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Lustreise ins Morgenland, Zweiter Theil (von 2) cover

Lustreise ins Morgenland, Zweiter Theil (von 2)

Chapter 17: Der Brunnen Siloah.
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About This Book

A travel narrative recounts a journey through the Eastern Mediterranean to Jerusalem, blending route- and geography-focused notes on Syria with close descriptions of ports, towns, and islands encountered. It documents major holy sites, monuments, tombs, and urban layout while reporting on population, climate, health, and building styles. The text records local customs, dress, marketplaces, pilgrim practices, hospices, and everyday trades, and it includes episodic travel incidents and sea passages. Practical advice for pilgrims and reflective closing remarks round out the account, offering both observational detail and guidance for prospective travelers.

Der Brunnen Siloah.

Geht man vom Zionsthore links hinunter, steigt man an der Südostseite Jerusalems, gegenüber dem Dorfe Siloah, nicht hoch über dem Kidron einige Stufen in die Tiefe, schreitet man vorüber an dem baufälligen, kleinen, steinernen, einst von Säulen überragten Wasserbehälter, die vielleicht den Siloahthurm getragen haben; so bemüht man sich dann noch eine Treppe hinunter, und wen gelüstet oder dürstet, der darf nur sich neigen, um aus dem unverschlossenen, gänzlich in den Kalkfelsen greifenden Brunnen Siloah zu schöpfen und zu trinken. Ein Gang von zwei Fuß Breite, durchläuft er eine Ebene von dreihundertundsiebenzehn Schritten. Anfangs ist er zwei Mann hoch; nach zweihundert Schritten aber nimmt die Höhe ab, bis man zuletzt nicht anders, als auf beschwerliche Weise, mit geducktem Leibe, sich vorwärts bewegen kann. Schutt verhindert das weitere Vordringen gegen den Moriah. Das Wasser hat überall die gleiche Höhe von etwas mehr als einem Fuß. Die auftretende Sohle fühlt Sand und unter diesem den Stein. Der Gang wendet sich rechts. So erzählte mir der sonst nicht sehr verläßliche Führer, welchen ich zu diesem unterirdischen Spaziergange bewog.

Der über fünfhundert Fuß in den Kalkfelsen eingehauene Brunnen ist unstreitig ein ungeheures Werk. Der Tiefe und Breite nach verdient er kaum Erwähnung; allein wegen seiner beträchtlichen Länge enthält er einen Reichthum an süßem Wasser, das wohl auch vor Alters zu Bewässerung naher Gartenanlagen benützt worden sein mag. Wäre von den Alten ein solcher Gang unter dem Felsenbette eines Stromes getrieben worden, so würde er ein denkwürdiger Vorgänger des Londoner-Tunnel sein.

Ammann gedachte des Siloah-Brunnens mit mehr Bestimmtheit, als andere, die nach ihm denselben beschrieben haben: Unten an dem Berg Zion fleußt ein ziemlicher Bach aus dem Felsen heraus. Der Wege oder Gang dieses Wassers ist in den Felsen künstlich gehauen, daß man weit dem Wasser nach in den Felsen schliefen kann. Und fleußt dieses Wasser in den Felsen vom Tempel und der Stadt Jerusalem hinab. Auf der Höhe dieses Felsens soll auch der Thurm Siloah gestanden sein. Und gleich vor diesem Felsen gibt es ein klein Teichlein. Darinnen soll sich der Blinde im Evangelio gewaschen haben, da Christus zu ihm gesagt: Gehe hin, und wasche dich im Teich Siloah. So weit Ammann.

Zwischen dem Stephansplatze und dem Siloahbrunnen zeigte man mir noch eine Quelle unter dem Namen Marienquelle, vielleicht den Drachenbrunnen Nehemias.