Das Militärkrankenhaus.
In der Esbekieh nimmt ein Krankenhaus den Kriegsmann auf. Für das Zivil würde man eines nach europäischer Einrichtung vergebens suchen, — doch mit Ausschluß der Franken, welche in ihren kranken Tagen allerdings öffentliche Pflege erhalten, indem sie in dem Militärkrankenhause untergebracht werden. Ausnahmsweise hat das arabische Zivil ins Spital ein junges Mädchen geliefert, bei welchem die Steinoperation vorgenommen werden mußte.
Das Gebäude ist massiv von Stein erbaut, und begreift zwei Höfe in sich. Es enthält große Säle; so einen mit 24, einen andern mit 60 Kranken. Die Krankenzimmer sind auch licht; aber in einigen kam dem Eintretenden ein unangenehmer Geruch entgegen, das zuverlässigste Zeichen, daß sie nicht reinlich genug gehalten werden.
Man traut den eigenen Augen kaum, wenn man zu einem Araber geführt wird, welcher mit Arsenik das Gesicht sich raubte, um des Militärdienstes unfähig zu werden. Fälle, daß die Araber in dieser Absicht sich mit Blindheit schlagen, ereignen sich nicht selten. Aus dem gleichen Grunde werden auch Finger verstümmelt, Zähne ausgebrochen u. s. f. Eine Mutter stach ihrem Sohne ein Auge heraus, um ihn nicht verlieren zu müssen.
Die Apotheke des Spitals sieht sehr unscheinbar aus. Es ist merkwürdig, wie hier Leute zu Apothekern geschnellbleicht werden. Ein polnischer Offizier berechnete, daß er als Apotheker besser stehen würde. Er meldete sich an, ist gegenwärtig als Apotheker angestellt, und bildet sich auf seine Kunst sehr viel ein. Unwissenheit und Eigendünkel gehen Hand in Hand. Ein weiland österreichischer Aide-Major hielt sich einst eine Zeitlang in einer Droguerie auf. Er bewarb sich um eine Apothekerstelle, bekam Anstellung, und eben während meines Aufenthaltes in Kairo durchsprang er einen Theil der kurzen Lehrzeit (von beiläufig einem Monate). Dieser Leichtsinn, womit die Stellen im Gesundheitsdienste verliehen werden, erscheint indeß in einem mildern Lichte, wenn man den großen Mangel geeigneter Subjekte ins Gedächtniß zurückruft. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Regierung der Aufnahme solcher Glücksritter in den Staatsdienst einen Riegel vorschöbe, wenn ihr eine Auswahl zu Gebote stände. Man macht in Egypten, wie anderwärts, aus der Noth eine Tugend.