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Lehrbuch der Perspective

Chapter 2: Vorwort.
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About This Book

A practical manual teaches the geometric foundations and visual principles needed for drawing accurate perspective, beginning with basic definitions and measurement tools and then explaining viewpoint, horizon, distance, and the rules that govern perspectival appearance. It gives methods to locate directions and foreshortening of horizontal and inclined lines, construct vanishing points when inaccessible, and compute relative sizes at depth. Later sections apply these methods to compressed circles, regular polygons, wheels, cylinders, and various vault and dome forms, offering worked examples and numerous in-text drawings that emphasize constructions and simpler techniques usable for freehand work.

Vorwort.

Wer das Schaffen unserer Künstler kennt, der weiss, dass auch der Talentvollste nicht ohne gewissenhaftes und gründliches Studium zum Ziele gelangt, und dass sie Mühe und Arbeit nicht zu scheuen pflegen. Woher kommt es nun, dass die Mehrzahl der Maler so wenig von der Perspective versteht, welche doch zweifellos eine so wichtige Grundlage ihrer Studien bildet? Die Meisten unterschäzen den Wert derselben nicht, nehmen auch wohl dieses oder jenes Lehrbuch zur Hand, aber gewöhnlich nur, um es bald wieder zur Seite zu legen, ohne ihren Zweck erreicht zu haben, und wenn man nach dem Grunde fragt, so heisst es, das möge alles ganz gut für Architekten sein, eigne sich aber nicht für Maler.

Allerdings ist die Art und Weise, in welcher der Architekt die perspectivischen Geseze anwendet, wesentlich verschieden von der des Malers und es mag wohl sein, dass die meisten perspectivischen Lehrbücher dem Standpunkt des Lezteren weniger als dem des Ersteren Rechnung tragen.

Der Architekt stellt sich die Aufgabe, das perspectivische Bild eines Gegenstands mathematisch genau zu berechnen auf Grund bestimmter Angaben über die wirkliche (geometrische) Richtung, Grösse und Winkelstellung sämtlicher Linien, wie sie ihm in seinem Grundriss und Aufriss vorliegen. Für den Maler dagegen ist das perspectivische Bild, welches in der Natur oder in seiner Fantasie vor ihm steht, das zuerst Gegebene. In den meisten Fällen ist er darauf angewiesen, zunächst die perspectivische Richtung und Grösse einzelner für die beabsichtigte Wirkung seines Bildes wesentlicher Linien, so gut die Übung seines Auges gestattet, festzustellen und dann erst die perspectivische Berechnung anzuwenden, um das Übrige mit jenen in richtige Übereinstimmung zu bringen. Für diese Berechnung fehlen ihm aber, da er selten in der Lage ist, Messungen an seinem Gegenstand vorzunehmen, die genauen und bestimmten Angaben, welche dem Architekten zu Gebote stehen, und welche die Auffassung auch eines geübten Auges nicht vollständig ersezen kann. Er muss daher in der Regel auf eine vollständige perspectivische Genauigkeit aller Teile seines Bildes verzichten und er bezweckt eine solche auch nicht. Man kann sagen, dass er in dieser Beziehung seiner Aufgabe genügt, wenn er perspectivische Fehler vermeidet, welche für das Auge eines kundigen Beschauers ohne Anwendung einer Berechnung wahrnehmbar und deshalb für die Wirkung des Ganzen störend wären.

Hieraus ergeben sich einerseits gewisse Schwierigkeiten, welche ein für die Zwecke des Malers geeignetes Lehrbuch der Perspective zu berücksichtigen hat, anderseits bietet sich die Möglichkeit, in mancher Beziehung den Stoff zu vereinfachen und leichter verständlich zu machen.

Der Umgang mit Kunstgenossen, sowie eine langjährige Lehrthätigkeit haben dem Verfasser das Bedürfnis eines in dem erwähnten Sinne geschriebenen Lehrbuchs so oft nahe gelegt und ihm zugleich so vielfache Gelegenheit gegeben, die Mittel und Wege, welche sich hiebei darbieten, zu erproben, dass er vielleicht hoffen darf, mit dieser Schrift Vielen einen Dienst zu erweisen. Neben den Bedürfnissen des Malers sind zugleich diejenigen des Schulunterrichts ins Auge gefasst. Mit Rücksicht auf diesen sind auch die einfachen geometrischen Begriffe, welche in Betracht kommen, besprochen und ist die Anordnung des Stoffes eine solche, dass die für das Freihandzeichnen wichtigsten und unentbehrlichsten Lehrsäze, welche zugleich die verständlichsten sind, leicht von den schwierigeren Teilen getrennt vorgenommen werden können.1

Auch für den Künstler haben ohne Zweifel die weniger schwierigen Berechnungen, welche sich im Notfall mittels einiger aus freier Hand gezeichneter Hilfslinien ausführen lassen, den meisten Wert und Manchen wäre vielleicht eine noch kürzere und einfachere Fassung des Ganzen erwünscht und genügend gewesen. Aber abgesehen davon, dass ein grösserer Massstab des Bildes zuweilen genauere und ausführlichere Constructionen erfordert, haben dieselben auch den Wert, das Verständnis zu üben und zu schärfen, wie überhaupt der wichtigste Nuzen solcher Studien darin besteht, dass das Auge richtiger sehen und auch ohne Anwendung einer Berechnung die Formen der Natur rascher und sicherer auffassen lernt.

Stuttgart, im März 1888.

Der Verfasser.


Inhalt.

Seite
VorwortIII–VI
I. Geometrische Begriffe.
§ 1.Senkrechte, wagrechte, schräge und parallele Linien 1
§ 2.Winkel; rechte, stumpfe und spize 1–3
§ 3.Dreiecke; gleichseitige, gleichschenklige, rechtwinklige 3–4
§ 4.Vierecke; Quadrat, Rechteck, Raute, Trapez 4–5
§ 5.Der Kreis. Hilfsmittel zum perspectivischen Zeichnen 5–6
II. Grundbegriffe der Perspective.
§ 6–11.Unterschied der geometrischen und perspectivischen Form 7–14
§ 12–13.Der Standpunkt; Sehkreis, Augpunkt, Horizont 15–19
§ 14–20.Die Distanz 19–23
§ 21–24.Das Grundgesez der perspectivischen Formerscheinung.
Verkürzte und unverkürzte Stellung der Flächen und Linien
24–27
III. Perspectivische Richtung verkürzter Linien.
§ 25–27.Verkürzte Parallellinien 28–31
§ 28–31.Verkürzte wagrechte Linien 31–37
§ 32–36.Rechtwinklige wagrechte Linien 37–45
§ 37.Verkürzte wagrechte Linien, deren Richtung nicht genau zu berechnen ist 45
§ 38–40.Wagrechte Parallellinien, deren Fluchtpunkt unzugänglich ist 46–51
§ 41–44.Verkürzte schräge Linien 51–57
§ 45–48.Berechnung der Richtung schräger Linien ohne Hilfe ihrer Fluchtpunkte 57–62
§ 49–61.Verschiedene Beispiele: Treppen, Dächer, Dachfenster, Turmhelme 62–80
IV. Die perspectivischen Grössenverhältnisse.
§ 62.Unterscheidung der verschiedenen Aufgaben 81
§ 63–70.Parallellinien von gleicher Länge in verschiedener Tiefe 82–90
§ 71–73.Teilung einer verkürzten Linie nach bestimmten Verhältnissen 90–94
§ 74–79.Perspectivisches Grössenverhältnis nicht paralleler Linien 95–105
§ 80.Das Quadrat in gerader Stellung 105–106
§ 81–85.Das Quadrat in schräger Stellung 106–111
§ 86–87.Vergrösserung oder Verkleinerung eines Quadrats oder Rechtecks 111–115
V. Verkürzte Kreise, Achtecke und Sechsecke; Gewölbeformen.
§ 88–90.Der Kreis in verkürzter Stellung 116–119
§ 91.Parallele und concentrische Kreise 119–120
§ 92.Teilung eines verkürzten Kreises 120–121
§ 93–95.Verkürzte Achtecke 122–127
§ 96–98.Verkürzte Sechsecke 127–130
§ 99–100.Weitere Beispiele: Rad, Wasserrad, Walze, Cylinder 130–133
§ 101–108.Tonnengewölbe, Kreuzgewölbe, Spizbogen, Kuppel 133–144

Druckfehler.

S. 17 Zeile 13 und 14 von oben ist zu lesen: je tiefer wir stehen, desto schmaler, je höher wir stehen, desto breiter erscheint uns dieselbe.

S. 26 Z. 14 v. o. ist zu lesen: b c ferner als a d.

S. 50 Z. 16 v. o. ist zu lesen: B statt g.

S. 57 Z. 1 v. u. ist zu lesen: F statt E.

S. 62 Z. 3 v. o. ist zu lesen: n a statt m d.