Der Töpferwaarenflicker.
In einem Lande, wo man mit schönen Porzellangefäßen so viel Aufwand treibt, ist es oft keine Kleinigkeit, wenn etwa eines bricht. Porzellan kommt hoch zu stehen, und so wird leicht erhellen, daß man sich Mühe gibt, die Bruchstücke zu einem Ganzen zu vereinigen.
In Europa fehlt es nicht an gutem Kitte für Töpferwaaren; doch hält selten einer längere Zeit, und in die Bauernhäuser fand er den Weg noch nicht. Sehr pfuschermäßig werden bei uns die Bruchstücke mit einem Drahte auf die Weise zusammengeheftet, daß er, nachdem er an beiden Enden sich berührt, gezwirnet, und an das Gefäß gedrückt wird.
Was ist denn das für eine Bude? fragte ich mich, als ich darin einen Haufen gemalter Scherben, davon die meisten von Porzellan, erblickte. Ein Mann hockte an der einen Wand, und bog den rechten Fuß auf den linken Schenkel. Er legte eine Scherbe auf die große Zehe, an der Stelle, wo er bohren wollte. Ohne jene mit einer Hand zu fixiren, setzte er den Bohrer an. Diesen brachte er mit einer Art Geigenbogen in Bewegung. Nämlich die Schnur des letztern umschlang den Bohrer einmal, ungefähr in der Mitte, und indem der Arbeiter den Bogen hin- und herbewegte, drehte sich der Bohrer bald rechts, bald links um die Achse. Das Loch ließ der gewandte Handwerker nicht durchdringen. Nachdem zu den Seiten des Bruches ein Loch neben dem andern angebracht war, wurde der klammerförmige Draht, indem er quer über den Bruch sich zog, unter sanften Schlägen eingehämmert. Die Bruch- und Bohrstelle bestrich der Tausendkünstler mit einem Kitte, welchen er sogleich bereitete. Er knetete bloß Eierklar und Gips ohne Feuer zu einem Teige. Ich darf nicht erst beifügen, daß die Hefte beinahe niedlich aussahen, und an der innern Seite des Gefässes nahm man sie nicht einmal wahr, eben weil die Bohröffnungen nicht durchdrangen. Die fleißige Arbeit verfehlt den Beifall nicht, und schiene sie selbst ihrer Geringfügigkeit willen keinen Fleiß zu verdienen.