Unter österreichischer Protekzion.
In Ermangelung eines schweizerischen Konsulates mußte ich mich in ein fremdes fügen. Ich hatte Ursache, das österreichische zu wählen. Als ich in Wien die Arzneiwissenschaft studirte, wurde mir von Seite der Hochschule zu viel Gutes zu Theil, um Oesterreich undankbar vergessen zu können; als ich im Jahr 1834, zum Theile in schriftstellerischer Absicht, eine Reise nach Wien unternahm, ward mir so viel Unterstützung gewährt, wie ich sie kaum erwarten durfte. Zudem war es Anfangs schon nicht ganz unwahrscheinlich, daß ich über Oesterreich zurückreisen werde, in welchem Falle, dachte ich, am zweckmäßigsten der Reisepaß mit den Visa der österreichischen Konsuln versehen wäre.
In Kairo bedarf man, strenge genommen, keiner Aufenthaltsbewilligung. Die egyptische Polizei bekümmert sich in der Regel um die Franken wenig oder gar nicht. Einen Tag nach meiner Ankunft stellte ich mich bei dem österreichischen Konsul, Herrn Champion, und drückte ihm meinen Wunsch für österreichischen Schutz aus. Er nahm auf eine verbindliche Art den Paß in Verwahrung, und damit war Alles in Ordnung. Der Aufnahme von Seite des Herrn Champion sowohl als des österreichischen Generalkonsuls in Alexandrien, eines eifrigen Freundes der schönen Künste und des Besitzers einer ansehnlichen Gemäldesammlung, zolle ich meine wärmste Anerkennung. Ich fand an beiden Männern ebenso gut unterrichtete als gefällige Rathgeber. Vielleicht würde man es missen, wenn ich mit Stillschweigen überginge, daß mein Paß auch an der letzten Stelle „gratis“ visirt wurde, weil es nicht überall der Fall ist.
Ehemals herrschte die nicht selten lästige Sitte, daß die Reisenden von den Konsuln zu Mahlzeiten eingeladen wurden. Es scheint sich dieselbe zu verlieren.