WeRead Powered by ReaderPub
Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser, eines Dandy und Dilettanten cover

Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser, eines Dandy und Dilettanten

Chapter 11: WAS ANDREAS VON BALTHESSER GELEGENTLICH ÜBER DAS GESPRÄCH ZU BEMERKEN HATTE
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

The work presents a mock‑biographical sequence of sketches voiced by Andreas von Balthesser, a dandy and dilettante, combining a staged lecture, a self-portrait, letters, conversations with fellow literati, and brief aphorisms. Through ironic portraits and salon exchanges it examines art and artists, the aesthetics of dress and the monokle, social manners, snobbery, and the habits of conversation. Interspersed gloses and playful polemics move between painting criticism and social etiquette, concluding with a short account of the narrator’s inglorious end and a mix of satire, aesthetic observation, and stylistic play.

WAS ANDREAS VON BALTHESSER GELEGENTLICH ÜBER DAS GESPRÄCH ZU BEMERKEN HATTE

W

Wenn mich die Leute nur mit ihren „Ansichten“ in Ruhe ließen! Ich bin aus Höflichkeit genötigt, ihnen zu antworten, und, will ich mich nicht überflüssigerweise mit Lügen anstrengen, muß ich ihnen mindestens etwas Ähnliches wie „eigene Ansichten“ sagen, die leider immer anders lauten, als ihre Fragestellung will.

Das Gespräch erzogener Menschen meidet jegliche Auseinandersetzungen. Es bewegt sich leicht, spielend, gewissermaßen mit fröhlicher Ironie, die jedermann zugänglich ist, tändelnd auf Wandelwegen im duftigen Schatten beschnittener Hecken. Es mag manchmal langweilen, aber es will keinen „sachlichen“ Ernst. Es bietet keine groben Handhaben, wie sie die stämmigen Dauerredner überall angebracht sehen wollen, sich mit der Wucht ihrer Überzeugungen dranzuhängen. Es ist nicht ohne das feine Parfüm des Mißtrauens. Es hat vor allem keinerlei jeder Behaglichkeit so gefährliche Individualität.

Wir sind zusammengekommen, uns in leichtsinniger Stimmung mit heitern, an sich völlig belanglosen Worten zu vergnügen. Es steht bei den einzelnen, sich zu beteiligen oder mit verbindlichem Lächeln zeitweilig außer den Kreis der „Aktiven“ zu treten.

Gute Gesellschaft ist ohne Meinung. Der Causeur referiert nicht — ein Referat ist der plumpe Grabstein der Konversation —, noch weniger urteilt er. Urteile in der Causerie sind ein Zeichen schlechter Erziehung.