Die Stadt der Einäugigen und der Blinden.
Man nennt wohl keine Stadt in der Welt, worin so viel Einäugige und Blinde wohnen wie in Kairo. In keiner Stadt, würde der Spötter sagen, wird öfter ein Auge zugedrückt, und ist die Liebe blinder. Man ziehe bloß die Gasse hin und her, und bald wird die Aufmerksamkeit von einem Manne gereizt, der mit einem Stocke den Weg befühlt, oder seine Rechte auf den Kopf oder die Schulter einer Person legt, die als Wegweiser vorangeht. Selbst die Blinden wandeln nicht mit Andern wie in Europa, wo sie am Arme geführt werden. Man weiß beinahe nicht, ob man über das Glück Unglücklicher lachen darf, wenn man wahrnimmt, wie etwa drei Blinde einander leiten und leiten können.
Einst schilderte man das Gedränge in der Stadt als so groß, daß man jeden Augenblick Gefahr laufe, Jemand umzubringen oder umgebracht zu werden. Diese Schilderung kann für die jetzige Zeit nicht gelten. Ich sah in einer sehr besuchten und belebten Gasse, gleich vor der Hauptwache über der Brücke, einen blinden Greis allein, freilich in kurzen und furchtsamen Schritten, sich vorwärts bewegen, ohne daß er umgebracht oder auch nur unsanfter berührt wurde. Es ist hinwieder eine natürliche Sache, daß die Sehenden noch gefahrloser ihres Weges gehen, als die Blinden.