrückt werden kann:
Der Garten dort so hübsch etc. Der Baum in der Stube blüht. Ketten von Gold drücken oft schwer. Ein Sperling in der Hand ist besser, als eine Taube auf dem Dache.
7. Durch ein Zeitwort in der Grundform:
Die Lust zu sterben ist selten.
Anm. Das Eigenschaftswort kann stets durch ein Umstandswort oder ein Verhältnißwort mit seinem Falle näher bestimmt werden. Z. B. Die mit Anlagen begabten Schüler. Die recht gute Schrift.
B. Nähere Bestimmungen der Aussage.
§. 41. a. Die Aussage kann, wenn sie durch ein Hauptwort mit dem Hülfszeitwort sein ausgedrückt wird, durch die Bestimmungen des Gegenstandes erweitert werden.
Ueberhaupt können Hauptwörter, die in einem Satze vorkommen, die 7 Bestimmungen des Gegenstandes annehmen.
Hunger ist der beste Koch. Müßiggang ist aller Laster Anfang. Dienstjahre sind keine Herrenjahre. Thorheit ist eine Schwester der Dummheit.
§. 42. b. Besteht die Aussage aus einem Zeitwort oder Eigenschaftswort, so kann sie näher bestimmt werden:
a) Durch Bestimmungen gegenständlichen Charakters.
1. Durch den 4. Fall (regierter oder leidender Gegenstand = Object):
Ein faules Ei verdirbt den ganzen Brei. Böse Gesellschaft verdirbt gut’ Sitte. Uebung macht den Meister. S. §. 29.
2. Durch den 4. u. 3. Fall. (3. Fall = betheiligter Gegenstand):
Der Mann schenkt dem Knaben eine Birne. Die Mutter verbietet dem Kinde das Naschen. Der Krieg nimmt dem Lande seine Söhne. S. §. 29.
3. Durch den 4. u. 2. Fall. (2. Fall = bewirkender Gegenstand):
Der Dieb beraubt mich meines Geldes. S. §. 30. 1.
4. Durch zwei 4. Fälle:
Er nannte ihn einen Narren. Herr, lehre mich deine Steige! Wer lehrt das Auge seine Pflicht? Herr, lehrt mich bess’re Sachen! S. §. 30. 2.
5. Durch den 3. Fall:
Der Schüler antwortet mir. Der Knabe ist ihm ähnlich. Peter dem Großen wurde die Bildung seines Volkes sehr schwer. S. §. 28.
6. Durch den 2. Fall:
Ich bedarf seiner nicht. Ich bin meiner Sache gewiß. Eigner Herd ist Goldes werth. Tugend bedarf keines Ausrufers. S. §. 27.
b. Durch Bestimmungen umständlichen Charakters.
7. Durch einen Umstand des Ortes:
Der Fisch lebt im Wasser. Treue Hand geht durch’s ganze Land. Der Knabe spielt hier, dort etc. Man suchte ihn aller Orten. S. §. 32. 1.
8. Durch einen Umstand der Zeit:
Die Bäume blühen im Frühling. Die Bäume blühen jetzt. Des Morgens schläft er und des Abends ist er munter. Rom ist nicht in einem Tage erbaut. S. §. 32. 2.
9. Durch den Umstand der Weise:
Ich singe dir mit Herz und Mund. Der Schüler singt rein und richtig. Zwei harte Steine mahlen nicht gut. Er mußte stehenden Fußes umkehren. S. §. 32. 3.
10. Durch einen Umstand des Grundes:
Der Knabe weint vor Schmerz. Gesundheitshalber giebt er die Arbeit auf.
Anm. Die Umstände des Ortes, der Zeit und der Weise können ausgedrückt werden durch:
a. Verhältnißwörter mit ihren Fällen;
b. Umstandswörter;
c. Fälle der Hauptwörter.
Der Umstand des Grundes kann nur durch ein Verhältnißwort mit seinem Falle ausgedrückt werden.
11. Durch ein Zeitwort in der Grundform:
Ich höre ihn kommen. Er hat mich gehen heißen. Der Freund hat ihm schreiben helfen.
Mehrere Bestimmungen.
§. 43. Gegenstand und Aussage können durch mehrere verschiedene Bestimmungen (Ergänzungen) zu gleicher Zeit ausgebildet werden. Zwischen ihnen steht kein Zeichen.
Dieser freundliche Sohn meiner vielgeliebten Tante schenkte jenem armen Knaben am ersten Weihnachtstage auf dem Weihnachtsmarkte diesen recht warmen Anzug. Der fleißige Knabe aus dem benachbarten Dorfe schreibt morgen früh um acht Uhr in der obern Schule seinem Vetter in der Stadt einen sehr langen Brief zum nächsten Geburtstage.
Werden sie jedoch durch gleichartige Bestimmungen erweitert, so steht zwischen diesen ein Komma, wenn sie nicht durch „und“ verbunden sind:
Marie war eine klare, heitere, thätige und wackere Schülerin.
III. Der zusammengesetzte Satz.
§. 44. Jeder zusammengesetzte Satz besteht aus einfachen oder erweiterten Sätzen oder aus beiden zugleich. Sind diese Sätze von einander unabhängig — ist jeder einzelne für sich verständlich, — so nennt man sie beigeordnet (coordinirt):
Friede ernährt; Unfriede verzehrt.
Sind sie aber von einander abhängig — kann der eine ohne den andern nicht verstanden werden, — so sind sie einander über- und untergeordnet:
Wer Gutes thut, hat frohen Muth.
Die übergeordneten (superordinirten) Sätze heißen — sind sie unabhängig — Hauptsätze, die untergeordneten (subordinirten) heißen Nebensätze.
1. Hauptsätze sind Hauptsätzen beigeordnet:
Der Knecht hat erstochen den edlen Herrn; der Knecht wär’ selber ein Ritter gern. Mit Vielem hält man Haus; mit Wenigem kommt man aus.
2. Nebensätze sind Nebensätzen beigeordnet:
Wenn du deinen Beruf treu erfüllst; wenn du den Gesetzen des Landes gehorchst: so soll Niemand dir ein Leid zufügen.
3. Hauptsätze sind Nebensätzen übergeordnet.
4. Nebensätze sind Hauptsätzen untergeordnet:
Und als er die güldenen Sporen ihm gab, da schleudert’s ihn wild in den Strom hinab.
5. Nebensätze können Nebensätzen über- und untergeordnet sein. Es giebt also Nebensätze ersten, zweiten u. s. w. Ranges:
Den schlechten Mann muß man verachten, der nie bedacht, was er vollbringt.
A. Beigeordnete Sätze.
§. 45. 1. Beigeordnete Sätze werden gar nicht oder durch Bindewörter der Beiordnung verbunden. S. §. 33. A.
2. Zwischen beigeordneten Sätzen — sind sie nicht sehr kurz — steht ein Semikolon (;), ausgenommen vor „und“ und „oder“, vor diesen steht ein Komma.
Sie können sein:
1. Anreihend:
Redlich sei des Herzens Grund; redlich spreche stets der Mund. Jede Stund’ ist wichtig; Müßiggang ist nichtig. Töne entlockt er der Flöte und das Echo des Berges wird wach. Im Herbste werden die Tage kürzer; auch kühlt sich die Luft immer mehr ab. Dort nahet der Feind; nun laßt uns wacker kämpfen! Zuerst beginnt der Tag zu dämmern; dann verlieren die Sternlein ihren Glanz; zuletzt erscheint die Sonne in ihrer Purpurpracht. Nicht nur suchte ich ihn im Felde; sondern mein Bruder durchlief auch den Wald.
2. Entgegenstellend:
Heute wird entweder jenes Gras gemäht, oder dieses Holz wird eingefahren. Schönheit verläßt uns bald; aber ein getreues Herz bleibt uns. Die Biene ist zwar ein kleines Thier; allein sie kann große Schmerzen verursachen.
3. Begründend:
Wo ihr wohnet, da verschönet jedes gute Herz den Ort; drum verweilet froh und eilet nur so bald nicht wieder fort. Das Glas ist spröde; daher läßt es sich nicht biegen. Der Mensch kann das Gute thun und das Böse lassen; denn er hat freien Willen. Ich hatte schon einem Andern mein Wort gegeben; deßhalb konnte ich deinem Wunsche nicht nachkommen.
Zusammengezogene Sätze.
§. 46. Gehören in beigeordneten Sätzen mehrere Gegenstände (Subj.) zu einer Aussage (Praed.), oder mehrere Aussagen zu einem Gegenstande, so hat man zusammengezogene Sätze:
Grobheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Hoffen und Harren macht Manchen zum Narren. Bewegung, Mäßigkeit und Ruh’ schließt dem Arzt die Thüre zu. Einige Blumen blühen im Sommer, andere blühen im Herbste. Der Fuchs ist schlau, listig und raubgierig. Er kam, sah’ und siegte. Nadelhölzer sind: Tannen, Fichten, Kiefern etc. Fleiß bringt Brod, Faulheit Noth. Roggen wird entweder geschnitten oder gemäht. Verschlossener Mund und offene Augen haben noch Niemandem geschadet. Sammet und Seide löschen das Feuer in der Küche aus.
Anm. In den zusammengezogenen Sätzen steht vor „und“ und „oder“ kein Komma.
B. Nebensätze.
§. 47. Der Nebensatz steht immer an der Stelle eines Satzgliedes und kann in ein solches verwandelt werden.
Die Nebensätze werden durch die Bindewörter der Unterordnung mit den Hauptsätzen verbunden. S. §. 33. B.
Da es dreierlei nähere Bestimmungen giebt, so giebt es auch dreierlei Nebensätze.
1. Eigenschaftssätze.
Die Nebensätze können stehen für eigenschaftliche Bestimmungen = Eigenschaftssätze (Adjectiv-, Relativ-Sätze). Sie werden mit dem Hauptsatze in der Regel durch die zurückbeziehenden Fürwörter: welcher, e, es; der, die, das, auch wohl durch: wo, wann, wie, verbunden:
Nichts ist so elend, als ein Mann, der Alles will, und der Nichts kann. = Nichts ist so elend, als ein Alles wollender und Nichts könnender Mann. Die Sterne, welche ihr eigenes Licht haben, heißen Fixsterne.
2. Gegenstandssätze.
§. 48. Die Nebens. können stehen für gegenständliche Bestimmungen = Gegenstandssätze (Substantiv-Sätze) und werden mit dem Hauptsatze in der Regel durch: daß, ob, wer, was, wo, wann, wie etc. verbunden. Als solche können sie sein:
a. Gegenstandssätze für den 4. Fall (Object-Sätze).
Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, was du werth bist. = Sage mir deinen Umgang, und ich will dir deinen Werth sagen. Wer läuft, den jagt man. Wer hoch steht, den sieht man.
1. Hierher gehören auch die Sätze, die angeben, was Jemand sagt, meint, behauptet etc.
Solon sagte: Niemand ist vor seinem Tode glücklich.
2. Vor der wörtlich angeführten (directen) Rede steht ein Doppelpunkt. Häufig folgen diesem Doppelpunkt auch noch Anführungsstriche:
Solon sagte. „Niemand ist vor seinem Tode glücklich.“
3. Tritt der Einführungssatz zwischen den Ergänzungssatz, so sind die Zeichen in folgender Weise zu setzen:
„Niemand“, sagte Solon, „ist vor seinem Tode glücklich“. — „Komm mit“, sprach neulich der Klaus zu mir, „vor dem Thore etc.“
4. Führt man die Rede nicht wörtlich (indirect) an, so werden die Sätze durch ein Komma getrennt:
Solon sagte, daß Niemand vor seinem Tode glücklich sei.
b. Gegenstandssätze für den 2. Fall (Genitiv-Sätze):
Der Gedanke, daß Gott gerecht sei, giebt allein dem Menschen Ruhe = der Gedanke der Gerechtigkeit Gottes giebt allein etc. Er erinnerte sich, daß er ihn gesehen = seines Anblicks.
c. Gegenstandssätze für den 3. Fall (Dativ-Sätze):
Verkündige die Nachricht, wem du zuerst begegnest = dem dir zuerst Begegnenden. Wem nicht zu rathen ist, dem ist nicht zu helfen. Wer zürnet, dem reiche kein Messer.
§. 49. d. Auch das Subject kann durch einen Nebensatz ausgedrückt werden = (Subject-Sätze):
Wer Pech angreift, besudelt sich = der Pech Angreifende besudelt sich. Wer antwortet auf unnütz Geschrei, der macht aus einem Unglück zwei. Wer nicht hören will, muß fühlen.
3. Umstandssätze.
§. 50. Die Nebensätze können stehen für umständliche Bestimmungen (Umstands-, Adverbial-Sätze). Sie können sein:
a. Umstandssätze des Ortes:
Er starb, wo er geboren war = an dem Orte seiner Geburt.
b. Umstandssätze der Zeit:
Wenn die Sonne scheint, ist unser Zimmer hell = beim Schein der Sonne.
c. Umstandssätze der Art und Weise:
Wie der Mensch säet, so wird er ernten = seiner Saat gemäß.
d. Umstandssätze des Grundes:
Der Christ liebt und ehrt die Tugend, weil sie Gott gebietet = um des göttlichen Gebotes willen.
Satzkürze. Beisatz. Anrede.
§. 51. 1. Fehlen in den Nebensätzen Satztheile, so hat man verkürzte Sätze (Satzkürzen). Die fehlenden Theile lassen sich leicht ergänzen:
Es ist ein großes Glück, gute Eltern zu haben = wenn man gute Eltern hat. Des Weges unkundig, verirrte ich mich = da ich des Weges unkundig etc. Allzustraff gespannt, zerspringt der Bogen = der Bogen zerspringt, wenn er etc. Das Recht spricht: Jedem das Seine! Die Liebe: Jedem das Deine! Johann, der muntere Seifensieder, erlernte viele schöne Lieder = Johann, welcher ein munterer Seifensieder war, erlernte etc.
2. Ist im verkürzten Nebensatze, wie in dem letztgenannten Beispiele, die Aussage durch ein Hauptwort ausgedrückt, so hat man einen Beisatz (Gleichstand, Apposition). Der Beisatz muß mit dem Hauptworte, zu dem er gehört, in gleicher Zahl und im gleichen Falle stehen:
Hans Gutgenug, der bequeme Knecht, macht seine Sache nur halb und schlecht. Vor der Stimme des Löwen, des Königs der Wälder, fürchten sich alle Thiere.
3. Auch die Anrede ist ein verkürzter Satz:
Gott grüß dich, Alter, schmeckt etc. Gott sieht dich, Kind, d’rum scheu die Sünd’! Kind, wirst du roth, so warnt dich Gott.
Stellung der Nebensätze.
§. 52. 1. Stehen Nebensätze vor dem Hauptsatze, so heißen sie Vordersätze; der Hauptsatz aber heißt Nachsatz:
Wer Gutes thut, hat frohen Muth.
2. Stehen sie zwischen den Theilen des Hauptsatzes, so heißen sie Zwischensätze:
Fritz, der im Gehen recht Zeit zum Lügen fand, log auf die unverschämteste Weise.
3. Stehen sie nach dem Hauptsatze, so heißen sie Nachsätze:
Es helfen weder Licht noch Brill’, wenn das Aug’ nicht sehen will.
§. 53. Nebensätze werden durch ein Komma vom Hauptsatze getrennt; Zwischensätze stehen zwischen 2 Komma. Für die verkürzten Nebensätze gilt dasselbe. Es steht also auch der Beisatz und die Anrede zwischen 2 Komma. Steht die Anrede zu Anfang des Satzes, so folgt ihr ein Komma: Johann, bring’ Holz! In Briefen folgt der Anrede auch ein Ausrufungszeichen: Lieber Freund!
Bemerkungen.
1. Unvollständige Hauptsätze (elliptische Sätze) sind:
Guten Morgen! Nein! Ja! Feuer! Herein! Achtung geben!
2. Enthalten Sätze nicht nothwendig zum Zusammenhange der Rede gehörende Bemerkungen, so heißen diese eingeschobene Sätze und werden zwischen Klammern, Parenthesen oder Gedankenstriche gesetzt:
Der Schelm — ich will ihn zwar nicht schimpfen — der etc.
Auch benutzt man die Parenthese () zur Einschaltung einzelner Wörter.
3. Es giebt auch abgebrochene Sätze:
Wenn du nicht gehst, so ….
Die Periode.
§. 54. Mehrere Sätze können eine Periode bilden. Es giebt zwei- und mehrgliedrige Perioden.
Vorder- und Nachsatz werden in einer zweigliedrigen Periode durch ein Semikolon getrennt:
Weil der Westwind über den atlantischen Ocean weht und die Ausdünstungen desselben mit sich führt; so pflegt er uns Regenwetter zu bringen.
Vorder- und Nachsatz werden in einer mehrgliedrigen Periode durch ein Kolon, unter sich aber durch ein Semikolon getrennt:
Wenn du wahrhaft und auf die Dauer glücklich zu sein wünschest; so befleißige dich eines rechtschaffenen Lebens: denn nur der Rechtschaffene vermag in Wahrheit glücklich zu sein.
Satzzeichen.
§. 55. Deutlichkeit in Schrift und Rede erfordern es, daß man Zusammengehöriges nicht auseinander reiße, Verschiedenes aber andererseits aus einander halte. Um dieses zu können, bedient man sich der Satzzeichen (Interpunction). Diese sind:
A. Satzpausenzeichen.
1. Der Strich oder das Komma (,);
2. der Strichpunkt oder das Semikolon (;);
3. der Doppelpunkt oder das Kolon (:);
4. der Punkt (.);
5. der Gedankenstrich (—).
Ueber den Gebrauch der Nr. 1–4 ist bereits bei der Satzlehre gesprochen. Der Gedankenstrich steht, um eine größere Pause als den Punkt anzuzeigen, oder um die Aufmerksamkeit des Lesers zu spannen.
§. 56. |
B. Satztonzeichen. |
1. Das Fragezeichen (?);
2. das Ausrufungszeichen (!).
Schließen die Satztonzeichen einen Satz, so schreibt man nach ihnen einen großen Anfangsbuchstaben. Weiteres über diese Zeichen findet sich ebenfalls in der Satzlehre.
C. Hülfszeichen.
1. Die Klammer oder Parenthese [] ();
2. das Bindezeichen (-) (⸗);
3. der Apostroph oder das Häkchen (’) steht für ein ausgelassenes e, ei, i.
Mich dünk’t, ich mein’, ich glaub’, ich dacht’ hat manchen guten Gesellen in’s Verderben gebracht. Ein blut’ger Kampf! Ich hab’ ’nen schweren Stand gehabt.
4. die Anführungszeichen, Gänsefüßchen („ “);
5. das Zeichen der abgebrochenen Rede (…) (— —);
6. das Zeichen des Abschnittes oder Paragraphen (§).
§. 57. |
Wortbildung. |
| Stamm. | Ableitung. | Zusammensetzung. |
| Band | Bändchen | Bandeisen. |
A. Ableitungen.
1. Hauptwörter durch: er, in, chen, lein, ling, en, ung, niß, muth, sal, ei, e, keit, heit, schaft, thum (tum), ge.
2. Eigenschaftswörter durch: ig, isch, bar, sam, en, ern, lich, haft, icht.
3. Zeitwörter durch: chen, ken, chten, eln, ern, igen, zen; durch die Vorsilben: be, er, ver, ent, zer, ge, miß, ur.
4. Umstandswörter durch: lich, haft, icht, lings.
B. §. 58. Zusammensetzungen: 1. Bestimmungsw. 2. Grundw.
1. Hauptwörter.
a) Hauptwörter und Hauptwörter (Schulhaus).
b) Hauptwörter und Eigenschaftswörter (Jungfrau).
c) Hauptwörter und Zeitwörter (Wohnhaus).
2. Eigenschaftswörter.
a) Eigenschaftswörter u. Eigenschaftsw. (hellgrün).
b) Hauptwörter u. Eigenschaftswörter (naseweis).
c) Eigenschaftswörter u. Zeitwörter (lernbegierig).
3. Zeitwörter mit: an, auf, aus, bei, durch, ein, mit, nach, um, unter, über, vor, ab, voll, wieder, dar, fort, heim, hin, her, weg.
4. Zusammengesetzte Umstandswörter.
Ebendaselbst, himmelwärts etc.
Eine Wörterfamilie: Ziehen.
Der Zug, der Truppenzug, der Zugvogel, der Gesichtszug, die Ziehung; die Zucht, die Kinderzucht, der Zögling, die Bienenzucht; züchtigen, die Züchtigung, der Züchtling, die Züchtlingsarbeit, das Zuchthaus, die Zuchthausarbeit, der Zuchtmeister, die Zuchtruthe, züchtig, züchtiglich; abziehen, der Abzug; anziehen, der Anzug, die Anziehung, die Anzüglichkeit; aufziehen, der Aufzug, die Aufzieherei; ausziehen, der Auszug, der Auszieher; beziehen, der Bezug, die Beziehung, beziehlich, bezüglich; durchziehen, der Durchzug; einziehen, der Einzug, die Einziehung; entziehen; erziehen, die Erziehung, der Erzieher, die Erziehungsschule, erziehungskundig; nachziehen, der Nachzug, der Nachzügler; umziehen, der Umzug; verziehen, der Verzug; vorziehen, der Vorzug, vorzüglich, die Vorzüglichkeit; überziehen, der Ueberzug etc.
Rechtschreibung — Orthographie.
§. 59. 1. Ein Wort hat eine oder mehrere Silben. Eine Silbe besteht aus Lauten. Die Laute sind entweder Selbstlaute oder Mitlaute (Vocale oder Consonanten).
2. Die Selbstlaute können sein:
| a. Grundlaute: | a, e, i, | o, | u — y; | |
| b. Umlaute: | ä, | ö, | ü; | |
| c. Doppellaute: | au, äu, eu, ei, ai. | |||
Die Mitlaute heißen: b, c, d, f, g, h, k, l, m, n, p, q, r, ſ, s,
t, v, w, x, z, j, ch, sch, ß.
3. Steht der Mitlaut vor dem Selbstlaute, so heißt er Vorlaut; steht er nach dem Selbstlaute, so heißt er Nachlaut. Ein Wort hat soviel Silben, als es Selbstlaute hat. Die Zeichen für die Laute heißen Buchstaben. Die Gesammtheit der einfachen Buchstaben nennt man das A-be-ce oder Alphabet.
§. 60. 1 Löse jeden Satz in seine Wörter, jedes Wort in seine Silben und jede Silbe in ihre Laute auf; setze für jeden Laut den entsprechenden Buchstaben; sieh auf die Ableitung, beachte die Verlängerung, und richte dich nach dem Sprachgebrauch.
2. Hat ein Wort a, o, u oder au, so erhält das abgeleitete ä, ö, ü oder äu.
Bach — Bäche; Sohn — Söhne; Tuch — Tücher; Baum — Bäume.
3. Weißt du nicht, ob du zum Schlusse eines Wortes b oder p, d oder t, g, ch oder k, s, ß oder z setzen sollst, so verlängere das Wort.
Korb — Körbe; plump — plumper; Wald — Wälder; kalt — kälter; Gang — Gänge; Storch — Störche; Bank — Bänke; Gans — Gänse; Fuß — Füße; Kranz — Kränze.
4. Zu Anfang einer Silbe steht das lange „ſ“; zum Schluß einer Silbe steht das „s“. Folgt „t“ auf „s“, so wird in der Regel auch als Nachlaut „ſt“ geschrieben.
Mäu-ſe, Mäus-chen, Aus-ſicht, Kunſt, daſſelbe, deßhalb.
§. 61. Die Dehnung der Selbstlaute a, e, o wird oft durch aa, ee, oo bezeichnet. Geht der Selbstlaut in den Umlaut über, so schwindet die Verdoppelung.
aa: Aal, Aar, Aas, baar, Haar, Maal, Paar, Saal, Saat, Staat, Waare, Härchen, Pärchen, Säle.
ee: Allee, Armee, Beere, Beet, Fee, Heer, Heerde, Idee, Kameel, Kaffee, Klee, leer, Livree, Meer, Moschee, Portepee, Schnee, See, Seele, Speer, Spree, Theer, — des See’s, die Seen, des Schnee’s.
oo: Boot, Loos, Moor, Moos, Böte, Loose, Moore, Moose.
§. 62. 1. Die Dehnung der Selbst- und Umlaute wird oft durch Hinzufügung des „h“ bezeichnet. Siehe auf die Grundform der Zeitwörter und beachte die Ableitung: Mehl, Lehm, Huhn, Ohr, zählen, fühlen, dröhnen; sah — sehen, ruht — ruhen, fröhlich — froh — froher.
2. Bei dem „i“ bezeichnet man die Dehnung, indem man ein „e“, ein „h“ oder ein „eh“ hinzufügt.
ie: die, dies, hier, nie, sie, viel, vier, wie, Harmonie, Kopie, Melodie, Paradies; — deklamiren, speculiren, illuminiren — iren; aber: regieren, spazieren; Quartier, einquartieren.
ih: ihm, ihn, ihr, ihnen, ihres, ihrem, ihren.
ieh: stiehlt, — stehlen; befiehlt, sieh, lieh, zieh, gedieh, Vieh, Viehes.
§. 63. 1 Mit „th“ werden geschrieben:
Thal, Thaler, That, Thau, Theil,
Theater, Thema, Theodor, Therese, Thermometer, theuer, Thier, Thür,
Thon, aber: Ton (eines Instruments), Thor, Thron, Thräne, Apotheke,
Aether, Armuth, Arithmetik, Athem, Dorothea, Elisabeth, Gemüth,
Katheder, Katholik, Koth, Loth, Lazareth, Mathilde, Methode, Myrthe,
Muth, Noth, Pathe, Räthsel, Röthe, Ruthe, Sabbath, Urtheil; — Draht, —
drehen; Naht, nähen.
Merke: Abenteuer, Bart, Etat, Gebet, Geburt, Monat, Partei, Partie, Rhein, Rhede, Rhin, Rhone; — Whist, Katarrh, Rheumatismus, Rhinoceros. — Parasol, Diarium, egal, Fibel, Bibel, Lineal, Habit, Fabrik, Terrine, Garderobe.
2. Zu den Doppellauten tritt nur ein „h“ hinzu, wenn die Ableitung ein solches erfordert: Weihnachten, rauh.
§. 64. 1. Die Schärfung der Selbst- und Umlaute wird oft durch Verdoppelung der darauf folgenden Mitlaute bezeichnet.
Mann, kennen, retten, hoffen, treffen, ertappen, wollen, können, Roggen, Egge, Widder, Robbe, Ball, Puppe, kämmen, karren, Narr, denn, wenn, dann, Sammet, Zimmet, majorenn, Rabatt, Duett, minorenn, Protocoll, Duell.
2. Für zwei „k“ schreibe „ck“. Also Rock, nicht Rokk, Stock, locken, necken, stricken, erblicken, backen, Druck, Stück.
Für zwei „z“ schreibe „tz“. Also Netz nicht Nezz.
Besatz, Schatz, Metze, Netz, sitzen, Klotz, Mütze, verletzen, Schutz.
Für zwei „ß“ schreibe „ss“, wenn du „ß“ als Vor- u. Nachlaut hörst; hörst du es aber nur als Nachlaut, so schreibe „ß“. Also lassen — laß und nicht laßßen — laßß.
lassen, wissen, Nuß — Nüsse, Riß — Risse, Fluß — Flüsse, ißt — essen, müßte — müssen, Kuß — küssen.
3. Nach gedehnten Selbst- und Umlauten, so wie nach Doppellauten und Mitlauten folgt keine Verdoppelung:
Ekel, Haken, buk, Laken, kam, Geiz, Kreuz, Wein, Franz, Herz, Salz, Bank, Kalk, Werk, Helm, Amt, Fuß, büßen etc.
4. Zwei auf einander folgende Mitlaute können niemals beide verdoppelt werden; der erste von ihnen aber wird verdoppelt, wenn es die Ableitung verlangt:
wollte — wollen, kannte — kennen, Gewinnst — gewinnen, kommst — kommen.
5. Die Buchstaben „ch“, „sch“ und „ß“ werden nie verdoppelt:
Brüche, Flasche, Flüße, u. nicht Flüßße, Flaschsche, Brüchche.
6. In Wörtern aus fremden Sprachen steht nie „ck“:
Rector, Doctor etc.
§. 65. 1. Es werden geschrieben mit „dt“:
beredt, beredet; gesandt, Gesandter; verwandt, Verwandter; Stadt, todt = Eigenschaftsw.; der Tod = Hauptw., Ernte, Schwert.
2. Mit „ai“:
Hain, Kaiser, Laie, laichen, Mai, Maid, Maier, Main, Mainz, Mais, Rain, Saite = Instrument, die Waise.
3. Mit „chs“ für „cks“:
Achse, Achsel, Büchse, Dachs, Deichsel, Drechsler, Eidechse, Flachs, Fuchs, Gewächs, Lachs, Luchs, Sachsen, sechs, Sechser, Sechste, Wachs, Weichsel, Wichse, Wuchs, wachsen — flugs Häcksel etc.
4. Mit „x“ für „cks“:
Alexander, Axt, Buxbaum, Crucifix, Examen, Exempel, Exemplar, Felix, Fixstern, Hexe, Max, Mexiko, Mixtur, Nix, Oxhoft, Taxe, Texas, Texel, Text, Xanthippe, Xerxes, perplex, Luxus, Exceß, extrafein, Exekution, Extrem, Experiment.
§. 66. 1. Mit „Qu, qu“ für „Kw, kw“:
Quacksalber, Quaderstein, Quadrant, Quadrat, quaken, Quäker, Qual, Qualität, Quantität, Quantum, Quart, Quartal, Quartett, Quarz, Quaste, Quecke, Quecksilber, Quelle, Quentchen, quer, Querkopf, quetschen, quiken, Quinte, Quirl, quitt, Quitte, Quittung, Quotient, Aequator, bequem, erquicken, Quodlibet.
2. Mit „Pf und pf“:
Pfad, Pfahl, Pfand, Pfanne, Pfarre, Pfarrer, Pfau, Pfeffer, Pfeife, Pfeil, Pfeifer, Pfennig, Pferd, pfiffig, Pfingsten, Pfirsich, Pflanze, Pflaster, Pflaumen, Pflege, Pflicht, Pflock, pflücken, Pflug, Pforte, Pfoste, Pfote, Pfriem, Pfropfen, Pfründe, Pfuhl, pfui, Pfund, pfuschen, Pfütze.
3. Mit „Ph, ph“:
Phantasie, Pharao, Pharisäer, Philosoph, Philipp, Philister, Phosphor, Physik, Physikus, Amphibien, Atmosphäre, Christoph, Kaiphas, Kalligraphie, Kolophonium, Elephant, Epheu, Joseph, Geographie, Orthographie, Peripherie, Physiognomie, Philologie, Phrase, Prophet, Sopha, Sophie, Stenographie, Stephan, Strophe.
4. Mit „V, v“ theils für „f“ theils für „w“:
ver, vertragen, Vertrag; vor, vortragen, Vortrag; voll, vollenden, Vollendung; von, davon, wovon; viel, vielleicht, vielästig; vier, vierfüßig, vierzig, Viertel; Vater, Vetter, Veilchen, Veit, Veitstanz, Velten, Vesper, vexiren, Vieh, Vogel, Vogt, Vogtei, Volk, activ, brav, Eva, David, Frevel, Gevatter, Gustav, Larve, massiv, Nerv, Motiv, naiv, octav, passiv, Nominativ, Genitiv, Dativ, Accusativ, Indicativ, Conjunctiv. — Vagabond, Vase, Vegetabilien, Ventil, Vicewirth, Victualien, vidimiren, violett, Violine, Virtuos, visiren, Visite, Vitriol, Vocal, Vocativ, Votum, Vulkan, Division, Evangelium, Lava, Locomotive, Malve, November, Pulver, Proviant, Provinz, Serviette, Universität, Revisor, Individuum, Invalide, Inventarium.
§. 67. 1. Steht „C, c“ vor a, o, u, au, l, r, oder als Nachlaut, so lautet es wie „k“ und kann auch „k“ geschrieben werden:
Canal — Kanal, Cantor, Cocarde, Collecte, Cur, Cultur, Classe, Client, Creatur, Credit, accurat, October, Sclave, Scorpion, Microscop, Product.
2. Steht „C, c“ vor e, i, y, ei, ä, so lautet es wie „z“ und kann auch „z“ geschrieben werden:
Cäcilie, Censor, Centner, Cichorien, Circular, certiren, citiren, Facit, Cylinder, Ceilon, Cäsar, Accent, Accise, December, Service.
3. Mit „Ch, ch“ für „K, k“ werden geschrieben:
Charakter, Charte, Charfreitag, Cholera, Chor, Choral, Christ, christlich, Chronik.
4. Mit „Ch, ch“ für „Sch, sch“:
Champagner, Charlatan, charmant, Charlotte, Charpie, Manchette, Chef, Chikane, Chocolade, tranchiren, revanchiren. Viele dieser Wörter schreibt man mit „sch“.
5. Mit „y“ werden geschrieben:
Anonym, Cypresse, Gymnasium, Hyäne, Syrup, System, Pyramide, Symbol.
6. Steht „t“ vor ia, ie, io, iu, iö, so wird es wie „z“ gelesen:
Patient, gratial, Addition, Ambition, Auction, Condition, Caution, Confirmation, Constitution, Deputation, Expedition, Lection, Motion, Nation, Ration, Revolution, Portion, Pontius, Subtraction, Exercitium.
§. 68. 1. Freund, Freundin, Freundinnen; heran; herein, hinan, hinein; wir sind, ihr seid = Zeitw.; seit = Verhältnißw.; wieder, wiederum = Umstandsw.; wider, gegen = Verhältnißw.; ich war — es ist wahr; der Mann ist ausgegangen — man (irgend Jemand) ist ausgegangen; er sticht mich mit der Nadel — das Tuch steckt in der Tasche; morgen — Morgen.
2. „ich“ und „lich“. Schreibe „ig“, wenn das „l“ zum Stamme gehört. Schreibe „lich“, wenn das „l“ nicht zum Stamme gehört: heil-ig, sel-ig; wirk-lich, glück-lich, freund-lich, schwäch-lich.
3. Einmal, jemals; ein Mal, zwei Mal. Ein paar (mehrere) Groschen — ein Paar (zwei) Strümpfe.
4. „das, daß“. Kann man „das“ mit „dieses“ oder „welches“ verwechseln, so wird es „das“ geschrieben, kann dies nicht geschehen, so wird es „daß“ geschrieben:
Das Kleid, das das Mädchen trägt, ist zerrissen. Niemand zweifelt daran, daß Geld Vieles möglich macht.
5. Zu laufen — zulaufen; anzufangen, anfangen, hinaufzusteigen.
§. 69. Aehnlich klingende Wörter:
Aas, aß; Allee, Alle; Armee, Arme; Beile, Beule; bezeigen, bezeugen;
berichtigt, berüchtigt; Dauben, Tauben; dingen, düngen; dir, Thier,
Thür, dürr; Drang, Trank, trank; erdig, erdicht; erhält, erhellt;
erzeigen, erzeugen; fast, faßt; Fäule, Feile, Pfeile; Feilchen,
Veilchen; Vetter, fetter; Feuer, Feier; Feld, fällt; Felle Fälle; fiel,
viel, fühl; Fliege, Flüge, Pflüge; flicken, pflücken; Fluch, Flug,
Pflug; Fund, Pfund; für, vier; ganz, Gans; gar, ja, Jahr; Gericht,
Gerücht; hast, haßt; heilen, heulen; heute, Häute; heiser, heißer,
Häuser; Kante, kannte; Körner, Kärrner; Kiste, Küste, küßte; Last, laßt,
las’t; leiten, läuten, Leuten; Magd, Macht; magst, machst; Mine, Miene;
Mus, muß; Muse, Muße; Namen, nahmen; nein, neun; ölig, ölicht; Rad,
Rath; Räuber, Reiber; Recht, rächt, regt; Rind, rinnt; reißen, reisen;
sachte, sagte; sang, sank; sind, sinnt; singt, sinkt; Stelle, Ställe;
Strenge, Stränge; Teich, Teig, Deich; Thon, Ton; Trift, trifft, währen,
wären, wehren; Waise, Weise; wegen, wägen; Zähren, zehren; Zeugen, Zeug,
zeuch; Ziegel, Zügel; Zaum, Zaun.
Trennung der Wörter.
§. 70. Ein jedes Wort hat so viel Silben, als es Selbstlaute hat. Mußt du beim Schreiben Wörter trennen, so trenne sie nach ihren Sprechsilben. Einsilbige Wörter können nicht getrennt werden. Ein Mitlaut zwischen zwei Selbstlauten gehört zur nachfolgenden Silbe. Stehen zwischen zwei Selbstlauten zwei Mitlaute, so gehört der eine zur ersten, der andere zur zweiten Silbe. Zusammengesetzte und abgeleitete Wörter trennt man oft nach ihrer Zusammensetzung und Ableitung.
ck, tz, st, sch, ch werden nicht getrennt, sondern zur folgenden Silbe gezogen.
§. 71. Einen großen Anfangsbuchstaben giebt man
1. zu Anfange eines Satzes;
2. nach einem Punkt, Frage- und Ausrufungszeichen, wenn diese einen Satz schließen;
3. nach einem Doppelpunkt, wenn die Rede wörtlich angeführt wird;
4. jedem Hauptwort, sowie allen Wörtern, die als Hauptwort gebraucht werden (der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht etc. Ein Juchhei ist besser als ein Oweh!);
5. jedem Eigenschaftswort, das zu einem Titel gehört;
6. in Briefen den Fürwörtern, die sich auf die angeredete Person 1beziehen;
7. zu Anfang einer jeden Strophe in Gedichten.
§. 72. Abkürzungen: gest. = gestorben; geb. = geboren; Dr. = Doctor; St. = Sanct; Sr. = Seiner; Ew. = Euer; z. B. = zum Beispiel; d. h. = das heißt; d. i. = das ist; u. s. w. = und so weiter; p. p. = und so weiter; d. J. = dieses Jahres; d. M. = dieses Monats; v. M. = vorigen Monats; Anm. = Anmerkung; N. S. = Nachschrift; u. a. m. = und andere mehr; i. J. = im Jahre; v. Ch.= vor Christi Geburt.