Der letzte und entscheidende Brief Jorindes lautete:
„Mein guter, lieber Mann! Ich teile Dir mit, daß ich ein Zimmer in Bobingen gemietet habe, wo ich nach Schluß der Saison (ganz bald) wohnen und Dich erwarten werde, bis Du mit Deinen Geschäftssachen fertig bist. Dann fahren wir zusammen nach Holland, hurra, wie ich mich freue, gelt? Ich nahm das Zimmer schon jetzt, um in diesen letzten Wochen der Saison gelegentlich einen oder zwei Tage dort verbringen zu können. Meine Nerven sind kaputt. Wenn es nur der Spielplan häufiger erlaubte hinauszufahren! Neulich traf ich den Mechaniker – zufällig, in der Stadt –, er fand, daß ich sehr elend aussähe und hat mir dann dieses Zimmer verschafft, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Das Haus gehört Verwandten von ihm. Ich erhalte da auch sehr billig Milch, fette Sahne, wie man sie in der Stadt nie zu sehen bekommt oder nur für neun bis zehn Mark das Liter, während es hier nur sieben Mark kostet. Du bist mir doch nicht böse, gelt, daß ich das gemacht habe (nämlich die Miete), ohne Dich vorher anzufragen. Es eilte, denn schon machen sich überall Sommergäste unangenehm bemerkbar. – Möchtest Du mich nicht einmal in meinem Sommersitz besuchen? Es ist sehr einfach hier. Auch die Gegend ist nicht berückend. Um so schöner wird dann die Reise nach Holland mit Dir, dann hast Du auch wenigstens eine Frau mit, die nicht ein bloßes Knochengerüst ist. Ich meine infolge dieser Kur, die ich jetzt mache. Also, nicht böse sein! Schreibe bald, viel und lieb. Und schone Dich doch ein wenig, ich bitte Dich darum. Rege Dich nicht auf. Es ist wirklich kein Anlaß vorhanden. Iß brav, sonst mag ich Dich nicht, wenn Du wieder so hohläugig ausschaust wie neulich. Das war doch gänzlich unnütz und überflüssig. Hoffentlich siehst Du das nun ein. – Es küßt Dich
Deine dankbare Jorinde.
PS. Man fährt mit der Eisenbahn nach Bobingen, nicht mit der Elektrischen.“