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Lustreise ins Morgenland, Zweiter Theil (von 2) cover

Lustreise ins Morgenland, Zweiter Theil (von 2)

Chapter 5: Gaza.
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About This Book

A travel narrative recounts a journey through the Eastern Mediterranean to Jerusalem, blending route- and geography-focused notes on Syria with close descriptions of ports, towns, and islands encountered. It documents major holy sites, monuments, tombs, and urban layout while reporting on population, climate, health, and building styles. The text records local customs, dress, marketplaces, pilgrim practices, hospices, and everyday trades, and it includes episodic travel incidents and sea passages. Practical advice for pilgrims and reflective closing remarks round out the account, offering both observational detail and guidance for prospective travelers.

Gaza.

Gaza, sprich Gâsa, liegt reizend auf einer kleinen Anhöhe, drei Viertelstunden vom Meere (vom alten Hafen Majumas). Gegen Aufgang stellt sich der Hebron. Bäume, Fruchtfelder und Wiesen wechseln in der Umgegend, um das Auge zu ergötzen. Eben sah ich die Kühe im Grünen friedlich weiden. Die Stadt ist nicht groß, und enthält, nach den Versicherungen des Militärarztes daselbst, Dr. Tarabra, eines durchaus kenntnißreichen und einsichtsvollen Mannes, sechs- bis siebentausend Einwohner. Die Gassen sind schmal, krumm, uneben, ungepflastert; die einen Häuser haben platte, andere dagegen kuppelförmige Dächer. Die Moschee, einst eine griechische Kirche, ist groß und schön. Man findet viele alte Ruinen, z. B. Säulen mit Knäufen, und Nachgrabungen müßten Schätze aufdecken.

Die Bevölkerung ist weiß; viele Männer zeichnen sich durch Schönheit aus; das verschleierte Antlitz der Frauenspersonen entzieht sich der Beurtheilung; die Kinder sind blaß oder gelblich. Die Bassar durchrauschet viel Leben. Unweit von denselben erblickte ich wieder die Zelte unsers Kontumaznachbars Mustafa-Bei und in ihren Sternen viel Freundlichkeit.

Ich hatte eine Empfehlung an den Dr. Tarabra, welcher mich sehr gastfreundlich aufnahm und behandelte. Ich verdanke ihm, außer den Mittheilungen über die Größe der Bevölkerung, noch andere, welchen ich hier zum Theile einen Platz anweisen werde. Die arabischen Weiber empfangen in Gaza sehr leicht; sie gebären ohne Hebammen, selten aber fünf bis sechs Male. Als die Pest ihre Verheerungen anrichtete, mußte Tarabra, in der Eigenschaft eines Physikus der Provinz, alle Todesfälle bewahrheiten, und da fand er das Verhältniß der gestorbenen Kinder zu den gestorbenen Erwachsenen wie 5 zu 1. Dieses Verhältniß beweiset eine schreckliche Sterblichkeit der Kinder, selbst wenn sich dasselbe wie 3 zu 1 umwendet. Am meisten klagte Tarabra über die griechischen Weiber. Durch ihr unsinnig strenges Fasten, welches sich beinahe einzig auf schlecht gekochte Linsen und Oliven beschränke, bedingen sie die Absonderung einer schlechten Milch, welche den Säugling bisweilen nicht zu ernähren vermöge. Er sah sich bewogen, den griechischen Bischof deshalb um Dispensen anzugehen. Die Bewohner von Gaza leiden vorzugsweise an Rheumatismen und Katarrh (nicht aber an Lungenkatarrh). Oft verschlimmern sie letztere Krankheit durch die landesüblichen Bäder. Auch kommt der Scharbock nicht selten vor. Die Araber werfen sich am liebsten in die Arme unwissender Menschen. Eine große Plage anderer Länder, nämlich die Lungenschwindsucht, geißelt die Einwohner von Gaza sehr selten, und hier dürfte vielleicht der Schwindsüchtige mehr Linderung hoffen, als in dem gepriesenen Nizza.