Fünftes Kapitel
Weises Gespräch, welches Sancho mit seinem Herrn
führte; Abenteuer, welches diesem mit einem Leichnam
begegnete und andere preiswürdige Begebenheiten
«Ich glaube, gnädiger Herr, daß alle die Unglücksfälle, die uns in diesen Tagen begegnet sind, gewiß eine Strafe vorstellen, weil Ihr Euch gegen den Orden Eurer Ritterschaft versündigt habt, denn Ihr habt Euren Schwur nicht in Erfüllung gesetzt, auf keinem Tischtuch zu essen und nicht mit der Königin Euch zu ergötzen nebst allen übrigen Zubehör, was Ihr, gnädiger Herr, alles zu tun geschworen habt, bis Ihr die Blechhaube von dem Schandriem oder wie der Mohr sonst heißen mag, denn das weiß ich jetzt nicht, erobert habt.«
»Sehr hast du recht, Sancho,« antwortete Don Quijote, »aber die Wahrheit zu sagen, es war meinem Gedächtnisse entfallen und du kannst ebenfalls vergewissert sein, daß zur Strafe, weil du mich nicht zeitig genug erinnert, dich die Prelle betroffen hat. Aber ich will es wieder gut machen, denn im Orden der Ritterschaft gibt es für alle Dinge Mittel.«
»Aber hab' ich denn, um Gotteswillen, geschworen?« fragte Sancho.
»Es kommt nicht in Betracht, ob du geschworen hast,« antwortete Don Quijote, »denn soviel ich einsehen kann, bist du nicht völlig vor aller Teilnehmung gesichert, es mag nun aber sein oder nicht, so ist es nicht undienlich, auf ein Mittel zu denken.«
»Wenn die Sachen so stehen,« sagte Sancho, »so trachtet ja, gnädiger Herr, daß Ihr es nicht ebenso wie den Schwur vergeßt, sonst kriegen die Gespenster wohl von neuem Lust, sich mit mir Spaß zu machen und vielleicht verfallen sie auch auf Euch, wenn sie Eure Hartnäckigkeit gewahr werden.«
Unter diesen und anderen Gesprächen überfiel sie auf dem Wege die Nacht, ohne daß sie einen Ort entdecken konnten, wo sie die Nacht zubringen möchten; das Schlimmste aber war, daß sie fast vor Hunger starben, denn mit ihrem Schnappsacke war ihnen auch aller Vorrat an Lebensmitteln verschwunden und um ihr Unglück vollständig zu machen, ereignete sich ein Abenteuer, das in der Tat und ohne künstliche Nachhilfe eins war, die Nacht brach nämlich mehr mit zunehmender Finsternis herein. Sie setzten aber dennoch ihren Weg fort, denn Sancho glaubte in zwei oder drei Stunden gewiß auf eine Schenke zu treffen, da sie sich auf dem großen Wege befanden.
Indem sie so fortzogen, die Nacht finster, der Stallmeister hungrig und der Herr nach Speise lüstern war, sahen sie, daß ihnen auf ihrer Straße eine Menge von Lichtern entgegen kamen, die Sterne schienen, die sich bewegten. Sancho erschrak, indem er es bemerkte und dem Don Quijote war es nicht ganz unheimlich; jener zog den Strick seines Esels, dieser den Zaum seines Pferdes an und so standen sie beide und schauten aufmerksam hin, was sich daraus ergeben würde; sie sahen, wie ihnen die Lichter entgegenzogen und wie sie immer größer wurden, je näher sie ihnen kamen. Bei dieser Wahrnehmung fing Sancho an wie Espenlaub zu zittern und dem Don Quijote richteten sich auf dem Haupte die Haare in die Höhe; er ermannte sich aber ein wenig und sagte: »Ohne Zweifel, Sancho, ist dieses das allergrößte und furchtbarste Abenteuer, in welchem es vonnöten sein wird, alle meine Gewalt und Kraft aufzubieten.«
»Ach ich Unglückskind!« antwortete Sancho, »wenn das Abenteuer aus Gespenstern besteht, wie es sich fast dazu anläßt, wo einen Buckel hernehmen, um alles auszuhalten?«
»Seien es immerhin Gespenster,« sagte Don Quijote, »so werde ich dennoch nicht zugeben, daß sie dir nur ein einziges Haar krümmen, trieben sie jüngst ihren Scherz mit dir, so durften sie's, weil ich nicht auf die Mauer des Hofes konnte, aber jetzt befinden wir uns in offenem Felde, wo ich, soviel ich nur mag, Hiebe mit meinem Schwerte ausholen kann.«
»Wenn sie nun das Schwert bezaubern und kraftlos machen, wie sie schon so oft getan haben,« sagte Sancho, »was hilft's da, das Feld mag frei sein oder nicht?«
»Sei es wie es will,« versetzte Don Quijote, »so bitte ich dich, Sancho, einen guten Mut zu fassen, denn die Erfahrung wird dir zeigen, wie ich dieses Unternehmen anfassen will.«
»Gott gebe, daß es so verfaßt werde,« sagte Sancho und zugleich stellten sie sich auf die Seite des Weges, um von neuem aufmerksam hinzusehen, was das doch mit den wandernden Lichtern sein möchte und so entdeckten sie nach und nach viele Gestalten in weißen Gewändern, bei deren fürchterlichem Anblicke Sancho Pansa vollends den letzten Mut verlor und so mit den Zähnen klapperte, als wenn ihn ein Fieber ergriffe, wobei sein Zittern und Zähneklappen sich in dem Maße vermehrte, in welchem sie die Gegenstände genauer erkennen konnten. Denn sie sahen nun wohl zwanzig in weißen Hemden, alle beritten, mit brennenden Fackeln in den Händen, hinter denen eine Bahre folgte, mit Schwarz behängt, der sechs andere Gestalten beritten nachzogen, in schwarzen Flören bis auf die Füße ihrer Maultiere hinunter verhüllt, denn daß es keine Pferde waren, sah man an dem langsamen Gange; die in den weißen Hemden murmelten etwas mit dumpfer und kläglicher Stimme.
Diese wunderbare Erscheinung in der Stunde und an diesem einsamen Orte war gewiß vermögend, das Herz Sanchos mit Furcht zu erfüllen, auch selbst das seines Gebieters und Don Quijote gab auch der Furcht ein wenig Raum als Sancho schon von den letzten Funken seines Mutes verlassen war: der Gebieter aber ermunterte sich bald, der sich stracks lebhaft in seiner Phantasie vorbildete, wie dieses eines von den Abenteuern aus seinen Büchern sei. Er machte nämlich in seinen Gedanken die Trage zu einer Totenbahre, auf welcher sich ein schwer verwundeter oder toter Ritter befände, den zu rächen ihm allein vorbehalten sei: er legte also ohne weiteres Bedenken die Lanze ein, setzte sich dann im Sattel fest und lagerte sich dann mit edlem Anstande und Bezeigen in der Mitte des Weges, wo die weißen Gestalten durchaus vorbei mußten, die er mit lauter Stimme, als er sie nahe genug befand, also anredete: »Haltet an, Ritter, wer ihr auch sein mögt, Rechenschaft zu geben, wer ihr seid, woher ihr kommt, wohin ihr geht, wer derjenige ist, den ihr auf der Bahre mit euch führt, denn nach dem äußeren Anscheine habt ihr Unrecht entweder verübt oder erlitten und es geziemt sich und ist vonnöten, daß ich solches wisse, um euch für das Unheil, welches ihr gestiftet, zu züchtigen oder euch für die Ungebühr zu rächen, die man an euch verübt.«
»Wir haben Eile«, antwortete einer von den Weißen, »und die Schenke ist noch weit, so daß wir uns nicht aufhalten können, die Rechenschaft zu geben, die Ihr verlangt.« Hiermit trieb er sein Maultier an und wollte weiter. Diese Antwort wurde von Don Quijote höchlich übel empfunden, er faßte also den Zügel und sagte: »Haltet an und seid höflicher, gebt mir die Rechenschaft, die ich verlange, oder ich muß euch insgesamt bekämpfen.« Das Maultier war scheu und erschrak so sehr als es den Zügel gehalten fühlte, daß es sich bäumte und rücklings seinen Reiter auf den Boden warf. Ein Bursche zu Fuß, der den im Hemde niederstürzen sah, schimpfte hierauf auf Don Quijote, der, schon im Zorn entbrannt, nichts Besseres wünschte, die Lanze faßte, einen von den Schwarzbeflorten angriff und ihn verwundet zu Boden legte; nun machte er sich an die übrigen, und es war eine Freude, zu sehen, wie gewandt und schnell er angriff und auf sie einhieb, so daß es schien, als wenn in diesem Augenblicke an Rosinante Flügel gewachsen wären, von solcher Flüchtigkeit und Majestät war sein Betragen. Die in den Hemden waren furchtsame und unbewaffnete Leute, sie verließen also sogleich ohne Widerstand den Kampf und flüchteten mit den brennenden Fackeln über das Feld weg, so daß es nicht anders aussah, als wenn sie eine Maskerade in einer lustigen, schwärmerischen Nacht aufführen wollten. So konnten sich auch die Leidtragenden, von ihren Schleppen und Unterkleidern zurückgehalten und festgehalten, nicht zur Wehr setzen, so daß auch auf alle diese Don Quijote nach Herzenslust einprügelte und sie ihm erschreckt gern das Feld überließen, denn sie alle hielten ihn nicht für einen Menschen, sondern für den Teufel aus der Hölle, der gekommen sei, um den Leichnam abzuholen, den sie auf der Bahre mit sich führten. Sancho schaute mit Verwunderung der großen Keckheit seines Gebieters zu und sagte bei sich selber: gewiß ist doch mein Herr so tapfer und gewaltig wie er immer sagt. Eine brennende Fackel lag auf der Erde neben dem, den Don Quijote zuerst vom Maultiere geworfen; bei ihrem Scheine sah ihn dieser, ging zu ihm, setzte ihm die Spitze der Lanze ins Gesicht und verlangte, daß er sich unterwerfen möge, falls er ihn nicht umbringen solle; worauf der Liegende antwortete: »Ich bin nur zu sehr unterworfen, denn ich kann mich nicht rühren und habe ein Bein gebrochen; ich bitte Euch, gnädiger Herr, wofern Ihr ein christlicher Ritter seid, mich nicht umzubringen. Ihr würdet damit eine Sünde gegen die Kirche begehen, denn ich bin ein Lizentiat und habe die ersten Orden.«
»Welcher Teufel führt Euch denn hierher,« sagte Don Quijote, »da Ihr ein Mann der Kirche seid?«
»Kein Teufel, gnädiger Herr,« versetzte der Gefallene, »sondern mein Unstern.«
»Noch ein größerer ist über Euch verhängt,« sagte Don Quijote, »wenn Ihr mir nicht gleich auf meine anfängliche Frage genug tut.«
»Ich will Euer Gnaden mit wenigen Worten genugtun,« antwortete der Lizentiat, »und also müßt Ihr wissen, daß, obgleich ich sagte, ich sei Lizentiat, ich doch nur Bakkalaureus bin und Alonzo Lopez heiße; ich bin aus Alcoverdas und komme jetzt mit elf anderen Priestern, die mit ihren Fackeln entflohen sind, von Baeza; wir wollen nach der Stadt Segovia und führen einen Leichnam, der auf jener Bahre liegt, einen Ritter, der in Baeza starb, wo er beigesetzt ward und dessen Gebeine wir jetzt, wie gesagt, in sein Familienbegräbnis nach Segovia führen, in welcher Stadt er geboren ist.«
»Und wer hat ihn umgebracht?« fragte Don Quijote.
»Gott, vermittels eines tödlichen Fiebers, welches er ihm schickte,« antwortete der Bakkalaureus.
»So hat mich also«, sagte Don Quijote, »der Herr des Himmels der Mühe überhoben, seinen Tod zu rächen, wenn ihn ein anderer verursacht hätte; da es aber der getan hat, der ihn erschlagen hat, so kann ich weiter nichts tun, als schweigen und die Achseln zucken, wie ich auch tun müßte, wenn er mich selber schlüge. Ihr, ehrwürdiger Herr, müßt also nur noch erfahren, daß ich ein Ritter aus la Mancha bin, Don Quijote genannt, dessen Amt und Beruf es ist, durch die Welt ziehen, um Ungeradheiten gerade zu machen und allen Beschwerden abzuhelfen.«
»Ich sehe nicht ein, wie das Ungeradheiten gerademachen heißt,« sagte der Bakkalaureus, »denn was mir gerade war, habt Ihr krumm gemacht, weil ich ein Bein gebrochen habe, welches vielleicht Zeit meines Lebens nicht wieder gerade wird, und die Beschwerde, der Ihr bei mir abgeholfen habt, besteht darin, daß Ihr mir eine Beschwerde zugezogen habt, die mir wohl auf immer beschwerlich fallen wird, und daß Ihr auf Abenteuer zieht, hat mir ein Unglück zugezogen, das mir teuer genug wird zu stehen kommen.«
»Nicht alle Dinge«, antwortete Don Quijote, »geschehen auf gleiche Weise; das Unglück, Herr Bakkalaureus Alonzo Lopez war, daß, wie Ihr so durch die Nacht zogt, mit Euren Umhängseln und den brennenden Fackeln, brummelnd, Trauergewänder schleppend, Ihr mir ganz eigentlich als böse Geister aus der Unterwelt vorkamt, deshalben konnte ich nicht meine Pflicht vernachlässigen Euch anzugreifen und ich hätte Euch angegriffen, wenn ich auch unumstößlich überzeugt gewesen wäre, daß Ihr leibhaftige Teufel aus der Hölle seiet, als wofür ich Euch ansah und hielt.«
»Da mir also dies mein schlimmes Glück zugezogen hat,« sagte der Bakkalaureus, »so bitte ich nur Euer Gnaden, den Herrn irrenden Ritter, der mich in so großes Irrsal versetzt hat, mir doch unter dem Maultiere hervorzuhelfen, denn das eine Bein steckt mir zwischen Steigbügel und Sattel.«
»Wir reden schon seit einer Stunde miteinander,« antwortete Don Quijote, »warum wartet Ihr so lange, mir Euer Bedrängnis zu sagen?« Zugleich rief er Sancho Pansa zu, daß er herbeikommen möchte; dieser aber war mit dem Herbeikommen nicht eilig, denn er war in Arbeit, einen Küchenesel abzupacken, den die wackeren Herrn trefflich mit Eßwaren versorgt mit sich führten. Sancho machte einen Sack aus seinem Mantel und stopfte so viel er nur mochte und konnte in den Beutel hinein, lud ihn auf sein Tier, worauf er sich zu seinem Herrn begab und dem Herrn Bakkalaureus unter dem Maultiere hervorhalf, ihn hinaufsetzte und ihm seine Fackel reichte. Don Quijote sagte ihm hierauf, daß er sich wieder zu seinen Gefährten begeben möchte, die er seinerseits der Beschwer halber um Verzeihung bäte, da es nicht in seiner Gewalt gestanden, sie zu unterlassen. Sancho sagte hierauf: »Wenn diese Herren vielleicht wissen wollen, wer der tapfere Mann gewesen, der ihnen so zugesetzt, so sagen Euer Ehrwürden dreist, er sei der berühmte Don Quijote von la Mancha, der sich mit einem anderen Namen nennt der Ritter von der traurigen Gestalt.«
Hiermit entfernte sich der Bakkalaureus und Don Quijote fragte Sancho, was ihn bewogen, ihn noch nie als jetzt erst den Ritter von der traurigen Gestalt zu nennen. »Ich will es Euch sagen,« antwortete Sancho; »ich habe Euch eine Weile bei dem Scheine der Fackel betrachtet, die dem armen Manne gehörte und da spielte Euer Gnaden wahrhaftig die jämmerlichste Gestalt, die ich noch in meinem Leben gesehen habe, ob es nun davon kam, daß Ihr Euch im Streit so angriffet oder weil Euch die Vorder- und Backenzähne fehlen, weiß ich nicht zu sagen.«
»Es ist nicht dieses,« antwortete Don Quijote, »sondern dem Weisen, dem es vorbehalten ist, die Geschichte meiner Taten zu schreiben, hat es geschienen, daß es gut sei, wenn ich mir noch einen anderen Beinamen erwählte, wie es alle Ritter der Vorzeit getan haben; denn so hieß einer der Ritter vom brennenden Schwerte, ein anderer der vom Einhorn, jener von den Jungfrauen, dieser der vom Vogel Phönix, ein anderer der Ritter vom Greifen, noch ein anderer der des Todes, und bei diesen Namen und Wahrzeichen waren sie auf der Fläche der ganzen Erde bekannt: also, sage ich dir, hat der schon genannte Weise es deiner Zunge und deinen Gedanken eingegeben, mich den Ritter von der traurigen Gestalt zu nennen, wie ich mich auch von jetzt in Zukunft zu nennen gedenke, und damit sich ein solcher Namen noch besser für mich schickt, bin ich willens, wenn es die Gelegenheit fügt, auf meinem Schilde eine überaus klägliche Gestalt abmalen zu lassen.«
»Wir brauchen mit dieser Gestalt nicht Zeit und Geld wegzuwerfen,« sagte Sancho, »sondern was Ihr tun könnt, ist, Eure eigene Gestalt sehen zu lassen und denen, die Euch betrachten, Euer Antlitz zu zeigen, weiter braucht's dann nichts, denn ohne ein anderes Bild oder Inschrift werden sie Euch gewiß den von der traurigen Gestalt nennen. Das ist gewißlich wahr, denn ich versichere Euer Gnaden (das sage ich aber um zu spaßen), daß der Hunger und die ausgeschlagenen Backzähne Euer Gesicht so übel zugerichtet haben, daß Ihr, wie schon gesagt, die traurige Malerei gar wohl entbehren könnt.«
Don Quijote lachte über Sanchos Scherzhaftigkeit, nahm sich aber doch vor, sich bei diesem Namen zu nennen, sowie er sich auch nach seinem Vorsatze seinen Schild wolle bemalen lassen; er sagte: »Ich weiß, Sancho, daß ich in die Strafe der Exkommunikation verfallen bin, indem ich die Hände gewaltsamerweise an ein Mitglied der Kirche gelegt, juxta illud: si quis suadente diabolo etc., aber ich weiß auch, daß ich nicht die Hände, sondern nur die Lanze angelegt, wobei ich überdies glaubte, keinen Priester oder heiligen Mann zu verletzen, die ich alle achte und verehre, wie es einem katholischen rechtgläubigen Christen geziemt, sondern ich hielt sie für Gespenster und Scheusale aus der Unterwelt; wäre aber auch dieses nicht, so gedenke ich daran, was sich mit dem Cid Rai Diaz zutrug, als er den Stuhl eines königlichen Gesandten in Gegenwart des heiligen Vaters, des Papstes, zertrümmerte, worauf ihn dieser exkommunizierte, der wackere Rodrigo de Vivar aber darum immer ein geehrter und tapferer Ritter blieb.«
Der Bakkalaureus hörte dieses mit an und zog hierauf, wie schon gesagt, fort, ohne irgend etwas zu antworten. Don Quijote wollte nun nachsehen, ob der Leichnam auf der Bahre nur aus Gebeinen bestände oder nicht, aber Sancho gab es nicht zu, sondern sagte: »Gnädiger Herr, Ihr habt dieses gefährliche Abenteuer von allen, die ich mit angesehen habe, am allerschönsten beendigt. Diese Leute, wenn sie auch jetzt überwunden und geschlagen sind, könnten darauf kommen, daß sie doch nur von einem einzigen Manne überwunden wären, deshalb aufgebracht und beschämt möchten sie umkehren und uns suchen, um uns noch das Nötige beizubringen. Der Esel ist wie er nur sein muß, das Gebirge nahe, der Hunger groß; das beste wäre also, wir zögen uns nun ganz sanft und leutselig zurück und so gehe denn, wie man sagt, der Tote nach dem Grabmahle, der Lebendige nach dem Brotschranke.« Mit diesen Worten trieb er seinen Esel voran und bat seinen Herrn, ihm zu folgen, dem es auch schien, daß Sancho nicht unrecht habe, und ihm also ohne Widerspruch nachritt. Sie waren nicht lange zwischen zwei Bergen fortgezogen, als sie sich in einem geräumigen und abgelegenen Tale befanden, wo sie stillehielten und Sancho seinen Esel ablud. Auf dem grünen Boden gelagert, vollbrachten sie nun mit der Würze des Hungers zugleich ihr Frühstück, Mittagsmahl, Vesperbrot und Abendessen, indem sie ihren Magen mit den mancherlei Gerichten sättigten, die die Herren Geistlichen des Verstorbenen, die selten ohne Versorgung sind, auf ihrem Küchenesel bei sich gehabt hatten. Es erfolgte aber eine neue Widerwärtigkeit, die Sancho für die schlimmste von allen hielt, daß sie nämlich keinen Wein zu trinken hatten, ja nicht einmal Wasser, um den Mund naß zu machen; so vom Durst gepeinigt sagte Sancho, da er die Wiese, auf welcher sie waren, mit kurzem frischem Grase bedeckt sah, was man im folgenden Kapitel erfahren wird.