(McComas rasch:) Nein, selbstverständlich nicht.
(Gloria ihn aufmerksam betrachtend:) Das glauben Sie nicht wirklich,
Herr McComas.
(McComas.) Mein liebes Fräulein, Sie setzen mir sehr scharf zu, aber ich will Ihnen nur so viel sagen: Wenn ein Mann eine unpassende Ehe eingeht—dafür kann niemand, wie Sie wissen, das ist oft nur zufällige Unvereinbarkeit der Geschmacksrichtungen—wenn er durch dieses Unglück der häuslichen Liebe beraubt wird, die—wie ich glaube—der Grund ist, warum ein Mann heiratet,—wenn, kurz gesagt, seine Frau schlimmer ist als gar keine Frau—woran sie natürlich unschuldig sein kann—ist es da gar so erstaunlich, daß er die Dinge zuerst verschlimmert, indem er ihr Vorwürfe macht und dann in seiner Verzweiflung sogar gelegentlich zu viel trinkt oder anderweitig Sympathie sucht?
(Frau Clandon.) Ich habe ihm keine Vorwürfe gemacht, ich habe einfach mich und die Kinder von ihm befreit.
(McComas.) Ja. Aber Sie haben harte Bedingungen gestellt, Frau Clandon. Sie hatten ihn in Ihrer Gewalt—Sie haben ihn in die Knie gedrückt, als Sie damit drohten, die Sache zu veröffentlichen, indem Sie die Gerichte um eine gesetzliche Scheidung anriefen. Nehmen Sie an, er hätte diese Macht über Sie gehabt und dazu benützt, Ihre Kinder von Ihnen fortzunehmen und sie so zu erziehen, daß Sie bis auf Ihren Namen vergessen wären… was würden Sie dabei fühlen?… Was würden Sie tun?… Wollen Sie nicht auch seinen Gefühlen etwas Nachsicht zeigen—? aus reiner Menschlichkeit?
(Frau Clandon.) Ich habe nie Gefühle bei ihm entdeckt. Ich habe sein heftiges Temperament entdeckt und seine—(sie schaudert:) alles übrige seiner gewöhnlichen Menschlichkeit.
(McComas gedankenvoll:) Frauen können sehr hart sein, Frau Clandon.
(Dr. Valentine.) Das ist wahr!
(Gloria zornig:) Schweigen Sie! (Er fügt sich.)
(McComas nimmt seine ganze Kraft zusammen:) Lassen Sie mich eine letzte Bitte aussprechen, Frau Clandon. Glauben Sie mir, es gibt Männer, die sehr viel Gefühl, ja Güte haben, die aber unfähig sind, sie auszudrücken. Was Sie an McNaughtan vermissen, ist jener bloß äußere Anstrich von Zivilisation, die Kunst, wertlose Aufmerksamkeiten zu erweisen und auf reizende liebenswürdige Art unaufrichtige Komplimente zu machen. Wenn Sie in London lebten, wo die ganze Gesellschaftsordnung auf falscher Kameradschaftlichkeit aufgebaut ist und Sie mit einem Menschen zwanzig Jahre zusammen sein können, ohne herausgefunden zu haben, daß er Sie haßt wie Gift, dann würden Ihnen die Augen bald aufgehen. Dort tut man unfreundliche Dinge auf freundliche Art; man sagt Bitterkeiten mit süßer Stimme; man gibt seinen Freunden immer Chloroform, wenn man sie in Stücke reißt. Aber denken Sie an die Kehrseite der Medaille! Denken Sie an die Leute, die auf unfreundliche Weise Gutes tun—an Leute, deren Berührung schmerzt, deren Stimme schneidet, deren Temperament zuweilen mit ihnen durchgeht—die es fertig bringen, Menschen, die sie lieben, zu verletzen und zu quälen, selbst dann noch, wenn sie sie versöhnen wollen—und die trotzdem ebensoviel Liebe brauchen wie wir andern… McNaughtan hat ein entsetzliches Temperament, ich gebe es zu; er hat keine Manieren, keinen Takt, keine Anmut—er wird nie imstande sein, irgend jemandes Neigung zu gewinnen, wenn dieser nicht seine Sehnsucht danach auf Treu und Glauben hinnimmt. Soll er gar keine Liebe haben, nicht einmal Mitleid?… auch nicht von seinem eigenen Fleisch und Blut?
(Dolly ganz gerührt:) Oh, wie wundervoll, Finch!… wie lieb von Ihnen!
(Philip mit Überzeugung:) Finch, das nenne ich
Beredsamkeit—wahrhaftig Beredsamkeit!
(Dolly.) O Mama, geben wir ihm noch eine Chance! Behalten wir ihn zum
Essen!
(Frau Clandon unbewegt:) Nein, Dolly: ich habe kaum etwas vom Lunch gehabt.—Mein lieber Finch, es ist ganz zwecklos, mit mir über Fergus zu sprechen. Sie sind nicht mit ihm verheiratet gewesen—aber ich.
(McComas zu Gloria:) Fräulein Clandon, ich habe bis jetzt davon abgesehen, mich an Sie zu wenden, weil Sie sogar noch unbarmherziger als Ihre Mutter gewesen sind, wenn das wahr ist, was mir McNaughtan gesagt hat.
(Gloria trotzig:) Sie wenden sich von der Stärke der Mutter an die
Schwäche der Tochter!
(McComas.) Nicht an Ihre Schwäche, Fräulein Clandon—ich wende mich vom Verstande der Mutter an das Herz der Tochter.
(Gloria.) Ich habe gelernt, meinem Herzen zu mißtrauen. (Mit einem zornigen Blick auf Dr. Valentine:) Wenn ich könnte, ich würde mir das Herz aus dem Leibe reißen und es fortwerfen. Meine Antwort ist die Antwort meiner Mutter! (Sie tritt zu Frau Clandon und umarmt sie. Aber Frau Clandon, unfäbig, diese Art zur Schau gestellter Neigung zu ertragen, befreit sich, so rasch sie, ohne Glorias Gefühle zu verletzen, nur kann.)
(McComas besiegt:) Nun, das tut mir leid—sehr leid. Ich habe mein
Möglichstes getan. (Er erbebt sich und ist im Begriff, in tiefster
Unzufriedenheit fortzugehen.)
(Frau Clandon.) Aber was haben Sie denn erwartet, Finch? Was verlangen Sie?… Was sollen wir tun?
(McComas.) Vor allem sollten Sie beide, Sie und McNaughtan, das Gutachten eines Advokaten einholen, um zu erfahren, inwieweit McNaughtan durch die Trennungsurkunde gebunden ist. Warum nun nicht dieses Gutachten gelegentlich einer freundschaftlichen (ihr Gesicht wird hart)—oder sagen wir neutralen—Zusammenkunft mit McNaughtan einholen, und zwar am besten sofort? Der Einfachheit und Bequemlichkeit halber schlage ich dieses Hotel vor… Gleich heute abend—was meinen Sie dazu?
(Frau Clandon.) Aber woher sollen wir dieses Gutachten so schnell bekommen?
(McComas.) Es ist beinahe aus den Wolken auf uns herabgefallen. Auf meinem Rückwege von McNaughtan hierher begegnete ich einem hervorragenden Rechtsanwalt, einem Manne, dem ich eine Sache vor Gericht anvertraut habe, die ihn zuerst berühmt gemacht hat. Er bleibt von Samstag bis Montag hier, um Seeluft zu atmen und einen Verwandten, der hier wohnt, zu besuchen. Er war so freundlich, mir sein Erscheinen für den Fall zuzusagen, daß es mir gelänge, eine Zusammenkunft der Parteien zustande zu bringen. Er wird uns mit seinem gewiegten Rat zur Seite stehen.—Lassen Sie uns doch diese Gelegenheit zu einer ruhigen, freundlichen Familienzusammenkunft benützen; gestatten Sie mir, meinen Freund herzubringen, und ich will versuchen, auch McNaughtan zum Kommen zu bewegen. Bitte, stimmen Sie zu! Einverstanden?
(Frau Clandon nach einem Augenblick der Überlegung, bedeutungsvoll:) Finch! ich brauche kein Rechtsgutachten, weil ich die Absicht habe, mich von meinem eigenen Gutachten leiten zu lassen. Ich wünsche nicht, Fergus wieder zu begegnen, weil ich ihn nicht mag und weil ich nicht glaube, daß eine Zusammenkunft irgendwie nützen könnte. (Sie erhebt sich:) Aber da Sie die Kinder überzeugt haben, daß er nicht ganz hoffnungslos ist, tun Sie, was Ihnen beliebt.
(McComas nimmt ihre Hand und schüttelt sie:) Ich danke Ihnen, Frau
Clandon.—Paßt Ihnen neun Uhr?
(Frau Clandon.) Vollkommen.—Phil, klingle, bitte.
(Philip klingelt.) Wenn ich aber angeklagt werden soll, mich mit Herrn Dr. Valentine verschworen zu haben, dann würde es, glaube ich, besser sein, er wäre zugegen.
(Dr. Valentine sich erhebend:) Ich bin ganz Ihrer Ansicht. Ich halte meine Anwesenheit für äußerst wichtig.
(McComas.) Ich glaube, dagegen ist nichts einzuwenden. Ich hege die größten Hoffnungen auf eine glückliche Lösung. Inzwischen leben Sie wohl. (Er gebt hinaus und begegnet dem Kellner, der die Tür für ihn offen hält.)
(Frau Clandon.) Wir erwarten um neun Uhr Besuch, William. Könnten wir nicht schon um sieben Uhr statt um halb acht dinieren?
(Der Kellner an der Tür:) Um sieben, gnädige Frau? Gewiß, gnädige Frau. Es wird sogar eine Erleichterung für uns sein heut abend, wo so viel zu tun ist. Wir haben Konzert, und die Illumination ist zu arrangieren und sonst noch allerlei, gnädige Frau.
(Dolly.) Illumination!
(Philip.) Konzert!—William: was ist denn los?
(Der Kellner.) Heute ist Maskenball, gnädiges Fräulein.
(Dolly und Philip stürzen gleichzeitig auf ihn zu:) Maskenball?!
(Der Kellner.) Jawohl, junger Herr. Der Regatta-Klub gibt das Fest zum Besten des Rettungsbootes. (Zu Frau Clandon:) Wir haben oft solche Abende, gnädige Frau; Lampions im Garten, sehr hübsch, sehr lustig und harmlos—wirklich! (Zu Philip:) Eintrittskarten zu fünf Schilling bekommt man unten im Bureau, junger Herr. Damen in Herrenbegleitung zahlen die Hälfte.
(Philip erfaßt seinen Arm, um ihn fortzuziehen:) Fort ins Bureau,
William!
(Dolly ergreift atemlos seinen andern Arm:) Schnell, bevor alle Karten weg sind! (Sie zerren ihn mit sich weg aus dem Zimmer.)
(Frau Clandon.) Um des Himmels willen, was haben sie vor? (Abgehnd:) Ich muß wirklich nachsehen und sie zurückrufen. (Sie folgt ihnen und spricht im Abgeben weiter.)
(Gloria starrt Dr. Valentine kühl an und sieht dann bedächtig auf ihre
Taschenuhr.)
(Dr. Valentine.) Ich begreife, ich bin schon zu lange dageblieben.
Ich gehe.
(Gloria mit berablassender Förmlichkeit:) Ich muß mich bei Ihnen entschuldigen. Ich bin mir bewußt, etwas scharf… vielleicht grob gegen Sie gewesen zu sein.
(Dr. Valentine.) Durchaus nicht.
(Gloria.) Meine einzige Entschuldigung ist, daß es sehr schwer fällt, jemandem Respekt und Achtung zu bezeugen, dessen würdeloser Charakter weder Respekt noch Achtung fordert.
(Dr. Valentine prosaisch:) Wie kann ein Mann würdevoll auftreten, wenn er verliebt ist?
(Gloria durch Valentines Redensart von ihrem bochtrabenden Stil abgebracht:) Ich verbiete Ihnen, mir solche Dinge zu sagen. Es sind Beleidigungen.
(Dr. Valentine.) Nein—es sind Torheiten. Aber ich kann nichts dafür, ich muß sie begehen.
(Gloria.) Wenn Sie wirklich verliebt wären, würden Sie nicht töricht sein. Liebe verleiht Würde, Ernst, ja sogar Schönheit.
(Dr. Valentine.) Glauben Sie wirklich, daß ich davon schön werden würde? (Sie wendet ihm mit kältester Verachtung den Rücken.) Ah, Sie sehen, daß Sie es nicht ernstlich meinen! Die Liebe kann dem Manne keine neuen Gaben schenken; sie kann nur die Gaben, mit denen er geboren wurde, entwickeln und erhöhen.
(Gloria geht wieder zu ihm hin:) Mit welchen Gaben sind Sie geboren, wenn ich bitten darf?
(Dr. Valentine.) Mit Leichtigkeit des Herzens.
(Gloria.) Und Leichtigkeit des Verstandes—und Leichtigkeit des
Glaubens und Leichtigkeit alles dessen, was einen ganzen Mann ausmacht.
(Dr. Valentine.) Ja, die ganze Welt gleicht jetzt einer Feder, die im
Lichte tanzt—und Gloria ist die Sonne. (Sie erbebt ärgerlich den
Kopf.) Entschuldigen Sie—ich gehe. Um neun bin ich wieder da. Adieu.
(Er läuft lustig hinaus und läßt sie in der Mitte des Zimmers zurück.
Sie starrt ihm nach.)
(Vorhang)
VIERTER AKT
(Das gleiche Zimmer. Neun Uhr. Niemand ist da. Die Lampen sind angezündet, aber die Vorhänge sind nicht zugezogen. Das Fenster steht weit offen, und die Girlanden der Lampions leuchten an den Zweigen der Bäume, darüber ein sternbesäter Himmel. Das Orchester im Garten spielt Tanzmusik, die die Meeresbrandung übertönt.)
(Der Kellner tritt ein und führt McNaughtan und McComas in das Zimmer. McNaughtan sieht ängstlich und gedrückt aus. Er setzt sich müde und mutlos auf die Ottomane.)
(Der Kellner.) Die Damen sind in den Garten gegangen und sehen sich die Masken an. Wenn Sie einstweilen gütigst Platz nehmen wollten—ich werde sie rufen. (Er ist im Begriff, durch die Fenstertür in den Garten zu gehen, als ihn McComas aufhält.)
(McComas.) Halt, einen Augenblick.—Wenn noch ein Herr kommt, führen
Sie ihn unverzüglich herein. Wir warten auf ihn.
(Der Kellner.) Zu Befehl. Darf ich um seinen Namen bitten?
(McComas.) Er heißt Boon. Frau Clandon kennt ihn nicht, er wird Ihnen also vielleicht seine Karte geben. Wenn er es tut, so vergessen Sie nicht, daß sein Name B. O. H. U. N.[*] geschrieben wird.
[Footnote *: Der Name Bohun wird Boon (spr. Bun) ausgesprochen. Es ist ein hocharistokratischer Name, der auf die Abstammung von den normannischen Eroberern hinweist, die im Jahre 1066 nach England gekommen sind. Der Name Boon ist alltäglicher. McComas sagt dem Kellner, daß er einen Herrn Bohun erwartet. Da fällt ihm ein, daß der Herr dem Kellner wahrscheinlich seine Karte für Frau Clandon geben wird, und da er annimmt, daß William nicht wissen dürfte, daß der Name Bohun auf der Karte "Boon" bedeutet, so macht er ihn aufmerksam, wie der Name buchstabiert wird. (Anm. des Übers.)]
(Der Kellner lächelnd:) Da können Sie sich vollkommen auf mich verlassen, gnädiger Herr. Ich heiße selbst Boon, obgleich ich hier fast nur unter dem Namen Balmy Walters bekannt bin. Eigentlich sollte ich auch ein H. U. einfügen; aber es ist besser, wenn ich mir diese Freiheit nicht herausnehme. Meine Name würde dann auf Normannenblut hindeuten, gnädiger Herr—und Normannenblut ist keine Empfehlung für einen Kellner.
(McComas.) Gut, gut. "Treue Herzen sind mehr wert als Adelskronen, und schlichte Ehrlichkeit mehr als Normannenblut."[*]
(Der Kellner.) Das hängt zum großen Teil von der Stellung ab, die man im Leben einnimmt. Wenn Sie Kellner wären, würden Sie bald finden, daß Ehrlichkeit und Treue Ihnen ebensowenig helfen können wie Normannenblut. Ich finde es am zweckmäßigsten, wenn ich meinen Namen B. OO. N. schreibe und meinen Verstand möglichst zusammennehme.—Aber ich halte Sie auf; verzeihen Sie mir—Ihre Leutseligkeit ist selbst schuld daran. Ich werde den Damen sagen, daß Sie hier sind, gnädiger Herr. (Er geht durch die Fenstertür in des Garten hinaus.)
(McComas.) McNaughtan, ich kann mich auf Sie verlassen, nicht wahr?
(McNaughtan.) Ja, ja; ich werde ruhig bleiben; ich werde geduldig sein; ich werde mein Möglichstes tun.
(McComas.) Bedenken Sie, ich habe Sie nicht preisgegeben. Ich habe
Ihrer Familie gesagt, daß sie ganz allein Schuld an allem trüge.
(McNaughtan.) Mir haben Sie gesagt, daß ich einzig und allein der
Schuldige wäre.
(McComas.) Ihnen habe ich die Wahrheit gesagt.
(McNaughtan klagend:) Wenn die Kinder nur gerecht gegen mich sein werden!
(McComas.) Mein lieber McNaughtan, sie werden nicht gerecht gegen Sie sein—in ihrem Alter ist das von ihnen gar nicht zu verlangen. Wenn Sie fortfahren, solche unmögliche Bedingungen zu stellen, dann können wir nur ebensogut gleich wieder nach Hause gehen.
(McNaughtan.) Aber ich habe doch sicher das Recht—
[Footnote *: Ein Zitat aus Tennysons "Lady Clara Vere de Vere."]
(McComas ungeduldig:) Sie werden Ihr Recht nicht durchsetzen.—Jetzt frage ich Sie aber ein für allemal, McNaughtan: sollte Ihr Versprechen, sich gut zu benehmen, nur bedeuten, daß Sie nicht ohne Anlaß aufbrausen würden? In diesem Falle… (Er bewegt sich, als ob er geben wolle.)
(McNaughtan jämmerlich:) Nein nein, lassen Sie mich doch! Ich bin genug herumgestoßen und gequält worden—ich verspreche Ihnen, mein Möglichstes zu tun. Aber wenn dieses Mädchen sich wieder erlauben wird, mit mir so zu sprechen und mich so anzusehen—(Er bricht ab und vergräbt den Kopf in die Hände.)
(McComas beschwichtigend:) Na na, es wird schon alles gut werden, wenn Sie nur dulden und sich gedulden wollen. Nehmen Sie sich zusammen, es kommt jemand.
(McNaughtan ist zu sehr entmutigt und niedergeschlagen, sich viel daraus zu machen, er verändert seine Stellung kaum.)
(Gloria kommt aus dem Garten. McComas geht ihr bis an die Fenstertür entgegen, so daß er zu ihr sprechen kann, ohne von McNaughtan gehört zu werden.)
(McComas.) Hier ist Ihr Vater, Fräulein Clandon. Seien Sie gut zu ihm. Ich will Sie einen Augenblick mit ihm allein lassen. (Er geht in den Garten.)
(Gloria tritt ein und geht kühl bis in die Mitte des Zimmers.)
(McNaughtan blickt sich betroffen um:) Wo ist McComas?
(Gloria gleichgültig, aber nicht unliebenswürdig:) Hinausgegangen, um uns allein zu lassen. Wahrscheinlich aus Zartgefühl. (Sie bleibt neben ihm stehen und siebt ihn sonderbar an:) Nun, Vater?
(McNaughtan eine Art Galgenhumor durchbricht seine Hilflosigkeit:) Nun, Tochter? (Sie betrachten einander einen Augenblick mit melancholischem Humor.
(Gloria.) Reichen wir uns die Hände. (Sie reichen einander die Hände.)
(McNaughtan ihre Hand haltend:) Mein liebes Kind, ich habe mich heute nachmittag leider zu sehr ungehörigen Worten über deine Mutter hinreißen lassen.
(Gloria.) O bitte, entschuldigen Sie sich nicht. Ich bin heute selbst sehr hochmütig und eingebildet gewesen; ich bin seitdem zur Vernunft gekommen—o ja, ich bin zur Vernunft gebracht worden! (Sie setzt sich neben seinen Stuhl auf den Boden.)
(McNaughtan.) Was ist dir zugestoßen, mein Kind?
(Gloria.) O sprechen wir nicht davon! Ich habe mich als die Tochter
meiner Mutter aufgespielt, aber das bin ich nicht. Ich bin die
Tochter meines Vaters. (Sieht ihn an; scherzend:) Das ist ein tiefer
Sturz—nicht wahr?
(McNaughtan ärgerlich:) Was! (Sie behält ihren wunderlichen Ausdruck bei. Er streckt die Waffen:) Nun ja, liebes Kind, ich nehme an, daß du recht hast… es wird wohl so sein. (Sie nickt liebenswürdig.) Ich fürchte, ich bin manchmal etwas reizbar, aber ich weiß immer, was recht und billig ist, selbst wenn ich nicht danach handle… Kannst du das glauben?
(Gloria.) Das glauben?… Das ist doch ganz mein Fall—auf ein Haar! Ich weiß auch stets, was recht ist und meiner würdig und stark und edel—genau so gut, wie sie es weiß. Aber, ach! ich tue Dinge… und ich gestatte anderen Leuten, Dinge zu tun—!
(McNaughtan etwas mürrisch, gegen seinen Willen:) "So gut, wie sie es weiß"… du meinst deine Mutter!…
(Gloria rasch:) Ja, meine Mutter. (Sie wendet sich auf den Knien zu ihm hin und ergreift seine Hände.) Nun hören Sie mich an: keinen Verrat an ihr—kein Wort—keinen Gedanken gegen sie! Sie steht über uns—über Ihnen und mir—himmelhoch über uns!—Sind Sie damit einverstanden?
(McNaughtan.) Ja ja, ganz wie du willst, mein liebes Kind.
(Gloria ist nicht befriedigt, läßt seine Hände los und zieht sich von ihm zurück:) Sie mögen sie nicht?
(McNaughtan.) Mein Kind, du bist nicht mit ihr verheiratet gewesen—aber ich! (Sie steht langsam auf und betrachtet ihn mit wachsender Kälte.) Sie hat mir ein großes Unrecht zugefügt, indem sie mich heiratete, ohne mich wirklich zu lieben.—Aber nachher war alles Unrecht auf meiner Seite, das glaube ich selbst. (Er reicht ihr wieder die Hand.)
(Gloria ergreift sie; fest und warnend:) Nehmen Sie sich in acht—das ist ein gefährliches Thema. Mit meinen Gefühlen, meinen elenden, feigen, weiblichen Gefühlen—kann ich auf Ihrer Seite stehen; aber mit meinem Gewissen stehe ich auf der Seite meiner Mutter.
(McNaughtan.) Ich bin mit dieser Teilung sehr zufrieden, liebes Kind.
Ich danke dir.
(Dr. Valentine tritt ein, Gloria wird sofort vorsätzlich hochmütig.)
(Dr. Valentine.) Entschuldigen Sie, aber es ist mir nicht gelungen, einen Diener zu finden, mich anzumelden. Selbst der unfehlbare William scheint auf dem Maskenball zu sein. Ich wäre auch gern hingegangen, mir fehlen aber die fünf Schillinge für eine Eintrittskarte.—Wie geht es Ihnen, McNaughtan? Besser—was?
(McNaughtan.) Ja, ich bin wieder Herr meiner Sinne, Doktor, ohne Ihnen dafür Dank schuldig zu sein.
(Dr. Valentine.) Was sagen Sie zu Ihrem undankbaren Vater, Fräulein Clandon? Ich habe ihn von einem qualvollen Schmerz befreit, und er beschimpft mich dafür.
(Gloria kalt:) Ich bedaure, daß meine Mutter nicht da ist, Sie zu empfangen; es fehlen noch ein paar Minuten an neun, und der Herr, von dem Herr McComas sprach, der Rechtsanwalt, ist noch nicht gekommen.
(Dr. Valentine.) Doch, doch—ich bin ihm begegnet und habe ihn gesprochen. (Mit lustiger Bosheit:) Der wird Ihnen gefallen, Fräulein Clandon—er ist der Verstand in Person; man kann sein Gehirn förmlich arbeiten hören.
(Gloria ignoriert die Stichelei:) Wo ist er?
(Dr. Valentine.) Er hat sich eine falsche Nase besorgt und ist auf den
Maskenball gegangen.
(McNaughtan knurrig, sieht auf seine Uhr:) Es scheint, daß alle auf diesen Maskenball gegangen sind, statt die festgesetzte Stunde unserer Zusammenkunft einzuhalten.
(Dr. Valentine.) Oh, er wird pünktlich erscheinen—ich traf ihn schon vor einer halben Stunde. Ich mochte ihn nicht um fünf Schillinge anpumpen und ihn begleiten, deshalb schloß ich mich dem Volke an und habe vor dem Gitter so lange zugesehen, bis Fräulein Clandon durch diese Glastür ins Hotel getreten war.
(Gloria.) So weit ist es also gekommen: Sie folgen mir öffentlich, um mich anzustarren?
(Dr. Valentine.) Ja. Man sollte mich anketten. (Gloria wendet ihm den Rücken zu und geht an den Kamin. Er begegnet dieser verachtungsvollen Behandlung mit Gleichgültigkeit und begibt sich auf die entgegengesetzte Seite des Zimmers.)
(Der Kellner erscheint an der Fenstertür und führt Frau Clandon und
McComas herein.)
(Frau Clandon hereineilend:) Ich bedaure unendlich, daß ich Sie alle habe warten lassen!
(Ein majestätischer Fremder, dem ein Domino, eine falsche Nase und eine Schielbrille ein groteskes Aussehen verleihen, erscheint in der Glastür.)
(Der Kellner zu dem Fremden:) Verzeihen Sie, Herr—aber das ist eine Privatwohnung. Wenn Sie erlauben, will ich Ihnen die American-Bar und die Speisesäle zeigen. Hier, wenn ich bitten darf!
(Er tritt in den Garten zurück und zeigt den Weg in der Überzeugung, daß der Fremde ihm folgen werde. Der Riese geht jedoch direkt bis an das Ende des Tisches vor, wo er mit ausdrucksvoller Gemächlichkeit zuerst die falsche Nase und dann den Domino ablegt, die Nase in diesen einrollt und das Bündel auf den Tisch wirft, etwa wie ein Preisboxer seinen Handschuh fortschleudert. Man erkennt jetzt einen starken großen Mann, zwischen Vierzig und Fünfzig. Er ist glattrasiert und von einer Blässe, die durch nächtliches Studium verursacht ist und die durch das steife schwarze Haar, das kurzgeschoren und geölt ist, noch verstärkt wird. Seine Augenbrauen gleichen den Roßhaarmöbeln des früheren Viktorianischen Zeitalters. Er ist ein physisch und geistig grobkörniger, schlauer und mit allen Hunden gehetzter Mensch. Sein Auftreten ist recht imponierend und beunruhigend. Wenn er spricht, so erhöht seine mächtige, drohende Stimme, seine eindrucksvolle Redeweise, seine kräftige unerbittliche Manier und die unterjochende Macht seiner äußerst kritischen Art zuzuhören noch den Eindruck, den er hervorruft, bis zum Furchterregenden.)
(Der Fremde.) Mein Name ist Bohun. (Allgemeine Ehrfurcht.) Habe ich die Ehre, mit Frau Clandon zu sprechen? (Frau Clandon verbeugt sich, Bohun verbeugt sich.) Fräulein Clandon? (Gloria verbeugt sich, Bohun verbeugt sich.) Herr Clandon?
(McNaughtan besteht so ärgerlich, als er es nur immer wagt, auf seinem wahren Namen:) Ich heiße McNaughtan!
(Bohun.) O wirklich? (Ohne weiter von ihm Notiz zu nehmen, wendet er sich zu Dr. Valentine:) Sind Sie Herr Clandon?
(Dr. Valentine, der sich etwas darauf zugute tut, sich nicht imponieren zu lassen:) Sehe ich danach aus?—Ich heiße Valentine. Ich bin der, der ihn betäubt hat.
(Bohun.) Ach so. Dann ist Herr Clandon noch nicht anwesend?
(Der Kellner kommt ängstlich durch die Fenstertür herein:) Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber können Sie mir vielleicht sagen, was aus diesem—(Er erkennt Bohun und verliert seine ganze Selbstbeherrschung. Bohun wartet unbeweglich, bis sich der Kellner wieder gefaßt hat. Nachdem er eine rührende Verwirrung nur Schau getragen hat, rafft er sich soweit auf, Bohun mit schwacher, aber zusammenhängender Stimme anzusprechen:) Entschuldige… warst… warst du das?
(Bohun ohne Gewissensbisse:) Ich war es.
(Der Kellner gebrochen:) Ja. (Unfähig seine Tränen zurückzuhalten:)
*Du* mit einer falschen Nase, Walter! (Er sinkt fast ohnmächtig vor
dem Tisch in einen Stuhl.) Verzeihen Sie, gnädige Frau—ein kleiner
Schwindelanfall.
(Bohun befehlend:) Sie werden ihm verzeihen, Frau Clandon, wenn ich
Ihnen sage, daß er mein Vater ist.
(Der Kellner mit gebrochenem Herzen:) O nein, nein, Walter—dein Vater ein Kellner… und dazu noch die falsche Nase… was werden sie von dir denken!
(Frau Clandon geht zu William hin; dann in der liebenswürdigsten Weise: ) Ich bin entzückt, das zu hören, Herr Justizrat. Ihr Vater ist uns während der ganzen Zeit unseres Hierseins ein sehr guter Freund gewesen. (Bohun verneigt sich ernst.)
(Der Kellner den Kopf schüttelnd:) O nein, gnädige Frau! Sie sind zu gütig—sehr vornehm und gnädig, wahrhaftig! Aber ich fühle mich sehr verlegen, sobald ich nicht in meinem eigenen Tun und Lassen bin… Entschuldigen Sie, daß ich der Vater dieses Herrn bin. Es ist doch schließlich nur der Zufall der Geburt—nicht wahr, gnädige Frau? (Er erhebt sich, schwach:) Bitte, verzeihen Sie, daß ich Sie gestört habe. (Mit nach der Tür gerichteten Augen schleicht er von Stuhl zu Stuhl am Tisch entlang.)
(Bohun.) Einen Augenblick! (Der Kellner hält inne, sein Mut sinkt.) Nicht wahr, Frau Clandon, mein Vater war Zeuge dessen, was sich heute zugetragen hat?
(Frau Clandon.) Ich glaube, ja, größtenteils.
(Bohun.) Dann werden wir ihn brauchen.
(Der Kellner bittend:) Ich hoffe, es wird nicht nötig sein. Ich habe heute abend infolge des Maskenballes sehr viel zu tun—wirklich sehr viel zu tun!
(Bohun unerschütterlich:) Wir werden dich brauchen!
(Frau Clandon höflich:) Bitte, nehmen Sie Platz.
(Der Kellner ernst:) Oh—bitte, bitte, gnädige Frau! Ich darf mich nicht setzen, ich muß eine Grenze ziehen; ich dürfte nicht gesehen werden, wenn ich so etwas täte, gnädige Frau. Ich danke Ihnen trotzdem. (Er blickt mit einem verstörten Gesicht, das ein Herz von Stein rühren müßte, alle Anwesenden der Reibe nach an.)
(Gloria.) Verlieren wir unsere Zeit nicht. William wünscht nur, uns weiter gut bedienen zu dürfen. Ich hätte gern eine Tasse Kaffee.
(Der Kellner wird sichtlich heiterer:) Kaffee, gnädiges Fräulein? (Er stößt einen kleinen Seufzer der Hoffnung aus.) Zu Befehl, gnädiges Fräulein. Das ist sehr zeitgemäß und richtig. (Zu Frau Clandon, furchtsam, aber erwartungsvoll:) Womit kann ich Ihnen dienen, gnädige Frau?
(Frau Clandon.) O ja—es ist hier sehr heiß. Ich glaube, wir könnten eine Rotweinbowle trinken.
(Der Kellner strahlend:) Rotweinbowle, gnädige Frau? Gewiß, gnädige
Frau!
(Gloria.) Oh, dann will ich auch lieber Rotweinbowle statt Kaffee.
Geben Sie etwas Gurke hinein.
(Der Kellner entzückt:) Gurke, gnädiges Fräulein—ja! (Zu Bohun:)
Haben Sie einen besonderen Wunsch, Herr? Sie mögen keine Gurke.
(Bohun.) Wenn Frau Clandon mir gestattet, so nehme ich einen schottischen Whisky mit Soda.
(Der Kellner.) Sehr wohl! (Zu McNaughtan:) Irischen Whisky für
Sie—nicht wahr, Herr McNaughtan? (McNaughtan stimmt mit einem
Grunzen zu. Der Kellner sieht Dr. Valentine fragend an.)
(Dr. Valentine.) Ich mag gern Weinbowle mit Gurke.
(Der Kellner.) Zu Befehl. (Zusammenzählend:) Weinbowle—einen schottigen Whisky mit Soda—und einen irischen.
(Frau Clandon.) Ich glaube, das ist alles.
(Der Kellner wieder er selbst:) Zu Befehl, gnädige Frau—sofort! (Er
tummelt sich durch die Fenstertür hinaus und hat die ganze
Stufenleiter der menschlichen Glückseligkeit in wenig mehr als zwei
Minuten durchlebt.)
(McComas.) Ich glaube, jetzt können wir anfangen.
(Bohun.) Es wäre besser, wir warteten noch auf Frau Clandons Mann!
(McNaughtan.) Wen meinen Sie? Ich bin ihr Mann!
(Bohun schlägt sofort seine Krallen in den Widerspruch, zwischen dieser und der früheren Behauptung:) Sie haben doch eben behauptet, daß Sie McNaughtan heißen!
(McNaughtan.) So heiße ich auch.
/*
(Frau Clandon) ) (alle vier) ( Ich—
(Gloria) ) (sprechen) ( Meine—
(McComas) ) (gleichzeitig:) ( Frau—
(Dr. Valentine)) ( Sie—
*/
(Bohun bringt mit zwei Donnerworten alle zum Schweigen:) Einen Augenblick! (Tödliches Schweigen.) Bitte, erlauben Sie mir. Setzen Sie sich alle! (Sie gehorchen demütig. Gloria nimmt den Satteltaschenstubl vom Kamin. Dr. Valentine schleicht nach der dem Fenster gegenüberstehenden Ottomane, von der aus er Gloria sehen kann. McNaughtan setzt sich mit dem Rücken gegen Dr. Valentine auch auf die Ottomane. Frau Clandon, die sich die ganze Zeit möglichst auf der entgegengesetzten Seite des Zimmers zu schaffen gemacht hat, um McNaughtan auszuweichen, setzt sich in die Nähe der Tür. Links von ihr sitzt McComas. Bohun setzt sich wie ein Richter an die Ecke des Tisches auf der selben Seite wie Frau Clandon. Als sie alle sitzen, fixiert er McNaughtan und beginnt:) Wie es scheint, heißt in dieser Familie der Vater McNaughtan und die Mutter Clandon—wir haben also schon auf der Schwelle unseres Falles ein Element der Verwirrung.
(Dr. Valentine steht auf und spricht zu ihm hinüber, mit einem Knie auf der Ottomane:) Aber das ist doch furchtbar einfach—
(Bohun vernichtet ihn mit seiner Donnerstimme:) Jawohl! Frau Clandon hat einen anderen Namen angenommen—das ist die einleuchtende Erklärung, die selbst herauszufinden Sie mir nicht zutrauen. Sie unterschätzen meinen Verstand, Herr Doktor Valentine!
(Dr. Valentine will protestieren, aber Bobun läßt ihn nicht zu Worte kommen.) Nein: ich will nicht, daß Sie darauf antworten; ich will, daß Sie nachdenken, wenn Sie wieder glauben, mich unterbrechen zu müssen.
(Dr. Valentine niedergedrückt:) Das heißt wirklich, einen
Schmetterling aufs Rad flechten! Was ist denn da weiter dabei?
(Ersetzt sich wieder.)
(Bohun.) Ich will Ihnen sagen, was dabei ist! Es ist dabei, daß—wenn diese Familienzwistigkeit ausgeglichen werden soll, wie wir es alle hoffen—Frau Clandon den Namen ihres Mannes wieder wird annehmen müssen, wie es sich gehört und gesellschaftlich üblich ist.
(Frau Clandons Gesicht nimmt den Ausdruck äußerst entschlossenen Widerstandes an.) Oder Herr McNaughtan wird sich ent-* schließen müssen, sich "Clandon" zu nennen. (McNaughtan sieht fest entschlossen drein, nichts dergleichen zu tun.) Sie halten das zweifellos für eine ganz einfache Angelegenheit, Herr Doktor. (Er sieht erst Frau Clandon und dann McNaughtan scharf an.) Ich bin anderer Ansicht! (Er wirft sich in seinen Stuhl zurück und runzelt heftig die Stirn.)
(McComas furchtsam:) Ich glaube, wir sollten vielleicht lieber erst damit anfangen, die wichtigsten Fragen zur Sprache zu bringen.
(Bohun.) McComas, die wichtigsten Fragen werden uns keinerlei Schwierigkeiten machen—das tun sie niemals. Die Kleinigkeiten sind es, die den Schiffbruch noch im Hafen verursachen. (McComas sieht drein, als ob er dies für ein Paradoxon hielte.) Sie sind nicht meiner Ansicht—was?
(McComas schmeichelnd:) Wenn ich es wäre—
(Bohun ihn unterbrechend:) Wenn Sie es wären, so würden Sie sein, was ich bin, anstatt das zu sein, was Sie sind.
(McComas unterwürfig:) Gewiß, lieber Justizrat, Ihre Spezialität—
(Bohun unterbricht ihn wieder:) Meine Spezialität ist es, recht zu haben, wenn andere Leute unrecht haben. Wenn Sie meiner Ansicht wären, dann würde ich hier unnütz sein. (Er nickt ihm zu, wie um die Sache abzufertigen, und wendet sich dann plötzlich und heftig an McNaughtan: ) Nun, und Sie, Herr McNaughtan? Welcher Punkt dieser Angelegenheit liegt Ihnen am meisten am Herzen?
(McNaughtan beginnt langsam:) Ich möchte in dieser Sache allen
Egoismus beiseite lassen—
(Bohun unterbricht ihn:) Das tun wir alle, Herr McNaughtan. (Zu Frau
Clandon:) Sie wollen doch auch allen Egoismus beiseite lassen, Frau
Clandon?
(Frau Clandon.) Ja. Schon mein Hiersein zeigt, daß ich mich nicht an meine eigenen Gefüllte kehre.
(Bohun.) Das tun Sie wohl ebensowenig, Fräulein Clandon—nicht wahr?
(Gloria.) Gewiß nicht.
(Bohun.) Ich dacht' es mir. Das tun wir alle nicht.
(Dr. Valentine.) Mich ausgenommen. Meine Absichten sind egoistisch.
(Bohun.) Das sagen Sie, weil Sie glauben, daß eine Pose der Aufrichtigkeit auf Fräulein Clandon einen besseren Eindruck machen wird, als eine Pose der Interesselosigkeit. (Dr. Valentine ist durch diese treffende Bemerkung vollkommen entdeckt und vernichtet. Er nimmt seine Zuflucht zu einem schwachen, wortlosen Lächeln. Bobun, zufrieden, jetzt alle Auflehnung vollständig unterjocht zu haben, wirft sich mit einer Miene in seinen Stuhl zurück, als wäre er nun bereit, alle Wünsche der Parteien geduldig anzuhören.) Nun, Herr McNaughtan, beginnen Sie. Es ist abgemacht: aller Egoismus wird beiseite gelassen! Die Menschen beginnen immer damit, das vorauszuschicken.
(McNaughtan.) Aber ich meine es wirklich so, Herr Justizrat.
(Bohun..) Gewiß. Jetzt zu Ihrer Sache!
(McNaughtan.) Es handelt sich um die Kinder. Jeder vernünftige Mensch wird zugeben, daß das selbstlos ist.
(Bohun.) Nun, was ist's mit den Kindern?
(McNaughtan mit Ergriffenheit:) Sie haben—
(Bohun fällt wieder über ihn her:) Halt! Sie sind im Begriff, von
Ihren Gefühlen zu sprechen—tun Sie das nicht! Ich sympathisiere mit
Ihren Gefühlen, aber sie haben nichts mit meinem Geschäft zu tun.
—Sagen Sie uns genau, was Sie verlangen. Das ist es, was wir wissen
müssen.
(McNaughtan unbehaglich:) Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten,
Herr Justizrat.
(Bohun.) Gut, ich will Ihnen helfen. Was haben Sie gegen die gegenwärtige Lage Ihrer Kinder einzuwenden?
(McNaughtan.) Ich verwahre mich gegen die Erziehung, die sie genossen haben! (Frau Clandons Stirn legt sich in bedrohliche Falten.)
(Bohun.) Und was schlagen Sie vor—das geschehen soll, um das jetzt zu ändern?
(McNaughtan.) Ich meine, daß sie sich ruhiger, einfacher kleiden sollten.
(Dr. Valentine.) Unsinn!
(Bohun wirft sich, durch diese Unterbrechung empört, sofort in seinen
Stuhl zurück:) Ich warte. Wenn Sie fertig sind… Herr Doktor. Wenn
Sie ganz fertig sind!
(Dr. Valentine.) Was haben Sie gegen Fräulein Clandons Kleidung einzuwenden?
(McNaughtan hitzig zu Dr. Valentine:) Meine Ansicht ist ebenso wichtig wie die Ihre!
(Gloria warnend:) Vater!
(McNaughtan gibt kläglich nach:) Dich hab' ich ja nicht gemeint, meine Liebe! (Er wendet sich mit ernster Dringlichkeit zu Bohun:) Aber die beiden jüngeren Geschwister! Sie haben sie nicht gesehen, Herr Justizrat… wahrhaftig, ich bin überzeugt, Sie wären auch der Ansicht, daß in der Art, wie die sich kleiden, etwas sehr Auffallendes, beinahe Herausforderndes und Frivoles liegt.
(Frau Clandon ungeduldig:) Glaubst du, daß ich ihnen ihre Kleider aussuche? Das ist wirklich kindisch!
(McNaughtan erhebt sich wütend:) Kindisch!…
(Frau Clandon steht entrüstet auf.)
/* (McComas) ) (McNaughtan, Sie ) (alle erbeben sich (haben versprochen— (Dr. Valentine) ) und sprechen (Lächerlich, sie ) gleichzeitig:) (kleiden sich reizend! (Gloria) ) (Bitte, wollen wir uns (nicht vernünftig (benehmen? */
(Lärm. Plötzlich hören sie ein warnendes Gläserklirren aus dem hinter ihnen gelegenen Zimmer. Sie wenden sich schuldbewußt um und sehen, daß der Kellner eben aus dem Gartenschank zurückgekehrt ist und sein Servierbrett erklingen läßt. Während er damit behutsam an den Tisch kommt, wird es totenstill.)
(Der Kellner zu McNaughtan, ein hohes Glas beiseite auf den Tisch stellend:) Ihr irischer Whisky, gnädiger Herr. (McNaughtan setzt sich ein wenig beschämt. Der Kellner stellt einen anderen Kelch und ein Siphon auf den Tisch beiseite und sagt zu Bohun:) Schottischer Whisky mit Soda für den Herrn Rechtsanwalt. (Bohun winkt ungeduldig mit der Hand. Der Kellner setzt eine große Bowle in die Mitte des Tisches.) Die Weinbowle.
(Alle nehmen ihre Plätze wieder ein. Es herrscht Frieden.)
(Frau Clandon demütig zu Bohun:) Ich fürchte, wir haben Sie unterbrochen, Herr Justizrat.
(Bohun ruhig:) Das haben Sie. (Zum Kellner, der binausgeht:) Warten
Sie einen Augenblick.
(Der Kellner.) Gern. Womit kann ich dienen? (Er stellt sich hinter
Bohuns Stuhl.)
(Frau Clandon zum Kellner:) Entschuldigen Sie, daß wir Sie aufhalten.
Der Herr Justizrat wünscht es.
(Der Kellner, der sich jetzt ganz wohl fühlt:) Aber, gnädige Frau—durchaus nicht, es ist mir ein Vergnügen, der Gedankenarbeit seines geübten und mächtigen Geistes folgen zu dürfen—das ist sehr anregend, sehr unterhaltend und lehrreich—wahrhaftig, gnädige Frau!
(Bohun nimmt den Gang der Ferhandlung wieder auf:) Nun, Herr
McNaughtan, wir warten auf Sie! Ziehen Sie Ihren Einwand gegen die
Kleidung Ihrer Kinder zurück oder beharren Sie dabei?
(McNaughtan erörternd:) Herr Justizrat, versetzen Sie sich einen Augenblick in meine Lage: ich habe nicht nur an mich allein zu denken—da ist meine Schwester Sophronia und mein Schwager—und ihr ganzer Kreis. Sie haben einen großen Abscheu vor allem, was nur irgendwie—nur irgendwie—nun…
(Bohun.) Na, heraus damit!… Ausgelassen?—laut? bunt?
(McNaughtan.) Ja. Ich meine das natürlich in keinem ruchlosen Sinne—aber—aber (verzweifelt damit herausplatzend:) die beiden Kinder würden meine Leute durch ihr Auftreten abstoßen! Sie passen nicht zu ihren eigenen Verwandten. Das ist es, worüber ich mich beklage!
(Frau Clandon mit unterdrücktem Zorn:) Herr Dr. Valentine, haben Sie irgend etwas Ausgelassenes oder Vorlautes an Phil und Dolly bemerkt?
(Dr. Valentine.) Ganz gewiß nicht! Das ist der reinste Unsinn.
Nichts kann geschmackvoller sein.
(McNaughtan.) Ja, Sie finden das natürlich geschmackvoll!
(Frau Clandon.) William, Sie sehen eine Menge Menschen aus der guten englischen Gesellschaft: sind meine Kinder auffallend und überladen gekleidet?
(Der Kellner versichernd:) O durchaus nicht, gnädige Frau! (Überzeugend:) O nein, gnädiger Herr, durchaus nicht! Hübsch und geschmackvoll, ohne Zweifel—aber dabei sehr gewählt und nobel—sehr fein und hochklassig! Wahrhaftig, es könnten Sohn und Tochter eines Dechanten sein, gnädiger Herr. Man braucht sie nur anzusehen, nur zu—(In diesem Augenblick wirbeln ein Harlekin und eine Kolombine ins Zimmer, die zu der Musik im Garten, die eben den Schluß eines Walzers spielt, tanzen. Das Kleid des Harlekin besteht aus abwechselnden Vierecken (I Zoll im Quadrat) von türkisblauer und goldfarbener Seide, seine Pritsche ist vergoldet und seine Maske aufgeschlagen. Der Rock der Kolombine gleicht einem Feld im Herbst, orangegolden und mohnblumenrot; eine winzige Samtjacke stellt die Staubfäden der Mohnblume vor.—Sie schwirren zwischen McComas und Bohun herein, ein erlesenes, blendendes Paar, und dann zurück in einem Kreis bis an das Ende des Tisches hin, wo sie, da der letzte Walzertakt eben verklingt, in der Mitte der Gesellschaft ein lebendes Bild stellen: Harlekin beugt sein linkes Knie und Kolombine steht auf seinem rechten Knie mit über den Kopf gebogenen Armen. Im Gegensatz zu ihrem Tanz, der reizend graziös war, ist diese Pose keine sehr glückliche und droht mit einer Katastrophe zu enden.)
(Die Kolombine schreiend:) Hebt mich herunter! Ich werde gleich fallen! Papa, heben Sie mich herunter!
(McNaughtan läuft ängstlich zu ihr hin und ergreift sie an den Händen:
) Mein Kind!
(Dolly springt mit seiner Hilfe herunter:) Danke schön, das war lieb von Ihnen. (Philip schiebt seine Pritsche in seinen Gürtel, setzt sich auf den Rand des Tisches und schenkt etwas Weinbowle ein.)
(McNaughtan geht sehr verblüfft an die Ottomane zurück.) Oh, war das lustig! O Gott! (Sie setzt sich mit einem Satz auf die Tischkante; keuchend:) Oh, Weinbowle! (Sie trinkt.)
(Bohun mit mächtiger Stimme:) Das ist die jüngere Dame, nicht wahr?
(Dolly gleitet vom Tische herunter; geängstigt von Bohuns mächtiger
Stimme und seinem Benehmen:) Ja. Bitte, wer sind Sie?
(Frau Clandon.) Das ist Herr Justizrat Bohun, Dolly. Er war so freundlich, heute abend zu uns zu kommen, um uns zu helfen.
(Dolly.) Oh, dann wollen wir seinen Eintritt segnen—
(Philip.) Sch!
(McNaughtan.) Herr Justizrat—McComas! ich wende mich an euch! Ist das in Ordnung? Würden Sie die Familie meiner Schwester tadeln, wenn sie sich dagegen verwahrte?
(Dolly errötet; drohend:) Fangen Sie also schon wieder an?
(McNaughtan versöhnlich:) Nein, nein—es ist in deinem Alter vielleicht selbstverständlich.
(Dolly hartnäckig:) Lassen Sie mein Alter aus dem Spiel!—Ob mein
Kleid hübsch ist, will ich wissen!
(McNaughtan.) Ja, liebes Kind—ja—(Er setzt sich mit Zeichen der
Unterwerfung.)
(Dolly nachdrücklich:) Gefällt es Ihnen?
(McNaughtan.) Mein Kind, wie kannst du nur glauben, daß mir das gefällt oder daß ich damit einverstanden bin?
(Dolly entschlossen ihn nicht auszulassen:) Wie können Sie es hübsch finden und es dann nicht leiden mögen?
(McComas erhebt sich ärgerlich und entrüstet:) Wahrhaftig, ich muß sagen—
(Bohun, der Dolly mit der größten Zustimmung angehört hat, macht sich sofort über ihn her:) Still, unterbrechen Sie nicht, McComas! Die Methode der jungen Dame ist vollkommen richtig! (Zu Dolly mit furchtbarem Nachdruck:) Fahren Sie fort zu fragen, Fräulein Clandon,… fahren Sie fort, rasch!
(Dolly.) Aber Sie sind ein regelrechter Gewaltmensch! Gehen Sie immer so vor?
(Bohun erhebt sich:) Jawohl. Versuchen Sie nicht, mich aus dem Text zu bringen, mein Fräulein! Sie sind zu jung dazu. (Er nimmt den Stuhl des McComas, der neben Frau Clandons Stuhl siebt, und stellt ihn neben seinen eigenen.) Setzen Sie sich! (Dolly gehorcht wie bezaubert, und Bohun setzt sich wieder. McComas, seines Stuhles beraubt, holt sich einen anderen, der zwischen dem Tisch und der ottomane steht:) Nun, Herr McNaughtan, die Tatsachen stehen vor Ihnen—alle beide. Sie glauben zwar, daß Sie Ihre beiden jüngsten Kinder gern bei sich hätten, aber das würde Ihnen gar nicht gefallen—(McNaughtan versucht zu protestieren, aber Bohun gibt das unter keinen Umständen zu:) Nein, das gefiele Ihnen gar nicht. Sie glauben zwar, daß Sie das gern hätten, aber ich weiß das besser als Sie. Sie verlangen, daß diese junge Dame aufhört, sich des Abends wie eine Bühnen-Kolombine und des Morgens wie eine moderne Kolombine zu kleiden… nun, sie wird das nie tun—niemals! Sie glaubt, sie wird es einmal tun, aber—
(Dolly ihn unterbrechend:) Nein, das glaube ich auch nicht! (Entschlossen:) Ich werde es niemals aufgeben, mich hübsch zu kleiden—niemals! Wie Gloria zu jenem Mann in Madeira gesagt hat: nie—nie—nie, so lange Gras wächst und Wasser fließt!
(Dr. Valentine erhebt sich in furchtbarer Aufregung:) Was?… was?!… (Er beginnt sehr rasch zu sprechen:) Wann hat sie das gesagt?… Zu wem hat sie das gesagt?
(Bohun wirft sich in einen Stuhl, mit intensivem, mitleidigem Protest:
) Herr Doktor Valentine—
(Dr. Valentine hitzig:) Unterbrechen Sie mich nicht! Dies ist etwas sehr Ernstes! Ich muß wissen, zu wem Fräulein Clandon das gesagt hat—ich bestehe darauf!
(Dolly.) Vielleicht erinnert sich Phil. Welche Nummer war es? Numero drei oder Numero fünf?
(Dr. Valentine.) Numero fünf!!!!
(Philip.) Mut, Doktor, es war noch nicht Numero fünf. Es war nur ein zahmer Seeoffizier, der immer bei der Hand war—der geduldigste und harmloseste Mensch von der Welt.
(Gloria kalt:) Was wird jetzt erörtert, wenn ich fragen darf?
(Dr. Valentine mit rotem Kopf:) Entschuldigen Sie… ich bedaure, gestört zu haben. Ich will Sie nicht länger belästigen, Frau Clandon. (Er verneigt sich vor Frau Clandon und geht, kochend vor unterdrückter Wut, rasch durch die Fenstertür in den Garten.)
(Dolly.) Hm hm…
(Philip.) Aha!
(Gloria.) Bitte, fahren Sie fort, Herr Justizrat.
(Dolly dazwischenfahrend, als Bohun die Stirn furchtbar runzelt und sich zusammenrafft, zu einem neuerlichen Ringen mit dem Fall:) Sie wollen uns einschüchtern, Herr Justizrat.
(Bohun.) Ich—
(Dolly ihn unterbrechend:) O ja, das wollen Sie! Sie glauben, daß es nicht so ist—aber es ist so. Ich sehe es an Ihrem Stirnrunzeln.
(Bohun nachgebend:) Frau Clandon, ich erkenne aus freien Stücken an, daß Sie kluge, hellköpfige, gut erzogene Kinder haben… wollen Sie mir dafür das Mittel angeben, das sie dazu bringen kann, den Mund zu halten?
(Frau Clandon.) Dolly! liebste Dolly—!
(Philip.) Unsere alte Unart, Dolly! Ruhe! (Dolly hält sich den Mund.)
(Frau Clandon.) Nun, Herr Justizrat, bevor Sie wieder anfangen…
(Der Kellner leise:) Beeilen Sie sich—rasch!
(Dolly ihm zublinzelnd:) Lieber William!
(Philip.) Sch!
(Bohun platzt gegen Dolly plötzlich ganz unerwartet mit einer Frage los:) Haben Sie die Absicht, sich zu verheiraten?
(Dolly.) Ich!… Nun, Finch nennt mich mit meinem Vornamen…
(McComas.) Was soll das heißen?—Herr Justizrat, natürlich spreche ich die junge Dame als alter Freund ihrer Mutter bei ihrem Vornamen an.
(Dolly.) Ja. Sie nennen mich als alter Freund meiner Mutter "Dolly". Aber warum nennen Sie mich "Dorothee-ee-a?" (Mc Comos erhebt sich entrüstet.)
(McNaughtan erhebt sich ängstlich, um ihn zurückzuhalten:) Beherrschen
Sie sich, McComas. Wir wollen nicht heftig werden—haben Sie Geduld.
(McComas.) Ich will keine Geduld haben! Sie tragen die beklagenswerteste Charakterschwäche zur Schau, mein lieber McNaughtan! Ich finde das einfach unerhört!
(Dolly.) Herr Justizrat, bitte, schüchtern Sie Finch ein wenig für uns ein.
(Bohun.) Das will ich.—McComas, Sie machen sich lächerlich. Setzen
Sie sich!
(McComas.) Ich—
(Bohun winkt ihm gebieterisch, sich zu setzen:) Nein, setzen Sie sich—setzen Sie sich! (McComas setzt sich verdrießlich nieder, und McNaughtan folgt sehr erleichtert seinem Beispiel.)
(Dolly zu Bohun demütig:) Ich danke Ihnen.
(Bohun.) Nun hören Sie mich alle an. Ich enthalte mich jeder Meinung darüber, McComas, wie weit Sie sich in der durch die junge Dame angegebenen Richtung eingelassen oder nicht eingelassen haben. (McComas ist im Begriff zu protestieren.) Nein, unterbrechen Sie mich nicht!—Wenn sie Sie nicht heiratet, heiratet sie einen andern; das ist die beste Lösung der Schwierigkeit, die dadurch entsteht, daß sie nicht den Namen ihres Vaters trägt.—Die andere Dame hat die Absicht, sich zu verheiraten.
(Gloria errötend:) Herr Justizrat!
(Bohun.) Doch, Sie haben die Absicht. Sie wissen es nicht, aber es ist so.
(Gloria erhebt sich:) Halt! Hüten Sie sich davor, Herr Justizrat, für meine Absichten einzustehen.
(Bohun erhebt sich:) Es hat keinen Zweck, Fräulein Clandon. Sie werden mich nicht unterkriegen. Ich sage Ihnen, daß Ihr Name bald weder Clandon noch McNaughtan lauten wird. Und wenn ich wollte, könnte ich Ihnen sagen, wie er lauten wird. (Er geht an das andere Ende des Tisches, rollt seinen Domino auf und legt die falsche Nase auf den Tisch. Da er sich erhebt, erheben sich alle, und Philip geht an das Fenster. Bohun gibt dem Kellner durch eine Bewegung zu verstehen, daß er ihm beim Anziehen des Dominos helfen soll.) Herr McNaughtan, Ihre Absicht, die Gesetze anzurufen, ist Unsinn. Ihre Kinder werden alle majorenn sein, bevor Sie eine Entscheidung erreichen können.
(Indem er dem Kellner erlaubt, den Domino um seine Schultern zu legen: ) Ich kann Ihnen nur raten, ein freundschaftliches Übereinkommen zu treffen. Wenn Sie Ihre Familie nötiger haben als Ihre Familie Sie, dann werden Sie bei diesem Übereinkommen allerdings schlecht wegkommen; —wenn Ihre Familie Sie aber nötiger hat als umgekehrt, dann werden Sie schon besser wegkommen. (Er schüttelt den Domino, so daß er in Falten fällt, und ergreift die falsche Nase. Dolly starrt ihn bewundernd an.) Die Sache liegt für Ihre Angehörigen insoweit günstig, als sie alle persönlich sehr angenehme Menschen sind. Und Ihre Stärke, Herr McNaughtan, liegt in Ihrem Einkommen. (Er stülpt die falsche Nase auf und ist wieder in grotesker Weise verwandelt.)
(Dolly auf ihn zulaufend:) Oh, jetzt sehen Sie ganz menschlich aus!
Ich möchte mit Ihnen tanzen—ein einzigesmal! Können Sie tanzen?
(Philip nimmt seine Harlekinrolle wieder auf und bewegt seine Pritsche,
als wenn er Bohun und Dolly bezaubern wollte.)
(Bohun mit Donnerstimme:) Ja, Sie glauben, daß ich nicht tanzen kann—aber ich kann es. Kommen Sie! (Er packt sie und tanzt mit ihr durch die Fenstertür in gewaltsamer Weise, aber mit beflissener Sicherheit und Anmut hinaus. Inzwischen stellt der Kellner geschäftig die Stühle an ihre gewöhnlichen Plätze zurück.)
(Philip.) "Auf! Bis zum Morgen tanzt und trink und minnt"[*]—William!
[Footnote *: Byrons "Childe Harold" Canto III Strophe 22. (Anm. des
Übers.)]
(Der Kellner.) Zu dienen, junger Herr?
(Philip.) Können Sie meinem Vater und Herrn McComas zwei Dominos und zwei falsche Nasen verschaffen?
(McComas.) Was fällt Ihnen ein—ich verwahre mich dagegen—
(McNaughtan.) Nicht doch! Was ist denn da weiter dabei? Nur einmal,
McComas! Wir wollen doch keine Spielverderber sein.
(McComas.) McNaughtan, Sie sind nicht der Mann, für den ich Sie gehalten habe. (Scharf:) Tyrannen sind immer Feiglinge. (Er geht angewidert zur Fenstertür.)
(McNaughtan folgt ihm:) Na, nichts für ungut! Wir müssen ihnen etwas zugute halten.—Können Sie uns irgendeinen Umhang verschaffen, Kellner?
(Der Kellner.) Gewiß, gnädiger Herr. (Er folgt ihnen an die
Fenstertür und bleibt dort stehen, um die Herren vorausgehen zu lassen.
) Hier bitte—Sie wünschen Dominos und Nasen?
(McComas ärgerlich im Abgehen:) Ich werde meine eigene Nase tragen.
(Der Kellner schmelzend:) Selbstverständlich, gnädiger Herr: die falsche Nase wird ganz leicht darüber gehen. Es ist viel Platz dafür, gnädiger Herr—viel Platz! (Er geht hinter McComas hinaus.)
(McNaughtan wendet sich an der Fenstertür nach Phil um mit einem Versuch zu gemütlicher Väterlichkeit:) Komm, mein Junge, komm! (Er geht.)
(Philip folgt ihm heiter:) Ich komme schon, Papachen, ich komme schon! (An der Schwelle der Fenstertür hält er inne, blickt McNaughtan nach, wendet sich dann phantastisch mit seiner um seinen Kopf wie einen Heiligenschein gebogenen Pritsche um und sagt mit gedämpfter Stimme zu Frau Clandon und Gloria:) Habt ihr das Ergreifende dieser Worte empfunden? (Er verschwindet.)
(Frau Clandon mit Gloria allein:) Warum ist Doktor Valentine so plötzlich fortgegangen? Das verstehe ich nicht.
(Gloria verdrießlich:) Ich weiß nicht.—Doch—ich weiß es. Komm, sehen wir ein wenig dem Tanz zu. (Sie gehen nach der Fenstertür zu und begegnen Dr. Valentine, der vom Garten mit raschen Schritten hereinkommt, mit mürrischem Gesicht und bewölkter Stirn.)
(Dr. Valentine steif:) Entschuldigen Sie. Ich dachte, die
Gesellschaft wäre schon auseinandergegangen.
(Gloria nörgelnd:) Warum sind Sie dann zurückgekommen?
(Dr. Valentine.) Ich bin zurückgekommen, weil ich kein Geld bei mir habe und dort ohne ein Fünf-Schilling-Billett nicht hinausgelassen werde.
(Frau Clandon.) Hat Sie hier irgend etwas verletzt, Herr Doktor?
(Gloria.) Kümmere dich nicht um ihn, Mutter. Das soll eine neue
Beleidigung für mich sein—weiter nichts.
(Frau Clandon kaum fähig, sich vorzustellen, daß Gloria wohlüberlegt einen Wortwechsel heraufbeschwören könnte:) Gloria!
(Dr. Valentine.) Frau Clandon, habe ich irgend etwas Beleidigendes gesagt?… Habe ich irgend etwas Beleidigendes getan?
(Gloria.) Sie haben stillschweigend zu verstehen gegeben, daß meine
Vergangenheit der Ihrigen gleicht—das ist die allerschwerste
Beleidigung.
(Dr. Valentine.) Ich habe nichts dergleichen zu verstehen gegeben. Ich behaupte, daß meine Vergangenheit, mit der Ihren verglichen, tadellos gewesen ist.
(Frau Clandon äußerst entrüstet:) Herr Doktor!
(Dr. Valentine.) Na, was soll ich mir dabei denken, wenn ich erfahren muß, daß Fräulein Clandon andern Männern genau dieselben Reden gehalten hat wie mir—wenn ich von mindestens fünf früheren Liebhabern hören muß und einem zahmen Seeoffizier noch dazu! Oh, das ist zu arg!
(Frau Clandon.) Aber Sie glauben doch sicher nicht, daß diese Dinge ernst gewesen sind—harmlose Scherze von Kindern—Herr Doktor?
(Dr. Valentine.) Ihnen sind es vielleicht Scherze—vielleicht auch ihr. Aber ich weiß, was die Betroffenen dabei gelitten haben. (Mit possierlich echtem Ernst:) Haben Sie jemals an die vernichteten Existenzen gedacht—an die Ehen, die in der Rücksichtslosigkeit der Verzweiflung geschlossen wurden—an die Selbstmorde—die—die—die—
(Gloria unterbricht ihn verachtungsvoll:) Mutter, dieser Mensch ist ein sentimentaler Esel! (Sie rauscht fort an den Kamin.)
(Frau Clandon empört:) Oh, meine teuerste Gloria! Der Herr Doktor wird das grob finden.
(Dr. Valentine.) Ich bin kein sentimentaler Esel mehr! Ich bin für immer von jeder Sentimentalität geheilt. (Er setzt sich zornig.)
(Frau Clandon.) Sie müssen uns allen verzeihen, Herr Doktor. Die Frauen müssen die falschen guten Manieren ihres Sklaventums erst verlernen, bevor sie sich die echten guten Manieren ihrer Freiheit aneignen können.—Halten Sie Gloria nicht für gemein. (Gloria wendet sich erstaunt um.) Sie ist es wirklich nicht.
(Gloria.) Mutter, du entschuldigst mich bei *ihm*!
(Frau Clandon.) Mein Kind, du hast manchen Fehler der Jugend und auch manchen ihrer Vorzüge, und Herr Doktor Valentine hat wohl zu altmodische Ideen über sein eigenes Geschlecht, als daß er sich gern einen Esel nennen ließe.—Aber wollen wir jetzt nicht lieber nachsehen, was Dolly anstellen mag? (Sie gebt an die Fenstertür. Dr. Valentine erhebt sich.)
(Gloria.) Geh du ohne mich, Mutter. Ich habe mit Herrn Doktor
Valentine ein Wort allein zu sprechen.
(Frau Clandon überrascht, will sich dagegen verwahren:) Meine liebe Gloria… (Sich besinnend:) Entschuldige—selbstverständlich, wenn du es wünschest. (Sie verneigt sich gegen Dr. Valentine und geht hinaus.)
(Dr. Valentine.) Oh, warum ist Ihre Mutter nicht Witwe—sie ist sechsmal so viel wert als Sie!
(Gloria.) Nun höre ich endlich das erste Wort aus Ihrem Munde, das
Ihnen Ehre macht.
(Dr. Valentine.) Unsinn! Nun—sagen Sie mir, was Sie mir zu sagen haben, und lassen Sie mich gehen.
(Gloria.) Ich habe Ihnen nur das eine zu sagen: Sie haben mich heute nachmittag einen Augenblick auf Ihr Niveau herabgedrückt. Glauben Sie, daß ich nicht auf meiner Hut gewesen sein würde, wenn mir das schon einmal passiert wäre, daß ich nicht gewußt hätte, was kommen würde, und meine eigene elende Schwäche gekannt hätte?
(Dr. Valentine sie leidenschaftlich auszankend:) Sprechen Sie nicht in dieser Weise darüber! Was liegt mir an Ihren inneren Eigenschaften mit Ausnahme von Ihrer Schwäche, wie Sie das nennen? Sie haben sich für sehr sicher gehalten—nicht wahr?—Verschanzt hinter Ihren fortschrittlichen Ideen! Es hat mir Spaß gemacht, die ziemlich leicht über den Haufen zu werfen.
(Gloria dreist, da sie fühlt, daß sie jetzt mit ihm machen kann, was sie will:) Wirklich?
(Dr. Valentine.) Aber aus welchen Gründen habe ich das getan?—Weil es mich gereizt hat, Ihr Herz zu wecken, die Tiefen in Ihnen aufzuwühlen. —Und warum hat mich das gereizt? Weil meine Natur es bitter ernst mit mir gemeint hat, als ich mit ihr nur zu scherzen meinte… Wer von uns beiden ist erwacht, wie dann der große Augenblick gekommen war—wer wurde aufgewühlt in seinen tiefsten Tiefen?… Ich! Ich! —Ich wurde hingerissen. Sie waren nur beleidigt… empört! Sie sind nur eine ganz alltägliche junge Dame—zu alltäglich, um zahmen Seeoffizieren zu erlauben, so weit zu gehen, wie ich heute ging… weiter nichts. Ich will Sie nicht mit den üblichen Entschuldigungen behelligen.—Leben Sie wohl. (Er geht entschlossen zur Tür.)
(Gloria.) Bleiben Sie! (Er zögert.) Aber wollen Sie auch verstehen, daß ich Ihnen durchaus nicht entgegenkomme, wenn ich Ihnen jetzt die Wahrheit sage?
(Dr. Valentine.) Pah! Ich weiß, was Sie mir jetzt sagen wollen. Sie glauben, daß Sie nicht alltäglich sind—daß ich recht hatte—daß jene Tiefen in Ihrer Natur dennoch vorhanden sind… Es schmeichelt Ihnen, das zu glauben. (Sie weicht zurück.) Nun, ich gebe zu, daß Sie in einer Hinsicht nicht alltäglich sind: Sie sind ein gescheites Mädchen. (Gloria unterdrückt einen Wutschrei und gebt ihm drohend einen Schritt entgegen.) Aber Sie sind noch nicht erweckt worden. Ich war Ihnen gleichgültig… ich bin Ihnen gleichgültig… meine Tragödie ist es gewesen, nicht die Ihre. Leben Sie wohl! (Er wendet sich nach der Tür; sie beobachtet ihn, entsetzt darüber, daß er ihrer Macht entschlüpft. Die Türklinke in der Hand, hält er inne, wendet sich dann wieder Gloria zu und reicht ihr die Hand.) Wir wollen als Freunde auseinandergehen.
(Gloria außerordentlich erleichtert, kehrt ihm mit größter
Absichtlichkeit den Rücken:) Adieu.—Ich hoffe, Sie werden von Ihrer
Wunde bald genesen.
(Dr. Valentine mit Freude, da er erkennt, daß er doch schließlich Herr der Situation ist:) Gewiß werde ich das—solche Wunden heilen, ohne zu schmerzen. Schließlich kann mir meine Gloria doch niemand rauben.
(Gloria sieht ihm rasch ins Gesicht:) Was meinen Sie?
(Dr. Valentine.) Die Gloria meiner Einbildung.
(Gloria stolz:) Behalten Sie diese Gloria—die Gloria Ihrer Einbildung. (Ihre Erregung beginnt stärker durch ihren Stolz hindurchzubrechen.) Die wirkliche Gloria, die empörte…die beleidigte…die entsetzte—jawohl!—die vor Scham fast zum Wahnsinn gebrachte, als sie erfuhr, daß all ihre Selbstbeherrschung niederbrechen konnte bei der ersten Begegnung mit—mit—(Ihr Gesicht errötet wieder über und über, sie bedeckt es mit ihrer linken Hand und ihre Rechte legt sie auf Dr. Valentines linken Arm, um sich zu stützen.)
(Dr. Valentine.) Nehmen Sie sich in acht—ich bin schon wieder nahe dran, den Verstand zu verlieren! (Sie nimmt allen ihren Mut zusammen und läßt die Hand, die ihr Gesicht bedeckt, auf Dr. Valentines rechte Schulter fallen, wobei sie sich ihm zuwendet und ihm gerade in die Augen schaut. Er beginnt auf-*) *(geregt zu protestieren:) Gloria, seien Sie vernünftig—es hat ja keinen Zweck—ich habe keinen Heller!
(Gloria.) Können Sie denn keinen verdienen? Andere Leute können es doch.
(Dr. Valentine halb entzückt, halb erschrocken:) O niemals! Ich würde Sie unglücklich machen—Teuerste, Geliebte—ich müßte ein erbärmlicher Mitgiftjäger und Abenteurer sein—(Sie umschlingt ihn fester und küßt ihn:) O Gott! (Atemlos:) Oh… ich—(Er keucht:) Ich kenne die Frauen noch immer nicht… keine Ahnung habe ich… die Erfahrungen von zwölf Jahren genügen nicht!
(In einer Aufwallung von Eifersucht stößt sie ihn von sich fort, und er taumelt zurück in den Stuhl wie ein vom Wind verwehtes Blatt. Da tanzt Dolly mit dem Kellner ins Zimmer, Frau Clandon und McComas folgen ihr, auch tanzend, und Philip pirouettiert auf eigene Faust herein.)
(Dolly sinkt atemlos auf den Stuhl vor den Schreibtisch:) Oh, ich bin atemlos! Sie tanzen wundervoll Walzer, William!
(Frau Clandon sinkt in den Lederfauteuil vor dem Kamin:) Oh, wie konnten Sie mich nur zu einer solchen Torheit verleiten, Finch! Ich habe seit der Soiree in South Place vor zwanzig Jahren nicht getanzt.
(Gloria bestimmt, zu Dr. Valentine:) Stehen Sie auf! (Dr. Valentine erhebt sich unterwürfig.) Lassen wir jetzt alles falsche Zartgefühl beiseite. Sagen Sie meiner Mutter, daß wir entschlossen sind, uns zu heiraten.
(Ein Schweigen sprachlosen Erstaunens. Dr. Valentine, sprachlos vor panischem Schrecken, starrt alle an. Er will sichtlich davonlaufen.)
(Dolly bricht das Stillschweigen:) Nummer sechs!
(Philip.) Sch!
(Dolly ausgelassen:) Oh, meine Gefühle! Ich kann sie kaum beherrschen!
Ich möchte jemanden küssen,—und in der Familie ist das verboten!
Wo ist Finch?
(McComas heftig losbrechend:) Nein! zum Donnerwetter!
(McNaughtan erscheint an der Fenstertür.)
(Dolly zu McNaughtan laufend:) Oh, Sie kommen gerade recht! (Sie küßt ihn.) Nun—(zieht ihn vor, zu Dr. Valentine und Gloria:) segnen Sie sie!
(Gloria.) Nein! nichts davon—nicht einmal im Scherz. Wenn ich einen
Segen brauche, so werde ich meine Mutter darum bitten.
(McNaughtan zu Gloria, schmerzlich enttäuscht:) Soll das heißen, daß du dich mit diesem Herrn verlobt hast?
(Gloria entschlossen:) Ja.—Haben Sie die Absicht, unser Freund zu sein, oder—
(Dolly unterbrechend:)—oder unser Vater?
(McNaughtan.) Ich würde gern beides sein, mein Kind, aber—!… Herr
Doktor Valentine, ich wende mich an Ihr Ehrgefühl—
(Dr. Valentine.) Sie haben ganz recht. Es ist einfach Wahnsinn. Wenn wir zusammen auf einen Ball gehen wollen, werde ich Sie um fünf Schillinge anpumpen müssen, um mir die Eintrittskarte zu lösen. —Gloria, übereilen Sie nichts—Sie werfen sich fort! Es ist das beste, wenn ich alledem ein Ende mache und niemals irgendeinem aus Ihrer Familie wieder begegne. Ich werde keinen Selbstmord begehen, ich werde nicht einmal unglücklich sein: es wird eine Befreiung für mich sein—ich—ich fürchte mich—ich fürchte mich wahrhaftig—es ist die reine Wahrheit.