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Ma: Ein Porträt

Chapter 7: Hinweise zur Transkription
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About This Book

A finely observed character portrait moves between ceremonial street spectacle and intimate domestic interiors, following a household as members negotiate devotion, social appearance, and personal yearning. The prose lingers on religious pageantry, urban color, and material splendor while attending to inner conflicts, familial bonds, and the slow formation of individual identity. Themes include the contrast of public ritual and private feeling, the shaping influence of a matriarchal figure, and the subtle psychology of longing, duty, and aesthetic sensibility.

Den Kopf gesenkt, ging Marianne neben ihm, ihren Blick immer auf den flimmernden Schnee am Boden gerichtet, wie wenn sie mit geblendeten Augen was ablese von dem weißen Geglitzer mit seinen bläulichen huschenden Schatten und Lichtern.

Ihre Hand ruhte im Arm Tomasows; ein wenig zu ihr vorgebeugt, unterhielt er nun Marianne mit halber Stimme. Unruhevoll schweiften ihre Gedanken um das, was er zu ihr sprach. Kaum vermochte sie es aufzunehmen in den einzelnen Sätzen, in den verhaltenen Worten, so stark wirkte es seiner Grundbedeutung nach auf sie —. Ihr ward beklommen wie in der kleinen dumpfen Gaststube vorhin; die Schwüle blieb — —.

Führte er sie nicht hinauf auf einen Berg und zeigte ihr der Welt Herrlichkeit, — jene Herrlichkeit, die man zu eignem Genießen haben kann, in der man sich selbst leben kann, sich sättigen in allem Angenehmen und Erfreulichen des Daseins? Führte er sie nicht hinweg aus der Alltagsniederung mit ihrer einseitigen, bittern Mühsal, mit den armseligen paar Aufgaben, die ihre Kraft aufgesaugt, sie gedemütigt und unfähig gemacht hatten zu eigner, breiterer Entfaltung? — — Und wieder schaute sie bei Tomasows Worten wie in lockende Weiten, in eine Landschaft hinein, seltsam fremd, seltsam vertraut, in der sie sollte ausruhen dürfen an labendem Glück, sich gehn lassen in süßer Ermattung, — und seine Stimme verhieß ihr fort und fort: wolle nur, und all dies ist dein —.

Sie überschritten grade den Platz, als ein erster tiefer Glockenklang mit überwältigender Gewalt die Luft durchhallte. Unmittelbar darauf setzte das Geläute von mehreren großen Glocken ein. Es that den Menschen kund, daß die Feierzeit nahe, daß sie das Werkzeug niederlegen möchten und die Seele öffnen, auf daß auch sie feiere.

Und in Mariannens Seele wiederhallte es in einer lauten Bejahung: sie sehnte sich, zu feiern —.

Aber gleichzeitig klangen mit den Glockenklängen ganz andre Stimmungen als zuvor in ihr an, sie kam heim von ihren ungewiß schweifenden Träumereien, zurück in die Gegenwart ihres wirklichen Lebens, und — wie zwei, die sie gewaltsam hatte vergessen wollen, — schauten ihr die Gesichter ihrer beiden Kinder fragend daraus entgegen —.

Fragend, — so wie heute morgen: Sophiens Gesicht dabei ein wenig verschmitzt, voll pfiffiger Erwartung, beinahe wie sie auch als kleines Kind ausgesehen hatte, wenn die Heimlichkeiten um Weihnachten begannen. Citas Augen fragten nicht mehr kindlich: bringst du mir auch was Schönes mit? Sie hatte sorgenvoll vor sich hingeblickt, — zweifelnd fast, — sie war beunruhigt durch das Benehmen der Mutter. Und wenn sie jetzt erfuhr, — Cita —

Mariannens Herz that plötzlich einen starken, harten Schlag. Sie blieb stehn, wie atemlos: wenn Cita erfuhr — und auch Sophie — —, sie sah mit einem Schlage die beiden Gesichter verwandelt, bestürzt, ungläubig —, sie fühlte mit unwiderleglicher Deutlichkeit: dann erst entfremdeten sich ihr die Kinder ganz —.

Alles Entfremden bisher bedeutete, dagegen gehalten, noch wenig, — wie weh es auch thun mochte, es mußte machtlos bleiben, solange die Mutter selbst nur ihren Mädchen dieselbe blieb. Auch wenn sie Tausende von Meilen weit fort von ihr gingen: sie entfernten sich weniger weit, als durch einen einzigen Schritt, den sie selber fort von ihnen that.

»— Die Kinder —!« sagte Marianne unwillkürlich, mitten in Tomasows Worte hinein, und sie hob zum erstenmal den Blick zu ihm, — ratlos, hilfeheischend. War er doch da, ging er doch neben ihr, — er, der immer alles entschieden, bei allem helfend eingegriffen hatte.

Voll Zuversicht schaute sie zu ihm auf.

»Was ist denn mit den Kindern?« fragte er etwas brüsk, aus der Stimmung gerissen; seine Augen begegneten den ihren mit eigentümlichem, flackerndem Leuchten, »— es handelt sich jetzt doch gar nicht um die Kinder.«

Mariannens Blick glitt rasch, betroffen von ihm ab. Wer half ihr von nun an in allen Fragen und Kämpfen? Er nicht mehr! Er half ihr nicht mehr gegen ihre eignen Schwächen. Bisher konnte er sich ihr so geben, wie sie ihn brauchte, um sich als Mensch hoch und höher emporzuringen. Jetzt, ohne alle Zurückhaltung, brauchte er sie selbst, brauchte sie ohne die Kinder. Wie weit, — weit standen ihm da ihre Herzenssorgen —!

Irgend etwas in Marianne, irgend ein eben erst entfachtes, eben erst wiedererwachtes Sehnen des Weibes in ihr verschüttete sich wieder und wollte zagend erlöschen —.

Tomasow fühlte sofort, daß er einen Fehler begangen habe.

»Alles hat seine Zeit!« sagte er schnell und bestimmt. »Auch die Kinder haben ihre Zeit gehabt, wo Sie sich ihnen ausschließlich widmeten. Nun ist es endlich Zeit geworden, in diesem Punkt vernünftig umzulernen. Schließlich muß man eben wählen, ob man einander leben will und dem Glück, oder ob man von ihrem unreifen Willen abhängen will.«

Und mit größerer Dringlichkeit als vorher sprach er auf sie ein, indessen sie weitergingen im hallenden Glockengeläut, vorbei an den weißgoldenen Mauern der zahllosen Kirchen und Kathedralen. Und je länger er redete, desto mehr wurde es eine Apotheose des sorglosen Feierns und Genießens, wozu er sie einlud. Er suchte alles hervor, was er ihr schenken könnte, und alles ward immer wieder Genuß und Fest. Aber Mariannens Hand lag nur ganz leicht in seinem Arm, sie stützte sich nicht mehr auf ihn, sie sah unruhig aus, und aus ihrem Gesicht war die gläubige Zuversicht geschwunden.

Und Tomasow überfiel plötzlich eine zornige, bittere Ungeduld wider alles, was er da selbst zu Marianne sprach. Alle die Worte von Glück und Freude erschienen ihm unwahr und schal. Er begriff plötzlich, daß er, an Mariannens Seite, doch immer nach einem suchen würde, nach eben dieser emporschauenden Zuversicht, nach eben dieser gläubigen Anlehnung an ihn, als an einen Stärkern, Ueberlegenen, — an den Herrn. Glück mit ihr genießen, das konnte nur heißen: ihr im Leben selber so hoch und stark als Mensch überlegen sein, wie er ihrs in einzelnen Stunden durch Verstand und Rat gewesen war —.

Tomasow verstummte.

Und Marianne merkte es kaum. Wie sie so an seinem Arm hinging, schienen ihr jetzt die Glocken über ihr mit den weithin hallenden Feierklängen nicht mehr dieselbe Sprache zu sprechen, wie die dringliche Stimme dicht an ihrem Ohr, — aus einer andern Welt schienen sie zu reden, als dies halblaute überredende Raunen von Feiertagsglück und abgeworfenen Sorgen —. Und immer mächtiger wurden die Glockenklänge und immer verhaltener die zuredende Stimme, und endlich vernahm sie nur noch Glocken, — Glocken allein — —.

»— Leben Sie wohl, Ma!« hörte sie unvermittelt Tomasow sagen, der stehn blieb. »Ich habe Ihre Antwort schon, noch ehe Sie eine Antwort in Worten gefunden haben. Und lassen Sie mich bekennen: Sie haben recht —«

»Tomasow,« fiel Marianne tief bewegt ein, »— warum wollen Sie so — —! — Sie sind immer und immer mein bester, einziger, liebster Freund —«

»— Gewesen!« ergänzte er rasch mit einem unmerklichen Lächeln, und dann, sich umsehend, trat er zur Seite. Es kam jemand von hinten her an ihnen vorbei und zog grüßend den Hut.

Hugo Lanz war es, der desselben Weges ging und Marianne hocherfreut begrüßte. Marianne mußte ihn Tomasow vorstellen.

»Ich eilte grade zu Ihnen, gnädige Frau,« bemerkte Hugo Lanz, »um Ihnen eine für mich freudige Nachricht mitzuteilen —«

»Das trifft sich in der That gut,« meinte Tomasow etwas heiser, »daß ich mithin die gnädige Frau in Ihrer Begleitung lassen kann. Mein Weg führt hier leider nach andrer Richtung.«

Marianne reichte Tomasow die Hand, zögernd, fast zitternd.

»— Aber doch auf Wiedersehen sehr bald —?« fragte sie mit nicht ganz beherrschter Stimme.

»Gewiß, gnädige Frau: sobald sich einmal gute Bekannte bei Ihnen versammeln, dann gestatten Sie mir vielleicht, auch dabei zu sein,« entgegnete er mit leichter Betonung dieser Antwort, beugte sich über ihre Hand, grüßte Hugo Lanz und entfernte sich, in die nächste Straße einbiegend.

Marianne ging statt vorwärts wieder zurück, ohne recht zu wissen und zu sehen, wo sie ging. Ein Angstgefühl umklammerte sie dumpf: sie konnte nicht fassen, daß das ein Abschied für das Leben gewesen war.

Sie machte eine gewaltsame Anstrengung, um sich Hugo Lanz zuzuwenden, dessen offnes Gesicht von Freude geleuchtet hatte, der aber jetzt ernst und still aussah, weil er sie so seltsam ernst vor sich hin gehn sah.

Er erzählte dennoch froh: »Soeben erst hab ich die Erlaubnis ausgewirkt, den nächsten Winter noch ganz frei zu bleiben, — und ich werde ihn hier zubringen. Meine Verwandten haben mich aufgefordert, bei ihnen zu wohnen. Und schon die Aussicht, Sie und Ihre Familie besuchen zu dürfen —«

»Das freut mich innig,« bemerkte Marianne leise, »doch werden Sie im nächsten Winter nur noch mich wiederfinden, — nicht mehr meine Töchter. Auch Sophie geht fort, folgt der Schwester ins Ausland.«

Hugo Lanz blickte Marianne mit aufrichtigem Schreck ins Gesicht. Die kleine Familienscene, der er beigewohnt hatte, stand vor ihm, Mariannens strahlendes Glück zwischen ihren Kindern, — auch dessen, was ihm Sophie mitgeteilt hatte, entsann er sich.

»— Ganz allein bleiben Sie —?« entfuhr es ihm voll Mitleid und in unwillkürlichem Unwillen.

Marianne wiederholte mechanisch: »— Allein —,« und sie nickte bejahend. Aber das dumpfe Angstgefühl in ihr verstärkte sich dabei, als risse es sie mit jedem Schritt gewaltsamer hinein in etwas Endloses, Grenzenloses, — wie in eine leere, gähnende Unermeßlichkeit, wo ihre Kinder und der Freund und alles, was ihr lieb gewesen war, alles Warme, alles Trostvolle, alles Hilfreiche, weiter und immer weiter zurückwich, — unerkenntlich geworden schon, — unaufhaltsam, unerreichbar — —.

Und mit dunkelm Grauen stieg in ihrer Seele eine Erinnerung auf an abgrundtiefe Einsamkeit, aus der sie doch nur die Hand des Freundes und der Blick ihrer Kinder gerettet hatte, — und sie fühlte, daß das dunkle Grauen nahe und näher über ihrer Seele zusammenschlug, — als würde sie unbarmherzig dahinein gestoßen von derselben Hand, von denselben Blicken, die sie einst rettend festhielten, — und als fände sie diesmal nie mehr, — nie mehr hinaus —.

Marianne nahm nichts mehr deutlich wahr, die Dinge ringsum schienen ihr langsam zu entschwinden, sich in sich selbst aufzutrinken, unterzugehn in einem chaotischen Nebel. Einförmig nur und erschütternd laut hallten fort und fort die Glocken über ihr, — hallten um sie, — hallten in ihr, — begruben sie wie unter einem Mantel von dröhnenden, besinnungraubenden Tonwellen, — ließen alles an ihr erbeben unter der Gewalt des einen unerbittlichen Klanges, — drangen auf ihre zitternde Schwäche ein, wie mit läutenden Unendlichkeiten — —

Marianne war, einer Ohnmacht nahe, stehn geblieben und rang nach Atem.

Sie standen wieder dicht vor der Verkündigungskirche, an den Stufen, über denen sich die Eingangspforte erhebt. Hugo Lanz hatte einen Arm um Marianne gelegt und führte sie, sie vorsichtig stützend, hinauf bis in den Seitengang, wo längs den Fensterchen von gewelltem Glas eine Bank stand.

Dort ließ er Marianne niedersitzen und neigte sich, neben ihr stehn bleibend, mit besorgter Frage zu ihr.

Aber sie achtete nicht auf das, was er flüsternd fragte. Dicht vor ihr öffnete sich das blausilberne Portal in den innern Kirchenraum, auf der Seite, wo sie eben hereingetreten waren, blickte von der Thür ein großes dunkles Christusbild zu ihr nieder, die Züge kaum kenntlich, ein schwarzer Fleck, umhüllt und umkleidet von unendlichem Goldglanz. Sie starrte darauf hin, bis sie vor Thränen nichts mehr sah. Rätsel hinter Gold —.

Aber leise und wohlthuend legte sich die Dämmerung dieser Kirchenwände wie schützend um sie. Kaum glichen sie Wänden, bedeckt mit alten nachgedunkelten Malereien wie reiche alte Stoffe, sich niedrig wölbend und wellend, wie ein ungeheurer Mantel, der sich in schweren weichen Falten um den Betenden legt, ihn sanft bergend vor der Außenwelt —.

Sie hob beide Hände vor das Gesicht und beugte sich tief vor, ohne ein Wort zu sprechen. Schweigend verharrte sie lange so.

Hier und da kamen von draußen Menschen vorüber, meistens Leute aus dem Volk; leise auftretend mit ihrem groben Schuhwerk, schritten sie tiefer hinein in das Schiff der Kirche, das in feierlicher Dämmerung vor ihnen dalag, nur an wenigen Punkten schwach erhellt von vereinzelten Wachskerzen, die daraus hervorblinkten.

Hugo Lanz stand neben Marianne, an ihre Bank gelehnt, und blickte auf sie nieder. Er wußte nicht, was in ihr vorgehn mochte, aber daß in dieser Stille etwas Erschütterndes in ihrer Seele zum Austrag kam, das mußte er wohl fühlen — —. Und wenn er einst zu ihr gekommen war im drängenden Verlangen, an ihrer warmen Mütterlichkeit getrost und froh zu werden wie ein Kind, so wuchs jetzt eine Sehnsucht in ihm empor, — groß, wie er sie nie gekannt hatte, — stark zu werden und kraftvoll, ein Mann, um beschützen und behüten zu dürfen —.

Er stand da und horchte stumm auf das Geläute der Glocken, — auf den seltsam packenden Klang dieser russischen Glocken, die sich weigern, sich mit ihren Klängen mitzuwiegen, und ehern feststehn, daß der Klöppel in ihnen anschlägt wie ein weithin tönender Befehl — —.

Da ließ Marianne die Hände von ihrem Gesicht sinken und erhob sich ganz langsam. Hugo Lanz machte eine Bewegung zu ihr hin, aber die Andacht in ihren Augen und in ihrer ganzen Haltung bannte ihn. Es war wie eine unsichtbare Einsamkeit und Hoheit um sie, die er nicht zu entweihen wagte. Und unwillkürlich trat er zur Seite.

Einen Augenblick lang stand Marianne da, sich besinnend, fast schüchtern, mit einer sanften Neigung des Kopfes, die etwas Rührendes für ihn hatte, etwas von unaussprechlicher Ergebung. Aber auf ihren Zügen lag ein ruhiger Glanz, alle Angst war von ihnen gewichen.

Sie machte eine Wendung, um aus dem Portal hinauszutreten, ohne ihren Begleiter zu bemerken. In diesen Minuten hatte sie auch ihn vergessen. Er schaute ihr nach, und unwiderleglich kam ihm das Gefühl: — als ginge sie gar nicht allein — —.

Ein paar Schritte hinter ihr trat er hinaus auf den Platz.

Unten in der Stadt, die dem Kreml zu Füßen lag, blinkten eben die ersten Lichter auf. Schon war es nicht mehr ganz hell. Weißlicher Winternebel zog sich in der Ferne über die Ufer des Flusses. Fest um den Kreml geschmiegt, standen die Häuser da, rot und blau und grün an Dächern oder Mauerwerk, und erwarteten nach des Tages Treiben das Dunkel, durch das das siegende Gold der zahllosen Kuppeln hindurchschien wie eine ewige Leuchte, die nicht mit dem Tage erlischt.

Ein unerhörtes Abendrot stand über Moskau. Und die Buntheit der Farben ringsum nahm auch noch den schwächsten Abglanz davon, nahm auch den leisesten Funken so innig auf, hielt sich ihm an der Oberfläche aller Dinge als ein so williges Gefäß entgegen, daß es fast wirkte wie ein Lobgesang, der emporstieg von der Erde zum erglühenden Himmel. Eine Stimmung wie ein Ausgleich zwischen Freude und Gebet lag über dem Ganzen. Die paar Wolken, die inmitten der Bläue des Himmels zögernd dunkelten, zogen sich, lichtdurchschossen, langsam zu breitschimmernden Goldbändern auseinander — —.

Da ging ein flüchtiger Regenschauer nieder, warm und ganz kurz, wie ein Thränensturz.

Hugo Lanz blieb stehn und schaute hinab, dorthin wo Mas feine ruhige Gestalt im Abstieg zu den Anlagen sichtbar blieb.

Wie klein und unscheinbar verschwand sie dort zwischen den Bäumen. Und ihm schien doch alles ringsum sie allein zu feiern und zu umstrahlen —.

Denn in ihm arbeitete sich irgend ein Bild mit mächtiger Gewalt zu künstlerischer Klarheit hindurch, — ein Bild, in dem er Ma vor sich sah, — ein Bild, in dem ihr Glück lebte und ihr Vereinsamen, und ihr Weh, und ihr Sieg, — ein Bild, in dem geheimnisvoll lebte, was in diesem Augenblick in ihr selbst wohl nur in dunkeln Ahnungen rang — —.

Und es kam ihm vor, als stünde er angesichts eines großen Schauspiels, um deswillen man das Leben fürchten und lieben lernen mag. Und das den Schauenden, dem es seine Heimlichkeit enthüllt, zum Kinde werden lassen mag, und zum Manne, — und zum Dichter.

— Ganz benommen und wie sich selbst entrückt, blickte er hinab von der Kremlhöhe in die Tiefe der Stadt.

So sah er Ma schweigend, still niedersteigen unter dem verhallenden Geläute der Glocken, — einen von oben in die Wohnungen der Menschen entsendeten guten Geist.

J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. in Stuttgart.

Die nachstehend verzeichneten Romane und Novellen sind auch elegant in Leinwand gebunden zu beziehen.

Preis für den Einband 1 Mark.

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Worms, Carl, Du bist mein. Zeitroman. " M. 4.—
—"— Thoms friert. Roman. " M. 4.—

Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Darstellung abweichender Schriftarten: gesperrt, Antiqua.

Verlagswerbung wurde vom Buchanfang an das Buchende verschoben.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,

Seite 23:
"nichs" geändert in "nichts"
(Nun, das macht nichts.)

Seite 49:
"leiebkosende" geändert in "liebkosende"
(als seien es ebensoviel liebkosende Verheißungen)

Seite 63:
"»" eingefügt
(»die schönsten Lieder und die schönsten Sagen)

Seite 109:
"auch" geändert in "nach"
(in die Hand nehmen und nach deinem stärkeren Willen prägen)

Seite 112:
"«" eingefügt
(Sie ist aber nicht krank geworden.«)

Seite 160:
"halbmäd henhafte" geändert in "halbmädchenhafte"
(Dabei hatte sie irgend eine halbmädchenhafte Kopfhaltung)

Seite 168:
"Das" geändert in "das"
(»Nein, — das heißt: es wäre ja wunderschön)

Seite 179:
"." eingefügt
(um alle Kraft aufzuzehren —.)

Seite 185:
"«" hinter "helfen?" entfernt
(Was konnt es denn helfen?)