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Lustreise ins Morgenland, Zweiter Theil (von 2) cover

Lustreise ins Morgenland, Zweiter Theil (von 2)

Chapter 78: Der Abend im Schiffsraume.
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About This Book

A travel narrative recounts a journey through the Eastern Mediterranean to Jerusalem, blending route- and geography-focused notes on Syria with close descriptions of ports, towns, and islands encountered. It documents major holy sites, monuments, tombs, and urban layout while reporting on population, climate, health, and building styles. The text records local customs, dress, marketplaces, pilgrim practices, hospices, and everyday trades, and it includes episodic travel incidents and sea passages. Practical advice for pilgrims and reflective closing remarks round out the account, offering both observational detail and guidance for prospective travelers.

Der Abend im Schiffsraume.

Man führte mich in ein jüdisches Haus, wo ein ausnehmend guter Wein ausgeschenkt werde. Ich kaufte einen großen Krug mit herrlichem rothen Rhodier.

Der Rhodier-Wein, zu meinen Füßen gestellt, schwänkt mir den Zwieback. Der Krug mahnt mich an die Weinkrüge, welche untreue Weiber oder Mägde in irgend einen Winkel verbergen, um daraus gelegentlich Muth zu Verblendung der Männer oder Meister zu schöpfen. Ich sitze auf Wrack, einer niedrigen Windenscheibe, die mit einem großen Damenbrete ausgemalt war. Unter mir breitet sich ein Strohteppich aus, neben mir das Bett mit einer Pomeranze darauf, damit sie den Wein mir kühle, — dann meine Habseligkeiten, vor allen der Spender des Segens, der Brotkorb. Gegenüber lagert der unsäuberliche Jude mit einem Graubarte, der schmutzig auf die Brust herunterkräuselt. Nahe über ihm steht eine Katze, deren Augen von der Begierde nach Beute glänzen. Würde der lauernde Vierfüßer ein wenig abwärts gerückt sein, — der Judenkopf wäre das segelnde Schiff unter der ehernen Riesensäule der — Katze gewesen. Der Mann des Hebrons schläft fest und schnarcht, daß die Nasenflügel zittern wie Espenlaub. Vielleicht hörte das hebräische Schnarchen selbst der Maure, welcher, voll Freude über das eingetretene mohammetanische Jubelfest (das große Beiram), in der Stadt sich gütlich that, und einmal eine ganze Nacht im Kaffeehause zubrachte. So hängt man gemeinhin an die Fasten ein Gegengewicht: Man enthält sich kürzer oder länger, mehr oder minder der Speisen und Getränke, man sammelt die Eßlust, und man leert nach der Hand um so leckerer größere Schüsseln und Becher. Bloß drei Fuß über der Schiffsladung von Sesam hängt vom Verdecke ein Laternchen herunter, welches die Höhle erleuchtet.

All’ diese Armseligkeiten betrachtend, bin ich doch zufrieden, und nun blicke ich durch die Oeffnung des Verdeckes gen Himmel zu Gott empor, dem ich mit gerührter Seele meinen Dank für die goldene Gabe der Gesundheit darbringe. Sie war mehrmals auf der Neige, und ich lernte sie schätzen, die mich von so manchem Joche befreite; unbesorgt genieße ich jetzt die frische Luft der Nacht, die grünen Früchte des Südens und seine glühenden Weine.