Der Straßensänger.
Da steht ein Jüngling, der mit der einen Hand das Ohr zuhält, mit der andern dann und wann hinter den schwarzbraunen Nacken fährt. Er scheint Galls Tonorgan nachfühlen zu wollen. Er trägt eine Mütze und eine Jacke, weiter aber keinen Faden am Leibe. Das ist ein Sänger in einer der Hauptstädte des osmanischen Reichs.
Die Stimme klang nicht unangenehm; aber wenig Wechsel in der Singweise, zum Unglücke verstand ich kein Wort. Ich zweifle nicht, daß Alles artig und poetisch gewesen sei; denn es hatte ja sich in dem Sänger selbst der Ausbund von Poesie personifizirt. Was ich gut verstand und mich zum herzlichen Lachen rührte, war das Gekrähe eines jungen Hahns, das Gebell eines Schoßhündchens und das Gefauche einer Katze, welche anmuthigen Töne der Virtuose nach jeder Strophe vortrefflich nachahmte. Die Nachahmung der Thiere ist freilich mehr ergötzlich, als des Menschen würdig.
Der Europäer meinte in Egypten, er lebe in einer ganz andern Welt, wenn ihn nur zur rechten Zeit und zur Unzeit, mit Erlaubniß zu sagen, die Flöhe und die Wanzen nicht stächen, wenn nur die Sonne viereckig und der Mond hornlos, das Feuer kalt und das Wasser trocken wären, wenn nur, worauf es eben jetzt ankommt, nach einer andern Melodie die Hähne krähten, die Hunde bellten, die Katzen fauchten; aber sogar die egyptischen Menschen kennt der Europäer auf dem Resonanzboden Europas, wenn sie schwatzen, wie die egyptischen Hähne, Hunde und Katzen. Dagegen liefert Europa manchmal Konterfeie seiner selbst, welche dem Urbilde gleichen wie John Bull einem Känguruh.