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Lustreise ins Morgenland, Erster Theil (von 2) cover

Lustreise ins Morgenland, Erster Theil (von 2)

Chapter 12: Die Pompejussäule und die Schandsäule.
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About This Book

A travelogue tracing a route through Italian ports to the eastern Mediterranean, recounting island stays, a sea voyage to Alexandria, a Nilfahrt to Cairo, and excursions to the surrounding desert and pyramids. It mixes practical guidance for travelers with close observational notes on city layouts, monuments, hospitals, catacombs, markets, public baths, schools, religious sites, and daily trades. The narrative records social customs, festivals, funerary practices, and street life, and includes reflective prefaces and hygienic and ethnographic remarks drawn from on-site experience.

Die Pompejussäule und die Schandsäule.

Man hat mir so viel von der Pompejussäule vorgeschwatzt, daß ich sie zuerst nicht sehen wollte. Ich stand lieber still bei den Kameelen, in dem Bassar und zu aufmerksam bei den elenden, beinah mehr mit Ketten, als mit Kleidern bedeckten Sträflingen.

Die Säule wurde zu Ehren des Kaisers Diokletian errichtet. Die Statue steht nicht mehr. Die Engländer, welche 1776 den Schaft bestiegen, und auf dem Fußgestelle eine Schale Punsch tranken, entdeckten noch einen Fuß. Die Säule ruht auf einer vortheilhaft erhobenen Stelle im Süden der Stadt. Gleich an ihrem Fuße breitet sich ein Leichenacker aus, auf welchem ich die Turbane durchmusterte. So eben lag eine, in ein blaues Tuch gewickelte Leiche auf einer Bahre, neben Weibern ohne Klage, während gegraben wurde. An manchen Orten Europens hat man das Grab im Vorrathe, und hier muß die Leiche darauf warten. Um keine Verletzung der Sitten und Gebräuche mir zu Schulden kommen zu lassen, stieg ich vom Esel und ging zu Fuß querein durch den Leichenacker. Der Treiber wollte den Esel mir nachführen; allein er wurde angewiesen, mit dem Thiere den Weg um das Leichenfeld einzuschlagen. Man mußte dießmal von der Ansicht geleitet worden sein, daß der Esel nicht würdig wäre, auf den Gräbern der Menschen zu wandeln. Mit dem Purismus ist es aber eine kitzliche Sache; immer und immer wirft er den Fallstrick des Widerspruchs vor. Läßt man jetzt den Esel nicht über die Gräber traben, so versenkt man vielleicht später Ungeziefer in die Gräber. Ich muß es ganz herausbrocken; sonst haben die Worte keine Kraft.

Vom Leichenacker aus gesehen, prangt die Säule des Pompejus als ein großartiges Denkmal, auf welchem das Auge mit Lust weilt. Die ganze Höhe der Säule, nämlich des Schaftes mit Knauf und Piedestal, mißt 98 Pariserfuß. Der Schaft besteht aus einem einzigen Stücke rothen Granits. Billig staunt man darüber, wie ein 68 Pariserfuß langer und 7 bis 8 Fuß im Durchmesser haltender Stein (der Schaft) gebrochen, fortgeschafft, ausgearbeitet und aufgestellt werden konnte.

Das Verdienst, daß die Säule noch aufrecht steht, verdankt sie dem Umstande, daß sie von stummem Stein und schwer ist. Wäre sie mit D. O. M. überschrieben gewesen, so würde sie wahrscheinlich zerstört worden sein, wie die Alexandriner-Bibliothek, deren Verlust einer der unersetzlichsten für die Menschheit genannt werden darf. Es erregt Abscheu im höchsten Grade, daß die Leidenschaften der Menschen schadenfroh zerstören, was Andere Schönes und Erhabenes mühsam zu Stande brachten, und nichts vermag mehr, den Hochmuth unseres Zeitalters zu beugen, als die Betrachtung, daß die gleichen Leidenschaften den Krieger ohne Aufhören in den barbarischen Kampf rufen, in welchem so manches unschuldige Leben verblutet.

Reisende, welche die Säule bestiegen, bezeichneten diese mit ihren Namen. So viel Namen; so viel Entweihungen, so viel Beschuldigungen der Eitelkeit, so viel Stoff zum Aergernisse. Man würde sich scheuen, einen altrömischen Kriegsmann in eine Pariser-Jacke zu zwingen, aber die gleiche Thorheit an der alten, ehrwürdigen Säule zu begehen, trägt man kein Bedenken.

Bei der Pompejussäule genießt man eine schöne Aussicht auf Stadt und Land, Gärten und Wüsten, Hafen und Meer.