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Kurzgefaßte Symbolik der Freimaurerei. cover

Kurzgefaßte Symbolik der Freimaurerei.

Chapter 23: a) Der Loge.
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About This Book

Das Werk ordnet und erläutert die bildhaften Sinnbilder der Freimaurerei systematisch: es behandelt Grundlagen wie Loge, Mitglieder, Arbeit, Licht und Grade; Bestandteile wie Erkennungszeichen, Zieraten, Werkzeuge sowie Symbole von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; und höhere Themen wie Meistertitel, Gestirne, Welträtsel sowie verschiedene Lehrarten und Hochgradsysteme. Dabei werden die moralischen Ziele der Symbolik dargestellt — Förderung von Brüderlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Selbstveredelung, Patriotismus und rationalem Idealismus — und vor überspannten, historisch unbegründeten Verknüpfungen mit antiken Mythologien gewarnt.

6. Die Zieraten.

Mit unsern Gunsten, sei’s mit unserm Willen,
der schauen will, was wir verhüllen.
Goethe Faust II.

a) Der Loge.

Unter „Zieraten“ verstehen verschiedene freimaurerische Quellenschriften ziemlich verschiedenes. Im allgemeinen kann angenommen werden, daß unter „Zieraten“ die Ausschmückungsgegenstände der Loge verstanden werden, während man unter „Kleinodien“ die von den einzelnen Brrn. getragenen Verzierungen (Dekorationen, Ornamente) zusammenfaßt. Wir bringen hier beides unter einen Titel, erlauben uns aber, davon dasjenige auszunehmen, was nach unserer Ansicht besser in ein anderes Kapitel fällt, und das um so mehr, als der Name wie gesagt, ohnehin schwankend ist. Meistens ist das, was hier wegfällt, dasjenige, was nach unserer Auffassung eine höhere, ideale und historische Bedeutung hat.

Als Sammelplatz der Logenzieraten, wie auch der nachher zu behandelnden Werkzeuge und Sinnbilder, jedoch in einer nach den Lehrarten verschiedenartigen Anordnung und Zahl, ist der Teppich (Tapis) zu betrachten. In den ersten Zeiten des Bundes wurde in Mitte der Loge, gewissermaßen als ihr verkleinertes Abbild, oder wie man sagte, als solches des Salomonischen Tempels, vor Beginn der Arbeit mit Kohle oder Kreide ein längliches Viereck auf den Boden gezeichnet und nach Beendigung der Arbeit wieder ausgewischt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann man, um diese mühsame Arbeit zu ersparen, an die Stelle des länglichen Vierecks einen ebenso geformten Teppich zu legen, den man nach den Teppichen der mosaischen Stiftshütte (2. Mos. 26) erklärte. Seit 1761 wurden auf den Teppich je nach dem Geschmacke oder der Lehrart Gegenstände der freimaurerischen Symbolik gemalt, an manchen Orten erst später; hier und da begnügte man sich statt des T. gemalter und zusammengefügter Bretter. Der T. wird auch Lehrlingstafel genannt, weil den Lehrlingen die auf ihm angebrachten Zeichnungen als Sinnbilder von Tugenden und religiösen Ideen erklärt werden.

Das verhältnismäßig junge Alter des T. hat gelehrte Brr., trotz der Verschiedenheit seiner Darstellungen, nicht verhindert, aus diesen tiefe Geheimnisse einer alten Religionslehre herauszulesen. Weil es den Gründern des Bundes, welche insgesamt orthodoxe Christen, und zwar nach englischer Art mit besonderer Vorliebe für das Alte Testament waren, gefiel, den Teppich als Bild des Tempels Salomos zu betrachten, sollte er nach früher allgemein herrschender Ansicht auch aus diesem Bauwerke stammen. Damit aber waren die Brr. M. S. Polak in Amsterdam und Dr. Joh. Leutbecher (1801-1878) in Erlangen noch lange nicht zufrieden. Diese Brr. gehen von den Geheimnissen (Mysterien) einer Urreligion aus, die sich in Indien durch in patriarchalischen Anstalten erzogene Führer ausbildete und von dort aus durch Kolonien nach allen Himmelsgegenden verbreitet wurde, wo dann überall solche Anstalten entstanden, die den Logen ähnlich waren. So kamen sie über Persien und Syrien nach Griechenland und Westeuropa, ja sogar nach Amerika vor dessen Entdeckung, wie auch nach Ägypten und Palästina. Die Fabeln, die in den Schriften der ersten Freimaurer figurieren, werden für bare Münze gehalten und kommen den Teppicherklärern wohl zu statten. So pflanzte sich nach dieser Lehre das, was heute Freimaurerei ist, unter verschiedenen Formen von einer geheimen Gesellschaft auf die andere fort und ist in den heutigen Logengebräuchen ungeachtet mancher Änderungen noch vorhanden. So sieht z. B. Polak den Ursprung der 3 freimaurerischen Reisen in den Reisen Abrahams, Jakobs und Josephs nach Ägypten, wo die Hebräer am rohen Steine gearbeitet und nach Begehung der Wasser-, Feuer- und Gewitterprobe durch Moses die Weihe erhalten haben sollen. An dieser Probe von Konfusion möge es genügen.

Am westlichen Rande des T. befindet sich als Zierrat das sog. musivische (d. h. aus Mosaik bestehende, fälschlich mosaische) Pflaster, das den Vorhof im Tempel Salomos (1. Kön. 6,36) vorstellen und an den Reichtum und die Mannigfaltigkeit der göttlichen Gaben, aber auch an die Wandelbarkeit des menschlichen Glücks erinnern und uns mahnen soll, im Glück demütig und im Unglück stark, allzeit aber hilfreich zu sein gegenüber der Not unserer Brüder.

Das den Osten, Norden und Süden des T. umziehende ineinander geschlungene und mit Fransen gezierte Seil (das an die den Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel Salomos dienende Schnur abbilden soll) hat die Bestimmung, alle Brr. zur Ehre Gottes, zur Ausübung der Tugend und zur Wohlfahrt des Menschengeschlechts zu vereinigen und zusammenzuhalten.

Die gezackte Einfassung des T. gilt als Symbol einerseits des die im T. dargestellte Erde umflutenden Weltmeers, anderseits der mannigfaltigen Annehmlichkeiten des Lebens und der im Jenseits zu erhoffenden.

Die Troddeln in den Ecken des T. sollen die vier Haupttugenden der Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Standhaftigkeit und Klugheit bedeuten.

Die nur in England auf dem T. abgebildete Jakobsleiter gilt als Sinnbild des Weges zum Himmel. Sie erscheint dort mit 3 Sprossen, während sie nach der Legende vom Traume des flüchtigen Betrügers Jakob, da auf ihr die Engel auf- und abstiegen, deren unzählige haben müßte. An diesen Traum schließt sich der Vertrag Gottes mit Jakob, dem unverdienterweise die noch heute nicht erlangte Weltherrschaft seines Volkes verheißen worden wäre, sofern er (wenn er sich besserte!) die Gebote Gottes getreu erfüllte. Nach dem englischen Ritual ruht die Leiter auf der Bibel, um den Lehrling zu erinnern, daß er nur mit Hilfe der Bibel den Weg zum Himmel finden werde! Die drei Sprossen sollen Glauben, Liebe, Hoffnung bedeuten. Der geistliche Schriftsteller Honorius (um 1100) nahm zehn Stufen (Städte, wie er sie nannte) auf der Himmelsleiter an, die er nach soviel „freien Künsten“ benannte: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie, Physik, Mechanik und Ökonomik (vergl. oben S. 22 die 7 fr. K. u. S. 8 die Ansicht des Celsus vom Mithrasdienste).

Wie im 1. Gr. die Jakobsleiter, so nimmt das engl. System im 2. Gr. die Wendeltreppe aus dem Tempel Salomos (1. Kön. 6,8) als Weg zu Höherem, hier zur Erforschung der Geheimnisse der Wissenschaft an und gibt ihr 3 Stufen (Geburt, Unwissenheit und Lehre) oder 5 (die Ordnungen der Baukunst) oder 7 (nach den Planeten, den Tagen der Woche, den Jahren des Tempelbaues u. s. w.). Die Gesamtheit dieser Stufenzahlen (15) hat ebenfalls sinnbildliche Bedeutung, indem sie bei den in ein Quadrat gestellten 9 Ziffern in jeder Richtung als Summe herauskommt.

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Zu den Zieraten der Loge zählen wir auch deren Abzeichen. Als Farben der Freimaurerei (in den 3 alten Graden) sind blau (Treue) und weiß (Unschuld) anerkannt. Es kommen auch Farben einzelner Grade und Logen vor, sowie die 4 Farben der Stiftshütte, welche die 4 Elemente bedeuten (weiß die Erde, purpur das Wasser, blau die Luft und scharlach das Feuer). In den Hochgraden spielen noch mehr Farben eine Rolle. Auch freimaurerische Banner oder Fahnen gibt es bei den in Amerika üblichen öffentlichen Aufzügen, in den Hochgraden, in französischen Logen u. s. w., in Deutschland bei Festlichkeiten am Logenhause (blau mit Zirkel und Winkelmaß). Wappen und Siegel haben wohl alle Logen mit einem Sinnbilde oder einer den Namen der Bauhütte ausdrückenden Figur.

b) Der Brüder.

Was die Logenmitglieder außer ihrem gewöhnlichen Anzuge während der Arbeit tragen, wird meist schlechtweg die maurerische Bekleidung genannt. Wenn Schauberg aus diesem Ausdrucke schließt, daß der Schurz, der den wichtigsten und ältesten Teil der maurerischen Bekleidung bildet, ursprünglich die einzige Bekleidung der Menschen gewesen, so ist die Schlußfolgerung überflüssig; man braucht nur die Leute vom Volke auf ägyptischen oder babylonischen Wandbildern (sogar die Könige des Nillandes) und die heutigen Eingeborenen der meisten tropischen Länder anzusehen, um davon überzeugt zu sein. Der Maurerschurz, der seit 1723 bezeugt ist, also wohl schon seit Gründung des Bundes (1717) gebräuchlich war, stammt einfach von den Steinmetzen und ist daher an sich schon ein Nachweis vom wahren Ursprunge der Freimaurerei. Daß er sauberer ist, als jener der Handwerker, hat seinen einfachen Grund im Mangel an rauher Arbeit bei seinem Tragen. Seine weiße Farbe und sein Stoff (Lammfell) bedeuten die Unschuld, mit welcher der Mensch ins Leben tritt (was ja die Aufnahme versinnbildlicht), und die mit den Graden an Umfang zunehmende blaue Verzierung die zunehmende Treue gegen den Bund und seine Grundsätze. Dem pomphaften Wesen der Hochgrade entspricht es, daß diese die Schurze zu einer Art maurerischer Bildergalerie machen.

An manchen Orten gehört auch, oder gehörte früher, aber in den ersten Zeiten des Bundes noch nicht, der aufgesetzte Hut als Zeichen des freien Mannes, wird aber, weil oft lästig, immer mehr weggelassen. Ihn und den Schurz sogar bei der Tafelloge zu tragen, ist eine unnütze, die Heiterkeit störende Quälerei, die, wo sie noch besteht, abgeschafft werden sollte.

Zur maurerischen Bekleidung gehören ferner Bänder, in den alten Graden blaue, an denen die Beamtenabzeichen und die Logenzeichen (diese öfter im Knopfloch) getragen werden; besondere Auszeichnungen fügen Goldstickerei dazu. An Großlogenversammlungen tragen Schurzeinfassungen und Bänder oft die Landesfarbe (in der Schweiz rot und weiß).

Jünger als der Schurz sind die ebenfalls weißen Handschuhe, zum Zeichen, daß die Hände von Schuld rein sein sollen. Außer seinen eigenen erhält der neu Aufgenommene noch ein Paar weiße Frauenhandschuhe, je nach seinem Stande für seine wirkliche oder künftige oder zum Andenken an die hingeschiedene Gattin, womit gezeigt wird, daß die Loge die Ehe hochhält und auch den Schwestern eine gewisse Zugehörigkeit zum Bunde zuerkennt.

Am Sommerjohannisfeste, also in der Zeit der höchsten Blüte des Tageslichtes, einem wahren Lichtfeste, werden den Brüdern frische Rosen ausgeteilt, als Sinnbilder der Jugend, Schönheit, Liebe, Freude und Verschwiegenheit. Diese Bedeutungen hatte die Königin der Blumen schon im Altertum, und schon damals wurde die Zeit des längsten Tages als ein Fest des Sonnengottes gefeiert. Auch der Tag selbst hat seine Bedeutung als derjenige eines Mannes, der einen größeren, den Heiland der Welt, das höchste Licht der Menschheit, verkündet, dessen Geburt, deren Tag unbekannt ist, gerade um ein halbes Jahr früher, an die Stelle derjenigen des Sonnengottes (natales Solis invicti d. h. Geburtstag der unbesiegten Sonne) gesetzt wurde, also in die Zeit, in der die Tage wieder länger werden und eine Zunahme des Lichtes bevorsteht.

Die Rosen waren stets den schönsten Göttinnen geweiht, der ägyptischen Isis, der armenischen Anahita, der griechischen Aphrodite. Diese, den toten Adonis betrauernd, färbt nach der Sage mit ihrem Blute die weiße Rose rot. Adonis selbst, bei den Hebräern Adonai, ist der Herr des Lichtes, den die finstere Zeit tötet und die helle wieder auferweckt. Bei den römischen Festen der Blumengöttin Flora, einer Gestalt der Venus (Aphrodite), trugen die Feiernden Blumen, besonders Rosen. Mit Rosen bekränzte man von der griechischen Zeit bis heute die Gräber, um den Übergang in ein schöneres Leben zu versinnbildlichen und die Friedhöfe (Friedhof ist ein schönes Mißverständnis für Frithof, d. h. eingefriedigter Ort) heißen oft Rosengärten, so auch der Kampfplatz der Nibelungen bei Worms. Maria trat als Rosenbekränzte an die Stelle der abgeschafften Göttinnen.

Als Sinnbild der Verschwiegenheit trugen bei den ägyptischen und griechischen Mysterien (Geheimgötterdiensten) die Neophyten (Neuaufgenommenen) Rosen. Unter einer in einem Kranze aufgehängten Rose (sub rosa) vertrauten sich die Römer und alten Deutschen Geheimnisse an. Das Gebet, das an die Geheimnisse der Religion anknüpft und die dabei dienende Perlenkette wurde „Rosenkranz“ genannt.

Ursprünglich war in den Logen das Tragen eines Degens (oder Schwertes) unbekannt und blieb es auch bis jetzt überall, wo Hochgrade nicht aufkamen und das ältere, das englische System bestehen blieb, so in Deutschland (mit Ausnahme des schwedischen Systems) und in Großbritannien, wohl auch in Nordamerika. In diesen Ländern mußten sogar jene Männer, die nach der Sitte des 18. Jahrhunderts einen Degen trugen, diesen außerhalb der Loge lassen, wie auch heute noch die Offiziere. Schauberg beklagt dies und hält fest, daß die Freimaurer als Kämpfer und Ritter des Lichtes das Schwert tragen sollen. Er begründet dies mit dem Beispiele der alten Götter und Heroen, Könige und Fürsten als Verteidiger ihrer Völker und deren Herden und führt aus, daß das Schwert ein Sinnbild des Lichtes sei.

All dies hat nichts mit dem Tragen einer Waffe in der Loge, die ein friedheiliger Ort ist, zu tun. Angriffe auf die Loge sind ausgeschlossen, und zu einer Verteidigung genügte nicht das Schwert, sondern gehörten auch Übung, Taktik und Schießgewehre. Seitdem und überall wo die Freimaurer nicht mehr Ritter spielen, bedürfen sie des Schwertes nicht. Wir sollen mit dem Geiste kämpfen.